Die Stimme der Ahnen-Soerensen

…Heute muß man in die Augen schauen, ob sie noch fest sind und leuchtend und kühn. Die Seele blickt durch die Augen, und die trügt nicht. War manch ein Rebell und Ausreißer unter denen da. Manch einer, der denen den Bettel vor die Füße schmiß, die an ihm herumbiegen wollten. Konnten nicht krumm sein, diese Kerle, wollten lieber in der Fremde vor die Hunde gehen als verbogen werden. Ging aber keiner vor die Hunde…

 

 

Eine Dichtung von Wolf Sörensen

Da hängen sie nun an der Wand:
einhundertundsechsundneunzig kleine Tafeln
in eirunden Rahmen matten Goldes sind es geworden.
Und es sind noch lange, lange nicht soviele,
wie es hätten sein müssen.

All die oberen Reihen zeigen nur ein weißes Blatt
mit einem Namen und ein paar Zeilen darauf.

Aber in den unteren Reihen, da wird es lebendiger.
Um die Zeit herum, da der Dreißigjährige Krieg begann,
hebt es an:

Feine Kleinmalereien, mit spitzem vorsichtigem Pinsel
auf gelb gewordenes Elfenbein gemalt.
Aber man merkt es:
der zarte Marderpinsel wollte nur widerwillig
den harten und eigenwilligen Zügen folgen,
die zu malen ihm aufgetragen war.

Die weißen Halskrausen und die Rüschen,
die Spitzen, die Puffärmel, und bei den “Herren”
die blütenzarten “Jabots” in den Bildern
um das beginnende achtzehnte Jahrhundert herum,
das alles wirkt bei denen da wie eitler Narrenplunder.

“Herren?”

Nein, oh nein, nicht eine “Dame” und nicht ein “Herr”
sind unter ihnen zu finden, trotz Samt und Seide nicht.
Frauen und Männer sind sie alle, und das ist weit,
weit mehr, als heute “Herr”.

Denn die da an der Wand im Bilde weiterleben, waren Freie!
So weit ist’s mit uns gekommen, daß wir die Ahnen im Zeichen
oder im Abbild an die Wand bannen müssen, um ihnen
in unserem träg gewordenen Andenken ein blasses Leben zu geben.

Ahnen?

Nicht einmal den Tag der Geburt und den Totentag ihrer Eltern
wissen alle mehr; sie haben ihn ja aufgeschrieben.
Es ist schon ein Wunder, wenn einer ein wenig vom Ahn weiß,
oder gar vom Großahn.

Und an den Urgroßahn denken sie schon gar nicht mehr,
als sei er nie gewesen.
Früher, ganz früher war das anders.
Damals, als das Wort noch nicht zur feilen Ware geworden war,
als man mit dem Worte noch nicht lügen konnte,
als das Wort noch lebendig war,
damals brauchte es des Schreibens und Aufschreibens nicht.

Zu jener Zeit war der lebendige Blutstrom vom Sohn zum Vater,
vom Vater zum Ahn und zum Großahn und Urgroßahn noch nicht verschüttet.
Noch rauschte er nicht, wie heute, tief unter allem Fremdgut des Geistes
und der Seele, daß ihm die meisten nicht einmal mehr
in der stillsten Stunde zu lauschen vermögen.

Einst war alle Vergangenheit im Herzen eines jeden Einzelnen lebendig.
Und aus dieser Vergangenheit wuchsen Gegenwart und Zukunft empor
wie die starken Äste eines gesunden Baumes.

Aber als diese herrliche Gotteswelt verteufelt wurde,
als man sie eitel und verächtlich machte,
wurde die lebendige Vergangenheit zur Sage,
und die Sage wurde zum Kindermärchen.

Und heute?

Heute lachen sie sogar über die Märchen unseres Volkes
und kennen sie nicht einmal.
Und doch sind die Märchen das einzige,
was uns von dem “Es war einmal” geblieben ist,
das wie ein still mahnender Finger in die Jahrtausende
der Vergangenheit unseres großen Volkes zurückweist.

Wir brauchen nicht, was einst gewesen, meint ihr?
Eitles Geschwätz!

In wessen Brust das “Es war einmal” seines Geschlechtes
nicht wach ist, der hat auch keine Zukunft, die ihm gehört.
Es mußte bald einmal einer kommen, der uns unsere Märchen
wieder verstehen lehrt und der uns so zeigt,
daß unser Kampf um die Freiheit der Erde,
die uns geboren hat, auch schon der Kampf unserer Ahnen
vor hundert und tausend Jahren gewesen ist.

Wißt ihr, wenn ihr von Schneewittchen lest
und von der bösen eitlen Königin, die über die Berge kam,
daß diese Berge jenes “ultra montes”, jenes “Jenseits der Berge”,
der Alpen, jenes “Rom” bedeuten, das allem Nordischen Todfeind ist?
Und denkt ihr nun an den Spruch dieser Königin:
“Spieglein, Spieglein an der Wand, sag’ an,
wer ist die Schönste im ganzen Land?”

Und denkt ihr bei diesem Spruch, zugleich an jenes Rom,
das nicht rastet und ruht, bis alles Nordische, Helle und Frohe
ausgerottet ist und nur Dunkles bleibt, dunkel wie jene Königin
im Märchen, so daß sie die Erste im Lande ist, – weil alles Weiße tot ist?

Dieses von “ultra montes” Kommende duldet nichts neben sich.
Es kann nur sehen, was vor ihm in die Knie gebrochen ist und
ihm die Füße küßt. – Als die Königin, als fahrende Krämerin
aus fernem Lande verkleidet, zum ersten Male über die Alpen kam,
bot sie ihm das verlockende Mieder – verlockend, weil es fremdartig war –
und zog seine Nesteln so eng, daß Schneewittchen ohnmächtig niedersank:
die Sendboten Roms schnürten den nordischen Geist in die alles Leben
erstickenden Bande fremder Begriffe und Trugworte.

Aber der verderbliche Plan gelang nicht. Die Zwerge – des Volkes gute Geister –
kamen und befreiten Schneewittchen:
Die Friesen zerschmetterten die römischen Sendlinge,
die mit ihrer Elends- und Knechtslehre die Kraft des Volkes zu brechen trachteten.
Bald tausend Jahre rangen die Deutschen Stämme gegen das Gift vom Sinai,
das ihnen das saubere Blut verdarb.

Und als die eitle Königin nun wieder den Spiegel fragte, wird ihr dennoch die Antwort:
… aber Schneewittchen, über den sieben Bergen, bei den sieben Zwergen, ist noch viel tausendmal schöner als ihr!”

Und wieder kam die Königin, von ruhelosem Neid getrieben,
über der Alpen schneeige Wand mit neuem Trug.
Sie bot Schneewittchen einen herrlich glänzenden Kamm,
ein Ding so fremdartig, wie es nie zuvor ein anderes gesehen:
der römische Kaisergedanke lockte den Deutschen Tatwillen
von seinem eigentlichen Ziele ab.

Und nun kamen mit den romfahrenden deutschen Kaisern
namenlose Schmach und das römische Recht in das Land,
das den nordischen Stolz in Ketten legte.
Mit jenem in alle Ewigkeit verfluchten Karl dem Sachsenschlächter,
jenem Franken aus unfreiem Geschlechte, begann es.

Er meuchelte an der Aller zu Verden das edelste Blut unseres Volkes.
Zum Dank für diese Meintat haben die Rompriester diesen Franken
Den “Großen” zubenannt.
Stumm für immer werde der Deutsche Mund,
der diesen elenden Franken wissend anders nennt als:
Karl der Sachsenschlächter!

Doch immer noch war der Deutsche Geist nicht gebrochen,
immer noch war die böse Königin nicht die Schönste in allen Landen.
Und so kam sie zum dritten Male und reichte Schneewittchen
den giftigen rotwangigen Apfel, von dem ihm ein Bissen im Halse stecken blieb,
daß es wie tot niedersank.

Dieser Apfel, dieser völlige Ab-Fall von der eigenen Art war es,
der des Deutschen Wesens Verderben war.
“Wie tot” sagt das Märchen, denn es weiß recht wohl
um die ungeheure Kraft, die im Volke nur schlummert,
und weiß: einst kommt die große Stunde, da sie
mit riesenhafter Gewalt die Fesseln vom Sinai sprengt.

Ob sie jetzt kommt, diese langersehnte Stunde? –
Nicht nur Schneewittchen, nein, hundert und aber hundert
uralte Deutsche Märchen erzählen mahnend
in immer anderen Bildern von der Not, den Bedrängnissen
und der tiefen Weisheit unserer Ahnen.

Und da Roms Geißel über das Land zuckte, alles wahrhaftig
aus der eigenen Art Emporsprießende erbarmungslos vernichtend,
flochten die weisen Ahnen in bunte Bilder, in geheimnisvolle Worte,
was sie den Nachfahren zu sagen hatten.
Aber auch dieser Sagen, dieser Märchen und Bilder
hat sich Rom bemächtigt, hat sie verfälscht und in einen
ihm selber nützlichen Sinn umgedeutet.

So kam es, daß unser großes Volk die Stimme der Ahnen
nicht mehr verstehen konnte, daß es all die vielen Jahrhunderte
in der Irre ging, sich seinem eigenen Wesen mehr und immer mehr
entfremdete und Roms und damit Judas Knecht wurde.

Nur wer lebendig flammend die eigene Seele in der breiten Brust trägt,
ist ein Einziger, ist ein Herr.
Wer aber von seiner Art läßt, der ist Knecht.
Der Schlüssel zur Freiheit liegt in uns!

Lauschen wir wieder auf der Ahnen Stimme und hüten wir
vor fremder Hand, was aus der eigenen Seele wachsen will.
Stärker als Heere ist der Mensch, der den Gewalten sein heiles Ich
entgegenzustellen vermag.

Ich sehe nachdenklich auf die lange Reihe der Ahnen,
deren letzte Glieder so weit zurückreichen, daß kaum mehr
ein Name und eine Zahl auf einem weißem Blatt Papier
zurückgeblieben sind. Und ihre Stimmen werden im
Blute lebendig, denn mein Blut ist das ihre.

Ich denke daran, wie die welschen Mönche zu den Ahnvätern
unseres Volkes kamen, von denen selbst ihre Todfeinde, die Römer sagten:
“Wo die Goten hinkamen, da herrschte Keuschheit, wo aber die Vandalen hinkamen, wurden selbst die verderbten Römer keusch!”

Und diesen Menschen wurden diese Gebote von Sinai
als Leitstern des Lebens angeboten!
Kann man verstehen, daß diese Menschen gelacht haben,
also sie diese Gebote hörten, weil ihnen unbenannt war
oder unfaßlich, was man von ihnen forderte, nicht zu tun?

Kann man verstehen, daß sie in rasendem Zorn das Schwert erhoben,
als man ihnen sagte, der Mensch sei böse von Jugend auf, –
ihnen, deren Beste die Goten: die Guten waren?

Kann man verstehen, daß unsägliche Verachtung
diese herrlichen Menschen bitter machte, als man ihnen
reichen himmlischen Lohn verhieß, wenn sie Dinge nicht
tun würden, die sich nach ihren heimatlichen Begriffen unter
das Tier hinabgewürdigt hatten?

Ihnen brachte man diese Gebote, die jenen, die sie darboten,
an Menschwürde und Sitte unendlich überlegen waren.
Die seit unzählbaren Geschlechterfolgen bereits sternenhoch
hinausgewachsen waren über die sittliche Ebene, auf der sich
die Gebote vom Sinai bewegen, und die schon seit vielen
Tausenden von Jahren vor der bei uns üblichen Zeitrechnung,
Gesittung und Kunst auf langen Wanderfahrten befruchtend
in die Welt trugen.

Wenn ich die kleinen Bilder betrachte und durch ihre festgefügten
Gesichter hindurch die Züge der Ahnen sehe, von denen keine Kunde
mehr in diese Zeit dringt, dann ist mir, als sei ich von einer hohen,
hohen Leiter hinabgestiegen, – wo ich doch hatte hinaufsteigen müssen!

Was jene waren, gelingt uns Heutigen nur manchmal zu scheinen,
wenn das Wünschen übergroß wird: zu sein, wie jene gewesen sind.
Diese Kerle standen mit Allvater auf dem Duzfuß und brauchten noch
keinen Advokaten mit dünnem Heiligenschein, wenn sie mit ihm zu reden
hatten.

Germanen

Und auch das Bitten kannten sie nicht, dazu waren sie zu stark
und zu Stolz, – und zu gesund. Sie wollten nichts Geschenktes,
weil sie selber genug hatten, und wo was fehlte, da holten sie sich’s.
Ihr Glaube war ein Satz so kurz wie ein Augenzwinkern
und so klar und tief wie ein Forellenwasser:
“Tue Recht und scheue niemand!”

Das andere, was noch dazu gehört, taugte ihnen nicht einmal
für die Zunge, und die war doch karg genug dazumal.
Dieses andere trugen sie in der Brust und es war wie eine weisende
Kompaßnadel, die das Boot stets in die rechte Bahn zieht.

War das wohl ein besserer Glaube als jener,
der in einem dicken Buch aufgeschrieben steht,
damit man ihn nicht vergesse, – und den man nicht
einmal richtig verstehen kann, es sei denn,
der Priester komme und lege aus, was da geschrieben steht?

Und dann muß man noch glauben, daß diese krause Auslegung recht ist.
Damals wuchs der Glaube aus dem Blut und der war ein Wissen, –
heute aber muß er gelehrt werden, denn er ist ein Fremdglaube,
der in unserem Blut nicht Wurzeln schlagen kann.

Er ist ein Für-wahr-halten, was keiner wissen kann und das
die meisten still abtun, weil es wider die Natur und die Vernunft ist.
Sind wir besser geworden, seitdem? Sagt es selbst.
Ein groß wortlos Trauern ist in der meisten Brust,
eine grenzenlose Heimatlosigkeit, denn der Ahnen Sitte
wird als Traum ewig in unserem nordischen Blute leben.

Wir wollen wieder gut sein, gut von Jugend auf, wie die Ahnen waren.
Wir wollen nicht mehr demütig sein und klein und schwach und alles jenem
überlassen, von dem gesagt wird, er habe die eigene Schöpfung zu einem
Sündenpfuhl gemacht, – der das eigene Werk verachtet.

Stolz wollen wir wieder werden und groß und stark, und alles selber tun!
Wie anders jene Gesichter an der Wand dort sind, als die Gesichter der
Heutigen. Nur wenn man ganz genau zusieht, findet sich noch ein Schimmer
jener Klarheit von einst in den Zügen der letzten Geschlechterfolgen.

Was in den Ahnen so lebendig war, daß es das Gesicht eigenwillig formte,
hat sich uns in das Blut verkrochen und träumt.
Darum täuschen die Gesichter heute so oft.
Manch einer, dessen Haare und Augen in der Farbe
nach dem Süden zeigen, hat den Großteil des Blutes
von den nordischen Vätern.

Und manch einer, der aussieht, als hätten ihn
zwei Jahrtausende vergessen, trägt seine hellen Haare
und seine grauen oder blauen Augen als trügende Maske,
und sein Blut hat nicht einmal die Erinnerung
an die Väter im Nordland.

Der eine hat nur den Schein des Fremden angenommen
und behielt sein nordisches Blut.
Der andere nahm das Blut des Fremden
und behielt sein nordisches Gesicht als Trugmaske.

Was ist besser?

Heute muß man in die Augen schauen, ob sie noch fest sind
und leuchtend und kühn. Die Seele blickt durch die Augen,
und die trügt nicht. War manch ein Rebell und Ausreißer
unter denen da. Manch einer, der denen den Bettel
vor die Füße schmiß, die an ihm herumbiegen wollten.
Konnten nicht krumm sein, diese Kerle, wollten lieber
in der Fremde vor die Hunde gehen als verbogen werden.
Ging aber keiner vor die Hunde.

Wer in die Fremde ging, folgte dem rastlosen Strom
eines Blutes, das nicht Ruhe gab, bis es sich selbst gefunden:
das Fremde ausgeschieden und in den Blutstrom der Väter
eingeflossen war und so bewußter Teil der Ahnenreihe wurde,
die den großen Kreis der Sippe schließt. –

Aber wenn dann wieder einer heim kam – alle kamen wieder –
dann war aus ihm ein Stiller und Fertiger geworden.
Man kann nicht sagen, was es ist, dieses Fertigsein.
Aber wenn die anderen durcheinander schwatzen und dieser eine
sagt leise nur ein paar Worte, dann haben alle anderen diese Worte
verstanden und werden still und lauschend.

Und dieser eine fragt nicht; er wird gefragt. Das ist es.

Man sieht’s ihren Augen an: wie sie das Leben meisterten,
so standen sie auch mit dem Tode auf dem Duzfuß.
Er war ihnen vertrauter Weggenoß.
Bis herauf in unsere Tage haben sie diese Augen.
Da war einer, Ekke hieß er, und fiel am Kemmel.

Der Stahlhelm auf seinem Kopf sieht aus, als gehöre er zu ihm,
als sei er ein Stück seiner selbst.
Sein Mund ist wie ein Strich.
Aber in seinen zwanzigjährigen Augen blinkt ein leises Lachen.

Und mit dem Lachen, das dem Munde fremd ist,
und mit zwei Fingern an der Kante des Stahlhelms
hat dieser Ekke den Tod gegrüßt, als er winkend vorüberschritt.

Ich kann mir diesen Ekke nicht vorstellen, wie er betend und flehend,
in die Knie gebrochen vor Jammer, einen Gott über den Wolken
um Gnade und Hilfe anfleht.Aber so kann ich mir ihn vorstellen:
halbaufrecht emporgeworfen die Handgranate mit einem Jauchzen
in das Maschinengewehrnest schleudern. Und im Schwung noch
von der Kugel getroffen und niedersinken mit dem letzten Gedanken:
… das Beste für Deutschland! …

Dieser Ekke nahm den bitteren Kelch mit stolzem Heidenlachen
und trank ihn aus, in einem Zug, bis auf den Grund. Und hat womöglich
noch die Nagelprobe gemacht ohne eine Miene zu verziehen.
Er hat nicht gefleht, der Kelch möchte an ihm vorübergehen.
Er griff von selbst nach ihm, denn er weiß:
Alles Notwendige ist gut!

Unter dem Bilde Ekkes steht sein Lebensspruch. Er hat ihn
mit seiner festen klaren Hand selbst geschrieben:
“Edel sei der Mensch, hilfreich und gut.

Ist das nicht weit, weit mehr, als jene zehn Gebote,
die der Jude Moses dem verkommenen farbigen Hebräergesindel
in der Wüste geben mußte, um dieser Horde die Anfangsgründe
des Menschseins verständlich zu machen?

Für dieses Hebräergeschmeiß waren diese Gebote recht,
hatten es doch sogar die Ägypter zum Lande hinausgejagt;
sogar als Sklaven waren die Hebräer,
die das ganze Volk verpesteten, zu schlecht.

Die Hebräer – das auserwählte Volk unter den Völkern!
So groß ist der Hohn dieses Wortes, daß man ihn für ernst nahm.

Gebote setzen ihre Übertretung voraus. Schon an der Notwendigkeit
dieser Gebote, die nichts fordern als das Allermindeste, um auf die Bezeichnung “Mensch” Anspruch erheben zu können, erkennt man, welchem Auswurf
mit menschenähnlichen Gesichtern sie gegeben wurden.

Eine Schmähung, unsühnbarer Schimpf des Hehrsten im Blute
waren diese Gebote für den Menschen im Norden.
So wuchs aus der flammenden Empörung des nordischen Blutes ein
Wittekind, der immer und immer wiederkehrte und die Seinen zum Kampf
gegen die Lehren vom Sinai und von Nazareth führte.

Denn tödliches Gift sind diese Lehren für unser Blut.
Wann er nicht mehr wiederkommt, dieser Wittekind, fragt ihr?
Hört: im letzten Deutschen stirbt Wittekind!
Solange noch ein einziger Deutscher lebt, ist Wittekind lebendig
und ihr seid nicht sicher vor ihm!

Nicht zwanzig Millionen, nein, o nein! Siebenzig Millionen
Deutscher sind zuviel auf dieser leuchtenden Erde für alles,
was vom Sinai kommt. – Auch die Letzten, die echt sind, werden
noch wach werden, wenn die Schwerter an die Schilde dröhnen
und die Heerhörner zum letzten großen Thing dieses unseligen Jahrtausends
rufen. Und wer dann noch schläft, dessen Blut ist dumpf geworden und sauer.
Kein Schwerthieb für ihn!

Er werde achtlos zertreten von den Füßen der Heerhaufen,
die auf allen Straßen dieser Deutschen Erde zum Thing eilen!
Eine uralte Sitte ist in diesem Geschlechte lebendig geblieben,
bis auf den heutigen Tag. Einmal schien diese weise,
von den Urvätern überkommene Sitte zu verlöschen.

Aber sie lebte wieder auf und die Stunde ist nicht mehr fern,
in der ein ganzes Volk, mein großes schönes Volk, den Sinn
dieser Sitte wieder erkennen und durch sie gesunden wird.
Die Ahnen dieses großen Geschlechtes gaben dem Kinde
einen kraftvollen Namen, voller Frohsinn und Lebensmut.
Sie liehen ihm diesen Namen.

Und dieser Name war dem Kinde wie ein leuchtendes Ziel,
weit vorausgeworfen seiner Lebensbahn.
Als der kostbarsten Güter eines trug das Kind diesen Namen
in seiner Seele, denn er war Hoffnung und heilige Verpflichtung.
An diesem Namen erstarkte des Kindes Seele und wurde ein ganzes,
leuchtendes Ich.

Wenn aus dem Kinde ein Jüngling geworden war,
traten die Ältesten der Sippe beim Fest der Namengebung
zusammen und prüften, ob die nun entfaltete Wesenheit
des jungen Menschen dem ihm einst gegebenen Namen
noch entsprach.

Wurden Menschen und Name als ein Klang befunden,
dann wurde dieser Name dem Jüngling für die Zeit seines Lebens gegeben.
Sonst aber wählte sich der junge Mensch seinen eigentlichen Namen,
Sinnbild seines Wesens, selbst.

So kam es, daß die Ahnen waren, was ihre Namen sagten.
Und darum wog ihr Name so schwer, wie das runengemarkte
Schwert, wie Wort und Handschlag, wie Nein und Ja.

In der Zeit des Christentums hatten die Ahnen noch einen
anderen Namen, wie es das neue landfremde Gesetz erzwang.
Aber diesen Namen kannte keiner; er stand im Kirchenbuche
geschrieben und war nur eine Bezeichnung, war eine Stückzahl.
Die Obrigkeit muß in den lebendigen, den heidnischen Namen
des Mannes neben den wesenlosen christlichen schreiben,
um nicht Schemen in den Büchern aufzuzählen.

In diesen Zeiten entsprossen dem Geschlechte
die aufrechtesten Männer und die stolzesten Frauen.

Ich trete näher an die Bilderreihen hin und lese die Namen.
Die Ältesten sind: Helge, Fromund, Meinrad, Markward, Ran,
Waltari, Eigel, Asmus, Björn.
Seltsame Namen sind dies, nicht?

Es sind Namen, aus der großen Sprache unseres Volkes
selbst geboren. Nichts Fremdes ist in ihnen, kein falscher Klang.
Echt klingen sie im Munde wie gediegenes edles Metall.
Nach salziger See schmecken diese Namen, nach schwerer
fruchtbarer Erde, nach Luft und Sonne – und nach Heimat.
Merkt ihr’s? Wenige werden es merken, allzu wenige.

Die eigene Sprache ist ihnen fremd geworden
und hat ihnen nichts mehr zu sagen …
Und die Letzten dieser Reiche begannen ihre Söhne so zu nennen:
Gottlieb, Christian, Fürchtegott, Leberecht, Christoph …
und noch später:
Paulus, Johannes, Petrus, Christophorus, Korbinianus, Stephanus, Karolus …

Um diese Zeit hatten die Ahnen keine anderen Namen mehr als diese.
Fühlt ihr, wie es in diesen Menschen zusammenbricht, wie sie heimatlos
werden in der eigenen Haut, – wie steil es die Leiter abwärts geht?

Ein ganzes Schicksal liegt in der Wandlung dieser Namen beschlossen.
Nicht das Schicksal eines einzelnen, oder das einer Sippe.
Das Schicksal eines ganzen Volkes verkündet diese Wandlung.
Das Schicksal unseres Volkes!

Aber wie seltsam:
Jenen, die von ihren Vätern Karolus genannt wurden
und Paulus, schienen diese Namen auf einmal lästig geworden zu sein,
fremd, unbequem, Hohn und Spott.

Und nun kommt das Geschlecht, das in den Großen Krieg zog.
Und die Namen mit den kleinen eisernen Kreuzen hinter einer Jahreszahl,
die bloß zwanzig oder noch weniger Jahre von dem Jahr der Geburt entfernt ist,
lauten: Jochen, Dieter, Asmus, Erwin, Walter, Roland, Georg …
So heißen wir.

Und wie heißen die Allerjüngsten, die ihre Namen noch in das dritte
Jahrtausend nach der Zeit nordischen Selbstvergessens hineintragen können?
Gerhardt, Hartmut, Dietrich, Ingo, Dagwin, Günther, Hellmut, Gernot …
Dagmar, Ingeborg, Helga …
Ob das der Große Krieg gemacht hat?
Es geht bergauf!
Die Namen sagen es.

Einige der Männer tragen geistlich Gewand.

Aber der Maler hat ihnen ein Zeichen mitgegeben.
Und wer dies Zeichen zu lesen vermag, der weiß,
wie viel oder wie wenig sich das starke Herz von
dem Schatten des schwarzen Gewandes verdunkeln ließ.

Es sind alles nur Kopfbilder, doch bei dem einen
zeigt der Maler auch die Hand. Eine starke, sehnige Hand,
die ein Steuer im Sturme bändigt.
Das schwarze Buch in dieser Hand sieht wie eitel Spielwerk aus.
Eine solche Hand vermag den Feind nicht zu segnen, – sie zerschmettert ihn.
Dem Frithjof Sören hat der Maler den Namen beigegeben.
Seltsamer Name für einen Priester.
Frithjof ist der Friede-Raubende.
Sollte der Priester Sören jenen den Frieden des Lammes geraubt haben,
denen er das gesunde Mark zerfraß?

Einen anderen zeigt der Maler mit windzerzaustem Grauhaar.
Seine Nase ist gebogen, wie der Schnabel des Seeadlers.
Der Blick seines Auges ist ohne Grenzen.

Und Ran Sören soll diesen seinen Nacken in Reue und Buße und Demut
gebeugt, soll die Welt verachtet und eines anderen Kraft mehr vertraut
haben, als der eigenen …?

Ich weiß, warum es das Schicksal fügte, daß diese da
den schwarzen Rock tragen mußten: –
ohne sie wäre manch ein Heide weniger im Norden,
ohne sie hätte manch einer mehr das eigene Gottesbild
mit dem fremden vertauscht und wäre müde geworden
an der eigenen Kraft und an der Welt, und manch einer mehr
hätte sein Blut vergessen, wie es diese Lehre will und
wäre zum Knecht geworden.

Das sind wahre Heilige, denn sie haben ihr Heil-Ich bewahrt,
trotz der Soutane. Sie schlugen den Feind mit der eigenen Waffe.
Die Heiden nannte das Volk dies Geschlecht.
Und einige waren so stolz auf dies Wort, daß sie es ihrem Namen beifügten,
wie man ein Seltenes und Besonderes nimmt, sich damit zu schmücken.

Denn der Heide ist einer, der sich und seiner Art treu blieb,
dessen Blut rein in den Adern fließt. Und dies reine Blut
vermag die Welt nicht mit den Haßaugen vom Sinai und nicht
mit den weichen Knien von Nazareth zu erleben.
Es trägt das Göttliche rein und klar und schön in seinem roten
Strome durch die Erdenewigkeit des Geschlechtes.

Nie hat einer dieser Menschen Gott gesucht.
Man sucht nicht, was lebendig in der Seele wohnt.
Nie hat einen dieser Menschen Zweifel um das Göttliche angefressen.
Nur wer den Gott in sich verraten und einem fremden Gottesbild
die Seele geopfert, kennt diesen Zweifel.

Ewig ist der Zweifel, wo das ewig Fremde und darum ewig Unbekannte ist.
Ein ewiger Zweifler ist der Christ. Kann der treu sein, der sich selbst untreu wurde?
Kann der groß sein, der sich in Sehnsucht nach dem Staube verzehrt?
Kann der stark sein, der die Schwachheit liebt?
Kann der stolz sein, der in Demut einherwandelt?
Kann der rein sein, der sich in Sünden geboren sieht?
Kann der glücklich sein in dieser Welt, der die Welt verachtet?

Und kann der Gott in der Seele tragen, der die göttliche Schöpfung verachten mag?
Welch seltsamer Gott ist dies, ihr Christen, der euch aufrecht erschaffen
und der euch in die Knie brechen heißt, will eure Seele sich ihm nahen.
Wir kommen nicht zu unserem Gott, zu bitten, wir Heiden.

Gott ist zu groß – und wir sind zu stolz zu bitten.
Wir würden den Gott in unserer Seele schmähen.
Wir kommen nicht zu Gott, zu klagen, wir Heiden, –
weil wir unsere Fehler nicht den Leuten zeigen –
am wenigsten aber Gott.
Wir suchen unsere Fehler abzulegen und zu wachsen.
Nicht die Klage ist unser Teil, sondern der Zorn, –
am ersten aber der Zorn gegen uns selbst.

Und wir bereuen nicht, wir Heiden, weil wir nicht feig sein können.
Der Mann steht zu seiner Tat.

Warum habt ihr ein Schimpfliches aus dem “Heiden” gemacht?
Ihr solltet eure Kleinheit nicht auf den Gassen feilhalten
und eure befohlene Liebe nicht mit eurem Haß bedrängen
und euer Verzeihenmüssen nicht mit eurer Rache!
Nur der Neid schimpft!

Wir schämen uns für euch, weil wir euren Neid sehen, –
sind manche von euch doch Brüder unseres Blutes.

Einst war es Schimpf, ein Christ zu sein.
Aber als ihr Masse wurdet, ihr Christen, machtet ihr
die Tugend zum Schimpf – und ihr nanntet uns “Besondere”,
nanntet uns “Heiden”.

Wir sind “Besondere” geblieben, obgleich ihr schimpftet!
Nie werden wir Masse sein und nie Herde.
Wißt ihr, daß viele unter euch heute noch “Besondere” sind?
Warum werft ihr die Bettlerlumpen nicht ab, die ihr euch über den
Königsmantel des Menschen gezogen habt?
Schämt ihr euch, “Besondere” zu sein?
Fürchtet ihr, “Heiden” genannt zu werden?

Wenn die Christen Gott in den Wolken ganz vergraben haben werden,
mögen sie zu uns kommen, – wir werden ihnen Gott wieder zeigen, –
wir Heiden. Denkt nicht, wir rechneten ab, ihr Christen!

Wir wägen still – aber wir wägen nicht mit falschen Gewichten.
Wir betrügen den Gott in uns nicht, weil wir uns nicht selbst betrügen.
Wie wir richtig gewogen haben, so hatten wir auch richtig gerechnet,
vermochten wir mit Gott um die Seele zu markten: seht, wir bereuen nicht,
weil wir nichts zu bereuen haben, – nichts fehlt an unserer Mark Wert.

Eine ganze Mark haben wir erhalten. Eine ganze Mark behielten wir.
Und nun wäget ihr!
Und wenn ihr gewogen habt, geschätzt und gerechnet, dann fragt euren
Neid, wieviel ihr verlort.

Wer nichts verloren hat von seinem Wert, der ist ohne Neid –
und ohne Haß für uns Heiden.
Der kleine Mensch haßt, was über ihm ist,
der Große bewundert es,
Der kleine Mensch bemitleidet, was unter ihm ist,
der Große verachtet es, – wenn es seiner Verachtung wert ist, –
oder hilft.

Dort in der Wiege liegt mein kleiner Sohn und greift jauchzend
nach den Bildern der Ahnen an der Wand.
Diese kleine lachende Lebendigkeit ist der nächste Schritt
meines Geschlechtes in die Zukunft.
Ich war der letzte Schritt.

Und hinter mir sehe ich den Weg meines Geschlechtes
in fernen Jahrtausenden verdämmern, – denn auch was ich nicht weiß,
ist Wirklichkeit.
Meines Geschlechtes Weg durch die Zeiten kenne ich nicht,
aber ich weiß, daß ich lebe und weiß, daß ich nur Glied einer Kette bin,
die ohne Fehl sein muß, so lange mein Volk lebt, – sonst wäre ich nicht.

In Pergament gebunden wandert seit langem ein Buch durch das Geschlecht
Ich schlage es auf und schreibe auf eine vergilbte Seite für meinen Jungen:
“Du bist nicht heute und bist nicht morgen. Du bist tausend Jahre vor Dir
und bist tausend Jahre nach Dir.

Tausend Jahre vor Dir haben ihr Blut gehütet, daß Du so wurdest,
wie Du bist. Hüte Du Dein Blut, daß die Geschlechterfolgen der
tausend Jahre nach Dir, Dir Dank wissen.”

Das ist der Sinn des Lebens, daß Gott wach wird im Blute.
Aber nur im reinen Blute ist Gott.
Von wem habe ich gesprochen? Von meinen Ahnen?
Sinnbild nur ist das eigene für das Volk in dem ich lebendig bin.
Zu wem habe ich gesprochen?

Zu meinem Sohn?
Mein Sohn ist nur Teil meines Volkes.
Weisheit aus tausend Geschlechtern schlummert in dir.
Wecke sie und du hast den Schlüssel gefunden,
der dir das Tor deiner tiefsten Sehnsucht öffnet.
Nur wer sich selbst achtet, ist wert, Mensch zu sein.

Quelle: http://trutzgauer-bote.info/2016/01/30/die-stimme-der-ahnen/

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