Mythus*Rosenberg Buch 1-Rasse

germanvictims.com – …Die große Persönlichkeit Jesu Christi, wie immer sie auch gestaltet gewesen sein mag, wurde gleich nach ihrem Hinscheiden mit allem Wust des vorderasiatischen, des jüdischen und afrikanischen Lebens beladen und verschmolzen. In Kleinasien übten die Römer ein straffes Regiment aus und trieben unerbittlich ihre Steuern ein; in der unterdrückten Bevölkerung entstand folglich die Hoffnung auf einen Sklavenführer und Befreier: das war die Legende vom C h r e s t o s. Von Kleinasien gelangte dieser Chrestosmythus nach Palästina, wurde lebhaft aufgegriffen, mit dem jüdischen Messiasgedanken verbunden, und schließlich auf die Persönlichkeit Jesu übertragen. Diesem wurden neben seinen eigenen Predigten die Worte und Lehren der vorderasiatischen Propheten in den Mund gelegt und zwar in der Form einer paradoxen Überbietung altarischer Forderungen, wie z.B. des 9-Gebote-Systems, das schon vorher von den Juden in ihren 10 Verboten für sie selbst zurechtgestutzt worden war*. So verband sich Galiläa mit ganz Syrien und Vorderasien…

Pdf-Buch, EINLEITUNG, INHALT  <—————————-

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Der Mythus des 20. Jahrhunderts

Alfred Rosenberg

 

Erstes Buch:

Das Ringen der Werte

I. Rasse und Rassenseele

II. Liebe und Ehre

II. Mystik und Tat

Ich bin nur König, solange ich frei bin.

Friedrich der Große.

 

[21] bis [144]

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 I.    Rasse und Rassenseele

Es beginnt heute eine jener Epochen, in denen die Weltgeschichte neu geschrieben werden muß. Die alten Bilder menschlicher Vergangenheit sind verblaßt, die Umrißlinien der handelnden Persönlichkeiten erscheinen verzeichnet, ihre inneren Triebkräfte falsch gedeutet, ihr gesamtes Wesen meist ganz verkannt. Ein junges und sich doch als uralt erkennendes Lebensgefühl drängt nach Gestaltung, eine Weltanschauung wird geboren und beginnt willensstark mit alten Formen, geheiligten Gebräuchen und übernommenen Gehalt sich auseinanderzusetzen. Nicht mehr geschichtlich, sondern grundsätzlich. Nicht auf einigen Sondergebieten, sondern überall. Nicht nur an den Wipfeln, sondern auch an den Wurzeln.

Und das Zeichen unserer Zeit ist: Abkehr vom grenzenlosen Absolutum. D.h., Abwendung von einem über alles Erlebbare, Organische gehenden Wert, den sich einst das vereinsamte “Ich” setzte, um eine übermenschliche Gemeinsamkeit der Seelen Aller friedlich oder gewaltsam herbeizuführen. Ein solches Endziel war einst die “Verchristlichung der Welt” und ihre Erlösung durch den wiederkehrenden Christ. Als ein anderes Ziel erschien der Traum als Humanisierung der Menschheit. Beide Ideale sind im blutigen Chaos und in der Neugeburt des Weltkriegserlebnisses begraben worden, trotzdem gerade jetzt das eine und das andere eine sich immer mehr fanatasierende Pristerschaft und Anhängerschaft findet. Das sind Erstarrungsvorgänge, nicht mehr lebendiges Leben; ein Glaube, der

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Der Weg zur Blutschande

in der Seele starb, ist nicht mehr von den Toten zu erwecken. Menschheit, All-Kirche und das von den Blutzusammenhängen gelöste, selbstherrliche Ich sind uns keine absoluten Werte mehr, sondern verzweifelte, ja zum Teil ganz brüchig gewordene Satzungen einer polaritätslosen Naturvergewaltigung zugunsten von Abstraktionen. Die Flucht des 19. Jahrhunderts zum Darwinismus und Positivismus war der erste große, nur rein bestialische Protest gegen die Ideale lebens- und luftleer gewordenen Mächte, die uns einst aus Syrien und Kleinasien überzogen und eine geistige Entartung vorbereitet hatten. Von der im All verschwimmenden Christlichkeit und der Humanitas mißachtet wurde der Strom blutigroten wirklichen Lebens, der das Geäder aller echten Volksart und jeder Kultur durchrauschte; oder aber das Blut wurde zur chemischen Formel entseelt und dadurch “erklärt.” Heute aber beginnt ein ganzes Geschlecht zu ahnen, daß nur dort Werte geschaffen und erhalten werden, wo noch das Gesetz des Blutes Idee und Tat des Menschen bestimmt, sei es bewußt oder unbewußt. Auf unterbewußter Stufe vollzieht der Mensch in Kult und Leben die Gebote des Blutes gleichsam im Traumschlaf, “natursichtig”, wie ein glückliches Wort das Wesen dieser Übereinstimmung zwischen Natur und Gesittung bezeichnet. Bis die Gesittung in Ausfüllung aller unterbewußten Tätigkeit Bewußtseins- und Lehrinhalt, immer mehr intellektuell wird und auf später Stufe nicht schöpferische Spannung, wohl aber Zwiespalt begründet. So entfernen sich Vernunft und Verstand von Rasse und Art, losgelöst aus den Banden des Blutes und der Geschlechterreihen fällt das Einzelwesen absoluten, vorstellungslosen Geistesgebilden zum Opfer, löst sich immer mehr von der artlichen Umwelt, mischt sich mit feindlichem Blut. Und an dieser Blutschande sterben dann Persönlichkeit, Volk, Rasse, Gesittung. Dieser Rache des Blutes ist niemand entgangen, der die Religion

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Ein neues Geschichtsbild

des Blutes mißachtete: weder die Inder noch die die Perser noch die Griechen noch die Römer. Dieser Rache wird auch das nordische Europa nicht entgehen, wen es nicht Umkehr hält und sich von geistig leeren Nebengebilden, blutlosen absolutem Ideen abwendet und wieder vertrauend hinzuhorchen beginnt auf den verschütteten Sprudel seines ureigenen Lebenssaftes und seiner Werte.

Ein neues beziehungsreiches farbiges Bild der Menschen-und Erdengeschichte beginnt sich heute zu enthüllen, wenn wir ehrfürchtig anerkennen, daß die Auseinandersetzung zwischen Blut und Umwelt, zwischen Blut und Blut die letzte uns erreichbare Erscheinung darstellt, h i n t e r der zu suchen und zu forschen uns nicht mehr vergönnt ist. Diese Anerkennung aber zieht sofort die Erkenntnis nach sich, daß das Kämpfen des Blutes und die geahnte Mystik des Lebensgeschehens nicht zwei verschiedene Dinge sind, sondern ein und dasselbe auf verschiedene Weise darstellen. Rasse ist das Gleichnis einer Seele, das gesamte Rassengut ein Wert an sich ohne Bezug auf blutleere Werte, die das Naturvolle übersehen, ohne auf Bezug auf Stoffanbeter, die nur das Geschehen in Zeit und Raum erblicken, ohne dies Geschehen als das größte und letzte aller Geheimnisse zu erfahren.

Rassengeschichte ist deshalb Naturgeschichte und Seelen-Mystik zugleich; die Geschichte der Religion des Blutes aber ist, umgekehrt, die große Welterzählung vom Aufstieg und  Untergang der Völker, ihrer Helden und Denker, ihrer Erfinder und Künstler.

Tiefer als man jemals früher zu denken wagte, kann sich heute der geschichtsbildende Blick in die Vergangenheit zurückversenken. Die Denkmäler aller Völker liegen jetzt ausgebreitet vor uns, die Ausgrabungen urältester Zeugnisse menschlicher Bildnerkunst lassen einen Vergleich der Triebkräfte der Kulturen zu, die Mythen von Island bis nach Polynesien sind gesammelt, die Schätze der Mayas

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Entschleierte Vorgeschichte

zum großen Teil gehoben. Hinzu ist die Geologie gekommen, die imstande ist, heute die Landkarten von Zehntausenden von Jahren vor unserer Zeitrechnung zu zeichnen.

Unterseeforschungen hoben aus großer Tiefe des Atlantischen Ozeans starre Lavamassen von den Gipfeln einst plötzlich versunkener Gebirge, in deren Tälern einst Kulturen entstanden waren, ehe eine oder viele furchtbare Katastrophen über sie hereinbrachen. Die Erderforscher zeichnen uns Festlandblöcke zwischen Nordamerika und Europa, deren Überreste wir noch heute in Grönland und Island erblicken. Sie weisen uns nach, daß andererseits Inseln des  hohen Nordens (Nowaja Semlja) alte Wasserlinien aufzeigen, die mehr als 100 Meter über der jetzigen liegen; sie machen wahrscheinlich, daß der Nordpol eine Wanderung gemacht,  daß in der heutigen Arktis ein viel milderes Klima geherrscht hat. Und dies alles zusammen läßt heute die uralte Sage über die Atlantis in einem neuen Licht erscheinen.

 

Es erscheint als nicht ganz ausgeschlossen, daß an Stellen, über die heute die Wellen des Atlantischen Ozeans rauschen und riesige Eisgebirge herziehen, einst ein blühendes Festland aus den Fluten ragte, auf dem eine schöpferische Rasse eine große, weitausgreifende Kultur erzeugte und ihre Kinder als Seefahrer und Krieger hinaussandte in die Welt; aber selbst wenn    sich diese Atlantishypothese als nicht haltbar erweisen sollte, wird ein nordisches vorgeschichtliches Kulturzentrum angenommen werden müssen.

Schon lange haben wir es aufgeben müssen, an eine g l e i c h a r t i g e Entstehung von Mythen, Kunst- und Religionsformen bei allen Völkern zu glauben. Der streng begründete Nachweis vieler Sagenwanderungen von Volk zu Volk und ihre Festsetzung bei verschiedenen Völkergruppen hat, im Gegenteil, gezeigt, daß die meisten Grund-Mythen einen ganz bestimmten Ausstrahlungspunkt, ihren Ort der Schöpfung haben, in ihrer äußeren Form auch

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 Geburt des Sonnenmythus

nur durch eine ganz bestimmte Umwelt begreiflich erscheinen, so daß auch für die urältesten Zeiten große Wanderungen der Rassen und Völker zur Gewißheit werden. So ist denn der solare (Sonnen) Mythus nebst seinen Begleiterscheinungen nicht als “allgemeine Entwicklungsstufe” überall selbsttätig entstanden, sondern dort geboren worden, wo das Erscheinen der Sonne ein kosmisches Erlebnis von größter Eindringlichkeit gewesen sein muß: im hohen Norden. Nur dort konnte die scharfe Scheidung der Jahreshälften vorgenommen werden, nur dort konnte die Sonne bis ins Innerste der Seele Gewißheit für den lebenerneuernden schöpferischen Urgehalt der Welt werden. Und deshalb wird die alte verlachte Hypothese heute Wahrscheinlichkeit, daß von einem nordischen Mittelpunkt der Schöpfung, nennen wir ihn, ohne uns auf die Annahme eines versunkenen atlantischen  Erdteils festzulegen, die Atlantis, einst Kriegerschwärme strahlenförmig ausgewandert sind  als erste Zeugen des immer wieder sich erneut verkörpernden nordischen Fernwehs, um zu erobern, zu gestalten. Und diese Ströme der atlantischen Menschen zogen zu Wasser auf ihren Schwan- und Drachenschiffen ins Mittelmeer, nach Afrika; zu Land über Zentralasien nach Kutscha, ja vielleicht sogar nach China; über Nordamerika nach dem Süden dieses Erdteils.

Wenn Ahura Mazda zum Zarathustra sagte: “Einmal nur im Jahr sieht man untergehen und aufgehen Sterne und Mond und Sonne; und die Bewohner halten für einen Tag, was ein Jahr ist”, so ist das eine ferne Erinnerung an die nordische Heimat des persischen Lichtgottes, denn nur im Polargebiet dauerten Tag und Nacht je sechs Monate, das ganze Jahr aber ist nur hier ein Tag und eine Nacht. Vom indischen Helden Ardschuna weiß das Mahabaratam zu berichten, daß bei seinem Besuch beim Berg Meru die Sonne und der Mond täglich von links nach rechts herumgingen, eine Vorstellung, die nie im

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Nordischer Zug durch Afrika

tropischen Süden entstanden sein kann,  denn nur im hohen Norden rollt das Sonnenrad am Horizont entlang. An die indischen Adityas geht auch die Bitte: “Möge nicht die lange Dunkelheit über uns kommen”, und über den lichten Agni wird geklagt, er habe “zu lange in der langen Dunkelheit” geweilt, was alles nur auf die tiefe hyperboräische Nacht zurückzuführen ist.

Gleich diesen uralt arisch-atlantischen Erinnerungen…

tropischen Süden entstanden sein kann,  denn nur im hohen Norden rollt das Sonnenrad am Horizont entlang. An die indischen Adityas geht auch die Bitte: “Möge nicht die lange Dunkelheit über uns kommen”, und über den lichten Agni wird geklagt, er habe “zu lange in der langen Dunkelheit” geweilt, was alles nur auf die tiefe hyperboräische Nacht zurückzuführen ist.

Gleich diesen uralt arisch-atlantischen Erinnerungen treten die nur durch nordische Herkunft verständlichen kultischen Gleichnisse, Trachten, Zeichnungen auf. Das nordische Boot mit dem Schwanenhals und Dreiblatt finden wir im vordynastischen Ägypten, seine Ruderer aber waren das spätere Herrenvolk der kriegerischen Amoriter, bereits von Sayce als hellhäutig  und blauäugig erkannt. Sie zogen einst über Nordafrika dahin, als festgefügte Jägersippen, die sich nach und nach das ganze Land unterwarfen, dann teilweise weiterwanderten über Syrien nach Babylon. Die zum Teil bis auf heute hellhäutigen, sogar noch blauäugigen Berber gehen nicht auf die späteren Vandalenzüge zurück, sondern auf die uralte atlantisch-nordische Menschenwelle. Die Jäger-Kabylen zum Beispiel sind zum nicht geringen Teil heute noch  von ganz einwandfrei nordischer Herkunft (so machen die blonden Berber in der Gegend von Constantine 10 Prozent aus, bei Djebel Scheschor sind sie noch zahlreicher). Die herrschende Schicht der alten Ägypter weist bedeutend feinere Züge auf als das beherrschte Volk. Diese “Hamiten” sind vermutlich bereits eine Mixovaration zwischen Atlantiern und der negroiden Urbevölkerung. Um 2400 v. Chr. treten dann Reliefs von Menschen auf mit heller Haut, rotblonden Haaren und blauen Augen, jene “blonden Libyer”, von denen Paunsanias später berichtet. In den Grabmälern von Theben finden wir die “vier Rassen” Ägyptens abgebildet:Asiaten, Negriten, Libyer, Ägypter. Die letzten werden rot gezeichnet, die Libyer dagegen stets mit blauem Augen,

 [27] Sagenhafte Urheimat

 bärtig und von weißer Hautfarbe. Rein nordischen Typus zeigen das Grab des Senye a. d. 18.Dynastie, die Frau auf dem Pylon des Horemheb zu Karnak, die Schwanenbootleute auf dem Tempelrelief zu Medinet-Habu, der Tsakkarai [Teukroi], der Begründer der “phoenizischen” Seefahrt. Hellhäutige Menschen mit goldgelbem Haar zeigen die Typen in den Gräbern von Medinet-Gurob*. Bei den neuesten Ausgrabungen in den Mastabas bei der Cheopspyramide (1927) fand man die “Prinzessin und Königin Meres-Aneh” (2633—2564 v. Chr.) mit blondem Haar abgebildet. Die sagenhafte, mythenumwobene Königin Nikotris gilt in allen Sagen ebenfalls als blond.

Das alles sind rassische Denkmäler einer uralten nordischen Überlieferung Nordafrikas. Die Amoriter gründeten Jerusalem, sie bildeten die nordische Schicht im späteren Galiläa, d.h. in der “Heidengau”, aus der einst Jesus hervorgehen sollte. Sie fanden dann Verstärkung durch die Philister, die ebenfalls in den von Syrien früher ganz unbekannten nordischen Schiffstypen mit Beil und Dreiblatt als Stevensymbole nach Syrien übersetzten.

Es mag noch unausgemacht bleiben, wo die Urheimat: der nordichen Rasse liegt. Wie die Südatlantier nach Afrika, Südasien ausschwärmten, so sollen die Nordatlantier den Sonnengott von Europa nach Nordasien getragen haben, bis zu den Sumerern, deren Jahreszählung einst mit dem Tag der Wintersonnenwende angefangen hatte! Neueste Forschungen in Island und Schottland erklären eine frühsteinzeitliche Einwanderung als möglich auch das altirische Schönheitsideal war milchweiße Haut und blonde

[* Vgl. hierzu Herman Wirch: “Der Aufgang der Menschheit”, Jena 1928; auch E. Dacque: “Erdzeitalter”, München, 1930. Wirth hat die Vorgeschichts-Forschung stark angeregt, ob seine Anschauungen sich bewahrheiten werden, kann erst die Zukunft entscheiden.]

 [28] Der “Sinn der Weltgeschichte”

Haare, das jedoch später durch den Vorstoß einer dunklen, rundköpfigen Rasse verwischt wurde. Mag vieles auch sehr fraglich sein, mag erst eine kommende Forschung feststellen, ob die ältesten Kultzeichen, die ersten Felssteinzeichnungen der Steinzeit auch die Grundlage der vordynastischen ägyptischen Linearschrift gewesen sind, ob auf diese “atlantische” Symbolik auch andere Schriften der Erde als auf ihren Urgrund zurückgehen, das Ergebnis dieser Forschung vermag jedoch an der einen großen Tatsache nichts zu ändern, daß der “Sinn der Weltgeschichte” von Norden ausstrahlend über die ganze Erde gegangen ist, getragen von einer blauäugig-blonden Rasse, die in mehreren großen Wellen das geistige Gesicht der Welt bestimmte, auch dort noch bestimmte, wo sie untergehen mußte. Diese Wanderperioden nennen wir: den in Sagen gehüllten Zug der Atlantier über Nordafrika; den Zug der Arier   nach Persien-Indien, gefolgt von Dorern, Mazedoniern, Latinern; den Zug der germanischen Völkerwanderung; die Kolonisierung der Welt durch das germanisch bestimmte Abendland.

Als die erste große Welle: nordischen Blutes über das indische Hochgebirge wallte, war sie bereits über viele feindliche und sonderbare Rassen hinweggegangen. Gleichsam unbewußt schieden sich die “Inder” von dem Fremden, Dunklen, das sich dem Auge zeigte. Die Kastenordnung war die Folge dieser naturweisen Abwehr: Varna heißt Kaste, Varna aber heiße auch Farbe. Die hellen Arias knüpften also bewußt am faßbaren Erscheinungsbilde an und schufen eine Kluft zwischen sich als den Eroberern und den schwarzbraunen Gestalten des Hindostan. Nach dieser Scheidung zwischen Blut und Blut gestalteten die Arier sich ein Bild der Welt, das an Tiefe und Weiträumigkeit auch heute von keiner Philosophie überboten werden kann, wenn auch nach langdauernden Auseinandersetzungen mit den immer wieder eindringenden Vorstellungen der

[29] Indiens Schicksalslinie

niederrassigen Eingeborenen. Die Periode z. B., welche sich zwischen die heldischen Gesänge der Vedas und der Upanishads einschiebt, ist gleichbedeutend mit einer Ausbreitung und zugleich mit einem Kampf gegen Zauberei und niedere Ekstatik. Das geister- und götterbeschwörende Opferwesen beginnt sich einzufressen. Diesen Zaubervorstellungen erliegt auch der den Opferlöffel schwingende und die Opferscheite schichtende Priester. Jeder Griff und jede Bewegung erhält einen geheimnisvollen “Sinn”. Es schiebt sich, wie Deussen feststellt, zwischen die mythologische und philosophische Zeit eine rituelle ein; aus dem Gebet, ursprünglich nur eine starke Gemütserhebung (dem echten Brahman),wird ein magischer, die Götter oder Dämonen zwingender zauberhafter Akt. In diesem Versumpfungsprozeß trat leuchtend die Atmanlehre auf. Sie ist nicht ein “psychologischer Entwicklungsakt”, der vollkommen undeutbar wäre (auch Deussen versucht keine Erklärung), sondern erscheint als ein Neuerwachen arischen Geistes gegenüber den abergläubisch- zauberhaften Anschauungen der nichtarischen Unterjochten. Diese Anschauung wird  geradezu zur Gewißheit, wenn man feststellen kann, daß die große Lehre vom Eigenwert des seelischen Selbstes ohne jede Magie und Dämonie sich von den Königshöfen her ausbreitet, von der Kriegerkaste ihren Ausgang nahm. Obgleich die Brahmanen später die Lehrer des neuen Gedankens von der Wesensgleichheit der Weltseele und der Einzelseele werden, so haben sie die wahre Herkunft der neuen Lehre doch nicht verschweigen können, und so kommt es, daß der König Ajatacatru den Brahmanen Gargya Balaki, der Kriegsgott Sanatkumara den Brahmanen Narada, der König Pravahana Jaivali den Brahmanen Aruni  über den Atman belehrt. Dank dieser aristokratischen Selbstbestimmung verschwindet das unarische zauberhafte Opferwesen immer mehr, um erst später wieder beim Rassenverfall auch der Kschatryas Indien erneut zu überziehen.

[30] Verfälschung der Kasten-Idee

Als geborener Herr fühlte der Inder seine Eigenseele sich ausdehnen zu dem das ganze Universum erfüllenden Lebenshauch, und umgekehrt erfuhr er den Weltenodem in seinem eigenen Busen als sein eigenes Selbst wirken. Die fremde, reiche, fast alles schenkende Natur konnte ihn nicht genügend aus dieser metaphysischen Vertiefung zurückzwingen. Das tätige Leben, das von den alten Lehrern der Upanishads noch immer als unumgängliche Voraussetzung auch der weltabgewandten Denker gefordert worden war, verblaßte immer mehr vor dem Wanderer ins Weltall der Seele, und dieser Gang von der Farbigkeit zum  weißen Licht der Erkenntnis führte zum grandiosesten Versuch der Überwindung der Natur durch die Vernunft. Kein Zweifel, daß vielen Indern als Einzelpersönlichkeiten und Aristokraten diese Überwindung der Welt schon auf dieser Welt gelang. Aber dem späteren Menschen hinterblieb nur die Lehre, nicht mehr ihre rassische, lebendige Voraussetzung. Bald verstand man den farbig-blutvollen Sinn der Varna überhaupt nicht mehr, die heute als technische Berufseinteilung die grauenvollste Verhöhnung des weisesten Gedankens der Weltgerichte darstellt. Der späte Inder kannte nicht Blut, Ich und All, sondern nur die beiden letzten Gegebenheiten. Und starb an dem Versuch, das Ich allein zu betrachten. An einer Rassenschande, deren Erzeugnisse heute als armselige Bastarde in den Wassern des Ganges eine Heilung für ihr verkrüppeltes Dasein erflehen.

Der indische Monist war bemüht, nachdem er die ideenhafte Polarität Ich-All zugunsten des einen Teils durch Vernunftentscheidung “überwunden” hatte, auch die zu ihnen beiderseitig hinaufführenden, sich polar bedingenden Gegensätze zu vernichten, die Freiheit durch Natur, Natur durch Freiheit zu vergewaltigen. Er war deshalb auch geneigt, Rasse und Persönlichkeit als im obersten Begriff aufgehend wie nicht wirklich vorhanden zu betrachten.

[31] Indiens Ende

Der spätindische, spiritualistische Monist sieht die Natur deshalb gleichsam als etwas Unwirkliches, als bösen Traum an. Das einzig Wirkliche ist ihm die Weltseele (das Brahman) in ihrer ewigen Wiederkehr in der Einzelseele [im Atman]. Mit der Fortwendung von der Natur überhaupt wird also auch die früher klare Vorstellung und der Begriff der Rase immer schwankender; dogmatisch-philosophische Erkenntnis lockert somit den Instinkt aus seinem Erdreich. Ist die Weltseele das allein Bestehende und ist der Atman mit ihr wesenseins, so schwindet zugleich die Idee der Persönlichkeit. Das gestaltlose All-Eins ist erreicht.

Damit hörte Indien auf, weiter schöpferisch zu sein; es erstarrt, das fremde, dunkle Blut der jetzt als gleichwertige Träger des Atmans angesehenen Cudras dringt ein, vernichtet den ursprünglichen Begriff der Kaste als Rasse und die Bastardierung beginnt. Schlangen- und Phalluskulte der Eingeborenen beginnen zu wuchern, die symbolischen Ausdrücke vom hundertarmigen Civa werden plastisch verstofflicht, gleich Schlinggewächsen des Urwalds entsteht eine fürchterliche Bastardkunst. Nur an Königshöfen erblüht noch spät der alte Heldensang, erklingt die Lyrik eines Kalidasa und anderer, meist unbekannter, großer Dichter. Ein Cankara versucht eine Neugestaltung indischer Philosophie. Es ist umsonst; durch ein zu weites Atemholen sind die Blutadern des Rassenkörpers gesprengt, arisch-indisches Blut   fließt aus, gesickert und düngt nur noch stellenweise das dunkle es aufsaugende Erdreich Altindiens, hinterläßt fürs Leben nur ein philosophisch-technisches Zuchtregiment, das in seiner späteren wahnwitzigen Verzerrung das Hinduleben von heute beherrscht.

Wir werden nicht unduldsam behaupten wollen, der Inder habe zuerst seine Rasse, dann seine Persönlichkeit aufgegeben oder umgekehrt, vielmehr liegt hier ein metaphysischer Vorgang vor, der in dem brünstigen Verlangen, das Phänomen der Zweiheit überhaupt zu überwinden,

[32] Zarathustras Religionsschöpfung

auch die sich gegenseitig bedingenden Unterstufen der letzten Polarität gleichzeitig aufhob.

Von außen betrachtet, ging in Indien die philosophische Erkenntnis der großen Gleichheit Atman-Brahman dem Rassenverfall voraus. In anderen Ländern ergibt sich dieser nicht nach Festsetzung einer philosophischen Idee, sondern ist die Folge rein physischer andauernder Vermischung zwischen zwei oder vielen gegensätzlichen Rassen, deren Fähigkeiten sich inmitten dieses Prozesses nicht steigern oder ergänzen, sondern sich gegenseitig austilgen.

I r a n erlebt vom 6. Jahrhundert ab die Ausbreitung der arischen Perser. unter Arschama erwächst ihnen ein führender religiöser Lehrer, eine der größten Persönlichkeiten der indoeuropäischen Geschichte: Spitama [Zarathustra]. Besorgt um das Schicksal der arischen Minderheit, entsteht auch in ihm ein Gedanke, der erst heute wieder im nordischen Abendland zum Leben erwacht, der Gedanke des Rassenschutzes, die Forderung der Sippenehe. Da aber die herrschende arische Oberschicht zerstreut wohnte, so erstrebe Zarathustra über diese Forderungen hinaus auch eine weltanschaulich gebundene Gesinnungsgemeinschaft, Ahura Mazda, der ewige Gott des Lichtes, wächst zur kosmischen Idee, zum göttlichen Schützer des Ariertums heran. Er hat kein Haus (wie das Morgenland es für seine Götter forderte, und Rom fortführte, er ist die “heilige Weisheit” schlechtweg, die Vollkommenheit und Unsterblichkeit selbst. Ihm steht als Feind der dunkle Angromanyniu gegenüber und ringt mit ihm um die Weltherrschaft. Hier setzt nun ein echt nordisch-arischer Gedanke Zarathustras ein: in diesem Ringen soll der Mensch auf seiten des Ahura Mazda kämpfen [ganz wie die Einherier für  Odin in Walhall gegen den Fenriswolf und die Midgardschlange]. Er soll sich also nicht in weltabgewandte Beschaulichkeit und Askese verlieren, sondern sich als ringender Träger  einer welterhaltenden Idee fühlen, um alle schöpferischen Kräfte

 [33] Die persische Heilandsidee

der menschlichen Seele zu wecken und zu stählen. Der Mensch steht somit immer im Dienst des Höchsten, ob er nun Denker ist, oder einer Wüste Fruchtbarkeit abringt. Er dient wo er geht und steht einem schöpferischen Prinzip wenn er sät und erntet, wenn er sich als treu bewährt und jeder Handschlag ein unverbrüchlich Wort bedeutet. Wie der Vendidat das alles groß und erhaben ausdrückt: “Wer Korn säet, der säet Heiligkeit.”

Rund um den ringenden Mensen aber lauert das Böse und die Versuchung. Um dem erfolgreich entgegentreten zu können, beruft sich Zarathustra auf das arische Blut: dieses verpflichte jeden Perser zum Dienst für den lichten Gott. Nach dem Tode scheidet sich Gutes und Böses auf ewig. In einem gewaltigen Ringen besiegt dann Ahura Mazda den Angromayniu und richtet sein Friedensreich auf.

Aus dieser großen religiösen Dichtung schöpfen die Perser einst ihre Kraft. Als aber trotz dieses heroischen Versuchs das Aufgehen des arischen Blutes im asiatischen nicht zu vermeiden war und das große Reich der Perser dahinsank, wirkte der Geist des Zarathustra  und sein Mythus doch weiter über die ganze Welt. Das Judentum schuf sich aus Angromayniu seinen Satan, aus der natürlichen Rasseerhaltung der Perser sein ganzes künstliches System  der Aufzucht eines Rassegemisches, verbunden mit einem verpfichtenden (allerdings rein jüdischen) Religionsgesetz; die christliche Kirche eignete sich die persische Heilandsidee   vom Weltfriedensfürsten Caoshianc an, wenn auch entstellt durch den jüdischen Messiasgedanken. Und heute erwacht im Herzen und im Norden Europas mit mythischer  Kraft die gleiche Rassenseele, die einst in Zarathustra lebendig war, zu erhöhtem Bewußtsein. Nordische Gesinnung und nordische Rassenzucht, so heißt auch heute die Losung gegenüber dem syrischen Morgenlade, das in der Gestalt des Judentums und in vielen Formen des rasselosen Universalismus sich in Europa eingenistet hat.

[34] Rassenkampf um Hellas

Die persische Gesittung wurde zum Pfropfreis auf dem Stamme der semitisch-orientalischen Unterschicht. Sie wurde zersetzt, je mehr Wirtschaft und Geld der Händlerrassen an stofflichem Einfluß gewannen und ihre Vertreter schließlich zu Macht und hohen Würden emporstiegen. Dadurch wurde die Sippenehre aufgelöst und der “Ausgleich” der Rassen vollzog sich in der notwendigen Form der Bastardierung…

Einst ließ ein Perserkönig in die Felsenwand von Behistun folgende Worte meißeln: “Ich, Darius, der Großkönig, der König der Könige, aus arischem Stamme……” Heute zieht der persische Maultiertreiber seelenlos an dieser Wand vorüber: ein Zeichen für Tausende, daß Persönlichkeit mit einer Rasse zusammen geboren wird und mit ihr gemeinsam stirbt.

2.

Am schönsten geträumt wurde der Traum des nordischen Menschentums in H e l l a s . Welle auf Welle kommt aus dem Donautal und überlagert neuschöpferisch Urbevölkerung, frühere arische und unarische Einwanderer. Bereits die altmykenische Kultur der Achäer ist überwiegend nordisch bestimmt. Spätere, dorische Stämme stürmten erneut die Felsen der fremdrassigen Ureinwohner, versklavten die unterjochten Rassen und brachten das Herrschertum des sagenhaften phönizisch-semitischen Königs Minos, der durch seine Piratenflotte bis dahin die später sich Griechenland nennende Erde befehligte. Als rauhe Herren und Krieger räumten die hellenischen Stämme mit der heruntergekommenen Lebensform des vorderasiatischen Händlertums auf und mit den Armen der Unterjochten erschuf ein Schöpfergeist ohnegleichen sich Sagen aus Stein und erzwang sich Muße, ewige Heldenmärchen zu dichten und zu singen. Eine echte aristokratische Verfassung verhinderte die Blutmischung. Die sich durch Kampf verringernden nordischen Kräfte wurden durch neue Einwanderungen gestärkt. Die

[35] Homerische Religiosität

Dorer, dann die Mazedonier schützten das schöpferische blonde Blut. Bis auch diese Stämme erschöpft waren und die vielfache Übermacht des Vorderasiatentums durch tausend Kanäle einsickerte, Hellas vergiftete und anstelle des Griechen den späteren schwächlichen Levantiner zeugte, der mit dem Griechen nur den Namen gemeinsam hat. Auf ewig hat der Hellene die Erde verlassen, und nur die toten Bilder aus Stein, nur wenige Einzelne zeugen noch für jene herrlichste Rassenseele, die einst die Pallas Athene und den Apollo erschuf.

Nirgends zeigt sich die unbefangene nordische Ablehnung alles Zauberhaften klarer und größer als in den immer noch zu wenig beachteten religiösen Werten Griechenlands. Und wenn die Forscher auf die religiöse Seite des Hellenen zu sprechen kamen, so hielten sie erst jene Zeiten der eingehenden Betrachtung würdig, da der griechische Mensch bereits zerspalten, uneins mit sich geworden war und zwischen arteigenen Werten und fremder Geisteshaltung hin- und herschwankte. Dagegen ist gerade jene dieser Problematik vorhergehende, schicksalsvertrauende Majestät der homerischen Zeit eine Epoche echtester Religiosität, für die das 19. Jahrhundert des inneren Niederganges allerdings kein rechtes Verständnis mehr aufbrachte, weil das damalige goldene und silberne Zeitalter sich nicht an “Problemen” aufspaltete. Dabei sind die Lichtgestalten des Apollon, der Pallas Athene, des Himmelsvaters Zeus, Zeichen echtester großer Frömmigkeit. Der Goldhaarige [Chrysokomos, Apollos) ist der Hüter und Schützer alles Edlen und Frohen, Wahrer der Ordnung, Lehrer der Harmonie der Seelenkräfte, des künstlerischen Maßes. Apollon ist das aufsteigende Licht der Morgenröte, zugleich der Schirmer der inneren Schau und Vermittler der seherischen Gabe.

Er ist der Gott des Gesanges und des rhythmisch bewegten, jedoch nicht ekstatischen Tanzes. Geheiligt ist dem Gott der aus dem Norden stammende Schwan ein Sinnbild des Hellen,

Hoheitsvollen; in südlicher Anlehnung ist

[36] Kampf der Götter

ihm die Palme geweiht. Auf dem delphischen Tempel standen die Worte eingegraben “Nichts zuviel”, “Erkenne dich selbst”, zwei homerich-apollinische Bekenntnisse.

Neben Apollon steht die Pallas Athene, das Sinnbild des dem Haupt des Zeus entsprungenen, lebensregenden Blitzes, die blauäugige Tochter des Donnerers, die weise besonnene Jungfrau, Hüterin des Helenenvolkes und treue Schirmerin seines Kampfes.

Diese hochfrommen griechischen Seelenschöpfungen zeigen das geradegewachsene innere, noch reine Leben des nordischen Menschen, sie sind im höchsten Sinne religiöse  Bekenntnisse und Abdruck eines Vertrauens in die eigene Art und zu den genial-naiv empfundenen, dem Menschen freundlich gesinnten Gottheiten. “Homer zeigt weder Polemik noch Dogmatik”, sagt Erwin Rohde* und umschreibt mit diesem einen Satz das Wesen eines jeden echten arischen Religionsgefühls. Weiter sagt dieser tiefe Kenner hellenischen Wesens: “Homer hat für das Ahnungsvolle und gar das Ekstatische wenig Interesse und gar keine eigene Neigung.” Das ist geheimnisvollste Gradlinigkeit bester Rasse, die aus jedem echten Verse der Ilias herausklingt und in allen Tempeln von Hellas widerhallt. Aber unter dieser Schöpfung lebten und wirkten pelasgische, phönizische, alpine, später syrische Werte; je nach der Kraft dieser Rassen drangen ihre Götter vor. Waren die griechischen Götter Heroen des Lichtes und des Himmels, so trugen die Götter der vorderasiatischen Nichtarier alle erdhafte Züge an sich. Demeter, Hermes u. a. sind wesenhafte Erzeugnisse dieser Rassenseelen. Ist Pallas Athene eine kriegerische Schützerin des Lebenskampfes, so der pelasgische Ares das blutbetriefte Ungeheuer; ist Apollon der Gott der Leier und des Gesanges, so Dionysos [wenigstens seine. nichtarische Seite) der Gott der Ekstase, der Wollust des entfesselten Mänadentums.

*”Psyche”.

[37] Deutungen des Griechentums

Um die Deutung des Griechentums haben wir jetzt zweihundert Jahre bewußt gerungen. Von Winkelmann über die deutsche Klassik bis zu Preller und Voß geht die Anbetung des Lichten, Weltoffenen, Anschaulichen, wobei diese Linie des Forschens aber immer weiter herabsinkt, ihre Kurve flacher und flacher wird. Denker und Künstler wurden bald von Blut und Boden losgelöste Einzelwesen, vom Ich allein, von “Psychologie” aus versuchte man die attische Tragödie zu “erklären” oder zu kritisieren; Homer wurde nur formalästhetisch begriffen und der hellenistische Spätrationalismus mußte seinen Segen geben für eine blutlose professorale dickbändige Tagesschriftstellerei. Die andere —romantische — Strömung versenkte sich in die am Ende der Ilias bei den Totenfeiern oder in die bei Äschylos durch das Wirken der Erinnyen hervortretenden seelischen Unterströmungen, dringt ein in Seelen der chthonischen Gegengötter des olympischen Zeus, verehrt, vom T o d e und seinen Rätseln ausgehend, die Muttergötter mit der Demeter an der Spitze und schließlich lebt sie sich aus im Gott der Toten

— in Dionysos. Hier wird namentlich von Welcker, Rohde, Nietzsche, auf jene “Mutter Erde” als selbst gestaltlose Gebärerin des in ihren Schoß wieder zusammenflutenden sterbenden Lebens hingewiesen. Mit Schauern der Verehrung erfühlt die große deutsche Romantik, wie immer dunklere Schleier vor die lichten Götter des Himmels gezogen werden, und taucht tief unter in das Triebhafte, Gestaltlose, Dämonische, Geschlechtliche, Ekstatische, Chthonische, in die Mutterverehrung. Dies alles aber noch immer als g r i e c h i s c h bezeichnend.

Hier scheidet sich Betrachtung von Betrachtung. Ungeachtet der Tatsache daß die  griechischen Stämme physisch und geistig fremdes Wesen aufnahmen, ist doch für den echten Sucher nicht so sehr diese oft nur künstliche Legierung von Interesse, sondern in erster Linie Gehalt und Form jenes Materials, das zweifellos h e r r s c h e n d war.

[38] Rassenseelische Dramatik

Wenn z. B. Jakob Burckardt aussagt: “Was sie [die Griechen) taten und litten, das taten und litten sie f r e i und anders als alle früheren Völker. Sie erscheinen original und spontan und bewußt da, wo bei allen anderen ein mehr oder weniger dumpfes Müssen herrscht”*, so leuchtet er mit einem geistigen Leuchtkegel in die tiefste Tiefe des Griechen. Er spricht auch später von den Hellenen als Ariern, nennt andere Völker und Stämme, daß er aber selbst ein rassisch-seelisches G e s e t z entdeckt hat kommt ihm nachher nirgends mehr klar zum Bewußtsein. Er schildert die “Griechen” des 5. oder 4. Jahrhunderts “als Ganzes”, der dramatische Kampf der Rassen, Seelen und Götter, geht aber dabei unter in einer Vermischung aller Eigenarten; letzten Endes wird trotz tausend richtigen Tatsachen, Hinweisen und Ahnungen die g r i e c h i s c h e Persönlichkeit ausgelöscht. Diese innere Freiheit der antiken Hellenen aber stand tatsächlich im Kampf gegen das dumpfe Vorderasien und d i e s e s große Drama eines ganzen Volkes ist es, was vielleicht größte Leistungen entfacht, die Hellenen aber auch unglücklicher gemacht hat, “als die meisten Menschen glauben”. Und wenn dann diese erahnte Gegensätzlichkeit in der Geschichte von Hellas später auch noch von einer anderen Seite gedeutet wurde, so wurde auch hier nicht bis zum Kern durchgedrungen.

Görres war es, der [wie Baeumler nachweist) als erster bewußt eine weltgeschichtliche Polarität auf die Spannung zwischen Männlichem und Weiblichem zurückführte, Bachofen jedoch der große Aus- und Durchbilder dieses Gedankens, der heute in der Zeit des Zergehens aller Formen und Gestalten seine Auferstehung feiert.

Die Mutter, die Nacht, die Erde und der Tot, das sind die Elemente, die sich der romantisch- intuitiven Forschung als die Untergründe angeblich “altgriechischen” Lebens

*Griechische Kulturgeschichte, Bd. l, S. 11.

[39] Das Mutterrecht

offenbaren. Von Etrurien über Kreta bis tief nach Kleinasien hinein herrscht unter vielen Formen — selbst innerhalb der männlichen Tyrannis — das Matriarchat in Sitte und Recht. Als seine Folgen entwickeln sich, nach mythischen Berichten, Amazonen- und Hetärentum, aber auch poetische Totenehrung und erdgeisterverbundene Mysterien. Die Mütter  erscheinen, jede einzelne, als die Vertreterinnen der geheimnisvoll großen einen Mutter Erde, sie gelten als heilig-unverletzlich und bei Ermordung auch nur einer Mutter erhebt sich diese Erde selbst in Gestalt der blutheischenden Erinnyen; diese ruhen nicht, ehe nicht das Blut des Mörders geflossen und als Sühne von der Erde aufgesaugt worden ist. Es wird nicht nach Unrecht und Recht der einen Mutter geforscht, der Wert an sich ist durch j e d e vertreten und fordert seine vollkommene Unverletzlichkeit. Von der Mutter erbt die Tochter das ihre Unabhängigkeit sichernde Gut, ihren Namen, das Erdenrecht, und so erscheint das Weib als die Verkörperung der Unsterblichkeit der Materie, richtiger, als Gleichnis der U n z e r s t ö r b a r k e i t des an sich gestaltlosen Stoffes. So dachten die Lyriker, die Kreter [die als einzige das Wort “Mutterland” gebrauchten], so dachten die “griechischen” Inseln, ja so dachte das frühere Athen selbst, bis der nordische Theseus die Amazonen vor seinen Toren besiegte und nicht mehr eine Mutter die Schutzgöttin der Stadt wurde, sondern die mutterlose und kinderlose Jungfrau Pallas Athene als Tochter des Himmels-Zeus.

Auf dem Boden Griechenlands wurde weltgeschichtlich entscheidend der erste große Entscheidungskampf zwischen den r a s s i s c h e n Werten zugunsten des nordischen Wesens ausgetragen. Vom Tage, vom Leben trat nunmehr der Mensch ans Leben heran, von den Gesetzen des Lichts und des Himmels, vom Geist und Willen des Vaters aus entstand alles, was wir griechische Kultur als jenes größte Erbe des Altertums für unser Selbst nennen. Es ist

[40] Bachofens Irrtum

deshalb nicht so, als ob das Mutterrecht mit allen seinen Konsequenzen “durch keine volkliche Verwandtschaft bedingt”, daß das neue Lichtsystem nur eine “spätere Entwicklungsstufe” sei, wobei das Weib und seine Herrschaft “das ursprünglich Gegebene darstellte [Bachofen]. Dieses eine große Mißverstehen bei vielem richtig Erschauten verdunkelt alle anderen noch so tiefen Einsichten und bedingt das Verkennen der gesamten Seelenentwicklung der hellenischen und römischen Antike. Damit aber auch des Innersten aller Seelenkämpfe und alles geistigen Ringens der späteren abendländisch-germanischen Kultur. Denn was immer auch an spätrömischen, christlichen, ägyptischen oder jüdischen Vorstellungen und Werten in die Seele des germanischen Menschen eingedrungen sein mag, ja stellenweise diesen sogar vernichtet hat: soll überhaupt Geschichte Charakterdeutung sein, Darstellung eines Wesens im Ringen um die Ausgestaltung seines eigensten Ichs, so werden wir eben die germanischen Werte von allen anderen scheiden müssen, wenn wir uns nicht selbst wegwerfen wollen. Das Beschämende ist aber, daß im Gefolge einerseits einer nur allchristlichen, dann einer späthumanistischen Einstellung diese Aufgabe der Geschichte immer mehr in den Hintergrund, das Dogma einer angeblich “allgemeinen Entwicklung der Menschheit” aber in den Vordergrund gerückt wurde. Ein abstrakter Gedanke begann, verschiedenartig umhüllt, das Leben zu entwurzeln; die Reaktion in der deutschen Romantik war deshalb wohltätig wie ein Regen nach langer Dürre. Aber gerade in unserer Zeit der Massen-Internationalen auf allen Gebieten gilt es, diese artverbundene Romanik bis auf ihren rassischen Kern zu verfolgen und sie von gewissen ihr noch anhaftenden nervösen Verzückungen zu befreien. Die Germanen, die Deutschen haben sich nicht auf Grund einer nebelhaften, von Priestern oder Gelehrten erfundenen Zielsetzung “entwickelt”, sondern sie haben sich entweder behauptet, sind

[41] Die abstrakte “Entwicklungslehre”

zersetzt oder unterjocht worden. Mit dieser Einsicht verschiebt sich nun aber das Panorama der gesamten Geschichte der Rassen und Völker und Kulturen der Erde. Auch die vorgriechischen Völkerschaften um das Ägäische Meer herum “entwickelten” sich nicht einst vom chthonischen Götterglauben zum Sonnen-Himmels-Kultus Zeus-Apoll, sondern wurden in langdauernden Kämpfen überdeckt, z. T. politisch unterworfen z. T. auch geistig assimiliert, doch immer wieder warteten sie auf Augenblicke der Schwäche der nordischen Griechen, um ihre alten Rechte und damit ihre alten Götter wieder geltend zu machen. Weder klimatische noch geographische noch andere Umwelteinflüsse kommen hier als letzte Deutungen in Betracht; denn die Sonne Homers schien auch vorher den Anbetern der Isis und der Aphrodite. Und sie schien auch nachher über das gleiche Stück Erde, als Griechenland verging.

Die nordischen Stämme der Hellenen anerkannten ihrerseits vor ihrem Einzug in die spätere Heimat nicht die Weiberherrschaft als “erste Entwicklungsstufe”, sondern folgten vom ersten Tage ihres Daseins dem Vatergebot. Denn sonst wäre nicht einzusehen, warum die griechischen Götter nicht mit den pelasgisch-kretisch-etruskisch-urlibybisch-ägyptisch eine innige Freundschaft eingingen, sich selbst in ihnen wiedererkannt hätten, wie sie später in indischen Göttergestalten ihren Helios oder Herakles wiederfanden. Dagegen sind die griechischen Mythen voll von Kampf und Überwindung. Die Hellenen brechen in Lemnos die blutige Amazonenherrschaft durch Janons’ Zug; sie lassen Bellorophon diese Herrschaft in Lyriken erschüttern; sie zeigen in der Danaiden-Bluthochzeit die Überwindung der tellurisch- dunklen Mächte der Erde und Unterwelt durch Zeus und den großen Mittler-Heiland   Herakles. Im Gegensatz zur nordisch-germanischen Mythologie ist die griechische auch deshalb so reichgestaltig, vielverschlungen [ trotzdem aber in allen ihnen Linienführungen —

Sieg des Lichtes über die

[42] Vorderasiatisches Zauberwesen

Nacht — so gleichbleibend typisch), weil die germanischen Götter weniger ähnliche Kämpfe gegen Göttersysteme -anderer Rassen ausgefochten hatten. Deshalb ist die Ilias auch ein einziger großer S i e g e s Gesang des Lichts, des Lebens über die Dunkelheit, den Tod.

Homer war sich bewußt, daß nicht Tod und Leben Gegensätze sind, sondern daß sie sich im Gegenteil gegenseitig bedingen (wie es Goethe erneut bekannte]. Geburt und Tod sind es, die einander gegenüberstehen; beide aber machen das Leben aus. Das Anerkennen dieser innergesetzlichen Notwendigkeit bedeutet auch das Anerkennen des Waltens der unpersönlichen Moira: Thetis sieht das Ende ihres Sohnes voraus, bittet aber Zeus nicht um die Verlängerung seines Lebens, im Bewußtsein, daß der in ihm verkörperte Himmel gleichfalls einer kosmischen Gesetzlichkeit, von der Schicksalswaage symbolisiert, unterliegt. Die Moiren [siehe auch die Nornen der germanischen Götterwelt) sind weiblich, weil im Weibe das Unpersönliche allein herrscht, es die willenlos-pflanzenhafte Trägerin der Gesetze ist.

Hier offenbart sich wieder ein nordischer Wert: Apoll als “Vernichter der Urdämonen” [Äschylos] d. h- als Vernichter des urnordischen Zauberwesens. Wenn der Lykier Glaukos dem Diomedes wehmütig sagt, als dieser ihn nach seinem Geschlecht fragt, gleichwie die Blätter des Baumes seien die Geschlechter der Menschen, so kommt hier die gestalt- und persönlichkeitslose Auffassung des Vorgriechentums zum Vorschein, trotz des auch in Lykien eingeführten apollinischen Sonnendienstes. In der griechischen Tragödie aber, die zu einer  Zeit entstand, als Griechenland in schwersten, seinen Bestand erschütternden Kämpfen gestanden hatte, da werden die Hellenen erneut gezwungen, sich mit den alten chthonischen Urgewalten auseinanderzusetzen. Dies geschieht nicht mehr mit der lichten herrischen Sieghaftigkeit Homers,

[43] Sieg des Vaterrechts

Nein, wer einmal gestorben, den soll man klagend beweinen Einen Tag und dann mit gehärtetem Herzen begraben,

sondern in der Form der erbittertsten Kämpfe zweier Weltauffassungen als Äußerungen verschiedenster Rassenseelen.

Eriphyle verrät um ein Halsband ihren Gatten dieser wird durch seinen Sohn gerächt, der die Mutter tötet. Das Recht des Vorgriechentums fragt nicht nach der Schuld der Mutter, sondern selbsttätig erhebt sich die Erde als solche als Rächerin ihres vergossenen Blutes, und die Erinnyen jagen den Alkmaion in den Wahnsinn; nur der Rat Apolls, seinen Fuß auf eine   Stelle der Erde zu setzen, die zur Zeit des Muttermordes noch unsichtbar war, rettet ihn zunächst, als er eine neu emporgestiegene Insel entdeckt . . . Am grandiosesten gestaltet ist  der Kampf der Rassenseelen in der Orestie, mit hellstem Bewußtsein sind hier die alten und neuen Kräfte gegeneinander ausgespielt, was dieses Werk zu einem ewigen Gleichnis für alle Zeiten erhebt*. Das alte Gesetz der Vorderasiaten, des chtonischen Muttertums, fragt nicht nach Recht und Unrecht der Klytemnästra, sondern entsendet seine tobenden Dienerinnen, um Blutrache am Muttermörder zu nehmen. Vor Orest aber stellen sich die Schützer des neuen nordischen Seelentums und schirmen den Rächer des ermordeten Vaters. “Sie war dem Mann nicht blutsverwandt, den sie erschlug”, ruft die Erinnys, “Oh, neue Götter, als Gesetz und uraltes Recht ihr reißt sie fort aus meiner Hand”. Ihr tritt Apoll als Verkörperung des “Neuen” entgegen: “Nicht ist die Mutter ihrer Kinder Zeugin. Es zeugt der Vater …” Und Athene,   Zeus’ Tochter, erklärt: “Vollen Herzens lob’ ich alles Männliche.” Hochherzig reicht aber Athene (und Apoll) dann den überwundenen

[*Sehr schön ausgeführt bei Baeumler, dem Neuherausgeber Bachofens. [ “Der Mythus von Orient und Okzident, München 1926.)]

[44] Dionysische Feiern

Mächten die Hand zur Versöhnung und verspricht den besänftigten, “tief in sonnenleerer Nacht” hausenden Mächten auch die Hochachtung der Männer:

“Ich aber, stets zum schlachtenkühnen Kampf des Ruhms Gegürtet, will nicht ruhn, ehe nicht alle Welt

In höchsten Ehren meine Stadt des Sieges hält.”

So schließt denn auch Äschylos ebenso gewaltig und kraftbewußt wie Homer.

Die Großherzigkeit des Licht-Apoll aber nach Überwindung der chthonischen Götterwelt: hatte deren unterirdisches, durch Apoll verklärtes Weiterleben zur Folge. Und nach der Rassenvermischung zwischen Griechen und Ureinwohnern trat später weder das chtonische noch das himmlische Element rein hervor, sondern beide vernichten sich in den dionysischen Gebräuchen. Zwar vertritt auch Dionysos das Vaterrecht, jedoch wird er zum Gott der Toten [den auch Antigone anruft], er verliert den klaren starken Charakter des Apollo, wird weiblich und trunken, sinkt schließlich ins Dämonische, Mänadenhafte, in die Nacht hinab. Dunkel  sind die diesem Gott-Dämon geweihten Tiere, in Höhlen werden die Götter geboren und nur bei der Nacht huldigt man ihnen Als etwas rassisch und seelisch Fremdes — wenn vielleicht auch Uraltes — tritt alles Dionysische in griechisches Leben ein, das später stärkste Gleichnis des rein psychisch mit ihm gehenden nordischen Verfalls. Bei unstetem Licht der Fackeln, unter dem Gedröhn metallener Becken, begleitet von Handpauken und Flötengehen versammeln sich die den Dionysos Feiernden zum wirbelnden Rundtanz. “Meist waren es Weiber, die bis zur Erschöpfung in diesen Wirbeltänzen sich herumschwangen: sie trugen ‘Bassaren’, langwallende Gewänder aus Fuchspelzen genäht . . . Wild flattern die Haare, Schlangen, dem Sabazios heilig, halten die Hände, sie schwingen Dolche … So toben sie bis zur äußersten Aufregung aller Gefühle, und im ‘heiligen Wahnsinn’ stürzen

[45] “Religion der Besessenheit”

sie sich auf die zum Opfer erkorenen Tiere, packen und zerreißen die eingeholte Beute und reißen mit den Zähnen das blutige Fleisch ab, das sie roh verschlingen.”*

Diese Gebräuche waren in allem und jedem das vollkommene Gegenteil des Griechentums, sie stellen dar jene “Religion der Besessenheit” [Frobenius], die im gesamten Osten des Mittelmeers herrschte, getragen von den afrikanisch-vorderasiatischen Rassen und Rassenmischungen. Vom besessenen König Saul zieht sich eine einzige Linie zu den erdgebundenen Räuschen des Dionysos (der von den Griechen immerhin veredelt wurde) bis zu den tanzenden Derwischen des späteren Islams.

Symbol der spät-“griechischen” Weltauffassung wird der Phallus. Es ist somit nicht griechisch, was wir in Kunst und Leben auf dies Sinnbild Bezügliches finden, sondern Griechenfeindliches, Vorderasiatisches**.

Überall wirkten somit unter dem herrlichen Hellenentum die Vorderasiaten und ihre Götter. So der uralte Erdgott Poseidon, von Athene zurückgedrängt: “Er haust unter ihrem Tempel im Boden in Schlangengestalt; er ist die Burgschlange der Akropolis, die allmonatlich mit einem Honigkuchen gefüttert wird” (Pauly-Wissowa). Auch der pelasgische Python-Drache ist in Delphi unter dem Tempel Apollons begraben (alle acht Jahre wurde erneut die Tötung dieses Drachens durch Apoll vorgeführt), dort wo auch die Begräbnisstätte des Dionysos sich  befand. Nicht überall aber tötete der nordische Theseus die Untiere Vorderasiens; bei erster Erschlaffung des arischen Blutes erstanden immer wieder von neuem die fremden Ungeheuer

— d. h. vorderasiatisches Mischlingstum und physische Robustheit der ostischen Menschen. Diese Einsicht ist derart

*Rohde, “Psyche”, S. 301.

** Als eine verdienstvolle Studie hierüber ist zu empfehlen Dr. K. Kynast: “Apollon und Dionysos”, München 1927.

[46] Jasons Amazonenkampf

ausschlaggebend für die Beurteilung der gesamten Mythen-und Weltgeschichte, daß es schon hier am Platze ist, dem großen Gegensatz der Rassenseelen dort nachzugehen, wo der Sieg  des nordisch-apollinischen Lichtprinzips (von “blondlockigen Danaern” spricht Pindar) nur vorübergehend war, die alten Mächte sich erhoben und sich viele Zwitterformen herausbildeten. Diese geistige Bastardierung spielte sich naturgemäß dort am deutlichsten ab, wo die erobernde griechische Schicht nur sehr dünn war und sich gegen die zahllosen Träger des chtonischen Wesens nicht nachhaltig genug wehren konnte: in Kleinasien, einigen Inseln und in Kolchis. Die großen und langdauernden Kämpfe werden in Sage und Myrhus natürlich zusamengedrängt: im Argonautenzug des Apolloniden Jason. Die Argonauten fahren, wie die Sage berichtet, mit nordischem Winde, eine deutliche Erinnerung an die nordische Herkunft des Apoll, aus dem Norden kommen die alljährlichen Weihgeschenke, aus dem Norden erwartete man den Helden des Lichts.

Überall, wohin die Jasoniten gleichsam als griechische Wikinger gelangen, sehen sie sich dunklen chtonischen Göttern, einer Amazonenherrschaft und sinnlichster Lebensauffassung gegenüber. Das Amazonentum wird dadurch erklärt, daß die herumstreifenden Kriegerscharen oft auf lange ihre Rast- oder Wohnstätten verließen, die zurückgebliebenen Frauen also ihr Leben ohne sie gestalten, sich wohl auch gegen Überfälle wappnen mußten. Meist kehrten schließlich die Männer — wenn sie überhaupt wiederkamen — dann mit fremden Frauen heim, was vielleicht ein plötzlich hervorbrechendes Männermorden zur Folge hatte; diese z.B. von den Lemnerinnen berichtete Tat klang durch ganz Griechenland als furchtbarstes Verbrechen wider und wurde als solches immer erneut mit Grausen vermeldet. Diese durch Geschlechtsenthaltung rasend gewordenen Weiberscharen verfielen nun bei der ersten Unterwerfung in ein

[47] Schaffung der Ehe

hemmungsloses Hetärentum, eine Lebensform, die immer durchbrach, wo das apollinische Prinzip nicht herrschend blieb, trotzdem dieses anfangs bei seinem Siege innerlich doch begrüßt wurde, da es die ersten wirklichen Grundlagen zu einer Stetigkeit der Gesittung legte, gegen die später jedoch die alten Triebe erneut sich empörten.

So wurde denn Jason von der Lemnierin Hypsipyle empfangen, so gesellte er sich der Medea und errichtete gegen Amazonen- und Hetärentum die Ehe. Durch die Stiftung der Ehe erhält innerhalb des nordisch-apollinischen Prinzips die Frau, die Mutter, eine neue, ehrenvolle Stellung, die edle, fruchtbare Seite des Dmeterkultes tritt hervor (man vergleiche die Verwandlung der Isis in die Mutter Gottes des germanischen Menschen); was alles aber verschwindet, wo Apoll, d. h. der Grieche, sich nicht als Herrscher zu behaupten vermag.

Diese Seite des Kampfes beleuchtet die Erzählung vom gleichen Jason, der im stark phönizisch durchsetzten Korinth der Ehe untreu wird; vom Weiberfeind Herakles, der alle Amazonen besiegt, ganz Nordafrika bis zum Atlantik durchstreift und doch in Libyen vor der Omphale niedersinkt.

So können sich die Apolloniden auch im Osten nicht halten und das Kompromiß heißt: dionysische “Religion”. Deshalb erhält der lichte Jason ein Parderell um die Schulter, um die dionysische Abschwächung des Apollinischen zu kennzeichnen. Die lichtbetonte Männlichkeit des Apoll verbindet sich mit erdhafter, hetärenhafter Ekstatig. Dionysos’ Gesetz der endlosen Geschlechtsbefriedigung bedeutet die hemmungslose Rassenmischung zwischen Hellenen und Vorderasiaten aller Stämme und Varietäten. Die ehemals männerfeindlichen Amazonen erscheinen als mannstolle tolle Mänaden, das apollinische Eheprinzip wird erneut durchbrochen und da das Wesen des Sabazios ganz auf das Weib eingestellt ist, geht auch das männliche Geschlecht seiner Zersetzung entgegen, so daß die Männer an den

[48] Der Satyr — eine Rassengestalt

Dionysosfesten nur in weiblicher Kleidung teilnehmen. Von diesem Rassengemisch Vorderasiens aus greift dann das Bastardtum des Dionysos erneut über nach dem Westen und herrscht über das ganze Mittelmeer. In Rom verbreiten breiteten sich die Dionysien bezeichnenderweise besonders in Verbrechergreisen. Um 186 sah sich der Senat nach langer Duldung des angeblich religiösen Kultus gezwungen, die bacchischen Zusammenkünfte streng zu verfolgen. Etwa 7000 Zeugnisfälscher, Betrüger und Verschwörer wurden verbannt oder hingerichtet. Nur in Hellas selbst hält sich noch das lichte, das Chaos ordnende apollinische Prinzip.

So trägt denn Dionysos auf griechischen Bildern hellenische Gestalt, aber verweichlicht, und lebt in Umgebung vorderasiatischer Satyre, die dann auf den Grabmälern als schreiende Grotesken eines Weltzerfalls auftreten. Richtig sagt Bachofen, daß der nach Asien scheinbar siegreich eindringende Apoll als Dionysos wiederkehrte; was er und alle übrigen Denker aber

— trotz mehrfacher geistiger Anläufe — übersehen haben, ist die Tatsache, daß Zeus-Apoll die geistig-willenhafte Seite des nordisch-griechischen Blutes darstellen, ebenso wie die hetärenhafte Lebensform eine Äußerung der nicht-nordischen vorderasiatischen und nordafrikanischen Rassengruppen. Die Vermischung der Mythen und Werte war zugleich eine Bastardierung des Blutes und die vielen Sagen des griechischen Volkes sind die bildliche Äußerung dieses Kampfes der verschiedenen blutbedingten Geister.

Am bewußtesten emporgehoben wurde diese vorder-asiatsch-afrikanische Unterwelt dann von einer geschichtlich bezeugten Gestalt: von Pythagoras. Der Sage nach hatte er Babylon und Indien bereist; er selbst wird als P e l a s g e r bezeichnet und übte seine Mysterienweisheit namentlich in Kleinasien aus, wo sich ihm alle “mystischen Frauen” entzückt anschlossen. In Griechenland selbst konnte er nicht Fuß fassen, große Griechen wie Aristoteles und

[49] Pythagoras und Heraklit

Heraklit haben sich sogar abfällig über ihn geäußert, weil sie offenbar an seiner Zahlenkabbalistik keinen Gefallen gefunden hatten. Aristoteles sagt, Pythagoras’ Ruhm  beruhe auf der Aneignung fremden geistigen Eigentums, was auch Heraklits Meinung ist, da er ausführt, Pythagoras habe sich aus vielen Schriften “eine falsche Kunst und Vielwisserei” zusammengereimt. “Vielwisserei aber”, fügt der hellenische Weise hinzu, “belehrt den Geist nicht.”* So zog denn Pythagoras nach dem Westen, nach Süditalien baute dort (ein antiker Rudolf Steiner plus Annie Besant) seine Mysterienschulen mit weiblichen Priesterinnen aus und galt im ganzen afrikanischen Umkreis, von wo die geschlechts-kollektivistische “Mysterien”Lehre des Ägypters Karpokrates ihm fördernd entgegenkam, als Weisester der Weisen. Die Gleichheit aller wird wieder einmal vom demokratischen Tellurismus verkündet, Gemeinschaft der Güter und Weiber als Ziel hingestellt, obgleich das alles doch einst der Ausgangspunkt des nichtnordischen Mittelmeerdenkens gewesen war,, als Apoll war, dieser ihm feindlichen Lebensform in Kampf geriet. Nicht genug kann auch an dieser Stelle betont werden, daß Äußerungen wie “daß das Ende der menschlichen Entwicklung die frühesten tierischen Zustände wieder zurückbringen”** eine groteske

[*Und wenn auch Pythagoras nicht ein absoluter Vorderasiate gewesen sein sollte, so doch wesentlich ein interessanter, verschiedenwertiger Mischling. Seine Ansprachen begannen mit der Betonung, daß er keine ihm entgegentretenden Anschauungen dulden werde (siehe die Ähnlichkeit mit dem fanatisch unduldsamen Paulus) und deshalb ist es durchaus bezeichnend, daß er H o m e r die furchtbarsten Strafen im Hades zudiktiert. Dies geschah unterm Vorwand, Homer habe die Gottheit nicht genug geachtet, in Wirklichkeit, weil der geistige Bildner des Griechentums zu echt und groß gewesen war und deshalb als lebendiger Vorwurf empfunden wurde. Es hat in jeder Epoche ähnliche Fälle gegeben (siehe Heine-Börne gegen Goethe).]

[** Bachofen: “Mutterrecht”.]

[50] Zwei Ebenen griechischer Gestaltung

Irreführung darstellen, um so mehr, als manchmal die Erkenntnis, daß der Pythagoräische Kulturkreis “zu den vorhellenischen Völkern und ihren Kulturen” zurückführe, blitzartig auftaucht, um dann wieder durch Redensarten, das Hellenentum habe sich der chtonischen Wesenheit “entrungen” (als ob es je darin gesteckt wäre), hoffnungslos überdunkelt zu werden.

Die gesamte dramatische Lebensgestaltung des Griechentums geht also auf zwei Ebenen vor sich: auf der einen verläuft eine Wesensentwicklung durchaus organisch: von der Natursymbolik, gekrönt mit den Göttern des Lichts und des Himmels, gipfelnd im Göttervater Zeus; von dieser mythisch-künstlerischen Stufe zum dramatisch-künstlerischen Bekennen dieser geistigen Weisheiten, bis zur Ideenlehre Platons, d. h. zur philosophischen Erkenntnis des bereits Mythisch-Gestalteten. Diese ganze Entwicklung steht aber in beständigem Kampf mit anderen, an anderes Blut geknüpften mythischen und dann auch gedanklichen Systemen, die zum Teil veredelt dem Griechentum eingeschmolzen werden, im Endergebnis aber von allen Seiten aus den Sümpfen des Nils, aus den Gewässern Kleinasiens, aus den Wüsten Libyens sich erheben und mit der nordischen Gestalt des Griechen auch sein inneres Wesen zersetzen, umfälschen, vernichten.

Dies l e t z t e aber bedeutet nicht eine Entwicklung bzw. Entladung natürlicher Spannungen innerhalb eines organischen Ganzen, sondern dramatischen Kampf feindlicher Rassenseelen, dessen ergriffene Zuschauer wir noch heute sind, wenn wir den Sieg und den Untergang des Hellenentums mit wachem Auge verfolgen; und auf wessen Seite wir stehen, sagt uns das Blut; nur blutlose Gelehrte können hier “Gleichberechtigung zweier großer Prinzipien” fordern.

Mit ewiger Trauer verfolgen wir, wie als Begleiterscheinung

[51] “Griechische” Demokratie

des seelisch-rassischen Zerfalls der Grieche Homers, der einst mit den stolzen Worten des Dichters:

Immer der Erste zu sein und vorzustreben den Andern” die Szene der Weltgeschichte betrat, sich im Kampfe gegen Fremdes, gegen das zersetzte eigenhafte Aufreibt: wie der große Theognis beklagt, daß das Geld das Blut der Edlen mit den Unedlen vermische und daß auf diese Weise die Rasse, die man bei Eseln und Pferden streng behüte, bei den Menschen besudelt würde. Wie im “Gorgias” Platon den Kallikles vergeblich das weiseste Evangelium verkünden läßt: “Das Gesetz der Natur will, daß der Bedeutendere über den Geringeren herrscht”. Freilich anders sei “unser (athenisches) Gesetz”, wonach die Tüchtigsten und Kräftigsten jung wie Löwen eingefangen würden, um sie durch “Zaubergesänge und Gaukeleien” der Gleichheitspredigten irrezuleiten. Wenn aber E i n e r wieder aufstehe, so zertrete er alle diese falschen Zaubermittel und ginge strahlend auf als das “Recht der Natur”. Aber umsonst war diese Sehnsucht nach dem heroischen Rassemenschen: das Geld, und mit ihm der Untermensch, hatte bereits über das Blut gesiegt, richtungslos beginnt der Hellene  sich mit Handel, Politik, Philosophie abzugeben; widerruft heute, was er gestern gepriesen  hat; der Sohn vergißt die Pietät gegenüber dem Vater; die Sklaven aus allen Weltteilen rufen nach “Freiheit”; die Frauen-und Männergleichheit wird verkündet; ja im Zeichen dieser Demokratie stoßen — wie Platon spöttisch bemerkt — die Esel und Pferde die Menschen, die ihnen nicht ausweichen wollen. Die Kriege vermindern die Geschlechter, immer neue Bürgeraufnahmen finden statt. “Aus Mangel an Männern” werden Wildfremde “Athener” wie später aus Ostjuden “deutsche” Staatsbürger. Und klagend sagt Isokrates nach der ägyptischen Expedition (458), die Familien der größten Häuser, welsche den persischen Krieg überstanden hätten, seien ausgetilgt: “Es ist aber nicht

[52] Griechenlands Untergang

die Stadt glücklich zu preisen, welche von allen Enden her aufs Geratewohl viele Bürger anhäuft, sondern diejenige, welche die Rasse der von Anbeginn an Angesiedelten am besten erhält. So kann es denn nicht anders sein, als daß ein Jakob Burckhardt betrübt feststellt: “Vom Eindringen der Demokratie an herrscht in ihrem (der Griechen) Inneren die beständige Verfolgung gegen alle diejenigen diejenigen, die etwas bedeuten k ö n n e n…! Ferner die Unerbittlichkeit gegen das Talent …”* Diese Demokratie aber ist nicht Volksherrschaft, sondern Herrschaft Vorderasiens über die ihre Menschen und Kräfte zerstreuenden griechischen Stämme, überall herrscht der hemmungslos gewordene Menschenauswurf über die verweichlichten, nicht durch rasssisch-verwandtes Bauerntum gestärkter Hopliten.

Gewissenlose Demagogen hetzen die Massen gegen die Römer, um sich später gegenseitig  bei diesen zu denunzieren. Bei deren Anmarsch aber begann eine Massenflucht aus den bedrohten Städten, ein jämmerliches Ergeben unter die kommenden Weltherrscher mit dem späteren Sprichwort: “Wenn wir nicht so rasch untergegangen wären, hätte es keine Rettung für uns gegeben.” In dem Wahnsinn, das Land “wieder aufzubauen”, begann die chaotische Demokratie mit Amnestien, Schuldenerlassen, Landaufteilen und wurde nur verwahrloster als je vorher. In blutigen Wirtschaftskämpfen reiben sich die Städte auf oder wurden öde und leer durch die Auswanderung der Hellenen in alle Teile der damaligen Welt: Kulturdünger für  rohe Völker, verbunden mit charakterlichem Untergang und physischer Vernichtung. Dort,  wo früher blühende Städte gestanden, die freien Griechen im Stadion gekämpft und blinkende Tempel von Schöpfergeist gezeugt hatten, fanden spätere Wanderer öde Ruinen, menschenleeres Land, zerfallene Säulen, und nur die leeren Sockel

[*Griechische Kulturgeschichte, Bd. 4, S. 503.]

[53] Die Sendung von Hellas

zeugten noch von Heroen- und Götterstatuen, die einst auf ihnen gestanden hatten. Zu Plutarchs Zeiten waren wohl kaum noch 3000 Hopliten aufzutreiben und Dio Chrysostomos bemerkt, der Typus des alten Griechen sei eine äußerst seltene Erscheinung geworden:  “Strömt nicht der Peneios durch ein einsames Thessalien und der Ladon durch ein verwüstetes Arkadien? . . . Welche Städte sind jetzt öder als Kroton, Metapont und Tarent?” so lagen Hysiä, Tiryns, Alsine, Orneä verwüstet; der Zeustempel zu Nemea war gefallen, sogar der Hafen von Nauplä menschenleer; vom “hundertstädtigen” Lakedämon waren dreißig Dörfer übriggeblieben; im messenischen Gebiet verzeichnet Pausanias die Trümmer von Dorion und Andania;von Pylos gab es nur Ruinen, von Letrinoi noch einige Wohnungen; die “große  Stadt” (Megalopolis) in Arkadien war nur noch eine “große Einsamkeit”; von Mantinea, Orchomenes, Heräa, Mänalos, Kynätha usw. zählte man nur noch ärmliche Spuren; Lykosura hatte nur noch die Stadtmauer sich erhalten, von Oresthasion ragten nur noch Tempelsäulen in den Himmel, die Akropolis von Asea war bis auf einige Mauerreste zerstört… Niedergerissen waren Daphnus, Augeia, Kalliaros, von Homer einst gerühmt; Oleanos war geschleift, die Schmuckstücke von Hellas, Kalydon und Pleuron, in Nichts herabgesunken und Delos war so verwüstet, daß, als Athen eine Wache für den dortigen Tempel entsandte, diese die ganze Einwohnerschaft bildete…

Und trotzdem: auch im Untergehen hatte der griechische Mensch den Vormarsch Asiens gehemmt, seine glänzenden Gaben über alle Welt zerstreut, die doch schon bei den nordischen Römern eine neue Kultur erzeugen halfen und später für das germanische Abendland zum lebendigsten Märchen wurden. A p o l l o n heißt somit der erste große Sieg des nordischen Europas trotz Opferung der Griechen, weil hinter ihnen aus neuen hyperboräischen Tiefen Träger

[54] Rom — eine nordische Gründung

der gleichen Werte seelisch-geistiger Freiheit, organischer Lebensgestaltung, forschender Schöpferkraft erwuchsen. Rom vertrieb dann für lange mit seinem Schwert den erstarkten vorderasiatischen Spuk, setzte schroffer und bewußter als Hellas das apollinische Paternitätsprinzip durch, festigte dadurch den Staatsgedanken an sich und die Ehe als Voraussetzung von Volk und Rassenschutz. Bis Germanien in neuer Form der Vertreter des Himmelsgottes wurde*.

3.

Im wesentlichen das gleiche Geschehen wie in Hellas, jedoch gewaltiger im räumlichen Ausmaß und machtpolitischer Ausgestaltung zeigt die Geschichte R o m s. Auch Rom ist die Gründung einer nordischen Völkerwelle, die lange vor den Germanen und Galliern sich ins fruchtbare Tal südlich der Alpen ergoß, die Herrschaft der Etrusker, dieses “geheimnisvollen” fremden (vorderasiatischen) Volkes brach, vermutlich eine Ehe mit Stämmen der noch reinen, eingeborenen mittelmeerländischen Rasse einging und einen nordisch bedingten Charakter von größter Festigkeit und Zähigkeit zeugte, indem sich Herren-, Bauern- und Heldentum mit klugem Sinn und eiserner Energie paarten. Das

[*Man lese einmal von diesem Gesichtspunkt aus Rohdes wunderbares Werk “Psyche” nochmal durch. Während Rohde erst ganz am Ende angesichts des chaotischen Späthellenismus von “Wahnvorstellungen aus allen Weltenden” spricht, vom “fremdländischen ….. Unwesen der Geisterbannung”, dem “Getümmel fremder Götzen und niedrig schwebender dämonischer Mächte”, fordert sein ganzes Werk direkt eine Untersuchung darüber, wie diese vorgriechischen Urkräfte bereits viel früher am Werke, umgedeutet angeeignet oder überwunden worden waren. Er würde h e u t e sicher nicht versäumen, zu erklären, daß der “unter dem Nabelstein der Erdgöttin” begrabene Python, der “chtonische Dämon” der uralte Gott Vorderasiens war, dessen Funktionen Apoll übernahm, soweit er ihn nicht besiegen konnte. Ebenso ist Erechtheus “lebendig hausend in dem Tempel” eine fremde rassenseelische Gestalt. Es zeugt für Rohdes geniale Unbefangenheit, wenn er etwas bekümmert feststellt, “auf dem immer tieferen Eindringen einer ängstlichen Scheu vor überall unsichtbar wirkenden Geistesmächten, einer Superstition, wie sie Homers Zeitalter noch nicht kannte”, hätte die Macht des späteren Orakels beruht. Auch die Vermischung des griechischen Heroenkults mit den chtonischen Göttern wäre Rohde heute als dramatischer Kampf bzw. Kompromiß zweier verschiedener Rassenseelen erschienen sein ganzes Werk ist. deshalb eine Bestätigung rassenseelischer Weltanschauung, wie sie heute geboren wird. Man lese auch von diesem Gesichtspunkt aus Fustel de Coulanges “La citee antique”. Vor allem aber Burckhardts unvergängliche “Griechische Kulturgeschichte”, deren Daten durch die rassenseelische Scheidung erst heute ihre eigentliche Deutung und Bedeutung erhalten]

[55] Karthago und Jerusalem

alte Rom von dem die Geschichte nicht viel zu erzählen weiß, ward durch Zucht und eindeutigen Charakter im Kampf gegen den gesamten Orientalismus ein echter völkischer Staat. In dieser “vorgeschichtlichen Zeit wurden jene Köpfe gleichsam vorgebildet, jene Kraft aufgespeichert, von der spätere Jahrhunderte verschwenderich zehrten, als die Römer in Weltkonflikte gerieten. Die herrschenden 300 Adelsgeschlechter lieferten die 300 Senatoren, aus ihnen wurden die Leiter der Provinzen und die Feldherren ernannt. Umgeben von seefahrenden Rassen Vorderasiens mußte Rom immer öfter sein kurzes Schwert seiner Selbstbehauptung wegen mit aller Rücksichtslosigkeit führen. Die Zerstörung Karthagos war eine Rassengeschichtlich ungeheuer wichtige Tat: dadurch wurde auch die spätere mittel- und westeuropäische Kultur von den Ausdünstungen dieses phönizischen Pestherdes verschont.

Die Weltgeschichte hätte auch sonst vielleicht einen anderen Gang genommen, wenn gleich der Niederlegung Karthagos auch die Zerstörung aller anderen syrischen und vorderasiatischen semitisch-jüdischen Zentralen vollkommen gelungen wäre. Die Tat des Titus kam jedoch zu spät: der vorderasiatische Schmarotzer saß nicht mehr in Jerusalem selbst, sondern hatte bereits

[56] Patritzier und Plebejer

seine stärksten Saugarme von Ägypten und “Hellas” aus gegen Rom ausgestreckt. Und er wirkte auch schon in Rom! Alles was von Ehrgeiz und Gewinnsucht besessen war, zog in die Hauptstadt am Tiber und war bemüht, durch Versprechungen und Geschenke das  “souveräne”, alleinherrschende Volk in seinen Beschlüssen zu bestimmen. Aus der früher berechtigten Volksabstimmung gleichgerichteter, erdverbundener Charaktere entstand durch fremdrassischen Zuzug ein gesinnungsloser, verlumpter Menschenhaufen als ständige Bedrohung des Staates. Wie ein einsamer Fels in diesem immer mehr verschlammenden Gewoge stand später wie ein Gleichnis der große Kato. Als Prätor von Sardinien, als Konsul von Spanien, dann als Zensor in Rom kämpfte er gegen Bestechung, Wucher und Verschwendungssucht. Ähnlich dem anderen Cato, der sich nach furchtlosem Kampf gegen Staatszersetzung ins Schwert stürzte. Altrömisch nannte man diese Tat. Gewiß. Altrömisch ist aber wesensgleich mit nordisch Als später Germanen sich dazu hergaben den schwachen, verkommenen, von unreinen Bastarden umgebenen Kaisern ihre Dienste zu widmen, da lebte in ihnen derselbe Geist der Ehre und Treue wie im alten Römer. Kaiser Vitellius, ein Feigling ohnegleichen, wurde von seinen Gegnern in einem Versteck erwischt, am Strick übers Forum geschleift und erdrosselt, seine germanische Leibwache aber ergab sich nicht. Sie war ihres Eides zwar entbunden, ließ sich aber doch bis zum letzen Mann erschlagen. Das war nordischer Geist bei Kato, bei den Germanen. Wir erlebten ihn 1914 wieder in Flandern, bei Coronel, während langer Jahre in der ganzen Welt.

In der Mitte des 5. Jahrhunderts hatte sich der erste Schritt dem Chaos entgegen vollzogen: die Mischehe zwischen Patriziern und Plebejern wurde gestattet. Die rassische Mischehe war somit auch in Rom wie in Persien und Hellas zu einer Bedingung des völkischen und staatlichen Niedergangs geworden. Im Jahre 336 rücken bereits die

[57] Von Sulla zu Septimus Severus

ersten Plebejer in die römische Gemeindeversammlung ein, um 300 weiß man schon von plebejischen Priestern zu berichten. 287 wird die plebejische Volksversammlung gar Staatseinrichtung Händler und Geldleute schieben ihre Geschöpfe vor, ehrgeizige abtrünnige Patrizier wie die Gracchen geben demokratischen Neigungen nach, vielleicht auch von großherzigem, aber falsch angebrachtem Wohlwollen getrieben, andere setzen sich ganz offen an die Spitze des römisch-städtischen Gesindels, wie Publius Clodius.

In diesen Zeiten des Chaos ragten nur noch wenige hervor: der blauäugige gewaltige Sulla, der rein nordische Kopf des Augustus. Sie konnten das Schicksal aber nicht mehr aufhalten. Und so kommt es, daß die Herrschaft über die römische Völkerflut — und das bedeutete Herrschaft über ein Riesenreich — ein Spiel des grausamen Zufalls wird, je nachdem, wer über die Prätorianer herrscht oder gerade einen hungrigen Menschenhaufen anführt: es steigt empor einmal ein Großer, das andere Mal ein grausamer Bluthund. Roms frühere mächtige Rassenmächte sind im Verlauf von 400 Jahren rassenzersetzender Demokratie nahezu erschöpft. Die Herrscher kommen jetzt aus den Provinzen. Trajan ist der erste Spanier im Purpur, Hadrian der zweite. Das Adoptivkaisertum entsteht, gleichsam als letzter Rettungsversuch, aus dem Gefühl heraus, daß auf das Blut kein Verlaß mehr ist und nur noch persönliche Auslese den Fortbestand des Staates zu sichern vermag. Mark Aurel, auch ein Spanier, ist in seinen Werten bereits christlich geschwächt: er erhebt ganz offen Sklavenschutz, Frauenemanzipation, Armenhilfe (Ewerbslosenfürsorge sagen wir heute) zu staatlichen Grundsätzen, entrechtet die einzige noch typenformende Kraft, die stärkste Überlieferung des republikanischen Roms, die Herrschaft des pater familias. Dann folgt Septimus Severus, ein Afrikaner. “Macht die Soldaten reich, verachtet alle anderen”, lautet sein Rat an seine Söhne Caracalla und

[58] Völkerchaos in Rom

Greta. Bestimmt durch seine syrische Mutter (Tochter eines Baalspriesters in Kleinasien) erklärt der ekelhafteste Bastard auf dem Cäsarenthron, Caracalla, alle “freien” Einwohner des römischen Gebietes zu Staatsbürgern (212).

Das war das Ende der römischen Welt. Macrinus mordet dann den Caracallla und wird selbst Kaiser. Nachdem auch er erschlagen wird, folgt auf ihn das Monstrum Elagabal, der Neffe des Afrikaners Severus. Dazwischen tauchen auf der Halbgermane Maximus “Thrax”, Philippus “Arabs”, ein Semit. Auf den Sitzen der Senatoren räkeln sich fast nur Nichtrömer. Die “Bildung” dieser Epoche vermitteln Martial, ein Spanier, die Griechen Plutarch, Strabon, Dio Cassius usw. Auch Apollodorus, der das Forum erbaute, war ein Grieche …

Unter den späteren ist Aurelian ein in Belgrad geborerener Illyrier, Diokletian ein ebenfalls illyrischer Sklavensohn (vielleicht halbgermanischer Abkunft), ein Nebencäsar, Constantius Chlorus, stammt auch aus Illyrien, aber ist höherer Herkunft. Nach dessen Tode wird ein Gewaltiger von den Legionen zum Augnstus gemacht: Konstantin, der Sohn des Constantius Chlorus und eines Schankmädchens aus Bithynien. Dieser Konstantin siegte über alle Nebenbuhler. Damit ist die Geschichte des kaiserlichen Roms zu Ende, das päpstliche und das germanische begann.

In dieser verschwimmenden Mannigfaltigkeit mischt sich Römisches, Kleinasiatisches, Syrisches, Afrikanisches, Griechisches. Die Götter und Sitten aller Länder zeigten sich auf dem ehrwürdigen Forum, der Mithraspriester opferte dort seine Stiere, zu Helios beteten späte Griechen. Astrologen und orientalische Zauberer priesen ihre Wunder an, der “Kaiser” Elagabal spannte sechs Schimmel vor einen riesigen Meteorstein und ließ diesen als Sinnbild des Baals von Emesa durch die Straßen Roms führen. Er

[59] Wie Rom entstand

selbst tanzte an der Spitze des Zuges. Hinter ihm her wurden die alten Götter geschleift und das “Volk” von Rom jubelte. Die Senatoren beugten sich Bänkelsänger, Barbiere und Pferdeburschen stiegen zu Senatoren und Konsuln empor. Bis auch Elagabal erdrosselt und in den Tiber geworfen wurde, in jene letzte Ruhestätte so vieler Tausender seit über zweitausend Jahren.

Diese Auffassung über die römische Vergangenheit hätte sich auch ohne die neueren rassengeschichtlichen Forschungen aufdrängen müssen; namentlich beim Studium altrömtscher Gebräuche, Staats-, Rechtsbestimmungen und Mythen, denn auf allen Gebieten sehen wir uralte, eng mit Afrika-Vorderasien zusammenhängende Werte, nach und nach oder plötzlich, bei Beibehaltung der gleichen Namen, in ihr Gegenteil verwandelt. So “stellten” unsere zünftigen Geschichtsschreiber — sie tun es auch heute noch — “fest”, daß in Nord-  und Mittelitalien Etrusker, Sabiner, Osker, Sabeller, Aequer, Samniten wohnten, im Süden Phönizier,Sikuler, vorderasiatische Völkerschaften, griechische Siedler und Händler. Und plötzlich, man weiß nicht wieso und warum, entsteht ein Kampf gegen einen Teil dieser Stämme und Völkerschaften, gegen ihre Götter und Göttinnen, gegen ihre Rechtsbegriffe, gegen ihre politischen Machtansprüche, ohne daß von einem neuen Träger dieses Kampfes   die Rede ist, oder wenn, so nicht nach seinem Wesen gefragt wird. Hier half sich die Gelehrtenwelt mit der berühmten “Entwicklung der Menschheit, welche zwecks “Veredelung” angebilch eingegriffen habe, und die Tatsachensammler waren sich in diesem Punkt einig mit ihren Gegnern, den romantischen Mythendeutern, obgleich die Etrusker sicher eine “höhere Kultur” besaßen als die bäuerischen Latiner. Da dies Wort von der plötzlich einsetzenden zauberhaften “Entwicklung” zu höherer Geistigkeit, höheren Staatsformen usw. mit der Zeit aber doch anrüchig geworden war, erfanden neue Deuter der

[60] Die Etrusker

Geschichte die sog. Kulturkreislehre. Ein neues Wort, welches genau so inhaltsleer ist wie die nur im Gehirn des Gelehrten oder Priesters anzutreffende “allgemeine Entwicklung” zu seinem privaten Glauben, weil nämlich von den Schöpfern der Kulturkreise ebensowenig die Rede war wie in den Werken der Evolutionspäpste des 19. Jahrhunderts. Ein solcher  indischer, persischer, chinesischer oder römischer Kulturkreis senkte sich eines schönen  Tages auf ein Gebiet herab und veranlaßte dank dieser Zauberhaften Berührung eine vollkommene Änderung der gleichen menschlichen Wesen, die vorher, unberührt von ihm, gewissen Gebräuchen huldigten. Und dann erfahren wir vom “pflanzenhaften” Wachsen, Blühen und Vergehen dieses magischen Kreises, bis die Lehrer der “Morphologie der Geschichte” auf Grund heftiger Kritiken am Ende des zweiten oder dritten Bandes etwas von Blut und Blut-Zusammenhängen murmelten.

Auch dieser neue intellektualistische Zauber beginnt jetzt zu verfliegen. Der “römische Kulturkreis”, die “neue Entwicklung” entsteht nicht aus den Schöpfungen des eingeborenen etruskisch-phönizischen Blutes, sondern gegen dieses Blut und seine Werte. Träger sind nordische Einwandererzüge und nordischer Kriegeradel, der auf italienischem Boden mit den Ligurern, der negroiden Urrasse (aus Afrika gebürtig) und mit den vorderasiatischen Etruskern aufzuräumen beginnt, wohl manchen Tribut dieser Umgebung zollen muß, sein Eigenstes aber im erbittertsten Kampf herausstellt und rücksichtsloser durchsetzt als das Volk der mehr künstlerisch gestaltenden Hellenen (Vertreibung des letzten Etruskerkönigs Tarquinius Superbus); viele dieser Leistungen blieben europäisches Gemeingut, vieles Faule und Fremde aber trugen die später doch wieder stark aufschäumenden Wogen des Völkerchaos nach Europa hinein.

Die Etrusker, Ligurer, Sikuler, Phönizier (Punier)

[61] Hetären und Priester

waren also keine “frühere Entwicklungsstufe”, waren nicht “Stämme des römischen Volkes”, die jeder zur “allgemeinen Bildung” das ihrige beigetragen haben, sondern die Bildner des römischen Staates standen ihnen allen rassisch-völkisch feindlich gegenüber, unterwarfen sie sich, rotteten sie teilweise aus und nur der Geist, der Wille, die Werte, die sich hier in diesem Kampfe offenbarten, verdienten römische genannt zu werden. Die Etrusker bieten ein typisches Beispiel dafür, daß für sie die griechische Glaubens- und Lebensform keinen Fortschritt, keine mögliche Veredelung bildeten. Ebenso wie die anderen Vorderasiaten hatten sie einst atlantisch-nordische Mythen vorgefunden, sie wurden dann zwar auch von griechischer Kultur überzogen, sie ahmten, so gut sie konnten, griechische Plastik und Zeichnung nach, sie eigneten sich auch den hellenischen Olymp an, und doch ist a l l e s das entartet, in sein Gegenteil verwandelt worden. Grund genug, daß gewisse “Forscher” auch heute noch vom “ungeheuren Geisteserbe”, vom “Wachstumsgrund”, von “welthistorischer Weihe” des “tragischen Schicksals” der Etrusker faseln*, offenbar aus jener inneren  Sympathie heraus, die heute das aufsteigende Asphaltmenschentum der Weltstädte mit allen Abfallprodukten des Asiatentums auf sehr bezeichnende Art verbindet.

Dabei bieten Sage- und Gräberdenkmäler der Etrusker genügend Anknüpfungspunkte, um begreiflich zu machen, warum das gesunde, starke römische Bauernvolk sich dem Etruskertum zum verzweifelten Kampfe stellte. Zwei Typen sind es, die tuskisches Wesen kennzeichneten: die göttliche Hetäre und der zauberstarke Priester, der durch furchtbare Riten die Schrecken der Unterwelt zu bannen versteht. Die “große Hure von Babylon”, von der die

[*Z- B. Hans MühleStein: “Die Geburt des Abendlandes”. Berlin 1928.]

[62] Hetärenwirischaft in Vorderasien

Apokalypse spricht, ist kein Märchen, keine Abstraktion, sondern eine hundertfach bezeugte geschichtliche Tatsache: die Tatsache der Hetärenherrschaft über die Völker Vorder-und Mittelasiens. In allen Zentren dieser Rassengruppen thronte an höchsten Festtagen die Staatshetäre als Verkörperung der alle gleichmachenden Sinnlichkeit und der weltbeherrschenden Wollust, in Phönizien im Dienste der Kybele und Astarte, in Ägypten zu Ehren der großen Kupplerin Isis, in Phrygien als Priesterin eines absolut hemmungslosen Geschlechtskollektivismus. Zur herrschenden Priesterin der Liebe gesellte sich, in durchsichtige libysche Gewänder gekleidet, ihr Buhle. Sie salben sich beide mit köstlichen Salben, schmücken sich mit kostbaren Spangen, um dann vor allem Volk (wie auch Absolom mit Davids Kebsweibern 2. Sam. 16, 22) die Begattung zu vollziehen. Dem Beispiel folgte  das Volk in Babylon, bei den Assyrern, in Libyen, im etruskischen Rom, wo die Göttin- Priesterin Tanaquil die Entwicklung des Hetärentums auf die Spitze treibt in schönster Zusammenarbeit mit den “Priestern” der Etrusker*. Wohl “deutete” man sich früher die tuskischen Inschrifren auf Gräbern, Mumien-binden, Rollen usw., doch erst Albert Grünwedel ist es

[*Der äußerst zurückhaltende Erforscher Etruriens, Karl Otfried Müller, welcher in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts natürlich noch nicht die ganze Rassenfrage derart übersehen konnte wie wir heute, schreibt in seinem großen Werk “Die Etrusker” (neu herausgegeben von Dr. W. Deecke, Stuttgart, 1877) über die dem etrustischen Wesen offenbar verwandten Dionysien, zunächst seien nur die Frauen eingeweiht worden; erst lange nachher, in Rom gegen 550 der Stadt, wurden auch Männer geweiht, die etruskischen P r i e s t e r hätten dann “jene Scheuseligen Orgien ausgebildet, in denen das von phrygischer Kymbalen- und Paukenmusik betäubte, von bacchischer Lust und losgelassener Gier entflammte Gemüt sich aller Greuel unterfing, bis der römische Senat (568) mit heilsamer Strenge alle Bacchanalien… aufhob”. (Bd. II, S. 78.)]

[63] Etruskischer Satanismus

gelungen, diese Schrift wirklich zu entziffern* und zwar mit Ergebnissen, die das Etruskertum in einem grauenhaften Lichte zeigen. Der griechische Sonnenmythus wird auch hier aufgenommen; daß die Sonne stirbt, daß aber dann der Sonnengott aus dunkler Nacht mit doppelter Kraft emportaucht und leuchtend über uns hinwegzieht, ist auch etruskisches Motiv. Aber unter den Händen tuskischer Priester wird daraus asiatische Magie, Hexenwesen, verbunden mit Päderastie, Selbstbegattung, Knabenmord, magischer Aneignung der Kraft des Gemordeten durch den Priester-Mörder und Weissagungen aus dem Kot und der Eingeweidenpyramide des Geopferten.

Die Mannheit der Sonne begeht mit dem magischen Phallus eine Selbstbegattung an der Sonnenscheibe (d.i. der ägyptische “Punkt” in der Sonne), die er schließlich durchstößt. Daraus entsteht ein goldener Knabe, das “Phoetus eines Knaben, der die Öffnung hat”, ein “magisches Schema”; das ist das sog. “Siegel der Ewigkeit”. Das Ungestüm des magischen Phallus wird als Stier gedacht, der so wüst vorgeht, daß die Sonnenscheibe brüllt, und der “Phallusträger des Gehörns” zum Feuer wird, “der Phallus aus dem, der den Himmel hat”. In immerwährenden, sich gleichbleibenden Obszönitäten wird hier der Sonnenmythus in eklige Männerbuhlschaft herabgezogen, die sich in den Wandzeichnungen der Gräber (Golini-Grab) fortsetzt, wo der Verstorbene mit seinem Buhlknaben im Jenseits sein Gastmahl hält und wo aus einem Opferfeuer zwei Riesenphallen als Ergebnis einer satanistischen Zauberaktion entspringen. Das ist, laut Inschrift, “der Blitz der Vollendung, Person einer Matrix, Phallus, der Verwesungsdampf hat und so vollendet ist”. D. h- aus der magischen Sprache übersetzt, daß das von der Frau geborene Geschöpf nach Verwesung vergöttlicht, ein Phallus wird.

[*Tusca, Leipzig 1922.]

[64] Magie und Zauberei

Aus der Inschrift des Cippus von Perugia ergibt sich eine Zusammenkunft satanistischer Priester, die einen Spuk “vollenden”, “um zu brennen in Besessenheit”, “er, der diesen   Knaben hat, der das dämonische Messer hat. Ewig ist des Knaben Feuer …, ein Magischer des vollzogenen Siegels”. Und der gemordete Knabe wird nunmehr zum “Böckchen”. Der personifizierte Donner ist dann eine Abwandlung des durch Stupration gewonnenen Sohnes, des vollendeten Böckchens. “Hier ist der Ursprung des gehörnten Phantoms einerseits, des bockköpfigen Teufels andererseits, dessen Auftreten in der Hexenliteratur bis zu den Volkssagen hinab bisher völlig rätselhaft war. Die antiken Typen sind der Minotaurus (so besonders über dem bekannten Grabe von Corneto: Tomba dei Tori) und der griechische Satyrtypus, er war gut genug, ein himmelschreiendes Verbrechen zu illustrieren”  (Grünwedel). Der Sinn aller sich immer wiederholender Gebräuche des “religiösen” Etruskervolkes ist, daß der Buhlknabe, schmählich mißbraucht, zerschlitzt wird, die Geburt  des neuen Sonnentages aus dem Ei “Symbolisieren” soll, welches sein Spuk durch das   Sperma (das in Näpfen gesammelt wird) erhalten hat; so entsteht ein spukhafter Stier, wie die Sonne feurig, erektiv, und vollzieht immer wieder die dämonische Selbstbegattung. Bei Durchführung dieses Rituals geht angeblich die Kraft des Gemarterten auf den Priester über, den Vertreter der “Auserwählten” (Rasna, Rasena) wie die Etrusker sich, ähnlich den Juden zu nennen beliebten, der dann den Dunst der Eingeweide zum Himmel steigen läßt. Hinzu   kommt die “magische” Verwendung von Fäkalien, wiederum in Verhöhnung des griechischen Sonnenmythus: der zauberhafte Cherub wird zur höchsten Kraft, wenn er sechs Rollen Gold (Kot), des Himmels Röte schaffend, von sich gibt.

Ein Auserwählter kann werden durch Lieferung seiner Eingeweidepyramide, worüber etruskische Spiegel

[65] Die Staatshetäre Tanaquil

genügend Auskunft geben, in denen Hexen Jünglinge für Geld zu dieser Hingabe veranlassen wollen, um dann in Flammen zum Himmel zu steigen, ein neues Zeugnis für die Urheimat des Hexenwesens und des Satanismus auf europäischem Boden. Wir begreifen, wenn ein Forscher wie Günwedel (der hier engste Verwandtschaft zu den tibetanischen Tantras des Lamaismus findet*) erklärt: “Eine Nation, die es fertig bringt, Wandgemälde über die Eingangstüren von Gräbern zu malen, wie die beiden Szenen in der Tomba dei Tori, die es sich erlaubt, in den Gräbern solchen Unflat zu schreiben und zu malen, wie im Golini-Grabe I, Sarkophage mit den widerlichsten Darstellungen zu bedecken: ich erinnere nur an die Sarkophage von Chinsi, Darstellungen von Verstorbenen einen Text wie die sog. Pulena-Rolle in die Hand zu geben, Toiletten-Artikel mit den haarsträubendsten Gemeinheiten zu bedecken, gibt dadurch die menschenunwürdigste Infamie als nationales Erbgut, als religiöse Überzeugung.”

Es ist notwendig, sich dieses Wesen des Etruskertums einmal klar zu machen, um endlich die Tatsache fest ins Auge fassen zu können, daß es den nordischen Latinern, den echten Römern, ergangen ist wie später den nordischen Germanen, früher noch den nordischen Hellenen. Als Zahlenmäßig kleines Volk führten sie einen Verzweiflungskampf gegen das Hetärentum   durch stärkste Betonung des Patriarchats, der Familie; sie veredeln die große Hure Tanaquil  zu einer treubesorgten Mutter und stellen sie dar als Hüterin der Familie mit Rocken und Spindel. Der magischen Zauberei einer gewalttätigen Priesterschaft setzen sie ihr hartes römisches Recht entgegen, ihren großartigen römischen Senat. Und mit dem Schwert säubern sie Italien von Etruskern (wobei sich namentlich der große Sulla hervortat) und den von  diesen stets herbeigerufenen Puniern.

[*Siehe sein anderes großes Werk: “Die Teufel des Avesta”.]

[66] Die Macht des Haruspex

Und doch, Überzahl, Tradition und die übliche internationale Geschlossenheit alles Gauner- und Gauklertums fraß sich ins ehrenhafte altrömische Leben immer mehr ein, je weiter es zur Sicherung seiner Werte in den Völkermorast des Mittelmeeres zu greifen gezwungen war.

Namentlich den Haruspex und die Augurn konnte Rom nicht überwinden, selbst Sulla war von einem Haruspex Postumius, Julius Cäsar später vom Haruspex Spurinna begleitet. Eine Ahnung dieser heute feststehenden — und deshalb von unseren weltstädtischen “Etruskern” verschwie-genen — Tatsachen hatte schon Burckhardt. Er schreibt in seiner “Griechischen Kulturgeschichte”*:

“Wenn dann aber in Rom bei Entfesselung aller Leidenschaften gegen Ende der Republik das Menschenopfer in greulichster Gestalt wieder auftritt, wenn über den Eingeweiden geschlachteter Knaben Gelübde geleistet werden und dgl., wie bei Catilina und Vatinus in (Cicero, in Vatin.6), so geht dies hoffentlich die griechische Religion nichts mehr an und auch den angeblichen Pyrhagoreismus des Vatinius nicht. Die römischen Gladiatorenkämpfe aber, gegen welche Griechenland einen dauernden Abscheu behielt, waren aus Etrurien gekommen, zuerst als Leichenfeier vornehmer Verstorbener.” Hier ist deutlich die Erkenntnis miteinbegriffen, daß auch das Menschenopfer ein “religiöses” tuskisches Erbgut war**. Der etruskische Priester Volgatius, der beim Leichenbegängnis Cäsars in

[*Bd. 2, S. 152.]

** Eine der ersten Taten des großen Vandalen Stilicho als Regent Roms war die Abschaffung dieser asiatischen Grausamkeiten. Genau das gleiche ordnete später der Oftgote Theodorich an, der die Gladiatorenkämpfe zu Ritterturnieren umgestaltete. Auch in derartigen Einzelheiten scheidet sich Charakter- auf ewig von Charakter. Die Stier- und Hahnenkämpfe der Spanier und Mexikaner sind ihrerseits Zeugnis dafür, aber eins für unsauberes, über das Germanische Sieghaftes Völkerchaos.

[67] Der Papst — Nachfolger des Haruspex

Verzückung das letzte Jahrhundert des Etruskertums verkündet, war nur einer von vielen, die Roms Leben beherrschten und die Nöte des Volkes für Vorderasiens Geist auswerteten. Als Hannibal vor den Toren Roms stand, da erklärten diese Haruspizes, ein Sieg sei nur durch Wiederaufnahme des Kults der,, Großen Mutter” möglich. Diese wurde tatsächlich aus Kleinasien herübergeholt und der Senat mußte solch bequemen, ihr zu Fuß bis zum Meer entgegen zu gehen. So zog neues kleinasiatisches Priestertum mit der “Großen Hure” der Pelasger oder der “schönen lieben Hure” von Ninive (Nahum 3, 4) in die “ewige Stadt” ein  und nahm Wohnung auf dem ehrwürdigen Palatin, dem Sitz des kulturschaffenden altrömischen Gedankens. Es folgten die üblichen vorderasiatischen “religiösen” Umzüge,   doch mußten sich die Ausschweifenden später auf die hinter Tempelmauern liegenden   Bezirke beschränken, um sich der Empörung des besseren Teils des Volkes zu entziehen. Der Harupex siegte, der römische Papst erhob sich als sein unmittelbarer Nachfolger, während die Tempelherrschaft, das Kardinalskollegium, eine Mischung von Priestertum der Etrusko-Syro- Vorderasiaten und der Juden mit dem nordischen Senat Roms darstellt. Auf diesen etruskischen Haruspex geht dann auch “unsere” mittelalterliche Weltanschauung zurück, jener furchtbare Zauberglaube, jener Hexenwahn, dem Millionen des Abendlandes zum Opfer gefallen sind, der auch durchaus nicht mit dem “Hexenhammer” ausgestorben ist, sondern in der kirchlichen Literatur von heute noch lustig weiterlebt, jeden Tag bereit, offen hervorzubrechen; jener Spuk, der nicht selten die nordisch-gotischen Kathedralen verunstaltet und über eine natürliche Groteske weit hinausgeht. Auch in D a n t e lebt, grandios gestaltet, die etruskisch verbastardierte Antike* erneut auf: sein Inferno mit

[*Vielleicht kann man auch die Gestalt Macchiavellis hier eingliedern. Trotzdem er gegen die Kirche für einen italienischen Nationalstaat kämpfte, trotzdem das Geschäft der Politik zu allen Zeiten nicht gerade eine Schule grundsätzlicher Wahrhaftigkeit gewesen ist: ein derartiges, nur auf menschliche Niedertracht aufgebautes System und ein g r u n d s ä t z l i c h e s Bekenntnis dazu ist keiner nordischen Seele entsprungen. Macchiavelli stammte aus dem Dorf Montespertoli, das, wie sein Lebensdarsteller Giuseppe Prezzolini erklärt,(“Das Leben Nicolo Macchiavellis”, deutsch Dresden 1929) “vorwiegend etruskischen Charakter” hatten * MülIer-Deecke: “Die Etrusker”, Bd. II, S. 109.]

[68] Dantes Inferno

dem Höllenfährmann, dem Höllensumpf Styx, den pelasgischen blutgierigen Erinnyen und Furien, dem kretischen Minotaurus, den Dämonen in widerwärtigster Vogelgestalt, welche die Selbstmörder peinigen, dem amphibienhaften Greuelwesen Geryon. Da laufen die Verdammten in glühender Wüste unter dem Regen von Feuerflocken; da werden Übeltäter zu Baumgestrüpp, welches die Harpyen fressen, und bei jedem Brechen der Zweige entströmt ihnen Blut und ewiges Wehklagen; da hetzen schwarze Hündinnen hinter den Verdammten   her und zerreißen sie unter fürchterlichen Qualen; gehörnte Teufel peitschen die Betrüger, und Dirnen versenkt man in stinkenden Kot. In enge Schluchten gesperrt, schmachten die simonistischen Päpste selbst, ihre drehenden Füße sind schmerzhaften Flammen ausgesetzt, und laut erhebt Dante die Klage gegen das verfallene Papsttum, die babylonische Hure.

Daß alle diese Unterweltsvorstellungen etruskisch sind, zeigen vor allem die  Grabzeichnungen der Tusker. Wie im Mittelalter in der “vorchristlichen” Oberwelt, sieht man hier als Vorstellung von der Ewigkeit an den Händen aufgehängte Menschen mit brennenden Fackeln und anderen Marterwerkzeugen gefoltert. Die mörderischen Rachefurien stellen sich die Etrusker vor als “durchweg häßliche, mit tierischer oder negerartiger Gesichtsbildung, spitzen Ohren, gesträubtem Haar, Hauerzähnen usw.”*. So foltert eine derartige Furie mit Vogelschnabel durch ihre giftigen

[69] Etruskische Zauberei in Europa

Schlangen den Theseus (uralter Haß gegen den sagenhaften Überwinder der Urdämonen vor Athen?), wie das ein Wandgemälde der Tomba dell’ Orco zu Corneto darstellt Neben diesen Furien wirken jene gräßlichen männlichen und weiblichen Todesdämonen mit Schlangenbeinen, Typhon und Echidna benannt, einäugig, mit Schlangenhaaren. Auch sonst verweilen die Etrusker mit sadistischer Liebe bei allen Darstellungen der Qual, des Mordes, des Opferns, das Menschenschlachten selbst war ein besonders beliebter Zauber.

Musikalisch erfindungslos, im wesentlichen vollkommen poesielos, unfähig einer eigenen organischen Architektur, ohne jeden Ansatz zu einer echten Philosophie, sehen wir dieses vorderasiatische Volk mit größter Beharrlichkeit der Vogel-, der Eingeweideschau, dem komplizierten Zauber-und Opferwesen hingegeben; technisch oft tüchtig, fast ganz dem Handel verfallen, triebhaft und zäh, hat es das römische Blut vergiftet, seine schreckenerregende Vorstellungswelt der Höllenqualen im Jenseits auf die Kirchen übertragen, die grauenhaften Tier-Menschendämonen sind bleibende Einwirkungsmittel des Papsttums geworden und beherrschen die durch die römische Kirche vergiftete Vorstellungswelt unseres “Mittelalters”, worüber schon allein die Malerei erschreckende Auskunft gibt — sogar auf dem Isenheimer Altar, ganz zu schweigen von den Höllenfahrten anderer bildender Künstler. Erst wenn man dies ganze fremde Wesen erkannt hat, sich seiner Ursprünge bewußt geworden ist und den Widerstandswillen aufbringt sich dieses gesamten fürchterlichen Spukwesens zu entledigen, dann erst haben wir das “Mittelalter” überwunden. Dadurch aber auch die römische Kirche, die mit den etruskischen Unterweltsqualen für immer verbunden ist, innerlich gestürzt.

Die ganze furchtbare Mystagogie des Danteschen Infernos bedeutet also die erschütterndste Darstellung des

[70] Die Tragik des Mittelalters

altetruskisch-vorderasiatischen Satanismus, verbunden mit dem Christentum. Jedoch regte sich in Dante neben dieser Umschlingung durch jahrtausendalte Dämonie doch sofort der germanische Geist*.

Im Purgatorium läßt Virgil über Dante sagen: “Die Freiheit sucht er”; das war ein Wort, das allen Geistern widersprach, aus denen einst die Vorstellungen des großen Teufels- und Hexenspukes geboren wurden, bis schließlich Virgil seinen Schützling froh verlassen konnte, da er genügend eigene Kraft erworben hatte: “Mein Wissen, mein Wort kann Dir nichts mehr erklären, Frei, grad, gesund sind Deines Willens Zeichen: Wahn wär’ es, ihm nicht Folge zu gewähren.”

Das sind die zwei Welten, die das mittelalterliche Herz des nordisch-bedingten Menschen zerrissen: die Vorderasiatische, schreckhafte, von der Kirche gezüchtete Vorstellung der grausamen Unterwelt und die Sehnsucht “frei, grad und gesund” zu sein. Nur so weit er frei ist, kann der Germane schöpferisch sein, und nur wo der Hexenwahn nicht herrschte, entstanden Zentren europäischer Kultur.

In dieses rasselose wüste Rom kam das Christentum. Es brachte einen Begriff mit sich, der in erster Linie seinen

[*Daß Dante germanischer Abstammung war, steht heute fest. Er hieß Durante Aldiger, was ein rein germanischer Name ist. Dantes Vater war der Urenkel des in der Comedia  erwähnten Cacciaguida, der unter Konrad 111. am Kreuzzug teilnahm, vom Kaiser Selbst  zum Ritter geschlagen wurde. Seine Gattin war eine Frau aus altgermanischem Gschlecht der Aldiger. Dante hatte sich sein Leben lang auf die Seite des nordischen Gedankens der Unabhängigkeit der weltlichen Macht von der Priesterherrschaft gestellt, d. h- sich den Ghibellinen angeschlossen; scheute er sich doch nicht, die entarteten Päpste in die Höllenqualen zu versetzen, Rom selbst eine Kloake zu nennen und, vor allem, dichtete er doch in der Sprache des Volkes, der er eine besondere Schrift widmete, gegen das abstrakte Latein.]

[71] Die Erb-Sündenlehre

Sieg verständlich macht: die Lehre von der Sündigkeit der Welt und damit zusammenhängend die Predigt der Gnade. Einem Volk mit ungebrochenem Rassencharakter wäre die Erb- Sündenlehre eine Unverständlichkeit gewesen, denn in einer solchen Nation lebt das sichere Vertrauen zu sich selbst und zu seinem als Schicksal empfundenen Willen. Homers Helden kennen die “Sünde” ebenso wenig wie die alten Inder und die Germanen des Tacitus und der Dietrichssage. Dagegen ist das dauernde Sündengefühl eine Begleiterscheinung physischer Bastardierung. Die Rassenschande zeugt vielspältige Charaktere, Richtungslosigkeit des Denkens und Handelns, innere Unsicherheit, das Empfinden, als sei dies ganze Dasein der “Sünde Sold” und nicht eine geheimnisvoll notwendige Aufgabe der Selbstgestaltung. Dieses Gefühl der Verworfenheit aber ruft die Sehnsucht nach einer Gnade notwendig hervor, als einzige Hoffnung der Erlösung vom blutschänderischen Dasein. Es war darum selbstverständlich, daß unter gegebenen Umständen alles, was noch in Rom Charakter besaß, sich gegen das auftretende Christentum wehrte, um so mehr, als dieses neben der religiösen Lehre eine durchaus proletarische-nihilistische politische Strömung. Die übertrieben blutig geschilderten Christenverfolgungen waren im übrigen nicht, wie es die Kirchengeschichten darstellen, Gesinnungsknechtungen (das Forum war frei für alle Götter), sondern Unterdrückung einer politischen als Staatsgefährlich beurteilten Erscheinung. Lehrkonzile, Inquisition, und Scheiterhaufen zwecks Seelenvernichtung einzuführen, blieb der Kirche in ihrer paulinisch-augustinischen Form vorbehalten. Die klassisch-nordische Antike kannte derlei nicht und die germanische Welt hat sich gleichfalls stets gegen dieses syrische Wesen empört.

Das kirchliche Christentum hat namentlich Diokletian in das Zentrum seiner Angriffe gestellt.

Dieser

[72] Der mißdeutete Diokletian

Herrscher war zwar niederer Herkunft, aber vermutlich germanischer Mischling (von weißer Körperhaut, blauäugig), ein persönlich makelloser Mann, der Mark Aurel verehrte und ein vorbildliches Familienleben führte. In allen Staatlichen Maßnahmen zeigte sich Diokletian sehr zurückhaltend und als Feind jedes unnützen Zwanges gegenüber den Bürgern seines Reiches, als ein Mann religiöser Duldsamkeit, der nur gegen die ägyptischen Bauchredner, Wahrsager und Zauberer vorzugehen befahl. Kaiser Gallienus hatte den christlichen Kult

(259) anerkannt, christliche Bauten konnten anstandslos aufgeführt werden; was aber eine organische Entwicklung störte, war in erster Linie das Gezänk der miteinander konkurrierenden Bischöfe. Diokletian erließ seinen christlichen Soldaten jede Beteiligung an den heidnischen Opfern und forderte lediglich politische und militärische Disziplin. Gerade auf diesem Gebiet aber wurde er von den Führern der afrikanischen Kirche herausgefordert, so daß Rekruten sich mit Berufung auf das Christentum weigerten, ihren Dienst zu tun. Trotz freundlicher Ermahnungen rebellierte ein antiker Pazifist, bis er schließlich wegen Meuterei hingerichtet werden mußte. Diese bedrohlichen Anzeichen veranlaßten nunmehr Diokletian, die Beteiligung auch aller Christen an staatlich-religiösen Zeremonien zu fordern; Christen aber, die nicht mittaten, verfolgte er immer noch nicht, sondern erteilte ihnen nur den Abschied aus dem Heeresdienst. Dies hatte eine hemmungslose Beschimpfung durch die “Christen” zur Folge, deren sektenhafte Zerrissenheit und gegenseitige Bekämpfung auch in anderer Weise das ganze bürgerliche Leben bedrohte. Der Staat griff dann endlich zwecks Selbstverwaltung zur Abwehr — ähnlich wie heute Deutschland, will es nicht ganz untergehen, die pazifistische Bewegung ausrotten muß. Aber auch hier verhängte Diokletian bei Widerspenstigen nicht die Todesstrafe — wie er es im

[73] Der fromme Julian

Falle des kaufmännischen Betruges angeordnet hatte — sondern die Versetzung in den Sklavenstand. Die Antwort war Aufruhr, Brandstiftung im Palast des Kaisers Herausforderungen der bisher unbehelligt gebliebenen, deshalb anmaßend gewordenen Christengemeinden aus dem ganzen Reich folgten eine nach der andern. Die darauf einsetzenden “furchtbaren Christenverfolgungen” des “Ungeheuers Diokletian” betrugen — neun hingerichtete, aufrührerische Bischöfe und in der Provinz des heftigsten Widerstandes, Palästina, ganze 80 ausgeführte Todesurteile. Der “allerchristlichste” Herzog Alba aber ließ allein in den kleinen Niederlanden 100.000 Ketzer hinrichten.

Dies alles gilt es sich zu vergegenwärtigen, um die Hypnose einer Systematischen Geschichtsforschung einmal zu brechen. So erscheint auch der durchaus auf dem Standpunkt der Parität der Kulte stehende Julian Apostata in einem anderen Lichte, da er sich nicht scheute, gerade auf Grund frommer Gesinnung gegen die Lehrer der “Stellvertretung Gottes” zu kämpfen. Im übrigen wußte er, worum es ging, als er schrieb: “Durch die Dummheit dieser Galiläer ging unser Staat fast zugrunde, durch der Götter Gnade kommt nun die Rettung. Also wollen wir die Götter ehren und jede Stadt, in der es noch Frömmigkeit gibt.”* Dies war durchaus berechtigt, denn kaum war durch Konstantin das Christentum Staatsreligion geworden, da trat der alttestamentarische Geist des Hasses furchtbar in Erscheinung: mit Bezug auf das Alte Testament forderten die Christen die Anwendung der dort vorgeschriebenen Strafen gegen Götzendienst. Auf ihre Forderung hin wurden die Tempel des Jupiters in Italien (mit Ausnahme Roms) geschlossen. Man begreift also den

[*Näheres bei Theodor Birt: “Charakterbilder Spätroms”, Leipzig 1919.]

[74] Chrestos und Paulus

Stoßseufzer Julians, er sieht aber aus allem, daß auch über die Zeit des aufsteigenden Christentums die Geschichte neu geschrieben werden muß und daß der Eunuch Eusebius keine Geschichtsquelle darstellt.

Das Christentum, wie es durch die römische Kirche in Europa eingeführt wurde, geht bekanntlich auf viele Wurzeln zurück, die näher zu prüfen hier nicht der Ort ist. Nur einige Bemerkungen.

Die große Persönlichkeit Jesu Christi, wie immer sie auch gestaltet gewesen sein mag, wurde gleich nach ihrem Hinscheiden mit allem Wust des vorderasiatischen, des jüdischen und afrikanischen Lebens beladen und Verschmolzen. In Kleinasien übten die Römer ein straffes Regiment aus und trieben unerbittlich ihre Steuern ein; in der unterdrückten Bevölkerung entstand folglich die Hoffnung auf einen Sklavenführer und Befreier: das war die Legende vom C h r e s t o s. Von Kleinasien gelangte dieser Chrestosmythus nach Palästina, wurde lebhaft aufgegriffen, mit dem jüdischen Messiasgedanken verbunden, und schließlich auf die Persönlichkeit Jesu übertragen. Diesem wurden neben seinen eigenen predigten die Worte und Lehren der vorderasiatischen Propheten in den Mund gelegt und zwar in der Form einer paradoxen Überbietung altarischer Forderungen, wie z.B. des 9-Gebote-Systems, das schon vorher von den Juden in ihren 10 Verboten für sie selbst zurechtgestutzt worden war*. So verband sich Galiläa mit ganz Syrien und Vorderasien.

Die christliche, die alten Lebensformen aufwühlende Strömung erschien dem Pharisäer  Saulus vielversprechend und ausnutzbar. Er schloß sich ihr mit plötzlichem Entschluß an und, ausgerüstet mit einem unzähmbaren Fanatismus, predigte er die internationale Weltrevolution gegen das römische Kaiserreich. Seine Lehren bilden bis

*Erbt: Weltgeschichte auf rassischer Grundlage

 [75] Paulus und das Rassenchaos

auf heute trotz aller Rettungsversuche, den jüdischen geistigen Grundstock, gleichsam die talmudistisch-orientalische Seite der römischen, aber auch der lutherischen Kirche. Paulus  hat, was man in kirchlichen Kreisen nie zugeben wird, dem unterdrückten national-jüdischen Aufstand die internationale Auswirkung gegeben, dem Rassenchaos der alten Welt den Weg noch weiter geebnet und die Juden in Rom werden sehr wohl gewußt haben, warum sie ihm ihre Synagoge für seine Propagandareden zur Verfügung stellten. Daß Paulus sich (trotz gelegentlicher Kritik des Jüdischen) bewußt gewesen ist, doch eine jüdische Sache zu vertreten, geht aus einigen gar zu offenherzigen Stellen seiner Briefe hervor: “Verstockung ist zu einem Teil über Israel gekommen, bis dahin, wo die Fülle der Heiden wird eingegangen sein, und alsdann wird ganz Israel gerettet werden, sie, der Erwählung und Lieblinge um der Väter willen. Die da sind von Israel, denen die Kindschaft gehört, und die Herrlichkeit, die Bündnisse, die Gesetzgebung, die Gottesdienste, die Verheißungen, aus denen der Christos stammt nach dem Fleisch … Wenn der Heide aus dem von Natur wilden Ölbaume ausgeschnitten, und gegen die Natur auf den edlen gepfropft wurde, wieviel eher werden diese, deren Natur es entspricht, auf ihren ursprünglichen Baum gepfropft werden.”*

Gegen diese gesamte Verbastardierung, Verorientalisierung und Verjudung des Christentums wehrte sich bereits das durchaus noch aristokratischen Geist atmende Johannesevangelium. Um 150 steht der Grieche Markion auf, tritt wieder ein für den nordischen Gedanken einer auf organischer Spannung und Rangstufen beruhenden Weltordnung im Gegensatz zu der semitischen Vorstellung einer willkürlichen Gottesmacht und ihrer

*Römer 11, 25,- 9, 4; 11, 24. Das ist das gleiche, was heute die bastardische Sekte der “Ernsten Bibelforscher” lehrt.

[76] Das zwiespältige Wesen des Christentums

schrankenlosen Gewaltherrschaft. Er verwirft deshalb auch das “Gesetzbuch” eines solchen falschen Gottes, d. h- das sogen. Alte Testament. Ähnliches versuchten einzelne unter den Gnostikern. Aber Rom hatte sich dank seiner rassischen Zersetzung unrettbar an Afrika und Syrien verschrieben, die schlichte Persönlichkeit Jesu überdeckt, das spätrömische Ideal des Weltimperiums mit den Gedanken der volkslosen Weltkirche verschmolzen. Der Kampf der ersten nachchristlichen Jahrhunderte ist nicht anders zu begreifen als ein Kampf verschiedener Rasseseelen mit dem vielköpfigen Rassenchaos, wobei die syrisch-vorderasiatische  Einstellung mit ihrem Aberglauben, Zauberwahn und sensuellen “Mysterien” alles   Chaotische, Gebrochene, Zersetzte hinter sich vereinigte und dem Christentum den zwiespältigen Charakter aufdrückte, an dem es auch heute noch krankt. So zog eine mit Knechtseligkeit durchzogene Religion, geschützt durch die mißbrauchte, große Persönlichkeit Jesu in Europa ein*. Das Auftreten des aus vielen Quellen gespeiste Christentums zeigt ein merkwürdiges, inniges Verhältnis zwischen abstrakter Geistigkeit und dämonistischer Zauberei mit besonderer Eindringlichkeit, ungeachtet anderer Ströme, die noch in ihm aufgenommen wurden. Die Idee der Dreieinigkeit

*Was Jesu Herkunst betrifft, so liegt, wie schon von Chamberlain und Delitzsch betont worden ist, nicht der geringste zwingende Grund zur Annahme vor, daß Jesus jüdischer Herkunft gewesen, wenn er auch in jüdischen Gedankenkreisen aufgewachsen ist. Einige interessante Forschungsergebnisse findet man bei Dr. E. Jung, “Die geschichtliche Persönlichkeit Jesu” (München 1924). Laut dem syrischen Christenprediger Ephraem (4. Jahrhundert) hatte Jesus zur Mutter ein danaitisches Weib (also aus Dan gebürtig) und einen Lateiner zum Vater. Ephraem sieht darin nichts Unehrenhaftes und fügt hinzu: “Jesus hat so seine Abstammung von zwei allergrößten und allerberühmtesten Völkern hergeleitet, die

mütterliche nämlich von den Syriern, die väterliche von den Römern.” Ephraem setzt dieses Wissen als allbekannt voraus.

[77] Beginnende Dogmatisierung

z.B. war vielen Völkern des Mittelmeerbeckens in der Form von Vater, Mutter, Sohn bekannt, ferner durch die Erkenntnis: “Dreifach teilt sich alles” (die Aggregatzustände der einigen Materie). Die Mutter versinnbildlichte die gebärende Erde, der Vater das zeugende Lichtprinzip. An die Stelle der Mutter trat nun der “Heilige Geist” in bewußter Abkehr vom rein Körperlichen, das “hagion pneuma” der Griechen, der Präna der Inder. Diese betonte Geistigkeit war aber nicht in eine rassisch-völkische Typik eingebettet, nicht von einem o r g  a n i s c h e n Leben polar bedingt, sondern wurde zu einer rassenlosen Kraft. “Hier ist kein Jude noch Grieche, hier ist kein Knecht noch Freier, hier ist kein Mann und Weib”, so   schreibt Paulus an die Galater (die letzten Überbleibsel eines großen Keltenzuges aus dem Donautal bis nach Kleinasien). Auf Grund dieses alles Organische leugnenden Nihilismus fordert er dann den Glauben in Christo, also eine Umkehrung aller kulturschaffenden Werte des Griechen- und Römertums, die allerdings durch deren völlige Zersetzung sowieso  gegeben war und dank der starken Ausschließlichkeit endlich die richtungslos gewordenen Menschen um sich scharte. Ein weiterer Schritt zur Verneinung naturhafter Verbundenheit geschah in der Dogmatisierung der Jungfrauengeburt, die als ein Sonnenmythus bei allen Völkern nachweisbar ist, von den Südseeinseln bis nach Nordeuropa*.

Dieser abstrakten Geistigkeit standen aber allle Zauber Kleinasien-Syrien-Afrikas zur Seite. Die Dämonen, die von Jesus ausgetrieben wurden und in die Säue fuhren, die auf seinen Befehl zurückgeführte Beruhigung des stürmischen Meeres, die “beglaubigte” Auferstehung und Himmelfahrt nach dem Martertode, das alles war der eigentliche

*Leo Frobenius: Das Zeitalter des Sonnengottes.

[78] Goethes positives Christentum

“tatsächliche” Ausgangspunkt des Christentums und erzeugte zweifellos starke Kräfte des Leidens. Nicht vom Leben des Soter (des Heilandes) ging also die Welt aus, sondern von seinem Tode und dessen wunderbaren Folgen, dem einzigen Motiv der paulinischen Briefe. Goethe aber empfand gerade das Leben Christi als wichtig, nicht den Tod, und bezeugte dadurch die Seele des germanischen Abendlandes, das positive Christentum gegenüber dem negativen der auf etrusko-asiatische Vorstellungen zurückgehenden Priesterherrschaft und des Hexenwahns.

Es ist, wie früher ausgeführt, irreführend und nichtssagend, wenn unsere Gelehrten die Verwandlungen griechischen Lebens so darstellen, als hätte es sich von chthonischen Göttern zur Göttlichkeit des Lichtes, vom Matriarchat zum Vaterrecht entwickelt; ebenso falsch ist es, wenn sie von einer naiv-volkstümlichen Anschauung sprechen, die sich zum hohen Denken gesteigert habe; vielmehr liegt auch gerade neben dem antichthonischen Kampf in dem späteren Vorherrschen der intellektualistischen Lehrsysteme, in dem Versuch, das früher unbefangene Leben zu verstaatlichen, ein Versiegen der Schöpferischen Rassenkräfte, am Ende die platonische Reaktion, durch ein Schema zu erreichen, wozu das Blut allein bereits  zu schwach geworden war. Der nordische Grieche kannte keinen theologischen Stand; seine Priester erwuchsen ihm aus den Adelsgeschlechtern. Seine Sänger und Dichter erzählten ihm von der Geschichte und dem Heroismus seiner Helden und Götter. Gänzlich undogmatisch, wie früher die Inder, später die Germanen, tritt uns der freie Griechengeist entgegen.

Gymnastik und Musik waren der Inhalt seiner Erziehung, sie genügte, um die nötigen Voraussetzungen zu schaffen, den Hopliten, den Staatsbürger zu züchten. Erst ein Sokrates konnte den Wahnsinn predigen, die Tugend sei lehrbar, lehrbar für alle Menschen

[79] Wechselwirkung von Magie und Intellektualismus

(was Platon dahin verfeinerte: der wirkliche Erkenner des Wesens der Ideenwelt sei   selbsttätig gut). Mit dem Ausbau einer solchen individualistisch-rasselosen intellektualistischen Weltanschauung wurde die Axt an die Wurzel des griechischen Lebens gelegt; zugleich aber lockerte der wesenlose Intellektualismus gerade wieder die durch griechische apollinische Zucht zurückgedrängten asiatischen Sitten Hier können wir zuerst am anschaulichsten das Wechselspiel verfolgen, welches zwischen Intellektualismus und Magie stattfindet. Vernunft und Wille sind beide, wenn auch nicht immer zielbewußt, so doch zielstrebig, d.h. sie sind naturecht, blutnahe, organisch bedingt. In dem Maße, wie diese weltanschauende Vernunft durch ihre veränderten Träger unsicherer wird. in gleichem Maße verknöchert sie zu verstandesmäßigen Konstruktionen. Zu gleicher Zeit steigt der willenmäßige Teil hinab zu magisch-zauberhaften Trieben und gebiert Aberglauben auf Aberglauben. Die Folge der Zersetzung der vernunftwillenhaften Rassenseele ist dann ein “weltanschauliches” intellektualistisch-zauberhaftes Gebäude, oder die Aufspaltung in wesenlosen Individualismus und triebhaftes Bastardtum. Den ersten Fall liefert uns die katholische Kirche (in abgeschwächtem Maße auch der Protestantismus), welche einen Zauberglauben (wobei dies Wort ohne jede Verächtlichmachung zu gebrauchen ist) intellektuell unter-und übermauert, den zweiten zeigt uns die Zeit des späten Hellenismus.

Das negative und das positive Christentum standen von je im Kampfe und ringen noch erbitterter als früher gerade in unseren Tagen. Das negative pocht auf seine syrisch- etruskische Überlieferung, auf abstrakte Dogmen und altgeheiligte Gebräuche, das positive ruft erneut die Kräfte des nordischen Blutes wach, bewußt, so wie einst naiv die ersten Germanen, als sie in Italien eindrangen und dem siechen Lande neues Leben schenkten.

[80] Die Germanen in Rom

Wie ein drohendes urgewaltiges Schicksal war einst der Sturm der Cimbern von Norden hereingebrochen. Seine Abwehr konnte nicht verhindern, daß nordische Kelten und   Germanen die Grenzen Roms immer mehr bedrohten. Ein Feldzug nach dem andern zeigt krieggewohnte römische Taktik vergebens gegen urwüchsige Kraft am Werke. Blonde riesige “Sklaven” treten in Rom auf, das germanische Schönheitsideal wird Mode im verfallenden ideallosen Volkstum. Auch freie Germanen sind in Rom keine Seltenheit mehr, germanische Soldatentreue wird nach und nach die stärkste Stütze des Cäsars. Aber zugleich auch die drohendste Gefahr für den armselig-wertlos gewordenen Staat. Augustus versucht durch Junggesellenstrafen, Ehestiftung, soziale Fürsorge “sein” Volk zu heben. Umsonst. Germanen sind führend bei der Wahl des Claudius, des Galba, des Vitellius. Mark Aurel entsendet seine germanischen Gefangenen aus Wien nach Italien und macht sie statt zu Gladiatoren zu Bauern auf verödetem altrömischem Boden. Zu Konstantins Zeiten ist fast das ganze Römerheer germanisch … Wer hier nicht Rassenkräfte am Werk zu erblicken vermag, der muß für jedes geschichtliche Werden blind sein, derart mit Händen greifbar ist hier Zersetzung und Neuformung, die dann über Konstantin hinwegführt zu Stilicho, Alarich, Ricimer, Odoaker, Theodorich, den Langobarden, den Normanen, welche von Süden aus ein Königreich  errichten, bis zu jenem unbegreiflich großen Friedrich II., dem Hohenstaufen, der den ersten weltlichen Staat, das sizilische Königtum, formt und mit deutschen Adelsherren seine Provinzen besetzt.

In der Geschichte der Vernordung Italiens ragt vornehmlich hervor Theodorich der Große. Über dreißig Jahre herrschte dieser Starke und doch milde, großzügige Mann über das römische Reich. Was Mark und Konstantin begonnen, führte er weiter: die Germanen

[81] Die Bedeutung H. St. Chamberlains

wurden nicht nur Pächter und Kleinbauern, sondern auch Großgrundbesitzer; ein Drittel jeden Landbesitzes ging über in die Hände des rein germanischen Heeres; über 200.000 Germanenfamilien siedelten sich — leider zerstreut — in Toskana, Ravenna, um Venedig an. So zogen wieder nordische Fäuste den Pflug durch nord- und mittel-italienische Erde und machten das vollkommen darnieder-liegende Ödland wieder fruchtbar und unabhängig vom Getreide Nordafrikas. Durch Eheverbote und arianischen Glauben von den “Eingeborenen” geschieden, übernahmen Goten (später Langobarden) die gleiche charakterbildende Rolle, wie die erste nordische Welle, die einst das alte republikanische Rom erbaute. Erst mit dem Übertritt zum Katholizismus begann eine rassische Umschmelzung; die “Renaissance” wurde schließlich zu einer rauschenden Neuverkündigung nordischen, diesmal germanischen Blutes. Hier entstieg in plötzlichem Niederbrechen umhegter gesellschaftlicher Schranken ein Genie nach dem anderen dem vorgeackerten Boden, während das von Rom ab afrikanisierte Süditalien stumm, unschöpferisch blieb. Bis auf heute, da der wieder vom Norden kommende Faschismus die alten Werte erneut zu wecken versucht Versucht!

4.

Daß alle Staaten des Abendlandes und ihre schöpferischen Werte von den Germanen erzeugt wurden, war zwar schon lange allgemeine Redensart gewesen, ohne daß vor H. St.

Chamberlain daraus die notwendigen Folgerungen gezogen worden wären. Denn diese begreifen in sich die Erkenntnis, daß beim vollständigen Verschwinden dieses germanischen Blutes aus Europa (und nach und nach folgilch auch beim Hinsiechen der von ihm gezeugten typen-und nationenschaffenden Kräfte) die gesamte Kultur des Abendlandes mit untergehen müßte. Die Chamberlain ergänzende neue Erforschung der Vorgeschichte in Verbindung

[82] Eine überwundene Geschichtsauffassung

mit der Rassenkunde hat dann noch eine tiefere innere Besinnung hervorgerufen: jenes furchtbare Bewußtsein, daß wir heute vor einer endgültigen Entscheidung stehen. Entweder steigen wir durch Neuerleben und Hochzucht des uralten Blutes, gepaart mit erhöhtem Kampfwillen, zu einer reinigenden Leistung empor, oder aber auch die letzten germanisch- abendländischen Werte der Gesittung und Staatenzucht versinken in den schmutzigen Menschenfluten der Weltstädte, verkrüppeln auf dem glühenden unfruchtbaren Asphalt einer bestialisierten Unmenschheit oder versickern als krankheitserregender Keim in Gestalt von sich bastardierenden Auswanderern in Südamerika, China, Holländisch-indien, Afrika.

Ferner erscheint ein anderer Baugedanke von H. St. Chamberlains Weltauffassung heute  neben der Betonung der neuen Weltgründung durch das Germanentum von   ausschlaggebender Bedeutung: daß sich zwischen das alte nordisch betonte Rom und das neue germanisch bestimmte Abendland eine Epoche einschiebt, die gekennzeichnet wird durch hemmungslose Rassenvermischung, d. h. Bastardierung, durch Aufquirlen alles Kranken, durch übersteigerte sinnliche Ekstasen, durch aufgeblähten syrischen Afterglauben und durch das Fiebern aller Menschenseelen eines ganzen Weltkreises. Chamberlain benannte diese Zeit mit einer Prägung, die den echten, Geschichte gestaltenden Künstler verrät: das Völkerchaos. Diese Bezeichnung eines bestimmten Zustandes, wenn dieser sich zeitlich auch weder

rückwärts noch vorwärts genau abgrenzen läßt, ist heute Allgemeinbewußtsein, selbstverständliches Gut aller tiefer Schauenden geworden. Diese neue Takteinteilung anstelle von “Altertum” und “Mittelalter” war aber im höchsten Sinne des Wortes eine der größten lebensgesetzlichen und seelenkundlichen Entdeckungen des ausgehenden 19. Jahrhunderts,  die zu einer Grundlage unserer gesamten Geschichtsbetrachtung des fortschreitenden 20.

Jahrhunderts

[83] Die nordischen Wellen

geworden ist. Denn diese Erkenntnis bedeutet, daß wenn auf die Caracallas keine Theodorichs gefolgt wären, “ewige Nacht” sich über Europa ausgebreitet hätte. Die aufgewühlten Schlammfluten der Mischlinge Asiens, Afrikas, des ganzen Mittelmeerbeckens und seiner Ausläufer hätten sich nach wüsten Erregungen wohl nach und nach gesetzt, das stets wogende Leben hätte wohl vieles Faule, Verkrüppelte ausgemerzt, aber für ewig verloren gegangen wäre die schöpferische Kraft einer immer neu gebärenden Kulturseele, auf ewig  verschwunden wäre der die Erde umgestaltende Genius des das Weltall erforschenden nordisch bedingten Menschen. Es hätte nur jenes “Menschentum” fortvegetiert, wie es stellenweise in Süditalien heute — nicht lebt, sondern verkrüppelt sich fortfristet ohne kühne Schwungkraft des Körpers und der Seele, ohne jede echte Sehnsucht, in tiefster unterwürfigster Genügsamkeit auf Lavamassen oder inmitten Steinwüsten hausend.

Darum: wenn auch heute noch, rund 2000 Jahre nach dem Auftreten der Germanen, irgendwo Nationalkulturen, Schöpferkraft und wagemutiger Unternehmungsgeist wirken, so verdanken diese Kräfte, selbst wenn sie sich untereinander noch so sehr befehden sollten, ihr Dasein einzig und allein der neuen nordischen Welle, die alles überziehend und befruchtend in stürmischen Fluten über das ganze Europa hinwegging, die Füße des Kaukasus umspülte, bis über die Säulen des Herkules hinaus brandete, um erst in den Wüsten Nordafrikas zu vergehen.

In ganz großer Linienführung betrachtet, besteht die Geschichte Europas im Kampf zwischen diesem neuen Menschentum und den Millionenmassen der bis zum Rhein, über die Donau hinausreichenden Kräfte des römischen Völkerchaos. Diese dunkle Brandung trug auf ihrer Oberfläche glänzende Werte, vermittelte nervenerregende Gelüste; ihre Wellen erzählten von vergangener,

[84] Das “Ideal” einer Weltkirche

einst doch gewaltiger Weltherrschaft und von einer alle Fragen lösenden Weltreligion. Große Teile des sich unbekümmert und kindlich verschwendenden nordischen Blutes ergaben sich den bestrickenden Verlockungen, wurden gar selbst zu Trägern halb erträumter altrömischer Herrlichkeit, zückten nur zu oft ihr Schwert über die ganze Welt im Dienste einer Phantasie, wurden anstelle zu Ahnherrn, als welche sie geboren waren, zu bloßen Erben. So gestaltet sich bis zu Martin Luther der Kampf zwischen Germanentum und Völkerchaos zu einem Ringen zwischen naturverbundenem Heldentum mit einer Heldenhaftigkeit im Dienste einer naturfremden Phantastik und nicht selten sind es Vertreter des gleichen Blutes, welche sich zugunsten urfeindlicher Werte mit der Waffe in der Hand gegenüberstehen.

Es war nur zu natürlich, daß sich die Träger der aus den norddeutschen Ebenen nach Gallien, Spanien, Italien ergießenden Rasse, die so naturhaft-gewaltig aufbrachen, nicht aller inneren Zusammenhänge ihrer seelischen Artung bewußt waren, daß sie staunenden Auges das Neue, Fremde in sich hinein, in sich aufsaugten und — als Herren —dieses Neue regierten, umgestalteten, aber (da in der Minderzahl) auch dem neuen Gehalt ihren Tribut zahlen mußten. Wenn noch heute “Staatsrechtler” das “Ideal einer einheitlichen Gliederung der Menschheit” predigen, einer einzigen, organisierten, sichtbaren Weltkirche das Lob spenden, welche alles Staatsleben, alle Wissenschaft, alle Kunst, alle Ethik aus einem einzigen Dogma heraus bestimmen und zusammenfassen soll*, so ist das der Niederschlag jener Gedanken des ‘Völkerchaos, die unser Wesen von jeher vergifteten; besonders wenn ein Forscher dieser Art noch hinzufügt: “Was Österreich erstrebt, hat die ganze Welt im großen zu erreichen”. Das ist Rassenpest und Seelenmord zum weltpolitischen Programm erhoben.

*Z.B.R. v. Kralik: “österreichische Geschichte”, 1913.

[85] Die deutsche Wiedergeburt

Kaiser und Papst kämpften einst innerhalb dieser universalistischen, nationalfeindlichen Idee, das deutsche Königtum gegen sie; Martin Luther stellte der politischen Papst-Weltmonarchie den politischen Nationalgedanken gegenüber, England, Frankreich, Skandinavien, Preußen bedeuteten eine Stärkung dieser Front gegen das Chaos, die Neugeburt Deutschlands 1813, 1871 weitere Etappen, jedoch noch immer gleichsam bewußtlos-zielstrebig. Der Zusammenbruch 1918 hatte uns bis ins Innerste zerrissen, zugleich aber der suchenden Seele die Fäden bloßgelegt, die hier ihr Gewebe von Segen und Unsegen gewirkt hatten. Vom Stammesbewußtsein Altgermaniens, über den deutschen Königsgedanken, preußische Neuführung, Alldeutschlandgefühl, formales Reichsgefüge wird heute das artgebundene Volksbewußtsein als größte Blüte der deutschen Seele geboren. Wir verkünden es nach diesem Erlebnis als die Religion der deutschen Zukunft, daß wie, heute politisch auf dem Boden liegend, gedemütigt und verfolgt, die Wurzel unserer Kraft gefunden, erst eigentlich entdeckt und mit einer Kraft neu erlebt haben wie kein Geschlecht zuvor. Mythisches Ergreifen und bewußtes Erkennen stehen sich heute im Sinne des deutschen Erneuerungsgedankens endlich einmal nicht feindlich, sondern sich gegenseitig steigernd gegenüber: der glühendste Nationalismus nicht mehr auf Stämme, Dynastien, Konfessionen gerichtet, sondern auf die Ursubstanz, auf die artgebundene Volkheit selbst, ist die Botschaft, die einst alle Schlacken schmelzen wird, um das Edle herauszuholen und das Unedle auszumerzen.

Eine weiter forschende Betrachtung wird neben den ringenden Kräften des Germanentums und des Völkerchaos die Wirkungslinien der anderen eingeborenen oder eingesickerten Rassen Europas erkennen können. Sie wird die formal beherrschtere, kühlere, aber den germanischen Werten nicht gar zu fern stehende mittelmeerländische

[86] Der alpine Einfluß

(westliche) Rasse schätzen und hier manche Mischung (soweit sie nicht als Massenerscheinung auftritt) mit der nordischen nicht unbedingt als Verlust, sondern oft als Bereicherung der Seele verbuchen*. Sie erkennt die weniger kulturschöpferische, aber mit stärkstem Temperament begabte dinarische Rasse öfters in mancher großen Leidenschaft Europas wirksam werden, dann aber auch ihre vorderasiatischen Einschläge oft Bastardierungserscheinungen hervorrufen (wie z.B. in Österreich, auf dem Balkan). Der neu gerichtete Betrachter erschaut dann, wie sich die dunkle alpine Rasse unternehmungslos aber widerstandsfähig geduldig vorschiebt, vermehrt. Sie rebelliert nicht offen gegen den  siegenden germanischen Menschen, in gewisser Aufhellung leistet sie ihm als folgsamer Knappe und Bauer große Dienste, steigert in Individuen stellenweise die germanischen Kräfte zum zähen Widerstande, um jedoch, in M a s s e n eindringend, die schöpferischen Mächte zu überdunkeln, zu überkrusten, zu ersticken. Große Teile in Frankreich, in der Schweiz, in Deutschland stehen heute bereits im Zeichen dieser alles Große abtragenden alpinen Einwirkung, die Demokratie auf politischem Gebiete, die geistige Bedürfnislosigkeit, der unkühne Pazifismus verbunden mit geschäftstüchtiger Schlauheit und Rücksichtslosigkeit im Verfolgen gewinnversprechender händlerischer Unternehmungen sind die furchtbaren Anzeichen alpiner Überwucherungen des gesamteuropäischen Lebens.

*Ich bemerke, daß ich das Nähere der russischen Typenverschiedenheiten hier nicht behandeln kann. Ob z. B. Kern (“Stammbaum und Artbild der Deutschen”) den Begriff “Nordisch” einengt, indem er das “Dalische” ausscheidet, oder ob Günther das Dalische (oder Fälische) als dem Nordischen wesensverschmolzen darstellt, ist eine für das Wesentliche nicht sehr wichtige Einzelfrage. Auch der Streit über die Urheimat der nordischen Rasse ist historisch, nicht wesentlich. Ausgezeichnet wird das Problem der naturverwachsenen Germanen von Darre in “Das Bauerntum als Urquell der nordischen Rasse” behandelt.

[87] Das Mittelalter – keine Einheit

Alle großen und blutigen Kämpfe zwischen Germanentum und römischem Völkerchaos, geführt vom nordischen Menschen, minderten oft für lange Zeit die Kraft seines Blutes. Und auch wenn sich die Kriege nicht selten auf dem Rücken des alpinen Menschen abgespielt haben, so blieb er doch mehr verschont als die nordischen Empörer, die, zunächst, als “Ketzer”, freie Bahn für freies, d.h. artgebundenes Denken schufen.

Sehen wir an dieser Stelle von den frühen Kämpfen der Arianer um Glaubensfreiheit ab, so bietet das gesamte Abendland auch nach der machtpolitischen Festigung Roms nicht das Bild eines in sich abgeschlossenen, organisch verwurzelten Lebensgefüges. War die römische siegende Universalkirche die gradlinige Fortsetzung des spätrömischen rasselosen Weltimperialismus, wurde das römische Kaisertum auch der mächtigste bewaffnete Arm dieser Idee, stellten sich selbst geniale Gestalten germanischer Geschlechter diesem ganze Jahrhunderte verzaubernden Gedanken zur Verfügung, so rührten sich doch überall und auf allen Gebieten sofort auch die Gegenkräfte. politischer Art in der Form des deutschen Königtums, des fränkisch-französischen Gallikanismus, kirchlicher Natur im Kampf des Episkopalismus gegen Kurialismus, geistigen Wesens in der Forderung nach freier Naturforschung, philosophisch-religiöser Art in dem Ruf nach persönlicher Gedanken- und Glaubensfreiheit. All diese Kräfte, ob sie zu früheren Zeiten auch Rom als Idee noch anerkannten und sich oft der ganzen Tragweite ihrer Forderungen gar nicht bewußt waren; ob sie gar stellenweise gerade von der kindlichen Ansicht getragen wurden, die Kirche säubern zu wollen, sie alle sind letzten Endes Kräfte eines feurigen Nationalismus, wenn wir darunter eine rassische gebundene, willenhafte, art-unterbewußte Denkungsart und Gefühlseinstellung gegenüber einem Universalismus iegendwelcher Form verstehen wollen. Der Königs- und Herzogsgedanke,

[88] Der Ketzerkampf in Europa

raumbegrenzter Episkopalismus, Persönlichkeitsfreiheit, das alles wurzelt unmittelbar im Erdreich, so sehr diese Mächte auch unter sich um die Vorherrschaft gerungen haben und noch heute ringen. Und erscheint es auch jetzt mit Händen greifbar, daß die am reinsten nordisch-germanischen Staaten, Völker und Stämme sich, als die Zeit gekommen war, am entschiedensten und am folgerichtigsten gegen den römischen Universalismus und gegen die alles Organische bekämpfende geistige Einheitsform (Unitarismus) wehrten, so werden wir auch vor diesem siegreichen großen Erwachen aus der römisch-vorderasiatischen Hypnose diese Kräfte — in unmittelbarer Anknüpfung an die noch “heidnischen” Germanen — in einem heroischen Kampf am Werke erblicken können. Die Geschichte der Albigenser, Walenser, Katharer, Arnolbisten, Stedinger, Hugenotten, Reformierten, Lutheraner zeichnet neben der Geschichte der Märtyrer der freien Forschung und der Darstellung der Helden der nordischen Philosophie das erhebende Bild eines gigantischen Ringens um Charakterwerte, d.h. um jene seelisch-geistige Voraussetzung, ohne deren Durchsetzung es keine abendländische, keine volkliche Gesittung gegeben hätte.

Wer heute auf das demokratisierte, von schlauen Rechtsanwälten mißregierte, von jüdischen Bankiers ausgeplünderte, geistreich schillernde und doch nur noch von einer Vergangenheit zehrende Frankreich blickt, der vermag sich kaum vorzustellen, daß dieses Land einst vom Norden bis zum tiefsten Süden im Brennpunkt heroischer Kämpfe gestanden hat, die über ein halbes Jahrtausend Gestalten kühnster Art erzeugten und die, umgekehrt, durch Männer heldischer Gesinnung immer wieder neu entfacht wurden. Wer unter “Gebildeten” weiß heute wirklich etwas von dem gotischen Toulouse, dessen Ruinen noch jetzt vieles von einem stolzen Menschentum erzählen? Wer kennt die großen Herrengeschlechter dieser Stadt, die in blutigen Kriegen vernichtet, ausgerottet wurden? Wer erlebte die Geschichte

[89] Die Reform des Peter Waldes

der Grafen von Foix, deren Schloß heute in jämmerliche Steinhaufen zerfallen ist, deren Dörfer verödet darniederliegen, deren Länder nur noch von kümmerlichen Bewohnern besiedelt werden? “Der Papst”, erklärte um 1200 einer jener kühnen Grafen, “hat mit meiner Religion nichts zu tun, weil der Glaube eines jeden Menschen frei Sein muß.” Dieser auch heute nur teilweise verwirklichte germanische Urgedanke kostete ganz Südfrankreich Sein bestes Blut und wurde mit dessen Ausrottung in diesem Gebiet für immer erstickt. Als einziges Überbleibsel des Westgotentums liegt hier nur noch die einzige protestantische Hochschule Frankreichs: Montauban.

Der gleiche Heroismus wurde einem kleinen Völkchen inmitten der italienisch-französischen Alpen eingehaucht. Auch hier geht der zusammenschmiedende Wille auf eine große, geheimnisvolle Persönlichkeit zurück, einen Kaufmann von Lyon, der (noch unbestimmt von woher) in diese Stadt eingewandert war, Peter mit Namen, welcher Später den Zunamen  Valdo oder Waldes erhielt. Er lebte lange Jahre ehrbar Seinem Gewerbe, galt als ein frommer Mann und dachte vermutlich an keine Empörung. Aber er fühlte immer mehr die Kluft zwischen dem Schlichten Evangelium und dem protzenden Gebaren der Kirche, er empfand dann immer tiefer die lähmende Wirkung der Zwangsglaubenslehren. Und im treuen Glauben, dem geistlichen Oberhaupt zu dienen, pilgerte Peter Waldes nach Rom, forderte dort Einfachheit der Sitten, Ehrbarkeit im Handeln und — Gedankenfreiheit über das Evanvangelium, Lehrfreiheit auf Grund der Worte Christi. Vieles wollte man ihm zugestehen, das wesentliche aber nicht. Da verteilte Waldes sein Vermögen, schied sich von seiner Frau und erktärte dem Vertreter Roms, der ihn zum Widerruf zwingen wollte: “Man muß Gott  mehr gehorchen denn den Menschen.”

Das war die Geburtsstunde eines großen Ketzers und

[90] Die Ausbreitung der Waldenser

großen Reformators, dem dankbar zu sein sämtliche Europäer — alle Katholiken miteinbegriffen — auch heute noch alle Ursachen haben. Die schlichte Größe des Peter

Waldes muß auf die Bildung der Gemeinde der “Armen von Lyon” eine ungeheure Einwirkung gehabt haben, die Erfolge seiner Reisen an den Rhein, nach Böhmen, Entstehung waldensischer Gemeinden in Zentralösterreich, in Pommern, in Brandenburg zeigen, daß seine Forderung evangelischer Lehrfreiheit eine altgermanische Saite zum hellen Erklingen gebracht hatte, in den Seelen fest Wurzel faßte und sich nicht mehr ausrotten ließ: die gleiche Forderung, die Peter von Bruys, Heinrich von Cluny. Arnold von Brescia auch erhoben. Die Mainzer Skulptur zeigt uns Waldes als einen rein nordischen Kopf: ein Schädel, wie ihn die alten Germanen aufweisen, eine starke hohe Stirn, große Augen, eine kraftvoll vorspringende, ganz leicht gebogene Nase und einen festen, schön geformten Mund. Das Kinn von einem Bart umwallt.

Von Lyon verwiesen, zog die Gemeinde werbend und predigend nach verschiedenen Richtungen. In der gotisch-albigensischen Provence fand sie freundliche Aufnahme, auch im Rheinland. In Metz waren die Waldenser bald so erstarkt, daß sich Glieder des Magistrats weigerten, den Befehl des Bischofs, sie zu verhaften, auszuführen; und zwar mit der gleichen Begründung, die einst Waldes selbst aufgestellt hatte, man müsse Gott mehr gehorchen als den Menschen. Darauf Eingriff des Papstes (Innozenz III.), Verbrennung der in die Muttersprache übersetzten lateinischen Schriften, Hinrichtung einer Anzahl der Sektierer selbst. Danach Flucht der übrigen durch ganz Lothringen, in die Niederlande, ins andere Deutschland, das ihnen seine Tore überall dort öffnete, wo die Hand Roms nicht unmittelbar hinlangen konnte. Ein anderer Teil zog in die Lombardei, wo er ähnliche Ketzergedanken verbreitet fand, u. a. durch die Patarer in Mailand, die Lehren des

[91] Scheiterhaufen der Inquisition

Arnold von Brescia, der über das rein Evangelische hinaus sowohl eine kirchliche als auch politische Reformation anstrebte, der dem Papsttum eine Berechtigung zu weltlicher Macht absprach, als Voraussetzung seiner seelischen Gesundung.

Und dann ergoß sich die Gemeinde der Waldenser in die Täler der westlichen Ausläufer der Alpen, faßte Fuß in den kargen Gegenden, die nach und nach dank dem Fleiß ihrer Hände zu fruchtbaren Gärten erblühten; sie hatte keinen anderen Ehrgeiz, als still und bescheiden ihrem Glauben zu leben und ihre evangelische Pflicht auf dieser Erde zu erfüllen. Zahlreiche vertriebene albigensische Ketzer fanden dann in der schwer zugänglichen Gegend freundliche Aufnahme, bis die Glocken der Inquisition, die durch das ganze Abendland gellten, auch die stillen Täler mit den zwei Städtchen und zwanzig Dörfern in Aufruhr versetzten Um die Mitte des 14. Jahrhunderts mußten die Waldenser dann schwere Tribute zur Besänftigung der  Kirche und des Landesherrn entrichten, was natürlich nichts fruchtete; und zur Zeit» als in deutschen Gauen der schwarze Tod wütete, zogen die Truppen Frankreichs unter unmittelbarem Befehl des Inquisitors in die stillen Alpentäler ein. Gebunden, mußten  zunächst zwölf Waldenser sich in gelben, mit höllischen Feuerflammen bemalten Röcken zur Kirche begeben; dort wurde über sie das Anathema ausgesprochen, ihnen die Schuhe ausgezogen, jedem ein Strick um den Hals gebunden, um sie dann allesamt auf dem Holzstoß den Feuertod erleiden zu lassen. Diese und andere Folterungen zerbrachen viele und veranlaßten sie zum Abschwören, doch diesen Rückfälligen brachte ihr Abfall nur weitere Erniedrigungen; die darauf notwendig folgenden Empörungen riefen neue Bedrückungen hervor und ein Epos menschlicher Kämpfe beginnt, wie es sich selten heldenhafter abgespielt hat. Ihrer Habe und ihres Gutes beraubt, füllen die Waldenser die Gefängnisse der Inquisition

[92] Trügerischer Frieden

derartig, daß sie nur noch dank der Großmut des Volkes ernährt werden konnten*; deshalb erfolgte ihre Verminderung durch das übliche Verbrennen durch die Vertreter der Religion   der Liebe. Dreizehn Jahre lang verfolgte ein einziger Inquisitor (Boselli) die  Waldenserfamilie, immer wieder gelang es ihm, “einen zu erwischen**”, der irgendein ketzerisches Wort gesprochen hatte; die Gefangenen wurden dann gefoltert, durch Handabschlagen bestraft, erdrosselt oder verbrannt. Und trotz allem mußte der Erzbischof von Embrun dem Papst melden, daß die Waldenser ihrem alten Glauben treu geblieben wären.

Zur Zeit, als bereits überall in Europa die Stürme einer Wiedergeburt an den Toren Roms rüttelten, zog der Vertreter des Vatikans mit französischen Truppen erneut in die Alpentäler, um mit letzter militärischer Macht die noch gebliebenen Widerstände zu zertreten.

Ausgerechnet er lasterhafte Innozenz VIII. war es, der 1487 in einer Bulle zur letzten Ausrottung der Waldenser aufrief. Der Kreuzzug begann unter dem Befehl La Palus, die Häuser der Ketzer wurden beraubt, sie selbst niedergemetzelt, die meisten Überlebenden flüchteten, nur wenige blieben zurück auf den Ruinen des Wohlstandes ihrer Väter, gebrochen scheinbar, bereit, mit der allmächtigen Kirche frieden zu schließen. Ihnen wurde dann ihr Eigentum zurückerstattet.

Stillere Zeiten erwiesen sich aber nicht als Frieden, sondern als trügerische Ruhe vor neuen Stürmen. Kaum vierzig Jahre später und der schlichte Glaube siegte erneut über die äußere Macht des mittelalterlichen Terrorismus. Und wieder holte Rom zum tödlichen Schlage aus, nachdem das Edikt von Fontainebleau (1540) dem Ketzerhaß erneut Nahrung gegeben hatte. Auf Grund der bischöflichen

*Chorier, “Hist. Gen. du Dauphine II, 391.

** Perrin: Histoire, S. 114.

[93] 3000 Hinrichtungen

Anzeigen mußten sich zunächst 16 Waldenser aus Merindol verantworten. Sie erschienen nicht, da sie wußten, was ihrer harrte. Danach wurden sie für vogelfrei erklärt, ihre Häuser, Weiber und Kinder galten als dem Staat verfallen, das Städtchen Merindol sollte niedergemacht, alle Gewölbe zerstört und sämtliche Bäume des Fleckens niedergehauen werden. Der König wollte bei Abschwören Milde walten lassen, die Waldenser aber erklärten, dies nur tun zu wollen, falls man aus der Schrift ihnen Irrtümer nachweisen könne.

Und nun kam die Schwerste Prüfung (1545). Regierungstruppen zogen nach Merindol, würgten hin, was sie an Menschen vorfanden und zerstörten das ganze Städtchen; das gleiche Schicksal erlitten Calvieres und die anderen Dörfer. Die in die Berge Geflüchteten baten um freien Durchzug nach Deutschland. Die Bitte wurde abgeschlagen, sie v e r h u n g e r t e n einsam in ihren Schlupfwinkeln. Über 22 Dörfer wurden vernichtet, 3000 Menschen gemordet, über 600 Waldenser zur Galeerenstrafe verurteilt, andere furchtbar gefoltert. Dann wurden lügenhafte Berichte über “Greueltaten der Ketzer” nach Paris geschickt . . Trotzdem kamen die Folterungen der aufgehetzten Soldateska und der sadistischen Mönche Franz I. zu Ohren und noch auf dem Sterbebett veranlaßte er Heinrich II., den Waldensern Erleichterungen zu verschaffen, was dieser auch tat.

War die Gemeinde der Waldenser trotz ihrer Verbreitung nicht sehr groß, folglich auch nicht angreifend tätig, so zog der Gedanke des Widerstandes gegen mönchische Verwahrlosung und Geistesknebelung in hundert anderen Formen durch das damalige noch germanisch- nordisch bestimmte und westisch-rassisch gut ergänzte Frankreich, bis diese Ströme sich in

der kühnen Hugenottenbewegung vereinigten, deren Sieg der Geschichte des Abendlandes eine andere Richtung — nach oben — gegeben hätte.

[94] Die römisch-kirchliche Korruption

Die Zahl der Kämpfer für arteigenes Wesen war einst in diesem Frankreich außerordentlich groß, in allen Berufen und Ständen waren sie zu finden, bis zu den Kardinalen und  königlichen Prinzen hinauf und bis zum schlichtesten Handwerker hinunter. Hundertfach sind uns Fälle bezeugt, daß einfache Leute, vor das kirchlich-staatliche Gericht gezerrt, besser in der Schrift Bescheid wissen als ihre Richter, klüger über Weltanschauungsfragen urteilen als die gelehrten Inquisitoren. Dieses Gefühl der inneren Überlegenheit gab ihnen den Mut, die Qualen des Scheiterhaufens zu überstehen, und dies alles führte oft dazu, daß die Richter sich zu Anhängern der ketzerischen Gedanken bekannten. Das ist nicht verwunderlich, wenn man weiß, daß die fürchterlichste Unbildung nicht nur beim unteren Klerus selbstverständlich war, sondern, daß es sogar (wie Robert Stephanus uns übermittelt) Theologie-Professoren der Sorbonne gab, welche in ihrer Wut gegen die Ketzer erklärten, sie seien fünfzig Jahre alt geworden, ohne etwas vom Neuen Testament zu wissen, folglich hatten die Sektierer auch keine Veranlassung, sich mit ihm zu beschäftigen. Zog um 1400 der Papst aus deutschen Landen in zwei Jahren allein 100.000 Gulden an Ablaßgeldern, mußte sich 1374 das englische Parlament vorrechnen lassen, daß der Stellvertreter Christi fünfmal mehr Abgaben einstecke als der rechtliche König, so erhebt sich auch aus allen Teilen Frankreichs die gleiche nur zu berechtigte Klage. Alle Stände des Reiches seufzen unter dem Druck der Kirchensteuern, ja sogar redliche Mönche (wie die Franziskaner Vitriarius und Meriot) fordern die Aufgabe des unwürdigen Ablaßhandels. Wie mit dem “heiligen Blut” von Wilsnack machte man auch mit dem “heiligen Haus von Loreto” (das die Engel aus Palästina nach Europa getragen hätten) üble Geschäfte, wobei diese Wunderorte sich als wahre Goldgruben erwiesen. Die Pfründen vermehrten sich derart, daß Kalvin bereits als zwölfjähriger Kaplan,

[95] Revolution der Hugenotten

mit achtzehn Jahren Pfarrer wurde, ohne daß er vorher je theologische Studien getrieben  hätte: die Einkommen der Pfründe mußten, gleich, durch welche Personen, gesichert werden.

Diese unmittelbar faßbaren Schäden führten zu tieferen Betrachtungen, und eine Reihe großer Charaktere blickt infolgedessen heraus aus den Flammen der Scheiterhaufen. Da ist der Erzbischof von Aries, Ludwig Allemand, der den Grundsatz des Konzilsystems gegen die päpstliche Diktatur mit allen Kräften (auf dem Konzil zu Basel) verteidigt; da wirkt der alte kluge Jakob Lefevre an der Erziehung eines freien jüngeren Geschlechts; sein Schüler Briconnet setzt diese Tätigkeit fort; Wilhelm Farel, ein Feuerkopf, stellt sich schon mitten in den Kampf, ist später führender Reformator in Neuenburg, Losen und Genf, dazu Casoli, Michael d’Arande. Ferner Languet, der adlige Burgunder, der kluge Beza, Hotoman. Vor allem aber ragt der tapfere kühne Edelmann aus Artois, Louis de Berquin, aus der Schar der Vielen hervor. Ein gläubiger Mensch voller Freimut und Gedankenschärfe, ein glänzender Schriftsteller, den man nicht mit Unrecht den französischen Ulrich v. Hutten genannt hat.

Neben ihm der ehemalige schlichte Wollkämmer aus Meaux, Johann L e c l e r c, der Revolution gegen den Antichrist in Rom predigte und der gleich Luther seine Aufrufe an die Türen des Domes heftete. Dazu der tapfere Rouvan, der den Märtyrertod auf sich nahm, Franz Lambert, ein Franziskaner, und hundert andere, welche die Freiheit des Evangeliums und des Denkens predigten in Wäldern, in Kellern, wie einst die Besten der Urchristen in den Katakomben Roms.

Und ehe noch die hugenottische Bewegung Frankreich voll ergriffen hatte und Schutz fand unter der Führung Condes und des großen Coligny, begann die gleiche Verfolgung im ganzen Lande, wie in den stillen Tälern der

[96] Wieder Flammentode

Alpes Cottiennes, in der Provence. Berquin der Kühne wird gefaßt, zur Abschwörung, zur Durchbohrung der Zunge mit glühendem Eisen, zu lebenslänglichem Gefängnis verurteilt. Er Schwört nicht ab, er ruft den König an. Umsonst. Darauf wird er am 22. April 1527 verbrannt. Noch vom Scheiterhaufen herab sprach er zum Volk. Seine Rede wurde durch das Geschrei der Henkersknechte und Mönche erstickt. Man fürchtete ihn noch im Tode. — Wie man dem Nero nachsagt, er hätte seine Gärten durch brennende Menschenfackeln erleuchtet, so   schreitet im 16. Jahrhundert nach Christo der allerchristlichste König in großer Prozession  von St. Germain l’Auxerrois zur Notre Dame und von dort zu seinem Schloß. Und auf den Plätzen, die er überqueren mußte, da stehen zum Schmuck und zu Ehren der Kirche die Scheiterhaufen, auf denen die unbeugsamen Häretiker den Flammentod erleidet.* Vierundzwanzig Ketzer starben an diesem Tage in Paris. Eine Flucht der Verfolgten nach Deutschland begann, so flohen u. a. auch Kalvin, Roussel, Marot. Allein in Straßburg findet Kalvin 1500 französische Flüchtlinge und gründet hier die erste kalvinistische Gemeinde.

Strenge Edikte zwecks Ketzerverfolgung jagen einander nach den ersten Taten. In Meaux (der ersten protestantischen Gemeinde Frankreichs) wurde eine Versammlung überrascht, vierzehn von den Teilnehmern erlitten, als sie ein Abschwören von sich wiesen, den Feuertod und starben, sich gegenseitig Gebete zurufend. Am Tage darauf bewies dann ein Theologiegelehrter der Sorbonne, die Verbrannten seien zu ewiger Verdammung verurteilt,  um noch hinzuzufügen: “Und wenn ein Engel vom Himmel käme und wollte uns des Gegenteils versichern, so müßten wir das verwerfen; denn Gott wäre

*Darüber Sagt der Jesuit Daniel: “Francois voulut, pour attirer la benediction du ciel sur ces armes, donner cet exemple signaie de piete, et de zele contre la nouvelle doctrine.” Histoire  de France, V, 654.

[97] Das heroische Alt-Frankreich

nicht Gott, wenn er sie nicht auf ewig verdammte”*. Wie in Meaux loderten die Holzstöße in allen Teilen Frankreichs, aber immer wieder müssen die Chroniken vom ungebrochenen Mut der Verurteilten berichten. Johann Chapot, von den Henkern zum Richtplatz getragen, weil die Folterer ihm vorher die Beine gebrochen hatten, bekannte nochmals seinen Glauben. Aus Angst vor ketzerischer Ansteckung der Zuschauer wurde er sofort erdrosselt . . . Da sich ähnliche Fälle überall wiederholten, wurde es üblich, den reuelosen Ketzern vor dem Hinführen zum Scheiterhaufen die Zunge auszuschneiden …” Ad majorem dei gloriam”.

Die Geschichte kennt eine große Zahl verbürgter Erzählungen über den Mut auf dem Scheiterhaufen, sie weiß aber auch von vielen Bekehrungen der — Richter. So nennt sie den tapferen du Bourg, der sein späteres Todesurteil gefaßt auf sich nahm und erdeosselt wurde. So eine große Anzahl anderer Männer des alten Frankreichs. Es ist eine einzige große Tragödie des heldischen Leidens, die sich aber dann bald in verwegene und doch kluge Angriffslust wandelt, als beste Männer des französischen Hochadels als “Hugenotten” an die Spitze der Kämpfe für Gedankenfreiheit traten. In acht blutigen Kriegen wurde in allen Gegenden Frankreichs dieser Kampf gegen Rom geführt, und wenn auch der Streit über das Abendmahl als scheinbar dogmatisch wichtige Frage überall an der Spitze der geistigen Auseinandersetzungen erscheint, so war das doch nur ein Gleichnis für eine viel tiefer gehende Scheidung der Geister. Coligny hat, als er später zur Macht gelangte, seine Grundanschauung durch die Tat bewiesen, daß er Glaubensfreiheit nicht nur für sich forderte, sondern auch den Katholiken von Chatillon

*Du Plessis: “Hist. de l’Eglise de Meaux”, I. 348;

Soldan: Geschichte des Protestantismus in Frankreich”, I, 200

[98] Hugenottischer Zwiespalt

zugestand*. Da das Hugenottentum sich aber bestimmten Lebensformen gegenübersah und  die Vertreter Roms von dieser dogmatischen Grundlage aus Antworten forderten, so blieb den Protestanten nichts anderes übrig, als nach und nach gleichfalls ein scharf umrissenes Programm aufzustellen, das “naturgemäß”, weil im Wesen unnatürlich, die verschiedenen protestantischen Bewegungen selbst in Konflikt miteinander bringen mußte. Dahinter aber stand überall etwas viel Tieferes: der germanische Urgedanke der inneren Freiheit; Lehren  und neue Formen wurden nur zu Gleichnissen, die sich auf dem Hintergrunde der römischen Dogmen abhoben, wobei es bezeichnend ist, daß die Messe seitens der Hugenotten am meisten bekämpft wird.

Im hugenottischen Adel ging ein Kampf zweier Seelen vor sich, der das Ringen sehr erschwerte. Während seine Anhänger unerschütterlich Gewissens- und Lehrfreiheit forderten, waren sie gezwungen, diese Forderungen an einen König zu stellen, dem sie in staatlich- politischer Hinsicht in altfränkischer Gefolgschaftstreue ergeben waren. Dieser jedoch, in römisch-katholischer Überlieferung befangen, mußte in der einheitlichen Religion auch die Sicherung des politischen Staates erblicken. Und so kommt es, daß während die hugenottischen Heere später sich in Orleans oder La Rochelle gegen den König sammeln, während sie bei Jarnac, St. Denis, Montcontour mit den Truppen des Königs kämpfen, sie doch ganz ehrlich ihre Ergebenheit gegenüber dem Königtum bekunden und Aufrufe erlassen, in denen sie behaupten, der König sei nicht frei, sondern in Gefangenschaft der römischen Partei; was ihnen denn auch nach jedem Friedensschluß bestätigt werden mußte.

Aber auch in den größten Zeiten der Hugenottenbewegung

*Vql. über ihn E. Marcks “Gaspard von Coligny”, Stuttgart 1892.

[99] Vassy und Jarnac

war diese doch nur eine Minderheit. Ihre Kraft lag jedoch in der klugen Energie ihrer Führer, im Heroismus eines neuen Lebensgefühls, im Auftrieb ihres alten Blutes, während auf seiten der Gegner Führerstreitigkeiten die Kräfte lahmten und der König in ständiger Furcht lebte, sein Feldherr (etwa Anjou) könnte ihm über den Kopf wachsen.

Das Blutbad von Vassy, wo der Herzog Guise betende Hugenotten einfach hinmorden ließ, war eines der Fanale, daß es um alles ging. Und so folgten die Hugenotten, stets opferbereit, wenn der Ruf des Condee erscholl. Trotz Niederlagen eroberten sie sich immer neue Festen, Städte, Burgen, suchten sich bald im Norden, bald im Süden ihre Stützpunkte. Aber in diesen Kriegen blieb beiderseits die Blüte des altfranzösischen Blutes tot auf den Schlachtfeldern. So auch der alte Connetable Montmorency, der nicht aus kirchlichem Haß, wie die Guijen, für seinen König focht, sondern als alter Lehensmann kämpfte und bei St. Denis mit 74 Jahren sein Leben beschloß. Da fallen nach und nach alle Protestantenführer mit Andelot und  Condee an der Spitze. Trotz gebrochenen Schenkels sprengt der große Prinz bei Jarnac

seinem Heere voran: “Wohlan, Ihr Edlen von Frankreich, hier ist der Kampf, den wir so lange ersehnt haben.” Sein verwundetes Pferd stürzt, ein feindlicher Hauptmann streckt ihn dann hinterrücks nieder.

Ein furchtbares Schicksal erwartet aber auch nach einem günstigen Frieden die  heimkehrenden hugenottischen Truppen. Die Mehrzahl der aufgehetzten Katholiken plünderte ihre Häuser, vertrieb ihre Familien, mordete die Krieger. Nach dem Frieden von Longjumeau z. B. wurden solche Hetzen von oben her bewußt organisiert, Lyon, Amiens, Troyes, Rouen, Soissons und andere Städte wurden Zeugen eines Blutrausches, der von den Protestanten in drei Monaten mehr Opfer forderte, als der Krieg eines

[100] Todhaß Pius V.

halben Jahres. Zeitgenössische Schriftsteller berechneten die Toten allein nach diesem Friedensschluß auf 10000, während die spätere, vielleicht blutigste Schlacht von Montcontour nur 6000 Gefallene kostete. Dazu gesellte sich eine unablässige Hetze von Rom aus, das stets die vollkommene Ausrottung der Ketzer befahl. Pius V. verdammte den König von Frankreich, weil er den Hugenotten überhaupt Zugeständnisse gemacht hatte und belobte jene seiner Untertanen (z. B. den Herzog von Nemours), die gegen des Königs Erlaß die Ausrottung weiterbetrieben. Der Papst versprach Geld, Krieger und rief zu immer neuem Blutvergießen. Sein Biograph Gabutis rühmt den alten Pius V. denn auch als Urheber des dritten Hugenottenkrieges. Der Papst war selbst nach dem Sieg von Jarnac und dem Tode Condees nicht zufriedengestellt. Er verband seinen Glückwunsch mit dem Befehl, alle Ketzer, auch die Gefangenen, auszurotten. Jedes Nachgeben verfluchte er im voraus mit Gottes Zorn. Dieses Verhalten befolgte Pius V. auch nach dem Frieden von St. Germain und hat des  Königs Untertanen gegen den Hof aufgewiegelt.

Trotz allem aber schien es, als ob sich altgermanischer Charakter durchsetzen wollte. Schon einmal war der Hof hugenottisch gewesen und an Stelle lockerer Feste war damals schon ein harter — manchmal engherziger — Ernst in die Schlösser des Königs eingezogen. Noch einmal hielten dann die Hugenotten Einzug, als Karl IX. Coligny zur Macht berief. “Ich heiße sie willkommen, wie nur je ein Edelmann seit zwanzig Jahren willkommen gewesen ist”, sagt er zum Führer der Ketzer. Und so ergriff für kurze Zeit eine neue Hand Frankreichs Schicksal. Bis alles in der Pariser Bluthochzeit zugrunde ging. Schwankend, charakterlos, jähzornig, neigte sich der König den Einflüsterungen der römischen Partei zu» die ihm dann die Ermordung Colignys zuschob. Es gab kein Zurück mehr. Die germanische Welle, die zu siegen schien über das

[101] Wie Coligny starb

Frankenreich, brach zusammen. Als Colignys blutiger Leichnam dem Herzog Guise vor die Füße geworfen wurde, wischte ihm dieser das Blut vom Gesicht und sagte höhnisch:,, Jawohl, das ist er” und gab ihm einen Fußtritt. Ein Italiener enthauptete den Admiral, dessen Kopf dann nach Rom zum heiligen Vater geschickt wurde, was ein Freudenfest in der Engelsburg zur Folge hatte. Der fromme Pöbel von Paris aber schnitt dem größten Helden Frankreichs noch die Hände ab und schleppte den Leichnam drei Tage durch den Straßenkot.

Dann ging es dem Ende zu. Was von den zur Hochzeit in Paris versammelten Hugenottenführern noch übrig war, erlitt den Bluttod oder wurde nach der Flucht in anderen Gebieten gemeuchelt. In Orleans fielen im Lauf von fünf Tagen 1500 Männer, dazu Weiber und Kinder, in Lyon 1800, die Städte der Provence sahen täglich verstümmelte Leichen die Wasser hinuntertreiben, so daß Arles tagelang kein Trinkwasser aus dem Fluß Schöpfen konnte. In Rouen ermordete der aufgepeitschte Haufe an zwei Tagen 800 Menschen, Toulouse zählte 300 Tote. Die Folgen der Bartholomäusnacht kosteten über 70 000 Opfer. In Rom selbst aber schoß man Freudenschüsse ab und der Papst der Friedensreligion prägte eine Denkmünze zu Ehren des Ketzermordens.

Als auch spätere Kämpfe keinen Erfolg brachten, zogen es Hunderttausende vor, das gesinnungsknebelnde Frankreich zu verlassen Preußen, die Niederlande zählen Nachkömmlinge dieser Auswanderer (die man alles in allem mit fast zwei Millionen angibt) zu den Besten ihrer Mitbürger.

Die entscheidende Tatsache dieses Blutverlustes aber ist die Änderung des Charakters der französischen Nation. Jener echte Stolz, jene Unbeugsamkeit und jener Edelmut, den die ersten Hugenottenführer verkörperten, war auf immer dahin. Als im 17. und 18. Jahrhundert die “klassische” französische

[102] Charakterverfall Frankreichs

Philosophie die kirchlichen Dogmen erneut aushöhlte und stürzte, da war sie zwar ausgestattet mit vielem Scharfsinn und mit großem Witz begabt, war aber — man sehe sich Rousseau, selbst auch Voltaire an — bar jedes echten großen Adels der Gesinnung, welcher Berquin ebenso auszeichnete wie einen Condee, Coligny, Teligny. Aber selbst diese große Geistigkeit war innerlich lebensfern, abstrakt; so wurde der 14. Juli 1789 zum Gleichnis einer charakterlichen Ohnmacht. Die französische Revolution, die echt und blutvoll war unter Coligny, war um 1793 bloß blutgierig, innerlich unfruchtbar, weil von keinem großen Charakter getragen. Deshalb haben sich an den Girondins und Jakobinern auch keine Genien begeistert, sondern nur toll gewordene Spießbürger, eitle Demagogen und jene Hyänen der politischen Schlachtfelder, die die Liegengebliebenen ihres Habes berauben. Wie während des Bolschewismus in Rußland der tatarisierte Untermensch jene mordete, die durch hohe Gestalt und kühnen Gang als Herren verdächtig erschienen, so schleifte der jakobinische schwarze Pöbel jeden aufs Schafott, der schlank und blond war. Rassengeschichtlich gesprochen: durch den Untergang der Hugenotten war im Reich der Franken die nordische Rassenkraft wenn nicht ganz gebrochen. so doch stark zurückgedrängt worden. Das klassische Frankreich zeigt nur noch Geist ohne Adel, einen Charakterverfall, den das hungernde Volt, instinktiv erfaßte, worauf es sich mit dem raublustigen Untermenschen zusammentat, um die letzten Köpfe zu beseitigen. Seitdem tritt der mittelmeerländisch gemischte alpine Mensch in den Vordergrund (nicht der “keltische”). Der Krämer, der Rechtsanwalt, der Spekulant wird Herr des öffentlichen Lebens. Die Demokratie beginnt, d. h. nicht die Herrschaft des Charakters, sondern die Herrschaft des Geldes. Das ändert sich nicht mehr, ob das Kaisertum herrscht  oder die Republik, weil der Mensch des 19. Jahrhunderts rassisch doch gleich unschöpferisch war.

[103] Mulatten in Paris

Deshalb schiebt sich aber auch der jüdische Bankier in den Vordergrund, dann der jüdische Journalist und Marxist. Einzig die Überlieferung einer tausendjährigen Geschichte nebst den Auswirkungen der gleichen Einflüsse der geographischen Umwelt bestimmen noch die machtpolitischen Stoßlinien Frankreichs. Aber das alles trägt andere Vorzeichen als im 14. bis 16. Jahrhundert. Was noch edel dachte in Frankreich, zog sich zurück vom schmutzigen Geschäft der Politik, lebte auf den Schlössern in der Provinz, in konservativer Abgeschlossenheit, oder schickt seine Söhne ins Heer, um nur dem Vaterland zu dienen.

Namentlich aber in die Marine. Noch am Ende des 19. Jahrhunderts konnten Zuschauer auf Marinebällen die überraschende Entdeckung machen, daß sämtliche Offiziere blond waren!*

D i e s e r Kraft des noch starken Nordfrankreichs (die Normandie galt während der  Ketzerzeit stets als “kleines Deutschland”) sah sich das Deutsche Reich 1914 gegenüber. Über diese Kraft aber geboten nicht mehr blutsgleiche Persönlichkeiten, sondern die Bankiers Rothschild und die ihnen rasseverwandten anderen Finanzmächte. Dazu Typen wie Fallieres, Millerand, oder alpine Impotenz vieler Marxistenführer. So vollzieht sich erst recht heute das Versickern des letzten wertvollen Blutes. Ganze Landstriche im Süden sind überhaupt ausgestorben und saugen jetzt bereits die Menschen Afrikas an sich wie einst Rom. Toulon und Marseille senden immer neue Bastardierungskeime ins Land. Um die Notre Dame zu  Paris flutet eine sich immer mehr zersetzende Bevölkerung. Neger und Mulatten gehen am Arme weißer Frauen, ein rein jüdisches Stadtviertel ersteht mit neuen Synagogen. Abstoßende mestizenhafte protzen verpesten die Rasse der noch

*Stackelberg: “Ein Leben im baltischen Kampfe”, München 1927.

[104] Frankreich — ein “Vorbild”

schönen Weiber, die aus ganz Frankreich nach Paris angelockt werden. So erleben wir in der Gegenwart etwas, was sich bereits in Athen und Rom und Persepolis abspielte. Deshalb ist eine nahe Verbindung mit Frankreich, ganz abgesehen von der politisch-militärischen Seite, rassengeschichtlich so gefährlich. Vielmehr heißt der Ruf hier: Abwehr des eindringenden Afrikas, Grenzsperrung auf Grund anthropologischer Merkmale, eine nordisch-europäische Koalition zwecks Säuberung des europäischen Mutterlandes von den sich ausbreitenden Krankheitskeimen Afrikas und Syriens. Auch zum besten der Franzosen selbst. 5.

Die Geschichte des Frankenreiches ist heute abgeschlossen. Gleich ob klerikaler Machtwille oder stupide Freigeisterei sich in der Regierung abwechseln: in jedem Fall wird der große Zug des Schöpferischen fehlen. Frankreich wird deshalb getragen sein von einer instinktiven Rassenangst als Folge der Rassenschande, die jeden höchstens äußerlich siegreichen Zerkreuzten nie verläßt. Deshalb die noch heute herrschende schlotternde Furcht vor dem  dank der Hilfe des ganzen Erdballs niedergeworfenen Deutschland. Dem Deutschland,  welches alle Ursache hat, die Lebenslinie seines Nachbarvolkes zu verfolgen um alle inneren Abwehrktäfre gegen den gleichen Verlauf seines Schicksals wachzurufen.

Das überwiegend protestantische Deutschland brauchte einen 14. Juli nicht. Wenn auch zurückgedrängt von dem einst hereingebrochenen alpin-kleinasatischen Geist, zog sich um das baltische Becken doch ein starker Ring des Charakterwiderstandes gegen römische Nivellierungssucht, der Rom geradezu zwang, sein sittliches Leben zu reformieren, um überhaupt bestehen zu können. Aber der Germane ist leider nicht wachsam gewesen Er überließ großherzig fremdem

[105] Die “Zwei Deutschlands”

Blut dieselben Rechte, die er sich mit großen eigenen Opfern durch die Jahrhunderte erkämpft hatte. Er übertrug Duldung des religiösen und wissenschaftlichen Denkens auch auf ein Gebiet, auf dem er hätte scharfe Abgrenzungen treffen müssen: auf das Gebiet der Volksgestaltung, Menschenformung, Staatsbildung als erster Voraussetzung des organischen Daseins überhaupt. Er hatte übersehen, daß Duldsamkeit zwischen Protestanten und Katholiken in bezug auf ihre Überzeugungen über Gott und Unsterblichkeit nicht gleichbedeutend sein konnte mit Duldsamkeit gegenüber antigermanischen Charakterwerten. Daß der Heroische nicht gleiches Recht haben kann mit dem Börsenspekulanten; daß dem Bekenner der unsittlich-ungermanischen Talmudgesetze mit einem Hanseaten oder deutschen Offizier keine gleichen Rechte auf Lebensgestaltung der Nation zugesprochen werden   durften. Aus dieser Sünde gegen das eigene Blut erwuchs d i e große Volksschuld, entstanden die “zwei Deutschlands”, die sich 1870—71 schon zeigten, nach 1914 unversöhnlich gegenüberstanden, 1918 endgültig auseinander fielen und heute auf Leben und Tod miteinander ringen, obgleich noch immer nicht überall blutsbewußt geschieden. Was sich während der Ketzerkriege, zur Zeit Gustav Adolfs abspielte, ringt erneut, nur unter anderen Symbolen. Und wie es scheint, nicht unter Gleichnissen kirchlich-abstrakter Art, sondern endlich schon stark bewußt in der organischen Gegenüberstellung: nordisch-germanisch (bzw. vernordetes Blut) und Untermensch in Verbindung mit der Geistigkeit Syriens.

Das Blutopfer der Nation auf allen Schlachtfeldern der Welt gab dem demokratischen ostischen Menschen und seinen bastardischen Mithelfern der Weltstädte Gelegenheit zum Aufschwung. Der Menschentypus, der vor 150 Jahren in Frankreich als herrschend an die Oberfläche zu treten begann, stand seit 1918 auch in Deutschland, ausgestattet mit dem Gelde Syriens, an der Spitze der Demokratie.

[106] Plastische Verfallssymbole

Er kannte deshalb die alten Werte nicht, sondern bekämpfte sie offen und frech auf allen Straßen und Plätzen (“Das dümmste Ideal ist das Ideal des Helden”, sagte das “Berliner Tageblatt”), der glückliche Spekulant wurde Ehrenmann, der ostjüdische Bankier Finanzier der “staatserhaltenden” Parteien, der Kämpfer gegen die Verhöhnung des germanischen Wesens aber wurde wegen “Beleidigung der Staatsform” ins Gefängnis gesperrt. Diese Umschichtung der Werte ist gleichbedeutend mit der Veränderung des herrschenden Blutes und schon ein einziger Blick auf die Reihe der marxistisch-demokratischen Führer beweist in furchtbarer Weise den Rassenverfall, der zwischen der Herrschaft der Köpfe eines Moltke, Bismarck, Roon, Wilhelm I. liegt und jenen Parlamentariern, die bis 1933 die Börsenkolonie Deutschland verwalteten.

Die Herrschaft dieser in Stunden einer furchtbaren Verzweiflung des wertvollen Volksteils hochgespülten alpin-jüdischen Schicht erschien dadurch gesichert, daß sie sich aus Instinkt sofort den im heutigen Frankreich starken Mächten verbündete. Dem Frankreich, mit dessen verschlissenen Ideen sie einst die geistige Armut der Revolte von 1918 bestritten hatten. Sie waren durch jene Lügen großgeworden und konnten von ihrer Richtung nicht mehr  abweichen. Die Form der Franzosenpolitik der Demokratie in Deutschland ging also letzten Endes zurück auf die “natürliche” Sympathie der Untergangsmenschen, der gradlinigen Charakter als lebendigen Vorwurf empfindet und sich deshalb mit dem Verfall zu verbinden bemüht. Das ist auch die wesentliche Erklärung für die Sympathie, welche das nachrevolutionäre Rußland in allen Zentren des marxistischen Untermenschentums hervorrief. Hinter allem Schillern der angeblichen Grundsätze, “realpolitischen” Überlegungen usw. zieht sich ein Strom unterbewußter Rassenkraft, beziehungsweise ein flutendes Gewässer mit rassenchaotischen Abfallserzeugnissen. Dies ganz ungeachtet

[107] Gegen die alte Geschichtsdeutung

geschichtlicher Überlieferungen und raumpolitischer Gesetzmäßigkeit deshalb zum Schaden der deutschen Nation.

Sämtliche Historiker, welche die schmerzensreiche Geschichte der Auseinandersetzungen zwischen Rom und Ketzertum behandeln, erklären einmütig, man müsse die Dinge aus dem Weltbild und den Bedingungen der jeweiligen Zeit behandeln. Dies tun sowohl Verteidiger  als auch Gegner Roms, die dabei gemeinsam einem verhängnisvollen Irrtum zum Opfer gefallen sind: als gäbe es neben vorübergehenden Zeitumständen nicht auch unveränderliche Wesensgesetze, die zwar unter verschiedenen Formen miteinander ringen, in ihrer Wirkungsrichtung sich jedoch gleich bleiben. Der Kampf des nordischen Menschen gegen römischen geistigen Unitarismus ist eine derartige zweitausend Jahre alte Tatsache, die immer zugleich auch eine “zeitweilige Bedingung” gewesen ist. Deshalb behält ein Werturteil in bezug auf die heutige Zeit seine tief begründete Berechtigung auch bei der Beurteilung der ringenden gleichartigen Kräfte der Rassen und des Rassenchaos der Vergangenheit. Was aber in diesem Kampfe unterging, die Veränderung rassischer und charakterlicher Art bewirkte, gerade dieses nun ist von den zünftigen Geschichtsschreibern nicht behandelt worden: die Vernichtung der rassischen Substanz in Südfrankreich, auch die Ausrottung des  schöpferischen Blutes im noch stark germanischen Kern-Österreich durch die Gegenreformation und die daraus entstehenden anderen “Zeitumstände”. Die übliche Geschichtsschreibung hat also das Unveränderliche hinwegzuleugnen versucht, das wirklich Zeitbedingte deshalb ebenfalls meist einseitig gewertet und nur an den äußerlichen Symbolen ihre Schilderungen erprobt. Durch diese Erkenntnis ist für den kommenden Darsteller und Ergründer der Entwicklung des Abendlandes an der Hand unwandelbarer seelisch-rassischer Werte eine neue Grundlage

[108] Die Hussitenbewegung

geschaffen worden, geeignet, einen Schritt zur Höhe zu ermöglichen für alle, die starken Willens sind.

Das Vorhergehende aber fordert noch ein Gegenstück, um keine flache Beurteilung der  großen Fragen aufkommen zu lassen. Z. B. die Hussitengeschichte. Die protestantische Bewegung in Böhmen weist einen wesentlich anderen Zug auf als in Frankreich. In  Frankreich herrschte eine Sprache, eine Staatliche Überlieferung und klare Ansätze eines einheitlichen Nationalgefühls waren gegeben, in Böhmen dagegen standen sich Deutsche und Tschechen als auch zum großen Teil durch Rasse geschiedene Kräfte gegenüber. Die Tschechen ihrerseits waren rassisch geschichtet in nordisch-slavischen Adel, während die unteren Stände alpin-dinarische Prägung aufwiesen, also jenen Typus zeigten, den der heutige Tscheche so deutlich verkörpert. Unter angelsächsischem Einfluß (Wiklef) löste sich das slavische Tschechentum in gleicher Weise von dem römischen Universalismus wie das deutschwerdende Deutschland und das hugenottische Frankreich. Diese Bewegung erzeugte die sog. ultraquistische Richtung, welche in den Prager Artikeln (l. Augnst 1420) an die erste Stelle aller Forderungen die freie Predigt ohne Beeinflussung durch die oberen Kirchenbehörden setzte. Dann folgte der übliche Abendmahlsanspruch, der Ruf nach Aufhebung des weltlichen Kircheneigentums und die Forderung auf Beseitigung der Todsünden, ihre Sühnung durch die weltliche Obrigkeit. Zum Zweck der Vertretung dieser  mit päpstlichen Bannbullen beantworteten Ansprüche mußte sich die freie tschechische Geistlichkeit ihrer unteren Volksmassen bedienen. Und hier zeigte sich das andersrassische alpin-dinarische Wesen das sich in kulturloser Wildheit, gepaart mit fürchterlichem Aberglauben, offenbarte. Der einäugige, rasende Ziska von Trocnow (dessen Kopf im Prager Nationalmuseum ihn als ostisch-vorderasiatischen Menschen ausweist), war der erste Ausdruck dieser alles zerstörenden

[109] Taboritischer Eifer

Taboritenbewegung, welcher die Tschechen die Ausrottung sowohl der in ihnen noch wirkenden germanischen Kräfte als auch die Zurückdrängung der echtslavischen zu verdanken haben.

Wie von einem vorderasiatischen Wahnsinn getrieben, standen taboritische Eiferer auf und erklärten, “in dieser Zeit der Vergeltung müßten alle Städte, Dörfer und» Burgen verwüstet, zugrunde gerichtet und verbrannt werden”, auch Prag, “das Babylon der Städte”*. Der aus dem Alten Testament gesogene Chiliasmus (welcher auch mancher anderen protestantischen Bewegung bis auf heute gefährliches Gift zuführte) veranlaßte die tschechischen Bauern, ihr Hab und Gut in Erwartung des “Reiches Gottes auf Erden” zu verlassen, was dann die Plünderung des deutschen Eigentums zur Folge hatte.

Die Taboriten erklärten später den Utraquisten den Kampf und bereits 1420 verkündeten sie eine Lehre, welche von jeher aus den Kehlen des gegen Forschergeist und Genie sich empörenden dunklen Untermenschen erschollen ist: “Jeder Mensch, der die freien Künste studiert, ist eitel und heidnisch.” Den echten tschechischen Patrioten “schwanden die Sinne”, ganz wie im Jahre 1917 den russischen Intellektuellen angesichts der aufquellenden bolschewistischen Menschenflut. Das war die Einsicht von der tschechischen Unterwertigkeit, welche Franz Palacky (1846) zum Bekenntnis veranlaßte, daß sich in allen kulturellen Fragen die Deutschen im 15. und 16. Jahrhundert eine immer stärkere Stellung verschafft hätten: “Daraus schöpften wir die unliebsame und betrübende Erkenntnis, daß in dem Wesen beider Völker, des tschechischen und des deutschen, etwas liegt, was diesem gegenüber jenem, auch abgesehen von den politischen Verhältnissen, eine größere Ausdehnungskraft verleiht und ein dauerndes Übergewicht

*Höfler, “Geschichtsschreiber”, III, S. 159.

[110] Klagen tschechischer Patrioten

sichert; daß wir irgendeinen tief eingewurzelten Fehler besitzen, der wie ein geheimes Gift am Kern unseres Wertes zehrt.” Und als die “tschechisch-nationale Sache” siegte, das Tschechentum restlos triumphierte, herrschte gerade deshalb ein furchtbarer geistiger und sittlicher Niedergang. Der Patriot Hassenstein erklärte bekümmert: “Aus dem Vaterlande flieht, wer recht zu leben bestrebt ist”, während ein anderer tschechischer Nationalist Viktorin von Wschehrd gesteht:”Man kann in unserem Staate fast kein Glied finden, das nicht zerbrochen oder geschwächt ist.” Und wie eine Sehnsucht nach anderen Männern, die  Deutung Palackys über das Gift im Tschechentum vorwegnehmend und auf die germanische Rasse als Heilung hinweisend, klingen die Worte Hassensteins 1506 an einen Freund in Deutschland. Nachdem er die Verwüstung und den Zusammenbruch Tschechiens geschildert hat, Schreibt er: “Einst freilich unter den Ottonen, Heinrichen, Friedrichen, als Deutschland blühte, da wuchs auch unsere Macht … als der edelste Teil des Reiches galt Böhmen; jetzt aber, da euer Staatswesen wankt, wanken wir nicht nur, sondern brechen völlig zusammen … Euch reiben Kriege auf, uns verzehrt der Rost.”

Das deutsche Element sah sich von vornherein, ungeachtet vieler Sympathien zum antirömischen Gedanken, von der hussitisch-taboritischen Bewegung zurückgedrängt, was seine Gleichsetzung mit dem papistischen Lager zur natürlichen Folge hatte. Hier wurde also aus reinem Selbsterhaltungstrieb gegenüber dem aufgerührten dinarisch-alpinen Menschen eine äußere Gleichsetzung vollzogen, ohne notwendige innere Übereinstimmung. In Zeiten großer Umwälzungen kann natürlich nie viel geschont werden, der Taboritismus jedoch kostete das Tschechentum so ziemlich alles, was es an eigenartigen Gesittungskräften besaß.

Seitdem ist dieses Volk unschöpferisch geblieben

[111] Der germanische Freiheitsbegriff

und verdankt seine spätere kulturelle Erholung den neuerdings wieder einströmenden deutschen Formkräften. Wildheit gepaart mit charakterlicher Kleinheit ist bis heute leider ein Kennzeichen großer Teile des Tschechentums geblieben.

Die Gleichung Reformation—nordisches Wesen ist also in dieser Einförmigkeit nicht zu verwenden, weil der große nordische Gedanke seelischer und geistiger Freiheit auch vielerorts Menschen aus wohltätigen Formen löste, die weder eine freie Seele noch einen beschwingten Forschergeist besaßen.

Diese Betrachtung der tschechischen Geschichte* ist äußerst lehrreich für die gesamte kommende rassische Geschichtsforschung und lehrt Freiheit von “Freiheit” sehr unterscheiden. Freiheit im germanischen Sinne ist innere Unabhängigkeit, Forschermöglichkeit, Ausbau eines Weltbildes. echt religiöses Fühlen; Freiheit für vorderasiatische Einsprengsel und dunkle Mischlinge bedeutet hemmungslose Vernichtung anderer Kulturwerte. Das erste hatte in Griechenland eine höchste Knlturentwicklung zur Folge, jedoch nach “Menschwerdung” auch der vorderasiatischen Sklaven die vollkommene Zerstörung dieser Schöpfungen. Allen ohne Unterschied heute eine äußere “Freiheit” zuzusprechen, bedeutet sich dem Rassenchaos ausliefern. Freiheit heißt Artgebundenheit, nur diese kann die höchstmögliche Entfaltung verbürgen. Artgebundenheit aber fordert auch Schutz dieser Art.

Die 300000 Hugenotten, die nach Deutschland kamen, waren entweder rein nordischer Art oder doch Träger eines Blutes, welches vom germanischen Wesen bedingt war und mit dem deutschen eine brüderliche Harmonie eingehen konnte. Auch als die französische Revolte von 1789

*Wer sich über das einzelne der furchtbaren Hussitenkriege unterrichten will, lese z. B. Bertold Bretholz, “Geschichte Böhmens und Mährens”, Reichenberg 1922.

[112] Wesen von Pan-Europa

erneut Jagd machte nicht nur auf heruntergekommene Höflinge, sondern auch auf echt adliges Wesen, da fanden so manche “Franzosen” in Preußen eine neue Heimat. Ein Fouque, ein Chamisso, ein Fontäne, eine große Zahl deutscher Helden des Weltkrieges trägt französische Namen. Andererseits führte ein Kant seine Vorfahren auf Schotten, Beerhoven auf Holländer zurück, ein H- St. Chamberlain hebt als Engländer die schönsten Schätze germanischen Seelentums aus verborgenen Tiefen ans Licht. Dies alles zeigt ein Hinüber und Herüber von Menschen und Werten auf der Ebene des germanischen Lebensgefühls. Ein ganz anderes Wesen aber zeigt sich im sogenannten heutigen von allen Internationalen und Juden geförderten Pan-Europäertum. Das, was sich hier abspielt, ist nicht das Angleichen  germanisch bedingter Elemente in Europa, sondern ein Vereinigen rassenchaotischer Abfälle der Weltstädte, ein pazifistisches Geschäftsabkommen großer und kleiner Händler, letzten Endes eine von der jüdischen Finanz mit Hilfe der heutigen französischen bewaffneten Mächte geförderte Unterdrückung der darniederliegenden germanischen Kräfte in Deutschland — und überall in der Welt.

Die äußere Staatsform deutscher völklicher Selbsterhaltung ist zerschlagen, der Scheinstaat bis zur Wende 1933 von antigermanischen Kräften beherrscht, im Westen vom angreifenden, allem Deutschen noch immer feindlichen Franzosentum bedroht; dazu wird das Deutsche schlechtweg auch im Osten von stürmischen Fluten umspült Einst wurde Rußland von Wikingern gegründet, germanische Elemente dämmten das Chaos der russischen Steppe und preßten die Bewohner in staatliche, Kultur ermöglichende Formen. Diese Rolle des aussterbenden Wikingerblutes übernahmen später die deutschen Hansen, die westlichen Auswanderer nach Rußland überhaupt; in der Zeit seit Peter dem Großen die deutschen Balten, um die Wende des 20. Jahrhunserts

[113] Haß der Steppe

auch die stark germanisierten baltischen Völker. Aber unter der gesittungtragenden Oberschicht schlummerte in Rußland stets die Sehnsucht nach grenzenloser Ausbreitung, der ungestüme Wille zum Niedertreten aller als bloße Schranken empfundenen Lebensformen.

Das mongolisch gemischte Blut kochte bei allen Erschütterungen des russischen Lebens auch in starker Verdünnung noch auf und riß die Menschen fort zu Taten, die dem Einzelnen oft selbst unbegreiflich erschienen sind. Diese plötzliche Umkehrung aller sittlichen und gesellschaftlichen Vorzeichen, die ständig im russischen Leben und im russischen Schrifttum (von Tschaadajew bis Dostojewski und Gorki) wiederkehren, sind ein Zeichen dafür, daß feindliche Blutströme miteinander ringen und daß dieser Kampf nicht früher aufhören wird,  als bis eine Blutskraft über die andere gesiegt hat. Der Bolschewismus bedeutet die Empörung des Mongoliden gegen nordische Kulturformen, ist der Wunsch nach der Steppe, ist der Haß des Nomaden gegen Persönlichkeitswurzel, bedeutet den Versuch, Europa überhaupt abzuwerfen. Die mit vielen poetischen Gaben bedachte ostbaltische Rasse erweist sich — bei mongolider Durchsetzung — als schmiegsamer Ton in der Hand nordischer Führer oder jüdischer oder mongolischer Tyrannen. Sie singt und tanzt, aber mordet und tobt zugleich; sie ist treu ergeben, aber beim Abstreifen locker werdender Formen hemmungslos verräterisch. Bis sie in neue Formen, und seien sie tyrannischster Art, gezwungen wird.

Wenn irgendwo, so zeigt sich im Osten die tiefe Wahrheit heutiger rassisch gebundener Geschichtsbetrachtung, aber zugleich die große Stunde der Gefahr, in der sich bereits die Substanz der nordischen Rasse befindet. Diese im Inneren jedes Landes nagenden Kräfte und die aufgerührten Fluten der Unterwelt ergeben für jeden um die Gesamtkultur Europas Besorgten eine einheitliche Front nordischer’ Schicksalsverbundenheit, die quer hindurchgeht

[114] Mythus des Blutes

durch die heutige sogenannte Front der Sieger und der Besiegten des Weltkrieges (darüber im dritten Buche). Diese Erkenntnis legt aber allen tiefer Forschenden eine große Pflicht auf und fordert die Entfaltung ungewöhnlicher Charakterkräfte.

Einst fanden Urchristen den starken Glauben, alle Martern und Verfolgungen auf sich zu nehmen. Und sie siegten. Als Rom diese Taten mißbrauchte, erstanden neue glaubensstarke Hunderttausende in Europa, die noch auf dem Scheiterhaufen für freien Glauben und freies Forschen kämpften. Andere ließen sich von Haus und Heimat vertreiben, sie ließen sich mit Negern und Türken an die Galeeren schmieden, sie kämpften als Stedinger und Waldenser bis zum letzten Mann um ihr arteigenes Dasein. Und schufen alle Grundlagen abendländisch- nordischer Kultur. Ohne Coligny und Luther kein Bach, kein Goethe, kein Leibniz, kein Kant. Wobei der treuherzige Bibelglaube der Protestanten heute ebenso unwiederbringlich dahin ist wie einst der Glaube an die “göttliche Berufung der Kirche” dahingesunken war.

Heute erwacht aber ein neuer Glaube: der Myrhus des Blutes, der Glaube, mit dem Blute auch das göttliche Wesen des Menschen überhaupt zu verteidigen. Der mit hellstem Wissen verkörperte Glaube, daß das nordische Blut jenes Mysterium darstellt, welches die alten Sakramente ersetzt und überwunden hat.

Und nach einer Rückschau von fernster Vergangenheit bis auf die jüngste Gegenwart breitet sich vor unserem Blick folgende Vielgestaltigkeit nordischer Schöpferkraft: aus: das arische Indien beschenkte die Welt mit einer M e t a p h y s i k, wie sie an Tiefe noch heute nicht erreicht worden ist; das arische Persien dichtete uns den r e l i g i ö s e n i ö s e n Mythus, von dessen Kraft wir alle noch heute zehren; das dorische Hellas erträumte die Schönheit auf dieser Welt, wie sie in der uns vorliegenden in sich

[115] Die Mannigfaltigkeit nordischer Kulturen

ruhenden Vollendung nie mehr verwirklicht wurde; das italische Rom zeigte uns die formale Staatszucht als Beispiel, wie eine menschliche bedrohte Gesamtheit sich gestalten und wehren muß. Und das germanische Europa beschenkte die Welt mit dem leuchtendsten Ideal des Menschentums: mit der Lehre von dem Charakterwert als Grundlage aller Gesittung, mit dem Hochgesang auf die höchsten Werte des nordischen Wesens, auf die Idee der Gewissensfreiheit und der Ehre. Um diese wurde auf allen Schlachtfeldern, in allen Gelehrtenstuben gekämpft, und siegt diese Idee im kommenden großen Ringen nicht, so werden das Abendland und sein Blut untergehen wie Indien und Hellas einst auf ewig im Chaos verschwanden.

Mit dieser Erkenntnis, daß Europa in allen seinen Erzeugnissen schöpferisch gemacht worden, ist allein vom Charakter, ist das Thema sowohl der europäischen Religion als auch der germanischen Wissenschaft, aber auch der nordischen Kunst, aufgedeckt. Sich dieser   Tatsache innerlich bewußt zu werden, sie mit der ganzen Glut eines heroischen Herzens zu erleben, heißt die Voraussetzung jeglicher Wiedergeburt schaffen. Diese Erkenntnis ist die Grundlage einer neuen Weltanschauung, eines neu-alten Staatsgedankens, der Mythus eines neuen Lebensgefühls, das allein uns die Kraft geben wird zur Niederwerfung der angemaßten Herrschaft des Untermenschen und zur Erschaffung einer alle Lebensgebiete durchdringenden arteigenen Gesittung. 6.

Eine Kritik der reinen Vernunft hat den Zweck, uns die formalen Voraussetzungen jeder möglichen Erfahrung zum Bewußtsein zu führen und die verschiedenen tätigen Kräfte des Menschen auf ein bestimmtes, ihnen allein übergelassenes Gebiet einzuschränken. Das Außerachtlassen der

[116] Jede Rasse hat ihre Seele

erkenntniskritischen Einsichten hat zu den größten Verwilderungen auf allen Gebieten geführt; deshalb bedeutete die Erkenntniskritik Kants das hellbewußte Erwachen inmitten einer Zeit, die der religiös-scholastischen, platt-naturalistischen oder schwül-sensualistischen Systeme müde zu werden begann. Bei Anerkennung dieser höchsten Leistung der Vernunftkritik ist jedoch über das Formale hinaus, über die innere Art und Weise des Gebrauchs der seelischen und der Vernunftkräfte noch nichts ausgemacht, d. h. eine Wertung des innersten Wesens der verschiedenen Kulturen und Weltanschauungen nicht einbegriffen. Das hatten römisches System, Judentum, islamitischer Fanatismus zur Genüge besorgt. Im tiefsten Innern wird auch ein Kulturvolk niemand das Recht einräumen, über seine Schöpfungen mit dem Zensorwort gut und schlecht, richtig und falsch abzuurteilen. Kulturen sind eben nicht Dinge, die aus nebelhaften Fernen als abgezirkelte Kulturkreise sich bald — man weiß nicht warum — auf eines, bald auf ein anderes Gebiet der Erde niedersenken, sondern sind blutvolle Schöpfungen, die d a sind, jede in ihrer Weise (rational und irrational) metaphysisch verwurzelt, um ein unfaßbares Zentrum gruppiert, auf einen Höchstwert bezogen, und alle besitzen, selbst bei späterer Umfälschung, einen lebensspendenden Wahrheitsgehalt. Jede Rasse hat ihre Seele, jede Seele ihre Rasse, ihre eigene innere und äußere Architektonik, ihre charakteristische Erscheinungsform und Gebärde des Lebensstils, ein nur ihr eigenes Verhältnis zwischen den Kräften des Willens und der Vernunft. Jede Rasse züchtet letzten Endes nur ein höchstes Ideal. Wird dieses durch andere Zuchtsysteme, durch überwiegendes Einsickern fremden Blutes und fremder Ideen verwandelt oder gar entthront,  so ist die Folge dieser inneren Umwandlung äußerlich durch ein Chaos, Epochen der Katastrophen gekennzeichnet. Denn ein Höchtswert fordert eine bestimmte, durch ihn bedingte Gruppierung

[117] Wesen der neuen Kulturdeutung

der anderen Lebensgebote, d. h. er bestimmt den Daseinsstil einer Rasse, eines Volkes, einer dieser Nation verwandten Völkergruppe. Seine Beseitigung bedeutet deshalb die Auflösung des gesamten inneren organisch-schöpferischen Spannungszustandes.

Nach solchen Katastrophen kann es geschehen, daß sich die Kräfte der Seele erneut um das alte Zentrum herum gruppieren und unter neuen Bedingungen auch eine neue Daseinsform gebären. sei es nun nach endgültigem Siege über die fremden, für eine Zeitlang hereingebrochenen Werte, sei es nach Duldung eines zweiten Zentrums der Kristallisation neben sich. Ein räumliches und zeitliches Nebeneinander aber zweier oder mehrerer auf verschiedene Höchstwerte bezogenen Weltanschauungen, an denen die g l e i ch e n Menschen teilhaben sollen, bedeutet eine unheilverkündende Zwischenlösung, die den Keim eines neuen Zusammenbruchs in sich trägt. Gelingt es dem eingedrungenen System, den Glauben an die alten Ideen zu Schwächen und den Träger dieser Ideen, die Rassen und Völker, auch physisch zu zersetzen und zu unterjochen, so bedeutet das den Tod einer Kulturseele, die dann auch in ihrer äußeren Verkörperung vom Erdboden verschwindet.

Das Leben einer Rasse, eines Volkes, ist keine sich logisch entwickelnde Philosophie, auch kein sich naturgesetzlich abwickelnder Vorgang, sondern die Ausbildung einer mystischen Synthese, einer Seelenbetätigung, die weder durch Vernunftschlüsse erklärt noch durch Darstellung von Ursache und Wirkung begreiflich gemacht werden kann. Eine Kultur auf ihr Inneres hin deuten, besteht deshalb im Bloßlegen des religiösen, sittlichen, philosophischen, wissenschaftlichen oder aesthetischen Höchstwertes, der ihren ganzen Rhythmus bestimmt, zugleich aber auch die Beziehungen und Einordnungen der menschlichen Kräfte untereinander bedingt. Ein vornehmlich religiös eingestelltes

[118] Drei feindliche Systeme

Volk wird eine andere Kultur gebären, als eines, dem Erkenntnis oder Schönheit die Daseinsform vorschreiben. Letzten Endes ist denn auch jede über eine formale Vernunftkritik hinausgehende Philosophie weniger ein Erkenntnis, als ein Bekenntnis; ein seelisches und rassisches Bekenntnis, ein Bekenntnis zu Charakter werten.

Unser heutiges chaotisches Zeitalter ist seit Jahrhunderten heraufbeschworen worden. Dank gewissen Umständen ist es gelungen, die Lebensgesetze der nordisch bedingten Völker durch das Eingreifen anderer Kräfte zu schwächen, an vielen Stellen uns den Glauben an die  eigenen höchsten Wertsetzungen zu nehmen, oder diese in ein neues System als untergeordnete Faktoren einzuordnen. Gegen diese Verfallserscheinungen stand die Rassenseele Nordeuropas in ununterbrochenem Kampfe. Bis sich trotzdem neue, ihr feindliche Kraftzentren bildeten.

Das 19. Jahrhundert zeigte in ganz Europa drei Systeme ausgebildet nebeneinander bestehend. Das eine war das ursprüngliche, auf Freiheit der Seele und der Idee der Ehre ruhende  nordische Abendland; das andere das vollendete römische Dogma der demutsvollen, unterwürfigen Liebe im Dienste einer einheitlich regierten Priesterschaft; das dritte war der offene Vorbote des Chaos: der schrankenlose, materialistische Individualismus mit dem Ziel einer wirtschaftspolitischen Weltherrschaft des Geldes als einigende, typenbildende Kraft.

Diese drei Mächte rangen und ringen um die Seele eines jeden Europäers. Zu Kampf und Tod rief man auch im letzten Jahrhundert im Namen von Freiheit, Ehre und Volkstum. Gesiegt hatten aber 1918 die Mächte der Plutokratie und die römische Kirche. Mitten im furchtbarsten Zusammenbruch erwachte jedoch die alte nordische Rassenseele zu neuem, höheren Bewußtsein. Sie begreift endlich, daß es ein gleichberechtigtes Nebeneinander

[119] Keine “voraussetzungslose Wissenschaft”

verschiedener—sich notwendig ausschließender — Höchstwerte nicht geben darf, wie sie es einst in großherziger Weise zu ihrem heutigen Verderben glaubte zugestehen zu können. Sie begreift, daß sich rassisch und seelisch Verwandtes eingliedern läßt, daß aber Fremdes unbeirrbar ausgesondert, wenn nötig niedergekämpft werden muß. Nicht weil es “falsch” oder “schlecht” an sich, sondern weil es artfremd ist und den inneren Aufbau unseres Wesens zerstört. Wir empfinden es heute als Pflicht, uns bis zur letzten Klarheit Rechenschaft über  uns selbst zu geben, uns entweder zu dem Höchstwert und den tragenden Ideen des germanischen Abendlandes zu bekennen, oder uns seelisch und körperlich wegzuwerfen. Für immer.

Der w i r k l i ch e Kampf von heute geht also nicht so sehr um äußere Machtverschiebungen bei innerem Kompromiß wie bisher, sondern umgekehrt um den Neuaufbau der seelischen Zellen der nordisch bestimmten Völker, um die Wiedereinsetzung jener Ideen und Werte in ihre Herrscherrechte, denen alles entstammt, was für uns Knltur bedeutet, und um die Erhaltung der rassischen Substanz selbst. Die politische Machtlage kann vielleicht noch lange zu unseren Ungunsten weiter verschoben werden. Ist aber erst einmal ein neuer und doch wieder uralter Typus des Deutschen irgendwo erlebt und erschaffen worden, der seelen-, rassen- und geschichts-bewußt die alt-neuen Werte unbeirrbar verkündet und verkörpert, so wird sich um dieses Zentrum alles scharen, was auch nur dunkel sucht und noch im altheimatlichen Boden Europas wurzelt.

Dies sei vorausgeschickt, um gleich anfangs zu bekennen, daß keine “voraussetzungslose Wissenschaft” vorgetäuscht werden soll, wie es wissenschaftliche Dunkelmänner gewöhnlich taten und tun, um ihren Anschauungen den Anstrich von allgemeingültigen Lehrsätzen zu geben. Es gibt keine voraussetzungslose Wissenschaft, sondern nur Wissenschaft mit Voraussetzungen…

[120] Keine “Kunst an sich”

Die eine Gruppe der Voraussetzungen sind die Ideen, Theorien, Hypothesen, welche die zersplitterten suchenden Kräfte nach einer Richtung lenken und durch das Experiment auf ihren sachlichen Wahrheitsgehalt geprüft werden. Diese Ideen sind rassisch ebenso bedingt  wie die willenhaften Werte. Denn eine bestimmte Seele und Rasse tritt dem Weltall mit einer auch besonders gearteten Fragestellung entgegen. Fragen, die ein nordisches Volk stellt,  bilden für den Juden oder den Chinesen überhaupt kein Problem. Dinge, die dem Abendländer zum Problem werden, erscheinen anderen Rassen als gelöste Rätsel.

Auf allen demokratischen Konzilien hört man noch heute den Lehrsatz von der “Internationalität der Kunst und Wissenschaft” verkünden. Die geistig Armen, die das ganze

19. Jahrhundert mit diesen Zeugnissen der Lebensfremdheit und rasselosen Wertelosigkeit blamiert haben, kann man natürlich nicht mehr über die Beschränktheit dieser “Allweltlichkeit” belehren. Das junge Geschlecht aber, das diesem Treibhauswesen den Rücken zu kehren beginnt, wird nach einem einzigen unbefangenen Hinschauen auf die Mannigfaltigkeit der Welt entdecken, daß es eine “Kunst an sich” nicht gibt, nie begeben hat und niemals geben wird. Kunst ist immer die Schöpfung eines bestimmten Blutes, und das formgebundene Wesen einer Kunst wird nur von Geschöpfen des gleichen Blutes wirklich verstanden; anderen sagt es wenig oder nichts (darüber im zweiten Buche Näheres). Aber  auch die “Wissenschaft” ist eine Folge des Blutes. Alles, was wir heute ganz abstrakt Wissenschaft nennen, ist ein Ergebnis der germanischen Schöpferkräfte. Dieser nordisch- abendländische Gedanke einer auf Gesetze zurückzuführenden Folge von Ereignissen im Weltall, die Erforschung dieser Gesetzlichkeit, ist nicht nur nicht eine “Idee an sich”, auf die jeder Mongole, Syrier und Afrikaner auch verfallen müßte, sondern ganz im Gegenteil: dieser (in anderer Form im nordischen Hellas aufgetauchte)

[121] Heroische Wissenschaft!

Gedanke sah sich durch Jahrtausende hindurch der wütendsten Gegnerschaft der vielen fremden Rassen und ihrer Weltanschauungen gegenüber. Die Idee der Innergesetzlichkeit und der Eigengesetztichkeit war ein Schlag ins Gesicht aller Anschauung, die auf der  willkürlichen Gewaltherrschaft: eines oder vieler mit Zauberkraft ausgestatteter Wesen ihr Weltbild aufbaute. Aus einer Weltanschauung, wie sie uns der alttestamentliche Jahwe vermittelt, konnte ebensowenig eine Wissenschaft unserer Prägung entwachsen, wie aus dem Dämonenglauben und Evolutionshypothesen afrikanischer Menschen. Aus diesem ewig fremden Gegensatz heraus ergab sich auch der Kampf des römisch-kirchlichen Systems gegen die germanische Wissenschaft. Diese ist ihren glänzenden Gang durch Ströme eigenen, aber von Rom vergossenen Blutes gegangen. Fromme nordische Mönche, die dem Zeugnis des weltaufsaugenden Auges mehr Wert zumaßen als vergilbten Syrischen pergamenten, wurden mit Gift, Kerker und Dolch verfolgt, sieh Roger Bacon, sieh Scotus Erigena … Das was wir heute “die Wissenschaft” nennen, ist ureigenste; germanische Rassenschöpfung, sie ist nicht irgendein technisches Ergebnis, sondern die Folge einer einzigartigen Form der Fragestellung an das Weltall. Wie Apollon dem Dionysos, so stehen Kopernikus, Kant, Goethe dem Augustinus, Bonifaz VIIl., Pius IX. gegenüber. Wie das Mänadentum und die Phallussitten altgriechische Gesittung zu zersetzen strebten, so durchkreuzten etruskische Höllenlehre und Hexenwahn möglichst jede Regung nordischer Welterkenntnis. Mit der Erzählung von der Austreibung der bösen Geister aus den Säuen durch Jesus heftete sich diese Syrische Magie bis auf heute an das Christentum; Höllen- und Himmelfahrt, Höllenfeuer und Höllenqualen wurden fortan christliche Wissenschaft, die “succubi” und “incubi” feststehende wissenschaftliche Lehren, und es war nicht folgerichtig, daß Rom die Bücher, die sich zu Kopernikus’

[122]  Forschung und Dämonie

heliozentrischer Lehre bekannten, endlich doch 1827 (!!) vom Index strich. Denn auf Grund römischer “Wahrheit” ist nur ihre Lehre wirkliche Wissenschaft. Daß sie durch fast zwei Jahrtausende diese Anschauung trotz allen Blutvergießens nicht durchsetzen konnte, mußte sie zähneknirschend dulden, sie ist jedoch auch heute ununterbrochen am Werk, den nordischen Forschungsgeist durch die alten Zauberlehren zu vergiften. Die deutlichste Verlebendigung dieses Versuches ist der Jesuitenorden mit seinen “wissenschaftlichen” Abteilungen. Der Jesuit Cathrein erklärte: “Wenn einmal eine Wahrheit durch den Glauben sicher feststeht (was “feststeht”, darüber bestimmt Rom), so ist jede widersprechende Behauptung falsch und kann deshalb auch nie das Resultat wahrer Wissenschaft sein …” Und der moderne Theoretiker jesuitischer “Wissenschaft”, Dr. J. Donat, Professor in Innsbruck, erklärt jeden Zweifel an Glaubenswahrheiten als unstatthaft. “Traurig ist es um eine Wissenschaft bestellt”, ruft er aus, “die nichts anderes zu bieten vermag, als ewiges Suchen nach der Wahrheit.”*

Deutlicher läßt sich die tiefe Verschiedenheit in der Geisteshaltung wohl kaum aufzeigen, als durch diese Worte eines ganz in syrischer Dämonie untergegangenen alpinen Menschen: sie bedeuten nicht weniger als den Anspruch auf das Recht der Vernichtung des germanisch- europäischen Forscherwillens im Namen eines willkürlichen Lehrsatzes. Noch ein anderes Beispiel zeigt die heutige Gefahr, die Anerkennung innerer Gesetzlichkeit durch Einführung von willkürhafter Spekulation in ein Chaos zu verwandeln: die heutige Finanz”wissenschaft”.

Der europäische Forscher, sobald er eine Entdeckung;praktisch zu verwerten trachtet, zielt doch immer auf eine wirkliche Leistung ab, die er in das Weben von Ursache und Wirkung, Grund und Folge, als etwas Erzeugtes,

*”Die Freiheit der Wissenschaft”, 1910.

[123] Zahlenzauberei des Börsenbetriebs

Erschaffenes hineingestellt sehen will. Er empfindet Arbeit, Erfindung und Besitz als gesellschaftbildende Kräfte inmitten einer rassischen, völkischen oder staatlichen Gemeinschaft; selbst Amerikaner wie Edison und Ford bekennen sich zu dieser seelischen Einstellung. Auch die Börse hatte früher nur den einen Sinn, einen reibungslosen Übergang zwischen Tat und Folge, zwischen Erfindung, Erzeugnis und Absatz zu ermöglichen. Sie war ein ähnliches Hilfemittel wie das Geld. Aus dieser dienenden Stellung ist heute eine ganz andere Funktion erwachsen. Die “Börsen-und Finanzwissenschaft” ist gegenwärtig ein Spiel mit vorgetäuschten (fiktiven) Werten, eine Zahlenzauberei, eine von gewissen Kreisen systematisch durchgeführte Störung zwischen der Umschaltung von der Erzeugung zum Absatz geworden. Die Herren der heutigen Börse wirken mit Massenhypnosen durch falsche Nachrichten, durch Panikerzeugung; sie peitschen bewußt alle pathologischen Triebe hoch und aus einer natürlichen Vermittlungstätigkeit im Wirtschaftsgetriebe ist Willkür, Weltzersetzung geworden. Diese “Finanzwissenschaft” ist nun auch nicht international, sondern ist rein jüdisch und die Wirtschaftskrankheit aller nordisch bestimmten Völker kommt daher, daß sie sich bemühen, diese syrische, naturwidrige, aus Schmarotzerinstinkten stammende Willkür in ihr Lebenssystem einzufügen. Etwas, das, wenn es bis ans Ende gelingen sollte, die restlose Zerstörung aller natürlichen Voraussetzungen unseres Lebens nach sich ziehen muß. Die “Wissenschaft” des Dawes-Gutachtens, der Überwachung des politischen Nachrichtendienstes durch Bankiers und ihre presse ist antigermanisch bis ins Mark hinein und befindet sich deshalb auch in bewußter Todfeindschaft zu den großen deutschen Denkern des nordischen Wirtschaftswesens, d. h. zu Adam Müller. Adolf Wagner,Friedrich List. Hier zeigt sich auch das Wesen des jüdischen Marxismus, der gegen “den

[124] Wissenschaft als Wertung

Kapitalismus” kämpft, das Zentrum dieses Kapitalismus aber, die Börsen-Finanz, unberührt läßt.  Die Voraussetzung römischer “Wissenschaft” also ist das festgelegte willkürliche Zwangsglaubensgesetz der Kirche; die Voraussetzung jüdischer “Wissenschaft” ist die  Fiktion, auf deutsch: der Betrug; die Voraussetzung germanischer Wissenschaft: ist die Anerkennung einer in verschiedenen Folgen sich offenbarenden Gesetzmäßigkeit des Weltalls und der Menschenseele. Diese Be- und Erkenntnisse sind aber grundlegend für die Bewertung des gesamten Lebens, auch jener Ereignisse, die (wie Somnambulie, Hellsehen usw.) sich  noch nicht restlos in diese Betrachtungsweise einfügen lassen.

Und das heißt alles: wenn wir heute von Erkenntnissen und Bekenntnissen sprechen, so machen wir immer ganz bestimmte Voraussetzungen. Wir untersuchen die verschiedenen Höchstwerte, die um die Seelen aller Europäer ringen, stellen die jeweilige Architektonik der auf diese Höchstwerte bezogenen Kräfte fest und bekennen uns zu einem dieser Systeme.

Dieses Bekenntnis und die Zustimmung wenigstens zu den Grundgedanken derselben kann nur aus gleichen, verwandten, aber bisher geblendeten Seelen kommen, die anderen werden und müssen es ablehnen, und wenn sie es nicht totschweigen können, mit allen Mitteln bekämpfen.

Ein solches Loslösen und Ablösen des Einzelnen wie eines ganzen Volkes von noch machtvollen Kräften einer innerlich absterbenden Vergangenheit ist schmerzhaft und wird tiefe Wunden hinterlassen. Allein wir haben nur die Wahl: zu ersticken, oder den Kampf für die Gesundung aufzunehmen. Diesen Kampf mit klarem Bewußtsein und starkem Willen einzuleiten, ist die Aufgabe unseres Geschlechts. Ihn zu vollenden ist Sache einer späteren Generation.

[125] Der dogmatische Monismus 7.

Dem ursprünglichen Menschen ist “die Welt” als eine ursachlose (kausallose) Aneinanderreihung von Bildern im Raum und Empfindungen in der Zeit gegeben. Der Verstand schafft dann den ursächlichen Zusammenhang, die Vernunft die Einheit des Mannigfaltigen durch Aufstellung leitender Ideen. Das Geflecht aus diesen Tätigkeiten nennen wir unsere Erfahrung. Das ist die formale Grundlage alles Lebens. Diese jedoch wird grundverschieden benutzt. Eine überwiegende Kraft der ideenbildenden Vernunft wird dazu führen, die verschiedenen Einheiten unter immer weniger zusammenfassende Ideen zu binden, um schließlich zu einem einzigen Grundsatz der Welterklärung zu gelangen. Dieser formale Monismus wiederum äußert sich verschieden, je nachdem man die Idee Welt aus der Idee der Materie (absolute Materie, also eine vollkommene Abstraktion, ist Idee), oder aus der Idee “Kraft” entstehen lassen will. Der folgerichtige Mechanist nimmt Moleküle, Atome, Elektronen als Urwesen an, deren verschiedenartige Form und Zusammenstellungen Geist   und Seele schaffen; der folgerichtige Energetiker anerkennt Materie nur als latente, geballte Kraft, die sich als elektrische, Licht- oder Wärmeschwingung entladet. sowohl der materialistische wie der spiritualistische Monist ist Dogmatiker, weil er über das letzte formal sowohl als stofflich erscheinende Urphänomen der “Welt” mit einer einzigen, dafür aber alles entscheidenden Behauptung hinweggeht, sei diese Behauptung nun philosophischer, wissenschaftlicher Lehrsatz oder ein religiöser Glaube. Dieses Urphänomen ist, auch nach Überwindung der Vielfachheit (Pluralismus), die Polarität aller Erscheinungen, aber auch   aller Ideen. Die Zwiefachheit alles Seins zeigt sich physikalisch als Licht und Schatten, heiß und kalt, endlich und unendlich; geistig als wahr und unwahr; moralisch als gut und böse (was nur insofern

[126] Polarität — ein Urphänomen

bestritten werden kann, als die Begriffe sich auch auf etwas außer ihnen beziehen); dynamisch als Bewegung und Ruhe; als positiv und negativ; religiös als göttlich und satanisch. Polarität bedeutet Stets Gleichzeitigkeit der Gegensätze, deren beide Größen und Gegebenheiten also nicht als n a ch einander hervortretend zu erklären sind. Der Begriff des Guten ist ohne den  des Bösen überhaupt nicht faßbar, erhält erst durch ihn Begrenzung, d. h- Gestalt. “Negative” Elekteizität erscheint stets gleichzeitig mit “positiver”; beide Formen sind gleich positiv, nur mit umgekehrtem Vorzeichen. Nein setzt Ja und Geist ist als Idee gleichzeitig mit der Idee der Körperhaftigkeit gegeben. Ein ursächlicher Zusammenhang ist also bis zu den letzten   Grenzen unserer vorwärtstastenden Erkenntnis zwischen den polar erscheinenden Gruppen nirgends nachweisbar. Aus der immer bestehenden Gegensätzlichkeit von Ja und Nein aber entsteht alles Leben, alles schöpferische, und selbst der dogmatische Monist — ob materialistisch oder spiritualistisch — lebt nur durch das Bestehen des ewigen Widerstreits.

Nur im Spiegel des Körpers sieht der Spiritualist den “Geist”, nur unter der Voraussetzung verschiedener Qualitäten kann der Materialist Formänderungen und stoffliche Verschiebung entdecken.

So stehen denn auch “Ich” und “Weltall” als zwei letzte polare Bedingtheiten einander gegenüber, und das Schwergewicht, welches eine Seele auf die eine oder andere (bei unterbewußter Anerkennung des ewigen Gegensatzes) legt, bestimmt mit das Wesen, die Farbigkeit und den Rhyrhmus von Weltanschauung und Leben. Aus diesem metaphysischen Urgesetz alles Seins und Werdens (auch dies sind zwei polare Gegensätze, die sich rein erfahrungsgemäß [empirisch] gegenseitig in jedem Augenblick ausschließen!) folgen zunächst zwei Arten des Lebensgefühls: dynamisches Wesen oder statische Wertsetzung.

[127] Die Erschaffung Jahwes

Eine überwiegend statische Weltbetrachtung wird zum Monismus irgendwelcher Art neigen; sie wird bemüht sein, eine einzige geistige Zusammenschau (Synthese), ein einziges Symbol, ja, auch eine einzige Form des Lebens durchzusetzen gegen jede Polarität, gegen jede Vielfachheit (Pluralismus). Religiös wird sie einen strengen Eingottglauben (Monotheismus) fordern, wird diesen Einheitsgott: mit allen Eigenschaften der Kraft und Herrlichkeit umkleiden, wird auf ihn die Schöpfung zurückführen, ja das satanische Selbst wegzuerklären bemüht sein. Zu einem solchen Gott wurde Jahwe, der dann als starres, einseitiges System mit ilfe der christlichen Kirche ins abendländische Denken einbrach. Die Israeliten und Juden waren ursprünglich in einem durchaus pluralistischen Religionsleben befangen gewesen; ihr Nationalgott sorgte zwar für sie und sie für ihn, aber niemand bezweifelte, daß die “anderen Götter” ebenso wirklich und wirkend waren wie Jahwe. In der Gefangenschaft der Perser erst erfuhren die Juden von einem allweltlichen (kosmischen) Gott und seinem Gegenpol: vom Lichtgott Ahura Mazda und dem finsteren Angromainyu, die dann später zum Jahwe als dem Alleinherrscher und dem Satan als seinem Nebenbuhler wurden. Der Jude entledigte sich nach und nach aller Pluralismen, stellte Schaddai-Jahwe ins Zentrum des Alls, sich selbst als seinen bevollmächtigten Knecht und schuf sich durch diese Tat einen regierenden Mittelpunkt, der sein Denken, seine Rasse, seinen — wenn auch rein parasitären — Typus bis auf heute ungeachtet aller vermischenden Grenzerscheinungen gezüchtet und erhalten hat. Und selbst  da, wo “abtrünnige” Juden Jahwe abschafften, setzten sie an seine Stelle dasselbe Wesen, nur unter anderem Namen. Es hieß jetzt “Menschheit”, “Freiheit”, “Liberalismus”, “Klasse”.

Überall wurde aus diesen Ideen der alte starre Jahwe und züchtete unter anderen Bezeichnungen seine Grenadiere weiter. Da Jahwe durchaus als

[128] Altes Testament und römisches Dogma

stofflich wirkend» gedacht wird, so verwebt sich im Falle des Judentums starrer Eingottglaube mit praktischer Stoffanbetung (Materialismus) und ödestem philosophischen Aberglauben, wofür das sog. Alte Testament, der Talmud und Karl Marx gleiche Einsichten vermitteln. Diese statische Selbstbehauptung ist der metaphysische Grund für des Juden Zähigkeit und Stärke, aber auch für seine absolute kulturelle Unfruchtbarkeit und sein schmarotzerhaftes Wirken.

Diese triebhafte Statik bildet auch das Rückgrat der römischen Kirche. Sie setzt eine Formung (Synthese), sich selbst, als Nachfolgerin des abgesetzten “Gottesvolkes” und entwickelt die gleiche unbeirrbare formal-dogmatische Starrheit wie der Jahweismus oder der spätere semitische Mohammedanismus. Ein solches System kennt nur das “Gesetz” (d. h- die eigene Willkür), nirgends Persönlichkeit; wo es zur Macht gelangt, zerstört es notwendig Organismen, und nur der Tatsache, daß es nicht ganz siegen konnte, haben wir es zu verdanken, daß es noch Völker, Kulturen, kurz wirkliches Leben gibt. Wir sind sogar Zeuge dessen, daß die Gegenbewegung gegen das lähmende Gewicht der Kirche in Europa gewaltig genug war, dem jüdisch-kirchlich-römischen Grundsatz einen bleibenden seelischen Pluralismus anzugliedern, dem zuliebe allein Teile der abendländischen Völker auch das  starre Zentrum mit in den Kauf genommen haben, so daß man mit Fug und Recht vom Katholizismus und seinen Heiligen (als Religionserscheinung, nicht als Kirche und machtpolitischem Einheitsbund) als von einem polytheistisch bedingten Glauben sprechen kann. Immerhin hat aber sein Zentrum eine monistisch-statische Einstellung in Europa  gestärkt und durch die Anerkennung des Neuen auch den Geist des sog. Alten Testaments in den ursprünglich individualistischen Protestantismus geschmuggelt.

Der Protestantismus offenbart sich von Anfang an als geistig gespalten. Als Abwehrbewegung betrachtet,

[129] Buchstabenglaube im Protestantismus

bedeutete er das Aufbäumen des germanischen Freiheitswillens, des nationalen Eigenlebens, des persönlichen Gewissens. Fraglos hat er für all das den Weg gebrochen, was wir heute Werke unserer höchsten Kultur und Wissenschaft nennen. Religiös aber hat er versagt, weil er auf halbem Weg stehen blieb und an die Stelle des römischen das jerusalemitische Zentrum setzte: das Herrscherrecht des Buchstabens versperrte das Hervorbrechen jenes Geistes, den einst Meister Eckehart verkündigte, jedoch auch noch nicht gegenüber Inquisition und Scheiterhaufen durchsetzen konnte. Luther vollbrachte, als er in Worms die Hand zugleich  auf das Neue und Alte Testament legte, eine von seinen Anhängern als sinnbildlich  betrachtete und als heilig verehrte Tat. Am Buchstaben dieser Bücher wurde fortan die Gläubigkeit und der Wert des Protestanten gemessen. Wieder lag der Wertmesser für unser Seelenleben außerhalb des deutschen Wesens, wenn auch erdkundlich nicht so klar  feststellbar wie im Falle des “Antichrist” in Rom. Luthers Begegnung mit Zwingli zeigt, wie sehr er noch an den alten Fesseln zu tragen hatte. Seine stoffanbetende Abendmahlslehre schleppen wir in der protestantischen Glaubensfassung bis auf heute mit uns. Erst sehr spät entledigt sich Luther der “Jüden und ihrer Lügen” und erklärte daß wir mit Moses nichts mehr zu schaffen hätten. Aber unterdes war die “Bibel” ein Volksbuch und die alttestamentliche “Prophetie” Religion geworden. Damit war die Verjudung und Erstarrung unseres Lebens um einen Schritt vorwärts getrieben, und es ist kein Wunder, daß fortan blonde deutsche Kinder allsonntäglich singen mußten: “Dir, dir, Jehova, will ich singen; denn wo ist wohl ein solcher Gott wie du …”

Die Juden hatten (wie so vieles andere) die Vorstellung eines allweltlichen (kosmischen) Gottes den Persern entlehnt. Hier finden wir das gewaltigste Zeugnis für die religiös- philosophische Anerkennung des polaren Seins.

[130] Der persische Weltheiland

Das große kosmische Drama vollzieht sich in einem viele Weltenalter dauernden Ringen zwischen dem Licht und der Finsternis, bis — wie früher ausgeführt — nach einem furchtbaren Kampf der Weltheiland, der Caoshianc, kommt und die schwarzen von den weißen Schafen sondert, also eine Gestalt, als welche Jesus einer späteren Welt erschien. Die Dramatik muß natürlich einen Höhepunkt im Siege finden, aber nirgends ist die Dynamik des Seelischen bewußter und großartiger niedergelegt, als hier in der alt-persischen Lehre. Und darum erscheint uns, die wir heute die fremde Statik alles Jerusalemitischen abzustreifen beginnen, neben den Sagen der nordischen Völker dieses Drama Persiens als ur- und nahverwandt. Die überweltliche (metaphysische) Vorstellung paart sich zudem mit einer herben Sittenlehre und ergänzt eine Seelengemeinschaft in religiös-sittlicher Beziehung, wie sie von je von bewußt nordischen Menschen empfunden worden ist.

Der germanische Mensch hat sich bei seinem Auftreten in der Weltgeschichte zunächst nicht mit Philosophie abgegeben. Aber wenn etwas bezeichnend ist für sein Wesen, so die Dynamik seines inneren und äußeren Lebens, naturnotwendig gepaart mit der Abneigung gegen einen irgendwie gearteten bewegungslosen Monismus; gegen eine Art kirchlicher Erstarrung, wie  sie ihm später durch technische und diplomatische Überlegenheit von Rom aufgezwungen wurde zu einer Zeit der Schwäche, da eine Jugendepoche seiner Rasse zu Ende ging, die alten Götter im sterben begriffen waren und neue gesucht wurden.

Lief die Auseinandersetzung zwischen Europa und Rom auf ein Kompromiß hinaus, das als solches jetzt trotz vieler Empörungen über 1500 Jahre andauert (aber bloß deshalb nicht so schwer empfunden wird, weil die alten häuslichen Gebräuche doch noch fortbestehen, wie sie vor der Christianisierung geübt wurden, und nur eine neue Deutung erhielten), so erwies sich dieses Kompromiß auf

[131] Verschiedener Wirklichkeitsbegriff

den Gebieten der Kunst, Philosophie und Wissenschaft als unmöglich. Hier ist der Kampf am bewußtesten und am zähesten geführt worden und hat mit der Niederlage des Index- und Scheiterhaufenterrors geendet, selbst wenn dies noch nicht in das Bewußtsein der träger empfindenden Massen — auch der verbildeten Gebildeten — eingedrungen ist. Hier offenbart sich der europäische Geist in seiner ganzen Dynamik und in seiner klar Scheidenden polaren Daseinserfassung, zugleich aber zeigt sich, daß ein Streit um Formen den nordischen  Europäer weniger bewegt hat als die Wahrhaftigkeit als innerer Charakterwert, wie er in der Wissenschaft und Philosophie Voraussetzung war.

Die Grundtatsache des nordisch-europäischen Geistes ist die bewußt oder unbewußt vorgenommene Scheidung zweier Welten, der Welt der Freiheit und der Welt der Natur. In Immanuel Kant gelangte dieses Urphänomen der Denkmethodik unseres Lebens zum lichtesten Bewußtsein und darf nimmermehr unseren Augen entschwinden. Dieses Selbsterwachen bezeugt aber eine ganz besondere Auffassung dessen, was als “wirklich” anzusehen ist. Dem späten Inder löste sich zum Schluß das ganze Universum in Symbolik auf; auch das Ich wurde schließlich nur die Andeutung eines ewig Gleichen. “Wirklich” war für den indischen Metaphysiker nicht eine in unserem Sinne in die Kette von Ursache und Wirkung oder Tat und Folge einzureihende umschreibbare Tatsache, sondern die rein subjektive Annahme in bezug auf ein Geschehnis oder eine Erzählung. Deshalb verlangt der Inder für die Wundertaten der Rama oder Krischna keinen Glauben wie an Tatsächlichkeiten, sondern erklärt jene in dem Augenblick für “wirklich”, in welchem an sie geglaubt wird. Auf Grund dieser Auffassung von Wirklichkeit verwandeln sich auf dem indischen Theater widerspruchslos Mädchen in Blumen, ihre Arme in Lianenranken und Götter in tausenderlei menschliche Gestalten … Da als Symbolik

[132] Hadrian als Soldat und Heiland

vom Glauben abhängig, wird das “Wunder” seiner stofflichen Bedeutung entkleidet. Anders für den Menschen im Osten des Mittelmeeres. Hier wurde die Freiheit als Zauberakt in die Natur hineingetragen und die Geschichte dieser Länder ist überfüllt von rein stofflich geglaubten “wirklichen” Wundern. Ein klares Beispiel für das Bewußtsein, zwei verschiedene Welten zu beherrschen, gibt uns Hadrian. Im germanisch bestimmten Nordwesten seines Weltreiches zeigt er sich als heroischer Diener des Staates, macht alle Strapazen der Reise wie der einfache Soldat mit, ist Herr und Gebieter, nicht aber Gott und Wundertäter. Als Solcher erscheint der kluge Menschenkenner aber bei seinen Reisen durch afrikanische, Syrische, hellenistische Gegenden. So wurde Hadrian im Süden und Südosten des Reiches als Heiland angebetet, wurde in die Leitung der eleusischen Mysterien aufgenommen, ließ sich ruhig als Helios verehren, führte den Antinous als Gott in Ägypten ein, dessen Tod und echte Auferstehung dann ebenso als wirklich geglaubt und von Priestern verkündet wurde, wie der Tod und die “wirkliche” Auferstehung Christi: Hadrian heilte Kranke, machte Krüppel durch Handauflegen gesund und die Erzählungen über seine Wundertaten durchliefen als echteste Chronik alle Staaten des östlichen Mittelmeeres. In den Kreis dieser im Zauberglauben gewisser Völkerschaften verbundenen Vermischungen von Natur und Freiheit gehören natürlich auch die christlichen Legenden, die allen Ernstes noch heute den Europäern verkündet werden: “Jungfrauengeburt”, stoffliche “Auferstehung” Christi, “Himmel- und Höllenfahrt”, dazu die verschiedenen “Gesichte” katholischer Heiliger, denen die Jungfrau Maria ebenso wirklich erschien, wie Jesus Christus, welcher laut Bericht des Jesuiten Mansonius der Jungfrau Johanna ab Alexandro am 7. Juni 1598 leibhaftig erschien und seiner Befriediguing über die Arbeit “Seiner” Gesellschaft Ausdruck gab.

[133] Kopernikus gegen Nicäa

Wie sehr diese Zauberwelt Afrika-Asien Europa überschattet hatte, und alles Denken auch der Freiesten zu erdrosseln drohte, davon gibt Luthers Urteil über Kopernikus Zeugnis, den er einen Schwindler und Betrüger nannte, bloß weil die magische Bibel es anders wollte, als der große Kopperning es lehrte. Noch immer aber haben es Millionen nicht begriffen, daß Kopernikus, der an die Stelle des statischen Weltbildes von der unbeweglichen Erdenscheibe mit dem Himmel oben und der Hölle unten das dynamische der ewig kreisenden Sonnensysteme setzte, unsere gesamte kirchliche Zwangsglaubenslehre, die gesamte Höllenfahrts- und Auferstehungsmythologie restlos überwunden, ein für allemal erledigt hat. Das Nizäische Glaubensbekenntnis, mit Stimmenmehrheit von Mönchen beschlossen, die   zum großen Teil nicht lesen und schreiben konnten, die Lehrsätze, zustandegekommen auf Räubersynoden, auf denen man mit Stockhieben religiöse Fragen entschied, sind tot, innerlich unwahr, und nichts offenbart deutlicher die Hilflosigkeit und Unwahrhaftigkeit unserer Kirchen, als daß sie auf Dinge pochen, die mit Religion überhaupt nichts zu tun haben, daß sie noch Lehrsätze verteidigen, an die sie selbst nicht mehr glauben können. Sie haben ganz   recht, wenn sie erklären: daß, falls das “Alte Testament” oder das Nizäische Glaubensbekenntnis aus dem Bau der Kirchen gezwängt werden würden, dann die Ecksteine fehlten, der ganze Bau also Zusammenstürzen müsse Das könnte wahr sein, aber noch nie ist durch eine fadenscheinige, nur auf etliche Jahrzehnte berechnete Zweckmäßigkeitsausrede ein Znsammenbruch verhindert worden. Im Gegenteil, je später ein solcher eintrat, desto fürchterlicher wurde er. Wenn an Götter nicht mehr geglaubt wird, werden sie zu Götzen.

Wenn Formen des Lebens zu kahlen Formeln werden, dann tritt

[134] Sein und “Offenbarung”

seelischer Tod ein oder Revolution. Etwas anderes gibt es nicht.

“Ich bin nicht gekommen, den Frieden zu bringen, sondern das Schwert.” “Ich will ein Feuer entzünden auf Erden, und ich wünschte, es brennete schon”, sagte der Empörer aus Nazareth. Er war eine Offenbarung und die um ihre Macht später besorgten Priester setzten diese Offenbarung als e i n m a l i g e in die Welt, stützten sie kunstvoll mit “erfüllten” Prophezeiungen, neuen Zukunftshinweisen und bemühten sich nach Kräften, aus dem Leben Tod zu machen.  8.

Das statische Ideal fordert seinem Wesen gemäß “Ruhe”. Diese Forderung aber kann sich  dem ewigen Fluten der Natur gegenüber nicht durchsetzen, trotz allen Leugnens dynamischer Lebensgebote. Das erfordert die Hinwendung auf wenige zeitlich beschränkte Augenblicke. Dies sind die “Offenbarungen”, die dann für eine möglichst lange Zeit zu einem “Sein” umgewandelt werden, zur “ewigen Wahrheit”. Der dynamisch (willenhaft) empfindende Mensch dagegen läßt bewußt oder unbewußt zwar ein “Sein” wirken, forscht aber dem Werden als Ausdruck des Seins nach, ohne zauberhafte, nie dagewesene “Offenbarungen” als “Wunder” für sein seelisches Erleben zu benötigen. Dieses fortdauernde “werdende” Ringen um das “Sein” ist germanische Religion, die sich sogar in der weltabgewandtesten Mystik noch bemerkbar macht. “Offenbarung” innerhalb des nordischen Fühlens kann nur  Steigerung, Krönung eines Werdens, nicht Vernichtung der Naturgesetze sein. Dies aber will die jüdische Gotteslehre ebenso wie die römische. Den Schwersten Schlag versetzten dieser Anschauung die germanische Wissenschaft und die nordische Kunst. Der kirchliche Jahwe ist nun heute tot wie Wotan vor 1500 Jahren. Zum philosophischen Bewußtsein jedoch ist nordischer Geist dann in Immanuel Kant gelangt, dessen wesentliches Werk in der

[135] Freiheit-Mystik und Natur-Mechanistik

endlich einmal durchgeführten Scheidung der Befugnisse von Religion und Wissenschaft  liegt. Religion hat nur mit dem “Himmelreich in uns” zu tun, echte Wissenschaft nur mit Mechanistik. Physik, Chemismus, Biologie. Diese kritische Scheidung bedeutet,   durchgeführt, die erste Voraussetzung für eine arteigene nordische Kultur; sie bedeutet aber auch die Überwindung der syrisch-jüdisch bestimmten Dogmen und das Frei-Werden unseres polarbewußten, dynamischen Lebens: Freiheit-Mystik und Natur-Mechanistik, die allein echte Einheit sichert. Wenn die jetzt in Deutschland im Entstehen begriffene Erneuerungsbewegung eine geschichtliche Aufgabe hat, so die: die bisherigen Grundlagen unserer Kultur, soweit sie durch römisch-jüdische Kirchenlehren und syrisch-afrikanische Weltanschauung   umgewandelt worden sind, vollbewußt zu festigen und ihren tragenden Werten zum Siege zu verhelfen.

Alle diese rassepsychologischen, erkenntniskritischen Überlegungen und geschichtlichen Hinweise zeigen einmal eine große Mannigfaltigkeit der verschiedenen miteinander um die Vorherrschaft ringenden Kräfte rassenseelischer oder rassenchaotischer Art, dann aber auch eine gewisse Einheit in der Haltung der nordischen oder doch überwiegend nordisch bedingten Elemente. Auf “natursichtiger” Stufe sind alle Götter der indogermanischen Völkerfamille Götter des Himmels, des Lichts, des Tages. Der indische Varuna, der griechische Uranus, Göttervater Zeus und der Himmelsgott Odin, Surya (der “Strahlende”) der Inder, Apollon-Helios und Ahura Mazda, sie alle gehören dem gleichen Wesen auf gleicher arteigener Entwicklungsstufe an. Mit dieser Lichtreligion tritt den verschiedenen chthonisch-matriarchalisch eingestellten Rassegruppen das Paternitätsprinzip entgegen*. Auf einer anderen Ebene wird die Mythologie

*Vollkommen irreführend ist es, wenn Herman Wirth in “Aufgang der Menschheit” gerade das Mutterrecht als eine urnordlich-atlantische Lebensform hinznstellen sucht, zugleich aber auch den Solaren Mythus als nordliches Gut anerkennt. Das Matriarchat ist Stets mit chronischem Götterglauben, das Patriarchat stets mit dem Sonnenmythus verbunden. Die Hochschätzung der Frau bei dem nordlichen Menschen beruht gerade auf der m ä n n l ich e n Struktur des Daseins. Die weibliche im Vorderasien der vorchristlichen Zeit hat Stets nur Hetärentum und Geschlechtskollektivismus gezeitigt. Die Beweise, die Wirth anführt, Sind deshalb auch mehr als dürftig.

[136] Die Leib-Seele-Einheitslehre

heroisch-sittlich durchtränkt, mit Forscherwillen und Erkenntnissehnsucht verbunden, so daß die Götter Träger verschiedener willenhafter und geistiger Antriebe werden, von dem Sonnengott der alten Inder, der frühmorgens nicht nur um Fruchtbarkeit, sondern auch um Weisheit gebeten wird, bis zu Odin, der selbst auf der Suche nach Welterkenntnis ein Auge opfert. Und auf der Höhe der philosophischen Durchdringung der Probleme sehen wir trotz tiefer Formverschiedenheiten die Upanishads, Platon und Kant zum gleichen Ergebnis der Idealität von Raum, Zeit und Kausalität gelangen.

Die erkannte Mannigfaltigkeit ist also kein Chaos, die offenbarte Einheit ihrerseits keine gestaltlose, bloß logische Eins.

Diese Erkenntnis ist von ausschlaggebender Wichtigkeit, denn sie setzt uns nicht nur in schärfsten Gegensatz zu allen “absoluten” “universalistischen” Systemen, die von einer angeblichen Menschheit aus erneut auf eine Unitarisierung aller Seelen für alle Zukunft hinaus wollen; sie bringt uns auch in einen Konflikt mit echten, neuen Kräften unserer Zeit, die ebenfalls ihre Toten begraben haben, mit denen wir uns vielfach Sympathisch berühren, die aber in der berechtigten Abwehr eines fürchterlichen, kahlen Rationalismus, der unsere Seelen zu ersticken drohte, nun glauben in “Urtiefen” flüchten, dem “Geist” als solchem den Kampf ansagen zu müssen, um zur “Leib-Seele-Einheit”

[137] Ludwig Klages

im Gegensatz zur Vernunft, Verstand, Willen, alles Zusammen “Geist” genannt, wieder “zurück” zufinden.

Ein Hinweis auf die gefühlvolle “Rückkehr zur Natur” und die Verherrlichung des “primitiven”, wie sie um das Ende des 18. Jahrhunderts auftauchte, liegt zwar nahe, doch ist  er natürlich, etwa einem Ludwig Klages oder Melchior Palägyi gegenüber, zu billig. Das, was die heutige neue Seelenkunde (Psychologie) und Charakterforschung anstrebt, liegt viel tiefer; manchmal rufen die Auseinandersetzungen gerade nach der rassisch-seelischen Begründung, um dem ganzen Gebäude eine organisch gewachsene Grundlage unterzuschieben. Einiges würde dabei zerfallen, vieles aber noch viel fester untermauert erscheinen.

Im Auftreten eines scharf abgegrenzten Bewußtseins wird die erste Entfremdung gegenüber einem natürlich-vegetativen, schöpferisch-ahnungsvollen Urzustand des ehrfürchtig- heldenhaften Menschen einer Urzeit erblickt. Dieser Zustand wird allein als echtes Leben hingestellt, welches durch rein rationale Setzungen und Satzungen verfälscht wurde. Man sieht schon hier am Ausgangspunkt, wie nahe und wie fremd zugleich unsere rassisch- seelische Weltbetrachtung und die neue Psycho-Kosmogonie sich gegenüberstehen. Der Verstand ist, wie ausgeführt, ein rein formales, also inhaltleeres Werkzeug; seine Aufgabe besteht nur darin, die Kausalitätsreihe herzustellen. sieht man ihn jedoch als gesetzgebenden Herrscher thronen, so bedeutet dies das Ende einer Kultur. (Und zwar als Zeugnis rassischer Vergiftung, was von den Vitalisten übersehen wird). Soweit herrscht Übereinstimmung. Aber es ist durchaus nicht notwendig, daß die Vernunft und der Wille auf der Seite dieses Geistes dem Leben feindlich gegenüberstehen. Wir sahen gerade, wie im Gegensatz zu allen semitoiden Völkern die Haltung der Seele, des Willens, der Vernunft seitens der nordischen Völker dem Universum gegenüber eine wesentlich ähnliche war. Hier haben wir es also

[138] Der “heroische Urzustand”

nicht mit einem abstrakten Urmenschen zu tun, dem man eine absolute “Weltsicherheit” zuzuschreiben berechtigt ist, sondern mit einem klar geprägten Rassencharakter. Und es ergibt sich die merkwürdige Tatsache, daß die erbitterten Bekämpfer des heutigen lebenswidrigen Rationalismus sich selbst auf ganz rationalistische Weise einen unbewußt schöpferischen heldenhaften Urmenschen erschufen.

Denn der Urzustand — wenigstens so weit wir überhaupt hinuntergehen können — ist nicht überall durch heldische Gesinnung gekennzeichnet. Das jüdische Volk beginnt mit Viehzüchtungsgeschichten, die aber auch jeder Heldenhaftigkeit ermangeln; seinen späteren Auszug aus Ägypten begleitet die Bibel selbst mit der Erzählung von den den Ägyptern gestohlenen Kostbarkeiten; in den Betrügereien und im Schmarotzertum unter den Völkern  des “gelobten Landes” selbst zeigt sich dann ebenfalls alles andere als eine heroische Haltung. Eine echte Heldenhaftigkeit fehlt ferner den Phöniziern, soweit sich diese auch—den Küsten entlang — auf Seereisen hinaus wagten. Und verfügt auch der reine Semit (z. B. der Araber) über Tapferkeit und Wildheit, so fehlt ihm wiederum das Merkmal des Schöpferischen so gut wie vollkommen. Weiter haben uns die Etrusker zwar einen Haufen obszönster Gebräuche  und Denkmäler hinterlassen, aber auch nicht einen Ansatz, der schöpferische Seelische Fähigkeiten vermuten ließe. Heldenhaftigkeit jedoch ist der Grundtypus aller nordischen Völker. Diese Heldenhaftigkeit der alten Mythenzeit aber — und das ist das Ausschlaggebende — ist nie verloren gegangen trotz vieler Zeiten des Niederbruchs — solange dieses nordische Blut noch irgendwo lebendig war. Der Heroismus nahm zwar verschiedene Formen an, er führt vom Schwertadel Siegfrieds und Herakles zum Forscheradel Koppernings und Leonardos, zum Religionsadel Eckeharts und Lagardes, zum politischen Adel Friedrichs und Bismarcks, das Wesen ist das gleiche geblieben.

[139] Die Phantasie J. J. Bachofens

Die angenommene Einheit in der Vorzeit ist also nicht vorhanden, sie ist eine moderne Abstraktion; die Vernunft und der Wille sind ferner auch nach Beendigung eines “natursichtigen” Zeitalters nicht bluts- und lebensfern, soweit sie nicht überwuchert worden sind von der geistigen Dschungelhafrigkeit des vorderen Orients. Denn es ist nicht so, wie die neue Leib-Seelenlehre es darzustellen .sucht, als sei nur der triebhafte, erbhafte Mensch naturnahe, einheitlicher, lebensvoller, der geistige aber dem allem notwendig ferne. Es ist  nicht so, daß die chronische Anffassung, an der sich diese neue Lehre (von der ausschweifenden Poesie Backofens befruchtet) begeistert, einen besonders hohen Grad von Lebenstiefe und Weltsicherheit bekundet. Denn die von dem Licht- und Sonnenmythus ausgehenden und ihn weiter ausgestaltenden Völker knüpfen damit unmittelbar an den sichtbaren Hervorbringer und Hüter alles Organischen an, da nur’ aus besonnter Erbe auch die Lieblinge der Aphrodite und der Demeter, der Isis und der Astarte entstehen. Der Sonnenmythus sämtlicher Arier ist nicht “geistig” allein, sondern er ist kosmische und naturnahe Lebensgesetzlichkeit zugleich. Gegen ihn im Namen “triebhafter Einheit”, und gar mit sehnsüchtigen Blicken nach Vorderasien, aufzutreten, bedeutet deshalb ein Zurücksinken in rassenchaotische und seelenchaotische Zustände, jenen ähnlich, die im späten Rom so unheilvoll aufbrodelten. so sehr nun aber auch unsere heutige Charakterologie und Leib- Seele-Einheitslehre von der naiven Naturschwärmerei Rousseaus und Tolstois sich unterscheidet, so ist beiden Bewegungen doch zweierlei gemeinsam: ein Kulturpessimismus und ein rührender Glaube an die “Weltsicherheit” des vom “Geist” noch unverdorbenen Menschen. Das verfeinerte Leben, die geistige Gleichgewichtsathletik der großen Aufklärungs-Enzyklopädisten schuf eine seelische Öde, rief einen inneren—dann auch  äußeren — Widerstand gegen alle bisherigen

[140] Das Gesetz jeder echten Kultur

religiösen und gesellschaftlichen Setzungen hervor. Die. Räuber, Posa, Faust, Klärchen, Gretchen sind alle Zeugnisse dieses Sturmes und Dranges gegen Schranken und Bindungen  im Zeichen eines Neuen, persönlichen bzw. Individuellen*. Aber diese Hingabe des Ichs an seinen vermeintlichen natürlichen Urgrund führte entweder zur Katastrophe — von Werthers Idyll zu Werthers Leiden — oder zur Erkenntnis der Problematik der als so “natürlich” gedachten Natur. An die Stelle des Kulturpessimismus trat ein Zweifeln an der Segensreichen Rückkehr zur Natur. Und diese letzte Phase wird auch den Neovitalisten nicht erspart werden, die der gesamten Kultur von heute, der Kultur auch von morgen, im Dienst eines rein a b s t r a k t e n — dies ist wichtig zu merken—Naturmystizismus den Kampf ansagen. Eine fruchtbare Sendung wird für diese Bewegung nur dann erstehen können, wenn Sie aus dem verschwimmenden Universalismus, “der Natur”, die organischen Gestalten, die Rassen, herauslöst, ihren Taktschlag des Lebens erkennt, jene Bedingungen erforscht, inmitten deren sie schöpferisch gewesen sind und unter welchen Umständen Verfall, bzw. Minderung der

echten seelischen Stoßkraft eintrat. Dann aber wird die neue naturalistische Romantik Abschied nehmen müssen sowohl von einem abstrakten Universalismus — als Reaktion gegenüber einem hemmungslosen rationalistischen Individualismus — als auch vom grundsätzlichen Haß gegen den Willen und die Vernunft. Es gilt somit das tiefste Gesetz jeder echten Kultur zu erkennen: sie ist Bewußtseinsgestaltung des Vegetativ-Vitalen einer Rasse.

Eine tiefe Kluft tut sich auf zwischen diesem Vegetativen und dem Wesen des Bewußtseins, die dadurch hervorgerufene

*Siehe hierzu H. A. Korff: “Die Dichtunq von Sturm und Drang”, 1928.

[141] Leben und Bewußtsein

Spannung ist aber zugleich die Voraussetzung jeder Schöpfung. Aufgerissen wird die Kluft durch die Tatsache, daß unser ganzes vegetativ-animalisches sein sich in einem ununterbrochenen Fluß befindet, unsere Wahrnehmungsfähigkeit aber unterbrechend (intermittierend) ist*. Nur dank der durch diese Intermittenz möglichen einzelnen abgeschlossenen Wahrnehmungen, Herstellung von Zeiteinteilungen, Schemen, werden die Voraussetzungen ebenso für die Sprache wie für jede Kunst und Wissenschaft gegeben.

Andererseits besteht hier die tiefste vitale Wurzel für die erkenntniskritische Feststellung Kants, daß Idee und Erfahrung nie ganz zusammenfallen, d. h. daß die durch die Intermittenz des Bewußtseins erst ermöglichte Kultur nie als restlos “vital” festgestellt werden kann. Die “zwei Welten” erweisen sich also auch von diesem Standpunkt aus als ein Urgesetz unseres ganzen polarzweifachen Seins. Erscheint somit die einzelne geniale Leistung auf allen Gebieten des schöpferischen Daseins als eine künstlerische Zusammenschau von Freiheit und Natur, so stellt die Leistung eines ganzen Volkes diese halb qualvolle, halb beseligende Symbolik dieser Überwindung des Unüberwindlichen dar. Völkische Kulturen sind also die großen “Geistespulse” inmitten des ewig flutenden Lebens und Sterbens und Werdens.

Da nun der nordische Mensch von eben diesem werdenden Leben, vom Tage ausgeht, so ist er ganz “natürlich” Vitalist. Die größte Leistung seiner Geschichte aber war die germanische Erkenntnis, daß die Natur sich nicht durch Zauberei (wie Vorderasien es meinte tun

*Sehr Schön ist das von Melchior Palägyi in Seinen Naturphilosophichen Vorlesungen über die Grundprobleme des Bewußtseins und des Lebens”, Charlottenburg 1908, dargestellt worden; wobei man durchaus nicht allen Schlußfolgerungen zuzustimmen braucht, die zum Teil ein Mißverstehen Kants verraten.

[142] Germanische Forschungsmethodik

zu können), aber auch nicht durch Verstandesschemen (wie es das spätere Griechenland tat) meistern ließe, sondern nur durch innigste Naturbeobachtung. Hier rückt denn der fromme Albrecht von Bollstedt (Albertus Magnus) dicht an Goethe heran; der Schwärmer Franziskus an den religiösen Skeptiker Leonardo. Diesen Vitalismus hat sich das germanische Abendland auch von der römischen Kirche nicht rauben lassen trotz Exkommunikationen, Gift und Scheiterhaufen. Und dieser mystische Vitalismus war zugleich kosmisch, oder umgekehrt,  weil der germanische Mensch kosmisch-solar empfand, deshalb entdeckte er auch Gesetzlichkeit im ewigen Werden auf der Erde. Und vielleicht ist es gerade dieses tiefste Gefühl gewesen, das es ihm auch ermöglichte, sich die notwendigen Schemen der Wissenschaft zu zimmern, eine Ideensymbolik hervorzurufen, die allein ihm die Waffen schenkte, trotz der Intermittenz des stets gestaltenden Bewußtseins dieses ganz nahe an das “ewige Fließen” heranzurücken*.

Daß heute die eine Seite diese Symbole und Schemen anbetet, bedeutet den gleichen Verfallszustand wie die Vergötzung des “Vitalismus” an sich. Nicht dazu wurde einst germanische Wissenschaft inmitten eines Heeres von neun Millionen gemordeten Ketzern als größtes Gleichnis der inneren Freiheit der Gestaltung uns geschenkt, um die mit ihr für immer zusammengehörigen Teile und Methoden zu verdammen oder zum Idol zu erheben. Wer  heute blindwütig über “d i e Technik” zetert und auf sie Verwünschungen über Verwünschungen häuft, der vergißt, daß ihr Hervortreten auf einen ewigen germanischen Antrieb

*Diese ganze (Getzlichkeit dargestellt zu haben, ist eines der größten Verdienste Kants. Eine lichtvolle Schilderung dieser erkenntniskritischen Tat hat uns namentlich H- St- Chamberlain in Seinem “Goethe” und im Descartes-Vortrag Seines “Immanuel Kant” gegeben.

[143] Der Kampf um die Technik

zurückgeht, der dann auch mit ihrem Untergang ebenfalls verschwinden müßte. Das aber würde uns erst recht einer Barbarei ausliefern, jenem Zustande, an dem die Kulturen um das Mittelmeer herum einst untergegangen sind. Nicht “die Technik” tötet heute alles Vitale, sondern der Mensch ist entartet. Er wurde innerlich entstaltet, weil ihm in schwachen Stunden seines Schicksals ein ihm an sich fremdes Motiv vorgegaukelt wurde: Weltbekehrung, Humanität, Menschheitskultur. Und deshalb gilt es heute, diese Hypnose zu brechen, nicht etwa den Schlaf unseres Geschlechts zu vertiefen, die “Unumkehrbarkeit der Schicksale” zu predigen, sondern jene Werte des Blutes emporzuhalten, die — einmal neu erkannt — einem jungen Geschlecht auch eine neue Richtung geben können, um Hochzucht und Ausartung zu ermöglichen. Aus einem echten Einblick in das Wesen vorangegangener Kämpfe der organisch abgegrenzten Völker der indogermanischen Familie mit fremden Mächten, nach Erfassen der Entwicklungen innerhalb ihres arteigenen Lebens, nach Neuerleben der stets gleichbleibenden inneren Haltung des Charakters zum Weltall, erkennen wir, nein erfühlen  wir die Sehnsucht unseres, die heutige Gegenwart im Sinne einer ewigen Gegenwart voll Haß ablehnenden Geschlechts: die Vernunft und den Willen in Übereinstimmung zu bringen mit der Richtung des seelisch-rassischen Stroms des Germanentums. Ja, wenn möglich, mit dem Strom jener nordischen Überlieferung, die von Hellas und Rom noch unverfälscht auf uns gekommen ist. Das bedeutet philosophisch gesprochen: dem heute irrlichternden Willen ein seinem Urgrund entsprechendes großes Motiv geben.

Erblicken wir in der heldisch-künstlerischen Haltung hier das Wesentliche, gleich ob es sich um Krieger, Denker oder Forscher handelt, dann wissen wir auch, daß alle Heldenhaftigkeit

[144]

sich um einen Höchstwert gruppiert. Und dies ist immer die Idee der geistig-seelischen Ehre gewesen. Die Ehre aber stand — gleich wie ihre Träger im physischen—in einem seelisch- geistigen Kampf mit den Werten andersrassischer Träger, bzw. mit den Gebilden des Völkerchaos.

Ende I. Rasse und Rassenseele.

——>>>>>II. Liebe und Ehre

—–>>>Erstes Buch-Rasse und Rassenseele

——>>>Erstes Buch-Liebe und Ehre

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Buch 1-3 Druckschrift:

Rosenberg, Alfred – Der Mythus des 20. Jahrhunderts (34. Auflage 1934, 405 S., Text)

Zweites Buch: Das Wesen der germanischen Kunst

I. Das rassische Schönheitsideal  

II. Wille und Trieb

III. Persönlichkeits- und Sachlichkeitsstil  

IV. Der aesthetische Wille

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DrittesBuch: Das kommende Reich

I. Mythos und Typus

II. Der Staat und die Geschlechter  

III. Volk und Staat

IV. Das nordisch-deutsche Recht

V. Deutsche Volkskirche und Schule  

VI. Ein neues Staatensystem

VII. Die Einheit des Wesens

Sach- und Namensverzeichnis

 

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