“Befreit” durch Vergewaltigung

US-Historiker über GI-Verbrechen:
“Befreit” durch Vergewaltigung

Historische Lügen haben manchmal lange Beine, aber am Ende kommt die Wahrheit doch an den Tag. Daß die “Befreiung” durch die Sieger des Zweiten Weltkrieges für weibliche “Befreite” oft mit Tod und Erniedrigung einherging, weiß man spätestens seit Anfang der neunziger Jahre, als Barbara Johr und Helke Sander in ihrem Buch “Befreier und Befreite” an ein bundesdeutsches Tabu rührten und daran erinnerten, daß in der Schlußphase des Zweiten Weltkrieges mindestens eine Million ost- und mitteldeutscher Frauen von Rotarmisten vergewaltigt wurden; allein in Berlin kam es im Frühjahr 1945 zu rund 100.000 Fällen von Schändung.

Jetzt zog der US-Kriminologe, Historiker und Soziologe Robert Lilly, Professor an der Northern Kentucky University, nach und legte unter dem Titel “La face cachée des GI’s” (deutsch: “Das verhüllte Antlitz der GIs”) eine umfangreiche Studie vor, die die Vergewaltigungsverbrechen der US-Army während ihres Vormarsches in Westeuropa dokumentiert. In den USA fand sich für das Buch bezeichnenderweise kein Verleger, so daß die Erstausgabe im Pariser Payot-Verlag mit einem französischen Titel erscheinen mußte.

Die Reserviertheit auf der anderen Seite des Atlantiks hat Gründe. Lilly weist nach, daß sich Angehörige der US-Streitkräfte zwischen 1942 und 1945 in allen Ländern, die von ihrer Anwesenheit und ihrem Vormarsch betroffen waren, Tausender von Vergewaltigungsverbrechen schuldig machten. Nicht einmal Großbritannien, wo die GIs Alliierte waren und sich auf die Invasion des europäischen Festlandes vorbereiteten, blieb davon verschont: 2420 Frauen und Kinder (!) wurden allein in England von US-Soldaten vergewaltigt.

Auf dem Vormarsch durch das “befreite” Frankreich das gleiche Bild. Hier kommt Lilly auf eine offiziell nachweisbare Zahl von 3620 Vergewaltigungen. Mit Abstand die meisten Fälle ereigneten sich aber im besiegten Deutschland, wo Lilly auf 11.040 von den US-Besatzern verübte Notzuchtverbrechen verweist.

Auch die Soldaten der westlichen “Befreiungs”-Kreuzzügler wurden übrigens von ihrer Publizistik zur systematischen Erniedrigung der Besiegten förmlich aufgehetzt, wenn auch weniger lautstark als bei der Roten Armee, wo Ilja Ehrenburg mit seinen berüchtigten Pamphleten zur massenhaften Vergewaltigung deutscher Frauen aufrief. Nichtsdestotrotz wurden an die US-Truppen in Deutschland – nach einem Bericht des Magazins “Time” vom September 1945 – noch fast ein halbes Jahr nach Einstellung der Feindseligkeiten in Deutschland monatlich rund 50 Millionen Kondome ausgegeben, verbunden mit der zynischen “Gebrauchsanweisung”: “Bringt diesen Deutschen eine Lektion bei – und habt eine schöne Zeit!”

Kevin Alfred Storm, der dieses entlarvende Detail schon 1994 publik machte, wies auf weitere Einzelheiten hin, die die Dimension der Vergewaltigungsorgien in Westeuropa im richtigen Licht erscheinen lassen. So wurden allein in Stuttgart innerhalb einer einzigen Woche von französischen Truppen unter US-Kommando mehr Frauen vergewaltigt als von Wehrmachtsangehörigen in vier Jahren deutscher Besatzung in ganz Frankreich. Die Zahl der von deutschen Soldaten in allen von der Wehrmacht besetzten Gebieten verübten Notzuchtverbrechen lag sogar noch unter derjenigen der von GIs in den USA begangenen Delikte.

Die Dunkelziffer der amerikanischen Vergewaltigungsverbrechen bewegt sich vermutlich noch weit jenseits der von Robert Lilly eruierten Zahl. Denn viele Fälle wurden weder von Kameraden noch von Vorgesetzten gemeldet. Aber auch bei der Verfolgung der bekanntgewordenen Vergewaltigungsverbrechen waren die Amerikaner mehr als lax: Gerade einmal die Hälfte der bekanntgewordenen Delikte wurden von der US-Militärjustiz geahndet, wobei es sich bei stattlichen 84 Prozent der Verurteilten um schwarze Soldaten handelte. Immerhin 21 Armeeangehörige wurden in Frankreich wegen Vergewaltigungsdelikten standrechtlich erschossen.

Im besetzten Deutschland hielten die US-Militärbehörden disziplinarische Strenge gegenüber der eigenen Truppe offenbar für entbehrlich – es handelte sich schließlich um das Land des besiegten Feindes. So wurde auf deutschem Boden gerade einmal ein Drittel der bekanntgewordenen Gewalttäter strafrechtlich verfolgt, und Todesurteile gab es überhaupt nicht.

Schon auf ihrem Weg durch das “befreite” Frankreich hatten sich die US-Truppen nicht viele Freunde gemacht. Vor und während der Invasion waren zahlreiche französische Städte bombardiert und zum Teil schwer in Mitleidenschaft gezogen worden. Hinzu kam die Eroberermentalität der GIs, die vor französischen Frauen und Kindern nicht haltmachte. Kein Wunder, daß die Begeisterung der Franzosen über die angelaufene “Befreiung” rasch abkühlte.

So stellte der US-Kriegsberichterstatter Rex North, der die Invasionsschlacht in Frankreich mitmachte, erstaunt fest: “60 Prozent der Bevölkerung verabscheuen uns. Das Schlimmste ist, daß jeder zweite [Franzose] die Deutschen lieber hat, so daß es unmöglich ist, zu den Eingeborenen [!] Vertrauen aufzubauen. Ich hatte erwartet, wie alle anderen auch, daß die alliierten Truppen als Befreier empfangen würden, aber jetzt, nach einer Woche hier, fühle ich mich von den Franzosen abgelehnt. Ich erwartete eine hungernde und unterdrückte Bevölkerung vorzufinden, die ungeduldig auf unsere Soldaten wartete, tatsächlich aber hat die Hälfte der Franzosen, die ich in der Normandie getroffen habe, gar keine Lust, ‘befreit’ zu werden.”
Quelle: Nation & Europa

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