Die Vertreibung-Teil 1

…Damit waren die Deutschen in den Ostgebieten zu rechtlosem Freiwild erklärt worden. Niemand, der sich an Leib, Leben oder Eigentum der auszuweisenden Deutschen verging, musste Strafverfolgung befürchten…

 

DIES IST WAS JUDEN FUER DIE MENSCHHEIT ARRANGIEREN: EISENHOWER, ROOSEVELT, STALIN, CHURCHILL UND ANDERE!

 

Die Vertreibung

…Diesem Kapitel stelle ich die Worte Konrad Adenauers voran, die er im März 1949 aufgeschrieben hat:

Ich muss in diesem Zusammenhang zunächst von den Problemen der Vertriebenen sprechen. Es sind aus den östlichen Teilen Deutschlands, aus Polen, der Tschechoslowakei, Ungarn usw. nach den von amerikanischer Seite getroffenen Feststellungen insgesamt 13,3 Millionen Deutsche vertrieben worden. 7,3 Millionen sind in der Ostzone und in der Hauptsache in den drei Westzonen angekommen. 6 Millionen Deutsche sind vom Erdboden verschwunden. Sie sind gestorben, verdorben. Von den 7,3 Millionen, die am Leben geblieben sind, sind der größte Teil Frauen, Kinder und alte Leute. Ein großer Teil der arbeitsfähigen Männer und Frauen ist nach Sowjetrussland in Zwangsarbeit verschleppt worden. Die Austreibung dieser 13 bis 14 Millionen aus ihrer Heimat, die ihre Vorfahren zum Teil schon seit Hunderten von Jahren bewohnt haben, hat unendliches Leid mit sich gebracht. Es sind Untaten verübt worden, die sich den von den deutschen Nationalsozialisten verübten Untaten würdig an die Seite stellen.” [Admin: Dabei hat Jude? Adenauer schoen gelogen mit den 5 letzten Worten! So was haben die Deutschen nicht gemacht. Also Wahrheit mit Luegen verbinden; der alte Trick! So bleibts dann im Gehirn stecken, und darum wird es so gemacht.~gv]

Die Zeilen Adenauers lassen erkennen, dass ihn das Wissen um die Geschehnisse rund um die Vertreibung tief berührt hat. Mit dem Ende der Potsdamer Konferenz war das Schicksal von Deutschland von den „Großen Drei”, der UdSSR, England und  den USA, weitgehend bestimmt worden. Es wurde die Aufteilung in Zonen, die Entwaffnung, die Reparationen und vieles mehr entschieden. Hier wurde auch beschlossen, die deutschen Ostgebiete von Deutschen zu „reinigen” – ja, dieses Wort  wurde benutzt -, damit sie anschließend von Polen, Tschechen und Russen übernommen werden. Diese Vertreibungen sollten  in „humaner und ordentlicher Weise durchgeführt werden.” Mit keinem Wort wird erwähnt, dass den zu Vertreibenden irgendein Schutz gewährt werden würde. Auch eine Durchführungsrichtlinie wurde nicht in Aussicht gestellt, ganz zu schweigen von einer Regelung bezüglich des Eigentums. Damit waren die Deutschen in den Ostgebieten zu rechtlosem Freiwild erklärt worden. Niemand,

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der sich an Leib, Leben oder Eigentum der auszuweisenden Deutschen verging, musste Strafverfolgung befürchten.

Was in Polen unter „human und ordentlich” verstanden wurde, musste den Alliierten noch aus der Zeit vor 1939 bekannt sein. Zudem lagen den Alliierten zu dieser Zeit bereits die Berichte aus der Tschechei vor, die die unmenschlichen Verbrechen der Tschechen an der deutschen Bevölkerung 1945 anklagten. Die Alliierten konnten keinesfalls für sich in Anspruch nehmen, dass sie im guten Glauben an die Menschlichkeit jede Maßnahme zum Schutz der deutschen Bevölkerung „vergessen” hatten. Man darf Vorsatz annehmen.

Die Folgen waren fürchterlich. Die Hälfte der Vertriebenen wurde umgebracht und die Überlebenden mussten den Rest ihres Lebens mit den erlittenen Traumata umgehen. In Polen gab es öffentliche Aufrufe „Rache” an den Deutschen zu nehmen. Rache, für was? Polen hat Deutschland vor 1939 oft genug mit Krieg bedroht. Polen hat die Deutschen im Land schon vor 1939 massakriert. Diejenigen, die wirklich unter der deutschen Herrschaft zu leiden hatten, waren die Juden. Und die gab es 1945 in Polen praktisch nicht mehr. Wer nicht der Vernichtung zum Opfer gefallen war, suchte selbst so schnell wie möglich sein Heil in der Flucht. Die Polen führten die Diskriminierung und Verfolgung von Juden nach dem Muster von vor 1939 auch nach 1945 fort. Der Anteil der jüdischen Bevölkerung in Polen lag nach 1950 unter 100.000.

Die Polen selbst hatten unter der deutschen Besatzung wenig zu leiden, wenn man von ihrem verletzten Stolz absieht. Das Gegenteil war sogar manchmal der Fall: 1980 durfte ich auf einer meiner Reisen nach Moskau die Bekanntschaft eines alten Polen machen. Er war verdienter Held der sozialistischen Arbeit, was ihn nicht unbedingt zu einem Freund eines Deutschen aus dem Westen machte. Dennoch unterhielten wir uns freundlich und er erzählte mir, dass es ihm in seinem Leben niemals besser gegangen wäre, als während der Zeit der deutschen Besatzung. Seine Erklärung war, dass die von den Deutschen eingesetzten Gutsverwalter die Güter sehr gekonnt führten. Sie waren in der Lage, Ernteerträge zu erzielen, die die Polen selbst nie erreicht hatten. So lebten die Polen im Überfluss und konnten auch noch Wodka in einer Menge herstellen, die die Produktion unter eigener Regie nie hergab. Der letzte Punkt war ihm sehr wichtig und er lachte herzlich dazu. Soweit meine persönliche Erfahrung.

Ein Blick in die ältere Geschichte ist für die Beurteilung der deutschen Besiedelung im Osten aufschlussreich. Die Wanderung deutschsprachiger

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Siedler Richtung Osten begann vor etwa 1.000 Jahren. Mit der Hanse entstanden deutsche Städte an der Ostseeküste und die deutschen Siedler breiteten sich von dort aus. Das war notwendig, weil die Gegend allgemein so dünn besiedelt war, dass ein Unterhalt der Hansestädte nicht möglich war, ohne den Aufbau einer neuen Infrastruktur. Das heißt, die deutschen Siedler nahmen niemandem etwas weg. Im Gegenteil, die Region profitierte von den Fertigkeiten, die die Siedler mitbrachten. Es herrschte zunächst ein gesunder Wohlstand.

Weiter im Süden sah es etwas anders aus. Hier war das Land zwar auch dünn besiedelt, aber nicht wirklich leer. So haben sich die deutschen Siedler in Gegenden niedergelassen, die von Alteingesessenen vielfach verschmäht wurden. Es waren dies vor allem die höher gelegenen Regionen, die bewaldet und klimatisch ungünstiger waren. Man kann das leicht erkennen: Die Hauptgebiete mit vornehmlich deutscher Bevölkerung liegen entlang den Gebirgszügen. Auch das Sudetenland liegt überwiegend in einer Höhe, die das Leben als Bauer nicht einfach macht. So kann man feststellen, dass sich die deutschen Siedler eher sozialverträglich in ihr Umfeld eingefügt haben und Jahrhunderte friedlich mit ihren Nachbarn lebten.

Die industrielle Entwicklung des 19. Jahrhunderts änderte den Status der Deutschen im Osten erheblich. Waren sie bis dahin Pioniere, die einem Land Leben abtrotzten, so besaßen sie jetzt Land, das reich an Bodenschätzen war. Sie entwickelten Fertigkeiten, die Bodenschätze auszubeuten und erlangten dadurch Wohlstand. Manufakturen und Fabriken entstanden und die  Verhältnisse kehrten sich um. Polnische Bauern blickten zu reichen Deutschen auf, die die wachsende polnische Bevölkerung zu einfachen Arbeitsleistungen heranzogen und dadurch ihren Wohlstand und ihr Prestige weiter verbesserten. Das gleiche gilt für das Sudetenland und die Tschechen. Ich halte es für denkbar, dass die Ursachen für den Ausbruch des Hasses gegen die Deutschen in diesen Ländern in dieser Entwicklung liegen. Ich möchte festhalten, dass die Deutschen aus ihren Ostgebieten vertrieben wurden, obwohl sie dort seit Jahrhunderten und Generationen ansässig waren. Das ist ein Verbrechen!

Was man Menschen antut, wenn man sie aus ihrer Heimat vertreibt, habe ich im Lauf meines Lebens begreifen gelernt. Ich bin selbst ein Flüchtlingskind. Wie sehr mich dieser Status von Menschen unterscheidet, die seit Generationen ein Gebiet ihre Heimat nennen dürfen, habe ich erst spät erkannt.

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Als Kind nimmt man die Dinge so, wie sie eben sind. Man kennt es ja nicht besser. Später, als junger Mann, fiel mir an mir selbst auf, dass ich keine gefühlsmäßige Bindung an einen bestimmten Ort empfinden wollte. Das Leben trieb mich durch die ganze Welt. Hätte es nicht der Zufall gebracht, dass ich eine Münchnerin heiratete, wäre meine Rückkehr nach München unwahrscheinlich gewesen. Mein Weg, Geld zu verdienen, die Arbeit eines Flugkapitäns, brachte es mit sich, dass ich mit sehr vielen verschiedenen Menschen in intensivem Kontakt arbeiten durfte. Dabei fiel mir auf, dass sich manche Kollegen durch besondere innere Ruhe auszeichneten. Ich ging der Sache auf den Grund und stellte fest, dass diesen Menschen eine feste Verwurzelung in einem uralten, gewachsenen Umfeld gemein war. Sie wussten, wo sie zu Hause sind. Das gibt ihnen ein Urvertrauen, um das ich sie beneide.

Daraufhin habe ich die Menschen weiter beobachtet. Ich musste feststellen, dass die meisten „Flüchtlingskinder” irgendwie „heimatlose Gesellen” sind. Es fehlt einfach der große Kreis der verwandtschaftlichen Bindungen, die entstehen, wenn Menschen seit Generationen in einer Region leben. Dazu kommt, dass ja sowieso durchschnittlich die Hälfte der Verwandtschaft auf der Flucht umgekommen ist. Die Verwandtschaft ist also nur noch halb so groß und dieser Rest konnte sich oft nicht auf einen Ort einigen. So sind sie über ganz Deutschland verstreute, einsame Einzelkämpfer.

Nach 1990 war es möglich geworden, die ehemaligen deutschen Ostgebiete zu bereisen. Ich bin immer wieder beeindruckt, wie schön – und wie deutsch! – diese Gebiete sind. Andererseits erschüttert mich der Umstand, dass große Teile von Ostpreußen bis heute nicht von ihren neuen Besitzern genutzt werden. Der Verfall ist allgegenwärtig und die beeindruckendsten Gebäude stammen noch aus der deutschen Zeit. Leider sind sie oft in einem jämmerlichen Zustand. Polen und Russen haben es in vielen Fällen nicht verstanden, ihre geraubten Güter wirklich in Besitz zu nehmen und wenigstens den Bestand zu sichern. Die Tschechen haben ganze Dörfer nach der „Reinigung” von den Deutschen von der Landkarte radiert und nie wieder besiedelt. Vielleicht wollen sie nicht auf so vielen unschuldigen Leichen leben. In der neuesten Zeit protzen die Tschechen mit den frisch renovierten Zeugnissen deutscher Kultur. Die Touristen aus aller Welt werden in das Sudetenland eingeladen und man führt ihnen stolz die alten deutschen Städte, Burgen, Schlösser und Weinkeller als tschechisches Erbe vor. So werden noch einmal im Bewusstsein der Besucher die Leistungen deutscher Kultur geraubt und ausgelöscht. Tief im Inneren der Tschechen lauert das Wissen um diese Geschichtsfälschung und erzeugt ein dumpfes Unbehagen. Das trägt nicht dazu bei, ein unverkrampftes Verhältnis zwischen Deutschen und Tschechen herzustellen. Nur ein ehrlicher Umgang mit der Geschichte kann hier Besserung bringen. Ich empfinde es als eine ungeheure Gemeinheit, Menschen ihrer Heimat zu berauben. Das gilt für alle Vertriebenen dieser Welt, und davon haben die Politiker des 20. Jahrhunderts reichlich geschaffen.

Nach der Niederschlagung des 68er Aufstands in der Tschechoslowakei durch die russische Armee hörte ich meinen Vater sagen, dass das den Tschechen ganz recht geschehen sei. Sie sind selbst Schuld. Ich war von meinem Vater eine solche Einstellung nicht gewohnt. Seine strikte Abneigung gegen den Kommunismus war mir geläufig und ansonsten vertrat er tolerante Standpunkte. Also befragte ich ihn, warum er in diesem Fall so unerwartet heftig reagierte. Er erzählte mir die Geschichte:

Im Frühjahr 1945 war mein Vater auf dem Weg von Russland nach Westen. Er floh vor der vorrückenden Roten Armee. Wenn er in ihre Hände gefallen wäre, hätte das seinen sicheren Tod bedeutet. Er erlebte die Befreiung Prags durch die Wlassow-Armee. So musste er von Prag weiter nach Westen ziehen. Auf seinem Marsch von Prag nach Pilsen wurde er Zeuge der Massaker, die von den Tschechen an der deutschen Zivilbevölkerung begangen wurden. Er erzählte von regelrechten Treibjagden auf Frauen, Kinder und alte Menschen, die in den Wäldern Schutz suchten. Die Tschechen prügelten wahllos auf hilflose Menschen ein, verletzten sie dabei schwer mit Steinen und anderen Waffen. Er musste mit ansehen, wie Verletzten jede Art medizinischer Hilfe verwehrt wurde und viele von ihnen starben, an den Folgen der blindwütigen Brutalitäten der Tschechen. Ein Erlebnis hat ihn besonders erschüttert.

Ein Tscheche riss einer Mutter ihren Säugling aus dem Arm, nahm ihn am Fuß und zerschlug seinen Schädel mit einer schleudernden Bewegung an einer Mauer. Darauf hin legte er den Säugling mit dem zerschmetterten Schädel zurück  in die Arme der Mutter. Mein Vater hatte wirklich viele Scheußlichkeiten sehen müssen im Verlauf seines Lebens. Das war auch für ihn zu viel.

Das Schlimmste für ihn war, dass er nichts tun konnte, um diesem Blutrausch irgendwie Einhalt zu gebieten.

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Sein eigenes Leben war auch in Gefahr. Er wurde nur verschont, weil er Russe war. Aber dieser Status war höchst unsicher. Hätten die Tschechen erkannt, dass er auf der Flucht vor der Roten Armee war, hätten sie ihn aufgegriffen und an die Rote Armee übergeben. Bereits einige Tage vorher hatte er sich vorsichtshalber seiner Pistole entledigt. Er versicherte mir, dass es nur diesem Umstand zu verdanken war, dass dieser Tscheche am Leben geblieben ist. Hätte er seine Pistole noch gehabt, hätte er ihn auf der Stelle erschossen. Ohne Rücksicht auf seine eigene Sicherheit. Aber so ging es ihm nicht besser als vielen anderen Augenzeugen. Er musste hilflos zusehen und sein Heil in der Flucht suchen.

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Empört war er auch über die Feigheit des tschechischen Mobs. Sobald Beobachter in der Nähe waren, reduzierten die Tschechen ihre Untaten erheblich. Diese Beobachter konnten französische Soldaten auf dem Weg nach Hause sein oder Soldaten der Roten Armee oder auch Amerikaner. Das bedeutet, dass sich die Tschechen durchaus der Ungeheuerlichkeit ihres Handelns bewusst waren. Ebenso konnte er beobachten, dass die Übergriffe der Tschechen sofort beendet waren, wenn die Angegriffenen sich wehren konnten oder Gegenwehr zu erwarten war. Die Tschechen vergingen sich nur an wehrlosen Frauen, Kindern und Alten. Oder wenn ihre Übermacht so groß war, dass der Angegriffene keine Chance hatte, sich ihrer zu erwehren.

Mein Vater war kein Freund drastischer Worte. Aber unter dem Eindruck dieser Erlebnisse sagte er: „Ein Volk, das zu derartigem Handeln fähig ist, verdient nicht, Menschen genannt zu werden. Sie haben es sich verdient, unter dem Joch Stalins zu leiden!” Mein Vater hat Zeit seines Lebens unter den Erinnerungen an diese Zeit gelitten.

Das ist der Bericht eines neutralen Beobachters, der vorher als Flüchtlingfreundliche Aufnahme und Hilfe von Prager Bürgern erfahren hat. So hat dieser Bericht eine besondere Qualität, weil er von einem Zeugen stammt, dem keine Parteilichkeit vorgehalten werden kann. Es gibt Tausende Berichte, die Ähnliches oder noch Schlimmeres dokumentieren. Dabei muss man sich darüber im Klaren sein, dass die schlimmsten Sachen gar nicht mehr berichtet werden können, weil keine Zeugen am Leben gelassen wurden. Das gilt selbstverständlich auch für die Ereignisse in Polen. Mir selbst liegen einige Berichte in schriftlicher Form vor und ich habe viele mündlich erhalten. Die Archive der BRD enthalten eine Unzahl solcher Berichte.

2  Vadim Grom, Der Weg vom Don zur Isar, Anderwe/tVer/ag, ISßN 3-94032 M 2-5

Allgemein wird von russischen Soldaten gesprochen, wenn es um die Vergewaltigung deutscher Frauen geht. Das ist nur ein Drittel der Wahrheit. Tschechen und Polen haben sich in dieser Hinsicht auch nicht zurückgehalten. So wurden in einem Dorf im Sudetenland alle deutschen Frauen zusammengetrieben und ihre Achillessehnen durchschnitten. Während sie schreiend am Boden lagen, wurden sie von tschechischen Männern vergewaltigt. Viele Frauen wurden mehrmals am Tag vergewaltigt, und das Tag für Tag. Der 18jährigen Tochter der Berichterstatterin, die ihren Namen nicht genannt haben will, geschah dies wochenlang jeden Tag etwa 15 mal. Ich habe gerade diesen Bericht ausgewählt, weil er in besonderer Weise die Absichten der Täter bloßstellt: Wenn man einen Menschen derart grausam verletzt, dann plant man entweder von vornherein seinen Tod, oder man verdammt ihn vorsätzlich zu einem Leben als Krüppel. Wer sich dann noch an einer Todgeweihten oder Verkrüppelten vergeht, hat wahrhaft seine Bürgerrechte verwirkt.

Viele Tschechen haben nach dem Krieg noch andere Taten auf ihr Kerbholz genommen. Das Konzentrationslager Theresienstadt und andere wurden von den Tschechen nicht aufgelöst, sondern unter eigener Regie weiter betrieben. Ende 1945 verstarb in diesem Lager ein Herr Namens Müller. Er starb einen ganz „gewöhnlichen” Lagertod.  Hunger,  mangelhafte medizinische Versorgung  und ständige Misshandlungen waren die Ursachen.33 An diesem Fall sind zwei Dinge bemerkenswert. Erstens, dass die Tschechen dieses Lager überhaupt weiter betrieben haben, noch dazu in einer  Weise, dass weiterhin Menschen zu Tode kamen. Zweitens: Herr Müller war Jude. Er hatte den Makel, dass er ein deutscher Jude war.

Es sind weitere Fälle von Juden dokumentiert, die über das Kriegsende hinaus in tschechischen Lagern gefangen gehalten wurden. Das erscheint im ersten Moment als irrsinnig und unglaubwürdig. Aber es gibt tschechische Ministerialerlasse, datiert 1945 und 1946, die Juden für „national unzuverlässig” erklärten, wenn sie vor dem Krieg die Interessen der deutschen Minderheit auf irgendeine Weise gefördert hatten. So kamen diese bedauernswerten Menschen vom Regen in die Traufe: erst wurden sie wegen ihres jüdischen Glaubens von den Deutschen verfolgt, überlebten das, um dann von Tschechen wegen ihres „Deutschseins” umgebracht zu werden. Die einfache Ausweisung wäre schon unmenschlich genug gewesen. Dieser Weg stand den Tschechen aber nicht offen. Gerade 1945 hätte man sich

33  Heinz Nawratii, Schwarzbuch der Vertreibung, L/n/Vers/tos Verlag München, ISBN 3-8004-138 7-6

der massiven internationalen Kritik ausgesetzt, hätte man Menschen jüdischen Glaubens des Landes verweisen wollen. So ein Vorgang hätte auch die Glaubwürdigkeit der Nürnberger Prozesse beschädigt. Also ließ man die Juden weiter im Lager schmoren, in der Hoffnung auf eine sich selbst ergebende endgültige „Lösung” dieses Dilemmas. In diesem Zusammenhang ist eine Beobachtung des früheren Theresienstadt- Häftlings H.G. Adler von Interesse, die er in seinem Buch über das Lager beschreibt: „… In keinem von Hitler besetzten Land, auch nicht in Deutschland selbst, kamen illegale” Rettungen von Juden so selten vor wie im Gebiet des Protektorates” (Tscheche!). Oft wurden Hilfedienste so genannter Freunde auch sehr teuer bezahlt.”

Das kann das Verhalten der Tschechen gegenüber den Juden erklären, ebenso wie die wiederholten Bemerkungen des tschechischen Lagerpersonals, Hitler habe schlecht gearbeitet; es seien immer noch Juden am Leben.34 Nachdem die Tschechen für diese Verbrechen nicht angeklagt wurden, muss ich feststellen, dass es offensichtlich für die Bewertung eines Verbrechens wesentlich ist, wer es begangen hat.

Die Tschechen haben Deutsche nicht einfach ausgewiesen, sondern sie haben sie in großer Anzahl in tschechische Konzentrationslager gesperrt. Dort waren sie Tod und Verderben ausgeliefert. Diese  Vorgehensweise war nicht konform mit den Beschlüssen der Potsdamer Konferenz. Aber die Tschechen haben mit der systematischen Verfolgung und Ermordung von Deutschen begonnen, sobald sich ihnen die Möglichkeit bot. Das war in der Regel direkt nach dem Abzug der deutschen Truppen. Nachdem es bis zur Potsdamer Konferenz für die Tschechen nicht klar war, dass sie ihre Deutschen mit Zustimmung der Alliierten ausweisen dürfen, begannen sie vorher schon, die deutsche Bevölkerung zu dezimieren. Das geschah auf bestialische Art.

Die Tschechen unterhielten 1215 Internierungslager, 846 Arbeits- und Straflager und 215 Gefängnisse. Sie hielten dort über 300.000 Deutsche fest. Die genaue Zahl ist nicht bekannt, wird aber oft wesentlich höher geschätzt. Der ursprüngliche Name dieser Orte des Schreckens war Konzentrationslager. Später wurde die Bezeichnung Sammellager verwendet. In diesen Lagern wurden Deutsche nicht einfach umgebracht, sie wurden zu Tode gefoltert. Um einen schwachen Eindruck zu vermitteln, was sich abspielte, zitiere ich den Bericht einer deutschen Ärztin aus dem Lager Olmütz-Hodolein:

Um den Leser nicht zu ermüden, greife ich nur einige Fälle heraus, deren Tod mir ob der tierischen Grausamkeit, mit der er ausgeführt wurde, besonders im

  1. G.Adler, Theresienstadt 1941-1945 (Tübingen, 1960)

 Gedächtnis haften geblieben ist. Das Folgende kann jederzeit im vollen Namen belegt werden.

Magistratsdirektor Dr. C. wurde, nachdem man ihn blutig geschlagen hatte, getötet, indem man ihm einen Schlauch in den Rektum einführte und ihm so lange kaltes Wasser unter Druck in den Darm einströmen ließ, bis er starb.

Ing. H. wurde zweimal aufgehängt und zweimal wieder abgeschnitten, dann mit einer Riemenpeitsche mit Bleikugeln geschlagen, dass das Gebiet von musculus giutaeus maximus abwärts bis zur Achillessehne ein anatomisches Präparat von bloßgelegten Muskeln, Sehnen, Blutgefäßen und Nerven war. Darin wimmelten in den heißen Sommermonaten Tausende von Fliegenmaden. … Der starke Eiweißverlust und eine hinzukommende Dysenterie machten der Qual endlich ein Ende. In den letzten Tagen vor dem Tode holte ich mir diesen Patienten auf den Armen aus dem Zimmer in den Verbandsraum. Er wog kaum noch 30 Kg. Diese Methode, jemanden so sterben zu lassen, war eine der häufigsten. Drei Monate waren alle Marodenzimmer mit derart zugerichteten Menschen belegt. Bei der Ausdehnung der Wunden und der zerschlagenen Muskulatur war an eine Heilung nicht zu denken. Sie starben alle…

Der furchtbarste Fall war ein 13-jähriges deutsches Mädchen, das vergewaltigt worden war und dem davon ein 30 cm langes Stück Darmschlinge aus der Scheide hing. Der tschechische Professor für Gynäkologie operierte das Mädchen doch. Es blieb am Leben. Da DR. B. inzwischen verstorben ist, darf ich verraten, dass nach seinem Bericht der Täter ein Kapitän der tschechischen Armee war.”

Dieser Bericht ist nur einer von vielen. Wer sich mehr davon antun will, schlage das Buch von Heinz Nawratil auf, das ich vorher schon benannt habe. „Schwarzbuch der Vertreibung 1945 bis 1948, Das letzte Kapitel unbewältigter Vergangenheit”. In diesem Buch findet sich eine Fülle von Details, Berichten und Zahlen. Es ist vorsichtig und sorgfältig recherchiert und durch Quellen bestens belegt. Alle Angaben in diesem Kapitel sind diesem Buch und bei James Bacque entnommen, wenn sie nicht anderweitig bezeichnet werden.

Diese Vorgänge in der Tschechei blieben den Amerikanern nicht verborgen. Der politische Berater der US-Militärregierung Robert Murphy weist mehrfach darauf hin, dass unter den amerikanischen Soldaten eine antitschechische Einstellung besorgniserregende Ausmaße annehme. Diese werde durch die häufige Beobachtung von tschechischen Übergriffen gegen Frauen und Kinder hervorgerufen. Wiederholt griffen Amerikaner schützend ein. Die Berichte Murphys hatten auf die Politik der Alliierten keinen Einfluss. Erst Jahre später, am 26.5.1954, verurteilte ein amerikanisches Gericht der Alliierten Hochkommission den Leiter des KZ Budweis, Vaclav Hrnecek, nachdem er nach Westdeutschland geflüchtet war. Eine gezielte Verfolgung der bekannten Verbrechen erfolgte durch die Alliierten ansonsten nicht.

Nun zu den Verbrechen, die an Deutschen in Polen begangen wurden. Die Polen hatten bereits vor 1939 begonnen, Deutsche zu vertreiben durch Übergriffe und Plünderungen. Das setzten sie fort, sobald sie dazu Gelegenheit fanden. Was es aber ab 1944 noch wesentlich schlimmer machte, war die unheilige Allianz, die sie dann mit den Soldaten der Roten Armee schlössen. Man könnte meinen, dass sie sich gegenseitig zu übertreffen suchten, in der angewandten Brutalität.

Dem Umstand, dass die Rote Armee nach dem ersten Einmarsch in Ostpreußen wieder zurückgeschlagen wurde, ist es zu verdanken, dass es über die Verbrechen der roten Armee in dieser Zeit gute Dokumente gibt. Weil diese  Dokumentationen  meist  von  der  „Wehrmacht-Untersuchungsstelle  für  Verletzungen  des  Völkerrechts” stammen, wird oft der Versuch unternommen, sie als Propaganda der Nazis abzutun. Das hält einer objektiven Beurteilung nicht stand. Einige Berichte sind unter Mitwirkung neutraler Beobachter erstellt worden, die zum Teil aus der Schweiz und sogar von den Westalliierten kamen. Alle Berichte sind von den Amerikanern nach dem Krieg bestätigt worden. Seriöse Geschichtswissenschaftler erkennen die Richtigkeit der Berichte der Wehrmacht- Untersuchungsstelle an.

Bei ihrem Einmarsch in Ostpreußen haben die Soldaten der Roten Armee ganze Ortschaften ausgelöscht. Sie haben Frauen im Alter von 8 (acht!) bis 84 Jahren vergewaltigt, gefoltert und erschlagen. Sie haben gewütet, dass praktisch kein deutsches Leben mehr übrig war. Sie haben geplündert, was sie tragen konnten. Besonders Uhren und Wertgegenstände nahmen sie mit Gewalt an sich. Der US-General Frank A. Keating vergleicht das hemmungslose Treiben mit dem der barbarischen Horden von Dschingis-Khan. Das blindwütige Morden der Soldaten der Roten Armee nahm mit ihrem Vordringen nach Westen ab. Die Vergewaltigungen nicht. Die zogen sich durch bis Berlin und waren auch nach Kriegsende noch an der Tagesordnung.

Aus den teils ausführlichen Berichten, die mir aus dieser Zeit und Gegend vorliegen, geht hervor, dass in der Regel ein Unterschied zwischen dem Verhalten von Offizieren und einfachen Soldaten bestand. Die Offiziere verhielten sich eher korrekt, was die Behandlung von Frauen anbetraf. Aber auch sie konnten einer guten Uhr nicht widerstehen. Die russischen Offiziere beschützten sogar manchmal die Deutschen vor den Übergriffen der Polen. Zur Rettung der Ehre der Russen lasse ich hier nicht unerwähnt, dass viele russische Offiziere ihre Karriere opferten und sogar ihr Leben in Gefahr brachten, um dem unmenschlichen, mörderischen Treiben Einhalt zu gebieten. Wie viele einfache Soldaten ähnlich gehandelt haben, ist leider nicht dokumentiert. Das prominenteste Beispiel für das fruchtlose Bemühen um Menschlichkeit ist Lew Kopelew. Der Träger des Friedenspreises 1981 des Deutschen Buchhandels und russische Bürgerrechtler war damals Offizier in der roten Armee. Er berichtet von einem Gang durch den Bahnhof von Allen-stein/Ostpreußen:

Hin und wieder ein Toter. Vor einem Personenwagen sah ich die Leiche einer kleinen Frau. Das Gesicht vom hochgerutschten Mantel bedeckt, die Beine, in den Knien angewinkelt, auseinander gerissen. Eine dünne Schneeschicht und ein schamhaft darüber geworfener Stofffetzen verhüllten kaum den verkrümmten, geschändeten Körper. Offenbar hatten mehrere sie vergewaltigt und dann getötet, vielleicht war sie aber auch so gestorben, im schrecklichen Kampf erstarrt. …Vom Nachbarwagen herüber plötzlich eine leise Altfrauenstimme: Soldat, Soldat!”

Ich gehe hin, klettere auf den Wagen. Zwischen Kisten verschiedener Größe ein Nest aus Matratzen und Kissen. Darin eine in Schals und Tücher gewickelte Person, eine dunkle, schneegepuderte Kapuze, halb verborgen darin ein dreieckiges, verhutzeltes Gesichtchen. Große, helle Augen. Sie blicken ganz ruhig, verständig, sogar freundlich.

Wie sind denn Sie hierher geraten, Großmutter?”

Sie wundert sich nicht einmal, dass ich deutsch spreche. Bitte Soldat, erschieß mich. Bitte sei so gut!”

Wo denken Sie hin, Großmutter! Haben Sie keine Angst, es geschieht Ihnen nichts Böses.” Zum wievielten Mal wiederhole ich nun schon diese Standardlüge! Nichts Gutes wird ihr geschehen!

Wohin wollten Sie fahren? Haben Sie Verwandte hier?”

Niemanden habe ich. Tochter und Enkel wurden gestern von euren Soldaten erschlagen. Der Sohn kam schon früher im Krieg um. Und der Schwiegersohn ist wahrscheinlich auch tot. Alle sind tot. Ich brauche nicht mehr zu leben, ich kann nun auch nicht mehr leben.”

Sie spricht ganz gelassen, einfach, ohne Phrasen. Kein Jammern, keine Träne. Völliges Abgeschlossenhaben mit dem Leben. Nur von daher kann eine solche Ruhe kommen. Und, vielleicht, aus Demut und aus dem Bewusstsein menschlicher Würde.

Kopelew bezahlte seinen engagierten Einsatz für die Menschlichkeit mit Degradierung und Verbannung. Allein dieses eine Beispiel sagt uns aber noch etwas ganz anderes. Das mörderische Treiben der Roten Armee war von ganz oben angeordnet. Letztlich von Stalin selbst. Welchen Grund sollte er auch haben, mit der Bevölkerung des Feindes besser zu verfahren, als mit seiner eigenen? Diese Betrachtung hat aber noch einen weiteren Aspekt. Die Westalliierten hatten Kenntnis vom brutalen Vorgehen der roten Armee.

Quelle, vielleicht:  Heinz Nawratil „Schwarzbuch der Vertreibung 1945 bis 1948, Das letzte Kapitel unbewältigter Vergangenheit”.

>>>DIE VERTREIBUNG – TEIL 2 VON 2

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