Zur Philosophischen Grundlegung des Nationalsozialismus-Schwarz

 

Schriften der Deutschen Hochschule für Politik

Herausgegeben von Paul Meier-Benneckenstein

 

I. Idee und Gestalt des Nationalsozialismus Heft 17

Von Hermann Schwarz

Zur philosophischen Grundlegung des Nationalsozialismus

***

***

 

  1. h. c. Dr. Hermann Schwarz
  2. ö. Professor der Philosophie i. R.

1936

Junker und Dünnhaupt Verlag / Berlin

Diese Blätter möchten ein Verständnis für die metaphysische Tiefe des völkischen Erlebens vermitteln. Es ist die Tatsache des völkischen Erlebens, daß wir in der Gemeinschaft unseres Blutes unsere seelische Gemeinsamkeit als Volk erleben. Wir Deutsche, insofern wir völkisch ergriffen sind, erleben uns als eine durch einander verwachsene Einheit, in der kein Glied irgendeines anderen Gliedes Schicksal als fremdes Schicksal empfindet. (Fichte.)

Wir erleben uns auf der Grundlage gemeinsamen Blutes als Einheit – was bedeutet das? Das bedeutet, daß wir ein naturüberlegenes Erleben haben, das sich dennoch auf das innigste an die Natur anschließt, an das Gegebene des Blutkreises, in den wir hineingeboren sind. Natur ist in die Zeit und in den Raum hineingebaut. In die Zeit: alles in ihr ist vergänglich, ein rastloses Entstehen, Wachsen und Vergehen, Wandeln, Wechseln – der herakliteïsche Fluß aller Dinge. In den Raum: keine zwei Dinge nehmen denselben Raum ein, jedes behauptet seinen Ort, von dem es jedes andere ausschließt. Alles natürliche Sein ist voneinander getrennt. Darum ist in aller echten Einheit etwas Naturüberlegenes. Da ist die räumliche Trennung aufgehoben, und, füge ich hinzu, eben damit auch die Abhängigkeit vom Flusse der Zeit. Alles echte Einheitserlebnis ist zugleich Ewigkeitserlebnis.

Hier stoßen wir bereits auf die metaphysische Tiefe des völkischen Erlebens. Daß wir Deutsche uns als Einheit auf der Naturgrundlage unseres gemeinsamen Blutes erleben, bedeutet, daß sich diese Einheit als ewiger Sinn in unsere Seele legt. Unser Blut, dessen nordischer Weise wir uns freuen, unterliegt dem Gesetze der Natur. Es rinnt getrennt in vielen Adern – das ist seine räumliche Zerstreuung – und es ist vergänglich in diesen Adern.

Aber nun stellen wir uns die Einheit der Menschen dieses Blutes nicht etwa gedanklich vor, wir addieren uns nicht miteinander, sondern wir fühlen uns erfüllt von einer inneren Unendlichkeit, wenn wir in der Gleichheit unseres Blutes unsere seelische Gemeinschaft bejahen. Ein überindividuelles Einheitsleben wird da in jedem von uns existent, das ebenso in allen anderen, die völkisch erleben, existent wird. Genau ebenso! Da ist die naturhafte Trennung der Körper überwunden, und wir fühlen: in uns verwirklicht sich das Wunder der Existenzwerdung eines Lebens in vielen Seelen. Wir sind von einer lebendig gewordenen Sinnewigkeit erfüllt. Sie ist gespeist vom Ja zu unserem Blute, von dem Willen, uns in der Treue zu diesem Blute miteinander zusammenzuschließen. Mit diesem unseren Ja zündet sich gleichsam in unserer Seele ein Licht der Ewigkeit an über der Kerze des Blutes. Es ist, ekkehartisch gesprochen, das „Fünklein“ der Seele, das sich in diesem Licht entzündet.

Man darf hiernach fragen: völkische Philosophie sieht das völkische Erleben als ein Ewigkeitserleben an, als ein Erlebnis, in dem wir ewigen Sinnes gewiß sind, der sich in uns allen hervorgeboren hat. Nicht daß dieser Sinn bloß ersonnen wäre, sondern er lebt in uns mit   existentialem   Leben,   er   hat   sich   in   unseren   gegeneinander   geöffneten   Seelen

„hervorgeboren“ (wieder ein Ausdruck von Ekkehart). Die Philosophie des völkischen Erlebens sieht ferner, das ist jetzt hinzuzufügen und auszuführen, das völkische Erleben als ein solches Ewigkeitserleben an, das allen anderen Ewigkeitserlebnissen überlegen ist. Es will nicht gleichrangig oder minderwertig hinter anderen Ewigkeitserlebnissen stehen, sondern es will die tragende Substanz, der belebende Mittelpunkt von allen anderen Ewigkeitserlebnissen sein.

Welches sind solche anderen Ewigkeitserlebnisse? Es müssen solche sein, bei denen wir gleichfalls im Erleben von Einheit, die die räumliche Zerspreitung der Natur überwunden hat, eines ewigen Gehalts gewiß werden, der das vergängliche Wesen der Natur in überzeitlicher Weise überwindet. Die Einheit des Menschen mit sich selbst: da leuchtet der Ewigkeitsgehalt der Ehre. Einheit mit dem Sein eines anderen Menschen: das ist das Ewigkeitsgesicht der Liebe. Einheit alles Seins im Wesen: das ist die ewige Geltung der Wahrheit. Einheit in der Erscheinung eines Dinges: das ist der Ewigkeitsglanz der Schönheit. Überall berührt uns hier, und zwar immer auf der Grundlage sinnlicher Gegebenheit, ein überzeitlicher, unsinnlicher Gehalt, der sich in unserem Seelenfünklein erschafft, wenn sich unsere Seele in das andere Sein öffnet, von dem sie berührt wird. (Bei der Ehre liegt, wie sich zeigen wird, die Sache etwas anders.)

Griechisches Empfinden hatte sich vor allem dem Ewigkeitsgehalt von Wahrheit und Schönheit zugekehrt. Im germanischen Empfinden lebte vor allem der Ewigkeitsgehalt der Ehre. Christlichem Empfinden hat sich der Ewigkeitsgehalt caritativer Liebe aufgeschlossen. Das ganze Leben eines Menschen kann von solchem Ewigkeitsgehalt durchtönt sein. Das ist der deutsche Sinn von Persönlichkeit, „personatur“ – man wird durchtönt. Man ist Seele, in der ein Ewigkeitsgehalt tönt, der uns zu seinem Gefäß macht. Der lateinische Sinn von „persona“ bedeutet ja nur Maske, hinter der erdichtete Figuren gespielt werden.

Die verschiedenen Persönlichkeitsideale richten sich danach, welcher Ewigkeitsgehalt eine Seele belebt. Wir sprechen von der selbstbeherrschten Persönlichkeit: da wird bei einem Menschen Ehre und innere Freiheit zum Sein in seinem Sein. In der idealistischen Persönlichkeit lebt der Ewigkeitsgehalt von Wahrheit und Schönheit. Wir sprechen von der christlichen Persönlichkeit: da nimmt, wenigstens theoretisch, Nächstenliebe den ganzen Raum der Seele ein. Ihr Gegenstand ist der Mitmensch in Not, dem man Helfer, Heiler sein will, ein Du also, dem ich insofern überlegen bin, während Gerechtigkeit das betont, was das Du des anderen Menschen zu meinesgleichen macht.

Man beachte die Unterschiede in diesen Erlebnissen! Das Erleben der Ehre geht unmittelbar auf das eigene Ich. In den anderen Erlebnissen dagegen schwingen ichfreie Inhalte. Es sind die Inhalte der Umwelt, die uns in Gehalt von Es, Du, Wir gegeben ist. Die Richtung auf das Es nehmen Wahrheit und Schönheit. Sie erlichten das Sachliche, das auch im Lebendigen gegeben sein kann. Um den reinen Gehalt jedes Daseins weben sie ewige Zier.

Am Du des leidenden Mitmenschen belebt sich die Nächstenliebe. Anderes Erleben nimmt die Richtung auf Ganzheiten. Es ist das Wir-Erleben, in dem sich die einzelnen von der Ganzheit ihrer Familie, Sippe, Stammes, Volkes umfaßt fühlen. Hierher gehört das Vaterlandserleben.

Und das völkische Erleben? Hat es keinen Platz in dem Wundergarten, darin die anderen Ewigkeitserlebnisse aufblühen und die Gehalte eines Du, eines Es, des Wir  verklären? Caritas und iustitia, Wahrheit und Schönheit, Staat und Vaterland, daran scheint alle geistige Tiefe wegegegeben, und das völkische Erleben, das das innerste Herz von allen zu sein beansprucht, scheint ins Leere zu stoßen. Es sei genug, könnte man sagen, daß vaterländisch und caritativ erlebt wird.

Indessen völkisches Erleben bedeutet mehr, als daß vaterländisch und caritativ erlebt werde. Zunächst der Unterschied gegenüber dem vaterländischen Erleben!

Beim völkischen Erleben erlebt man ein Einswerden mit dem Volksgenossen. Beim Vaterlandserlebnis und Staatserlebnis dagegen – das Vaterlandserleben ist gleichsam flüssig gewordenes Staatserleben – steht im Brennpunkt die gegebene Ganzheit eines Volkes, eine Ganzheit, die sich immerfort erneuert, indem neue Menschen in sie eingehen. Über dem schicksalhaften Land- und Zeitraum, in dem ein Volk als ein großes unsterbliches Wir zusammenlebt, und über das große Volksganze selbst breitet sich Ewigkeitslicht aus. Das ist der erste Unterschied. Der zweite: von dieser ganzheitlichen Wir-Idee ist zunächst jeder einzelne als einzelner bewegt, so wie auch im wissenschaftlichen Erlebnis die Idee der Wahrheit, im künstlerischen Erlebnis die Idee der Schönheit, im Ehrerlebnis die Idee der Ehre den einzelnen rein in sich selbst ergreift. Gewiß kann jeder mit der Glut, in der seine Seele für Vaterland, Wahrheit, Schönheit, Ehre entflammt ist, andere anstecken. Die verschiedenen Menschen entzünden sich dann in gemeinsamer Begeisterung für das gleiche erhabene Objekt, das als höchstes Gut vor der Seele jedes einzelnen steht. Aber immer nur das Objekt hält sie zusammen. Ihre Seelen sind nicht unmittelbar von Subjekt zu Subjekt ineinander verschmolzen. Im völkischen Erleben sind die Seelen ineinander verflossen. Das völkische Erleben sprengt ohne weiteres die Scheidewände zwischen den Seelen, es reißt die Seelenkerne zueinander, nicht daß sie nur in gemeinsamer Begeisterung demselben hohen Objekt hingegeben wären.

Wenn wir völkisch erleben, so erleben wir die Selbstwirklichkeit unserer Lebensgemeinsamkeit. Nicht die seiende Ganzheit von Vaterland und Staat begeistert uns, sondern die werdende Duheit der Volksgenossenschaft wird Leben in unserem Leben. Diese werdende Duheit, wir nennen sie auch „Volkheit“, ist eine andere Ewigkeitsgröße, als sie das Vaterland in unserer Seele ist. Sie erzeugt sich, wenn die Schranken zwischen den Subjekten niedergerissen sind; es ist, als ob das lebendige Du jedes Volksgenossen in meine Seele einflösse und sich darin als ein größeres, heiliges Du erhöbe, das über uns allen gemeinsam leuchte. Das ist etwas ganz anderes – und darin zeigt sich der Unterschied gegenüber dem caricativen Erleben – als jegliche Nächstenliebe, die es doch auch mit dem Du vom Mitmenschen zu tun hat. In der Nächstenliebe ist es das leidende Du des anderen, das die Seele bewegt, das Du in Not, das Du der Schwachen, Hilfsbedürftigen, deren man sich erbarmt. Dieses Du hebt sich nicht als eine ewigkeitserfüllte Größe über mich empor. Der andere ist vielmehr, soweit ich ihm helfen kann, der schwächere Teil. Nicht am Du des anderen haftet hier der Ewigkeitsgehalt, sondern er steckt in der Liebe des Handelnden. Mit anderem Du hat es auch das Erleben der Gerechtigkeit zu tun. Darin ist aber ebensowenig ein Vorrang dieses Du über mich gegeben. Gerechtigkeit mißt das Dasein des anderen dem eigenen gleich und unterscheidet nur die Leistung. Auch hier hebt sich kein Du im Kleide der Unendlichkeit über mich.

Letzteres ist gerade das Wahrzeichen des völkischen Erlebens. Meine Volksgenossen werden mir zu einem Du, das als unendlicher Wert in meiner Seele zu leben beginnt. Der Ewigkeitsgehalt dieser Duheit erfüllt die Seele anders als der Ewigkeitsgehalt des Vaterlandes. Man erblickt die Einheit mit dem Volksgenossen nicht, wie in der Schau von Staat und Vaterland, als eine stehende Ganzheit, die mich in sich eingliedert, die vor mir und nach mir sein wird, sondern sie hat dynamisches Gesicht. Diese heilige Duheit will als immer neuer Strom von Seele zu Seele gehen, sie will sich immer wieder als ein heiliges Geschehnis in uns bewegen, indem sie uns zueinander bewegt.

Schon Ernst-Moritz Arndt hat die dynamische Art dieses Erlebens, des völkischen Erlebens, erfühlt. Er spricht von einem göttlichen Strome der Liebe und Treue, der als der oberste und heiligste durch ein ganzes Volk fließe und von innen her als Feuerseele des Ganzen bisweilen herausschlage. Diesen Strom könne man wohl die „Deutschheit“ nennen, sagen wir lieber die deutsche Duheit, die Volkheit. Nach Arndt muß dieser deutsche Werdestrom, der immerfort als Spannung im Fünkleinsgrunde der Seele harrt, um aufbrechend immerfort die Scheidewände zwischen den Seelen zu durchstoßen, das Zentrum unseres ganzen Daseins werden. Er müsse als das durch alle Deutsche Lebende und alles Deutsche von innen her Beseelende alles, was das Volk empfinde, denke, bilde und schaffe, begeisternd und beseelend durchdringen.

Also nicht die Vaterlandsidee, sondern der Strom der Volkheit, der lebendig werdenden Duheit, spielt bei Arndt die erste Rolle. Mit Recht. Denn die Vaterlandsidee ist nur eine Idee neben anderen Ideen und gerät damit in den Streit der Ideen. Diese, nämlich die christliche Caritas, die logische Wahrheit, die ästhetische Schönheit, neigen, für sich genommen, zur Ausbreitung in dem ganzen Raume der Menschheit. Sie streben einem Weltstande  der Kultur und der Humanität entgegen. Davon geht ein Antrieb aus, auch die Idee des Vaterlandes in einen überfliegenden Staatsbegriff umzumünzen, der dahin wirkt, daß einem allgemeinen Menschheitsstaate entgegengeträumt wird. Ideen  neigen  dazu, überzuschäumen und im Überschäumen ihre Kraft zu verlieren. Es muß mehr als Idee sein, was allen Ideen Halt zu geben vermag, was ihren Drang in die Weite mit seiner größeren Wertmacht begrenzt und ihren Widerstreit beendet.

Alfred Rosenberg hat dies Mehr-als-Idee mythisch anschaulich gemacht. Er hat den überragenden Ewigkeitswert des völkischen Erlebens in der Weise zur tragenden Mitte alles übrigen Wertbewußtseins gemacht, daß er es zu einer mächtigen nordisch-germanischen Rassenseele verseinelte, in der die übrigen Werte, die das deutsche Gemüt bewegen, eingeschlossen seien. Diese übrigen Werte, lehrt er, ordnen sich untereinander derart, daß die Werte der Ehre und der Freiheit vor allen anderen den Vorrang hätten. So bei uns, innerhalb unserer Rassenseele. Andere Rassenseelen gäbe es, deren Höchstwert vielleicht Liebe, andere, deren Höchstwert vielleicht Schönheit sei. Also immer Rassenseelen, innerhalb deren Rangordnung bestünde, unsterbliche Rassenseelen! Das völkische Ewigkeitserleben ist zu einer metaphysischen Zentralwesenheit erhoben. Berührt von dem raum- und zeitlosen Reiche der Werte wähle die Rassenseele mit ihrer Innenkraft das aus, was ihr gemäß sei, und gliedere es in solcher Ordnung in sich hinein, wie es ihr gemäß sei.

Kann das in unserer Seele sich schaffende völkische Ewigkeitserlebnis zur gestaltenden Mitte aller übrigen Werterlebnisse werden, so daß es ihnen Richtung und Bestimmtheit gibt?, so fragt die Philosophie des völkischen Erlebens. Das Mythosbuch beantwortet diese Frage in der Weise mit Ja, daß es dieses Ja in dem Schema der Rassenseele unmittelbar anschaulich macht, die alle Werte umschließt, indem sie ihnen zugleich die durch die Art der Rasse bestimmte Rangordnung gibt. Auch wir werden zu ähnlichem Ja gelangen, indem wir schrittweise vorgehen und Stufen bauen. Betrachten wir einstweilen das Bild der Rassenseele als eine gute Anschauungsform, in die sich das Endergebnis kleiden läßt.

Wir hatten festgestellt, daß das völkische Erlebnis zwar Ewigkeitserlebnis, aber nicht Ideenerlebnis ist. Es handelt sich da um metaphysische Duheit, die in solchen Seelen auflebt, die ihre Bluts- und Schicksalsgemeinschaft bejahen. Nicht handelt es sich um das einzelhafte Dusein von A. oder B. oder C., mit dem es die christliche Caritas zu tun hat. Aber wetteifert nicht die Caritas mit dem völkischen Erlebnis, und wetteifern nicht auch die unmittelbaren Ideenerlebnisse, das Erlebnis der Ehre, der Freiheit, des Vaterlandes, der Wahrheit, der Schönheit, der Gerechtigkeit? Jedes dieser Erlebnisse hat seelenbewegende Kraft. In jedem regt sich innere Unendlichkeit, die immer den ganzen Menschen einfordert. So entsteht Gefahr, daß, wenn sie sich alle oder zu mehreren in einer Seele begegnen, die Einheit der Seele zerrissen wird. Ja, die Einheit eines ganzen Volkes kann zerrissen werden, wenn die eine seiner Menschengruppen von dieser, die andere von jener leitenden Idee bestimmt wird.

Unsere germanischen Vorfahren kannten solche Zweifel nicht. Sie konnten mehrere Tugenden (Ewigkeitserlebnisse) nebeneinander ertragen, weil das Wesen ihrer Tugenden ineinander verknotet war. Sie waren erfüllt von dem hohen Persönlichkeitswert der Ehre, der Freiheit, und von der Heiligkeit der Sippengemeinschaft, in der sie wurzelten. Da gab es keinen Widerstreit. Es war ihnen die höchste Ehre ihrer Persönlichkeit, daß sie für Familie und Sippe ihre Treuepflicht erfüllten. Sie waren kunstfertig und hatten ein klares astronomisches Wissen. Auch schwang in ihrer Seele ein Nähegefühl zu allem Lebendigen, das gleich ihnen aus der Weltesche Yggdrasil hervorgesprossen war. Aber weder die Idee des Schönen, noch die Idee der wissenschaftlichen Wahrheit, noch das Gebot der Nächstenliebe waren ihnen zu eigenen Wertlichtern emporgewachsen. Diese Wendung kam nach Germanien erst mit dem Christentum und der griechischen Kultur. Da wurde vom Christentum her das Ideal der Caritas und wurden vom Griechentum her die Ideale der geistigen Kultur zu absoluten Größen, die über die Grenzen der Nation hinausdrängten und für eine ineinanderfließende Menschengemeinschaft unter ihren Zeichen warben. Den Anspruch der geistigen Kultur auf Führung schrankenlose Ausbreitung hatte die Aufklärung vorangetragen. Vom Vorrange der Caritas vor allen anderen Werten des Menschenlebens hallen noch heute die Predigten wieder. Der dritte Wettbewerber ist der demokratische Staats- oder Wir-Begriff. Auch er ist individualistisch und verfließt gleichzeitig in alle Weiten.

Wenn es beim einzelhaften Gegeneinanderstreben der Ideen bliebe, so drohte im Reiche des Werterlebens eine völlige Verwirrung. Aber es muß hier eine innere Gliedhaftigkeit geben. Bei unseren Vorfahren war sie unbewußt verwirklicht. Da gab es eine Achse, um die sich alles Werterleben drehte. Die Pole dieser Achse waren Ehre und Sippentreue. Es ist, als hätte sich damit dem germanischen Gemüt ein Geheimnis vorgedeutet, das im Fünklein der Seele seines Aufbruches harrt. Wie, wenn Ewigkeit immer zuerst im Ehrerleben aufbrechen müßte, wenn Ehre das Grunderlebnis jeder Persönlichkeitsgestaltung sein müßte, so daß auch die idealistische und die christliche Persönlichkeit, wenn sie sich selbst richtig verstehen, jenen germanischen Urwert der Ehre nicht ausschlössen, sondern in sich hineingliederten? Dann ließe sich leicht begreifen, daß hier überhaupt nicht stehende Werte  miteinander ringen, sondern daß wir mit allem Werterleben in der Bewegung innerer Aufbrüche stehen, die von selbst einem Höhepunkte zustreben. Verfasser glaubt zeigen zu können, daß das völkische Erleben dies Spitzenerlebnis sein kann und sein muß, daß in ihm wirklich eine zentrale Wertmacht aufwuchtet, die die ideellen Werterlebnisse ebenso in sich hineingliedert, wie diese das Ehrerlebnis in sich selbst hineingegliedert hatten. Die Dynamik des Werterlebens läßt uns einen Aufbau erblicken, der mit der Ehre als  Grunderlebnis beginnt und mit dem völkischen Erlebnis als Spitze endet.1

______________________

1  Auch bei Rosenberg geht die statische Fassung der Rassenseele in dynamische Bahnen über, was seiner Darlegung des Unterschiedes zwischen griechischer und deutscher Kunst – dort ein statischer, hier ein dynamischer Zug – gut entspricht.

Die Rassenseele, schreibt er, müsse beständig streben, die Wertfülle, von der sie ihr Wesen durchströmt fühle, lebendig zu offenbaren. „Gegenüber dem Schematismus eines logisch aufgefaßten unwandelbaren Seins ringt sich jetzt die Erkenntnis des Werdens eines geheimnisvoll sich ausgestaltenden Seins in jeder Volksseele auf. Die durch Atomismus, Mechanismus und Universalismus geforderte Lösung einer gestellten Schulaufgabe des Seins wird verneint und verwandelt in eine vorwärts strebende Annäherung an sich selbst.“

Hier ist zunächst einer solchen dynamischen Auffassung der Volksseele Raum gegeben, die an Leibniz’ Monadenlehre anknüpft. Die Volksseele strebe, wie bei Leibniz die Einzelseele, nach Selbstentfaltung. Es gibt aber Äußerungen im Mythosbuche, die die Dynamik dahin steigern, daß Volksseelen überhaupt erst werden. Mit Recht! Denn daseiende Volksseelen wären immer Gebilde biologischer Art, aus Blut und Boden paideumatisch gewachsen. Rosenberg weiß aber von „Wesen, das durch die Biologie allein nicht mehr faßbar, sondern nur andeutbar ist“. Er spricht von der „heiligen Vereinigung von Gott und Natur, die der Urgrund unseres Wesens ist“. Rosenbergs Buch ist eben ein Mythosbuch, das den

 

Das Wesen der Ehre ist das Herrsein des nordischen Menschen auch in sich selbst. Der Mensch soll Herr seiner Zuständlichkeiten und in dem Sinne Individuum sein. Wir gebrauchen das Wort „Individuum“ ziemlich gedankenlos, wenn wir damit jedes beliebige Lebewesen bezeichnen, das als bloße naturhafte Einheit von Bestimmtheiten gegeben ist.

Biologischer Mittelpunkt, ein Ich in der Schar seiner Triebe und Vorstellungen, ist jeder. Aber dieser biologische Mittelpunkt kann nach allen Richtungen herumgeworfen werden. Jeder Wunsch, jeder aufwallende Trieb, jede Laune des Augenblicks kann mein Ich auf den Rücken nehmen und aufsaugen. Solcher Mensch ist kein Individuum im sittlichen Sinne. Seine Einheit verliert sich in die Vielheit seiner Affekte. Er ist nicht Herr seiner selbst, sondern sein zuständliches Sein ist Herr über ihn. Seine Ehre sucht er darum nicht in innerer, sondern in äußerer Weise. Er sucht sie nicht im Königtum der Selbstherrschung. Der Wert seiner Person liegt ihm vielmehr im Lob von anderen oder in eitelem Vergleich mit anderen.

Wer dagegen bei sich selbst die Wallungen von Zorn, Furcht, weichlichem Mitleid, blinder Lebensgier unter die Einheitskraft festen Willens bringt, so daß er wirkliches Individuum, unteilbare Einheit wird, dem vergeht mit der innerlichen Unfreiheit auch die äußere Einstellung seines Ehrempfindens. Ihn überfällt eine Ehre, die sich von innen her erzeugt. Mit seiner Selbsterschaffung zu einem unteilbaren Willensganzen nämlich überfällt ihn ein innerer Wert, der im Lichte der Ewigkeit steht. Das ist die Antwort des Fünkleins auf sein Festwerden bei sich selbst. Dieser innere Wert vernichtet und entwertet alle äußere Werterscheinung von Ehre. Daß er Individuum, Einheit in sich selbst, geworden ist, das macht, daß er im selben Augenblick zur Persönlichkeit geworden ist, daß er von Ehrewigkeit durchtönt wird.

Aber die innere Ehrewigkeit kann sich in einem Menschen nicht halten, der nicht über sich selbst hinauswächst. Es genügt nicht, daß man sich selbst zu gebieten weiß, man muß fruchtbar werden über sich hinaus. Man muß etwas haben, an das man seine gesammelte Persönlichkeit daransetzt. Wer das tut, dem verlagert sich der Wert seines Lebens in den Gehalt seines Werks hinein. Ob ihn als Pestalozzinatur der Drang werktätiger Hilfe bewegt, ob er, wie Fichte, vom Gesicht des Vaterlands ergriffen ist, ob in ihm, wie bei Sokrates, die Liebe zur Wahrheit glüht, oder, wie bei Plato, die Liebe zur Gerechtigkeit, so oder so bejaht er nicht sich, sondern ein Du, ein Es, ein Wir über sich hinaus. Dabei spürt er, daß mit seinem Ja zum Werk auch ein Strom unendlichen Lebens, ein Fünklein-Strom, in ihm aufbricht, dessen Wertwahrheit noch höher liegt, als wenn ihn im Einheitwerden seiner selbst das Erleben innerer Ehre überfällt. In diesem Strome verwesentlicht sich die Fruchtbarkeit seines Lebens, wie sich vorher im Strome des Ehrerlebens die Gesammeltheit seines Lebens verwesentlicht hatte. Jetzt erhebt sich der Reichtum seiner Anlagen, seiner Gaben, seiner Fähigkeiten zu ideeller Fülle, indem die Gegenstände seiner unselbstischen Hingabe den Sinn fordernder Aufgaben annehmen. Die Forderung dieser Aufgaben ergreift die schöpferischen Kräfte des Menschen. Da wird ihm zumute, als ob er sich selbst verlöre, wenn er seine Aufgabe verlöre. In ihren Dienst rückt der Mittelpunkt seines Lebens. „Von Opfern lebt das Leben, in Opfern pflanzt’s sich fort, wer sich entzieht dem Ringe, verrottet und verdorrt.“ (Eberhard König.) Dem naturhaften Menschen erscheint solches Opfern sinnlos, weil ihn kein Ewigkeitssinn erfüllt. Wen aber die im Menschen handelnde Ewigkeit

__________________________

Unterschied kennt zwischen der Welt der Freiheit und der raumzeitlichen Welt der Natur, und das zugleich doch auch kennt die „in mythischer Synthese“ sich „gegenseitig befruchtende Polarität von Natur und Freiheit“, also von dem, was der Seele unweltlich gegeben ist, und dann, was sich im Seelenfünklein an Ewigkeitssinn daraus gestaltet. Insofern, lesen wir, gelte es, „die Rassenseele, die als solche nicht ist, vom Individuum aus dem Leben zu erwecken“. Rassenseele als eine fertige Ganzheit gibt es in der Tat nicht. Der blutmäßige Zusammenhang der Menschen einer Rasse ist keine Seele. Vielmehr kann geistiges Einheitsleben, das diesem Blute entspricht, im Wollen und Denken bluthafter Menschen immer nur werden. Dabei ist wohl das freie Wollen bei der Seele, die ihr Volkstum bejaht, bei ihr ist das Blut und sind die Kräfte des Blutes, mit dem sie wesenhaft geeint ist – „das nordische Blut wirkt mit der nordischen Seele in mystischer Vereinigung“ –, aber das Geistiglebendige, das in der Dynamik der Seelenkräfte seine Sinn- und Wertgestalt gewinnt, kommt, ekkehartisch gesprochen, aus dem Fünklein der Seele, aus ihrem naturüberlegenen Ewigkeitsgrund. In ihm erschaffen sich die Werte

„Ehre des Blutes, Freiheit der Persönlichkeit“, und wir brauchen nicht mehr den platonischen Ideenhimmel anzunehmen, aus dem heraus sie, als wären sie dort vorhergegeben, in die Seele treten.

mit dem Lichte von Aufgaben erfüllt hat, die sein selbstisches Sein verbrennen, wessen Seele auf der Brücke des Du, Es, Wir Aufgaben der Tiefe empfängt, der fühlt sich im Segen der Tiefe. Über Mühen und Anstrengungen, Entbehrungen, Kampf, Leiden krönt ihn der Wert seiner Leistung. Die gesammelte Innenkraft, ausströmend in schöpferische und dienende Liebeskraft – das wird jetzt seine Ehre.

Es war nur das nächste Ehrerlebnis des Menschen, daß er sittliches Individuum wurde. Nur als solches, als Herr des Affektlebens in sich, kann er der Aufgabe über sich so begegnen, daß die Aufgabe in ihm wächst. Darüber geschieht nun das geistige Wunder, daß der Gehalt seiner Ehre mit dem Gehalt der Aufgabe zusammenfließt, die in ihm lebt. So gesehen, schließen sich Ehre und schaffende Liebe nicht aus, sondern im Schaffensstrome jeder Liebe, in der der Mensch über sich hinaus hingegeben ist, erhöht sich die Ehre.

Zurück zum Streit der Persönlichkeitsideale! Es sind andere und andere Ewigkeitswerte, die im christlichen, idealistischen, vaterländischen und völkischen Erleben durch die Seele tönen. Das völkische Persönlichkeitsideal ist auf Arbeit, Leistung, Opfer, Kampf gestimmt, auf Kampf für die eigene politische Idee gegenüber den Anhängern einer anderen politischen Idee, die die Macht eines Systems angenommen hatte. Der Wert des kämpferischen Draufgehens, Opferns, und unverbrüchlichen Zusammenhaltens, eiserner Disziplin in der Gefolgstreue zu dem geliebten Führer stürmt hier durch die Seelen. Man fühlt sich in einer Schützengrabengemeinschaft auf Leben und Tod und will in solche Schützengrabengemeinschaft das ganze deutsche Volk verwandeln. Das Erlebnis der Schützengrabengemeinschaft wuchtet auf gegenüber dem Gedanken geistiger Gemeinden, mögen sie noch so weltweit gedacht werden. Man fühlt, daß hier nochmals überlegene, die allerüberlegensten Ewigkeitskräfte hervorbrechen. Wo gemeinsame Ehre und gegenseitige Treue, Opfermut und Führerglaube im gleichen Schwunge alle einzelnen ergreifen, so daß das ganze Volk Individuum, unteilbare Ganzheit wird, da – im Geheimnis der Willensverkettung aller mit allen, erzeugt sich ein metaphysischer Grundton, der wohl imstande ist, alles gesonderte Werterleben der einzelnen als Obertöne in sich hineinzunehmen, so daß er sich an ihnen und sie sich an ihm zum Vollklange der Ewigkeit steigern.

In jeder deutschen Seele ist bildlose Deutschheit im Zuge. Aber wer als Gelehrter vom Bilde der Wahrheit, als Künstler vom Bilde der Schönheit, als Staatsmann vom Bilde der Macht und der Herrschaft ergriffen ist, den beherrscht zunächst das gegenständliche Bild, das vor seiner Seele steht. Er muß sich im Reichtum von dessen Einzelheiten selbst immer mehr vereinzeln. Ebenso überwachsen auch die caritativen Aufgaben das Vermögen des einzelnen, er sieht sich vor Bergen der Not, die ihn bedrücken. Überall wird hier der Mensch vom Gegenstande seines geistigen Erlebens gleichsam gefangen. Das ist verkehrte Welt. In seiner Seele hatten sich die geistigen Bilder gestaltet. Die Wirklichkeit des Erlebens war eine innere. Aller Wert, der wirklicher Wert ist, kann nur gelebt werden. Es gibt keinen seienden Wertgehalt draußen. Drinnen im Subjekt geschieht die Wertgeburt, in unseren Hingaben quillt die Bewegung der Ewigkeit, und erst von ihr aus wirft sich das Aufgabenlicht – ihr Lichtkegel – auf die Gegenstände der Hingabe, damit wir nicht im Schauen stehenbleiben, sondern unser Schöpfertum in Leistungen entfalten. Aber dies freie Schöpfertum geht verloren, wenn das Subjekt ganz vom Objekt aufgesaugt wird. Hier zeigen sich, bei aller lebendigen Bewegung, in die uns der Dienst am Gegenstande, die Arbeit am Werk versetzt, geheime Unstimmigkeiten, die untragbar wären, wenn sie unlösbar wären.

Darum muß es, metaphysisch gesehen, zu einer Gegenbewegung kommen, die die Freiheit der seelischen Innerlichkeit gegenüber der Vordringlichkeit der objektiven Bilder wieder herstellt. Wir können das Gegengewicht nicht aus uns erzeugen. Es kann sich nur in uns erzeugen. Unsere Seelen müssen aber erst dazu reif werden, daß es sich in uns erschafft. Es ist der Sinn der deutschen Geschichte, daß aus deutschen Seelen ein Individuum werden soll, daß eine deutsche Innerlichkeit entstehen soll, in deren geschlossener Unendlichkeit sich die Übermacht der gegenständlichen Inhalte erweicht, so daß deren Wesensgewalt nicht

 

mehr die Wesensart der Seelen überwachst, deren schöpferische Liebe sich in Leistungen ausströmen will.

Alle Völker leben aus dem heimlichen Quell des Seelenfünkleins. So will sich auch bei uns ein Tiefenstrom letzter Innerlichkeit entbinden, der mit seiner höheren Wertgewalt jene gegenständlichen Wertmächte in die Freiheit des seelischen Schöpfertums zurückbindet („religat“ – was ist das für ein herrlicher Sinn, wenn man ihn richtig versteht!), damit in allen Schöpfungen dessen in sich selbst erlichtetes Wesen leuchte. Erst wenn das geschieht, wenn aus dem in sich selber erlichteten Wesen des eins gewordenen Volkes alle Kulturbetätigung, alle staatliche Lenkung, alle wirtschaftliche Leistung organisch ausstrahlt, kann sich die Ewigkeitsbewegung, deren Spannung immer im Fünkleinsgrunde unserer Seele steht, sättigen.

Das Beispiel des beseelten Bundes der Ehe zeigt, wie gleichsam im Vorgriff des großen beseelten Bundes, zu dem ein ganzes Volk heranwachsen soll, schon dort die Einheit willensverketteter Seelen zu einer metaphysischen Wirklichkeit über ihnen wird. Diese wirft sich in das Ehrerleben der beiden Gatten hinein und macht, daß die Treue zu ihrem Bunde das Mark ihrer persönlichen Ehre wird; sie gliedert auch sonst das gesamte Werterleben der Familie in sich hinein. Nur wo sich die Ehe der Eltern zu einem echten Bunde der Seelen vertieft hat, in dem die geschlechtliche Polarität der beiden zu einer höheren geistigen Ganzheit ausgeglichen ist, ist die Grundlage für eine gesunde leiblich-seelische Entwicklung ihres Nachwuchses gegeben. Da bleiben der Kindesseele Eindrücke erspart, die, ohne daß es die Eltern merken und ohne daß sie es wollen, wie Bazillen in jene eindringen. Nur in einer reinen von Liebesinnerlichkeit und völkischer Verantwortung getragenen Ehe können junge Menschen zu den Persönlichkeiten erwachsen, die, reinen Leibes und reiner Seele, neue Lebensbünde begründen, die neue schöpferische Energien der Volksgemeinschaft sind und aus sich hervorbringen.

Die letzte Tiefe der Ewigkeit offenbart sich aber, wenn ein ganzes Volk zu wesenhafter Unteilbarkeit zusammenwächst, wenn es in der Einheit seines Blutes seine seelische Einheit gewinnt. Auch da, und da erst recht, ist zu erwarten, daß in dem Ewigkeitssinn des Volkwerdens alle die übrigen Ewigkeitskräfte hineinmünden, die in den Einzelhingaben der einzelnen zutage getreten waren. Es ist zu erwarten, daß die Einheitsgeistigkeit, die die Seelen verbindet, insbesondere auch darin ihre Zentralmächtigkeit entfaltet, daß sie die geistigen Erlebnisse der Seelen verbindet, indem sie allen Verwesentlichungsgehalt dieser Erlebnisse in sich verdichtet. Was den Künstler und Denker bewegt, was den caritativen Menschen antreibt, was in ihrem Schaffen die Träger des wirtschaftlichen Lebens ideell verspüren, was im Handeln des Staatsmannes wirkt, das will Volkheit, das ist die lebendig gewordene Duheit, mit ihrem Atem durchdringen, auf daß es nicht mehr auseinanderfalle, sondern daß daran gleichsam Hände wachsen, die sich einander entgegenstrecken. Im Feuer der Volkseinheit geschieht dann dasselbe im großen, was im kleinen beim Ehebund geschieht. Zuerst erschafft sich die wesenhafte Treue aller zueinander und wird zum obersten Gebot der Ehre, das sich in den Herzen selbst hervorschreibt. Die Innerlichkeit völkischer Treue gibt dann weiter jedem Berufe einen schenkenden Sinn, sie macht ihn in sich selbst polar, so daß sein völkischer Sinn und sein Arbeitssinn zusammengreifen.

Es ist die Gefahr der wissenschaftlichen und künstlerischen Berufe, daß der einzelne in ihnen nur seine eigene geistige Bewegtheit auslebt und keine Sozialbewegtheit annimmt. Wer einer Idee hingegeben ist, vereinseitigt sich leicht. Er ist oft schwer beweglich, das Anpochen anderer Ideen zu vernehmen, die seinem Tätigkeitsfelde fremd erscheinen. Seine Seele ist schon besetzt und findet keine innere Beziehung dazu, auch wenn sich eine neue Idee aus tieferen Seelengründen entzündet und größere Wertmacht voranträgt als die seinige. An solche größere Wertmacht glaubt er nicht, weil ihn der Anblick einer Nebenordnung der Ideen narrt, die in einem angeblichen Reiche der Ideen herrsche. Noch immer ist in manchen deutschen Gelehrtenköpfen der Platonismus nicht überwunden, wonach uns die Ideen aus einem jenseitigen Werthimmel entgegenleuchten, in dem sie Stern

 

neben Stern beisammenstehen, ohne daß andere Beziehungen zwischen ihnen gelten als die von Gattung und Art oder von höherer Tugend zu niederer Tugend.

Völkisches Denken kennt Ideen nicht mehr als verseinelte Begriffe oder Tugendbilder. Wir erleben sie als ein Wertlicht, das sich unseren irdischen Beziehungen aus Fünkleinstiefen mitteilt, wenn wir unsern Willen dienend, liebend, schaffend in die Sach- und Menschenwelt hineinbewegen. Je nach der Art unserer Einwendung geraten wir in andere und andere Bewegungen geistigen Lebens, die nicht gleichwertig sind, sondern sich mit verschiedener Wertfülle entsiegeln. Die größte Lebenstiefe bricht auf, wenn sich menschliche Willen in der Gemeinsamkeit ihres Blutes und Bodens, Sprache und Schicksals innerlich gemeinsamen. Darin gestaltet sich eine Wertsonne, die alles andere Erleben in ihre Bahn zieht. In der Innerlichkeitsmacht unseres völkischen Erlebens fühlt sich auch der schaffende Künstler, der Gelehrte, der Politiker, von einer Kraft getragen, die ihn fruchtbarer macht, als wenn er in losgelöster Individualität rein aus sich selbst heraus der Sachwelt gegenüberstünde.

Wer seinen Beruf in das Volkstum hineinschenkt, dem wird Segen aus der Ewigkeit des Fünkleins und damit eine neue Ehre geschenkt. Man merkt bei sich selbst, daß jeder Beruf nur dadurch Beruf ist, daß in ihm Ruf unseres Volkstums lebt, welches sich mit unseren Anlagen in der Leistung des Berufes spiegeln will. So wird es die neue Ehre des Gelehrten, Künstlers und Politikers, in der Arbeit, die sie leisten, auch das Gesicht des Blutstromes zu zeigen, der in ihren Anlagen quillt, und es wird ihnen Sünde, mit dem Gesicht der Fremde zu buhlen, das, wenn sie ihm verfallen, verwüstend auch in die Massen schlägt. Der Würde des wissenschaftlichen und künstlerischen Erlebens (vom politischen Erleben nachher!) wird dadurch nichts abgebrochen. Wissenschaftliche Wahrheit lebt in einer Zucht, die auch zum Adel des Menschen gehört. Sie lebt in einer Gedankenzucht, die das eigene Urteil bildet und dadurch die Seele in ebenbürtiger Weise zu innerer Herrschaft befreit, wie es geschieht, wenn wir durch Willenszucht unserer Triebe und durch körperliche Zucht unserer Glieder Herr werden. Wir werden der Gefühlsnebel Herr, mit denen man sich selbst verschleiert was ist, und wir werden befreit auch gegenüber der Umnebelung der Seele durch das bloße Wortmachen anderer, das eigenes Maulheldentum weckt. Gerade auch darin, daß wir in die Esse der Wahrheit gehen und in völkischer Bewegtheit des Willens die Klarheit des Gedankens pflegen, leuchtet das geistige Wesen unseres Lichtvolkes auf.

Wie völkisches Erleben im wissenschaftlichen und künstlerischen Menschen den Willen und die Kraft weckt, in seine Leistung die Ehre deutschen Wesens zu verflößen, so verwesentlicht es auch die haltlos schweifende, vielmehr an einen überweltlichen Gott befestigte, Nächstenliebe des Christentums. Es macht daraus deutsche Liebe zu den Volksgenossen. Diese Liebe hat ihren festen und gediegenen Halt in ihrer eigenen Unendlichkeit. Ihr Wesen ist, daß sie nicht erst das Leiden eines Volksgenossen abwartet, um Hilfedrang an ihm auszuleben, sondern daß sie dessen Sein dem eigenen Sein verschwistert und sein Schicksal wendet. So will es der deutsche Sozialismus. „Will euch nach Liebe dürsten, so liebt, was deutsch und echt! Wir woll’n mit Liebe fürsten den ärmsten deutschen Knecht!“ (Walter Flex.) Es ist das Fürstlichwerden der Liebe selber. In unserm Herzen lebt dann die heilige Duheit, in deren Atem Blut und Blut sich zu unteilbarer Ganzheit finden.

Völkische Bewegtheit ist innere Revolution auf allen Gebieten. Sie schafft ein neues Verhältnis zum Es-Erleben, ein neues zum Du-Erleben und schafft auch ein neues Verhältnis zum Wir-Erleben. Es gibt ein Wir-Erleben, das die Ideengemeinsamkeit betont. Dies hat keine politische Kraft. Was das Leuchten von Ideen leistet, ist, daß aus ihren objektiven Gehalten Wesenskräfte strömen, an denen sich unsere Gaben und Anlagen entfalten. Auch erschafft sich in der Bewegtheit vieler durch die gleiche Idee unstreitig ein erster Hauch von Gemeinschaftsleben. Es ist das Leben „geistiger Gemeinden“. Das besitzt aber keine eigene Innerlichkeit. In der geistigen Gemeinde sind viele an den gleichen gegenständlichen Inhalt hingegeben. Dadurch schließen sie sich nicht nur mehr oder weniger von anderen ab, die an andere Ideen hingegeben sind, sondern auch ihr eigenes Zusammengehörigkeitsgefühl steht unter  Bedingung.  Es  ist  überspringende  Objektbegeisterung,  die  hier  die  Menschen

 

verbindet und darum nur solange verbindet, als man selbst begeistert ist und die anderen begeistert glaubt. Es ist nicht, als ob von den Seelen Wellen ausgehen unmittelbar aufeinander hin, sondern als ob vom Gegenstande Wellen ausgingen, die einen selber und die Scharen von Gefährten in sich hineinnähmen. Das Fluidum des Gegenstandes umgibt uns und die Genossen im Geiste. Der Mitmensch als solcher spielt nur eine begleitende Rolle. Die persönliche Beziehung wird nur bewertet und ausgestaltet im Hinblick auf das Ideal, von dem man erfüllt ist.

Darum geht durch Ideengemeinschaften so leicht ein universalistischer und ungeschichtlicher Zug. Der Zug geschichtlichen Lebens ist nicht, daß sich weltweite geistige Gemeinden um gleiche Ideen sammeln. Es will, daß sich der Strom gleichen Blutes zu beseeltem Bunde schließe, in dem sich die naturhaft gegebenen menschlichen Beziehungen zu metaphysischer Kraft verdichten. Da betonen die einzelnen ihre Gemeinschaft nicht nach dem Gesetze einer idealen Gegenständlichkeit vor ihnen, um die ihre Hingabe kreist. Die Gemeinschaft selbst ist ihnen Gesetz, sie ist ihnen ein eigener selbstlebendiger Kreis, in dem sich ihr gemeinsames Sein metaphysisch verdichtet. Hier erwächst politische Kraft.

Wir hörten, politische Kraft erwächst nicht im ideellen Wir-Erleben. Sie erwächst ebensowenig im demokratischen Wir-Erleben. Im demokratischen Wir-Erleben heißt es: Wir, der Staat. Im nationalsozialistischen Wir-Erleben heißt es: Wir, die Zellen des Staates,  aus dessen historischer und juridischer Ganzheit wir unsere Funktionen empfangen. Im völkischen Wir-Erleben heißt es: Wir durch Blut, Land und Schicksal Verschwisterten, in deren Verschwisterung sich die metaphysische Duheit erzeugt, von der wirklicher Staat und wirkliches Vaterland erst geschaffen werden. Anders ausgedrückt: Für die bürgerliche Vaterlandsliebe und für das staatsbürgerliche Bewußtsein liegt der Nachdruck  im Stehenden. Er liegt auf dem geschichtlich dauernden, vom Staate umhegten Volksganzen, in dem wir als Zelle ruhen. Für das völkische Erleben liegt der Nachdruck im Werdenden. Er liegt auf der Volkheit, die sich im Zusammenschlusse der Herzen und Willen erst zu innerer Wirklichkeit hervorschafft, und für deren Werden wir uns als Gefäß fühlen. Das Gefäß ist unsere Willenverkettung um Bewußtsein gleichen Blutes. Wir werdend dadurch zu lebendigem Wir, in deren Seelen jene lebendige Duheit entspringt, die jeden einzelnen zum Gefäße hat und doch als eine und dieselbe Wertmacht in allen west, gleichsam als ob Rassenseele in uns entstanden sei.

Es ist aber mehr als Seele. Es ist handelnde Fünkleinskraft, die Einheitsdynamik von Blut und Ewigkeit, die sich gebiert, wenn wir den Willen zueinander finden. Die in uns erwachte Duheit trägt dann nicht nur das wissenschaftliche und künstlerische Schaffen auf neue Wege (im Es-Gebiet), ihre Wesentlichkeit breitet sich nicht nur aus über das Handeln der Caritas (im Du-Gebiete), sondern will auch (im Wir-Gebiete) das politische Wollen formen, damit in der Einheit deutscher Seelen das deutsche Wesen wie eine in sich zusammengeballte Persönlichkeit durch die Geschichte schreite. Solche metaphysische Verdichtung kann keine bloße Staatsraison erreichen, so wenig sie irgendeinem Ideenkultus gelingt. Die Staatsraison (die der nationalistischen Wir-Idee entspricht) nimmt den Staat als  Zentrum  jedes Volkstums. Sie weiß nichts von Volkheit, die sich stets neu erschaffen muß als das innere Leben der Volksgenossen zueinander. Volkheit ist die Einheit der Volksgenossen in geistiger Wirklichkeit. Der Staat gestrigen Gepräges dagegen läßt das Volk als solche Einheit nur erscheinen. Er verwurzelt sich nicht in der inneren Macht des Einsseins aller Volksgenossen, sondern umschließt mit seiner juridischen Form nur das gegebene Dasein der Volksgenossen und stabilisiert sich als die äußere Macht ihres Zusammenseins. Die einzelnen werden hierbei als Staatsbürger gedacht, deren Begriff ist, daß sie alle den gleichen Willen zu ihm, dem Staate, haben. Mit diesem vorausgesetzten Willen aller zu ihm beherrscht der Staat rückwärts nach innen auch noch den widerstrebenden Willen der einzelnen, wie er nach außen den zusammengefaßten Willen aller in die Waagschale der Volksgeschicke wirft.

Es ist die Gefahr dieses Staatsbegriffs, daß er nach innen obrigkeitlich, nach außen imperialistisch ausartet. Die Macht, die in ihm verdichtet ist, strebt stets quantitativ weiter zu

 

wachsen. Zwar kein Volk kann ohne die Klammer und das Schwert des Staats leben. Aber seine Klammer wird morsch und sein Schwert wird stumpf, wenn nicht im Herzen der Volksgenossen heilige Duheit lebt, wenn sich nicht ihre Willen ineinander und miteinander verkettet haben und sie im Bekenntnis zu ihrem Blut und ihrem Boden, ihrer Sprache und ihrer Geschichte innere Unteilbarkeit geworden sind. Erst im Werden der Duheit wächst neu und immer neu das Sein des Staates. Sie ist die eigentliche Totalität, deren Kraft in alle Lebensbetätigungen des Volkes, die wirtschaftlichen, kulturellen und politischen, hineinströmen, sich alle Berufe zu ihren lebendigen Gliedern erschaffen will.

Es ist die Aufgabe des Staates, diese Totalität der lebendigen Volkheit ebenso zu pflegen, wie seine Selbstherrlichkeit in ihr zu begrenzen, eine Aufgabe, die nur lösbar ist, wenn der Lenker des Staates zugleich Führer des Volkes ist, wenn ihm die Beamten des Staates unterstehen und er zugleich verfügt über die Treue einer Gefolgschaft, die bis auf das letzte von der Gewalt seelischen Volkwerdens erfüllt ist und im Bekenntnis zu ihm, als den imperativen Vorbild dieses Volkwerdens, den anderen Schichten voranleuchtet.

Unter der Wucht völkischen Erlebens entwickelt sich eben auch der politische Beruf in sich selbst zur Doppelfunktion. Das entspricht genau der Wandlung, die jenes Erleben in alle anderen Berufe hineingetragen hat. Haben wir doch gesehen, wie sie alle von der Totalität der Duheit ergriffen werden, wie sie sich alle zu fruchtbarer Polarität spannen, in der sich ihr Arbeitssinn und ihr völkischer Sinn begegnen und ergänzen. Wir können von einer völkisch polaren und geistig polaren Seite bei jedem Berufe sprechen. So auch im politischen Beruf. Nur daß sich seine zwei Seiten – bei ihm sind es die machtpolare und die völkischpolare Hälfte – äußerlich versichtbaren: einerseits im Beamtenapparate, anderseits im Bestande der nationalsozialistischen Partei. Die Partei vertritt vor allem die völkischpolare Seite. In ihr lebt die Volkheit, deren Totalität den Staat wie alle Berufe einheitlich umfaßt. So kommt es ihr zu, das staatliche Leben immer wieder aus drohender Erstarrung oder Erweichung in das lebendige Leben der Volkheit hineinzuleiten, in der sich immer aufs neue die politischen, ideellen und wirtschaftlichen Kräfte gegenseitig befruchten, sobald sich in jedem Berufe das eigene polare Wesen durchgesetzt hat.

Und die machtpolare Seite des Staates? Solange die anderen Berufe, die wirtschaftlichen, künstlerischen, wissenschaftlichen, ihre völkischpolare Hälfte vernachlässigen, dominiert die Aufgabe des Staates, ihre Vertreter zu völkischer Besinnung zu leiten. Er wirft ihnen in Arbeitsdienst, Kameradschaftslagern, der Gemeinsamkeit körperlicher Ertüchtigung gleichsam den Kork zu, um sie völkisch schwimmen zu lehren. Haben sie das gelernt, so beginnt rückwirkend erst die rechte Bereicherung des gesamt-völkischen Lebens durch die gesteigerte innere Entfaltung der Berufe. Sie entfalten sich nun in der eigenen flügge gewordenen völkischen Geistigkeit ihrer Vertreter, in der Freiheit einer inneren Zucht, die nichts zu tun hat mit jener ausartenden Freiheit, die sich selbst zu verabsolutieren strebt. Letztere Gefahr droht in jedem Berufe, auch im politischen, wenn nicht in der Person eines Führers die völkische Duheit regiert, sondern wenn in der Person eines Herrschers das absolute Ich, oder wenn in der vielköpfigen Kopflosigkeit eines Parlaments das demokratische Wir regiert. Mit dem Bestande der Partei, deren erster immer der Führer ist, wird verankert und gesichert, daß die völkische Duheit immer im Zentrum bleibt und nicht vom Staatsformalismus und -mechanismus überwuchert wird.

Wie die gestrige Staatsraison, so muß selbst auch das Leuchten der Vaterlandsidee, als wären wir von einer stehenden Ganzheit umschlossen, dem Mythos deutschen Blutes weichen, der uns das Heiligtum werdender Bruderschaft, die Dynamik wachsender Seeleneinheit, erleben läßt. Dem national Erlebenden erschienen das Vaterland  und  der Staat, von dessen schützendem Panzer es umhüllt wurde, als ein daseiender unendlicher Wert. Der Schimmer dieses Glanzes fiel auch auf die fürstlichen Persönlichkeiten, die als die Erhalter und Mehrer der hohen Güter galten, die uns von den Vorvätern her geschenkt waren. Die Fürsten ihrerseits sahen in dem Lande ihr Hoheitsgebiet und fühlten sich als die

 

Beherrscher seiner Menschen, bestenfalls als die ersten Diener des Staates, der ihnen erblich zugefallen war.

Anders das völkische Erleben. Wie darin Seeleneinheit ist zwischen Menschen, die durch Blut und Schicksal, Land und Sprache zusammengehören, so läßt es sie auch in seelischen Verhältnissen denken. Es läßt sich nicht leugnen, daß sich schon im Vaterlandserlebnis etwas Derartiges regt. Es ist, als schickte der alleine Strom der Duheit, der werden will, hier seine Wellen voraus. Über allem dynastischen Nimbus nämlich, der die Herrscher umgibt, geht ein heimliches Weben und Raunen um die Führergestalten. „Die Großen und Erlesenen eines Volkes“, sagt Eberhard König, „sind nicht nur das, was sie geleistet haben. Sie sind außerdem noch das, was sie umwittert an Gedankenzauber, an meinen der Menschen, an Seelenmacht; das, was die Volksgenossen zwingt, daß sie verehren und glauben und an ihrem Bilde schaffen müssen“. In diesem, was ein Volk zwingt, seine Großen und Führer im Lichte der Größe zu sehen, regt sich werdende Volkheit. Sie sammelt gleichsam die Lebensfunken, mit denen sie das allgemeine Leben aller werden will, und sie regt sich zugleich als der innere Wille der Vielen zur Gefolgschaft, in der sie, vom Genie des Führers getragen, untereinander zur Einheit werden. Volk und Gefolgschaft, das hängt ja sprachlich zusammen. Der deutsche Mensch stellt sich, wenn er „Volk“ meint, nicht unter einen Gesellschaftsvertrag, sondern in ihm erwacht die Metaphysik des Volkstums, vor der alle demokratische Scheinfreiheit und Scheineinheit zerstiebt. Es ist eine höhere Freiheit und eine höhere Vernunft, sich einem Willen unterzuordnen, der des Sinnes der Begebenheiten kundig ist und die Dinge zu meistern versteht, statt das Verhältnis aller zu allen anonymer Vernunft anzuvertrauen. Und es ist eine höhere Einheit, in freier Treue zueinander und zum Führer kameradschaftlich zu werden, als mit anderen zusammen zu einer und derselben Wahlurne zu gehen, in deren Inneren uns die Zerrissenheit des Volkes anblickt.

An Stelle der Rechnung tritt das Verhältnis der Seelen. Im Verhältnis der Seelen gebiert sich von selbst der Ewigkeitsgehalt, den wir die ewige deutsche Seele nennen. Ihr politisches Gesicht ist Kameradschaft und Gefolgschaft. Die Ewigkeit der Kameradschaft klingt im Horst- Wessel-Liede auf: „Kameraden, die Rotfront und Reaktion erschossen, marschier’n im Geist in unsern Reihen mit“. Es ist das Hohelied der Bundesgemeinschaft, die keinen eigenen Tod fürchtet und jeden Tod der Brüder in lebendige Kraft verwandelt. Wie die Unendlichkeit der Gefolgschaftstreue den eigenen Untergang überwindet, zeigt schon der germanische Mythos vom Ende Walhalls. Die Einherier, die Mitgeweihten des Untergangs, kämpfen für den Allvater, nicht weil seine Sache die stärkere, sondern weil sie Sache ihrer Ehre ist. Wer in Treue und Ehre dem Führer folgt, geht immer den Weg ins Licht, auch wenn hinter ihm die Dunkelheit zusammenschlägt.

Das letzte Geheimnis geschichtlichen Lebens versichtbart sich darin, daß in der Esse der Schicksale die Völker zu Volkheiten reifen sollen. Es ist in jedem Blutkreis, als wäre seine Einheit verloren gegangen, indem er sich in die Anlagen, Fähigkeiten, Begabungen, Gefühle, Strebungen, Vorstellungen der unzähligen einzelnen auseinandergesetzt hat. Aber im Fünklein der Seelen strebt Einheits- und Ewigkeitsgewalt auf. Seine Spannungsenergie geht darauf, daß sie zu alleiner Ewigkeitskraft in allen werde. Von diesem Verwesentlichungszuge ist alles Geschehen getragen, das das Volk als seine Geschichte erlebt. In dem unbewußten Zwange dieses Zuges malt das Volk seine Helden, seine Führer und Toten mit Ewigkeitslichtern.

Wir Deutsche im Dritten Reiche sind uns der in uns aufstrebenden Volkheit bewußt geworden. Sie zeigt jedem Volksgenossen im Brudergesicht des anderen die Züge desselben Blutstroms und durchdringt mit der Forderung ihrer Totalität alle Berufe, daß sie sich nicht zu geistigen Isolierschemeln verengen, sondern jeder mit der schaffenden Kraft seines Gebietes zu Gabe und Reichtum für die Volksgenossen in den anderen Berufen werde. Wie

  1. B. der Künstlerberuf Kraft durch Freude spenden soll, so gibt es auch eine Volks- und Staatskraft durch Wahrheit, die Nahrung und Mehrung aus den wissenschaftlichen Berufen anfordert.

 

Es geht aber nicht bloß darum, daß die Schaffenden in allen Berufen ihre Volksgenossen mit dem beschenken, was sie leisten. Sie sollen ihrem Volkstum das höchste  Geschenk werden mit dem, was sie sind. Bedeutete mir vorher Beruf, daß meine Anlagen in einen geistigen Sinn eingegliedert und dadurch verwesentlicht werden, so erkenne ich nun, daß schon in meinen Anlagen etwas Wesentliches steckt, nämlich die Art meines Volkstums, die sich durch die tausend Anlagen der einzelnen hindurch einheitlich entfalten will. Sie braucht auch meinen Einsatz, um geistig zu reifen. Daß ich in meinem Berufe Wesen gewinne, daraus soll, so will es der Geist des Volkstums, Wärme hinüber strahlen zu allen Brüdern, damit auch ihre Innerlichkeit in der Farbe des Volkstums aufblühe. An unserer Gediegenheit in unserm Berufe hängt, daß sich die Gediegenheit anderer in ihrem Berufe belebe. Wesen tritt dann zu Wesen. Aneinander sich aufrankend wächst die Schar der beruflich und volklich belebten Persönlichkeiten, und aus ihrer aller geistigen Haltung bildet sich eine große geschichtliche Prägung, die die Ehre des gemeinsamen Blutes ausspricht.

In der Ehre der Leistung, in der Würde des Seins, in der verstehenden Güte der Herzen will sich in allen Deutschen die Deutschheit vollenden. Es ist dann ein Ewigkeitssinn lebendig geworden, der in die Welt hinaus wirkt. Vielmehr, solcher Ewigkeitssinn im Blutkreis jedes Volkes bewegt immer schon von innen heraus die Völkergeschichte. Es muß nur zuerst ein Volk seinen eigenen inneren Weg vollendet haben. Dann ist das Vorbild für die anderen Völker gegeben, das mit der Unbedingtheit, in der sich aller Ewigkeitsgehalt ausspricht, auch deren Geschichte in neue Bewegung bringt und zwischen den Völkern, die in der Kraft völkischer Bruderliebe jedes im eigenen Inneren einen Sozialismus der Ehre, Treue, Gerechtigkeit aufgerichtet haben und so unteilbare Einheit in sich selbst geworden sind, einen Sozialismus der gegenseitigen Ehre herbeiführen wird, in dem das Gesicht einer letzten und größten Einheit steht, die immer unvollendbar bleiben, aber immer unsichtbar treiben wird. Wir sind überzeugt, daß unser Sozialismus blutsbrüderlicher Liebe auf die anderen Völker überspringen und auch das Verhältnis der Völker untereinander neu gestalten wird. Denn er trägt vor sich her die Verheißung eines neuen Völkerbundes, der wesenhafter ist als der jetzige, weil er beruht auf dem Sozialismus der Völkerehre.

Zur philosophisen Grundlegung des Nationalsozialismus-Schwarz-13S.

This entry was posted in Adolf Hitler, Deutschsprachig, German culture-Deutsche Kultur, Nationalsozializmus. Bookmark the permalink.