Alliierte Buecher Zensur

…Büchervernichtung. Im Gegensatz zu den Bücherverboten samt öffentlichkeitswirksamen Verbrennungen unter dem NS-Regime ist die umfangreiche Büchervernichtung durch die Siegermächte nach 1945 kaum bekannt…

 

 NUR TEUFELSKRÄFTE KÖNNEN SO WAS TUN!

© JUNGE FREIHEIT Verlag GmbH & Co. www.jungefreiheit.de 20/07 11. Mai 2007

Frisch gepresst

Büchervernichtung. Im Gegensatz zu den Bücherverboten samt öffentlichkeitswirksamen Verbrennungen unter dem NS-Regime ist die umfangreiche Büchervernichtung durch die Siegermächte nach 1945 kaum bekannt. Einem Befehl des Obersten Chefs der Sowjetischen Militärverwaltung aus dem September 1945 folgend, wurde am 13. Mai 1946 der “Befehl Nr. 4” des Alliierten Kontrollrats erlassen, “die Einziehung von Literatur und Werken nationalsozialistischen und militaristischen Charakters betreffend”. Danach gab die Deutsche Verwaltung für Volksbildung in der sowjetischen Besatzungszone amtlich verbindliche “Listen der auszusondernden Literatur” heraus, auf die auch in den Westzonen zurückgegriffen wurde. Der ersten Liste von 1946 wurden 1947, 1948 und 1952 Nachträge mit insgesamt fast 35.000 Buchtiteln nachgereicht. 1983 wurden sie in der “Toppenstedter Reihe” des Verlages Uwe Berg als Reprints herausgegeben, die allerdings bald vergriffen waren. Nun hat derselbe Verlag in seiner “Sammlung bibliographischer Hilfsmittel zur Erforschung der Konservativen Revolution und des Nationalsozialismus” als Bände 1, 2, 3 und 8 diese “Liste” und deren Nachträge neu herausgegeben. Neben NS-ideologischen Werken und der kompletten Lehrliteratur von 1933 bis 1945 finden sich hierin unzählige Werke nicht-nationalsozialistischer Weltanschauung, denen wie bei Ernst von Salomon, Edwin Dwinger, Gottfried Benn oder Carl Schmitt und allen kritischen Werken zum Versailler Vertrag nach 1919 aber ein “militaristischer” Impetus unterstellt wurde (Liste der auszusondernden Literatur. Toppenstedt 2007, 4 Bände, broschiert, insgesamt 1.311 Seiten, zusammen 61 Euro)…

http://www.jf-archiv.de/online-archiv/file.asp?Folder=07&File=200720051155.htm&STR1=b%FCchervernichtung&STR2=&STR3=&STR4=

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Befehl vom 13. Mai 1946

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Die größte Büchervernichtungsaktion der Geschichte

Nachdem 1933 Adolf Hitler als Vorsitzender der stärksten Partei mit der Regierungsbildung beauftragt worden war, war es die Deutsche Studentenschaft, die unter Berufung auf die Verbrennungen papistischer Literatur durch Martin Luther und auf das Wartburgfest, bei dem revolutionäre Studenten feierlich Symbole reaktionärer Politik, darunter auch Schriften, auf Scheiterhaufen warfen, Bücher “undeutschen Geistes” öffentlich verbrannten. Es sollten Demonstrationen sein; mit Bücherverboten hatten die Aktionen nichts zu tun. Verbote setzten zunächst unkoordiniert von verschiedenen staatlichen und nichtstaatlichen Stellen ein, bis das Ministerium für Volksaufklärung und Propaganda unter Joseph Goebbels über die Reichsschrifttumskammer die einzig verbindlichen Bücherverbote aussprach. In jenen von der Reichsschrifttumskammer veröffentlichten Verbotslisten fanden auch Titel Eingang, die in der Zeit der Weimarer Republik auf den Schmutz-und-Schund-Listen der Polizei erschienen waren, deren Zahl aber permanent abnahm. Statt dessen wurde die Literatur von Emigranten (“Volksverräter”), Marxisten und Sowjetautoren und anderen aufgenommen. “Pornographen” machten 1939 nur noch zehn Prozent der verbotenen Bücher aus. Nach dem Standardwerk über “Nationalsozialistische Literaturpolitik” von Dietrich Strothmann (3. Aufl.: Bouvier, Bonn 1985; die erste Auflage erschien 1960) wurden “in den zwölf Jahren der NS-Herrschaft in Deutschland annähernd 12500 Bücher verboten”. Allerdings vertritt Dietrich Aigner in seiner umfangreichen Untersuchung über “Die Indizierung ‘schädlichen und unerwünschten Schrifttums’ im Dritten Reich”, veröffentlicht in Band XI des Archivs für Geschichte des Buchwesen 1971 (Buchhändlervereinigung, Frankfurt/Main, erste Auflage 1968) aufgrund seiner Forschungen die Ansicht, diese Zahl sei “viel zu hoch veranschlagt worden”. Nach seinen Untersuchungen enthielt die Verbotsliste der Reichsschrifttumskammer bis Ende 1938 insgesamt 4175 Einzeltitel und 565 Gesamtverbote, d.h. Verbote des Gesamtwerks von 565 Autoren. Diese Zahl schnellte in die Höhe, als 1941 der Krieg gegen die Sowjetunion begann und 337 zusätzliche Gesamtverbote ausgesprochen wurden gegen Autoren, die in einer positiven Beziehung zur Sowjetunion standen.

Man pflegt mit Nachdruck in öffentlichen Veranstaltungen und in Publikationen auf die Bücherverbote in der Zeit des Nationalsozialismus hinzuweisen, ohne an die in jeder Beziehung rigorosere und umfangreichere Büchervernichtung durch die Siegermächte nach dem verlorenen Zweiten Weltkrieg zu erinnern.

Als das buchhändlerische Fachorgan “Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel”, Frankfurt, 1989 in mehreren Folgen “Die Geschichte der Buchzensur” darstellte, wurde die Schilderung ab Mai 1945 unterbrochen, um wieder einzusetzen mit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland, über die dazwischen liegenden hinweggehend mit der pauschallsierenden Bemerkung, es habe sich nach dem Krieg “erneut eine gigantische Kontrollmaschinerie in Bewegung gesetzt”. Informationen aber fehlten.

Dabei wäre eine Darstellung nicht schwierig gewesen. Die Siegermächte hatten nämlich, fußend auf einem Befehl des Obersten Chefs der Sowjetischen Militärverwaltung in Deutschland vom 15. 9. 1945, wenige Monate später, nämlich am 13. 5. 1946, den “Befehl Nr. 4” des Kontrollrats erlassen, “die Einziehung von Literatur und Werken nationalsozialistischen und militaristischen Charakters betreffend”. Von der deutschen Verwaltung für Volksbildung in der sowjetischen Besatzungszone wurden in Zusammenarbeit mit der Schriftenprüfstelle bei der Deutschen Bücherei in Leipzig sogenannte “Listen der auszusondernden Literatur” herausgegeben, die auch in den westlichen Besatzungszonen amtlich verwendet wurden. Insgesamt erschienen nach dieser ersten Liste aus dem Jahre 1946 drei Nachträge mit zusammen 34645 Buchtiteln [VHO kommt hier auf insgesamt 32826 Buchtitel, vgl. Bücher Buchstabe Z, bzw. zusammen mit den Zeitschriftentiteln auf 35743, vgl. Zeitschriften Buchstabe Z]. Außerdem waren pauschal verboten, ohne daß die Titel einzeln aufgeführt wurden, alle Schulbücher aus den Jahren 1933 bis 1945. Die “Listen der auszusondernden Literatur” sind als Reprints vor einigen Jahren als die Bände 1-3 und 8 in der “Toppenstedter Reihe” des Verlages Uwe Berg in D-21442 Toppenstedt erschienen (1983f.). Um diese interessante Quelle jedem auf einfache Weise zugänglich zu machen, hat sich VHO entschieden, diese hier im Internet zu veröffentlichen. Somit kann sich jeder ein Bild verschaffen, welche Literatur in der Auffassung der Sieger als “nationalsozialistisch und militaristisch” galt.

Während in der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft verbotene Bücher in den Bibliotheken mit Archivfunktion gesammelt und sekretiert wurden, verfügte der Alliierte Kontrollrat, alle in dem Befehl erwähnten Veröffentlichungen und Materialien seien “den Zonen-Befehlshabern zwecks Vernichtung zur Verfügung zu stellen”. Und tatsächlich wurden aus den “ehemaligen staatlichen und städtischen Büchereien”, aus den “Universitäten, den Höheren und Mittleren Lehranstalten, aus allen Forschungsinstituten und Akademien, aus allen technischen oder wissenschaftlichen Gesellschaften”, sogar aus den Elementarschulen, aus allen Buchhandlungen und Verlagshäusern alle Bücher, welche “nationalsozialistische Propaganda, Rassenlehre und Aufreizung zu Gewalttätigkeiten oder gegen die Vereinten Nationen gerichtete Propaganda” enthielten, entfernt und vernichtet. Es war dies sicherlich die größte Büchervernichtungsaktion der Weltgeschichte.

Beschlagnahmungen verbotener Bücher in Privatwohnungen waren nicht vorgesehen, doch kam es durchaus zu solchen Aktionen, wie es beispielhaft aus einer Aktennotiz aus der Gemeindeverwaltung der in der sowjetischen Besatzungszone gelegenen Gemeinde Feldberg in Mecklenburg hervorgeht. Dort wird unter dem Datum 19. 6. 1945 festgehalten, daß der von der Besatzungsmacht eingesetzte Bürgermeister “im Hause Saßmannshausen, Fürstenbergerstr. 11” eine Hausdurchsuchung veranlaßt hat. Dabei wurden “in einem Schuhschrank, der auf dem Flur der Wohnung Köhler-Schücke stand, zwei nationalsozialistische Bücher gefunden, und zwar das Buch “Brest-Litowsk” von Theodor Krüger und das Buch “Kriegsdichter erzählen” von August Friedrich Velmede, ( … ) Frau Hirchert wird darum von mir zu 48 Stunden Haft verurteilt. Die Haft beginnt am 19. Juni mittags 12 Uhr und endet am 21. Juni mittags um 12 Uhr. Die beiden gefundenen Bücher sind beschlagnahmt. Der Bürgermeister, Ditzen.” Dabei handelt es sich um niemand geringerem als um den Schriftsteller Hans Fallada, der stets Bücher im Geiste der jeweils herrschenden Macht schrieb und sich nach der Besetzung seines Dorfes durch die Rote Armee ihr sogleich angedient hatte.

Selbst Ulrich von Hutten und die “Pferdefibel”

Wer meint, in den “Listen auszusondernder Literatur” der Siegermächte seien ausnahmslos Werke nationalsozialistischer Observanz zu finden, der wird bei der Lektüre eines besseren belehrt, Werke Friedrich Nietzsches sind ebenso zu finden wie solche von Gottfried Benn; man trifft auf die Autoren Ernst Jünger, Ernst-Moritz Arndt, Helmut von Moltke, Bismarcks “Gedanken und Erinnerungen” mußten vernichtet werden, aber auch ein Buch des später so erfolgreichen Verfassers des “Räubers Hotzenplotz”, Ottfried Preussler, sowie alles über die Olympischen Spiele 1936. Bücher von Friedrich dem Großen wurden ebenso verboten wie solche von. Ulrich von Hutten (1511-1546). Verblüfft erfährt man, daß das im Dritten Reich verboten gewesene Buch “Die Herrschaft der Minderwertigen” des Hitler-Gegners Edgar J. Jung verboten bleibt, dessentwegen der Autor 1934 von Nationalsozialisten ermordet worden war. Man fragt sich, was wohl in einem Buch über “Die Aufgaben der Gemeindepolltik” aus dem Jahre 1919 so Gefährliches für die Alliierten enthalten gewesen sein mag, doch wundert man sich über nichts mehr, wenn man in der Liste der verbotenen Bücher sämtliche Ausgaben des “Deutschen Bauernkalenders” findet, das Buch eines Autors Belz “Unter den Tuaregs”, eine “Pferdefibel”, Carl von Clausewitz’ “Vom Kriege” (natürlich!), aber auch Bücher wie “Der Diplom-Volkswirt”, “Der Diplom-Landwirt” und “Der Diplom-Kaufmann”.

Es leuchtet ein, daß ein Werk über die “Gewinnbeteiligung der Gefolgschaft” verschwinden mußte, handelte es sich dabei doch um eine typische NS-Forderung. Was aber war der Grund für das Verbot des Buches “Die Geschichte der Königsberger Klempnerinnung”? Auch das dichterische Werk des Arbeiterdichters Heinrich Lersch mußte dran glauben wie die Bücher von Artur Maraun, die auch während der NS-Herrschaft verboten waren. So erging es auch den Büchern von Moeller van den Bruck. Sie waren vor 1945 verboten und blieben es auch nach 1945. Hermann Pongs hatte 1933 ein Buch über “Die Allgemeinbildung an der Technischen Hochschule” verfaßt. Es wurde verboten wie auch zehn Titel von Carl Schmitt – natürlich! Aber auch Ina Seidel war auf dem Index, ebenso wie die 1941 erschienene “Tennisfibel”. Und das Erstaunen nimmt kein Ende: Die Gedichte Walters von der Vogelweide erschienen den Besatzern so gefährlich, daß sie vernichtet werden mußten. Pikant, daß man offensichtlich auch von Juden stammende Werke auf der Verbotsliste findet, nämlich die Bücher von Boris Germansky, die 1938 in Jerusalem erschienen waren, in der “Eretz-Israel Press”, und die die Titel trugen “Der autonome und nationale Mensch” und “Der absolut nationale Mensch”. Um das Maß voll zu machen, verbot man ein Buch über den Schutz der Hecken und Knicks, herausgegeben vom Reichsbund für Vogelschutz (der heute noch existiert unter dem Namen “Naturschutzbund Deutschland”), sowie eine Anleitung aus dem Berg-Verlag “Wir bauen ein Iglu”.

Verbrannt wurden die Bücher allerdings nicht, so daß das gern im Zusammenhang mit der demonstrativen Bücherverbrennung der Deutschen Studentenschaft verwendete Heine-Zitat “Wo man Bücher verbrennt, dort verbrennt man auch Menschen” hier nicht am Platze wäre. Es ist allerdings schwer ein Unterschied auszumachen zwischen den öffentlichen Bücherverbrennungen und der millionenfachen Büchervernichtung auf anderen, moderneren Wege, Der Effekt ist der gleiche.

(nach: Martin Lüders, Nation und Europa, 47. Jg., Heft 9/1997, S. 7-11.)

Quelle: http://www.vho.org/censor/Lueders.html

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Alliierte Zensur

Die größte Büchervernichtung aller Zeiten mit dem Ziel der Auslöschung der deutschen Kultur und der totalen Vernichtung der kollektiven Erinnerung der Deutschen fand nach 1945 durch alliierte Besatzungstruppen an deutschem Kulturgut statt.

Die Vernichtung geht zurück auf den Kontrollratsbefehl Nr. 4 vom 13. Mai 1946, um die geplante Umerziehung der Deutschen wirksam durchführen zu können. Die „Liste der auszusondernden Literatur“ wurde dabei zuerst in der damaligen SBZ in Mitteldeutschland erstellt, später von den drei westlichen Besatzungszonen eilfertig übernommen. Darüber hinaus gab es in jeder Besatzungszone West- und Mitteldeutschlands weitere eigene Listen mit ebenso zensierten Schriften. Insgesamt wurden 35.743 Titel und Schriften aus Bibliotheken und Büchereien ausgesondert und vernichtet, darunter auch Zigarettenbilderalben, Deutsche Heldensagen und Kinderbücher. Für Bücherreihen und Zeitschriften wurden darüber hinaus sogenannte „Gruppenverbote“ verhängt, die dann für sämtliche Auflagen, Ausgaben und Jahrgänge galten. Bei dem Ziel der Büchervernichtung bestand traute Einigkeit zwischen der sowjetischen Besatzungsmacht einerseits und den westlichen Siegermächten andererseits.

„Das Interesse beider Systeme war es, in erster Linie die Ausstrahlungskraft des Gedankens der Volksgemeinschaft im Innersten zu zerstören und damit schon im Ansatz eine Wiederholung dieses augenscheinlich aussichtsreichen Versuchs der Überwindung des Liberalkapitalismus zu verhindern. Die Weiterverfolgung dieses Kriegszieles über den Waffenstillstand hinaus offenbarte sich in der Indizierung von 35.743 deutschsprachigen Buchtiteln als ‚Träger nationalsozialistischen Gedankenguts‘ durch den Alliierten Kontrollrat mit der sich daran anschließenden größten Büchervernichtung der Weltgeschichte.“[1]

Im Gegensatz zur nichtstaatlich organisierten Aktion wider den undeutschen Geist des Jahres 1933, die alleinig eine kulturelle Reinigung Deutschlands nach der Zersetzung während der Weimarer Zeit zum Ziel hatte und in ihrer Symbolik durch nichts mit der alliierten Büchervernichtung vergleichbar ist, war der Zweck der alliierten Büchervernichtung die totale kulturelle Zerstörung ihres außenpolitischen Konkurrenten Deutschland. Kein Deutscher hat es jemals gewagt, das Kulturgut eines anderen Landes so anzutasten oder gar gezielt zu zerstören in einer Weise, wie dies gegen Deutschland durchgeführt wurde. Während des anglo-amerikanischen Terrorbombenkrieges gegen deutsche Städte waren schon bereits zuvor Millionen von Büchern verbrannt, darunter unwiederbringliche Kulturschätze.

Die Lizenzzeitungen waren Ausgangspunkt der Entwicklung der antinationalen gleichgeschalteten Massenmedien, deren Aufgabe die Ausformung der öffentlichen Meinung ist.

In Deutschland gab es von 1933 bis 1945 eine „Deutsche Zentralpolizeistelle für die Bekämpfung unzüchtiger Bilder, Schriften und Inserate“, deren Beamte nach billigem Ermessen Bücher entwendeten. Die alliierten „Säuberer“ streiften ähnlich Büchersammlungen durch und extrahierten Bände vor Ort.
Alliierte Bücherverbrennung in der SBZ.jpg

Die Liste beginnt einleitend:

Folgende Gruppen von Büchern sind im ganzen zu sperren, ohne daß die Titel einzeln aufgeführt werden:

Die Schulbücher aus den Jahren 1933-1945.
Die Baupläne für Modelle von Flugzeugen, Kriegsschiffen und Kriegsfahrzeugen, in der Regel mit gedruckten Anleitungen versehen.
Die Dienstvorschriften des Heeres, der Luftwaffe und der Marine.

Folgende Einzelschriften sind zu sperren (…)

Bücher in Privatbesitz waren von der Bücherverbrennung nach der „Befreiung“ 1945 in der Regel jedoch nicht betroffen und konnten, wenn auch zumeist heimlich, in den folgenden Jahrzehnten weitergereicht und gelesen werden. In der SBZ wurden auch private Büchersammlungen durchschnüffelt und gegebenenfalls der Vernichtung zugeführt. Darüber hinaus ist jedoch derzeit der antiquarische Vertrieb einiger dieser Bücher in der BRD nicht (mehr) eingeschränkt.

Zerschlagung historischer Buchbestände in der DDR

Systematisch sind in der DDR, vor allem im Zuge der Gebiets- und Verwaltungsreform von 1952/53, fast alle kleineren und mittleren historischen Bibliotheken liquidiert worden. Die Landesbibliotheken in Altenburg, Dessau, Neustrelitz und Sondershausen, dazu Dutzende von alten Rats-, Schul-, Archiv- und Klosterbibliotheken in Eisenach, Grimma, Güstrow, Meissen, Plauen, Saalfeld, Wernigerode und anderswo – sie alle wurden ausgeschlachtet, zerschlagen, geschlossen oder zu Stadtbibliotheken degradiert. Man favorisierte vermeintlich fortschrittliche Büchereien für Arbeiter und Bauern sowie wissenschaftliche Allgemeinbibliotheken mit „einem an den Grundwerten des Sozialismus orientierten Buchbestand“. Frühere Feudalbibliotheken aus Zeiten der deutschen Kleinstaaterei, voll mit verstaubten bürgerlichen Bildungsgütern, wollte man nicht fortführen in der DDR. So wurden im sächsischen Grimma die Bücher der 1543 gegründeten Fürstenschule über viele Jahre hinweg verfeuert, verteilt, veruntreut oder verramscht. Ein „Sachsenspiegel“ von 1474 verschwand spurlos, Pergamentbände wurden für zwei Mark das Stück verkauft, Briefe von Melanchthon und anderen Humanisten wanderten vermutlich ins Altpapier.

Die vielen hunderttausend Bücher, die allerorten mit Lastwagen abtransportiert wurden aus all den Bibliotheken, die zwar eine grosse Vergangenheit, nun aber keine Zukunft mehr hatten, wurden überwiegend der nächstbesten Universitäts- oder Grossbibliothek zugeschlagen, wo sie die oft beträchtlichen Kriegsverluste ersetzen sollten. Interesse und Kapazitäten der Bibliotheken in Berlin, Dresden, Gotha, Halle, Jena, Leipzig und Schwerin waren jedoch begrenzt, denn dort lagerten in feuchten Kellern oder baufälligen Aussenmagazinen schon zahllose Schloss- und Adelsbibliotheken, deren Besitzer 1945 in den Westen geflüchtet oder durch die anschliessende Bodenreform enteignet worden waren.

Altpapier oder Devisen

1953 wurde deshalb die Zentralstelle für wissenschaftliche Altbestände gegründet, die zunächst der Gothaer Landesbibliothek, ab 1959 der Ostberliner Staatsbibliothek angegliedert war. Ihre Aufgabe sollte es sein, die Bestände der aufgelösten Bibliotheken sowie die Dubletten der Grossbibliotheken zu sichten, bibliographisch zu erfassen und dann an solche Bibliotheken zu verteilen, die Bedarf an diesen Werken anmeldeten. Die vielen alten Bücher sollten andernorts neue Leser finden. So weit die Theorie. Die realsozialistische Praxis sah dann ganz anders aus. Zwischen 1959 und 1989 gingen der Zentralstelle mehr als sechs Millionen Bücher zu. Die Bibliotheken, denen all diese Bücher zugute kommen sollten, interessierten sich jedoch für nur etwa 700 000 Werke, rund zehn Prozent des Altbestandes. Was geschah mit dem riesigen Rest? Man versuchte, ihn volkswirtschaftlich sinnvoll zu verwerten. Dazu gab es zwei Möglichkeiten: Die eine davon hiess „VEB Sekundärrohstoffverwertung“, das heisst auf Deutsch: Ab zum Altpapier. Fast drei Millionen Bücher, überwiegend neuere Literatur, aber auch alte Werke in beklagenswertem Zustand, um die man weiter kein Aufhebens machen wollte, wurden eingestampft und zu Papierbrei vermahlen. Die zweite Möglichkeit war etwas eleganter, vor allem aber sehr viel profitabler: Sie hiess „Zentralantiquariat Leipzig“. Gut drei Millionen Bände gingen diesen Weg.

Dem 1959 gegründeten Zentralantiquariat (ZA) waren die alten Bücher eine überaus willkommene Ware, die sich blendend verkaufen liess, aber nicht im Inland, sondern via „Buchexport“ an das kapitalistische Ausland. Schon im Mai 1958 war im Leipziger „Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel“ dazu aufgerufen worden, „alle Reserven zu mobilisieren, um exportfähige Titel zur Verfügung zu stellen“, die dadurch zu erzielenden Devisen sollten „der Verbesserung der Lebenslage der Bevölkerung“ dienen. Die Bibliothekare aus Berlin arbeiteten Hand in Hand mit den Antiquaren aus Leipzig. Man sichtete gemeinsam die Altbestände und zerschlug oft schon an Ort und Stelle die fraglichen Sammlungen, indem man die Bücher kurzerhand auf drei grosse Haufen verteilte: einen für die Zentralstelle für wissenschaftliche Altbestände (ZwA), einen für das Zentralantiquariat und einen für die Makulatur. Nachdem 1961 in der Landesbibliothek Dessau 13 500 Bände flüchtig gesichtet worden waren, fiel die Bilanz folgendermassen aus: „1 Tonne ältere Zeitschriften – unbrauchbar. 5 Tonnen Monographien und Serien – an das ZA. 2,5 Tonnen Biographien, Genealogien, Rara, Länder- und Reisebeschreibungen – an die ZwA.“ Dass sich jedoch „auch unter angeblichen Makulaturbergen wertvolle Stücke“ verbargen, war dem ersten Leiter der Zentralstelle, Gerhard Pachnicke, zwar bewusst, änderte aber wenig an der Praxis.

Weil viel Geld zu verdienen war mit diesen alten Büchern und da zugleich auch die staatlichen Planvorgaben bezüglich der zu erzielenden Exporterlöse höher wurden, begannen die Antiquare bald, sich mit den Bibliothekaren darüber zu streiten, wer zuerst zugreifen durfte. Das Zentralantiquariat wollte sich nicht länger mit den minderwertigen Restbeständen begnügen, sondern die besten Bücher zum Verkauf haben, und zwar möglichst vorab. Fortan ging nicht nur Dutzendware aus dem 18. und 19. Jahrhundert ans Zentralantiquariat, es gelangten vielmehr immer wieder auch kostbare Werke des Barock, Rara und Illustrata, Erst- und Prachtausgaben nach Leipzig, wo in zehn Lagern unter miserablen Bedingungen Millionen von Büchern und Zeitschriften gehortet wurden. Weil der Verkauf jedes einzelnen Titels per Katalog oder Auktion langwierig war und die Begehrlichkeiten westlicher Händler grösser wurden, ging man bald dazu über, an bevorzugte Grosskunden wie Thulin in Stockholm, Hans Horst Koch in Westberlin und nicht zuletzt Ulrich Keip in Frankfurt Jahr für Jahr ganze Lastwagen, später Container voller Bücher zu verkaufen. Aus Kulturgut war Stückgut geworden.

Sehr trüb wurden die Geschäfte mit den alten Büchern dann in den achtziger Jahren, als die Devisenknappheit der DDR einerseits und die Nachfrage aus der BRD andererseits immer grösser wurden. Eine besonders zwielichtige Rolle spielte dabei Johannes Wend, der lange Jahre die Geschäfte des Zentralantiquariates mitbestimmte, ehe er 1987 zum volkseigenen Betrieb „Kunst und Antiquitäten“ mit Hauptsitz in Mühlenbeck bei Berlin wechselte. Die von der Staatssicherheit geführte Firma unterstand dem Ministerium für Aussenhandel des Staatssekretärs Alexander Schalck-Golodkowski und hatte nur ein Ziel, der DDR mit allen Mitteln Devisen zu verschaffen.

Gezielter Ausverkauf

Überfallartig suchten die Angestellten der Firma die privaten Sammler des Landes heim und beschlagnahmten unter dem Vorwand angeblicher Steuerhinterziehung Bilder, Antiquitäten, Münzen, Porzellan und andere Preziosen im Wert von vielen Millionen Mark, plünderten nebenbei die Depots der staatlichen Museen und verscherbelten dann alles in den Westen. Der Berliner Journalist Günter Blutke hat über diese „Obskuren Geschäfte mit Kunst und Antiquitäten“ (Berlin 1990) einen Kriminalreport geschrieben. Für diese Firma hat Wend in den letzten zwei Jahren der DDR von Leipzig aus Bücher und Grafik aus privatem und staatlichem Besitz erst begutachtet, dann beschlagnahmt (oder pro forma aufgekauft) und schliesslich verschoben. So liess Wend beispielsweise Ende 1988 aus den Archiven im thüringischen Altenburg und im sächsischen Döbeln Hunderte von alten Büchern abtransportieren, vorgeblich, um sie vor dem Verfall zu retten, tatsächlich, um sie an Ulrich Keip in Frankfurt zu verkaufen, wie Bernt Ture von zur Mühlen im Frankfurter „Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel“ (12/1990) berichtet hat.

Dass die systematische Zerschlagung historischer Buchbestände, mit der die Geschichte und die Identität ganzer Regionen ausradiert wurde, ein „Akt der grossen Kulturbarbarei“ (so der Münchner Buchhistoriker Reinhard Wittmann) und der gezielte Ausverkauf von mehreren Millionen Büchern unverantwortlich, teilweise auch kriminell gewesen ist, darüber besteht kein Zweifel. Und dennoch muss man zugleich berücksichtigen, dass die vielerorts von Feuer angesengten, von Wasser aufgeweichten, von Schimmel überzogenen oder von Mäusen und Würmern angefressenen Bücher kleiner Bibliotheken fallweise tatsächlich besser aufgehoben waren in den grossen Häusern und dass es verantwortliche Bibliothekare gegeben hat, die einzelne Bestände vor Zerschlagung und Verkauf bewahrt haben. Und wahr ist auch, dass der planwirtschaftliche Ausverkauf von Kulturgütern in das kapitalistische Ausland nie ein solches Ausmass hätte annehmen können, wenn es nicht im Westen sehr geschäftstüchtige, sehr skrupellose Antiquare gegeben hätte, deren teils unwissende, teils gutgläubige Kunden mehr Begehrlichkeiten als Bedenken hatten.

Spricht man heute mit den Handelnden von damals, findet man niemanden, der sein seinerzeitiges Treiben bedenklich oder gar verwerflich finden würde. Helmut Kazimirek, der lange Jahre die Geschäfte des von der Staatssicherheit kontrollierten Zentralantiquariates in Leipzig bestimmte und heute als Vertriebsleiter der Fachzeitschrift „Auto & Elektronik“ in Heidelberg arbeitet, behauptet auf Nachfrage, dass das Zentralantiquariat überwiegend Dutzendware, vor allem Dissertationen, in den Westen verkauft habe. Im Übrigen nimmt er für sich und seine damaligen Mitarbeiter in Anspruch, dass sie jederzeit morgens in den Spiegel hätten sehen können. Sein seinerzeit bevorzugter Geschäftspartner und Duzfreund Ulrich Keip, der nach eigener Auskunft von 1965 bis 1989 „mit weitem Abstand der grösste Abnehmer“ der vom Zentralantiquariat verhökerten Bücherberge war, ist heute mit seiner Firma in Goldbach bei Frankfurt ansässig; ihm gehören ausserdem das Hamburger Antiquariat sowie das Geschäft seines früheren Konkurrenten Hans Horst Koch in Berlin.

Normale Geschäfte?

„Ganze Lastzüge“ voller Bücher seien damals über die Grenze gerollt, erinnert er sich, „zig Tonnen“ habe er Jahr für Jahr gekauft, nicht nur beim Zentralantiquariat in Leipzig, sondern auch bei der gefürchteten Firma Kunst und Antiquitäten in Mühlenbeck, am Ende dann auch direkt in der Dépendance von Johannes Wend in Leipzig. Normale deutsch-deutsche Geschäfte seien das gewesen, ordnungsgemäss abgewickelt hüben wie drüben. Wo all die Bücher hergekommen und auf welche Weise seine Geschäftspartner in den Besitz dieser Altbestände gelangt seien, habe ihn „nicht weiter interessiert“. Seine Kunden übrigens auch nicht, so seien seinerzeit grosse Mengen juristischer Literatur vom Bonner Bundesjustizministerium und vom Bundesgerichtshof in Karlsruhe gekauft worden. Johannes Wend schliesslich, der sich nach der Wende in Leipzig trotz manchen Anfeindungen im Handumdrehen selbständig zu machen verstanden hatte, ist mittlerweile gestorben, sein Sohn Christian führt die Geschäfte fort.

Die meisten der damals zerschlagenen Bibliotheken haben sich bis heute nicht wieder erholt. Die traditionsreichen Fürstenschulen in Grimma und Meissen verfügen über keinen historischen Buchbestand mehr, die Carl-Alexander-Bibliothek in Eisenach besitzt nur noch ein Zehntel ihrer einstmals 60.000 Bücher, viele andere einst prächtige Bibliotheken fristen heute als gehobene Stadtbüchereien eine traurige Randexistenz. Die Aussichten, dass die betroffenen Bibliotheken ihre früheren Bestände zurückerhalten könnten, sind gering, weil in der Regel niemand nachvollziehen kann, wo sich ihre von der Zentralstelle verteilten oder vom Zentralantiquariat verkauften Bücher heute befinden. Ausserdem haben sie – im Gegensatz zu den durch die Bodenreform enteigneten Privatpersonen – rechtlich keinen Anspruch auf Rückgabe, denn gegen geltende Gesetze wurde nur in Einzelfällen verstossen.

Dennoch bemüht man sich mancherorts, die Fehler der Vergangenheit wenigstens teilweise wieder gutzumachen. So hat die Sächsische Landesbibliothek in Dresden kürzlich 2100 alte Drucke an die Christian-Weise-Bibliothek in Zittau, die um 1980 herum rund 20.000 Bände hatte abgeben müssen, retourniert. Die Anhaltische Landesbibliothek in Dessau hat einen Teil ihrer historischen Bestände aus Halle zurückerhalten, und die Universitätsbibliothek Jena hat schon vor der Wende 184 Stahlblechkisten voller Bücher wieder nach Rudolstadt bringen lassen, 1992 dann auch den verbliebenen Rest, eine aparte Sammlung kleinformatiger Erotika. Die über das Zentralantiquariat in alle Welt verkauften Bücher jedoch sind für immer verloren.

http://de.metapedia.org/wiki/Alliierte_Zensur

http://de.metapedia.org/wiki/Zerschlagung_historischer_Buchbest%C3%A4nde_in_der_DDR

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“Index” der in der sowjetischen Besatzungszone (und zumeist auch in den drei Westzonen) verbotenen Literatur Inhaltsverzeichnis und Bücher Buchstabe A (und auf folgenden Seiten die anderen Buchstaben)


Der Übersichtlichkeit halber werden die vier in den Jahren 1946, 1947, 1948 und 1952 herausgegebenen “Listen der auszusondernden Literatur” in den nächsten Wochen zusammengefaßt und die darin alphabetisch geordneten Bücher unter dem jeweiligen Buchstaben aufgelistet werden, jedoch nicht neu sortiert. Daher wird hier im Endzustand jeder Buchstabe aus vier alphabetisch geordneten Teillisten bestehen. Schreib- und Satzfehler sind überwiegend auf die OCR-Datenerfassung zurückzuführen. Wir bitten diese zu entschudligen. Für korrigierte Seiten bedanken wir uns im voraus; für Nachfragen stehen wir selbstverständlich zur Verfügung. VHO:

Liste der Auszusondernden Literatur

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