Große Germanen

…Die großen germanischen Führer der Frühzeit erscheinen in einem neuen Licht. – Als die Germanen in das Licht der Geschichte treten, vollbringen ihre Fürsten und Führer immer wieder Leistungen, die sich würdig denen der größten anderer Völker an die Seite stellen…

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Germania an ihre Kinder / Eine Ode ist der Titel eines patriotischen Gedichtes, welches Heinrich von Kleist im Jahre 1809 unter dem Eindruck der Besetzung weiter Teile Deutschlands durch den französischen Kaiser Napoleon Bonaparte verfasste.

Germania an ihre Kinder / Eine Ode ist der Titel eines patriotischen Gedichtes, welches Heinrich von Kleist im Jahre 1809 unter dem Eindruck der Besetzung weiter Teile Deutschlands durch den französischen Kaiser Napoleon Bonaparte verfasste.

Quelle: http://de.metapedia.org/wiki/Germania_an_ihre_Kinder

 

Erste Strophe

Die des Maines Regionen,

Die der Elbe heitre Aun,

Die der Donau Strand bewohnen,

Die das Odertal bebaun,

Aus des Rheines Laubensitzen,

Von dem duftgen Mittelmeer,

Von der Riesenberge Spitzen,

Von der Ost und Nordsee her!

Chor

Horchet! – Durch die Nacht, ihr Brüder,

Welch ein Donnerruf hernieder?

Stehst du auf, Germania?

Ist der Tag der Rache da?…

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…Und wer sind denn nun eigentlich die Menschen? Vor nicht allzu langer Zeit haben die Anthropologen in Äthiopien menschliche Knochenreste gefunden, die über eine Million Jahre alt sind. Der Mensch hat also seit Millionen von Jahren auf der Erde gelebt. Und wie steht es mit der Kultur und Gesittung, der Zivilisation? Ist diese nur 6000 Jahre alt? Ist der Mensch in regelmäßigen Zeitabständen immer wieder in den Zustand der Rohheit und Grausamkeit zurückgefallen? Jedenfalls ist für ihn das Wissen von außen gekommen. Die Götter bringen den Gral, den Schatz mit… Miguel Serrano

Germanic tribes Map 50 - 100 AD

Walther von der Vogelweide

Obwohl Miguel’s Serrano Buch sehr esoterisch ist – wenn man daran kein Interesse hat – bringt es darin auch viele Tatsachen von der Vorzeit zum Licht die uns geheim gehalten wurden. Schon deswegen ist es wert es zu lesen.

Hermann Wieland – Atlantis Edda und Bibel (1925)

Spanuth Juergen – Atlantis, The Mysterie Unravelled

Holger Kalwait ueber die Atlanter (Nordfolk) in Palestinien:

http://www.youtube.com/watch?v=ecWIVFigbX0

Altgermanische Kultur 1934 147 S.

Armin_und_die_Römer

 Deutsche Geschichte von der Germanischen Vorzeit – Suchenwirt

Spanuth Juergen – Das entraetselte Atlantis (1953)

Germanische Kunstschaetze der Voelkerwanderungszeit

Die Germanische Odal Oder Allod Verfassung_1934

Serrano Miguel – Das Goldene Band – Esoterik Ueber Hitler

Liebe Und Ehe Bei Den Vorchristlichen Germanen 1932  64 S.

Platon Als Hueter Des Lebens_1928

Schwabenkoenig Arminius

Herman Wirth Die Ura Linda Chronik

Zwei Titanen, Prometheus und Faust-Ein Vortrag

 

 

Germanic_Solstice_Celebration,_Germanische_Sonnenwendfeier,_during_the_Proto-Germanic_period,_large

Sonnenwendfeier in der protogermanischen (urgermanischen) Ära, ca. 1000 bis 500 vor unserer Zeitrechnung, mutmaßlich auf dem Questenberg (Vorläufer des Questenfests)

Germans 1000 to 500 B.C. celebrating the Summer Solstice

Die Grossen Germanischen Fuehrer – pdf

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BUCH

Kurt Pastenaci

Die grossen Germanischen Führer

Nordland Verlag – Berlin – 1939

 ca. 60 Seiten

Vorwort

Die Geschichte aller Geisteswissenschafen zeigt, daß sich im Laufe der Entwicklung selbst scheinbar festbegründete Urteile und Anschauungen wesentlich ändern. Das weltanschauliche Werden der Zeit ist einer der Gründe dafür, das nie rastende Streben der Wissenschaft, die immer zu neuen Feststellungen und Ergebnissen kommt, ein anderer. So wird das Geschichtsbild, das  wir von der Vergangenheit unseres Volkes haben, gegenwärtig aus beiden Gründen neu gestaltet, wobei auch die Frühgeschichte der Germanen erfaßt wird. Die hier gegebene Darstellung der großen germanischen Führer vor der geschichtlichen Völkerwanderung (also vor 375 unsr. Ztr.) stellt einen wissenschaftlich begründeten Versuch der Um- und Neugestaltung eines durch die Forschung überholten alten Bildes dar.

Durch die Ausgrabungen der letzten 20 Jahre wurde eine Fülle von Beweisen dafür erbracht, daß das alte Germanien viel dichter besiedelt war, als früher angenommen wurde. In allen deutschen Gauen wurden nicht nur zahlreiche neue Gräberfelder entdeckt und untersucht, auch die Ausgrabungen von Siedlungen ergaben eine überraschende Siedlungsdichte und Siedlungsstetigkeit. Die Funde zeigten ferner immer deutlicher, welche Entwicklung die einzelnen vor- und frühgeschichtlichen Völker Mittel- und Nordeuropas durchmachten, und wie sich die Volksgrenzen im Laufe der Jahrhunderte änderten. Man kann heute, gestützt auf die Ausgrabungen und Untersuchungen, nicht nur die Ausdehnung der Germanen, sondern sogar die Wanderungen einzelner ihrer Stämme selbst für jene Zeit festlegen, über die wir keine schriftliche Kunde besitzen. Das Wissen über die Kriegskunst und das Staatswesen unserer Vorfahren wurde ebenfalls wesentlich erweitert. Die neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse betreffen aber nicht nur die stoffliche Kultur der Germanen, sondern auch ihre Geisteshaltung und das Leben und Wirken einzelner führender Menschen.

Die neuesten Forschungen sind unserer Darstellung zugrunde gelegt und rechtfertigen somit die Herausgabe usnerer Schrift. Die großen germanischen Führer der Frühzeit erscheinen in einem neuen Licht. Das gilt selbst für diejenigen, die, wie Ariovist und Arminius, schon früher oft und eingehend behandelt worden sind. Es wird ja stets die Aufgabe nicht nur der Geschichtsschreiber, sondern aller an der Vergangenheit unseres Volkes Anteil nehmenden Menschen sein, das Bild der großen Persönlichkeiten den wissenschaftlichen Forschungsergebnissen entsprechend darzustellen und zu sehen, um an dem Vorbild, das sie uns gaben, selbst zu wachsen.

Kurt Pastenaci.

Sippe und Führertum

Die Grundpfeiler der germanischen Volksordnung

Auf zwei Grundpfeiler ruhte jahrtausendelang die Volksordnung unserer Vorfahren. Auf der Sippe und dem Führertum. Beide galten ebensosehr in der Bronzezeit, also im 2. Jahrtausend v. d. Ztr., wie in den Jahrhunderten der Kämpfe gegen das Römerreich, aber auch noch zur Zeit der Wikinger am Ende des 1. Jahrtausends uns. Ztr.

Die Sippe war die wirtschaftliche, rechtliche; militärische und volkliche Grundeinheit. Das ist durch die griechischen und römischen Schriftsteller ebenso eindeutig bezeugt wie durch die frühmittelalterlichen Überlieferungen und die nordischen Sagas. Für die beiden Jahrtausende vor unserer Zeitrechnung geben die Grabstätten unzweifelhaft davon Kunde, daß die Sippe die Grundeinheit alles Lebens war, haben doch die Untersuchungen der Friedhöfe gezeigt, daß die Gräber meist deutlich erkennbare Gruppen bilden, daß also die Glieder einer Sippe noch im Tode vereint blieben. Bei einzelnen Stämmen, wie z. B. den Eheruskern, gab es sogar keine großen allgemeinen Grabplätze, sondern nur kleine Sippenfriedhöfe.

Das Führertum wird ebenfalls von antiken Berichterstattern – mehr oder minder deutlich, allerdings – angeführt. Schon von den Kimbern und Teutonen heißt es, daß sie von Königen geführt wurden. Cäsar kämpft mit dem Swebenkönig Ariovist und später werden immer wieder Könige, Herzöge oder Fürsten genannt.

Die besondere Eigenart des germanischen Führertums hat aber nur Tacitus in seiner “Germania” geschildert. Es ist das Gefolgschaftswesen, daß nach diesem römischen Geschichtsschreiber entweder auf einem freiwilligen Anschluß an die schon vorhandene Gefolgschaft eines germanischen Fürsten oder auf der ehrenvollen Berufung in diese Gefolgschaft beruhte.

Das Verhältnis zwischen dem Gefolgsmann und dem Führer sowie die Ehrauffassung dieser Männergemeinschaft schildert Tacitus ausführlich. Entscheidend ist dabei seine Feststellung:

“Geht es in die Schlacht, so ist es schimpflich für den Führer, an Tapferkeit übertroffen zu werden, schimpflich für das Gefolge, der Tapferkeit seines Führers nachzustehen. Nun gar aus der Schlacht ohne seinen Führer heimzukehren, ist eine Schande für das ganze Leben, eine untilgbare Schmach; ihn zu verteidigen, zu schützen selbst die eigenen Taten ihm zum Ruhme anzurechnen, ist heiligste Vepflichtung. Die Führer kämpfen für den Sieg, das Gefolge für den Führer.”Auch aus späteren Quellen wissen wir, daß ein derartiges Gefolgschaftswesen und Führertum dem germanischen und bis ins Mittelalter hinein auch dem deutschen Wesen entsprach. Es kümmerte den Gefolgsmann wenig, ob das, was der Führer, dem er sich angelobt hatte, tat, recht und richtig war oder nicht. Er teilte mit ihm Erfolg und Niederlage, Leben und Tod und er erwartete nur, daß der Führer ihm gleichfalls die Treue hielt. Das Nibelungenlied legt gerade dafür ein erschütterndes Zeugnis ab, denn König Gunther hätte seine Brüder und sich retten können, wenn er seinen Gefolgsmann Hagen der Rache Krimhilds ausgeliefert hätte. In echt germanischer Art wählte er den Tod um der Treue willen.

Dieses Gefolgschaftswesen ist nicht erst mit den Kämpfen unserer Vorfahren gegen die Römer entstanden. Freilich hat Cäsar unmittelbar nichts darüber berichtet, was um so erstaunlicher ist, als gerade er ein auszuzeichneter Beobachter militärischer Verhältnisse war. Man hat daraus schließen wollen, daß das Gefolgschaftswesen erst nach seiner Zeit entstanden sei; aber ein solcher Schluß ist nicht genügend begründet. Der große römische Feldherr und Staatsmann sah die Germanen erst dann, wenn sie sich zur Schlacht ordneten. Dann aber traten die Gefolgsleute, da sie ja gleichzeitig gewissermaßen das Offizier- und Unteroffizierkorps bildeten, in Reich und Glied oder stellten sich als Vorkämpfer an die Spitze der Schlachtteile.

Von solchen Vorkämpfern wird schon aus Anlaß der Einfälle der Kimbern und Teutonen in das römische Reich berichtet, und Cäsar bezeugt die Gefolgschaft mittelbar – und wohl nur halb verstanden -, wenn er mitteilt:

“Und wenn einer von den Häuptlingen in der Landesversammlung erklärt, er wolle Führer sein, wer ihm folgen wolle, möge sich melden, dann erheben sich diejenigen, welche die Sache und den Mann gutheißen und versprechen ihren Beistand, und die Menge zollt ihnen Beifall.”

Wir dürfen also annehmen, daß auch das Gefolgshalftswesen eine uralte germanische Einrichtung war, zumal Grabanlagen dafür sprechen.

Die unbekannten Führer

Es ist an sich selbstverständlich, daß es Volksführer auch zu einer Zeit gab, über die wir keine schriftliche Kunde besitzen, und zwar Führer von ungewöhnlichem Ausmaß. Als die Germanen in das Licht der Geschichte treten, vollbringen ihre Fürsten und Führer immer wieder Leistungen, die sich würdig denen der größten anderer Völker an die Seite stellen. Man hat die Staatskunst eines Theodorich d. Gr. damit erklären wollen, daß er ein Jahrzehnt lang am römischen Kaiserhofe in Byzanz (Konstantinopel) als Geisel weilte und dort zum Staatsmann erzogen worden sei, aber die Staatskunst des großen Wandalenkönigs Geiserich, der ein halbes Jahrhundert früher lebte, war nicht geringer und Geiserich hat niemals römische Erziehung erhalten. Geht man um mehr als ein halbes Jahrtausend ins 2. Jahrhundert v. d. Ztr. zurück, dann ist der Zug der Kimbern und Teotonen militärich wie wirtschaftlich (was die Verpflegung angeht) eine Führertat ersten Ranges, die sich, wie wir sehen werden, durchaus mit dem Zug Alexanders oder dem des Karthagers Hannibal vergleichen läßt. Schon in der Frühgeschichte unserer Vorfahren treten also überragend große Führer auf, deren Namen und nur in seltenen Fällen überliefert sind.

Aus der vorgeschichtlichen Zeit der Germanen klingen uns gar keine Führernamen mehr entgegen. Und doch vermögen wir die Größe dieser unbekannten Führer in manchen Fällen an ihren Leistungen oder an der offensichtlichen Liebe, mit der ihr Stamm ihnen den totenhügel wölbte, zu ermessen.

Das Königsgrab von Seddin

Bei Seddin in der Prignitz liegt ein solcher Grabhügel. Er stammt etwa aus der Zeit um 800 v. d. Ztr. Unbekannt ist der Name des darin bestatteten, zweifellos großen Führers. Von Mund zu Mund weitergegeben, hat sich zwar durch die Jahrtausende ein Name erhalten, denn noch als die Grabkammer entdeckt wurde, raunte man im Volk davon, daß in dem Hügel der Riesenkönig Hinz in einem dreifachen Sarge aus Gold, Silber und Kupfer ruhe. Der dreifache Sarg war Wirklichkeit, wenn auch die Asche des Toten nur von Stein, Ton und Bronze umgeben war, aber der Name, den die Sage nennt, ist doch zu unsicher bezeugt. Dafür ist die Bedeutung des Fürsten um so deutlicher durch die Art der Grabanlage dargetan. Die Forscher haben berechnet, daß allein zur Wölbung des Hügels 150 Werkleute ein ganzes Jahr lang tätig gewesen sein müssen. Da die germanischen Führer keine Sklavenheere besaßen, wie die ägyptischen Pharaonen oder asiatischen Könige, kann nur die Liebe des eigenen Volkes dem großen Führer dies gewaltige Grabdenkmal geschaffen haben. Es ist nicht das einzige, das wir aus der Bronzezeit besitzen, aber es ist eins der hervorragendsten.

Auch die Führerleistung des bei Seddin bestatteten Toten läßt sich – wenigstens mit einiger Wahrscheinlichkeit – ermessen. Damals mußten die in der Prignitz und in Mecklenburg lebenden Germanen mit ihren südlich und östlich wohnenden Nachbarnm den Illyrern, kämpfen. Eine immer fühlbarer werdende Klimaverschlechterung zwang zu einer Ausdehnung des Landbesitzes und zur Verschiebung der Volksgrenzen. Das Wetter wurde im Jahresdurchschnitt, wie der Pflanzenwuchs besonders in den Mooren für jene Zeit bezeugt, feuchter und kühler. Das Grundwasser stieg, der Spiegel der Flüsse und Seen hob sich. Ackerland, das bis dahin gut getragen hatte, brachte nur noch geringe ernten, und die Wiesen und Weiden wurden feucht und sumpfig. Die Erringung neuen Landes durch Kampf mit den Nachbarn war also eine Lebensnotwendigkeit. Tatsächlich mußten damals die Illyrer bis in die Gaue südlich der Havel zurückweichen, obwohl sie ihr Land auch nördlich des Flusses durch Burgbauten zu schützen und zu sichern versuchten.

Eine der Burgen, um die damals der Kampf gegangen sein mag, ist die sogenannte Römerschanze am Lehnitzsee bei Potsdam. Sie hat trotz ihres Namens nichts mit den Römern zu tun, denn es ist nachweisbar, daß niemals Legionen bis an die Havel vorgedrungen sind. Die an sich nicht sehr große Befestigung, die aber durch den See und einen Sumpfarm von Natur her geschützt war, sicherte den bei Potsdam gelegenen natürlichen Übergang über das Seen- und Sumpfgebiet der Havel. Eine starke Holz-Erd-Mauer und zwei tiefe Gräben – an der einzigen Angriffsstelle dazu noch zwei weitere – machtem die Burg zu einem starken Bollwerk. Es ist aber kein Zeifell, daß sie von unseren Vorfahren doch erobert wurde. In dem lebensentscheidenden Kampf, der mit dem Sieg über die Illyrer endete, mag der bei Seddin bestattete Fürst der Führer gewesen sein.

Die Ostgermanen

Unbekannt wie sein Name sind auch die anderer germanischer Führer, die ihren Stämmen Nenland eroberten. Vom 8. Jahrhundert v. d. Ztr. ab drangen besonders die östlich der Oder lebenden Germanen weit nach Süden vor. Auch sie mußten die Verteidigungswerke der illyrischen Stämme, die überall da errichtet waren, wo es brauchbare übergänge über das Sumpfgebiet des Urstromtales von Netze und über das Sumpfgebiet des Urstromtales von Netze und Warthe gab, überwinden. Von den Heldentaten und Leistungen jener Führer kündet kein Lied, keine Überlieferung, aber das, was damals geschah, ist an den Funden, die im Boden unserer ostdeutschen Heimat gemacht wurden, einwandfrei nachweisbar. Schließlich wurden diese germanischen Stämme die anhaltende und verstärkt auftretende Klimaverschlechterung gezwungen, ihre Heimat ganz zu verlassen und nach Süden zu wandern.

Die Schwierigkeiten einer solchen Wanderung, die bis zu den Ufern des Schwarzen Meeres führte, können wir uns kaum noch vorstellen, sind wir doch an ausgebaute Straßen, Eisenbahnen und Automobile gewöhnt. Wege gab es damals natürlich auch, Wege, die von den Kaufleuten und  Händlern und in seltenen Fällen auch von kleineren Menschengruppen benutzt wurden. Sie mögen unseren einfachsten Feld- und Waldwegen vergleichbar gewesen sein und waren, wie diese, gewiß keinem stärkeren Verkehr gewachsen.

Es kam hinzu, daß ja nicht nur Männer, sondern auch Frauen und Kinder mit dem gesamten Hausrat und Viehnach Süden zogen, und daß der Weg überall durch fremde und feindliche Völker führte, die ihre alte Heimat gegen die Eindringlinge mit allen Mitteln verteidigten. Da galt es nicht nur, die überhaupt brauchbaren Wege vorher zu erkunden, mit den feindlichen Stämmen zu kämpfen oder Verträge zu schließen, sich gegen Überfälle, die einen viele Meilen langen Wagenzug auf das empfindlichste treffen konnten, zu sichern, sondern auch dafür zu sorgen, daß rechtzeitig geeignete Winterquartiere bezogen wurden, daß die Kinder und das Vieh die Strapazen aushielten, und daß die nötige Verpflegung, die ja nicht nur aus Fleisch und Milch bestehen konnte, für Menschen und Tiere herbeigeschafft wurde.

Die Führer mußten ebensosehr für eine geordnete Räumung der alten Heimat wie für die Ordnung auf dem Marsch sorgen, mußten die Sippen zusammenhalten, Ersatz für zerbrochene Karren und Wagen schaffen, die entstandenen Verlufte an Menschen und Material so ausgleichen, daß jeder Gefahr begegnet werden konnte, und vieles andere mehr. Es spricht für die außerordentliche Leistung der Führer dieser Ostgermanen, daß sie ihre Stämme, deren Namen “Bastarner” und “Skirer” griechische Inschiften melden, so stark und kampfkräftig bis an die Ufer des Schwarzen Meeres führten, daß sie in der Lage waren, dort Neuland zu erbern, gegen jeden Feind zu sichern und sogar griechische Städte wie Olbia (an der Mündung des Dnjepr) anzugreifen. Die beiden Stämme spielten später in den Kämpfen mit den Römern noch eine große Rolle. Sie schlugen u. a. im Jahre 59 v. d. Ztr. das Heer des römischen Statthalters von Macedonien C. Antonius, und hielten sich bis in die Zeit der Völkerwanderung hinein. Der Soldatenkönig Odowakar, der Italien beherrschte, und erst Theodorich dem Großen unterlag, entstammte z. B. dem Fürstengeschlecht der Skirer.

Die Westgermanen

Ähnliche Leistungen müssen in jenen Jahrhundert auch die Führer anderer germanischer Völker vollbracht haben, deren Namen uns genau so unbekannt sind. Die Westgermanen hatten Nachbarn, die sehr viel kriegstüchtiger waren als die Illyrer: die Kelten. Die Stämme dieses Volkes drangen im ersten Jahrtausend v. d. Ztr. bekanntlich weit nach Süden und Osten vor. Sie setzten sich nicht nur in Spanien fest, sondern auch in Italien, wo sie Rom eroberten, im Donauraum und auf der Balkanhalbinsel. Ja, sie stießen sogar bis nach Kleinasien vor. Dieses tapfere und gut beaffnete Volk leistete unseren Vorfahren lange Zeit heftigen Widerstand. Es wich zwar im Westen am Rhein zurück, stieß dafür aber von Süddeutschland aus im 6. Jahrhundert v. d. Ztr. über Thüringen bis zum Harz vor und konnte sich dort zwei Jahrhunderte behaupten. Es baute, ähnlich wie die Illyrer, zum Schutz seiner Gaue zahlreiche, geschickt angelegte Burgen, die, auf hohen Bergen liegend, sehr viel größer und fester waren. Ihre Mauern wurden ohne Mörtel aus Steinen, meist mit einem zur Verankerung notwendigen Holzgerüst errichtet, Mauern, die vier Meter dick und mindestens ebenso hoch waren. Viele Jahrhunderte dauerte der Kampf, ehe die Germanen siegten und die Kelten zwangen, sich nach Süddeutschland über den Main und schließlich auch über die Donau zurückzuziehen. Einzelne germanische Stämme konnten unter ihren Führern schon sehr die keltischen Gaue durchziehen und sogar bis nach Spanien vordringen. Dies bezeugt der im 5. Jahrhundert v. d. Ztr. lebende griechische Geschichtsschreiber Herodot, der von den “oretanischen Germanen” in Spanien spricht. Über die Bewertung aller dieser Ereignisse haben sich nur selten die Geschichtsschreiber früherer Jahrzehnte ein zutreffendes Urteil gebildet. Es schien damals durchaus möglich, daß selbst größere Menschenmengen ohne rechte Führung weite Strecken durchwandern konnten, nahm man doch an, daß unsere Vorfahren Nomaden waren, die erst durch die Römer zur Seßhaftigkeit gezwungen wurden. Der Irrtum, dem die Gelehrten der vergangenen Jahre unterlagen, ist insofern verständlich, als sie nicht über die Forschungs- und Ausgrabungsergebnisse der Vorgeschichtswissenschaft verfügten, die wir heute besitzen. Jetzt, wo wir wissen, daß Mitteleuropa auffallend stark besiedelt war, daß die dort lebenden Völker waffentechnisch auf der Höhe ihrer Zeit gewesen sind, daß sie ihre Verteidigungsanlagen und Befestigungen nicht planlos, sondern nach strategischen Grundsätzen errichteten – erst heute also erscheint uns die Leistung der germanischen Stämme und ihrer Führer im rechten Licht. Unbekannte Führer, gewiß! Aber doch Männer, die überragende Fähigkeiten besaßen, die nicht sinn- und planlos handelten, sondern umsichtig und tatkräftig für ihr Volk sorgten und den ihnen gestellten Aufgaben gewachsen waren. Diese unbekannten Führer und ihre Leistungen erklären erst das, was die später von den römischen und griechischen Schriftsstellern mit Namen genannten Führer unserer Vorfahren schaffen und erreichen konnten. Wie dem unbekannten Soldaten des Weltkrieges sollte, wenigstens im Herzen unseres Volkes, auch diesen unbekannten Führern ein unvergängliches Denkmal gesetzt werden.

 – LANGOBARDEN –

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Der Volksturm aus dem Norden

Das Reich der Römer

Gegen Ende des 2. Jahrhunderts v. d. Ztr. schickt sich Rom, das nach seinen Siegen über Karthago zur führenden Macht im Mittelmeer geworden ist, an, seinen Landbesitz an allen Ufern dieses Meeres zu vervollständigen und abzurunden.

Als Verbindung zwischen dem schon besetzten Spanien und Italien wird Südgallien erobert. Die Legionen dringen durch den mächtigen Alpenwall hindurch setzen sich in Noricum fest. Dort gibt es Goldbergwerke, die für das werdende Weltreich wichtig sind. Auch in Kleinasien und Afrika marschieren die römischen Heere. Da bricht unvermutet ein mächtiger Feind aus dem dunklen Norden hervor, schlägt den Konsul Papirius Carbo bei Noreja im Jahre 113 v. d. Ztr., verschwindet längäre Zeit aus dem Geschichtskreis der Römer, vernichtet dann das Heer des Konsul Julius Silanus in Südgallien 109 v. d. Ztr., wendet sich wiederum nach Norden, vernichtet im Jahre 105 v. d. Ztr. bei Arausio an der Rhone eine römische Truppenmacht von angeblich 80 000 Mann so vollständig, daß man in der “Ewigen Stadt” am Tiber von einem zweiten und größeren Canae spricht. Von Schrecken gepackt, übergeben die Römer ihrem fähigsten Mann, dem Konsul Marius, die unbeschränkte Herrschaft und erneuern sie Jahr für Jahr. Dem neuen Feldherrn gelingt es dann auch, die fremden nordischen Völker, die dem Weltreich nicht weniger gefährlich zu werden schienen als die Karthager, in zwei Schlachten, 102 v. d. Ztr. bei Aquae Sertiae und 101 v. d. Ztr. bei Vercellae, völlig aufzureiben. Die drohende Gefahr ist überwunden, aber keiner der stolzen Senatoren ahnt, daß diese Kämpfe nur ein Vorspiel für die weltgeschichtliche, länger als ein halbes Jahrtausend andauernde Auseinandersetzung zwischen dem Großstaat des Südens und dem Großvolk des Nordens darstellten, daß jene Macht, die das Weltreich am Mittelmeer zerstörte, erst im Anmarsch war.

Die Großmacht des Nordens

Zur gleichen Zeit, die den Römern die Vorherrschaft im Süden brachte, errangen die Germanen die unzweifelhafte Vorherrschaft über Nord- und Mitteleuropa. Sie waren nach Westen über den Rhein hinaus vorgestoßen, hielten im Osten ein Gebiet besetzt, das, von Ostpreußen abgesehen, fast das ganze heutige Ostdeutschland und dazu noch einen großen Teil des heutigen Polens umfaßte. Die keltischen Stämme behaupteten sich zwar noch in Süddeutschland, Böhmen und Mähren und in Schlesien, westlich der Oder; eine Kette starker, auf hohen Bergen errichteter Burgen und befestigter Städte sicherte sogar noch einen teil von Thüringen und Hessen gegen die anstürmenden Stämme des großen germanischen  Swebenbundes, aber die Kelten waren doch überall in die Verteidigung gedrängt und langsam, und aufhaltsam gewannen die germanischen Tausendschaften Neuland. Da traf eine neue Naturkatastrophe einen Teil unserer Vorfahren und raubte ihnen weite Stücke ihrer alten Heimat. Es muß eine Sturmflut von außerordentlichem Ausmaß gewesen sein, die nicht weniger als vier Stämme Jütlands zwang, ihre Heimat zum größten Teil zu verlassen. Die Wandalen, die vorher in Jütland seßhaft waren, zogen nun nach Ostdeutschland und nahmen das Land südlich von Netze und Warthe, zwischen Oder und Weichsel, in Besitz. Ihre Nachbarn, die Kimbern, Teutonen und Ambronen, wurden gar gezwungen, sich eine neue Heimat jenseits der alten germanischen Grenzen zu suchen. Auch in Norwegen muß die Sturmflut gehaust haben, denn von dort  kamen annähernd zur gleichen Zeit die Rugier und setzten sich in Pommern und an der Weichselmündung fest. Gemeinsam mit ihnen zogen von der Insel Bornholm die Burgender aus und nahmen das Land, das zwischen den Rugiern und Wandalen frei geblieben war, in Besitz.

Teutobod und Bojorix

Die Römer erhielten freilich nur von den Kimbern, Teutonen und Ambronen Kenntnis, weil nur diese drei Stämme mit ihnen in Berührung kamen. Ihre Berichterstatter, vor allem Plutarch, nennen uns auch die Namen einiger Führer, unter denen Teutobod, der Herzog oder König der Teutonen, und Bojorix, der Führer der Kimbern, die bedeutendsten gewesen sind. Trotz der zahlreichen Lücken, die diese antiken Nachrichten aufweisen, trotz der naturgemäß einseitigen Darstellung, und trotz der vielfach vorhandenen Übertreibungen geht aus dem, was uns überkommen ist, zweifelsfrei hervor, daß diese ersten germanischen Führer, die uns mit Namen genannt werden, außergewöhnliche Fähigkeiten besessen haben. Ein Geheimnis, das noch nicht geklärt werden konnte, umwittert den Zug der drei germanischen Stämme, denn Sinn und Ziel dieser Wanderung sind immer noch umstritten. Man kennt nur einige Festpunkte und weiß, daß die Kimbern, Teutonen und Ambronen erst mit dem in Böhmen und auch in Schlesien seßhaften keltischen Volk der Bojer kämpfen mußte, dann die Donau erreichten und ins Land der gleichfalls keltischen Skordisker (zwischen Donau und Drau) eindrangen, von dort sich nach Westen wandten die Alpen durchzogen, bei Noreja das erste römische Heer schlugen, um sich dann jahrelang in Süddeutschland aufzuhalten. Um 110 v. d. Ztr. überschritten sie den Rhein, schlugen 109 v. d. Ztr. das zweite römische Heer, zogen danach durch Gallien und siegten, nach Süden zurückkehrend, bei Arausio über die Legionen. Danach wandten sie sich aber nicht, wie die Römer befürchteten, nach Italien, sondern gingen zunächst nach Spanien und darauf nach Gallien zurück. Erst m Jahre 102 v. d. Ztr. traten sie zum Entscheidungskampf gegen die Römer an. Dabei gelang es den Kimbern unter  ihrem Führer  Bojorix die Alpen überwinden und in Oberitalien einzubrechen.

Allein aus diesen Festpunkten ergibt sich, daß die Stämme einen Weg von mehr als 7000 Kilometer (in der Luftlinie) zurückgelegt haben müssen. Da es damals in Nord- und Mitteleuropa keine größeren ausgebauten Straßen und Wege gab, ist schon allein diese Marschleistung beachtlich, um so mehr, wenn man bedenkt, daß Frauen, Kinder und Vieh mitgeführt wurden. Die römisch-griechischen Schriftsteller geben ganz außerordentlich hohe Zahlen für die Schar der Wandernden an. Wären sie richtig, so müßten wenigstens 1 bis 1,5 Millionen Menschen in Bewegung gewesen sein, eine Masse, die für die damalige Zeit selbst von den fähigsten Führern nicht zu beherrschen gewesen wäre. Wissenschaftliche Einzeluntersuchungen haben dann auch ergeben, daß im Höchstfall wenig mehr als 100 000 Germanen diese Wanderung durchführten und unter ihnen werden höchstens etwa 50 000 kampffähige Männer gewesen seien. Aber diese 100 000 Menschen durch unbekannte und unwirtliche Landschaften wie die Alpen und durch von starken feindlichen Völkerstämmen bewohnte Gaue so zu führen, daß die Kampfkraft noch ausreichte um den Römern an der Rhone ein zweites und groeßeres Cannae zu bereiten, ist eine Führerleistung ersten Ranges. Alexander der Große und Hannibal hatten es leichter, als Teutobod und Bojorix, denn sie führten nur ein Heer, sie waren nur Feldherren, die über geschulte und kriegsgewohnte Männer geboten. Sie hatten auch mit sehr viel geringeren Verpflegungschwierigkeiten zu rechnen. Es ist zur Erklärung des Zuges der Kimbern, Teutonen und Ambronen mitten durch das sich von Gallien bis zur Donau erstreckende Keltenland die Auffassung vertreten worden, daß die keltischen Stämme jener Zeit nicht mehr besonders kampfkräftig gewesen wären. Die geschichtlichen Tatsachen bezeugen aber das Gegenteil. Eben jene Skordisker in deren Land die Germanen eindrangen, besiegten im Jahre 116 v. d. Ztr. ein römisches Heer und hielten sich mehrere Jahre lang gegen die Legionen. Die damals in Süddeutschland lebenden Helvetier, mit denen die drei Nordstämme gleichfalls kämpfen mußten, zwangen einen römischen Konsul mit seinen Truppen im Jahre 107 v. d. Ztr. in Südgallien unter das Joch. Der Zug durch die Keltenlande ist also alles andere als ein Spaziergang gewesen.

Die römischen Feldherrn

Gewiß ist die Niederlage von Noreja auf die Unfähigkeit des römischen Feldherrn zurückzuführen. Aber Junius Silanus, der gleichfalls den germanischen Tausendschaften unterlag, war ein durchaus kriegserfahrener Feldherr und Servilius Caepio, der die Hälfte der Legionen bei Arausio befehligte, hatte sich sogar bei den Kämpfen in Spanien Kriegsruhm erworben. Einer seiner Unterfeldherrn, Marcus Aurelius Scaurus, dessen vorgeschobenes Korps von den Germanen schon vorher vernichtet wurde, ist gleichfalls ein tapferer, wackerer und umsichtiger Mann gewesen. Schließlich hatte Quintius Lutatius Catulus, der vergeblich versuchte, die Alpenpässe zu sperren und die Kimbern am Eindringen in Italien zu verhindern, seine erste Kriegserfahrung schon unter dem großen Scipio bei der Belagerung von Rumantia erworben. Sein Unterführer war der berühmte Sula, der nach Marius Diktator wurde. Die Niederlagen der Römer lassen sich also nicht mit der Unfähigkeit der Feldherrn entschuldigen. Es bleibt nichts anders übrig, als festzustellen, daß die germanischen Heerführer ihren Gegnern an militärischen Fähigkeiten überleben gewesen sein müssen. Wenn sie gegen Marius doch nicht den Sieg erringen konnten, dann lag das in erster Linie an der starken zahlenmäßigen Überlegenheit der römischen Heere, die bei Aquä Sextiae und Vercellae kämpfen. In der letzten Schlacht standen dem höchstens 25 000 Mann starken Kimbernheer mehr als 52 000 Legionäre gegenüber.

Die Überwindung der Alpen

Aus den Kämpfen jener Tage wird uns so manches “Husarenstücklein” überliefert, das ein helles Licht ebensosehr auf die Wesensart unserer Vorfahren, wie auf die überragenden Fähigkeiten ihrer Führers wirft. Bojorix und Teotobod ließen sich bei Noreja scheinbar ahnungslos in den von den Römern gestallteten Hinterhalt führen. Ihr Heer war dann aber urplötzlich so schlagfertig, daß die Legionen besiegt wurden und so kopflos flohen, daß sich Reste erst drei Tage nach der Schlacht wieder zusammenfanden. Bei der zweiten Übersteigung der Alpen hielten sich die Kimbern nicht lange mit dem Berennen der römischen Stellungen auf. Sie erstiegen die Berge, setzten sich oben angekommen auf ihre Schilde und rodelten zum hellen Entsetzen der Legionen jauchzend die schneebedeckten Hänge herab. Den Übergang über die Etsch erzwangen sie kurz danach dadurch, daß sie “wie Giganten” Bäume entwurzelten, Erde und Steine herbeischleppten und einen Damm in den Gebirgsfluß hineinzubauen begannen. Als einige von dem Wildwasser losgerissenen Stämmen gegen die Pfeiler der von den Römern besetzten Brücke trieben und das hözerne Bauwerk durch ihren Anprall erschütterten, packte die Römer der Schrecken derartig, daß sie ihre wohlbefestigten Stellungen räumten und Hals über Kopf abzogen.

Diese Augenblicksbilder sind gewiß keine Erfindungen der antiken Schriftsteller, sie lassen Plan und Willen der germanischen Führer erkennen. Auch über die Art, wie unsere Vorfahren zu kämpfen gewohnt waren, geben uns die Nachrichten einigen Aufschluß. Der Verlauf der Vernichtungsschlacht bei Arausio wird zwar nicht in allen Einzelheiten geschildert, aber es geht aus der Gesamtdarstellung doch soviel hervor, daß es den germanischen Herzögen gelang, das gestaffelt aufgestellte römische Heer in der Flanke zu umfassen und in die Rhone zu werfen. Für die Manneszucht, die bei den Tausendschaften herrsche, zeugt die Mitteilung, daß sie im Gleichschritt angriffen. Plutarch berichtet: “Sie stürzten nicht ungeordnetem und tollem Lauf heran, sie stießen auch kein unartikuliertes Kriegsgeschrei aus, sondern schlugen im Rhythmus ihre Waffen zusammen und indem sie alle zu gleicher Sprünge ausführten, riefen sie alle gleichzeitig viele Male ihren eigenen Namen: Ambronen.” Es kann kein Zweifel sein, daß Plutarch damit einen im Gleichschritt durchgeführten Angriff schildert.

Vergleich mit Alexander dem Großen und Hannibal

Der Enderfolg blieb den drei Stämmen und ihren Führern versagt. Aber das darf uns nicht hindern, die tatsächlich vorhandenen außerordentlichen Führerleistungen einzusehen und anzuerkennen. Die Weltgeschichte stempelt nicht nur die auf die Dauer erfolgreichen Männer zu großen Führern. Hannibal z. B. gilt als einer der größten Feldherren aller Zeiten, obwohl ihm zuletzt der Sieg versagt blieb und er fern von der Heimat den Tod fand. Das gleiche gilt ja auch von Napoleon, dessen überragendes militärisches und staatsmännisches Können von niemand ernsthaft angezweifelt wird. Es wäre also falsch, ein Urteil über die Führer der Kimbern, Teutonen und Ambronen abzulehnen, nur weil sie und ihre Stämme schließlich doch vernichtet wurden. Man kann Bojorix und Teotobod vielmehr mit zwei der größten Gestalten der Weltgeschichte, so anmaßlich das zunächst  auch erscheinen mag, mit Alexander dem Großen und Hannibal durchaus vergleichen. Der König der Macedonier war der Führer der stärksten Militärmacht seiner Zeit, zu der sein Vater den Grund gelegt hatte. Der Zug, den er durchführte, durchmaß gewiß etwa die dreifache Strecke, wie jene der Kimbern, Teutonen und Ambronen, aber Alexander kämpfte gegen ein sterbendes, morsches Reich, gegen ein ihm durchaus unterlegenes Heer und er fand fast überall, wohin er kam, unterdrückte Völker, die ihn als Befreier begrüßten und deren Hilfe wichtig war. Die Herzöge der Germanen mußten ihre Stämme erst durch die Gaue kampfkräftiger Keltenvölker führen, ehe sie mit der stärksten Militärmacht der alten Welt, den Römern, zusammenstießen. Dann gelang es ihnen, fünf Heere zu schlagen und einen Großstaat, der alles andere als morsch und sterbend war, der sich vielmehr erst im Aufstieg befand, in Angst und Schrecken zu versetzen. Vergleicht man den Germanenzug mit dem Hannibals, so ist festzustelen, daß die drei nordischen Stämme zweimal die Alpen überwanden, einmal von Südosten nach Nordwesten und zum zweiten male von Norden nach Süden. Hannibal, der große Karthager, fand die Gebirgspässe nicht durch römische Truppen gesperrt, er hatte nur mit den Alpenvölkern zu kämpfen. Der Herzog der Kimbern mußte dagegen die von einem fähigen Führer befehligten Legionen im Hochgebirge überwinden. Wenn die Römer selbst die Schlacht von Arausio mit der von Cannaei vergleichen, dann haben wir wahrlich keinen Grund, zu widersprechen und die Leistungen unserer Vorfahren geringer einzuschätzen. Mit dem Zug der Kimbern, Teutonen und Ambronen treten unsere Vorfahren in das Licht der Geschichte, in ein Licht, das sie nicht zu scheuen brauchen. Wie ein altgermanisches Heldenlied klingen die Berichte jener Zeit zu uns herüber. Sie künden uns von einem Kampf, der der Taten aller späteren Geschlechter würdig gewesen ist. Sie beweisen uns aber auch, daß unter unseren Ahnen wahrhaft große Führer gelebt und gewirkt haben.

  Der Kampf um Gallien

 Cäsar und Ariovist

An jenem Tage des jahres 60 v. d. Ztr., an dem sich die drei mächtigsten Männer Roms, der reiche Crassus, der ruhmreiche feldherr Pompejus und der kluge Cäsar die Hand zum Bunde reichten, begann der neue Abschnitt der Weltmacht am Mittelmeer, jener Abschnitt, der zum Kaiserreich und zu einer neuen, ungeahnten Blüte führte. Das Triumvirat war das Werk Cäsars. Dieser überlegene, staatsmännische Geist verstand es, die beiden Feinde Crassus und Pompejus zu versöhnen und ihnen, vor allem dem politisch harmlosen, aber wackeren Kreigsmann die Erfüllung aller Wünsche zu gewährleisten, sich selbst aber die eigentliche Macht zu sichern.

Im Jahre 59 v. d. Ztr. läßt sich Cäsar zum Konsul wählen, schaltet seinen Amtsgenossen nach wenigen Monaten aus und ist damit tatsächlich der Herr des Weltreiches. Könige, Herren und die Gesandtschaften von Ländern und Städten bemühen sich um seine Gunst, er zeigt sich auch darin klug und freigebig. Unter den Gesandten befinden sich auch Männer aus dem Norden, die das Haupthar zum Knoten gebunden an der Schläfe tragen und die in ihren langen Hosen, ihren einfachen Röcken und ihrem über die Schulter getragenen Mantel seltsam anmuten. Die Männer kommen aus Gallien. Sie sind von einem König Ariovist gesandt. Gallien! Der Staatsmann Cäsar weiß, daß in der Welt immer und überall das Schwert die letzten und entscheidenden Worte spricht. Er hat als Offizier Kriegsdienst getan und sich, kurz bevor er den Bund mit Crassus und Pompejus schloß, als Heerführer in Spanien bewährt. Will er die Herrschaft behalten, anstatt, wie so viele andere, sie nach Ablauf des Amtsjahres als Konsul wieder abzugeben, dann mußte er ein Heer haben. Nicht irgendein Heer im fernen Asien oder in Spanien, sondern legionen, die ihre Waffen auch gegen die Hauptstadt richten können, wenn es nötig sein sollte. Im Eisalpinsichen Galien (Oberitalien südlich der Alpen) stehen drei solche Legionen, die im Grenzkrieg schon erprobt sind. In wenigen Tagen können sie Rom erreichen. Cäsar läßt sich also die Statthalterschaft über diese Provinz übertragen. Aber er muß sich den Rücken sichern. Darum sorgen seine Freunde dafür, daß er auch die jenseits der Alpen gelegene gallische Provinz Narbo mit dem Oberbefehl über die dort stehende legion für einen Zeitraum von fünf Jahren erhält. Aus dem mitleren Gallien aber kommen jene Gesandten des Königs Ariovist. Sie bringen keine Geschenke und schmeicheln nicht, erzählen vielmehr von der Macht ihres Führers. Es kann nicht schaden, wenn man sich Ariovist verpflichtet, darum sorgt Cäsar dafür, daß dieser “Barbar” vom Senat König und Freund genannt wird. Eine Auszeichnung, die Rom nichts kostet und zu nichts verpflichtet.

Der Heerkönig der Sweben

Was ist in Gallien geschehen? Vom 7. jahrhundert v. d. Ztr. an haben sich die Germanen nach Überschreitung des Niederrheins im Norden des Landes ausgebreitet. Dort leben sie in enger und, wie es scheint, friedlicher Nachbarschaft mit den ja auch nordichen Keltenstämmen. Ehen verbinden die Völker, der Handel führt zum Austausch aller Güter und im Laufe der Jahrhunderte entsteht ein keltogermanisches Volkstum, das auf die übrigen germanischen Stämme keine besondere Wirkung hat. Während dieser Zeit schieben sich weitere germanische Stämme an den Rhein heran, erreichen im 2. Jahrhundert v. d. Ztr. schon den Main, gehen über diesen Strom und setzen sich in Süddeutschland  fest. Es sind die Stämme des mächtigen Bundes der Sweben. Sie dringen langsam aber zielsicher nach Süden vor und erreichen die Donau. Ihr Führer, der Heerkönig Ariovist, folgt dem Ruf der gallischen Sequaner und Arverner, die im schweren Kampf mit ihren Nachbarn, den Haeduern, liegen und leistet ihnen gegen Abtretung von Land Heereshilfe. Mit 15 000 Mann geht er 72 v. d. Ztr. über den Rhein, schlägt die Haeduer und ihre Verbündeten und versteilt das ihm vertragsmäßig zustehende Neuland an seine Krieger. Zum ersten Male sind nun Germanen nach Mittelgallien vorgestoßen. Ihre Kriegstüchtigkeit macht sie bald zu Herren über das Land. Die Kelten vereinigen sich zu einem Krieg gegen Ariovist, werden aber geschlagen und müssen dem Heerkönig Geisseln stellen. Neue swebische Scharen kommen über den Rhein und erhalten Land.  Die Germanen schicken sich an, Gallien unter ihre Herrschaft zu bringen. Das ist die Lage, die Cäsar vorfindet, als er seine Legionen an der Rhone vereinigt hat. Der große Staatsmann erkennt sofort, daß Gallien entweder germanisch oder römisch werden muß, weil die darin wohnenden Stämme nicht mehr fähig sind, sich gegen den einen oder anderen ihrer Gegner zu behaupten. Der Zug der Helvetier, die ihre Gaue südlich der Donau geräumt haben, ist Beweis genug. Nur ein Krieg kann entscheiden. Zwar hat Cäsar keinen rechten Grund für einen Waffengang mit dem Germanenkönig, aber das hindert ihn nicht, Forderungen an Ariovist zu stellen, die dieser, ohne auf das schon Errungene zu verzichten, nicht erfüllen kann. Während die Verhandlungen hin und der gehen und der Germane dem römischen Feldherrn darlegen läßt, daß er, der alle gallischen Stämme in einer einzigen Schalcht besiegt hat, im Recht ist, marschiert Cäsar nach Norden. Da zieht der Heerkönig seine Tausendschaften, die über beherrschtes Land verstreut sind, zusammen und fordert neue junge Mannschaft von den swebischen Stämmen jenseits des Rheines an. Die verlangte Schwerthilfe wird sofort bewilligt. Unter zwei Herzögen sammelt sich ein Heer und marschiert zum Rhein. Inzwischen aber hat Cäsar den künstigen Kriegsschauplatz erreicht und die wichtige Festung Bejançon besetzt.

Die Stärke der Heere

Für alles, was sich in diesen Monaten abspielte, haben wir nur einen zeitgenössischen Bericht, nämlich den Cäsars selber. Das, was spätere Schriftsteller drüber schrieben, ist wenig mehr als eine Erläuterung.

Die antiken Schriftsteller, Cäsar eingeschlossen, nahmen es meist mit ihren Angaben über die Stärke der feindlichen Heere nicht sehr genau. Sie übertrieben mitunter maßlos und nannten Zahlen, die die neuzeitliche geschichtliche Forschung als unmöglich festgestellt hat.

Wollte man Cäsar glauben, so müßte der germanische Heerkönig mehr als 100 000 Mann unter seinem Befehl gehabt haben. Die Einzelheiten der Schlachtschilderung lassen aber eine Berechnung zu, nach der das Heer des Arlovist rund 30 000 Mann stark gewesen sein dürfte. Cäsar hatte etwa 25 000 Römer unter seinem Befehl. Dazu kamen aber noch mindestens 15 000 bis 20 000 Gallier als Bundesgenossen, denn schon im vorangegangenen Helvetierfeldzug hatte Cäsar 10 000 Gallier bei sich, und der Krieg gegen die Germanen war ja Sache aller mittelgallischen Stämme, die in dem römischen Feldherrn damals noch ihren Freund und Helfer sahen. Das Heer Cäsars war also um ein Drittel stärker als das des Germanenkönigs. Der römische Geschichtsschreiber Cassius Dio bestätigt das ausdrücklich, wenn auch nicht mit Zahlenangaben.

Die Schlacht bei Mülhausen

In der Nähe von Mülhausen im Elsaß trafen die beiden Heere aufeinander (58 v. d. Ztr.) und was nun geschah, mutet wie neuzeitliche Kriegsführung an.

Beide Feldherren kennen die Unzuverlässigkeit der Gallier. Diese bleiben nicht lange im Felde, wenn die Not sie nicht zwingt. Wird ihnen das Kriegführen langweilig, dann gehen sie nach Hause. Die gallischen Hilfstruppen sichern aber Cäsar die Überlegenheit, also muß er alles tun, um möglichst rasch zur Schlacht zu kommen.

Aus dem gleichen Grunde ist Ariovist daruf bedacht, Zeit zu gewinnen. Die Unterredung, die er dem Römer vorher verweigert hat, führt er nun selbst herbei und hält seinem Gegner vor Augen, wie sehr dieser gegen alles Recht handelt. Cäsar benutzt die Gelegenheit, um den Heerkönig kennenzulernen, und bricht die Unterredung klug und entschlossen ab, als ein kleiner Zwischenfall, der sich zwischen der beiderseitigen Begleitung ereignet, ihm die gewünschte Gelegenheit dazu bietet.

Nun zeigt der Germane sein strategisches Können. Es gelingt ihm, unter Vermeidung einer Schlacht, die Legionen zu umgehen und Cäsar von seiner Verpflegungsbasis abzuschneiden. Vergeblich führt der Römer sein Heer mehrere Tage lang vor sein Lager und steht es in Schlachtordnung auf, dem Feind die Entscheidung anbietend. Für Ariovist arbeitet die Zeit, darum verweigert er die Schlacht.

Um wenigstens die Verpflegung zu sichern, muß der Römer ein zweites kleineres Lager errichten. Er setzt ein Drittel seines Heeres für die Schanzarbeit an und deckt sie mit den beiden anderen Dritteln; ein Beweis, daß diese Truppenmacht ausreichend war, um das Heer des Ariovist in Schach zu halten. Der Heerkönig beunruhigt zwar den Gegner, vermeidet aber immer noch die Entscheidung.

Da steht sich Cäsar, der keine Zeit mehr verlieren darf gezwungen, zum Angriff auf das feindliche Lager zu schreiten. Jetzt erst ordnet auch Ariovist seine Scharen. Sie treten in sieben Schlachtkeilen – der bei den Germanen üblichen Aufstellung – an. Die Heere prallen aufeinander. Jedes siegt auf einem Flügel. Die Entscheidung bringt der junge Crassus, der die dritte Schlachtreihe – jenes Drittel, um das die Römer den Germanen überlegen sind – rechtzeitig ins Gefecht wirft. Nun gruppieren sich während des Kampfes die großen germanischen Heerhaufen um und bilden kleine, etwa je 300 Mann starke Abteilungen, die sich phalanxartig zusammenschließen und denen es gelingt, den Angriff der Römer eine Zeitlang zum Stehen zu bringen. Schließlich müssen auch sie weichen und den Römern das Feld überlassen.

Cäsars weitere Kriegführung

Cäsar hat gesiegt. Aber es scheint, daß ihm diese Schlacht die Größe, Tüchtigkeit und Tapferkeit seines Gegners offenbarte, denn er läßt den Feind ungeschoren und geht nicht, wie es militärich richtig gewesen wäre, über den Rhein. Er vermeidet sogar einige Jahre später eine neue Schlacht mit zwei anderen Germanenstämmen, den Usipetern und Tenkterern, sondern überwältigt sie, indem er ihre im Vertrauen auf den abgeschlossenen Waffenstillstand ins Lager gekommenen Führer festnehmen läßt und die ahnungslosen Germanen überfällt. Wegen dieses völkerrechtswidrigen Verhaltens stellt denn auch Cato im Senat den Antrag, Cäsar den Germanen auszuliefern, ein Antrag, der an der Machtlosigkeit dieser höchsten Körperschaft des römischen Reiches scheitert.

Zweimal (in den Jahren 55 und 53 v. d. Ztr.) geht der große Feldherr über den Rhein. beide Male gibt er an, daß er gegen die Sweben zu Felde ziehen will, aber beide Male kehrt er nach wenigen Tagen zum westlichen Ufer zurück. Offenbar sah Cäsar im Swebenbund und dessen Führer Ariovist seinen gefährlichsten Gegner. Aber er wagte es nicht, vom Elsaß aus über den Strom zu gehen und den Heerkönig unmittelbar anzugreifen. Die beiden Rheinübergänge nördlich von Koblenz waren kaum mehr als militärpolitische Demonstrationen, die zudem auf unsere Vorfahren keinen sonderlicher Eindruck machten. Das beweist der Vorstoß, den 2000 Reiter des Sigambrer um 53 v. d. Ztr. über den Rhein gegen das Lager der Legionen durchführten, ein Vorstoß, der nur infolge eines Irrtums ohne größeren Erfolg blieb.

Das germanische Heereswesen

Das weitere Schicksal des Ariovist ist uns unbekannt. Wahrscheinlich blieb er der anerkannte Führer der Swebenstämme, insbesondere der Markomannen, zwischen Main und Donau. Die Größe seines Führertums wird durch das Verhalten Cäsars bestätigt. Daß er dem größten aller Römer mit seinem zahlenmäßig unterlegenen Heere nicht gewachsen war, darf bei der Beurteilung seiner Fähigkeiten nicht die entscheidende Rolle spielen, die ihr in der bisherigen Geschichtschreibung beigewesen worden ist. Cäsar selbst bezeugt in allen seinen Darlegungen seine hohe Achtung vor dem Germanenkönig. Er schildert ihn als einen durchaus in der Geschichte und in der Politik bewanderten Mann und als einen klugen und gewandten Heerführer. Darüber hinaus zollt er dem germanischen Heerwesen hohes Lob, in Sonderheit der Reiterei, die mit ausgewählten Jünglingen zusammen zu wirken gewohnt war. Er berichtet von Manneszucht und ständigen Kriegsuebungen und straft damit alle jene Geschichtsschreiber Lügner, die glaubten die Heere unserer Vorfahren wären etwa nach der Art der Negervölker ohne Ordnung und Führung über den Feind hergefallen und hätten ihn nur durch ihre große Masse und durch ihre wilde Tapferkeit das eine oder ander Mal besiegt. Das germanische Heer hat sich schon damals in Hundert- und tausendschaften gegliedert. Die großen Schlachtkeile wurden gewöhnlich durch drei oder fünf Tausendschaften gebildet. Während im römischen Heer der Rebstock der Centurionen für die Disziplin sorgte, ruhte die Manneszucht der Germanen auf dem Ehrgefühl der Sippengenossen, die zusammen kämpften. Auf Befehl ihrer Führer vermochten unsere Vorfahren auch während der Schlacht Umgliederungen vorzunehmen, wie jene Aufteilung der Tausendschaften in kleine phalanxartige Gruppen beweist, über die Cassius Dio für die Schlacht von Mülhausen berichtet. Die Überlegenheit der germansichen Reiterei wird schon von Cäsar einwandfrei bezeugt. So erzählt er, daß 800 berittene Usipeter und Tenkterer über 5000 römisch-gallische Reiter siegten. Und es ist bekannt, daß er selbst germanische Reiter in seinen Dienst nahm und ihren überlegenen Fähigkeiten manche seiner Siege verdankte.

Die politischen Folgen

Durch seinen Sieg über Ariovist und durch die Vernichtung der Usipeter und Tenkterer, aber auch durch seine Erfolge über die germanisch-keltischen Stämme der Belgier, sicherte Cäsar die Herrschaft über Gallien den Römern. Er errichtete die neue Reichsgrenze am Rhein. Seinen Nachfolgern war es vorbehalten, sie zu festigen und jahrhundertelang gegen den Ansturm der Germanen zu behaupten. Der erste Abschnitt in dem Riesenkampf zwischen der Volksmacht des Nordens und dem Großstaat des Südens war durch das Genie Cäsars entschieden worden. Nach den “Vorpostengefechten” des Kimbern- und Teutonenzuges waren nun die beiden Großmächte unmittelbar aufeinander gestoßen. Die Spitze des gegen Südgallien gerichteten germanischen Keiles hatte Cäsar zwar eingedrückt, dafür war aber eine lange Kampffront entstanden, die sich, dem Rhein folgend, von Norden nach Süden, von der Nordsee bis zu den Alpen erstreckte. Eine Kampffront, die annähernd 500 Jahre lang das Schicksal beider Mächte bestimmte. Die Parther in Asien und die Germanen am Rhein und später an der Donau waren fortab die einzigen Gegner, die das Großreich am Mittelmeer zu füchten hatte. Und es war der Norden, dessen gesunder Volkskraft und Rasse, dessen überlegener Kampfkraft und dessen großen Führern es bestimmt war das Römerreich schließlich zu zerstören und auf den Truemmern ein neues Europa zu errichten.

Maelo, der Sigambrer

Der Sieg über Lollius

“Schwere und schimpfliche Niederlagen hat der Kaiser (Augustus)-überhaupt nur zwei und nur in Germanien-erlitten, unter dem Kommando des Lollius und unter dem des Varus…” So lautet das Urteil des römischen Geschichtsschreibers C. Suetonius Tranquillus, der im Jahre 131 n. d. Ztr. starb und durch seine Cäsarenbiographien, die im allgemeinen als zuverlässig gelten können, sich einen Namen gemacht hat. Der Bürgerkrieg im römischen Reich war seit Jahren beendet. Octavian, der Adoptivsohn des großen Cäsars, hatte seinen Gegner Antonius vernichtet und war am 16. Januar 27 v. d. Ztr. vom Senat mit dem neuen Weihenamen “Augustus” (der Erlauchte) geehrt worden. Unter diesem Namen ist er als Kaiser Augustus in die Gechichte eingegangen. An den Grenzen des römischen Reiches standen nur zwei Feinde, die von Bedeutung waren, die Parther in Asien und die Germanen in Europa. Aber beide schienen den römischen Waffen nicht gewachsen zu sein. Wohl waren germanische Tausendschaften von dem Großstamm oder Stammbund der Sweben im Jahre 29 v. d. Ztr. über den Rhein gegangen. Aber die Legionen hatten sie zurückgeworfen. Auch in den Jahren darauf waren die Römer in den Kämpfen am Rhein siegreich geblieben. Von Norden her schien also dem Reich keine erste Gefahr zu drohen. Da erreichte im Jahre 16 v. d. Ztr. den Kaiser die Nachricht, daß sein General M. Lollius in Gallien von dem germanischen Stamm der Sigambrer geschlagen worden war, und daß in der Schlacht der Adler (das Feldzeichen) der 5. Legion verlorengegangen war. Wer war der germanische Führer, der diesen Sieg errang? Eine Quelle nennt seinen Namen, das “Monumentum Ancyranum”. Es war der Sigambrerfürst Maelo. Die Sigambrer waren in jenen letzten Jahrzehnten vor der Zeitrechnung der mächtigste und führende Germanenstamm am Rhein. Schon Cäsar hatte mit ihnen gekämpft und nach dem Übergang über den Rhein ihr Land verwüstet. Da in den Gauen, zwischen Ruhr und Sieg, die die Sigambrer bewohnten, zahlreiche Eisenschmelzöfen aus den beiden letzten Jahrhunderten vor unserer Zeitrechnung in Resten gefunden worden sind, ist es nicht unwahrscheinlich, daß dort zu jener Zeit ein Zentrum der germanischen Waffenfabrikation vorhanden gewesen ist, das vielleicht schon Cäsar durch seine beiden Rheinübergänge treffen und vernichten wollte.

*

Es bestand damals auch bereits der Stammbund der Istvaeonen, dessen Name freilich erst später von den antiken Geschichtsschreibern genannt wird. Man darf ihn sich als eine Art Eidgenossenschaft der germanischen Stämme zwischen Rhein, Weser und Aller vorstellen, in der die Sigambrer führend waren. Nach der allerdings sehr lückenhaften Überlieferung sollen zunächst nur die Sigambrer mit ihren Nachbarn, den Usipetern und Tenkterern den Krieg gegen Rom erneuert haben. Sie drangen über den Rhein vor, schlugen die römische Reiterei und griffen das Heer des Lollius an, das sie gleichfalls besiegten. Nun sah sich Kaiser Augustus gezwungen, den bis dahin nur recht nebensächlichen Kriegsschauplatz am Rhein stärker zu beachten. Er entstandte zunächst den Prinzen Drusus Germanicus den Älteren nach Norden, wo sich der Prinz bald als ein Feldherr von überragenden Fähigkeiten erwies. Er überwältigte, wie die römischen Schriftsteller melden, “äußert tapfere Stämme, denen die Natur Kräfte und die Gewohnheit Übung ihrer Kräfte verliehen hatte: die Cherusker, Sweben und Sigambrer zusammen in einem einzigen Kriege, der aber auch für Rom blutig war”. Als mit den Sigambrern im Bunde werden alle ihre Nachbarstämme, darunter auch die Chatten, genannt. Die Eidgenossenschaft, die sie führten, wurde unmittelbar von Kaiser Augustus sogar als eine Art Großstaat anerkannt, denn der Geschichtsschreiber Dio Cassius berichtet: “Aus Furcht vor den Römern schikten daher die Barbaren (Germanen) mit Ausnahme der Sigambrer Gesandte mit Friedensangeboten, doch – damals so gut wie später – ohne jeden Erfolg. Denn Augustus weigerte sich, mit ihnen ohne die Sigambrer Verträge zu schließen. Es hatten nämlich auch diese Gesandte geschickt, aber statt irgend etwas zu erreichen, fanden sie sämtlich, eine große Anzahl angesehener Männer, der Tod. Augustus ließ sie nämlich festnehmen und in gewisse Städte in Gewahrsam bringen…”

Diese Mitteilung besagt nichts anderes, als daß nach einem vieljährigen Kriege im Jahre 8. v. d. Ztr. die Eidgenossenschaft der Istvaeonen zum Frieden bereit war. Da in dieser Eidgenossenschaft nach germanischer Sitte jeder Stamm eine äußerst weitgehende Selbstverwaltung und Selbstbestimmung hatte, entsandte jeder der Stämme Friedensunterhändler. Kaiser Augustus aber wollte nicht mit der Eidgenossenschaft Verträge schließen, sondern nach dem römischen Grundsatz “divide et impera” (teilte und herrsche) jeden Einzeltsamm unterwerfen. Deshalb ließ er die Gesandten des die Eidgenossenschaft führenden Stammes der Sigambrer festnehmen und nach Gallien in Gewahrsam bringen. Durch diese Meintat erhielt er den gesuchten Rechtsgrung, um einen Frieden mit der Eidgenossenschaft als einem politischen Großgebilde abzulehnen und die Einzelstämme zur Unterwerfung oder zum Frieden zu zwingen. Mittelbar aber hat er uns durch seine völkerrechtswidrige Handlung die Eidgenossenschaft als politische Einheit bezeugt. Maelo ist gewiß ein tapferer und geschickter Heerführer gewesen, wie sein Sieg beweist. Aber er war nicht Staatsmann genug, um zu erkennen, daß er eines ganz anderen politischen Willens bedurfte, und daß eine Neuordnung des germanischen Heerwesens nötig war, um den Römern gewachsen zu sein. Nach beachtlichen Anfangserfolgen unterlag er und mußte sich dem Kaiser unterwerfen. Erst sein größerer Nachfolger Arminius, der Eherusker, verfügte über die überlegenen Kräfte des Geistes und der Seele, die nötig waren, dem Vormarsch der Legionen nach Osten Einhalt zu gebieten. Immerhin verdient der Heldenkampf des Maelo und seines Stammes Achtung und Anerkennung. Jahrzehntelang haben die Sigambrer die Hauptlast des Krieges am Rhein getragen, bis sie dadurch so erschöpft waren, daß der Stamm seine machtpolitische Bedeutung verlor. Der Glanz seines Namens aber hat sich noch bis in die Zeit der geschichtlichen Völkerwanderung hinein erhalten. Dafür zeugen die Worte, mit denen der Frankenkönig Chlodwig (um 500 uns. Ztr.) getauft wurde: “Neige dein Haupt, stolzer Sigambrer. Bete an, was du verbrannt hast, und verbrenne, was du angebetet hast.”

Arminius, der Befreier Germaniens

 Das Ziel des römischen Kaisers

 Durch die germanischen Gaue zwischen Rhein und Weser marschieren Jahr für Jahr die Legionen. Kaiser Augustus hat seinen Feldherren befohlen, alles Land und alle Völker bis zur Elbe zu unterwerfen oder durch Freundschafts- und Bündnisverträge an Rom zu fesseln. Die Reichsgrenze soll vom Rhein an die Elbe verlegt werden.

Der Wille des Kaisers ist Gesetz. Drufus Germanicus der Aeltere befehligt am Rhein Heer und Flotte. Durch Freundschafts- und Bündnisverträge sichert er sich die Seegermanenstämme, die Friesen und die Chauken. Seine Flotte segelt zwischen den Inseln und der Küste, das offene Meer nach Möglichkeit vermeidend, bis zur Elbe. Den Seegermanen kommt ein Freundschaftsvertrag mit den Römern durchaus gelegen. Nicht, daß ihnen die römische Flotte sonderliche Achtung einflößt. Die viel zu breit- und hochgebauten Schiffe der Südländer sind zu schwerfällig. Sie müssen jeden stärkeren Sturm in der Nordsee fürchten, darum kriechen sie auch nur zwischen den Inseln hindurch und an der Küste entlang. Die Friesen und Chauken sind gewohnt, auf ihren langen schmalen Ruderschiffen über die wogende See zu fahren; sie scheuen den Sturm nicht; er ist ihnen Lust und Erprobung ihrer Kraft. Wenn sie dennoch die Verträge mit dem Feldherrn Drufus schließen, so nur, weil der Handel zwischen dem großen Südreich, das Gallien längst in sich eingefügt hat, und dem Norden recht einträglich ist. Dieser Handel geht über See leichter und schneller als zu Lande. Die friesischen Fischer sehen es auch nicht ungern, wenn römische Kaufleute ihnen den Ertrag ihrer Tätigkeit, die gefangenen Fische, abnehmen. Die Legionen, die in ihren Kastellen am Rhein liegen, sind starke Esser. Zum Bündnis gehört, daß man Hilfstruppen stellt. Warum sollen die Friesen und Chauken ihrer Jungmannschaft nicht die Möglichkeit lassen, sich in der Schlacht zu tummeln und im  Schwertkampf zu bewähren? Stellten doch die stammverwandten Balaver, die an der Rheinmündung wohnen, dem römischen Kaiser auch ihre Hundertschaften zur Verfügung.

Durch seine kluge Politik hatte Drufus der Ältere ohne Schwertstreich die Küstenlande vom Rhein bis zur Elbe gewonnen. Die Treue der Germanen ist selbst im Rom sprichwörtlich. Darum kann man den Hilfstruppen, die die Seegermannen stellen, durchaus vertrauen.

Die großen germanischen Stammbundstaaten

In den letzten Jahrhunderten vor und in den ersten zwei Jahrhunderten nach unserer Zeitrechnung gliederten sich die Westgermanen in drei große Stammbünde, deren Namen uns von römischen Schriftstellern genannt werden. Die Entstehung dieser Stammbünde geht weit zurück bis an das Ende der Bronzezeit. Auch die Namen dürften sehr alt sein. Die an der Nordküste lebenden Seegermanenstämme, in Sonderheit die Friesen und Chauken – die letzteren zwischen Elbe und Weser seßhaft -, bildeten den Bund der Ingwäonen. Ihr Sinn (Gesicht) war auf das Meer hinaus gerichtet. Sie beherrschten den im ersten Jahrhundert v. d. Ztr. recht lebhaften Handel in der Nordsee und widmeten sich schon damals in starken Maße dem Fischfang. Die zwischen Weser, Aller und Rhein lebenden germanischen Stämme bildeten den Bund der Istwäonen. Zur Zeit Cäsars waren die Sigambrer der führende Stamm. Etwa im Beginn der Zeitrechnung übernahmen die Eherusker, die an der Weser lebten, die Führung des Stammbundes, die sie bald nach dem Tode des Arminius an die Chatten abgaben. Für den dritten der goßen westgermanischen Stammbünde werden zwei Namen genannt, und zwar Sweben oder Irminonen. Die Stämme dieses Bundes hatten alles Land zwischen Elbe und Oder inne, aber auch weite Gaue westlich der Elbe waren von ihnen besiedelt. Die Grenzen dieses Stammbundes reichten von der Ostsee nach Süden bis zur Donau. Es gehörten also auch die am Main und in Süddeutschland seßhaften germanischen Volksgruppen dazu. Der vornehmste Stamm waren noch zur Zeit des Tacitus die in der Mark Brandenburg seßhaften Gemnonen. Durch die späteren Kriege wurden jedoch andere Stämme, wie die Markomannen, Quaden oder Langobarden besonders berühmt und bekannt. Alle diese Stammbünde bildeten Großstaaten, die freilich nicht mit unseren heutigen Staatsgebilden zu vergleichen sind. Unsere Vorfahren waren zu jener Zeit noch überwiegend Bauern, die keinen Beamten- und Verwaltungsapparat brauchten. Ihre Staaten waren also den damals vorhandenen Notwendigkeiten angepaßt.  Die einzelnen Stämmme standen nur in einem losen Zusammenhang, der aber doch ausreichte, um einen eingedrungenen Feind gemeinsam abzuwehren oder gemeinsam einen  Krieg  zur Erwerbung von Neuland  zu führen. Bei aller Freiheit der Selbstverwaltung, die die Dorfschaften, Gaue und Stämme im Rahmen dieser Großstaaten hatten, fühlten sie sich doch als zusammengehörig, leisteten ihre freiwilligen Beiträge zur Sicherung der Wehrhaftigkeit und hatten eine gemeinsame Rechtsgrundlage und Rechtspflege, die von auf den großen Versammlungen aller Freien besonders gewählten Richtern durchgeführt wurde. Die Einrichtungen dieser germanischen Großstaaten waren damals allen an sie gestellten Anforderungen durchaus gewachsen *). *) Den Nachweis dieser germanischen Großstaaten hat der Verfasser in seinem Werk “Das viertausendjährige Reich der Deutschen”, Nordland Verlag, Berlin, geführt.

Der Markomanne Marbod

Während die Legionen des Drufus vom Rhein zur Weser und von dort sogar zur Elbe marschierten, während die Stämme des Istwäonenbundes, die Sigambrer und Tenkterer, die Marser und Brukterer, die Chatten, Eherusker und Angriwarier-die kleineren Stämme nicht gerechnet – verzweifelt um ihre Freiheit kämpfen, hat ein kluger und entschiedener Führer, der Markomannenherzog Marbod, der sich längere Zeit bei den Römern aufhielt, von dem Ziel, das Kaiser Augustus seinen Feldherrn gestellt hatte, Kunde erhalten. Er kennt seine Heimat besser, als der Imperator im fernen Süden. Er weiß, daß die Legionen nur von der Donau, an deren Ufer schon ihre Vorposten stehen, wenige Tagemärsche durch Böhmen nach Norden zu marschieren brauchen, um die Moldau und dann die Elbe zu erreichen. Wenn sie diesen Weg wählen, wird Germanien zwischen Rhein und Elbe von Norden und Süden umfaßt und muß sich den feindlichen Waffen beugen. In Böhmen leben Kelten. Ihre Kampfkraft ist geringer als die der Germanen oder der Römer. Das Land muß dem zur Beute fallen, der es als erster angereift. Marbod ist ein kluger Staatsmann. Er erkennt das Ziel und sein Wille ist fest genug, um es zu erreichen. Als Herzog oder, wie die römischen Berichterstatter sagen, “König” der Markomannen – der Markmänner – die, auf vorgeschobenem Posten stehend, eine Auslese der Besten aus dem großen Swebenbud sind, fällt es ihm nich schwer, die Führer der Stämme dieses Bundes für seinen Plan zu gewinnen. Die Jungmannschaft der Sweben stellt sich ihm begeistert zur Verfügung. Mit einem großen Heer erobert er um 8 v. d. Ztr. Böhmen und Mähren und schafft sich dort ein durch die Gebirgszüge geschütztes, starkes Reich.

Er kennt den Fehler, den die Herzöge früherer Jahrhunderte machten – nach der Lage sogar machen mußten – nämlich nach errungenem Sieg die Jungmannschaft größtenteils zu entlassen und sich nur auf die eigene Gefolgschaft ausgewählter Kriegsleute und, wenn es hart auf hart kam, auf das rasch zusammengerufene Aufgebot der freien Männer zu verlassen. Marbod, der in Rom die Einrichtung eines stehenden Heeres kennengelernt hat und weiß, daß auf ihm die Stärke des Südreiches ruht, schafft sich eine starke, ständig unter Waffen stehende Truppe von 70 000 Mann Füßvolk und 400 Reitern. Durch seinen harten Willen und seine überlegene Einsicht hat er Böhmen und Mähren den Germanen gesichert und ist einer römischen Eroberung des Landes, die vielleicht einer Eroberung ganz Westgermaniens bedeutet hätte, zuvorgekommen.

 Die Römer an der Elbe

Immer noch marschieren die Legionen Jahr für Jahr durch die Gaue zwischen Rhein, Weser und Elbe. Sie werden nun nicht mehr von Drufus dem Älteren befehligt, an dem sich die Weissagung einer germanischen Seherin erfüllte:

“Wohin in aller Welt, willst du, du unersättlicher Drufus? Es ist dir nicht beschieden, alles hier zu schauen.

Kehr um! Denn das Ende deiner Taten und deines Lebens ist da.”

Der neue Obereldherr, der die Legionen befehligt, ist Tiberius, der fähigste General seiner Zeit, der später nach dem Tode des Augustus Kaiser wurde. Auch er marschiert zur Weser und zur Elbe.

Die Stämme des Istwäonenbundes bieten den Frieden an. Sie wollen, wie sie es gewohnt sind, gemeinsam darum verhandeln und ihn als Bund und Staat gemeinsam schließen. Aber der Grundsatz der römischen Politik: “Teile und herrsche!” läßt einen solchen Frieden nicht zu. Kaiser Augustus läßt die Gesandten der Sigambrer, bevor sie den verabredeten Ort erreichen können, festnehmen und verweigert den anderen Stämmen den Frieden, da ja die Gesandten eines der Hauptstämme – die der Sigambrer – nicht anwesend seien. So muß Stamm für Stamm über kurz oder lang sich unterwerfen und einen Sonderfrieden schließen.

Es dauert Jahre, bis die Römer so weit sind. Ein neuer Feldherr. L. Domitius Ahenobarkus, läßt Tiberius ab und marschiert (zwischen 3 und 1 v. d. Ztr.) gleichfalls bis zur Elbe. Er unterwirft durch Vertrag selbst die swebischen Hermunduren (die späteren Thüringer). Alles Land zwischen Rhein und Elbe scheint nun der römischen Herrschaft unterworfen zu sein. Das Ziel, das Kaiser Augustus seinen Feldherrn gestellt hat, ist – fürs erste wenigstens – erreicht.

Der junge Arminius

In dieser kampfdurchtobten Zeit wächst jener Mann auf, von dem wir nur seinen römischen Namen kennen: “Arminius”, der Befreier Germaniens. Wenn sein Name nur eine Latinisierung ist, dürfte er Ermin oder Hermann geheißen haben. Da sein Vater den namen Sigmar trug und alle Verwandten, die uns überliefert sind, ähnliche Namen tragen – Segest, Sigmund, der Sohn dieses Manns, Sigmar, ein anderer Verwandter, Segesdag, dessen Sohn -, so ist Vermutung nicht von der Hand zu weisen, daß Arminius der Siegfried der deutschen und nordichen Sage gewesen ist.

Die Namensfrage mag niemals endgültig geklärt werden; sie ist auch ohne Belang, denn entscheidend war das, was der Mann Arminius tat.

Als Kind hat er Not und Elend des Krieges kennengelernt. Er sah, wie die tapfersten Männer fielen, wie die Hunderschaften und Tausendschaften sich verbissen und trotzig gegen die überlegenen Legionen wehrten, hörte die Klagen der Bauern, denen die Höfe über dem Kopf angezündet waren, denen das letzte Vieh aus den Ställen oder den dichten Waldverstecken geraubt wurde. Als Jüngling mag er mitgekämpft haben, sicher einer der tapfersten seiner Altersgenossen. Als junger Mensch wurde er von seinem Vater nach Rom gesandt.

Der Friede war geschlossen; das Südreich hatte sich als stärker erwiesen. Wer einen neuen zur Freiheit führenden Kampf wagen wollte, mußte diese ferne Macht gründlich kennenlernen. Arminius und sein Bruder, von dem wir auch nur den lateinischen Namen “Flavus” – der Blonde – kennen, zogen, ihrem Vater gehorsam, nach Süden. Flavus wurde von dem Glanz des Kaisertums geblendet und von den freigebig gespendeten Ehren gefesselt. Arminius dagegen blieb seiner Heimat, seinem Volk und seiner Art treu. Als Fürstensohn tat er im Offiziersrang Dienst im römischen heere und führte wohl auch eine Abteilung germansicher Hilfstruppen.

Nochmals Marbod

Damals (6 n. d. Ztr.) wollte der römische Feldherr Tiberius das letzte germanische Bollwerk erobern, das noch den Weg zur Elbe verlegte und der Macht des großen Kaisers trotzte: das Reich des Markomannenkönigs Marbod. Von allen germanischen Großordnungen war nur der Stammbund der Sweben von der römischen Herrschaft frei. Der Führer dieses Stammbundes aber war Marbod, jener Mann, der ein beachtlich großes stehendes Heer besaß, und der es nicht unterließ, sich in seinen diplomatischen Beziehungen dem Kaiser Augustus gleichzustellen.

Die größte Truppenmacht, die das Römerreich jemals gegen einen Germanen eingesetzt hat – zwölf Legionen oder 120 000 Mann Sollstärke – wurde aufgeboten, um das letzte Bollwerk niederzureißen. Tiberius hatte den Oberbefehl. Mit zwei Marschgruppen sollte Böhmen in die Zange genommen werden. Die Legionen marschierten an Rhein und Main ebenso wie an der Donau auf.

Arminius war im Heere des Tiberius. Dort lernte ihn der Reiteroberst Belleius Patercullus kennen, jener Offizier, dem wir dem einzigen zeitgenössischen Bericht über den großen Cherusker und seinen Gegner Varus verdanken. Alle anderen Berichte stammen aus einer um hundert und mehr Jahre späteren Zeit. Dieser Oberst schildert den jungen Germanen als einen “Mann von vornehmer Abkunft, persönlicher Tapferkeit, rascher Auffassung und einer genialen Klugheit, die jenseits der Begabung eines Barbaren siegt … schon sein Gesichtsausdruck und seine Augen verrieten das Feuer seines Geistes…”

Das Schicksal schien den Sohn Sigmars zum Bruderkampf zwingen zu wollen, zu einem Kampf, der um so schwerwiegender war, als sich Arminius damals sicher bewußt gewesen ist, daß es gegen den größten Fürsten und Führer seines Volkes, gegen den ruhmreichen Marbod, ging, dessen Fall die Knechtschaft Germaniens endgültig besiegeln würde.

Kurz vor dem von den Römern gesteckten Ziel gebot das Schicksal Halt. Schon hatten die Vortruppen der Legionen Böhmen erreicht und mit den Tausendschaften des Markomannenkönigs Fühlung genommen, da brach südlich der Donau, in dem unterworfen geglaubten Land (Pannonien und Illyrien) ein gefährlicher Aufstand aus und zwang den Oberfeldherrn Tiberius, den Feldzug abzubrechen und seine Waffen gegen die Aufständischen zu richten.

Wir wissen nicht, ob der kluge Marbod den Aufstand geschürt und hervorgerufen hat. Es ist wahrscheinlich, daß er, der sich damals und auch später als gewiegter Diplomat erwies, die Bedrohung seines Reiches auf diese Weise zunichte machte. Gleichgültig wie es war; das Schicksal ersparte jedenfalls dem jungen Arminius den Bruderkampf.

In den nun folgenden Gefechten muß der Sohn Sigmars sich ausgezeichnet bewährt haben, denn er wurde vom Kaiser zum römischen Ritter ernannt, eine Ehre, die wohl nur selten einem Germanen seiner Zeit zuteil wurde. Sehr bald rief ihn sein Vater in die Heimat zurück und von dem Augenblick an war der junge Cherusker nichts anderes, als der treueste Sohn seines Volkes. All sein Sinnen und Trachten richtete sich nun auf die Befreiung seiner Heimat von dem römischen Joch.

Arminius rüstet zum Freiheitskampf

Die Verhältnisse, die Arminus zu Hause vorstand, waren alles andere als einfach und klar. Beim gemeinen Mann, beim Bauer vor allem lebten wohl Wunsch und Wille, die Freiheit wieder zu erringen; aber beid en Edelingen und Fürsten hatte sich eine starke Gruppe von Römerfreunden gebildet. Sie stützten sich auf die kaum bestrittene Meinung, daß die Legionen unbesieglich seien, daß die römische Kultur der eigenen germanischen überlegen wäre und daß es die höchste Pflicht der Führer sei, dem Land und Volk neue aussichtslose Kämpfe und Blutopfer zu ersparen. Der Führer der römischen Partei war Segestes, ein entfernter Verwandter des Arminius. Er pflegte vertraulichen Umgang mit den fremden Offizieren und Feldherrn. Ein anderer Verwandter, der Oheim Inglomar, vertrat kraß die Gegenansicht. Er war ein Römerfresser, der am Feind nicht Gutes ließ, ein alter Haudegen, der ohne Voraussicht und Umsicht lieber heute als morgen losgeschlagen hätte.

Zwischen beiden stand der junge Arminius. Er ritt zur Burg des Segestes und wurde dort nicht als Fürst der Cherusker, sondern als römischer Ritter willkommen geheißen. Er sah die Tochter des Segestes, Thusnelda, und wurde von einer tiefen, schrankenlosen Liebe zu dem Mädchen ergriffen. Sein Herz hatte zur Lebensgefährtin die Tochter des Mannes gewält, der allen seinen Plänen und Zielen den größten Widerstand entgegensetzte und der schließlich zum Verräter an der germanischen Sache ward.

Der Sohn Sigmars ritt auch zu Ingiomar. Dort mußte er fast noch vorscihtiger sein, als bei dem erklärten Römerfreund Segestes. Um den Hof des alten Haudegen hatten die römischen Spione sicherlich ein dichtes Netz gezogen, das jeden fing, der unklug seine Meinung äußerte.

Die Liebe zu Thusnelda zog Arminius nicht auf die Seite des Kaisers und seiner Feldherrn und Statthalter. Dem ungestümen Drängen Ingiomars setzte er Schweigsamkeit und ruhige Besonnenheit entgegen. Auf Waldlichtungen, die keines Spähers Auge sah, sammelte und übte er junge Männer im Kampf.

In Mooren, die nur dem Kundigen Wege wiesen, fanden sich die Hundertschaften und Tausendschaften zusammen, um unter den harten und kritischen Augen des jungen Arminius zu üben. Nächtelang ritt der Sohn Sigmars durch finsteren Wald, über die einsamen Heiden, pflegte Rat mit Edelingen seines eigenen Stammes und der benachbarten Stämme. Es wurde ihm schwer, sie davon zu überzeugen, daß auch römische Legionen geschlagen werden könnten, aber der Feuerkopf, dessen geniale Klugheit der Reiterberst Paterculus erkannt hatte, zwang den anderen seinen Willen auf. Das heimliche Heer, das den Kampf um die Freiheit führen sollte, wuchs immer stärker an.

Quintilius Varus

Währenddessen saß der neue Stadthalter Quintilius Varus in seinem Sommerlager und bewies den Cheruskern die Überlegenheit der römischen Kultur dadurch, daß er Gericht hielt. Er merkte nicht, daß die Germanen sich über ihn lustig machten und erdichtete Streitfälle vor seinen Richterstuhl brachten.

Varus hatte das sonnige und reiche Syrein gegen das dunkle, kalte Germanien auf Befehl des Kaisers vertauschen müssen. Die Berufung auf einen gefährlichen Posten war gewiß ehrenhaft, aber alles andere als angenehm. Wohl hatte er sein Tafelsilber, auf das er so stolz war, mit nach Norden bringen können, aber seine Köche konnten die gewohnten Leckerbissen in diesem unwirtlichen Land nicht beschaffen.

Dazu kam, daß der Fürst Segest ihm, dem Stadthalter, immer wieder im Ohre lag, den jungen Arminius festzunehmen, weil er der Führer einer Aufstandsbewegung sei. Wie konnte dieser Fürst, der keinen römischen Rang hatte, es wagen, den vom Kaiser zum römischen Ritter ernannten jungen Menschen derart zu verdächtigen. Hirngespinste eines überspannten Mannes! Gewiß, die Treue des Segest war zu loben. Aber man kannte solche Barbaren, die sich römischer als die Römer dünkten. Sie witterten bei jedem harmlosen Wort Verrat. War Arminius nicht zur letzten Truppenschau am Geburtslag des Kaisers erschienen? Freilich nicht in der Rüstung eines römischen Offiziers, sondern wie ein germanischer Fürst gekleidet. Aber das konnte man ihm wohl nachsehen, denn er war ja ein Fürst der Cherusker. Widersinnig dieses Geschwätz des Segestes! Er, der Statthalter, würde sich nur einer Schwäche schuldig machen, wenn er den Worten nachgab und den römischen Ritter Arminius verhaften ließ.

So kam es, daß Varus den Warnungen des Verräters keinen Glauben schenkte, daß er blind in sein und der Legionen Verderben hineinrannte. Er glaubte an die Überlegenheit der römischen Kultur, die er vertrat, und an die Unsiegbarkeit der Truppen, die er führte. Er versuchte, den Zwist in der vheruskischen Fürstensippe für seine Politik auszunutzen und versäumte, wie sein Zeitgenosse Belleius Paterculus mit Recht urteilt: “die Zeit für den Sommerfeldzug (gegen Arminius?) mit Rechtsprechungen und förmlichen Verhandlungen als Gerichtsherr”. Da brach die Katastrophe unversehens über ihn herein, eine Katastrophe, der der “an Körper und Geist wenig regsame Mann” nicht gewachsen war.

Die Schlacht im Teutoburger Walde

Im Sommerlager des Varus an der Weser treffen Alarmnachrichten ein. Die immer bedrohlicher werdende Lage zwingt den Statthalter, seinem Heer den Befehl zum Rückmarsch zu geben. Ein zweites Heer in Stärke von zwei Legionen, das im Lande der Chatten unter dem General Asprenas steht, erhält den gleichen Befehl.

Das Sommerlager wird abgebrochen, aber da zeigt sich, daß in den vielen Monaten, die man in Cheruskerlande verbrachte, der Troß ungewöhnlich angeschwollen ist. Die Legionen mögen ihre Beutestücke oder das, was sie von den Germanen erhandelten, nicht zurücklassen. Wagen und Karren der nahe wohnenden Bauern werden rasch requiriert und das überzählige Gepäck darauf verladen. Die Weiber und Burschen, die sich in großer Zahl dem Heere während der Friedenszeit angeschlossen haben, wollen auch nicht zurückbleiben. Der Troß ist riesig geworden. Die alten, kriegsgewohnten Centurionen und Legaten murren und fluchen darüber, aber der gutmütige Varus, der immer noch ahnungslos über die Größe der Gefahr ist und seine Soldaten bei guter Laune erhalten will, schreitet nicht ein.

Mühsam kreicht der Heerwurm die Landstraße entlang, die von der Weser zur Lipe führt und von dort zum Rhein. Das schöne Herbstwetter schlägt um. Der Regen peitscht die Marschierenden, aber die Truppe bleibt an ihrem ersten Marschtag unbehelligt.

Am zweiten Tage nähert man sich dem Teutoburger Waldgebirge. Die drei Legionen, die 17., 18. und 19., sind immer noch guten Mutes. Undenkbar, daß irgendein Barbarenheer sie, die kriegsgewohnten und unbesiegten Römer mit Aussicht auf Erfolg angreifen könnte. Die germanischen Hilfstruppen sind zwar in Nacht und Regen verschwunden, aber das tut nichts; man wird, wenn es nötig werden sollte, nur auf die eigenen Kräfte angewiesen sein, und das ist besser als mit Männern Seite an Seite zu kämpfen, deren Sprache man nicht versteht, und deren Sitten und Gewohnheiten fremd sind.

Die an der Spitze marschierende Legion hat einige Kohorten zur Sicherung vorausgesandt. Sie sind, offenbar ohne einen Feind zu finden, in das Gebirgstal eingedrungen, durch das der Weg führt. Ohne weitere Vorsichtsmaßnahmen marschiert nun das Heer in den Teutoburger Wald hinein. Da mehren sich von Stunde zu Stunde die Schwierigkeiten. Der Weg, der zu Fuß gangbar und auch noch für Reiter geeignet ist, verengt sich oft derartig, daß Bäume gefällt werden müssen, um die schweren Wagen hindurchzubringen. Der Regen hat die Gebirgsbäche stark anschwellen lassen, so daß auch die Anlage von Brücken notwendig wird. Bis gegen Mittag schiebt sich das römische Heer mit seinem riesigen Troß nur wenige Meilen voran. Regen und Sturm machen die Mittagsrast fast zu einer Qual. Die Unruhe im Heer wächst. Schließlich befiehlt der Feldherr den Aufbruch. Da bricht urplötzlich Kampflärm an der Spitze aus und pflanzt sich durch die Reihen der Kolonne fort. Jetzt tauchen überall kleine germanische Abteilungen auf, beunruhigen die Kohorten und die Bedeckung der Wagen, stoßen auch hier und da vor, so daß es immer wieder zum Nachkampf und zum Handgemenge kommt. Die Unordnung, in die das römische Heer gerät, und die Unübersichtlichkeit der Lage veranlaßt den Feldherrn, an Ort und Stelle, soweit das der Wald zuläßt, ein Lager aufzuwerfen und seine Legionen und Kohorten aus dem Kampf zu ziehen. Jetzt erst hat Varus begriffen, daß es um Sieg oder Tod geht. Er läßt die Wagen und Karren mit allem, was darauf ist, verbrennen und die Weiber und Burschen vertreiben. Jeder Soldat behält nur das, was er zu tragen vermag. Die Verlustmeldungen, die ihm am Abend erstattet werden, zeigen, daß der Kampf schwerer war, als es zunächst den Anschein hatte. Eintönig rauscht der Regen während der Nacht hernieder. In ihren Lederzelten liegen die Legionäre eng aneinander gedrückt. Sie lauschen auf das Toben des Sturmes und fahren zusammen, wen ein Baum entwurzelt niederprasselt. Nur schwer finden die Männer den Schlaf. Der eherne Klang der Tuba weckt sie, kaum daß der Morgen graut. Rasch brechen sie das Lager ab und stehen in Reih und Glied. Unter ständigen Kämpfen geht es tiefer in das Gebirge hinein. Die Verluste werden größer und größer. Bei den Germanen treffen dagegen immer neue Hundertschaften ein, die mit frischen Kräften angreifen. Das Lager, das man am Abend errichtet,  bietet kaum noch einen Schutz. Zu abgekämpft und gleichgültig sind die arg zusammengeschmolzenen Legionen. Nicht mehr die eiserne Manneszucht, sondern nur noch die Angst um das nackte Leben hält die Römer zusammen. Am dritten Tage der Schlacht kämpfen sich die Legionen zu einer Hochebene durch. Aber hier tritt ihnen Arminius mit seinem ganzen Heer entgegen. Varus erkennt die Niederlage, und er, dessen Mangel an Umsicht die Katastrophe verschuldet hat, findet nun den Mut zum Sterben. Wie sein Vater und sein Großvater es auch taten, stürzt er sich selbst in sein Schwert. Seine treuen Leute errichten noch während des Kampfes einen Scheiterhaufen, um den toten Feldherrn zu verbrennen. Aber das Holz ist naß, es quaimt nur, ohne recht zu brennen. Da gräbt man den Leichnam in die Erde. Tapfer kämpfend fällt der Legat Lucius Eggtus inmitten seiner Soldaten. Der Reitergeneral Vala Numonius versucht seine Reiterei zu retten, aber sie wird, nachdem der Durchbruch zunächst gelingt, bald darauf von den Reiterscharen, die ihnen Arminius nachfendet, gefaßt, zersprengt und vernichtet. Der Legat Ceonius kapituliert mit dem Rest des Heeres. Auf blutgetränktem Feld grüßen die germanischen Tausendschaften ihren Führer Arminius als Sieger. Zum erstenmal seit dem Zug der Kimbern und Teutonen ist ein großes römisches Heer, das zudem noch aus Elitetruppen bestand, vollständig vernichtet worden. Mit der Schalcht im Teutoburger Walde hat der Freiheitskampf seinen ersten Abschnitt erreicht.

 Die Legendenbildung

So gewiß der Ausgang der Dreitageschlacht im Teutoburger Walde ist, so ungewiß sind alle militärischen Einzelheiten. Wir kennen nicht einmal genau die Orte, an denen der Kampf tobte. Das Sommerlager des Varus kann sich ebenso in der Nähe von Minden, an der Westfälischen Pforte, wie bei Hameln oder noch weiter südlich befunden haben. Da sich der Teutoburger Wald etwa von Osnabrück bis zur Hochebene von Paderborn hinzieht, lassen sich in der Theorie zahlreiche Orte finden, die für den dreitägigen Kampf in Frage kommen könnten. Wahrscheinlich ist nur, daß Varus von seinem Sommerlager aus den nächsten Weg zu der vom Kastell Aliso gesicherten Straße an der Lippe wählte. Solange nicht das Sommerlager oder wenigstens das erste Marschlager der Römer durch Ausgrabungen gefunden wird, bleiben alle Erwägungen über den örtlichen Verlauf der Schlacht mehr oder minder eitel*).

*) Vom Vom Flugzeug aus aufgenommene Luftbilder ergaben, daß sich bei Rinteln a. o. Weier eine aster artige Anlage befindet, die vielleicht aus jener Zeit stammt. Die Ausgrabung, die Gewißheit darüber bringen könnte, steht aber och aus.

Wie immer, wenn es sich um entscheidende Kämpfe handelt, setzte sehr bald der Vernichtung der Legionen eine Legendenbildung ein, von der uns die römischen Berichte Zeugnis ablegen. So soll Arminius oft der Tischgenosse des Varus gewesen sein und ihn, den Gastgeber, noch bis zuletzt hintergangen haben. Der einzige zeitgenössische Bericht, der des Reiteroberst Vellejus Paterculus – die nüchterne Darstellung eines Frontsoldaten – meldet davon nichts, sondern macht das Versagen des Varus für die Katastrophe verantwortlich. Auch von einer mit Arminius verabredeten Empörung eines entfernt wohnenden Stammes der Germanen, wodurch das römische Heer in einen Hinterhalt gelockt sei, berichtet der Oberst nichts. Erst recht nicht davon, daß die Legionen schon in ihrem Sommerlager überfallen worden seien.

Erdichtet dürften auch die Grausamkeiten sein, die unsere Vorfahren gegen die wehrlosen Gefangenen begangen haben sollen. Offenbar hat man am römischen Kaiserhof, um die ungewöhnliche Niederlage zu erklären, eine falsche Darstellung von den Geschehnissen verbreitet und eine Legendenbildung in dieser Richtung gefördert. Nur so erklärt es sich, daß die aus der Gefangenschaft losgekauften vornehmen Römer – es sind also wohl Offiziere gewesen -, den Boden Italiens nicht wieder betreten durften. Für die Milde, mit der die Gefangenen behandelt wurden, spricht auch die Mitteilung, daß einige von ihnen noch 40 Jahre nach der Schlacht lebten und ihre Freiheit wiederfanden.

Folgen der Schlacht

Die Folgen der Vernichtungsschlacht waren für die Germanen wie für die Römer ganz außergewöhnlich. Kaiser Augustus entließ sofort seine aus Germanen bestehende Leibwache, verbot die herkömmlichen Feiern und Volksfeste, ließ als Ersatzheer 18 000 Mann ausheben, strich die Nummern der drei vernichteten Legionen aus der Liste des Heeres und sandte Tiberius – seinen besten Feldherrn – an den Rhein, um das verstärkte Heer dort zu führen.

Dem General Asprenas, der mit seinem Heere im Lande der Chatten stand, war er gelungen, sich mit seinen beiden Legionen rechtzeitig hinter den Strom zurückzuziehen und dort die Kastelle zu besetzen und zu behaupten. Aliso, die starke Festung an der Lippe, mußte freilich aufgegeben werden.

Von dem, was auf germanischer Seite geschah, wissen wir nur wenig. Sicherlich verbreitete sich die Nachricht von dem großen Sieg sehr rasch durch alle germanischen Gaue und stärkte überall den Freiheits- und Kampfwillen. Aber Arminius sah sich doch gezwungen, in der Verteidigung zu bleiben, weil der Mann, auf den er seine ganze Hoffnung gesetzt hatte, der Markomannenkönig Marbod, versagte.

Der Herzog ließ die Leiche des Varus ausgraben und schickte das abgehauene Haupt des Statthalters nach Böhmen, sicherlich mit der Aufforderung an Marbod, nun auch seinerseits das Römerrreich anzugreifen. Aber der König war schon zu alt geworden. Der einst kühne Feldherr und Staatsmann hatte sich in einen gewiegten Diplomaten und in einen Herrscher verwandelt, der das Errungene nur noch behaupten wollte. Darum sandte er das Haupt des Varus an den Kaiser und blieb neutral.

Die neue Heeresordnung des Arminius

 

Arminius bewährte sein Führertum in den Jahren nach der Schlacht im Teutoburger Walde noch mehr als schon bei Beginn der von ihm hervorgerufenen Freiheitsbewegung. Es ist bezeichnend, daß Tiberius es nicht wagte, seinen großen Gegner anzugreifen. Erst als er nach dem Tode des Augustus selbst Kaiser geworden war, überschritten die Legionen unter ihrem neuen Feldherrn, dem jungen Germanicus, mehrfach den Rhein. Die Kämpfe, die sich nun abspielten, beweisen aber, daß Arminius die Zeit genutzt hatte, und daß er mit seinen Tausendschaften selbst einem acht Legionen starken Heer – mindestens 80 000 Mann Soll-Stärke – sogar in offener Feldschlacht gewachsen war.

Aus allen Nachrichten geht hervor, daß sich der große Cherusker ein Kernheer von etwa 40 000 bis 50 000 Kriegern aus der jungen, kampfkräftigen Mannschaft des Istwäonenbundes geschaffen haben muß, ein stehendes Heer, das er sich in voller Schlagkraft während der ganzen Jahre zur Verfügung hielt. Die Germanen seiner Zeit waren fast ausschließlich noch Bauern. Als solche fanden sie sich wohl zusammen, wenn der Feind ins Land fiel; war aber die Bedrohung beseitigt, so gingen sie nach Hause, um, wie es rechte Bauernart ist, ihre Höfe zu bewirtschaften. Auf die Aufgebote dieser älteren Männer konnte also Arminius nicht ständig, sondern nur von Fall zu Fall rechnen.

Das Kernheer, das sich Arminius in den Jahren nach der Schlacht im Teutoburger Walde geschaffen hatte, war nicht nach römischer Art geschult und in Legionen eingeteilt. Es ist für diesen größten germanischen Führer bezeichnend, daß  er  nicht  ein  fremdes Heereswesen  nachahmte,  sondern  aus  der  Eigenart  seines  Volkes  heraus  eine  neue Heeresordnung schuf. Es blieb also bei den alten Hundertschaften und Tausendschaften. Nur daß sie sich jetzt nicht mehr wie früher aus allen männlichen Mitgliedern einer Sippe – also aus jungen und alten Menschen – zusammensetzten, sondern daß sie nur noch aus jungen kampfkräftigen Männern bestanden.

Dieses Kernheer blieb ständig unter Waffen. Es wurde in den großen Volksburgen, die auf vielen Weserbergen lagen – Burgen, die erst zur Zeit der Kämpfe mit den Römern errichtet worden waren -, gewissermaßen in Garnison gelegt. In wenigen Tagen oder gar Stunden konnte das ganze Heer den befohlenen Sammelort erreichen. Früher hatte es Wochen gedauert, bis das Aufgebot aller wehrhaften Männer des Stammbundes der Istwäonen sich zusammenfand. Die schnell marschierenden, jederzeit schlagkräftigen Legionen waren deshalb den Germanen überlegen gewesen. Aber nicht nur das versammelte Kernheer bildete die “aktive” Truppe. Arminius sorgte auch dafür, daß bei den einzelnen Stämmen des Bundes einige Tausendschaften wehrhafter Männer ständig unter Waffen standen, bereit, dem römischen Heer, wenn es nötig sein sollte, den Vormarsch zu erschweren. Die Sammelorte für das Aufgebot der älteren Männer jeden Stammes wurde weiter zurückverlegt. Infolgedessen gelang es den Römern nun nicht mehr wie früher, diese Aufgebote, bevor sie zu dem aktiven Heer Arminius gestoßen waren, eizeln zu fassen und zu vernichten. Wie sehr sich diese neue Heeresordnung des Arminius bewährte, beweisen die Entscheidungskämpfe der Jahre 15 und 16 uns. Ztr.

Der Kampf der Jahre 15 und 16

Die Hauptkämpfe beganen – nach einigen unwesentlichen Vorstößen im Jahre 14 – mit dem Vormarsch des römischen Heeres im Jahre 15. Die Legionen wurden auf drei verschiedenen Wegen zur Ems geführt, vereinigten sich dort und marschierten zum Teutoburger Wald. Hier hielt es der junge Germanicus für richtig, erst die Gebeine der in der Varusschlacht gefallenen Römer zu bestatten, ehe er gegen den Feind marschierte. Dadurch verlor er kostbare Zeit, die Arminius nutzte, um die Aufgebote der älteren Männer an sein Kernheer heranzuziehen. Noch westlich der Weser kam es zu einer offenen Feldschlacht, die nach dem Bericht des Tacitus unentschieden geendet haben soll. Aus dem überstürzten, fluchtartigen Rückzug der Legionen zur Ems geht aber hervor, daß Arminius überlegener Sieger geblieben sein muß. Die Hälfte des römischen Heeres unter dem erfahrenen General Caecina wäre fast einer ähnlichen Vernichtung anheimgefallen wie die Legionen des Varus. Nur das Ungestüm des gegen den Rat seines Neffen handelnden alten Haudegens Ingiomar rettete die Römer. Im Jahre 16 versuchte der junge Germanicus noch einmal sein Glück. Es kam zu einer Doppelschlacht auf dem Felde von Idistaviso und am Angriwarierwall. Offenbar hatte der Römer aus seinen Fehlern gelernt. Es gelang ihm unter Einsatz einer Flotte von über 1000 Schiffen, sein Heer schnell und überraschend an die weit unterlegenen Kerntruppen des Arminius heranzuführen. Die einberufenen Aufgebote der älteren Männer standen noch weit entfernt. Arminius mußte Zeit gewinnen. Er konnte das entweder dadurch, daß er sich mit seinen 40 oder 50 Tausendschaften zurückzog, oder daß er eine Schlacht annahm, die zwar von vornherein verloren war, die die Römer aber doch für einige Tage festhielt. Es ist für den größten Führer, den die Germanen je gehabt haben, bezeichnend, daß er die zweite Möglichkeit wählte. Der Erfolg gab ihm recht. Zwar mußte er auf dem Felde von Idistaviso weichen, obwohl er ebenso wie sein Oheim Ingiomar an der Spitze seines Schlachtkeiles durch die römische Schlachtfront durchtieß, aber die nötige Zeit war gewonnen. Die Legionen trafen bei ihrem weiteren Vormarsch auf so statke Truppen der Germanen, daß sie zur Weser zurückgedrängt wurden. Dort zwischen dem Steinhuder Meer und dem Fluß wurden sie von Arminius eingekesselt, so daß ihnen nur noch der Durchbruch über den Angriwarierwall, eine starke, von den Angriwariern errichtete Holzerdmauer (die von Geheimrat Schuchhardt durch Ausgrabung festgestellt wurde), übrigblieb. Der Sturm auf den Wall gelang erst, als der römische Feldherr seine Geschütze, rund 500, die das Heer mit sich führte, einsetzte. Der Kampf endete trotzdem mit einem Siege des Arminius, denn die Römer wurden gezwungen, noch während der Schlacht ein befestigtes Lager zu errichten, erlitten starke Verluste und zogen sich unmittelbar darauf, obwohl es erst Hochsommer war, hinter den Rhein zurück. Kaiser Tiberius, der die Aussichtslosigkeit weiterer Kriegszüge einsah, rief seinen Feldherrn ab und befahl den Legionen, sich von nun ab auf die Verteidigung der Rheingrenze zu beschränken. Jetzt erst war die Freiheit Germaniens wirklich errungen.

Der Tod des Helden

Das persönliche Schicksal des großen Cheruskers ist bekannt. Er nahm Thusnelda, die Tochter des Segestes, gegen den Willen ihres Vaters zur Gattin und verlor seine Frau durch die Machenschaften dieses Mannes, der von der Geschichte für die Ewigkeit als Verräter seines Volkes gestempel ist. Bald nach der  Doppelschlacht bei Idistaviso und am Angiwarierwall mußte er sein Heer gegen den Markomannenkönig Marbod führen, der ihm den Ruhm und die Führung der Germanen schon neidete. Die Schlacht zwischen den beiden soll zwar unentschieden geendet haben, aber Marbod fühlte seine Unterlegenheit so sehr, daß er sich nach Böhmen zurückzog. Dort wurde er durch einen jungen edlen Goten (?) namens Katwald vertrieben. Er suchte und fand Zuflucht im römischen Reich und lebte noch 15 Jahre in Ravenna. Seinen früheren Ruhm hat er, wie Tacitus sagt, “dadurch stark verdunkelt, daß er allzusehr am Leben hing”. Arminius fiel “durch die Tücke seiner Verwandten”. Aber er lebte im Herzen seines Volkes weiter. Die Lieder über ihn gingen von Mund zu Mund und sind uns wohl in der Siegfriedsage, wenn auch für die Gegenwart schwer nachprüfbar, überkommen. Er war nach den Worten des großen römischen Geschichtsschreibers Tacitus “unzweifelhaft der Befreier Germaniens und ein Mann, der nicht wie andere Könige und Heerführer das römische Volk in seinen Anfängen, sondern das römische Reich auf der Höhe seiner Macht herausforderte. In der Schlacht hat er mit wechselndem Glück gekämpft, aber im Kriege ist er unbesiegt!” Wenn je für einen Großen, so treffen für ihn die Worte der Edda zu: Besitz stirbt, Sippen sterben, Du selbst stirbst wie sie. Eins aber weiß ich, Das ewig lebt, Der Toten Tatenruhm!

Die Kämpfe an Rhein und Donau

Civilis und Brinno

Arminius war gewiß der größte aller germanischen Führer vor Beginn der geschichtlichen Völkerwanderung. Aber wie es vor ihm große Volksführer bei unseren Vorfahren gab, so auch nach ihm. Ihre Namen werden freilich durch seinen Glanz verdunkelt. Die Lückenhaftigkeit der antiken Berichte tut das ihre dazu. So sind nur bei wenigen germanischen Fürsten des ersten bis vierten Jahrhunderts unserer Zeitrechnung Ansatzpunkte für eine Untersuchung ihrer Fähigkeiten und Taten gegeben. Es mag also an dem Erhaltungszustand der Schriften des Tacitus liegen, daß uns als Namen von Klang nach Arminius erst die des Führers der linksrheinlichen Batavar Civilis und des ihrer nördlichen Nachbarn, der Canninefaten, Brinno bekannt sind. Im Jahre 68 uns. Ztr. endet Kaiser Nero durch Selbstmord. Im Jahre darauf kämpfen vier Kaiser miteinander um die Herrschaft über die antike Welt: Galba, Otho, Vitellius und Vespasian. Diese Gelegenheit benutzt der Führer der Bataverkohorten, Civilis – wir kennen nur seinen römischen Namen -, um einen Freiheitskampf seines Stammes und der benachbarten Canninefaten zu versuchen. Die Bataver und ihre Nachbarn sind niemals von Rom unterworfen worden. Wahrscheinlich hat schon Drufus der Ältere mit ihnen ein Freundschaftsbündnis abgeschlossen, demzufolge die Bataver ein Hilfskorps von 10 000 Mann, darunter 1000 Reiter, stellten. Die Truppe wurde ausschließlich von Männern des eigenen Stammes – also von Batavern – befehligt. Sie nahm eine Sonderstellung im römischen Heere ein, und zwar nicht nur wegen ihrer Tapferkeit, sondern auch wegen der Schwinnkünste der Bataver, die nicht selten zur Entscheidung eines Kampfes führten. Civilis war unter der falschen Behauptung aufrührerischer Absichten während der Regierung Neros verhaftet worden. Neros Nachfolger, Galba, hatte ihn aber freigesprochen. Unter Vitellius war er wieder in Lebensgefahr geraten, da das römische Heer seinen Tod forderte. Kein Wunder, daß der Führer der Bataverkohorten die Partei des Gegenkaisers, Vespian, nahm, oder sich wenigstens den Anschein gab, als ob er es täte. Tatsächlich erstrebe er wohl von Anfang an die Freiheit seines Stammes. Er war, wie der Bataverkrieg beweist, ein befähigter, wenn auch kein überragender Feldherr und Volksführer. Was ihm an staatsmännischem Können fehlte, versuchte er durch kluge Diplomatie zu ersetzen. Es gelang ihm tatsächlich auch, die römischen Gegenspieler eine Zeit lang über seine Absichten im Unklaren zu lassen. Der Sieg Vespasians über Vitellius zwang ihn aber, Farbe zu bekennen und seinen Freiheitskrieg offen weiterzuführen. Sein treuester Bundesgenosse war der Führer der Canninesaten. Brinno, “ein Mann, ebenso unklug wie verwegen, aus einem hochangesehenen Geschlecht”. Dies Urteil des Tacitus dürfte zutreffen, wenn man das Wörtchen “unklug” streicht. Brinno war offentlich der Befehlshaber der Flotte beider Stämme auf dem Rhein und in der Nordsee, ein Seekönig also, der auf dem Meere eine ähnliche Leistung vollbrachte, wie der große Cherusker Arminius auf dem Lande.

Die römische Flotte, die teils auf dem Rhein, teils in Britannien stationert war, hat niemals eine sonderliche Rolle in den Kämpfen zwischen Römern und Germanen gespielt. Sie diente eigentlich nur dem Transport von Truppen, aber sie war immerhin vorhanden und wurde in dem Freiheitskrieg der beiden Stämme wichtig, denn ihre Niederlagen und ihr Versagen brachten die letzte Entscheidung. Der Kern der Bataver wohnte auf den durch die Mündungsarme des Rheins gebildeten Inseln. Nur mit einer überlegenen Flotte konnten also die Legionen der Bataver Herr werden. Das galt noch viel mehr von dem Kampf gegen die nördlich davon im heutigen Nordholland seßhaften Canninefaten. Civilis und Brinno hatten in ihrem Freiheitskampf zu Wasser und zu Lande zunächst beträchliche Erfolge. Alle nördlich von Mainz stehenden Legionen wurden teils mit Waffen, teils mit anderen Mitteln außer Gefecht gesetzt. Da auch mehrere gallische Stämme sich empörten, und die östlich des Rheins lebenden freien Germanen unter dem Einfluß der Seherin Veleda Hilfstruppen schickten, schien der Freiheitskampf zu glücken. Als aber ein ebenso fähiger wie leichsinniger General, Petilius Cerialis, den Oberbefehl über die neuen sechs Legionen übernahm, die der Kaiser aus sandte, da wandte sich das Blatt, zumal die Gallier, die sich mit den Germanen verbündet hatten, wieder einmal ihre Unzuverlässigkeit unter Beweis stellten. Im Laufe eines Jahres (70 uns. Ztr.) wurden die Bataver überall zurückgedrängt und mußten schließlich ihre eigene Heimat verteidigen.

Die Seeschlacht in der Nordsee

Nun brachte der Seekönig Brinno mit seiner Flotte die Entscheidung zugunsten der Bataver. Er hatte bereits vorher die aus Britannien heranfegelnde römische Flotte in der einzigen, uns bekanntgewordenen frühgeschlichtlichen Seeschlacht zwischen Germanen und Römern in der Nordsee vollständig geschlagen und damit eine Tat vollbracht, die mit jener des großen Cheruskers Arminius verglichen werden kann. Die Germanen waren bis zu jener Schlacht nicht die alleinigen Herren auf dem Meere gewesen. Unter der Führung des Gannascus waren einige Jahrzehnte vorher die an der Nordseeküste zwischen Elbe und Weser wohnenden Chauken in der römischen Provinz Niedergermanien eingefallen und hatten von der See aus mit ihren leichten Schiffen sogar die gallische Küste heimgesucht, waren dann aber unter Mitwirkung der römischen Flotte wieder vertrieben worden. Nach dem Sieg über die britannische Flotte waren die Germanen nun die unbeschränkten Herrscher im Nordmeer. Nie wieder hat eine römische Flotte dort  irgendeine Rolle gespielt. Befreite Arminius durch seine Siege über die Legionen Westgermanien vor der drohenden Herrschaft der Römer, so sicherte Brinno durch die Vernichtung der römischen Seeschiffe die germanische Überlegenheit auf dem Meer. Der römische Geschichtsschreiber Tacitus gibt diese Niederlage mit den Worten zu: “Die (römische) Flotte aber griffen die Canninefaten ihrerseits an, die größere Hälfte der Schiffe wurde von ihnen versenkt oder gekapert.” Die unmittelbare Folge dieses Sieges zur See war ein Sieg der Canninefaten zu Lande über das Heer der Nervier, eines belgischen Stammes, der auf der Seite der Römer kämpfte. Auch auf dem Rhein war die von Brinno geführte Flotte der römischen überlegen. Nach einer unglücklichen Schlacht sicherte sie den Batavern den Übergang über den Rhein. Die römische Flotte wagte es nicht, einzugreifen. Die wichtig und entscheidend die Hilfeleistung war, geht aus dem Urteil des Taxitus hervor, der sagt. Der Krieg wäre an diesem Tage zu Ende gewesen, wenn die römische Flotte sie (die Germanen) sofort verfolgt hätte.” Wenige Wochen später wiederholte sich der Vorgang. Nach einigen kleinen Erfolgen mußten die Bataver wieder über den Strom zurück, wobei sie von ihren Schiffen gedeckt wurden. “Selbst damals nahm die römische Flotte”, berichtet Tacitus, “nicht am Kampfe teil, wie es doch befohlen war, denn es lähmte sie die Angst…” Brinno beschränkte sich jedoch nicht nur auf derartige Hilfeleistungen, sondern griff mit seinen Schiffen mehrfach an. Dabei wurde u. a. das römische Admiralschiff erobert. An der Mündung der Maas in den Rhein kam es schließlich zu einer zweiten Seeschlacht, die, wenn man den sehr vorsichtigen Bericht des Tacitus richtig liest, mit einem neuen Sieg der Germanen endete, denn die römische Flotte verließ den Kampfplatz.

Über den Ausgang des Freiheitskampfes der Bataver und Canninefaten wissen wir sehr wenig, aber aus dem wenigen geht doch hervor, daß die Römer, weil sie gegen die Überlegenheit der germanischen Flotte ohnmächtig waren, einen Frieden schließen mußten, der den beiden Stämmen ihre alte Stellung als Bundesgenossen sicherte. Der Seekönig Brinno hat es also zuwege gebracht, daß das römische Weltreich und sein Kaiserr mit den beiden Führern kleiner germanischer Stämmer wie mit gleichgestallten verhandeln und Frieden schließen mußten.

Ariogais und Ballomar

Nahezu ein Jahrhundert vergeht, in dem die römischen Geschichtsschreiber uns keine irgendwie bedeutsamen Namen germanischer Führer nennen. Dann aber kommt es zu einem vierzehnjährigen Krieg, der das Weltreich fast bis an den Rand des Abgrundes führt (166-180).

Zum erstenmal nach dem Einfall der Kimbern stehen germanische Tausendschaften in Italien, dringen bis vor die Mauern der Stadt Aquileja (westlich des heutigen Triest) vor und erstürmen das dicht dabeiliegende Opitergium (das heutige Oderzo). Es sind  die germanischen Stämme der Markomannen und  Quaden, die im Bumde mit nichtgermanischen Völkerstämmen, vor allem mit den Jazygen, das Kaiserreich angreifen.

Rom war damals durch den Krieg mit den asiatischen Parthern und durch das Wüten einer Pest schwer geschwächt. Aber auf dem Thron saß ein edler und wackrer Mann, der Kaiser Marc Aurel, der mehr noch als Philosoph denn als Staatsmann und Feldherr bekannt geworden ist.

Die Führer auf germanischer Seite waren der Markomannenkönig Ballomar und der Quadenkönig Ariogais. Die beiden in Böhmen und Mähren seßhaften Stämme gehörten zu dem großen Stammbund der Sweben oder Irminonen, dessen Gebiet sich zwischen Elbe und Oder, dann der Saale folgend nach Süddeutschland bis zur Donau erstreckte.

Der Krieg wurde offenbar gleich von Anfang an von diesem Stammbund und nicht nur von den Markomannen und Quaden allein geführt, denn die römischen Berichterstatter geben an, daß Truppen der Langobarden, Obier, Varisten, Hermonduren (der späteren Thüringer) und anderer swebischen Stämme an den Kämpfen teilgenommen haben. Nur so ist auch zu erklären, daß die Germanen in Böhmen und Mähren vierzehn Jahre lang den immer wiederholten Angriffen der römischen Heere Trotz bieten konnten.

Zweimal besiegten Ballomar und Ariogais römische Heere, und zwar den Gardegeneral Furius Victorinus und den General Marcus Vinder. Aber immer wieder gelang es dem Kaiser über die Donau nach Norden vorzudringen. Freilich mußte er, um diesen Krieg durchführen zu können, die letzten Kräfte des römischen Reiches einsetzen, sogar Räuber zu Soldaten machen, und den Besitz des kaiserlichen Hauses an Kostbarkeiten und Kunstwerken verkaufen.

Die römischen kriegsberichte sind sehr widerspruchsvoll und undurchsichtig, aber sie lassen doch erkennen, daß zunächst Ariogais die Seele des Kampfes gewesen ist. Kaiser Marc Aurel hielt den germanischen Führer für so gefährlich, daß er auf seinen Kopf einen Preis von 1000 Goldstücken aussetzte, was einem heutigen Werk von etwa einer halben Million entspricht. Dieser Kopfpreis ist deshalb um so bemerkenswerter, als Marc Aurel gegen keinen anderen seiner Feinde eine solche Maßnahme angewandt hat. Ariogais geriet während des Krieges in römische Gefangenschaft und wurde vom Kaiser nach Alexandria verbannt.

Nun führte Ballomar den Krieg weiter und erreichte schließlich einen Frieden, in dem die Römer die Hälfte jenes Landstriches an die Germanen abgaben, den sie bis dahin nördlich der Donau als Grenzsicherung wüst hatten liegen lassen.

Die Wandalenkönige

Wenn auch der Markomannenkrieg noch keine Entscheidung in dem großen, rund fünfhundertjährigen Kampfe zwischen den Germanen und den Römern brachte, so löste er doch eine Bewegung germanischer Stämme aus, die für die folgenden Jahrhunderte bestimmend war.

Im unmittelbaren Zusammenhang mit den Kämpfen an der Donau eroberten die Wandalenkönige Ra und Rapt das Theißland (das heutige Ungarn).

Die Wandalen waren um 100 v. d. Ztr. von Nordjüdland nach Süden gewandert und hatten sich zwischen Oder und Weichsel südlich von Netze und Warthe ein großes Reich gegründet. Sie erhielten ständig Zuzug aus dem Norden und waren schließlich so stark geworden, daß sie Neuland erobern mußten. Die Könige Ra und Rapt benutzen nun die Gelegenheit, die ihnen der Markomannenkrieg bot, um die Grenzen ihres Reiches nach Süden zu erweitern. Dabei fielen sie auch in die römische Provinz Dacien ein. Zum erstenmal standen sich nun wandalische Hundertschaften und römische Kohorten gegenüber. Nach den Berichten sollen die Römer gesiegt haben, aber merkwürdigerweise trat der Kaiser den Wandalenkönigen das Land an der Theiß ab und zahlte ihnen noch Geld, woraus hervorgeht, daß die Germanen Sieger geblieben sein müssen.

Die Gotenkönige

Zu der Zeit des Markomannenkrieges, etwa um 170 uns. Ztr. zogen die Goten unter ihrem König Filimer nach Südrußland und gründeten an den Ufern des Schwarzen Meeres ein Reich, das seine Grenzen bald nach allen Richtungen weit ausdehnte. Die Goten waren im Beginn unserer Zeitrechnung aus ihrer alten Heimat in Mittelschweden und der Insel Gotland zu einem Teil ausgewandert, hatten sich an der Mündung der Weichsel niedergelassen, und als ihnen diese neue Heimat zu eng geworden war, zogen sie nach Südrußland. Es ist nicht bekannt, ob diese von Filimer geführte Wanderung mit dem Markomannenkrieg zusammenhängt, aber es bleibt auffallend, daß sie zur selben Zeit geschah. In ihren neuen Wohnsitzen waren die Goten nun Nachbarn der Römer geworden. Es kam sehr bald zu Kämpfen an der Donau. Der Gotenkönig Ostrogotha drang über die Donau vor und verheerte die römischen Provinzen Mösien und Thrakien. Der Kaiser mußte schließlich den Frieden durch Geld erkaufen, aber dieser Friede war nicht von Dauer.

Kniva

Um 250 herrsche König Kniva über die Goten. Er ist einer der hervorragendsten frühgermanischen Führer gewesen. Damals behaupten die Römer noch die nördlich der Donau gelegene Provinz Dacien. Wie eine mächtige Festung lag sie in dem nun schon von germanischen Stämmern beherrschen Gebiet und trennte die Wandalen von den Goten. Wenn die germanische Front gegen das Kaiserreich geschlossen werden sollte – eine Front, die sich von der Nordsee, dem Rhein folgend nach Süden und dann der Donau nach Osten folgend bis zum Schwarzen Meer erstreckte -, dann mußte Dacien erobert werden. Solange das Land noch römisch war und die Goten ebenso wie die Wandalen von der Flanke her bedrohte, konnte die Entscheidung in dem Ringen zwischen der Großmacht des Nordens, dem Germanenvolk, und der des Südens, dem römischen Reich, nicht fallen. Das hat König Kniva mit überragendem staatsmänischen Blick erkannt. Sein Kriegsziel war wohl die Eroberung dieser Provinz. Es gab zwei Wege um dieses Ziel zu erreichen. Kniva konnte entweder in Dacien einfallen und dort die Entscheidung suchen, oder über die Donau gehen und die Römer auf dem Balkan angreifen. Wählte er den ersten Weg, dann mußte er damit rechnen, daß der Kaiser genügend Zeit hatte, um aus allen Teilen seines Reiches die verfügbaren Truppen zu sammeln und heranzuführen. Es wäre zu einem ähnlichen Kampf gekommen, wie ein Jahrhundert früher zwischen Ballomar und Marc Aurel. Wählte der Gotenkönig aber den zweiten Weg, ging er über die Donau, ohne vorher Dacien zu erobern, dann griff er den Kaiser zwar unmittelbar an, aber er hatte dann nicht nur ein römisches Heer vor sich, sondern es standen auch die in Dacien liegenden Legionen in seinem Rücken. Ein Vorstoß über die Donau war also viel gefährlicher, versprach jedoch den größeren Erfolg, weil er den Kaiser zwang, sich mit den verfügbaren Truppen sofort zum Kampf zu stellen und ihm die Zeit nahm, Legionen aus weiter entfernten Reichsteilen heranzuziehen. Es ist für die Größe dieses germanischen Führers bezeichnend, daß er nicht zögerte, den gefährlicheren Weg zu gehen. Im Jahre 249 überschritt also Kniva die Donau und belagerte Marcianopel. Als der römische Kaier Decius, wie erwartet, zum Entsatz heranrückte, wich der Gotenkönig nicht etwa über die Donau zurück, sondern zog nach Süden über das Balkangebirge und lockte den Kaiser durch ein scheinbar verlorenes Gefecht hinter sich her. Kaum hatten die Römer das Gebirge überschritten, als sie von den Goten angegriffen und vernichtet wurden. Diese schwerwiegende Niederlage zwang den Kaiser Decius, die in Dacien stehenden Legionen heranzuziehen. Damit aber hatte Kniva erreicht, was er beabsichtigte. Die Provinz lag ohne Besatzung dem Einfall der Goten offen, wenn auch dieses zweite römische Heer völlig geschlagen wurde. Der König hatte inzwischen die Stadt Philippopel erobert. Als der Kaiser mit seinem neuen Heere herankam, zog er sich nun zur Donau zurück und lockte Decius in ein Sumpfgelände hinein, in dem er die Legionen vernichtend schlug. Der Kaiser und sein Sohn fanden dabei den Tod. Kniva ging über den Strom und bald darauf hatten die Goten Dacien erobert. Der Nachfolger des Kaisers Decius wagte es nicht, den Krieg weiterzuführen; er schloß sofort mit Kniva Frieden und zahlte ihm jährlich Tribute.

Ermanarich

Etwa hundert Jahre später, um 350, wurde Ermanarich aus dem Geschlecht der Amaler König der Ostgoten. Der gotische Stamm hatte sich schon seit einiger Zeit in die Ostgoten und die Westgoten gegliedert. Das Reich der Ostgoten lag in Südrußland, das der Westgoten im heutigen Rumänien. Ermanarich dehnte sein Reich über fast ganz Rußland aus. Er herrschte von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer und vom Dnjester bis zur Wolga und zum Ural. man verglich ihn damals mit Alexander dem Großen, denn er unterwarf eine Unzahl von Völkerstämmen, darunter auch die Slawen und Aisten. Diese außerordentlichen Erfolge wurden ihm zum Verhängnis. Die Ostgoten waren nicht zahlreich genug, um das weite Rußland auf die Dauer zu beherrschen. Hatten bis dahin die Fußtruppen die Hauptmacht der germanischen Heere gebildet, so sah sich Ermanarich gezwungen, seine wehrfähigen Männer zu Reitern zu machen, denn nur Reiter konnten die ungeheuren Strecken so rasch, wie es nötig war, überwinden. Bei allen germanischen Stämmen bildete damals immer noch das bodenverwurzelte Bauerntum die unerschöpfliche Quelle ihrer Kraft. Die Ostgoten aber waren durch die Siege ihres Königs über die in Rußland lebenden Völker vom Bauern zum Großgrundbesitzer, der seinen Acker nicht mehr selbst bebaute, sondern durch Hörige bewirtschaften ließ “aufgestiegen”. Die wehrhaften Männer mußten fast ständig Kriegsdienste tun, wenn Ermanarich die Herrschaft in seinem Reiche behaupten wollte. Als nun zwischen 370 und 375 ein bis dahin  unbekanntes Volk, die Hunnen, aus Asien hervorbrachen, konnte Ermanarich seine über das ganze weite Land verteilten Streitkräfte nicht rechtzeitig zusammenziehen. Er mußte mit unzureichenden Kräften den Hunnen zur Schlacht stellen und wurde besiegt. Der alte Recke – eer soll über 100 Jahre alt gewesen sein – gab sich unter dem Eindruck der Niederlage selbst den Tod. Sein Reich brach zusammen, aber sein Volk erlebte unter dem großen Theoderich, dem Dietrich von Bern der deutschen Sage, mehr als hundert Jahre später eine neue, glanzvolle Blüte.

Die Herzöge der Alamannen

Die Umbildung der großen Stammbünde

Im 3. Jahrhundert unserer Zeitrechnung gliederte sich ein großer Teil des Germanenvolkes neu. Die alten großen Stammbundstaaten der Ingwäonen, Istwäonen und Irminonen lösten sich auf und an ihrer stelle kam es zu neuen Zusammenschlüssen und zu neuen großräumigen politischen, also auch staatlichen Bildungen und Bindungen. Sie waren in erster Linie eine Folge des nun schon über 200jährigen Grenzlandkampfes am Rhein und an der Donau. Die ständigen Kämpfe hatten den dort lebenden Stämmen eine besondere Gemeinsamkeit ihres Schicksales und ein eigenes Erlebnis der besonderen Zusammenhörigkeit gebracht. Schon um etwa 200 bildete sich in Süddeutschland aus den swebischen Stämmen der Bund der Alamannen. Zu ihm stießen im 3. und 4. Jahrhundert ständig neue germanische Scharen, die aus dem Norden kamen. Der Kern der Alamannen wurde von den Semnonen , die vorher in der Mark Brandenburg gelebt hatten, gebildet. Neuere Ausgrabungen haben bewiesen, daß die alten Nachrichten über die Bildung der Alamannen richtig sind, denn zahlreiche Gräbenfelder zwischen Elbe und Oder brechen im 3. Jahrhundert ab, was auf eine Abwanderung der Bewohner schließen läßt. Ferner wurden Siedlungen ausgegraben, die gleichfalls um diese Zeit verlassen worden sind. Am Rhein, nördlich von Mainz bis nahe der Mündung des Stromes, bildete sich aus den dort wohnenden Stämmen der Bund der Franken. Sein Name wird gleichfalls schon im 3. Jahrhundert von den römischen Berichterstattern genannt. Die im Hinterland wohnenden Stämme der alten Stammbünde blieben teils selbständig, wie die Friesen oder Langobarden, teils wurden sie zu neuen Großbildungen zusammengeschlossen. So entstanden damals die Sachsen und wenig später die Thüringer. Die weiter östlich lebenden Stämme blieben selbständig. Das gilt zunächst von den Markomannen und Quaden, die von nun an losgelöst von den alten Bindungen ein Eigenleben führten, dann aber auch von den ostgermanischen Wandalen, Burgundern, Rugiern und Goten.

 Der Durchbruch durch den Limes

Während uns fränkische Führer von größeren Ausmaßen erst vom 5. Jahrhundert unserer Zeitrechnung, also von Beginn der historischen Bölkerwanderung ab, bekannt sind, nennen die römischen Berichterstatter die Namen einiger Alamannischer Herzöge und Fürsten, die es durchaus verdient haben, der Nachwelt überliefert zu werden. Die Alamannen mußten zunächst die römischen Befestigungen und Kastelle – den Limes -, jene Festungslinie, die den westlichen und südlichen Teil des heutigen Württembergs sowie Badens schützten, bezwingen. Um 260 gelang es, den Limes zu durchbrechen und alles Land bis zum Rhein zu besetzen. Die Alamannen waren damals so stark und mächtig, daß sie sogar über die Alpen nach Italien vorstoßen konnten. Im Jahre 270 siegten sie dort über die römischen Truppen in der Schlacht bei Placentia. Nun waren die Römer zum erstenmal seit vielen Jahrhunderten bezwungen, ihre Stadt Rom gegen einen auswärtigen Feind aufs neue zu befestigen. Dem Kaiser Aurelian gelang es schließlich, die Alamannen wieder aus Italien herauszuwerfen. Wer die großen Führer dieses neuen Stammbundes zu jener Zeit gewesen sind, wissen wir nicht, aber der Durchbruch durch den Limes, die Landnahme aller Gaue bis zum Rhein, der Zug über die Alpen und der Vorstoß nach Italien beweisen, daß diese Führer hervorragende Fähigkeiten gehabt haben müssen.

 Ehnodomar

Fast hundert Jahre schweigen die Quellen. Dann werden uns Namen alamannischer Herzöge genannt. Um 350 uns. Ztr. führte der hervorragende Römer Julian die römischen Heere in Gallien und am Rhein. Die Alamannen waren damals schon über den Strom nach Westen vorgestoßen, hatten zahlreiche Städte erobert, darunter Staßburg, Spyer, Worms und Mainz, und hatten sich im Elsaß niedergelassen. Ihr oberster Führer war der König Ehnodomar. Er hatte die Eroberung und Besetzung westlich des Rheines mit Umsicht und Tatkraft geleitet, war über den Marschall Barbatio und den Cäsar Decentius siegreich gewesen und stieß bereits weit nach Gallien vor. Da trat ihm Julian mit einem neuen kriegsgeübten Heere entgegen. Es kam 357 zu der Schlacht bei Straßburg, in der die Römer siegten. Die sehr ausführliche Schilderung dieser Schlacht, die uns erhalten geblieben ist, beweist, daß der Kampf außerordentlich schwer war und daß die Alamannen zunächst erfolgreich fochten. Nur das Eingreifen der germanischen Hilfstruppen, der Bataver, brachte den Römern den Sieg. Es kämpften, wie in jenen Jahrhunderten überwiegend, nicht mehr in erster Linie Römer gegen die Germanen, sondern germanische Hilfstruppen und Söldner ihre freien Volksgenossen. Der Sieg bei Straßburg war also ein Sieg von Germanen über Germanen. König Ehnodomar und seine engere Gefolgschaft, etwa 200 Männer, mußten sich dem feindlichen Feldherrn ergeben. Der König wurde nach Rom gebracht und starb dort an der Schlafsucht. Wenn er auch keinen dauernden Erfolg gehabt hat, so war er doch einer der gefährlichsten Feinde des römischen Reiches und die von ihm geführten Kriege banden so starke Truppenmassen in Gallien und am Rhein, daß die Front an der Donau und am Schwarzen Meer in den darauf folgenden Jahrzehnten von den Goten durchbrochen und aufgerollt werden konnte.

Vadomar und Macrian

Nach Ehnodomar führte der Alamannenfürst Badomar den Krieg gegen die Römer weiter. Er siegte in mehreren Gefechten und wurde den Römern so gefährlich, daß sie ihn mit List über den Rhein lockten und, obwohl inzwischen Frieden geschlossen war, bei einem Gastmahl hinterrücks festnahmen. Die Kämpfe gingen in den folgenden Jahrzehnten weiter. Kaiser Valintinian (364-375) wurde von den Alamannen schwer geschlagen und aufs neue fiel dieser Stamm in Gallien ein. Als Führer werden Rando und Vithikab, der Sohn Vadomars, genannt. Noch einmal befestigten die Römer die Rheinlinie mit Kastellen und Türmen, aber immer häufiger gingen die Alamannen über den Strom, nun geführt von ihrem König Macrian. Diesen offenbar äußerst fähigen Mann konnten die Römer nicht mehr  besiegen. Sie mußten mit ihm einen Frieden schließen, der den Alamannen ihre Eroberungen sicherte. Inzwischen hatte die geschichtliche Völkerwanderung bereits begonnen. Ein Teil der Westgoten unter ihrem Führer Frithigern war über die Donau gegangen und setzte sich südlich dieses Stromes fest. Das römsiche Reich brach in sich selbst zusammen. Frithigern, der eine kaum geringere Rolle in der germanischen Geschichte spielte als Arminius, besiegte den Kaiser Valens entscheidend in der Schlacht von Adrainopel, i. J. 378. Sein Nachfolger in der Führung, Alarich, führte dann die Westgoten nach Italien und eroberte die Weststadt Rom.

Männer, die Geschichte machten

Die großen germanischen Führer der Frühzeit, von wenigen Ausnahmen – wie Ariovist und Arminius – abgesehen, waren bisher viel zu wenig beachtet worden. Gewiß waren nicht nur Männer darunter, die wahrhafte Geschichte machten, aber es sind doch Gestalten, auf die wir Deutsche stolz sein können, und die meist mit geringen, an der Macht des Römerreichs gemessen, durchaus schwachen Kräften zu ihrer Zeit außerordentlich viel leisteten.

Den swebischen Führern, Ariovist mit eingeschlossen, verdanken wir Deutsche den Besitz Süddeutschlands, das im Mittelalter lange Zeit hindurch das Kernland der deutschen Entwicklung gewesen ist.

Über den großen Arminius braucht kein Wort weiter gesagt zu werden. Seine Tat, die Befreiung Germaniens von der drohenden römischen Herrschaft, ist niemals bestritten worden.

Die Könige der Markomannen haben verhindert, daß die Römer ihre Macht über die Donau nach Norden ausdehnten. Das Wirken der Wandalen sicherte große Teile Ostdeutschlands, vor allem Schlesien, dem germanischen Einfluß. Selbst noch im Mittelalter wirkte dieser Einfluß nach.

Die Alamannen haben ebenso wie die Franken zum Zusammenbruch des Römerreiches, den die Goten vollendeten, entscheidend beigetragen. Aber auch andere germanische Stämme und ihre Führer sind am Werden des deutschen Volkes hervorragend beteiligt.

Es ist also nicht so, daß nur der eine oder der andere überragende Führer die geschichtliche Entwicklung beeinflußt hat, wir Deutsche können vielmehr auf eine geschlossene Reihe von Führerpersönlichkeiten aller germanischen Stämme zurückblicken, eine Reihe, die sich vom Mittelalter durch die Zeit der Völkerwanderung hindurch in die der Frühgeschichte und der Vorgeschichte über Jahrtausende hinweg zurückverfolgen läßt, und die beweist, daß aus nordischem Blut immer wieder und wieder überragende Männer aufwuchsten, die das Schicksal ganzer Stämme und Völker beeinflußten und in neue Bahnen lenkten.

Ende

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Arminius_Hermannsdenkmal

Auch: Vorzeit der Germanen bis zu Atlantis Insel Zeiten:

Holger Kalweit – video ueber aelteste Germanische Forschung

 http://www.youtube.com/watch?v=ecWIVFigbX0

video – Bosnia Pyramide mit Germanischer Runenschrift gefunden – 25,000 Jahre alt – leider nur in English / Franzoesische Untertitel

https://www.youtube.com/watch?v=mTjjRtZAo7c

http://bosnianpyramidofthesun.com/

 

https://archive.org/details/AtlantisEddaUndBibel76936Mb93Files101239

Hoerbuch

https://archive.org/details/AtlantisEddaUndBibel – Buch

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