Verdrängte und Vertuschte Schiffskatastrophen

Beinahe 40,000 Menschen erlebten den Tod im Bombardieren von deutschen Schiffen, hauptsaechlich Fluechtlinge und kurz vor Kriegsende. Ein Genozid!

Ein Vergleich mit dem Untergang der Titanic

Von Mark Weber

Viele Kinobesucher, die sich den neuen Kassenschlager »Titanic« angesehen haben, werden das Kino womöglich in dem Glauben verlassen, der Untergang dieses britischen Liniendampfers am 15. April 1912 mit einem Verlust von 1.523 Männern, Frauen und Kindern sei die größte Schiffskatastrophe in der Geschichte gewesen.

Andere mögen vielleicht glauben, dies sei bezüglich des britischen Passagierschiffes »Lusitania« der Fall, das am 7. Mai 1915 sank, nachdem es von einem Torpedo eines deutschen U-Bootes getroffen worden war. Damals starben 1.198 Menschen.

Aber diese Katastrophen nehmen sich zwergenhaft aus im Vergleich zu den Untergängen der »Wilhelm Gustloff«, der »General Steuben« und der »Goya«. Alle drei Schiffe waren überfüllt mit evakuierten deutschen Flüchtlingen und verwundeten Soldaten. Sie wurden in den letzten Monaten des Zweiten Weltkrieges von sowjetischen U-Booten versenkt.

Wie John Ries bereits in der Herbstausgabe des Journal of Historical Review im Jahre 1992 verdeutlichte, starben in jedem dieser Fälle mehr Menschen als bei den Untergängen der »Titanic« und »Lusitania« zusammen.

Als erstes dieser deutschen Schiffe sank die »Wilhelm Gustloff«, ein 25.000 BRT-Luxus-Dampfer, der in ein Lazarettschiff umgebaut worden war. Als das Schiff am 30. Januar 1945 Gotenhafen (Gdingen) verließ, befanden sich etwa 5.000 Flüchtlinge – zumeist Frauen und Kinder – sowie etwa 1.600 Besatzungsmitglieder an Bord. Kurz nach 900 Uhr abends wurde es von einem Torpedo des sowjetischen U-Bootes S-13 getroffen. Die Begleitschiffe konnten nur etwa 900 Schiffbrüchige lebend aus der eisigen Ostsee bergen. Mindestens 5.400 Menschen kamen um.

Elf Tage später, am 10. Februar 1945, sank die »General Steuben«, wobei etwa 3.500 Menschen starben. Damit ist dies die drittgrößte Schiffskatastrophe der Geschichte.

Der Untergang der »Goya« am 16. April 1945, nur drei Wochen vor Beendigung des Krieges in Europa, ist anerkanntermaßen die mit Bestimmtheit größte Schiffskatastrophe aller Zeiten, was den Verlust an Menschenleben anbelangt. Der umgebaute 5.230 BRT-Frachter legte damals mit etwa 7.000 Flüchtlingen und verwundeten Soldaten an Bord von Danzig ab.

Nur wenige Minuten vor Mitternacht feuerte das sowjetische U-Boot L-3 zwei Torpedos auf die »Goya« ab. Sie schlugen mittschiffs und am Heck ein. Das Schiff brach fast augenblicklich in der Mitte durch. Der Hauptmast stürzte in die auf Deck verharrende Menschenmenge. Bevor irgend jemand das Schiff verlassen konnte, vergrub die See die Schreie der Flüchtlinge in ihrer eisigen Tiefe. Das Schiff sank innerhalb von nur vier Minuten. Von den über 7.000 Passagieren überlebten nur 183.

Ries schloß seine Ausführungen über dieses Kapitel der Geschichte mit der Schlußfolgerung ab:

»Obwohl sie nur wenig bekannt sind, bleiben die Untergänge der Wilhelm Gustloff und der Goyabei denen zusammen mehr als 12.000 Menschenleben zu beklagen sind – die größten Schiffskatastrophen aller Zeiten. Überdies ist der vorsätzliche und unnötige Mord an Tausenden unschuldiger ziviler Flüchtlinge und hilfloser verwundeter Soldaten an Bord der Gustloff, der Steuben und der Goya – genauso wie an Bord der vielen anderen kleineren und weniger bekannten Schiffe – zweifellos eine der großen Grausamkeiten des Zweiten Weltkrieges.«

Weniger bekannt, aber dennoch erwähnenswert ist auch der Untergang des deutschen Schlachtschiffes »Bismarck« am 27. Mai 1941. Aufgrund massiver Angriffe durch britische Flugzeuge und vier größere britische Kriegsschiffe sank das Schiff im Atlantik und riß 2.200 Menschen mit in die Tiefe.

Noch tragischer ist der Fall der »Cap Arcona«, ein umgebautes deutsches 27.650 BRT-Passagierschiff, das mit Häftlingen aus Konzentrationslagern besetzt war. Am 3. Mai 1945, nur fünf Tage vor Kriegsende, sank es im Hafen von Lübeck nach dem Angriff britischer Kampfbomber. Etwa 5.000 Menschen, fast alles Häftlinge, fanden dabei den Tod. Nur 500 konnten gerettet werden.

Ein ähnliches Schicksal ereilte die »Thielbeck«, ein umgebautes deutsches Schiff, das gleichfalls mit 2.800 Häftlingen beladen war, die aus dem Konzentrationslager Neuengamme evakuiert worden waren. Es ging ebenfalls am 3. Mai 1945 nach massiven Luftangriffen britischer Bomber unter. Kein Insasse überlebte diese Katastrophe.

(Zuerst publiziert in: The Journal of Historical Review, vol. 17, no. 2, March/April 1998, S. 22f., PO Box 2739, Newport Beach, CA 92659, USA)

Quelle: http://www.vho.org/VffG/1998/3/Weber3.html

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