Vergewaltigung Deutschlands durch die Voelkerbundbande

… ist der Völkerbund von Anfang an die Vereinigung der Siegerstaaten gewesen, die unter sich blieb und unter sich die Gemeinschaft des Krieges fortsetzen konnte. Indem die Friedensmacher von 1919 die Satzung des Bundes bewußt und absichtlich mit jedem einzelnen der Pariser “Friedensverträge” verkoppelten, verfälschten sie seine Idee und beraubten sie jeglicher positiver Wirkung…

DER VOELKERBUND IM DIENSTE VON VERSAILLES

BY HERBERT MICHAELIS – 1941

 

Einleitung

Als am 8. Juni 1815 die Unterzeichung der Schlußakte des Wiener Kongresses erfolgte, war die Epoche der französischen Revolution von 1789 und der napoleonischen Kriege beendet und zugleich der Grundstein für ein neues, stabiles Europa gelegt, das nach dem Willen seiner Väter ewigen Bestand haben sollte. Diese Friedensordnung, die den Kontinent nach dem alten Grundsatz des europäischen Gleichgewichtes organisierte und die neue Kraft des Nationalismus in Fesseln warf, fand ihre Ergänzung in dem system der “Heiligen Allianz”. Dieses Bündnis wurde von den Herrschern Rußlands, Österreichs und Preußens zur gemeinsamen Wahrung des romantischen Staatsideals und der christlichen Grundsätze in der Politik geschlossen.

Ihr praktischer Zweck aber war die dauernde Erhaltung der Wiener Ordnung von 1815. Über ein Menschenalter hat Europa in dieser Ordnung ohne große Erschütterung gelebt. Erst der Krimkrieg lockerte das System der Allianz durch die auflebende Feindschaft zwischen Österreich und Rußland. Der deutsche Krieg von 1866 führte ihr Ende herbei. Das Dreikaiserbündnis der späteren Jahre hat die innere Festigkeit des alten Bundes niemals wieder erlangt. Mit der Aufrichtung des italienischen Nationalstaates und der nationalen Einigung Kleindeutschlands war die Wiener Staatenordnung als solche von den neuen Zeitkräften entscheidend durchbrochen worden.

Erst der Friedensversuch, den die “Sieger” des Weltkrieges im Jahre 1919 unternahmen, hatte wiederum eine grundsätzliche Neuordnung Europas zum Ziel und suchte, wie weiland der Wiener Kongreß, die neue Machtverteilung in feste völkerrechtliche Formen zu gießen. Auf der Grundlage der den Unterlegenen mit Gewalt aufgezwungenen Friedensschlüsse sollte das System einer neuen Staatenwelt errichtet und auf die Dauer gesichert werden.

In gewisser Parallele zur “Heiligen Allianz” im Wiener System von 1815 übernahm in dem System von 1919 der Völkerbund die Rolle eines Bürgen für die von den “Siegern” diktierte neue “Ordnung”. Gegründet war der Völkerbund allerdings zu einem anderen Zweck, nämlich “zur Förderung der Zusammenarbeit der Nationen und zur Gewährleistung von Frieden und Sicherheit zwischen ihnen”. Er sollte nach dem Umbruch des Weltkrieges ein neues Wesen und System internationaler Beziehungen aufbauen. Als überparteiliches Organ sollte er die gerechte Lösung aller zwischen den Nationen entstehenden Konflikte gewährleisten und dergestalt die Quellen künftiger Kriege von vornherein verstopfen. Frieden, Sicherheit und Gerechtigkeit waen ihm als Leitmotive seines Handelns vorgeschrieben.

Es bedarf kaum eines Beweises mehr, daß der Völkerbund diesen ihm obliegenden Aufgaben in keiner Weise gerecht geworden ist. Weder hat er die Herrschaft des Rechtes aufgerichtet, noch die Sicherung des europäischen Friedens gewährleisten können. Seiner ganzen Natur nach war er dazu gar nicht befähigt. Er stellte in Wahrheit keinen Bund der “Völker” dar, keine Liga der “Nationen”, wie die Franzosen und Engländer ihn nennen. Er ist nichts anderes als ein permanenter Staatenkongreß mit umfangreicher Verwaltungsorganisation.

Diese Staatengesellschaft, die nach Wilsons Konzeption eine Weltfriedensordnung aufrichten sollte, war nicht “universal”. Die Vereinigten Staaten von Amerika selber lehnten den Völkerbund ab. Obwohl eine ganze Reihe von im Weltkrieg neutral gebliebenen Staaten ihm sofort beirat, ist der Völkerbund von Anfang an die Vereinigung der Siegerstaaten gewesen, die unter sich blieb und unter sich die Gemeinschaft des Krieges fortsetzen konnte. Indem die Friedensmacher von 1919 die Satzung des Bundes bewußt und absichtlich mit jedem einzelnen der Pariser “Friedensverträge” verkoppelten, verfälschten sie seine Idee und beraubten sie jeglicher positiver Wirkung. Der Völkerbund wurde damit an die Regelung der Machtverhältnisse gefesselt, wie sie in jenen Verträgen niedergelegt war und mit der Aufgabe belastet, den durch den Kriegsausgang gegebenen Status in Europa, die “Versailler Ordnung” zu sichern. “Er gab so die ideologische Umhüllung für eine Ordnung ab, die lediglich auf der Gewalt beruhte und nur mit einem Scheine des Rechts umgeben wurde.”*1) Kennzeichnend dafür war es schon, daß die Interessengemeinschaft der “Sieger” bei Gründung des Bundes das Deutsche Reich ausschloß, obwohl dessen demokratisch-parlamentarische Regierung zum Eintritt bereit war und diesen anbot.

In der Folgezeit hat sich der Völkerbund bereitwilligst und oft, ohne daß eine rechtliche Verpflichtung für ihn bestand, mit den Fragen befaßt, die die

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1) Otto Hoetzsch, der Gedanke des Völkerbundes als einer zwischenstaatlichen Organisation und seine Fassung durch Versailes. In: Zehn Jahre Versailles, II, S. 63.

Ausführung der Gewaltfriedensverträge betrafen und in ihrer Gesamtheit gegen die Unterlegenen gerichtet waren. Er hat sich aber auch sonst freiwillig in den Dienst der Westmächte gestellt und ihnen politische Handlangerdienste geleistet. Auf diese Weise ist er in das Gegenteil dessen verkehrt worden, was dem amerikanischen Präsidenten bei seiner Begründung vorschwebte. Die Zugehörigkeit der Neutralen und ihre Bemühungen, dem echten Sinne einer Völkerbundspolitik Geltung zu verschaffen, hat daran nichts zu ändern vermocht.

Frankreich und England waren in besonderem Maße die Repräsentanten der Versailler “Ordnung”. Aber diese Stellung beruhte nicht auf einer natürlichen Übereinstimmung ihrer Interessen. Frankreich, dem der Weltkrieg die Vorherrschaft in Europa völlig unverdient in die Hände gespielt  hatte, war mit allen Mitteln bestrebt, diese Vorherrschaft aufrechtzuerhalten. Die Grundvoraussetzung dafür war die Neiderhaltung einer starken deutschen Reichsmacht in Mitteleuropa. England hingegen war gezwungen, seine europäischen Interessen mit den Problemen seines Weltreiches zu teilen. Es mußte daher in mancher Frage den Franzosen die Führung überlassen. Daher ergab sich bei den Sitzungen des Völkerbundes zuweilen das Bild einer uneinheitlichen Haltung der beiden Mächte. Es konnte der Eindruck entstehen, als ob die britische handlungsweise unparteiischer und für eine gerechte Behandlung der aufgeworfenen Probleme zugänglicher war, als die starre, durch keinerlei Wandlungen der Entwicklung zu beinflussende Doktrin der Franzosen. In Fragen untergeordneter Bedeutung und wo das britische Interesse nicht unmittelbar berührt war, hat England eine solche platonische Gerechttigkeit an den Tag gelegt.

Aber sofort änderte sich diese Einstellung, wenn Fragen zur Diskussin standen, die das britische Interesse und den Versailler Status in Europa betrafen. Dann reihte sich Großbritannien mit der gleichen Offenheit und Starrheit wie Frankreich in die anti-deutsche Front ein und übernahm sogar die Führung.

Indem die Versailer Gewalthaber ihre Machtverteilung als ewig, unantastbar, irrevisibel zu stabilisieren suchten und dazu den Völkerbund mißbrauchten, verewigten sie Unruhe und Spannung, Unsicherheit und Kriegsgefahr in Europa. Sie selber führten die Gegenwart herauf, in der das revolutionäre Gesetz geeinter und erstarkter Nationen die Machtkonstruktion von Versailles umstößt und eine Ordnung heraufführt, die im wahren Sinne den Lebensrechten der Völker entspricht.

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Die Behandlung, die die reichsdeutschen Angelegenheiten im Völkerbundsrate erfuhren, macht deutlich, in welchem Maße sich der Völkerbund zum Werkzeug der “Siegermächte” erniedrigen ließ und das unterlegene Deutschland die Verkoppelung von Versailler und Genfer System zu spüren bekam. In der folgenden Auswahl der Fragen sind die Probleme der Minderheiten und Mandate und die Danziger Frage nicht einbezogen, da sie schon an anderer Stelle dargestellt worden sind.

Kapitel 1

Die Organisation des Untersuchungsrechtes

Wie illusorisch die Liga der Nationen in der von den Alliierten geschaffenen Form war, erwies sich bereits in einer der ersten Fragen, die sie sich zur Lösung stellen mußte. Im Art. 213 des Versailler Vertrages war ihr das Recht zugesprochen worden, jede für notwendig gehaltene Untersuchung gegen Deutschland, die sich auf die Durchführung des Versailler Vertrage, insbesondere auf die deutsche Entwaffnung erstreckte, mit einfacher Mehrheit zu beschließen. Eine solche Untersuchung auf Grund dieser Bestimmung ist zwar niemals erfolgt, die Art aber, in der der Völkerbund sie durchzuführen beschloss, zeigt die ganze diffamierende und parteiische Art, in der er Deutschland zu behandeln gedachte. Nach langwierigen Verhandlungen kam endlich eine Form der zu diesem Zweck einzusetzenden Untersuchungskommisionen zustande, die in allen Punkten französischen Forderungen entsprach. Diese Forderungen waren ausschließlich von politischen Erwägungen diktiert und gingen dahin, sowohl Frankreich wie seinen Satellitenstaaten, auch Belgien, in diesen Untersuchungskommisionen Sitz und Stimme zu verschaffen. Die Mehrheit der anderen Länder, an ihrer Spitze England, stand anfangs dem französischen Verlangen entgegen und wollte die zu bestimmenden Sachverständigen allein nach fachlichen Kenntnissen auswählen, was weitgehend eine neutrale Art der Untrsuchung gewährleistet hätte. Aber die Franzosen vermochten ihrem Wunsche Geltung zu verschaffen und die einstimmige Annahme ihrer Forderungen durchzusetzen.

Auf Grund der endgültigen Entscheidung des Völkerbundrates sollten demzufolge die Nachbarländer Deutschlands, d.h. also Frankreich, Belgien, Polen und die Tschecho-Slowakei, entweder an der Durchführung der Untersuchungen durch Vertreter in den Untersuchungskommissionen oder an der Vorbereitung und Auswertung derselben durch Delegierte in der sogenannten Commission permanente consultative beteiligt sein. Es hätte sich mithin niemals um Völkerbunduntersuchungen gehandelt, sondern lediglich um eine getarnte Fortsetzung der alliierten Kontrolle. Mit diesem Beschluß hatte sich der Völkerbund einwandfrei zum Vollstrecker der Pariser Friedensverträge gemacht und einen klaren Beweis für die enge Verbundenheit zwischen dem Versailler und dem Genfer System geliefert. Er verließ damit das Prinzip der Unparteilichkeit, das als eine der tragenden Säulen seiner Prunkfassade die Augen der Welt blenden sollte.

Diese Feststellung wir noch dadurch erhärtet, daß der Rat auch das andere französische Bemühen billigte, Deutschland im Falle einer Untersuchung nicht zuzuziehen oder anzuhören, was doch gerade im Sinne einer gerechten Völkerbundsarbeit gelegen hätte. Von dem Vorschlag des Japaners Ishii, den Bericht der Untersuchungskommission vor der Ratsentscheidung dem Untersuchungslande zu übermitteln, um diesem Gelegenheit zur Stellungnahme zu bieten, blieb nur die bloße Mitteilung der endgültigen Entscheidung des Rates über den Bericht übrig. Besser konnte die Ablehnung gleichberechtigter Zusammenarbeit mit Deutschland nicht zum Ausdruck gebracht werden.

Transkribiert bei germanvictims.com

Auszug aus

Der Voelkerbund Im Dienste Von Versailles-Michaelis Herbert-1941-67S-pdf

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