Krieg mit Polen

…„Deutschland hatte eine Heeresstärke von höchstens 250 000 Mann einschließlich der Reservisten, keine modernen Waffen, keine Geschütze über 10,5 Zentimeter Kaliber, keine Luftwaffe, gänzlich veraltete Befestigungen. Die Marine bestand nur aus 15000 Köpfen, sie durfte kein Schiff von mehr als 10000 Tonnen haben, sie hatte keine U-Boote . . . Diesem so schwach gerüsteten Reich standen gegenüber: Frankreich mit 600000 Mann Friedensstärke, 1,5 Millionen Mann im Kriegsfall, die Tschechoslowakei mit 600000 Mann im Kriegsfall, Polen mit einer Million Mann im Kriegsfall…

 

Capture Merkel BRD Pinocchiogermanvictims.com – Hitler – Kriegsursachen – Kriegsausbruch mit Polen – die Wahrheit

Seit 5.45 Uhr wird jetzt zurueckgeschossen

Was vor dem Kriegsausbruch geschah – 1939 – video

Kriegsbeginn Polen

Gefangene Polnische Offiziere

Deutsche Alleinschuld?

Der Erzwungene Krieg

Deutsch-Polnische Politik

Joachim Nolywaika:

Die deutsche Wiederaufrüstung

Im Vertrauen auf die berühmten „14 Wilson’schen Punkte” des amerikanischen Präsidenten, die eine Beendigung des Krieges 1914/18 „ohne Sieger und Besiegte” ermöglichen sollten, kapitulierten Österreich-Ungarn am 28. Oktober und das Deutsche Reich am 11. November 1918.

Die Siegermächte aber dachten nicht daran, auf dieser Basis die Friedensverhandlungen zu führen. Das Versprechen eines „Kriegsendes ohne Sieger und Besiegte” war lediglich eine „vergessene Kriegslist”, auf die die Mittelmächte hereinfielen. Deutschland war von den Verhandlungen ausgeschlossen. Am 7. Mai durfte dann die deutsche Delegation unter Führung von Außenminister Graf Brockdorf-Rantzau die Friedensbedingungen des Versailler-Diktates entgegennehmen.

Artikel 231, von insgesamt 440 Artikeln, die gegen Deutschland gerichtet waren, lautete: „Die alliierten und assoziierten Regierungen erklären und Deutschland erkennt an, daß Deutschland und seine Verbündeten als Urheber für alle Verluste und Schäden verantwortlich sind, die die alliierten und assoziierten Regierungen und ihre Staatsangehörigen infolge des Krieges, der ihnen durch den Angriff Deutschlands und seiner Verbündeten aufgezwungen wurde, erlitten haben.” Mit der Drohung, daß der Krieg weiter gehen würde, falls Deutschland nicht innerhalb von fünf Tagen unterzeichne, wurden die deutschen Vertreter entlassen. Die damalige Regierung Scheidemann und der Leiter der deutschen Friedensdelegation Graf Brockdorf-Rantzau traten zurück, da sie diese Vertragsbedingungen mit ihrer Ehre und der des deutschen Volkes nicht anerkennen und vereinbaren konnten. Da die Situation aber immer verzweifelter wurde, unterzeichnete Reichskanzler Bauer und der Abgeordnete Dr. Bell schließlich den Vertrag, nicht aber ohne vorher zu erklären, daß „durch einen Gewaltakt die Ehre des deutschen Volkes nicht berührt wird” und bekundeten nochmal ihre Auffassung über die unerhörte Ungerechtigkeit der Friedensbedingungen.

Unter vielen anderen harten Bedingungen mußte Deutschland weitgehend abrüsten und durfte nur noch ein stehendes Heer von 100000

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Mann halten. Verboten waren alle schweren Waffen, Panzer, Flugzeuge und Luftschiffe, Kriegsschiffe über 10000 to, U-Boote und jeglicher militärischer Luftschutz.

Die deutsche Abrüstung sollte laut Vertragsabstimmung der erste Schritt einer allgemeinen Abrüstung aller dem Völkerbund angeschlossenen Länder sein. Der erste Reichswehrminister der Weimarer Republik, Gustav Noske, erkannte sofort die Auswirkungen des Versailler Diktats von 1919. Er äußerte: „Deutschland wird der Willkür, frivolsten Angriffen jedes Nachbarn preisgegeben, der böswillig handeln will … Es ist nicht wahr, daß die demütigende Entwaffnung Deutschlands eine allgemeine Rüstungsbeschränkung einleitet.” (Brennecke, „Die Nürnberger Geschichtsentstellung”, S.

73) Noskes Prophezeiungen trafen ein: Erstens folgten die anderen Staaten dem Beispiel des abrüstenden Deutschland nicht, sondern rüsteten auf. Und zweitens war das entwaffnete Deutschland tatsächlich in den anderthalb Jahrzehnten nach Abschluß des Versailler Vertrages ständigen Aggressionen von Nachbarn ausgesetzt. Im Februar 1923, zu Beginn der Genfer Abrüstungsverhandlungen, die im darauffolgenden Jahrzehnt zu keinem greifbaren Ergebnis führten, beurteilte die führende britische Zeitung Observer die Lage in Mitteleuropa wie folgt: „Deutschland, eines der zivilisiertesten Länder Europas, abgerüstet inmitten bis an die Zähne bewaffneter Nationen: Niemals hat die Geschichte einen barbarischeren Zustand gekannt.” (Henning, „Zeitgeschichtliche Aufdeckungen”, S. 51) Als Totengräber der abendländischen Kultur sah Thomas Mann 1919 den Hauptverantwortlichen des Versailler Vertrages, Frankreichs Ministerpräsidenten Clemenceau, den er als „giftigen Greis” charakterisierte. Der Dichter schrieb: „Über den Entente-Frieden kein Wort. Er offenbart die Gottgeschlagenheit der Sieger. Das giftige alte Mannsbild, das ihn in seinen schlafarmen Greisennächten ausgeheckt hat, trägt Schlitzaugen. Vielleicht hat er ein Blutsrecht darauf, der abendländischen Kultur das Grab zu graben und das Kirgisentum heraufzuführen.” (Versailles, S. 103 f.)

Später urteilte Mann wie folgt über den Versailler Vertrag („Deutsche Ansprachen”, 1930): „Der Versailler Vertrag war ein Instrument, dessen Absichten dahin gingen, die Lebenskraft eines europäischen

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Hauptvolkes auf die Dauer der Geschichte niederzuhalten. Und dieses Instrument als die Magna Charta Europas zu betrachten, auf der alle historische Zukunft sich aufbauen müsse, war ein Gedanke, der dem Leben und der Natur zuwiderlief… Es ist kein haltbarer Zustand, daß inmitten von bewaffneten und auf ihren Waffenglanz stolzen Völkern Deutschland allein waffenlos dasteht, so daß jeder, der Pole in Posen, der Tscheche auf dem Wenzelsplatz, ohne Scheu seinen Mut daran kühlen kann; daß die Erfüllung des Versprechens, die deutsche Abrüstung solle der Beginn der allgemeinen sein, immer wieder auf den ,Sankt Nimmerleinstag’ vertagt wird und jede Unmutsäußerung des deutschen Volkes gegen diesen Zustand als eine zu ,neuen Rüstungen auffordernde Bedrohung’ aufgefaßt wird.

Diese Ungerechtigkeit ist die erste, die man nennen muß, wenn man dem deutschen Gemütszustand gerecht werden will; aber es ist nur zu leicht, fünf, sechs andere aufzuzählen, die sein Gemüt verdüstern, wie die absurden Grenzregelungen im Osten, das niemandem heilsame, auf das ,Wehe dem Besiegten’ stumpfsinnig aufgebaute Reparationssystem, die völlige Verständnislosigkeit des jakobinischen Staatsgedankens für die deutsche Volksempfindlichkeit in der Minderheitenfrage, das Problem des Saargebietes, das keines sein dürfte, und so fort.” (Versailles, S. 402)

Auf einen Nenner gebracht besagen diese Aussagen doch alle eines: „Die große Gefahr, die durch die Verzögerung der Abrüstung entsteht, ist die Wirkung, die dadurch auf Deutschland ausgeübt wird. Man kann von Deutschland nicht verlangen, daß es die tiefe Erniedrigung einer einseitigen Abrüstung ständig erträgt.”

Es ist eine Legende und entspricht keinesfalls der Wahrheit, daß Hitler bald nach der Machtübernahme eine große Wiederaufrüstung Deutschlands in die Wege geleitet hat. Begründung:

Er wollte möglichst schnell Vorbereitungen für seine schon lange geplanten „Welteroberungspläne” treffen. Gleichzeitig konnte damit das Problem der Arbeitslosigkeit beseitigt werden. Dieser auch heute noch vertretene Standpunkt vieler Menschen konnte schon aus wirtschaftlichen Gründen so nicht gehandhabt werden. Die fast sieben Millionen nach Arbeit hungernden Menschen mußten unbedingt „produktiv” beschäftigt werden.

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Aber lassen wir wieder Fachleute zu Worte kommen: „Die Wirtschaftspolitik Hitlers hätte langfristig den Ruin des althergebrachten Systems der internationalen Hochfinanz, das von zinsträchtigen Anleihen an Nationen mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten abhängig gewesen sei, bedeutet”, meint der Historiker Professor Dr. Helmut Gordon. Er fährt fort: „Würde Hitlers Beispiel Schule machen, was zum Teil der Fall war, würde das letzthin darauf hinauslaufen, daß sich die gold- und devisenarmen Staaten zusammentun würden, um Ware gegen Ware zu tauschen. Die Konsequenz wäre gewesen, daß Anleihen austrocknen und das Gold seine Rolle als führender Leitwert einbüßen würde und, um Roosevelts eigenes Wort zu gebrauchen, ,die Geldverleiher im Tempel’ ihre Läden schließen müßten. An erster Stelle würde davon die Wall Street betroffen, an zweiter die Londoner City. Daß die ,Geldverleiher im Tempel’ Hitler nicht gewogen waren, versteht sich auch ohne den NS- Antisemitismus.” (Gordon, „Es spricht der Führer”, S. 71)

Um Hitlers „anfängliche Bescheidenheit in der Wiederaufrüstungsfrage nachzuweisen”, führt Gordon folgende Fakten an: „Genau zwei Monate vor seiner Rede des 17. Mai 1933 gab Hitler dem deutschen Mitglied der Völkerbunds- und Abrüstungskonferenz, Baron Werner von Rheinbaben, die Anweisung: ,Keine Sabotage, hinarbeiten auf positiven Abschluß, der vertragsloser Aufrüstung vorzuziehen ist. . .’ Und noch am 30. September erklärte Hitler dem deutschen Außenminister Baron von Neurath, daß es ,auf alle Fälle wünschenswert sei, eine Abrüstungskonvention zustande zu bringen, selbst wenn dabei nicht alle unsere Wünsche erfüllt werden’.”

Erst nachdem alles versucht worden und gescheitert gewesen sei, seien Hitler, die Reichswehr und das Außenamt übereingekommen, die Abrüstungskonferenz zu verlassen und aus dem Völkerbund auszutreten. Dies aber habe deutscherseits „keineswegs die Aufgabe jeder Abrüstungsverhandlungen” bedeutet. Truppenamtschef Generalleutnant Ludwig Beck, der spätere 20.-Juli-Mitverschwörer, habe für einen Verteidigungskrieg 33 Felddivisionen, drei Kavalleriedivisionen, eine motorisierte, 30 Landwehrdivisionen, einen Panzerverband sowie Armee- und Korpstruppen für notwendig erachtet. Gordon: „Hitler dagegen glaubte ein Heer von 300000 Mann mit einjähriger

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Dienstzeit mit den notwendigen Waffen, aber Verzicht auf schwere Artillerie, Panzer über sechs Tonnen und Bombenflugzeuge, würde genügen, was die Reichswehr mit Überraschung und Unwillen zur Kenntnis nahm, denn Hitlers Vorschläge bewegten sich weit unterhalb der Grenze der paritätischen Sicherheit, was praktisch ein Friedensheer von 21 Divisionen bedeutete.” (Gordon, a. a. O., S. 78) Demgegenüber stieg der britische Verteidigungshaushalt von 102 Millionen auf 280 Millionen Pfund im Jahre 1937 (l Pfund = 20 Reichsmark), und auf 700 Millionen Pfund im Jahre 1939. Gegen Ende des Jahres 1938 habe Hitler eine Weisung an die Wehrmacht gegeben, „in der er feststellte, daß bei der gegenwärtigen politischen Lage militärische Spannungen für absehbare Zeit unwahrscheinlich seien. Daher sei es nun die Aufgabe des Heeres, den bis zum Jahr 1945 vorgesehenen Aufbau planmäßig durchzuführen; jegliche Vorbereitungen für einen Aufmarsch oder eine Operation seien verboten.” (Gordon, a. a. O., S. 149)

Über die Aufrüstung in den USA notiert Gordon: „Seit Ende 1937 war in den Vereinigten Staaten ein riesiges Rüstungsprogramm angelaufen, ein Jahr später wurde es noch wesentlich erweitert unter der Vorgabe, den japanischen Expansionsbestrebungen möglicherweise entgegentreten zu müssen, während in Roosevelts Denken nicht erst 1941, sondern seit seinem Amtsantritt die Parole ,Europa first!’ den Vorrang hatte.” (Gordon, a. a. O., S. 191)

Über die militärische Lage des Jahres 1935 äußerte sich Verteidiger Dr. Laternser im Nürnberger Prozeß wie folgt: „Deutschland hatte eine Heeresstärke von höchstens 250 000 Mann einschließlich der Reservisten, keine modernen Waffen, keine Geschütze über 10,5 Zentimeter Kaliber, keine Luftwaffe, gänzlich veraltete Befestigungen. Die Marine bestand nur aus 15000 Köpfen, sie durfte kein Schiff von mehr als 10000 Tonnen haben, sie hatte keine U-Boote . . . Diesem so schwach gerüsteten Reich standen gegenüber: Frankreich mit 600000 Mann Friedensstärke, 1,5 Millionen Mann im Kriegsfall, die Tschechoslowakei mit 600000 Mann im Kriegsfall, Polen mit einer Million Mann im Kriegsfall.

Alle diese Staaten hatten modernste Bewaffnung, Luftstreitkräfte und Panzerformationen. Kann wirklich ein Mensch diese bescheidenen –

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gemessen an modernen Kriegserfordernissen geradezu lächerlichen -deutschen Rüstungsmaßnahmen im Verhältnis zu denen der Umwelt als Vorbereitung und Grundlage für die späteren Angriffskriege ansehen?” (IMT, XXII, S. 76)

Generaloberst Alfred Jodl, der im Oktober 1946 hingerichtet wurde, sagte vor dem IMT: „Die wirkliche Aufrüstung wurde erst nach Kriegsbeginn durchgeführt. Wir traten in diesen Weltkrieg mit etwa 75 Divisionen, 60 Prozent der wehrfähigen Bevölkerung waren un-ausgebildet, das Friedensheer war etwa 400 000 Mann stark gegenüber 800000 im Jahre 1914. Die Vorräte an Munition und Bomben waren geradezu lächerlich. Für zehn bis fünfzehn Kampftage hatten wir Munition. Wir waren bis zum Jahre 1939 zwar in der Lage, Polen allein zu schlagen, aber wir waren niemals, weder 1938 noch 1939, eigentlich in der Lage, einem konzentrischen Angriff Englands, Polens und Frankreichs standzuhalten.” (IMT, XV, S. 385/386) Der US-amerikanische Wirtschaftswissenschaftler Burton H. Klein hat das gesamte erbeutete Material an deutschen Dokumenten über die Aufrüstung ausgewertet und beim Harvard College als Band CIX der Harvard Economic Studies veröffentlicht.

(„Germany’s Economic Preparations for War”, Cambridge, Mass., 1959.) Ihm behilflich waren dabei die Professoren Capton (Stanford University), Rüssel Nichols (Rand University), Adelmann (M. I. T.), Kaysen und Gal-braith (Harvard College) sowie Mason (Littauer School of Public Administration).

Kleins Forschungen zufolge stand im Jahre 1939 die deutsche Produktion von Flugzeugen, 675 im Monat, auf der gleichen Höhe wie die britische; und Panzer, die Hauptwaffe in Hitlers Blitzkriegen, wurden in Deutschland sogar weniger gefertigt als in England. Klein konnte auf Grund der Beuteakten feststellen, daß bis zur Wiederbesetzung des Rheinlands (Frühling 1936) die deutsche Aufrüstung kaum mehr als eine Legende gewesen war, denn bis zu diesem Augenblick waren nur etwa fünf Prozent der Gesamtproduktion in die Rüstung gegangen. Trotz der darauf einsetzenden Steigerung der Rüstungsausgaben beanspruchten sie in den drei Jahren bis 1939 noch immer nicht mehr als fünfzehn Prozent der Gesamtproduktion (insgesamt acht Milliarden Reichsmark), entsprachen also jetzt den

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Rüstungsaufwendungen der Alliierten (auch Großbritannien setzte in jener Zeit fünfzehn Prozent seiner Produktion für die Rüstungsaufwendungen ein).

Professor Klein, auf Grund seiner jüdischen Herkunft gewiß nicht verdächtig, NS-Deutschland „reinwaschen” zu wollen, faßte die Ergebnisse seiner Untersuchungen in dem Satz zusammen:

„Deutschland produzierte sowohl Butter wie ,Kanonen’ – und zwar viel mehr Butter und viel weniger Kanonen als allgemein angenommen wurde.” Zum Rüstungsstand des Jahres 1939 schreibt Klein:

„Das allgemeine Bild der deutschen Kriegswirtschaft, das sich aus dieser Untersuchung ergibt, ist nicht das einer Nation, die auf den totalen Krieg geschaltet war, sondern eher das einer Volkswirtschaft, die ursprünglich nur zur Durchführung kleiner und örtlich beschränkter Kriege mobilisiert war und erst in der Folge dem Druck der militärischen Notwendigkeit nachgab, als dieser zur harten Tatsache geworden war. So sind die deutschen Vorbereitungen zur Versorgung mit Stahl, Öl und anderen wichtigen Rohstoffen im Herbst 1939 alles andere als ausreichend für einen nachdrücklichen Einsatz gegen die Großmächte gewesen. Der Ausstoß an ziviler Produktion war noch mehr als ausreichend, dagegen die Erzeugung von Kriegsmaterial nicht wesentlich größer als die britische.”

Klein ferner: „Erst nach der Schlacht von Stalingrad und dem Einsetzen von Luftangriffen großen Stils gegen die deutschen Städte, begann Deutschland endlich seine Kriegswirtschaft ernstlich zu mobilisieren. Höchstleistungen wurden aber nicht vor Mitte 1944 erzielt, nachdem die Niederlage bereits unabwendbar geworden war.” Kein Dokument, das heute in gängigen Schul- und Geschichtsbüchern zum Beweis Hitlerschen Kriegs- beziehungsweise sogar Weltkriegswillens abgedruckt ist, taugt dazu, das deutsche Volk insgesamt zu belasten. Vielmehr handelt es sich um Wiedergaben angeblicher oder tatsächlicher Äußerungen des Diktators im kleinsten Kreise Vertrauter. Es ist infam, ein halbes Jahrhundert danach und mit der Arroganz der Jetztzeit den damaligen Deutschen vorzuhalten, sie hätten doch „erkennen müssen”, woher der Wind wehte und wohin der Hase lief und daraus eine Kollektivverantwortung sogar der nach 1945 Geborenen für die Geschehnisse zu konstruieren.

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Aber besonders verwerflich, wenn solche Äußerungen von führenden „deutschen” Politikern verkündet werden. Hat man schon jemals gehört, daß derartige Anschuldigungen gegen Angehörige anderer Völker erhoben worden sind? Auch da haben die betreffenden Regierungen mehr oder weniger Schreckenstaten in Kriegs- und Nachkriegszeiten ausführen lassen. Dabei spielte es überhaupt keine Rolle, ob diese Länder demokratisch oder diktatorisch regiert worden sind.

Die Mär von der gigantischen Aufrüstung, durch die das deutsche Volk schon frühzeitig hätte erkennen müssen, daß man in Berlin kriegs- oder gar weltkriegslüstern gewesen sei, zieht sich wie ein roter Faden durch Schulbuch- und Umerziehungsliteratur. Ausnahmen gibt es nur wenige. Als positives Beispiel soll aus dem Stichwort „Aufrüstung” des „Großen Lexikon des Dritten Reiches” (herausgegeben von C. Zentner und F. Bedürftig; München 1985) zitiert werden: „Hitlers Behauptung vom 1. September 1939, er habe bereits ,über neunzig Milliarden Mark für den Ausbau unserer Wehrmacht aufgewendet’, war zur propagandistischen Abschreckung übertrieben. Die deutsche Rüstung erreichte bis zum Krieg keine Tiefe und kam auch danach erst zögernd in Gang. Zum Beispiel wurden vom 1. September 1939 bis zum 31. Dezember 1939 mit 247 Panzern nur dreißig mehr produziert, als im Polenfeldzug verloren gegangen waren. Insgesamt hatte die deutsche Aufrüstung bis 1939 keinen Standard erreicht, der für in die Zukunft reichende Kriegsplanungen erforderlich gewesen wäre.

Auch als die deutsche Wehrmacht im Morgengrauen des 10. Mai 1940 zum großen Angriff nach Westen antrat, war das Kräfteverhältnis äußerst negativ. Nach der Anzahl der einsatzfähigen Divisionen stand es bestenfalls eins zu eins (ein katastrophales Verhältnis für Offensiven, die drei zu eins benötigen). In bezug auf Technik und Bewaffnung sah es für die deutsche Seite noch beängstigender aus. Panzerkampfwagen hatte Deutschland ca. 2250, der Gegner ca. 4500. An Kampfflugzeugen verfügte die deutsche Luftwaffe über ca. 4000, die gegnerische über ca. 5000.”

Der Zeitgeschichtler Wolf gang Venohr schreibt: „Nach dem Zweiten Weltkrieg ist es – bis auf den heutigen Tag – Mode geworden, über

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das deutsche Heer des Jahres 1940 herabsetzend, jedenfalls negativ zu sprechen. Eine überwältigende, ,seelenlose’ und barbarische Kriegsmaschinerie Hitlers sei damals über das schwache Westeuropa hereingebrochen.” Nichts könne verkehrter sein als eine solche Betrachtungsweise. In Belgien und Frankreich habe nicht die Übermacht, sondern eine geniale Operationsidee („Sichelschnitt”) obsiegt. Venohr schreibt: „Aber vor allem triumphierte die Intelligenz und die Kühnheit der deutschen Soldaten und Offiziere. Es war eine junge Armee, die nach Westen stürmte, deren seelische Motivation, deren geistige Disziplin alles in den Schatten stellte, was es zuvor gegeben hatte.”

„Niemals früher oder später hat es eine so vorbildliche Kameradschaft zwischen Offizier und Mann gegeben wie in der Deutschen Wehrmacht des Zweiten Weltkrieges”, schreibt Venohr weiter. „Nicht seelenlose Roboter marschierten nach Frankreich hinein, sondern junge Soldaten, die sich im Recht glaubten, die gegen die arroganten Sieger von Versailles zogen.” (Zitate aus: Wolfgang Venohr, Stauffenberg -Symbol der deutschen Einheit.)

Schamlos, skrupellos und mit äußerster Brutalität hatten sich die Sieger nach 1918 die Tatsache zunutze gemacht, daß das deutsche Volk weitgehend ungeschützt war:

–   Im Oktober 1918 besetzen Truppen Prags die später als „Sudetenland” bekannten deutschbesiedelten Gebiete und verleiben sie gewaltsam dem neuentstandenen Staat CSR ein. Dies, obwohl die dortige deutsche Bevölkerung durch ihre gewählten Organe klar bekundet hat, in der staatlichen Gemeinschaft der Deutschen verbleiben zu wollen.

–   Im Januar 1919 fallen polnische Truppen in der Provinz Posen ein und besetzen fast das gesamte Gebiet, auch die deutschbesiedelten Teile.

–   Im Mai 1919 besetzen belgische Truppen die deutschbesiedelten Gebiete von Moresnet, Eupen, Malmedy, Herbestal und Rören, die dann von Brüssel annektiert werden. Eine Volksabstimmungs- Farce mit brutaler Repression gegen Deutschgesinnte soll das Unrecht vertuschen.

-Im August 1919 kommt es zu einem polnischen Einfall in Oberschlesien mit Besetzung der Kreise Myslowitz, Kattowitz und Beuthen.

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–   1919/20 fallen Truppen Südslawiens (Jugoslawien) in die Steiermark und nach Kärnten ein; Italien annektiert das deutsche Südtirol.

–   Im Februar 1920 kommt es zur Abtrennung des Saargebietes von Deutschland.

–   Im April 1920 besetzen französische und belgische Truppen das linke Rheinufer und die Brückenköpfe Köln, Koblenz, Mainz, Frankfurt am Main sowie Darmstadt.

–   Im August 1920 fallen polnische Truppen (Anführer: Korfanty) unter Duldung der dort stationierten französischen Militärs in Oberschlesien ein.

–   Im März 1921 besetzen französische Truppen Düsseldorf, Duisburg und Ruhrort.

–   Im Mai 1921 kommt es zu einem erneuten gewaltsamen Versuch der Korfanty-Banden, Deutschland Oberschlesien zu entreißen.

–   Im Oktober 1921 wird Oberschlesien geteilt, und 3477 Quadratkilometer des Landes werden unter dem Druck der Sieger von 1918 an Polen gegeben, obwohl die vorangegangene Volksabstimmung für Deutschland positiv verlaufen war. Auch Kattowitz mit 87 Prozent deutscher Bevölkerung wird polnisch, gleichfalls Königshütte (75 Prozent Deutsche).

–   Im Januar 1923 besetzen französische und belgische Truppen das Ruhrgebiet. Die Verantwortlichen der französischen Besatzungsmacht etablieren ein Terror- und Ausplünderungsregime.

–   Im Januar besetzen litauische Truppen das deutsche Memelland.

–   Im Oktober 1923 beginnen, von Frankreich geschürt, separatistische Unruhen im Rheinland und der Pfalz mit dem Ziel, die Gebiete vom Deutschen Reich abzutrennen.

Aus Ost und West war das weitgehend entwaffnete Deutsche Reich nach 1918 brutalsten Überfällen und Annektionen ausgesetzt. Hauptaggressoren waren Frankreich und Polen. Aus Fundstücken in Geheimarchiven und Aussagen hochkarätiger Zeitzeugen weiß man, daß weitere Überfälle geplant waren. Infolge der Wehrlosigkeit des Reiches hatten Kanzler Brüning und Reichswehrminister Gröner 1930/31 bereits die Räumung ganz Schlesiens im Falle eines zu erwartenden polnischen Angriffskrieges erwogen.

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Auch 1933 waren polnische Planungen einer Aggression gegen Deutschland weit gediehen. Die Reichsregierung startete eine diplomatische Offensive, die zum Abschluß eines als sensationell empfundenen deutsch-polnischen Nichtangriffspaktes im Januar 1934 führte. Die Politik der Verständigung wurde polnischerseits nach dem Tode des Staatschefs Marschall Pilsudski 1935 beendet und wich später dem alten Konfrontationskurs.

So erschienen die deutschen Aufrüstungsmaßnahmen, die bis 1936 äußerst spärlich waren und auch danach nicht Kriegs- oder gar Weltkriegsabsichten zum Ziele hatten, dem deutschen Volk als logische Antwort auf die bitteren Erfahrungen der vergangenen Zeit. Allein die Bescheidenheit der deutschen Aufrüstung in jenen Jahren beweist, daß Deutschland nicht Urheber für den Zweiten Weltkrieg sein konnte. Hierfür gibt es unzählige Kronzeugen, doch wir lassen einen britischen Historiker zu Wort kommen, der als „einer der rabiatesten britischen Deutschenhasser” bezeichnet wurde („FAZ”, 15. März 1965).

Also A. J. Taylor (Die Ursprünge des 2. Weltkrieges – „The Origins of the Second World War”, Gütersloh 1962): „Ich bezweifle, daß Hitler einen großen Krieg plante, bestimmt plante er keinen gegen den Westen. Seine militärischen Vorbereitungen scheinen der entscheidende Beweis zu sein.”

„Hitler beabsichtigte, Erfolge ohne Krieg zu erringen oder auf jeden Fall nur mit einem Krieg, der von Diplomaten nur schwerlich unterscheidbar wäre. Er hatte keinen größeren Krieg geplant … Er war nicht an der Vorbereitung für einen langen Krieg gegen die Großmächte interessiert.”

„Das Nazi-Geheimnis war nicht Rüstungsproduktion; es war Freiheit von den damals vorherrschenden orthodoxen Wirtschaftsprinzipien.” „Unter Hitlers Leitung war Deutschland ausgerüstet, den Nervenkrieg zu gewinnen – den einzigen Krieg, den er verstand und der ihm genehm war; er war nicht ausgerüstet, Europa zu erobern . . .” „Viele der frühen Alarme über die deutsche Rüstung waren falsche Alarme. Sogar 1939 war die deutsche Armee nicht für einen längeren Krieg ausgerüstet; und 1940 waren die Deutschen den Franzosen in allem unterlegen, mit Ausnahme der Führerschaft.”

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„Die Zerstörung Polens war nicht Hitlers Plan. Im Gegenteil, er hatte die Frage Danzig so zu lösen gewünscht, daß Deutschland und Polen gute Beziehungen aufrechterhalten konnten.” (Zitat-Ende des Historikers Taylor)

Wem gebührt also die Ehre vor der Geschichte, die „Brandfackel des Krieges” vermeiden zu wollen?

Kriegsbeginn mit dem Angriff [eigentlich Zurueckschlag] auf Polen

Von allen Anschuldigungen, die nach 1945 gegen Deutschland erhoben worden sind, bedeutet die der alleinigen Kriegsschuld zunächst eine Entlastung für die Sieger. Genau wie nach dem Ersten Weltkrieg haben die siegreichen Mächte dem unterlegenen Deutschen Reich auch nach dem Zweiten Weltkrieg die alleinige Schuld am Kriegsausbruch aufgebürdet, nach dem Motto, „Der Unterlegene ist immer der Schuldige”.

Eine erfolgreiche Greuelpropaganda mit den unglaublichsten Fälschungen und Entstellungen (Sefton Delmer läßt grüßen), während, aber vor allem nach dem Kriege, mit einer gleichzeitig stattfindenden Umerziehung des deutschen Volkes, der Aburteilung von sogenannten Kriegsverbrechern und der Entnazifizierung ergaben eine äußerst erfolgreiche „psychologische Nachkriegführung” der Alliierten, der das erschöpfte und gepeinigte deutsche Volk zum zweiten Mal unterlag. Im Gegensatz zur Nachkriegszeit 1914/18 führten die Anstrengungen der Sieger zu einem vollen Erfolg, und der Unterlegene akzeptierte alle die ihm zur Last gelegten „Kriegsverbrechen”. Große Schuld haben vor allem auch die deutschen Geschichtsforscher. Lehnten nach 1918 deutsche Historiker wie auch alle Parteien der Weimarer Republik die den Deutschen wider Recht und Wahrheit aufgezwungene Kriegsschuldthese im Artikel 231 des Versailler Diktates ab, so war nach 1945 die Hervorhebung und Betonung der deutschen Schuld und der Nachweis deutscher Verbrechen ein Hauptanliegen deutscher Zeitgeschichtler. Sie widmeten sich dem mit wahrer Inbrunst, da es ja zugleich die beste Voraussetzung für eine Hochschulkarriere war. Damit wurde ein nicht wieder gutzumachender Schaden angerichtet.

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Erst Mitte der achtziger Jahre gelang mit dem sogenannten „Historikerstreit” ein erster wesentlicher Einbruch in die Front der

„Umerziehung” und das für die Deutschen von den Alliierten verordnete „Geschichtsbild”. In all den Jahren nach 1945 wurde von den Siegern nur das die Deutschen belastende Material freigegeben (auch Fälschungen), während das Deutschland entlastende Material weiterhin in den Archiven unter Verschluß gehalten wird. Allein dieser Vorgang nach fast fünfzig Jahren gibt zu denken, daß hierfür Gründe vorliegen müssen und die von den Siegern geschriebene Zeitgeschichte einer Revision unterworfen werden muß. Gerüchten zufolge soll vor allem in England an diesem bisher geheimgehaltenen Dokumentenmaterial eifrig manipuliert, verdünnt und gefälscht werden. Getreu dem alten Sprichwort aus dem Volksmund:

„Die Wahrheit mag untergehen, doch ertrinken kann sie nicht!” wollen wir uns bemühen, die wahren Ursachen und Ursprünge zu finden, die zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges geführt haben. Vielleicht sollte man in dem Zusammenhang auch Honore de Balzac zitieren, der schon Mitte des 19. Jahrhunderts sagte: „Es gibt zwei Arten von Weltgeschichte: Die eine ist die offizielle, verlogene, für den Schulunterricht bestimmte – die andere ist die geheime Geschichte, welche die wahren Ursachen der Ereignisse birgt.”

Da der Krieg als Auseinandersetzung zwischen den beiden Nachbarn Deutschland und Polen begann, müssen wir zunächst einen kurzen Rückblick in die polnische Geschichte werfen: Im Jahre 1795 widerfuhr Polen seine dritte Teilung durch Rußland, Preußen und Österreich. Es war keine Teilung als Folge eines Eroberungskrieges, sondern hervorgerufen durch die damalige Unfähigkeit Polens, sich selbst zu regieren. Hätten Preußen und Österreich sich an der Teilung nicht beteiligt, so wäre ganz Polen von Rußland einverleibt worden.

Nachdem im Ersten Weltkrieg die verbündeten Truppen Deutschlands und Österreichs den russisch besetzten Teil Polens mit ihrem Blut freigekämpft hatten, kamen am 5. November 1916 Kaiser Wilhelm II und Kaiser Franz Josef I überein, das polnische Volk in seine Selbständigkeit zurückzuführen. Durch die Gründung des neuen Staates Polen wurde wieder eine Pufferzone gegen Rußland geschaffen. Nicht

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unerwähnt darf bleiben, daß auf Seiten der Mittelmächte auch eine von ihnen ausgerüstete „Polnische Legion” unter Pilsudski kämpfte. Die beiden Kaiser verkündeten ihr Vorhaben in einer ausführlichen Depesche an Polen. Von dort kam noch am selben Tag die Antwort zurück, deren Wortlaut erhalten geblieben ist und wie folgt lautete: „An diesem Tag, da das polnische Volk erklärt, daß es frei sei und einen selbständigen Staat mit einem eigenen König und eigener Regierung erhalten wird, durchdringt die Brust eines jeden freiheitsliebenden Polen das Gefühl der Dankbarkeit gegenüber jenen, die es mit ihrem Blute befreit und zur Erneuerung eines selbständigen Lebens berufen haben. Daher senden wir den Ausdruck unserer tiefen Dankbarkeit und die Versicherung, daß das polnische Volk seinen Bundesgenossen die Treue für immer zu bewahren imstande sein wird.” Im Vertrauen auf die vierzehn Punkte des amerikanischen Präsidenten Wilson „ein Kriegsende ohne Sieger und Besiegte”, unterzeichnete die deutsche Delegation am 11. November 1918 den vorgelegten Waffenstillstand.

Der dreizehnte Punkt verkündete die „Errichtung eines unabhängigen polnischen Staates”. Damit hatte der US-Präsident zwar nichts Neues gesagt, denn bereits 1916 war diese Absicht durch die beiden Souveräne Deutschlands und Österreichs verkündet worden, jedoch unter ganz anderen Vorstellungen. Der neue polnische Staat sollte in den Gebieten errichtet werden, in dem „unbestreitbar polnische Bevölkerung lebt”, besagte das Papier von US-Präsident Wilson. Darüber hinaus wurde verkündet, daß der neue Staat Polen einen gesicherten Zugang zum Meer haben müsse.

Diese vagen Vorstellungen des dreizehnten Punktes präzisierte Präsident Wilson im November 1918, indem er hinzufügte:

„Ich bin nicht gewillt, deutsches Gebiet den Polen zu überlassen.” Mit dem Begriff des freien Zuganges zum Meer für Polen wollte er nichts anderes erreichen als eine Neutralisierung der Weichsel und die Einräumung eines Freihafenbezirkes in Danzig für Polen.

Die großzügige Handhabung zugunsten Polens nur dieser beiden Forderungen des US-Präsidenten in den Versailler Verhandlungen waren dann 1939 eine der Hauptursachen für den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges.

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Daß Präsident Wilson sich so für Polen einsetzte, hing auch damit zusammen, daß der bekannte polnische Pianist Ignaz Paderewski, der spätere polnische Ministerpräsident, als Künstler und polnischer Patriot großen Einfluß in Washingtoner Regierungskreisen  ausübte.

1916: Nachdem Polen als Staat seit 1795 nicht mehr bestanden, sondern größtenteils als „Kongreß-Polen” Rußland unterstanden hatte, wurde am 5. November 1916, nach Vertreibung der zaristischen Armeen, in einer Erklärung des deutschen und des österreichisch-ungarischen Kaisers ein unabhängiges Polen proklamiert.

Am 27. Dezember brach unter Führung des Pianisten Paderewski der großpolnische Aufstand los. Ausgelöst wurde dieser Aufstand durch den Besuch Paderewskis in Posen, wo er von dem berühmtberüchtigten polnischen Rädelsführer und früheren Reichstagsab-

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geordneten Korfanty, der später auch soviel Unheil über Oberschlesien bringen sollte, empfangen wurde. Bevor noch Versailles über deutsche Gebietsabtretungen an Polen entschieden hatte, annektierte Polen bereits als erstes Opfer widerrechtlich die deutsche Provinz Posen.

Demonstrationen deutscher Truppen, die sich in der Demobilisation befanden, und zahlreicher Bürger gegen die Beflaggung der Stadt Posen mit polnischen und alliierten Fahnen wurden mit großer Brutalität niedergeknüppelt. Etwa 1500 Deutsche, Zivilisten und ehemalige Soldaten, darunter auch fünfzig Offiziere, wurden im Lager Szcypi-orna eingesperrt und schlimmsten Mißhandlungen ausgesetzt. Dieses Lager und ein weiteres mit Namen Stralkowo waren übrigens die ersten Konzentrationslager auf mitteleuropäischem Boden. Ab diesem Zeitpunkt muß unbedingt festgehalten werden, daß die Drangsalierung deutscher Menschen bis zum Exzeß im polnischen Machtbereich bis zum Kriegsausbruch 1939, also zwanzig Jahre ununterbrochen anhielt und ab 1945 ihre Fortsetzung fand. In dem Zeitraum zwischen beiden Kriegen gab es keine Vergeltungen von Deutschen oder gar Greueltaten an polnischen Menschen, mit denen sich Polen für die unmenschlichen Vorkommnisse in den deutschen Ostgebieten nach 1945 herausredete. Daß während der deutschen Besetzung Polens von 1939 bis 1944 Täter an Verbrechen gegen deutsche Menschen dingfest gemacht und abgeurteilt wurden, bewegte sich völlig im Rahmen der Gesetzlichkeit.

Bereits am 8. Oktober 1918, also noch während des Krieges (Wölfe und Hyänen folgen ebenfalls dem noch lebenden aber angeschlagenen Opfer), hatte der Führer des polnischen Nationalkomitees, Roman Dmowski, gegenüber Wilson unglaubliche Forderungen gestellt: Ganz Posen und Westpreußen, ganz Oberschlesien sowie drei Kreise Niederschlesiens sollten an Polen fallen. Ostpreußen als autonome Provinz mit Polen verbunden werden. Der 1864 in Warschau geborene Roman Dmowski verfolgte schon seit Jahren eine Politik der Versöhnung mit Rußland und verfocht einen deutschfeindlichen Nationalismus und Slawismus.

Weil Dmowskis Grenzvorstellungen, die so oder noch weitgehender mit den meisten politischen Kräften Polens übereinstimmten, nur mit

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den alliierten Siegern erreicht werden konnten, hatte Warschau schon im Dezember 1918 die diplomatischen Beziehungen zu Deutschland abgebrochen und die deutsche Gesandtschaft aus Polen ausgewiesen. Das, obwohl das Deutsche Reich, das für den neuen polnischen Staat die Grundlage geschaffen hatte, als weltweit erstes Land Polen international anerkannte und schon am 18. November 1918 Harry Graf Keßler zum Gesandten in Polen ernannte.

Wie hieß es doch gleich wieder im polnischen Dankschreiben vom 5. November 1916 unter anderem, nachdem die Staatsoberhäupter Deutschlands und Österreichs die Wiedergeburt eines polnischen Staates verkündet hatten? „Daher senden wir den Ausdruck unserer tiefen Dankbarkeit und die Versicherung, daß das polnische Volk seinen Bundesgenossen die Treue für immer zu bewahren imstande sein wird.” (Mit „Bundesgenossen” waren das Deutsche Reich und Österreich-Ungarn gemeint.)

Im Frühjahr 1919 schritt der neue polnische Imperialismus weiter voran. Von Österreich wurde Ostgalizien mit Waffengewalt erobert, während Westgalizien schon 1918 angeschlossen wurde. Im Nordosten stießen polnische Truppen bis Wilna, die alte litauische Hauptstadt, vor. Mayers Konservationslexikon von 1908 beziffert den polnischen Anteil der Bevölkerung im russisch-litauischen Gouvernement Wilna mit lediglich 8,2, während Weißrussen 61,2, Litauer 17,6 und Juden 12,8 Prozent ausmachten.

Zum Beginn der Versailler Friedenskonferenz am 18. Januar 1919 entsandte Polen eine Delegation unter Dmowski, die sogar über die maßlosen Forderungen hinausging, die gegenüber Wilson geäußert worden waren. Mit Ausnahme von vier Landkreisen verlangte man ganz Oberschlesien (eines der reichsten Gebiete Europas), östliche Teile von Niederschlesien und Pommern, Posen und Westpreußen sowie Teile von Ostpreußen.

Diese unglaubliche und unverschämte Art der Polen, deutsche Gebiete zu fordern und seine Grenzen selbst zu bestimmen, zieht sich wie ein roter Faden durch dieses Jahrhundert. Bis zum Kriegsende 1918 kämpften polnische Soldaten an der Seite Deutschlands und Österreichs und somit auf die Seite der Verlierer. Aber bei den Friedensverhandlungen nahm die polnische Delegation auf der Bank der

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Siegermächte ihren Platz ein. Anstatt Deutschland gegenüber Dankbarkeit zu zeigen, hatten sie doch den Grundstein zu der Wiedergeburt eines neuen polnischen Staates gelegt, fiel Polen wie ein Wolf über deutsche Gebiete her und versuchte sie sich einzuverleiben. Fast alle westlichen Siegermächte befürworteten die polnischen Forderungen, beziehungsweise schon erfolgten Eroberungen. Konnte man doch durch diese „Gebiets-Amputationen” einer solchen Größenordnung das Deutsche Reich entscheidend zusätzlich schwächen. Auf die Tragik der hier beheimateten Menschen, nun plötzlich unter einer Fremdherrschaft leben zu müssen, nahm man keine Rücksicht. Das Versailler Diktat trat das Selbstbestimmungsrecht der Völker mit Füßen.  Vor allem zum Schutz der jüdischen Minderheit machten die alliierten Sieger den Abschluß des Minderheiten-Schutzvertrages zur Voraussetzung für die Inbesitznahme der deutschen Gebiete. Doch war dieses Abkommen nicht mehr wert als ein Fetzen Papier. Polen hat es zu keinem Zeitpunkt beachtet. Bereits bei den im Versailler Vertrag vorgeschriebenen Volksabstimmungen im Juli 1920, beziehungsweise März 1921, erreichte der Terror ungeahnte neue Höhepunkte. Ein regelrechtes Martyrium begann vor allem für die Oberschlesier mit dem polnischen Überfall im August 1919 und zwei weiteren polnischen Aufständen ein Jahr später und im Mai des Jahres 1921. Unter Einsatz brutalster Gewaltmaßnahmen, auch vor Mord schreckte man nicht zurück, versuchte man, das deutsche Oberschlesien an sich zu reißen. Anführer war der schon erwähnte ehemalige Parlamentarier Korfanty. Die in Oberschlesien tätige „Interalliierte Kommission” mit englischen, italienischen und französischen Truppen konnte Ruhe und Sicherheit nicht aufrechterhalten. Ganz schlimm wurde es, als in Paris der „Rat der Vier” eine Volksabstimmung über Oberschlesien beschloß, die am 20. März 1920 stattfand und trotz aller polnischen Terrormaßnahmen und schlimmster Ausschreitungen einen sechzig-prozentigen Abstimmungssieg für den Verbleib im Deutschen Reich erbrachte.

Die Zeit der Abstimmungskämpfe war für Oberschlesien eine Periode schweren Leidens. Mehr als 3000 Menschen kamen während dieser Zeit gewaltsam ums Leben. Das bedeutete: Täglich waren sieben bis acht Tote zu beklagen. Die Zahl der Verwundeten und Verstümmelten

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lag um ein Vielfaches höher. Immer wieder stehen irgendwo in der Welt Menschen erschüttert vor den Scherbenhaufen einer Politik, die von einigen Menschen ausgelöst wurde. In diesem Fall war es eine von Haß gegen Deutschland geblendete Handvoll Politiker, die im fernen Paris diese Geschehnisse zu verantworten hatten. In jener Zeit entstand dann auch in Oberschlesien der Begriff vom „Land unter dem Kreuz”, der bis in die heutige Zeit seine Berechtigung hat. Trotz des eindeutigen Abstimmungssieges der Oberschlesier wurde das

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Land auf Grund der Entscheidung einer Völkerbund-Kommission geteilt. Polen erhielt ein Viertel des Landes, aber achtzig Prozent des reichen Industriegebietes. Somit wurden insgesamt fast 47 000 Quadratkilometer deutschen Landes mit über zwei Millionen deutschen Menschen Polen übereignet.

Die alte deutsche Hansestadt Danzig, im 16. Jahrhundert mit 60000 Einwohnern die größte deutsche Stadt, wurde im November 1920 zusammen mit zwei Stadtkreisen und drei Landkreisen zur „Freien Stadt Danzig” erklärt. Die Größe des Gebietes betrug 1966 Quadratkilometer mit einer Bevölkerung von über 400000 Menschen. Da Polen in der Frage Danzig sein Ziel nicht erreicht hatte, war es in den folgenden Jahren ständig bemüht, seine Einflußnahme zu erweitern, was zunehmend zu Spannungen führte und mit ein Grund für den Kriegsausbruch 1939 war.

Heute, am Ende des 20. Jahrhunderts muß man fragen, wie konnte damals ein Friedensvertrag mit so harten und unerfüllbaren Bedingungen rechtskräftig werden? Ein Vertrag, der aus dem abgrundtiefen Haß Einzelner gegen Deutschland entstanden war und durch seine Folgen soviel Leid über die deutsche Bevölkerung brachte, hätte vom Internationalen Gerichtshof des Völkerbundes für unmoralisch, sittenwidrig und als Verstoß gegen das Völkerrecht erklärt werden müssen. Umsomehr, als dieser Vertrag oder besser gesagt „Diktat” von vielen damals schon vorausgesehen, auf geradem Weg zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges führte, der ein fast nicht mehr meßbares Leid über die Welt brachte.

Da Polen sich in keiner Weise an den im Juli 1919 abgeschlossenen „Minderheitenschutzvertrag” hielt, sondern im Gegenteil eine Minderheiten-Politik betrieb, die es sich zum Ziel gesetzt hatte, alles Deutschtum im Lande zu vernichten, verließen in den zwanzig Jahren zwischen 1919 und 1939 1,5 Millionen deutsche Menschen den polnischen Staat. Wer seine deutsche Staatsangehörigkeit nicht aufgeben wollte und sich weigerte die polnische Staatsangehörigkeit anzunehmen wurde ausgewiesen. Man scheute sich nicht, hierbei auch Zwangsmaßnahmen anzuwenden.

Die Schikanen, Repressalien und auch damals schon Vertreibung deutscher Menschen aus ihrer angestammten Heimat, von Haus und

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Hof, mutet im Nachhinein wie eine Generalprobe für die unmenschlichen Ereignisse in den deutschen Ostprovinzen nach 1945 durch Polen an.

Sehr gut schildert die damaligen Zustände im polnischen Machtbereich das 1930 von Hermann Rauschning veröffentlichte bedeutsame Buch: „Die Entdeutschung Westpreußens und Posens. Zehn Jahre pol-

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nische Politik.” Es ist eine wichtige Darstellung der Verhältnisse in dem 1919 abgetrennten Gebiet, über die Aufstände 1919, 1920 und 1921, wobei viele der hinterhältigen Tricks und Kniffe der Polen zur Vernichtung des deutschen Grundbesitzes beschrieben werden. Dem Kampf um die deutsche Kulturpflege ist ein ausführliches Kapitel gewidmet. Auf Seite 398 steht der interessante Ausspruch des britischen Premiers Lloyd Georges:

„Der Vorschlag der polnischen Kommission, daß wir 2,1 Millionen Deutsche der Autorität eines Volkes mit einer anderen Religion unterstellen sollen, eines Volkes, das im Laufe seiner Geschichte niemals gezeigt hat, daß es sich zu regieren versteht, dieser Vorschlag würde uns früher oder später zu einem neuen Krieg in Osteuropa führen.”

Am 15. Juni 1932, sieben Monate vor der Berufung Hitlers zum Reichskanzler durch den Reichspräsidenten von Hindenburg, fand im britischen Oberhaus eine ausführliche Aussprache über die Mißachtung anerkannter Rechte der deutschen Minderheit im mit England befreundeten Polen statt. Erörtert wurde das brutale Vorgehen der Polen, nicht nur gegen die deutschen Minderheiten in den von ihnen annektierten Gebieten. Der Vertreter der englischen Regierung im Oberhaus stellte fest: „. .. Wir dürfen nicht vergessen, daß Polen ganz besondere Ursache hat, diese Verträge (Minderheitenschutzverträge, der Vertriebenen) zu achten, denn die ihm zugestandenen Annexionen wurden ihm nur unter der Bedingung gestattet, daß es diesen Gebieten Autonomie gewährt.”

Knapp sieben Jahre später, am 31. März 1939, gab die britische Regierung die allseits bekannte „Garantieerklärung für Polen” ab, die entscheidend mitverantwortlich dafür gemacht wird, daß es schließlich zum Kriegsausbruch zwischen Deutschland und Polen gekommen ist. Der große Leichtsinn (oder war es Absicht?) bestand vor allem darin, daß man einem Land wie Polen praktisch die Entscheidung über Krieg oder Frieden in Europa überließ.

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Deutsch-polnische Politik in den dreißiger Jahren

In der Zeit der Weimarer Republik blieben die Beziehungen beider Länder untereinander weiterhin kühl. In Berlin hatte man weder Oberschlesien noch Danzig vergessen und betrachtete die Behandlung der deutschen Minderheit in den abgetrennten Ostgebieten kritisch. Auch in Warschau blieb man mißtrauisch und war über den allmählichen Aufschwung des deutschen Nachbarn im Westen besorgt, fürchtete aber gleichzeitig die Sowjetunion im Osten. Man war weiterhin bemüht, das Reich schwach zu halten, und sparte nicht mit Drohgebärden. Drei Jahre vor Hitlers Machtübernahme, im September 1930, erklärte der polnische Außenminister Zaleski dem Präsidenten des Danziger Senats, Dr. Ziehm, daß nur ein polnisches Armeekorps die Danziger Frage lösen könne.

Derartige Kriegsreden Warschauer Staatsmänner und gewisser Generäle häuften sich mit der Zeit. Sie fanden bei dem damals schon einflußreichen Führer der britischen Kriegspartei, Winston Churchill, offene Ohren und wurden auch von Roosevelt mit Genugtuung gehört. Der uneingeschränkte Führer Polens in jener Zeit war Marschall Pil-sudski, der als Ministerpräsident diktatorisch amtierte. Das Bild, das der polnische Staat sowohl in seiner Innen- wie auch in seiner Minderheiten- und Außenpolitik bot, war erschütternd. Das verschärfte sich noch, als Pilsudski ein Ermächtigungsgesetz durchsetzte. Doch die Diktatur in Polen schien niemanden zu stören. Frankreich hielt in Treue fest zum autoritären Bundesgenossen. Die Empörung richtete sich nur gegen das Deutsche Reich im Jahr 1933. Das System Polens interessierte genausowenig wie der Sowjetkommunismus, der Austrofaschismus ab 1934 und all die anderen autoritären Regime im übrigen Europa. Obwohl von Polen eine ständige Kriegsgefahr ausging. Die explosive Mischung von Expansionismus, Intoleranz und polnischen Kriegsgelüsten zu Beginn der dreißiger Jahre mögen drei Zeitdokumente beispielhaft charakterisieren:

Am 3. Oktober 1930 zitierten die „Münchener Neuesten Nachrichten” unter der Überschrift „Polnische Kriegsfanfaren” das Warschauer Blatt „Die Liga der Großmächte”:

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„Der Kampf zwischen Polen und Deutschland ist unausbleiblich. Wir müssen uns dazu systematisch vorbereiten. Unser Ziel ist ein neues Grunwald, aber diesmal ein Grunwald in den Vororten Berlins, das heißt die Niederlage Deutschlands muß von polnischen Truppen in das Zentrum des Terrorismus getragen werden, um Deutschland im Herzen zu treffen. (In Grunwald bei Tannenberg, Ostpreußen, wurde im Jahre 1410 der deutsche Kreuzritterorden vernichtend geschlagen, der Verfasser.)

Unser Ideal ist ein Polen im Westen mit der Oder und Neiße als Grenze. Preußen muß für Polen zurückerobert werden, und zwar das Preußen an der Spree. In einem Krieg mit Deutschland wird es keine Gefangenen geben und es wird weder für menschliche noch kulturelle Gefühle Raum sein. Die Welt wird erzittern vor dem deutsch-polnischen Krieg. In die Reihen unserer Soldaten müssen wir übermenschlichen Opfermut und den Geist unbarmherziger Rache und Grausamkeit tragen. Vom heutigen Tag an wird jede Nummer dieses Blattes dem kommenden Grunwald in Berlin gewidmet sein.” Der ehemalige Reichsinnenminister und Reichskanzler der Weimarer Zeit, Dr. Joseph Wirth, erklärte als Zeuge vor dem Tribunal der Sieger in Nürnberg: „Alle deutschen Regierungen zwischen 1918 und 1933 und die deutsche Heeresleitung waren von der Sorge um den Bestand des Reiches beseelt, den sie innen- und außenpolitisch bedroht sahen. Bereits in den ersten Jahren nach dem Weltkrieg hatte Polen wiederholt versucht, Teile des Reichsgebietes gewaltsam vom Reich abzutrennen. Die Furcht vor weiteren Angriffen war nicht unbegründet. Nationalistische polnische Kreise forderten weitere Gebietsabtrennungen . . . Die Unruhe an der deutschen Ostgrenze war eine dauernde. In den Jahren 1930 und 1931 ging eine neue Welle großer Besorgnisse durch die Ostgebiete des Reiches. Als Reichsminister des Innern bereiste ich Schlesien, um den Vertretern aller Parteien klarzumachen, daß die Reichsregierung willens ist, Schlesien wie im Jahre 1921 zu verteidigen . . . Dabei war die Bewaffnung unserer Reichswehr kläglich. In keiner Weise war sie befähigt, der polnischen Armee längere Zeit zu widerstehen. Reichskanzler Dr. Brüning und Reichswehrminister Gröner beschlossen daher, bei einem Angriff der Polen Schlesien zu räumen. Wer an-

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Abstimmungsgebiet_durch_den_Koridor

gesichts dieser Tatsache noch behauptet, daß wir Angriffsabsichten gehabt hätten, ist zu bemitleiden. Allen Provokationen der Polen gegenüber blieben wir ruhig und gelassen. Es war angesichts der jammervollen Lage an den deutschen Ostgrenzen selbstverständlich, daß Umschau gehalten worden ist, wie man wehrpolitisch die Lage verbessern könne. Als süddeutsche katholische Demokraten war uns jeder Haß gegen Polen durchaus fern. Aber gerade meine Freunde und ich machten mit den Polen die bittersten Erfahrungen.” Das unter den Augen der Weltöffentlichkeit sich abspielende Verhalten der Polen gegenüber Deutschland war für jeden ersichtlich auf Krieg ausgelegt! Als dieser dann 1939 endlich ausbrach, stempelte man Deutschland bis heute als Alleinschuldigen ab, wobei doch die deutsche Regierung nachweislich alles tat, um diesen Krieg zu verhindern.

Konkret wurden die polnischen Kriegspläne 1933. Im November war der erst 38jährige Oberst Beck mit der Außenpolitik Polens betraut worden. Der neue Außenminister, der bis 1939 eine Schlüsselfigur der polnischen Außenpolitik blieb, war alles andere als ein Freund Deutschlands und pokerte sehr hoch, im Vertrauen auf Polens Armee.

Polens Ziel war es, die führende Stellung in Ostmitteleuropa zu erlangen. Pilsudski befürwortete unter diesen Umständen einen Krieg mit Deutschland. 1958 enthüllte Lord Vansittart, der bekannte Feind Deutschlands, die Kriegspläne Pilsudskis mit Einverständnis der britischen Regierung im Detail. Vansittart hieß dessen Pläne für richtig, da man 1933 einen Krieg gegen Deutschland noch mit 30000 Opfern statt mit dreißig Millionen Opfern hätte gewinnen können. Wäre es jetzt nicht auch an der  Zeit, fast fünfzig Jahre nach Kriegsende des Zweiten Weltkrieges, alle die großangelegten Planungen der späteren Siegermächte offenzulegen, die nur eines zum Ziel hatten: Deutschland endgültig zu vernichten? Man kann die Geschichte des 20. Jahrhunderts doch nicht auf einem derartigen Lügengewebe festschreiben wollen!

Da Pilsudski allein aber nicht marschieren wollte, baute er auf die Mithilfe Englands und Frankreichs bei dem geplanten Präventivkrieg. England lehnte dieses Vorhaben, wie Lord Vansittart bedauernd be-

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richtet, ab und beeinflußte auch Paris in diesem Sinne. Dazu der bekannte französische Militärhistoriker Ferdinand Otto Miksche: „Vergeblich hoffte Polen damals auf Frankreichs Zustimmung, gegen Deutschland Krieg zu führen.”

Um doch noch einen Krieg gegen Deutschland auslösen zu können, betrieb Polen mehrere Provokationen. Die gravierendste war die plötzliche Besetzung des Polen zugesprochenen Munitionsdepots auf der Wester-platte im Danziger Hafen mit weit stärkeren Truppen als vereinbart. Am 6. März 1933 setzte Polen noch einen weiteren Vertragsbruch, nachdem das Deutsche Reich aus dem Völkerbund ausgetreten war: Das polnische Kriegsschiff „Wilja” setzte am frühen Morgen Truppen auf der Westerplatte bei Danzig ab, mit denen die Besatzung nochmals, und zwar erheblich, verstärkt wurde. Dank der Besonnenheit der deutschen Seite blieben die erwarteten Zwischenfälle  zum Ärger der polnischen Führung aber aus. Dr. Wirth hatte recht, als er in Nürnberg aussagte: „Allen Provokationen Polens gegenüber blieben wir ruhig und gelassen.” Diesen Grundsatz beherzigte auch Hitler 1933.

Damit war die eigentliche Absicht Polens, einen Kriegsgrund herbeizuführen, gescheitert. Mit der überraschenden Aktion hatte es nicht nur Danzig und damit Deutschland bedroht, sondern auch einen unfreundlichen Akt gegenüber dem Völkerbund gesetzt, über dessen

bindende Vorschriften es sich hinweggesetzt hatte. Entsprechend groß war die internationale Erregung auch in der Presse, die aufsehenerregende Berichte über den „polnischen Coup auf Danzig” weltweit veröffentlichte. Sir John Simon, der britische Außenminister, kritisierte seinen polnischen Kollegen Josef Beck im Völkerbundsrat auf das schärfste. Beck gab bei der öffentlichen Ratssitzung in Genf schließlich die Zusage, die neu stationierten Truppen von der Westerplatte wieder abzuziehen. Eine Woche später zogen sie tatsächlich ab, was bei der Einstellung der polnischen Führung schon erstaunlich war. Ein dritter Versuch, einen Präventivkrieg zu organisieren, scheiterte im November 1933. Hitler bekundete gegenüber Polen mehrmals friedliche Absichten. Den Warnungen des deutschen Botschafters in Warschau, von Moltke, schenkte er wenig Gehör. Im Zeichen seiner Verständigungspolitik mit Polen stand auch seine bekannte Friedens-

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rede vom 17. Mai 1933. Der im Mai gewählte Danziger Senatspräsident Hermann Rauschning bemühte sich, die Polen-Danziger Konflikte zu bereinigen.

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Versuch einer deutsch-polnischen Verständigung

Nachdem Pilsudski für seine militärischen Pläne keine Unterstützung gefunden hatte, sah auch er sich gezwungen, seine Pläne zu ändern. Eine direkte Verständigung mit dem Reich erschien unter diesen Umständen sinnvoll. Bereits am 15. November 1933 trafen Hitler und der polnische Botschafter in Berlin, Lipski, zusammen, wobei der deutsche Reichskanzler nochmals versicherte, Deutschland wünsche Freundschaft mit Polen.Am nächsten Tag wurde in einem deutsch-polnischen Kommunique die Absicht verkündet, einen Nichtangriffspakt zu schließen. In der Unterredung, an der auch Reichsaußenminister von Neurath teilnahm, betonte der polnische Botschafter ausdrücklich, es sei stets der Wunsch des Marschalls gewesen, mit Deutschland freundschaftliche Beziehungen zu pflegen. Hitler anerkannte ausdrücklich den polnischen Staat und den polnischen Wunsch nach freiem Zugang zum Meer, ließ aber keinen Zweifel daran, daß der durch den Versailler Friedensvertrag geschaffene Zustand „für Deutschland unerträglich” sei. Bei gutem Willen und in freundschaftlicher Atmosphäre könne man auch schwierige Fragen einer friedlichen Lösung zuführen. Schon am 2. Mai 1933 hatte sich der deutsche Reichskanzler in ähnlicher Form gegenüber dem polnischen Gesandten Wysocki ausgesprochen. Über die unveränderte Absicht Deutschlands, die in Versailles geschaffenen Grenzen, die das Reich in zwei Teile spalteten, einer Revision zu unterziehen, konnte also schon 1933 kein Zweifel bestehen. Der deutsche Entwurf der geplanten deutsch-polnischen Erklärung wurde Pilsudski vom deutschen Gesandten in Warschau „mit aufrichtigen Grüßen” Hitlers übergeben. Außenminister von Neurath betonte in seiner Anweisung an den Gesandten von Moltke: „Zu Ihrer Information möchte ich noch daraufhinweisen, daß die Fassung in keiner Weise die Anerkennung der heutigen deutschen Ostgrenzen in sich schließt, sondern im Gegenteil zum Ausdruck bringt,

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daß mit dieser Erklärung eine Grundlage für die Lösung also auch der territorialen Probleme geschaffen werden soll.” Marschall Pilsudski nahm den deutschen Entwurf in einer herzlichen Atmosphäre entgegen, wie aus dem Bericht Moltkes an das Auswärtige Amt deutlich wird.Bereits am 26. Januar 1934 wurde die Erklärung der deutschen und der polnischen Regierung unterzeichnet, nachdem sich beide Seiten über den Vertragstext geeinigt hatten. Die wichtigsten Bestimmungen des Vertragswerkes lauteten:„Die deutsche und die polnische Regierung halten den Zeitpunkt für gekommen, um durch eine unmittelbare Verständigung von Staat zu Staat eine neue Phase in den politischen Beziehungen zwischen Deutschland und Polen einzuleiten. Sie haben sich deshalb entschlossen, durch die gegenwärtige Erklärung die Grundlage für die künftige Gestaltung dieser Beziehungen festzulegen . . . Beide Regierungen erklären ihre Absicht, sich in den, ihre gegenseitigen Beziehungen betreffenden Fragen, welcher Art sie auch sein mögen, unmittelbar zu verständigen … Unter keinen Umständen werden sie zum Zweck der Austragung von Streitfragen zur Gewalt schreiten.

Die durch diese Grundsätze geschaffene Friedensgarantie wird den beiden Regierungen die große Aufgabe erleichtern, für Problerne politischer, wirtschaftlicher und kultureller Art Lösungen zu finden, die auf einem gerechten und billigen Ausgleich der beiderseitigen Interessen beruhen.”

Das Abkommen beendete den neunjährigen Zollkrieg und leitete eine Reihe wirtschaftlicher und technischer Verträge ein. Hitler betrachtete es als ersten Schritt zu einer Verständigung mit Polen und zur Grundlage einer friedlichen Revision der Grenzen. Er war sehr stolz darauf, daß es ihm so schnell gelang, den Vertrag mit Polen zu schließen, nachdem es fünfundzwanzig Jahre lang nur Reibereien zwischen beiden Ländern gegeben hatte. Entsprechend wurde der Vertrag in der Öffentlichkeit hervorgehoben und seine Bedeutung betont. Das deutsch-polnische Verständigungsabkommen brachte allein durch sein Vorhandensein eine spürbare Entspannung in den Beziehungen beider Staaten mit sich. Aber den Worten folgten auf polnischer Seite

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in den wichtigsten Problemen, die es auf der Grundlage eines „gerechten und billigen Ausgleichs der beiderseitigen Interessen” zu lösen galt, keine Taten.

Auch die erhoffte Besserung der Behandlung der deutschen Minderheit nach Vertragsabschluß trat leider nicht ein. Im Gegenteil: Der deutsche Generalkonsul in Thorn beobachtete einen Monat später statt Verbesserung eine weitere Verschlechterung der Lage der deutschen Volksgruppe.

Bereits acht Monate nach Vertragsabschluß kündigte Polen, ohne Konsultierung einer deutschen Stelle, den Minderheitenschutzvertrag vom 28. Juni 1919. Dieser Vertrag wurde von der Friedenskonferenz nach dem Ersten Weltkrieg Polen, das Millionen von Nicht-Polen in sein Staatsgebiet einbeziehen durfte, zur Bedingung gemacht. Warschau hatte diesen Vertrag zu keinem Zeitpunkt beachtet. Weder gegenüber Ukrainern noch gegenüber Deutschen noch gegenüber Juden oder irgendeiner anderen Minderheit.

Immer wieder rief diese Politik Polens internationale Proteste hervor. So lautete der Text einer Protestschrift französischer Politiker, darunter der bekannte Sozialist Leon Blum, gegen die Behandlung der Minderheiten in Polen, die in Paris veröffentlicht wurde und in dem in Wien erschienenen Buch „La terreur blanche en Pologne” wiedergegeben ist: „Eine Woge des Terrors rollt in diesem Augenblick über Polen hinweg. Die Presse kann kaum davon sprechen, da sie geknebelt ist. Es handelt sich um ein Polizeiregime in all seiner Schrecklichkeit und in seinen Unterdrückungsmaßnahmen. Die Gefängnisse der Republik umschließen heute mehr als 3 000 politische Gefangene. Von ihren Kerkermeistern mißhandelt, beleidigt, mit Gürteln und Stöcken geschlagen . . . Das Leben, das man ihnen aufzwingt, ist derartig, daß in zahlreichen Gefängnissen die Gefangenen den Tod der Marter vorziehen.” Besonders unangenehm war für die polnische Regierung daher die Überwachung der Minderheiten-Politik durch den Völkerbund. Der Vertrag verbot unter anderem die Assimilierung durch Gewalt, die Unterdrückung der Muttersprache, von Vereinigungen und Presse sowie die wirtschaftliche Benachteiligung der Minderheiten. Entsprechend häufig kam es zu Beschwerden beim Völkerbund, die in der Regel mit scharfen Rügen der Politik Polens endeten.

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Der polnische Außenminister Beck hielt 1934 die Zeit für gekommen, den Minderheitenschutzvertrag in Genf aufzukündigen. Daß er damit in letzter Konsequenz zugleich auch das deutsch-polnische Abkommen vom 26. Januar 1934 gebrochen hatte, wollte man in Berlin jedoch nicht wahrhaben. In seinem offenkundigen Bestreben, die Polen in keiner Weise vor den Kopf zu stoßen, vermied es Hitler, beim Abschluß des Verständigungsvertrages ein fürsprechendes Wort für die Volksdeutschen in Polen einzulegen. Denn trotz der nunmehrigen polenfreundlichen Politik Berlins, betrieb Warschau gegenüber den nationalen Minderheiten seine systematische Polonisierungspolitik rücksichtslos weiter.

Mit dem Einmarsch deutscher Truppen in die entmilitarisierte Zone des Rheinlandes 1936 arbeitete Polen daraufhin, dem Gegner im Westen -Deutschland – den Fangstoß zu versetzen. Dies trotz des bereits zwei Jahre in Kraft befindlichen deutsch-polnischen Nichtangriffspaktes. Seit 1938 wurde die „Operationsstudie Deutschland” durch weitere Generalstabsanweisungen Frankreichs ergänzt und verbessert. Mehrmals also hatte Polen vor und nach 1933 geplant, das Deutsche Reich in Verbindung mit Frankreich anzugreifen. Bis zu dieser Zeit hatte es bereits die Hälfte aller Volksdeutschen, mehr als eine Million Menschen, aus Polen und den deutschen Ostgebieten, die an Polen gefallen waren, vertrieben. Dennoch schloß Hitler 1934 mit Polen den Freundschaftsvertrag, in dem ein zehnjähriger Verzicht auf jede Gewaltanwendung und die feierliche Regelung aller strittigen Fragen vereinbart wurden.

Da jede deutsche Regierung vor 1933 die von Versailles gezogene Ostgrenze Deutschlands nicht anerkannte, blieb die Grenzfrage auch in diesem Vertrag ausgeklammert. Dennoch anerkannte Hitler als erster deutscher Politiker grundsätzlich für Polen den freien Zugang zur Ostsee. Hitler bemühte sich seit 1938 allerdings um eine neue Regelung gegenüber Danzig und eine verbesserte Durchgangsmöglichkeit durch den „Polnischen Korridor”, der bekanntlich Ostpreußen von jeder Landverbindung nach Deutschland absperrte. Die Reichsregierung erfuhr über den deutschen Botschafter in Warschau, von Moltke, am Abend des 28. März 1939, daß weitere Bemühungen um diese Frage die polnische Kriegserklärung zur Folge haben würde. Das gleiche

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hatte der polnische Botschafter in Berlin, Lipski, zwei Tage zuvor zum Ausdruck gebracht.

Am 10. August 1938 wurde in einer polnischen Note an die deutsche Reichsregierung jede weitere Interessenvertretung Danzigs durch Deutschland als Kriegsgrund bezeichnet. (Weißbuch der polnischen Regierung, Dok. Nr. 86.)

In dem erwähnten Bericht des deutschen Botschafters von Moltke aus Warschau vom 28. März 1938 brachte dieser der Reichsregierung eine Meldung zur Kenntnis, die die gleiche Sprache redete: „In der polnischen Selbstsicherheit und Überschätzung der eigenen militärischen Stärke, wie sie in der gesamten polnischen Presse zum Ausdruck kommt, liegt eine große Gefahr.”

Daß es sich dabei nicht nur um eine Pressepropaganda handelt, zeigt eine verbürgte Äußerung des polnischen Vizekriegsministers Glu-chowski, der in einer seriösen Unterhaltung ausführte, „die deutsche Wehrmacht sei ein großer Bluff, denn Deutschland fehlen die ausgebildeten Reserven, um seine Verbände auffüllen zu können. Auf die Frage, ob er glaube, daß Polen im Ernst Deutschland überlegen sein könne, erwiderte Gluchowski: ,Aber selbstverständlich!'” (Deutsches Weißbuch Nr. 2, Dok. 210).

Noch am 26. September 1938 hatte Hitler im Berliner Sportpalast erklärt: „Wir sehen ein, daß hier zwei Völker sind, die nebeneinander leben müssen und von denen keines das andere beseitigen kann. Ein Staat von dreiunddreißig Millionen Menschen (Polen) wird immer nach einem Zugang zum Meer streben. Es muß daher ein ,Weg der Verständigung’ gesucht werden.”

Im Sommer 1938 hatte der polnische Außenminister Beck dem Hochkommissar des Völkerbundes in Danzig, Carl J. Burckhardt, erklärt: „Wir werden ohne Druck und Drohung mit dem Deutschen Reich über manche aus dem Versailler Vertrag übriggebliebenen Schwierigkeiten reden können. Die hybride Gründung der ,Freien Stadt Danzig’ 1920 hat doch nur mit der Absicht stattgefunden, dauernde Unstimmigkeiten zwischen Polen und Deutschland zu stiften.” (Burckhardt, Carl J.: Meine Danziger Mission 1937 bis 1939.) Auch der englische Außenminister Halifax hatte aus eigenem Antrieb im November 1937 in Berchtesgaden Hitler das feierliche Versprechen ge-

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geben, daß England nicht die geringsten Einwände gegen eine friedliche Wiedervereinigung der alten deutschen Stadt Danzig mit Deutschland haben würde, ja er würde dieses sogar unterstützen. Doch die Grundregel der englischen Diplomatie war es stets, nie ein Versprechen zu halten. Am 20. September 1938 hatte dann der polnische Botschafter in Berlin, Lipski, die Regelung der Danziger Frage vorgeschlagen, so daß die nachfolgende deutsche Initiative vom 28. Oktober 1938 die durchaus logische Weiterentwicklung dieser Sachlage darstellte. Den letzten Anstoß zu den deutschen Vorschlägen vom 24. Oktober 1938 gab ein Schriftwechsel zwischen dem polnischen Botschafter Lipski und dem deutschen Staatssekretär von Weizsäcker. In dem polnischen Schreiben ging es am 22. September 1938 um das polnische Ersuchen, die Abtretung der zur Tschechoslowakei gehörenden Karpatho-Ukraine an Ungarn zu unterstützen.

Von Weizsäcker gab diesen Vorschlag an den Reichsaußenminister von Ribbentrop und an Hitler weiter und empfahl: „Ernsthaft zu prüfen, ob man nicht mit Polen ein größeres Gespräch beginnen und für eine Zustimmung zum polnischen Ersuchen eine Kompensation fordern könne.” (ADAP Band V, Dok. 54 und Band IV, Dok. 83.) Hitler stimmte diesem Vorschlag zu und ordnete an, die Verhandlungen zuerst nur mündlich zu führen, um ohne Gesichtsverlust einen Rückzieher machen zu können, falls sich die Verhandlungen festliefen. Der deutsche Vorschlag wurde in fünf Punkten formuliert. Er sah eine Stärkung des deutsch-polnischen Verhältnisses vor und war zugleich auch der Stärkung der Abwehrkraft beider Seiten gegen den Bolschewismus gewidmet. Sein Inhalt:

„Danzig gehört als Freistaat in den Rahmen des Deutschen Reiches zurück. Deutschland erhält eine exterritoriale Straße und eine Bahnlinie durch Westpreußen.”

Dafür wollte Hitler Polen folgende Zugeständnisse machen: „

1. Sicherung der wirtschaftlichen Rechte Polens in Danzig und einen Freihafen dort.

2. Anerkennung der Endgültigkeit der jetzt bestehenden Grenzen zwischen Deutschland und Polen.

3. Abschluß eines Nichtangriffpaktes mit Polen für einen Zeitraum von fünfundzwanzig Jahren.

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4. Garantierung der Slowakei gemeinsam mit Polen und Ungarn und Verzichtleistung auf die deutschen Vormachtstellungen in diesem Raum.

5. Unterstützung Polens im Falle eines militärischen Angriffs der Sowjetunion auf dieses Land.”

In den folgenden Wochen wurde Hitler durch den polnischen Außenminister in dem Glauben bestärkt, daß Polen tatsächlich ein Gespräch über diese Fragen und abschließende Klärung wünsche. Während eines Gespräches mit dem polnischen Außenminister Oberst Beck am 5. Januar 1939 in Berchtesgaden formulierte Hitler dem Polen gegenüber seine Absichten folgendermaßen:

„Sie können völlig beruhigt sein! In Danzig wird niemand vor vollendete Tatsachen gestellt. Es wird nichts unternommen werden, daß die Lage der polnischen Regierung schwieriger gestalten könnte.” (Weißbuch der polnischen Regierung 1940, Nr. 24 und 29.) Dazu erklärte Außenminister Beck, daß er die deutsche Einstellung voll zu würdigen wisse und das ganze Problem in Ruhe überlegen würde, um dann zu einer Entscheidung zu gelangen. Ende Januar 1939 fuhr dann Reichsaußenminister von Ribbentrop nach Warschau. Dort unterstrich er den Wunsch Hitlers auf ein eigenes Zusammengehen mit Polen. Er schilderte Hitlers Absicht, auf Posen, Westpreußen und Oberschlesien zu verzichten, und schlug einen fünfundzwanzig Jahre dauernden Nichtangriffspakt vor. Am 26. März 1939 jedoch sah alles wieder ganz anders aus. England war zwischen diese sich anbahnende Verständigung getreten. Botschafter Lipski, nach Warschau zurückgerufen, kehrte in diesen Tagen von dort nach Berlin zurück. Er brachte die polnische Weigerung mit, auch nach diesen deutschen Opfern werde Polen in der Frage Danzig keinen Millimeter zurückweichen. In Polen wurden Reservisten zu den Waffen gerufen.

Am 31. März und 1. April 1939 erhielt Polen eine Garantie Englands, in der Polen die volle englische Rückendeckung und die Hilfe in jedem Kriegsfall gegen Deutschland zugesichert wurde. Frankreich verpflichtete sich ganze zwei Tage später, im Falle eines deutschen Angriffs gegen Polen an seiner Ostgrenze gegen die „Siegfried-Linie” anzutreten und Deutschland niederringen zu helfen.

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Was war geschehen, daß Polen innerhalb von zwei Monaten eine Kehrtwendung um 180 Grad vollzog, die deutschen Vorschläge mit den darin enthaltenen Verzichtsopfern in den Wind schlug und seine Truppen mobilisierte? Und gleich die zweite Frage dazu gestellt: Was wäre geschehen, wenn Polen die deutschen Vorschläge akzeptiert hätte und es wäre zu einer Einigung zwischen Deutschland und Polen gekommen? Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit kann die Antwort auf die zweite Frage lauten: Dieses deutsche Angebot hätte von Polen angenommen werden müssen, und somit wäre dieser schreckliche Krieg verhindert worden. Das Problem „Danzig”, im Jahre 1945 im Nachhinein betrachtet, war so winzig und unbedeutend, daß es unglaublich erscheint, eine Verständigung darüber Anfang 1939 nicht erreichen zu können. Eine große Zahl maßgeblicher Politiker Europas haben seit dem Versailler Vertrag immer wieder darauf hingewiesen, wie dumm und gefährlich es damals war, eine solche Entscheidung zu treffen.

Aber nun die Antwort auf die erste Frage, weshalb Polen plötzlich umschwenkte: Bekanntlich war im Frühjahr 1938 und im Herbst des gleichen Jahres Österreich und das Sudetenland ins Deutsche Reich „heimgekehrt”, nachdem ihnen dieser Wunsch nach Kriegsende 1918 verweigert worden war. Es war eine um zwanzig Jahre verspätete Erfüllung des versprochenen Selbstbestimmungsrechtes. Die allgemein positive Bewertung des Münchener Abkommens vom 1. Oktober 1938 wurde auf selten des Westens lediglich vom amerikanischen Präsidenten Franklin D. Roosevelt nicht geteilt. Als der eigentliche weltpolitische Gegenspieler Hitlers hatte er schon ungleich früher als andere ausländische Politiker gegen Faschismus und Nationalsozialismus Stellung bezogen. Er bezeichnete beide Ideologien als politische Seuchen, die er unter „Quarantäne” gestellt sehen wollte. Das Münchener Abkommen bewertete seine Regierung als „die Kapitulation der demokratischen Staaten” und als ein „Zeichen ihrer Schwäche” gegenüber dem Deutschen Reich.

Nach Roosevelts Auffassung sollten die Westmächte „auf keine Diskussionen eingehen, die irgendwelche Gebietsänderungen bezwecken”. England, Frankreich und ihre Verbündeten schwenkten bekanntlich auf diese feste Linie des amerikanischen Staatschefs ein, als Hitler im

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Frühjahr und Sommer 1939 weitere territoriale Ansprüche anmeldete und mit der Errichtung des „Reichsprotektorates Böhmen und Mähren” augenscheinlich über die Volkstumsgrenzen hinausgriff. Die nun folgende Verwandlung der Rest-Tschechei in ein Protektorat des Deutschen Reiches war zwar nicht selbstbestimmungsgemäß, doch wird meist tatsachenwidrig verschwiegen, daß an der Aufteilung der Tschechoslowakei insgesamt fünf Staaten beteiligt waren: Das Deutsche Reich, Polen, Ungarn, die Slowakei und später auch die UdSSR.

Ohne das an Deutschland mit Hilfe des Münchener Abkommens endlich angegliederte Sudetenland und die selbständig gewordene Slowakei waren Böhmen und Mähren kaum lebensfähig. Hitler gewährte den Tschechen Autonomie, was sie selber den Sudetendeutschen beharrlich verweigert hatten.

Von selten der Westmächte wurde dem tschechischen Staatspräsidenten vorgeworfen, er hätte seine Einverständniserklärung unter deutschem Druck abgegeben. Demgegenüber erklärte Präsident Hacha am 22. März 1939 vor ausländischen Journalisten, daß er aus eigener Initiative am 14. März nach Deutschland gereist sei, um einen Weg aus der hoffnungslosen Krise zu finden. Dem von Hacha mit den Deutschen am 15. März unterzeichneten Vertrag waren Verhandlungen vorausgegangen. Vor diesen Verhandlungen in Berlin hat kein deutsches Schriftstück vorgelegen.

Wegen dieser Geschehnisse im März 1939 und dem Druck des amerikanischen Präsidenten Roosevelt auf die westlichen europäischen Großmächte und Polen ist die gestellte Frage hinreichend beantwortet. Die „graue Eminenz” jenseits des Atlantik wünschte vor allem aus wirtschaftlichen Erwägungen unbedingt einen neuen großen Krieg in Europa, um der maroden US-Wirtschaft auf die Beine zu helfen, wie es Roosevelt unter seinem Lehrmeister Woodrow Wilson im Ersten Weltkrieg schon einmal erlebt hatte. Und dahinter stand die ungeheure internationale Macht des Dollarimperialismus mit ihren Zentren in der Wallstreet und der Londoner City.

Wer maßgeblich die Schalthebel dieser weltweiten Macht und Hochfinanz bediente, wurde bereits am 24. März 1933, fünfundfünfzig Tage nach Hitlers Regierungsübernahme, erkennbar. An diesem Tage veröf-

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fentlichte der Londoner „Daily Express” die erste „jüdische Kriegserklärung” an Deutschland. „Das Judentum erklärt Deutschland den Krieg!” – lautete die balkengroße Überschrift auf der Titelseite. Fünf Monate später, am 6. August 1933, rief Samuel Untermeyer, Führer der „World Jewish Economic Federation” (Jüdische Weltwirtschaftsvereinigung) zum „Heiligen Krieg” gegen Deutschland auf. Diese beiden und fünf weitere Kriegserklärungen, Boykottaufrufe und Beschlüsse, mit Ausnahme der zwei letzten im Jahre 1941, von jüdischen weltweiten Vereinigungen und führenden Persönlichkeiten fanden statt, als die nationalsozialistische Regierung noch keine, wie immer gearteten antijüdischen Maßnahmen ergriffen hatte. Näheres darüber in Kapitel IX. Auftretende Zweifel, ob die Kriegserklärungen des Weltjudentums bzw. des Jüdischen Weltkongresses unter seinem damaligen Präsidenten Chaim Weizmann an Deutschland völkerrechtlich überhaupt gültig sein konnten (ein Staat Israel gab es noch nicht), beseitigte im „Eichmann-Prozeß” in Jerusalem Richter Halevi mit den Worten: „Es gab tatsächlich eine Erklärung von Professor Chaim Weizmann aus dem Jahre 1939, die man als ,Kriegserklärung’ des Judentums an Deutschland verstehen konnte.” (Erich Kern, „Deutschland im Ab-grund”, Göttingen 1963, Seite 203.)

Der Schlüssel zum Verständnis der Entwicklung zum Zweiten Weltkrieg, für den Niedergang des britischen Weltreiches und die Niederlagen von Polen, Frankreich, Italien und Deutschland, ist der geheime Roosevelt-Stalin-Pakt von 1933.

„Die Tatsachen des FDR-Stalin-Bündnisses von 1933 sind von den offiziellen Vertretern nie öffentlich eingestanden worden. Das Geheimnis des Bündnisses von 1933 wurde mir 1947 persönlich bestätigt, als ich Gast in Bullitts Haus in Washington, DC, war. Ich wurde Bullitt durch meinen bedeutendsten Harvard-Professor William Langer (1896-1977) vorgestellt. Langer war im Zweiten Weltkrieg Chef der geschichtlichen Abteilung des OSS, des damaligen CIA. Bullitt war von 1933 bis 1936 als FDRs Wunschbotschafter in Moskau, anschließend Botschafter in Paris …” (David Hoggan, „Meine Anmerkungen zu Deutschland”, Seite 18/19.)

„Der Hauptgrund für den Umschwung der britischen Politik von Appeasement zum Krieg dürfte die ultimative Drohnote des amerikani-

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sehen Präsidenten Roosevelt an Chamberlain vom 16. März 1939 gewesen sein”, behauptet Historiker Dr. Georg Franz-Willing. In dieser Note, die unveröffentlicht sei und durch eine Enthüllung der US- Journalisten Allen und Pearson in der „Washington Times Herald” vom 14. April 1939 bekanntgeworden sei, steht, „daß England mit keinerlei Unterstützung von den Vereinigten Staaten mehr rechnen könne, wenn die britische Regierung an der Münchner Politik festhalte”. Dahinter stand bei den Amerikanern auch die Besorgnis, die von der britischen Regierung geplanten Wirtschaftsverhandlungen mit Deutschland könnten die britisch-amerikanischen Handelsbeziehungen gefährden”, schreibt Franz-Willing ferner. Diesem Druck Washingtons im Verein mit der innenpolitischen Opposition gegen die Appeasementpolitik habe sich Premier Chamberlain beugen müssen. (Franz-Willing, „Der Zweite Weltkrieg”, Seite 120.)

Diese ultimative Drohnote des amerikanischen Präsidenten Roosevelt an London war Wasser auf die Mühlen des britischen Außenministers Halifax und des späteren Premier Winston Churchill. Beide verfolgten eine unbeugsame harte Kriegspolitik und waren in Europa die Hauptverantwortlichen für den Zweiten Weltkrieg, dessen Kurs „von den geheimen Segenswünschen Roosevelts und Stalins begleitet” worden sei. Polen mit seinem Außenminister Oberst Beck war „nur ein Zündholz” in ihren Händen, das die Fackel des Krieges in Europa entzünden sollte. Die polnische Teilmobilmachung Ende März 1939 und die englische Garantieerklärung für Polen vom 31. März 1939 kann man als „diplomatischen Tiefschlag” für das Deutsche Reich bezeichnen. Nach Wochen hoffnungsvollen Aufeinanderzugehens zwischen Deutschland und Polen im Herbst 1938 und zu Beginn 1939 nun diese plötzliche Kehrtwendung. Die britische Regierung mit ihrer Garantieerklärung überließ einem Land wie Polen die Entscheidung über Krieg oder Frieden in Europa.

Als Folge dieser Ereignisse wurde eine hysterische Reaktion deutscherseits erwartet. Stattdessen beauftragte Hitler lediglich das Oberkommando der Wehrmacht damit, einen für den Eventualfall notwendigen Operationsplan gegen Polen auszuarbeiten. Dies geschah am 3. April 1939. Er bedeutete keinen Entschluß zum Kriege, sondern war eine notwendige Reaktion auf die Tatsache, daß

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Polen seit vielen Jahren einen solchen Operationsplan gegen Deutschland vorliegen hatte und nun dazu übergehen wollte, diesen in die Tat umzusetzen. So waren die Operationspläne und die Freundschaftsabkommen mit Frankreich und England bewertet, wenn man, mit normalem Gehirn versehen, die Weigerung zu einer Verständigung mit Deutschland über Danzig betrachtete.

Polen wollte, wie einige Geheimberichte ebenso wie öffentliche Forderungen in der polnischen Presse dies ausdrückten, „Danzig, Ostpreußen und das gesamte ostwärtige Odergebiet an sich bringen”. Da Englands und Frankreichs Garantien für Polen bekanntgegeben wurden, erklärte Hitler in seiner Reichstagsrede vom 26. April 1939 den deutsch-englischen Flottenvertrag ebenso wie den deutsch- polnischen Freundschaftsvertrag als „von der Gegenseite zerrissen”. Diese britisch-französische Hilfserklärung für Polen, offen und eindeutig gegen Deutschland gerichtet, stand im Widerspruch zu den nur wenige Monate vorher auf der Münchener Konferenz unterzeichneten Friedens- und Freundschaftserklärungen der genannten Länder, die jede Gewaltanwendung ausgeschlossen hatten. Der deutsche Einmarsch in das mitten zwischen Berlin und Wien gelegene Prag war für das Verhalten Englands und Frankreichs nur ein Scheinargument, das allerdings Wirkung hatte.

Der deutsche Zeitgeschichtler Heinrich Härtle führte zwölf Argumente an, die beweisen sollen, daß der Ausbruch des deutsch-polnischen Krieges am 1. September 1939 nicht allein durch die Schuld Deutschlands zu erklären sei:

„1. Der völkerrechtliche und moralische Anspruch der Grenzrevision gegenüber Polen konnte auch von den Feindmächten nicht bestritten werden. Dies um so mehr, als der neue polnische Staat seine Existenz nur dem deutschen Sieg über Rußland 1917 verdankte.

2. Nur durch die englische Einmischung und ,Garantie’ konnte Polen die deutschen Angebote ablehnen, zumal es bis dahin mit Deutschland vertraglich gebunden war.

3. Der blutige Terror gegen die Deutschen, die massenhafte Ermordung von Volksdeutschen in Polen, die Deutschland zum Handeln veranlaßte, hätte nie solche Ausmaße angenommen ohne die englische Blankovollmacht für die polnische Chauvinisten.

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4. England hat trotz seiner durch die Garantie entstandene Mitschuld nichts Entscheidendes getan, um die polnische Generalmobilmachung zu verhindern, die der unmittelbare Anlaß für den deutschen Einmarsch gewesen ist…

5. England, das die Polen durch unerfüllbare Versprechungen zu ihrem Amoklauf verführt hatte, überließ das Land nach Ausbruch des Konfliktes seinem Schicksal. Die englische Regierung hat Polen nur die Vernichtung .garantiert’.

6. Während England den Polenkonflikt zur Kriegserklärung gegen Deutschland . . . benutzte, hat es Sowjetrußland, das ohne dringenden Grund Polen angriff und Ostpolen raubte, nicht nur durch keine Kriegserklärung bekämpft, sondern sich zwei Jahre später sogar mit jenem aggressiven Sowjetrußland verbündet.

7. Schon während des Krieges und 1945 in Potsdam hat England Polen zum Satelliten Rußlands erniedrigen lassen und den russischen Raub Ostpolens ausdrücklich sanktioniert.

8. England hat alle Versuche, Polen durch eine rechtzeitige Beendigung des Konfliktes noch zu retten, zurückgewiesen: a) die Aktionen des Schweden Dahlerus und Görings; b) das Vermittlungsangebot Italiens am 2. September 1939, durch das sich Deutschland bereiterklärte, den siegreichen Vormarsch zu stoppen, sich auf Danzig und den Korridor zu beschränken und an einer europäischen Friedenskonferenz teilzunehmen.

9. England hat am 2. und 3. September 1939 die bereits vorliegende französische Zustimmung zu einer solchen Beendigung des Polenkonfliktes sabotiert und damit dessen Ausweitung zum Weltkrieg bewußt vorbereitet.

10. Frankreich und England haben das deutsche Friedensangebot nach dem Sieg über Polen brüsk abgelehnt. . .

11. England hat auch das deutsche Friedensangebot nach dem Sieg über Frankreich höhnisch zurückgewiesen . . . England hat die gleichzeitigen Friedensbemühungen neutraler Staaten und des Vatikan scheitern lassen.

12. England hat sich im Garantievertrag vom 25. August 1939 (§ 2) durch einen geheimen Zusatzvertrag verpflichtet, jeden Vorschlag, Danzig in das Deutsche Reich heimkehren zu lassen, abzulehnen. Dieses Geheimabkommen beweist, daß die angeblichen englischen

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Vermittlungsversuche nur Heuchelei gewesen sind.” (Härtle, „Freispruch”, Seite 305-307.)

Als kriegstreibende Mächte im Hintergrund meint Härtle vor allem Großkapitalisten in den USA erkennen zu können: „Für den Ersten und Zweiten Weltkrieg erheben Millionen Tote und Verwundete, auch amerikanische, eine noch durch kommende Jahrhunderte gellende Anklage gegen die Finanzpiraten der Wallstreet.” Eine Begründung dieser Anklage habe der amerikanische Botschafter in London, W. H. Page, geliefert, was im Dezember 1934 durch den Nye-Ausschuß des US-Senates enthüllt worden sei. Der Botschafter habe am 5. März 1917, fünf Wochen vor der US- Kriegserklärung, an Präsident Wilson telegraphiert: „Höchstwahrscheinlich ist der einzige Weg, unsere augenblicklich beherrschende Handelsposition aufrechtzuerhalten und eine Panik zu vermeiden, der, Deutschland den Krieg zu erklären . . . Auf diese Weise würden wir den Profit eines ununterbrochenen und wahrscheinlich sich noch erweiternden Handels auf lange Jahre hinaus ernten.” (Härtle, „Amerikas Krieg”, Seite 49 f.) Mit „scheelen Augen” habe man in den USA auf den europäischen Handel geblickt, „auf Länder des Kontinents, die man als Dollar-Kolonien betrachtete. Und hier ist auch eine der ersten Ursachen für F. D. Roosevelts antideutsche Politik zu finden.” Der Eintritt Amerikas in den Ersten Weltkrieg sei ein Vorbild für den US-Kriegseintritt 1941 gewesen.

„Hätte Amerika 1917 nicht in den europäischen Krieg eingegriffen, so hätte der erste Weltkrieg mit einem Patt geendet, und ein neues Gleichgewicht der Kräfte wäre daraus hervorgegangen.” (Härtle, a. a. O., Seite 103.) Im Februar 1938 habe US-Präsident Roosevelt dem prominenten englischen Tory- Politiker Lord Elibank geschrieben, er sei mit Leib und Seele damit beschäftigt, „die amerikanische Öffentlichkeit dazu zu erziehen, sich einem Kreuzzug gegen Hitler anzuschließen”. Hauptziel Roosevelts sei der Krieg gegen Deutschland gewesen. „Dieses Ziel war auf dem Umweg über Japan nur dann zu erreichen, wenn der japanische Angriff die amerikanische Bevölkerung wie ein elektrischer Schlag traf, den Kongreß in Raserei trieb und eine Kriegspsychose erzeugte, die alle vernünftigen Überlegungen betäubte … Diese Schuld Roosevelts wird bestätigt durch seinen fähigsten Generalstäbler, Ge-

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neral Wedemeyer. ,Wir wissen heute, dank der erschöpfenden Durchforschung der deutschen Geheimarchive während des Nürnberger Prozesses, daß es niemals einen Angriffsplan auf die USA gegeben hat’.” (Härtle, a. a. O., Seite 166/290.)

3. Der „erzwungene” Weg zum Krieg

„Es kann doch nicht sein, daß derjenige, der den Krieg nicht wollte, gegenüber denjenigen, die ihn unter allen Umständen wollten, zum Alleinschuldigen am Kriegsausbruch verdammt wird!” Trotz der polnischen Teilmobilmachung und der so schicksalsschweren britischen „Garantieerklärung” war der einzige  Hoffnungsschimmer die geduldige Haltung Hitlers gegenüber Polen. Allein diese Bemühungen Berlins in den ersten acht Monaten des Jahres 1939 könnten ein Buch füllen. Man war bemüht, keinen Druck auf Polen auszuüben, und die späteren Vorgänge beweisen, daß Hitler bis ins Unendliche auf die Antwort Polens gewartet hätte, wäre Beck nicht ungeduldig geworden und hätte Hitler zum Handeln gezwungen, genau wie Benesch und Schuschnigg es getan hatten. Es ist die reinste Ironie, Hitler im Zusammenhang mit seiner Politik der Gebietsrevisionen Ungeduld nachzusagen, während es nachweislich jedesmal die Ungeduld seiner Gegner war, die die Entscheidung erzwang. Dazu der berühmte amerikanische Geschichtsprofessor David L. Hoggan in seinem aufsehenerregenden Werk, 14. Auflage:

„Ein Einvernehmen mit Deutschland hätte Polen eine starke Stellung gegeben, von der aus es gelassen in die Zukunft hätte blicken können. Die von Ribbentrop angebotenen Bedingungen bildeten eine ideale Grundlage für eine dauerhafte Verständigung. Die für Danzig vorgesehene Lösung hätte die immer wieder auftauchenden Probleme unter Voraussetzungen geklärt, die eminent befriedigend für beide Länder gewesen wären. Die deutsche Bereitschaft, zwanzig Jahre nach dem Versailler Vertrag die polnischen Grenzen von 1919 anzuerkennen, ist ein einmaliges Phänomen in den Annalen der Diplomatie. Die Lösung der polnischen Frage im Jahre 1919 war für Deutschland weitaus ungerechter als die deutsche Lösung im Jahre 1871 für Frankreich. Nichtsdestoweniger wäre die freiwillige Anerkennung der

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deutsch-französischen Grenze von seilen der französischen Regierung im Jahre 1890 einfach undenkbar gewesen. Die Vorspiegelung wirksamer britischer Unterstützung für die Verwirklichung ihrer Großmachtträume blendete die polnische Führung und hinderte sie, diese schlichte Tatsache zu erkennen.

Das Großpolen von 1750 war ein gefährliches Erbe, das ihr Urteil trübte. Der britische Plan, Deutschland zu vernichten, aber war das Verhängnis, das ihre Urteilskraft untergrub.” (Hoggan, Der erzwungene Krieg, Seite 201 f.)

Am 7. Juni 1939 unterzeichneten Estland und Lettland einen Nichtangriffspakt mit dem Deutschen Reich. Ähnliche Verträge hatte auch die UdSSR mit den baltischen Staaten. Im August 1939 wurde in Moskau der deutsch-sowjetische Nichtangriffspakt mit dem dazugehörigen „Geheimen Zusatzprotokoll” unterzeichnet. Über dieses „Geheime Zusatzprotokoll” wird viel Unsinn geschrieben und hineingedichtet, so daß man annehmen muß, daß niemand das Protokoll gelesen hat.

Darin steht nur, daß das Deutsche Reich kein Interesse an den baltischen Staaten nördlich von Litauen hat. Das bedeutet doch nicht, daß Hitler die Russen aufgefordert hatte, die baltischen Staaten zu überfallen und ihre Führungsschicht grausam zu ermorden. Dagegen schreibt Churchill in „Der zweite Weltkrieg” (Seite 471): „Für russische Hilfe bei der Vernichtung Deutschlands hatte England den Russen die baltischen Staaten versprochen.” – Mit wilder Gier stürzten die sich auf die baltischen Staaten und liquidierten erbarmungslos alle politischen Gegner.

Die englische Polen-Garantie bewirkte auch eine Zunahme der Ausschreitungen gegen die Deutschen in den ehemals deutschen Gebieten. Aus Ost-Oberschlesien und Posen wurden brutale Übergriffe von polnischen Banden auf Volksdeutsche gemeldet. Die deutsche Bevölkerung ist teilweise derart verängstigt, daß sie sich tagsüber nicht mehr auf Straßen und Felder wagt und die Nächte aus Angst vor Überfällen in irgendwelchen Verstecken verbringt. Tausende von ihnen haben die Krise schließlich mit ihrem Leben bezahlt. Sie waren die ersten Opfer der Kriegspolitik von Beck, Halifax und Roosevelt, die später Millionen Menschen in verschiedenen Teilen der Welt den Tod brachte.

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Der Historiker Hellmuth G. Dahms veröffentlicht in seinem Buch 1960, „Der Zweite Weltkrieg”, Zahlen, die beweisen, daß über 3000 Angehörige der deutschen Minderheit in Polen vor Ausbruch der Feindseligkeiten am 1. September 1939 von den Polen barbarisch getötet wurden. Es erhebt sich die Frage, ob irgend eine andere Großmacht auf der Welt ein solches Abschlachten geduldet hätte. Das Auswärtige Amt in Berlin konnte eine riesige Sammlung von eingehenden Berichten über die Ausschreitungen gegen Deutsche in Polen vorlegen. Seit März 1939 waren über 1500 Dokumentarberichte eingegangen, die ein erschütterndes Bild der Grausamkeit und des menschlichen Elends boten.

Vom März 1939 bis 31. August 1939 berichteten polnische Zeitungen und besonders der „Krakauer Ilustrany Kurier” von militärischen Grenzverletzungen und Überfällen auf deutsches Gebiet, ohne daß Hitler es wagen würde, etwas dagegen zu unternehmen! – Hier zwei Zeitzeugen unter vielen:

–  Aus einem Bericht von Heinrich-Julius Rotzoll, Goch (früher Königsberg) vom 25. Juni 1990:

„Das Heeres-Artillerie-Regiment 57 aus Königsberg/Preußen kam Mitte August 1939 an die von Polen gefährdete Grenze. Wir bezogen die Bereitstellung bei Garnsee, Kreis Neidenburg/Ostpreußen. Die Stellung meiner Batterie lag in einem Maisfeld. In diesem Raum war bereits seit Wochen die Arbeit auf den Feldern zum Lebensrisiko geworden. Bis in sieben Kilometer Tiefe in ostpreußisches Reichsgebiet fielen aus Polen sengende und mordende Kavallerietrupps ein. Dieses begann bereits seit Juli 1939. Soweit das Auge reichte, konnte man in den Abendstunden Rauch und Feuer sehen. Die brennenden Häuser und Dörfer wurden von polnischen Kavallerietrupps provokatorisch angesteckt. Wer sich von der deutschen Bevölkerung aus den brennenden Häusern ins Freie rettete oder das Feuer löschen wollte, wurde niedergemacht.

Um diesen Umtrieben Einhalt zu gebieten, erhielt meine Batterie am 23. August 1939 den Befehl, ein Jagdkommando aufzustellen. Als Wachtmeister bekam ich das Kommando unterstellt und auch den Einsatzbefehl. Am ersten Tag des Einsatzes war unser motorisierter Stoßtrupp eine halbe Stunde zu spät in den Einsatz gekommen – eine

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mordende polnische Schwadron raste bereits in Richtung der schützenden Grenze. Die Spuren waren grausam; in den Feldwegen und auf den Feldern fanden wir Leichen von deutschen Bauern. Diese waren mit Säbeln zerfetzt oder erschossen worden . . . Doch bereits am 26. August 1939 stellte unser Kommando einen polnischen Reitertrupp in einem Zuckerrübenfeld unweit von Garnsee. In unseren MG-Garben wurde die polnische Kavallerie aufgerieben. Siebenundvierzig polnische Reiter waren auf reichsdeutschem Boden gefallen . . . Als unsere Einheit am 1. September 1939 um fünf Uhr zum Sturmangriff überging, fanden wir jenseits der polnischen Grenze frische Gräber von deutschen Zivilisten. Auch blutige und zerfetzte Kleidungsstücke von Zivilisten lagen auf Wegen und Straßenrändern herum. Auch von polnischen Kriegsgefangenen bekamen wir die Bestätigung, daß provokatorische Angriffe auf die Zivilbevölkerung auf deutschem Reichsgebiet vor dem 1. September 1939 befohlen worden sind . . .”

–  Aus einem Bericht von Frau L. S., 32312 Lübbecke (früher Bomst) vom 23. Juli 1990:

„Im Sommer 1939 kamen von April bis kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges Hunderte, nein, Tausende von deutschen Familien an seichten Stellen durch die Sümpfe gewatet, beziehungsweise durch die Obraseen geschwommen, hindurch zu uns vor die Türen, abends spät, daß keiner sie sah, und bettelten um Brot oder Milch für die Babys und um trockenes Zeug. Wir waren zunächst sprachlos und wußten nicht, was los war. Sie berichteten immer wieder folgendes: ,Wir sind schon seit vielen Wochen auf der Flucht vor den Polen, wir werden einfach auf den Straßen und Feldern erschossen, wir sind unseres Lebens nicht mehr sicher, die Polen verfolgen alle Deutschen.’ Und warum, fragten wir? ,Die polnischen Pfarrer reden und hetzen von den Kanzeln: Schlagt die Deutschen tot, wo immer ihr sie trefft. Schießt sie über den Haufen, vernichtet die ganze deutsche Brut. . .’ Diese Völkerwanderung dauerte während des ganzen Sommers an, zuletzt kamen nur noch ganz wenige, weil die Grenze stark bewacht wurde.” („Die deutschen Ostgebiete”, Verlag für ganzheitliche Forschung und Kultur.) Außer diesen verabscheuungswürdigen Greueltaten an den Volksdeutschen in Polen und den Grenzverletzungen und Überfällen durch

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reguläres polnisches Militär auf deutsches Reichsgebiet machte sich Polen eines weiteren schweren Vergehens gegen das Völkerrecht schuldig. Am 23. August und am darauffolgenden Tag sind insgesamt drei fahrplanmäßige Verkehrsflugzeuge der Lufthansa über der Ostsee von der Halbinsel Heia durch polnische Flak und auch von einem in der Ostsee, vierzig Kilometer vor der Küste liegenden polnischen Kreuzer beschossen worden. Nur durch Zufall wurde von diesen drei Maschinen keine getroffen.

Diese geschilderten drei Arten völkerrechtsverletzender Ereignisse und Zwischenfälle wären jeder für sich allein Grund genug gewesen, militärische Maßnahmen gegen Polen zu ergreifen. Hier zeigte sich deutlich die bewundernswerte deutsche Geduld.

Um den Frieden zu retten und die Welt vor einer neuen Katastrophe zu bewahren, versuchte Papst Pius XII. die fünf europäischen Mächte, die sich selbst nicht einigen konnten, an den Verhandlungstisch zu bringen. Nach zehntägigen intensiven Bemühungen im Mai 1939 mußte auch der Papst resignieren. Die Führer der Achsenmächte gaben ihre Zustimmung zum Vorschlag des Papstes „einer Konferenz auf höchster Ebene”, England, Frankreich und Polen aber lehnten ab. Wenn es damals leider nicht gelungen ist, die fünf Mächte an den Verhandlungstisch zu bringen, so hatte Papst Pius XII., ohne es beabsichtigt zu haben, den Beweis erbracht, welche Mächte unbedingt einen Krieg erzwingen wollten.

Mit diesem Erweis setzte die Feindschaft ein, die die leidenschaftlichen Kriegstreiber, man kann sie verstehen, diesem Papst ständig entgegenbrachten. Sie wollten den Glauben pflegen, daß Hitler selbst jede Wiederaufnahme der internationalen Gespräche verhinderte. Nach der Intervention Papst Pius XII. konnten sie es allerdings nicht mehr.

In Berlin war man in den letzten Friedenswochen des August 1939 fieberhaft bemüht, auf diplomatischem Weg bei Tag und Nacht alles zu tun, um einen Kriegsausbruch zu verhindern. Im Nachhinein betrachtet war der Ablauf der damaligen Geschehnisse vergleichbar mit dem Märchen vom „Hasen und dem Igel”. Immer wenn der Hase (die Deutschen) nach größter Anstrengung sich im Ziel wähnte, war bereits der Igel (England und Polen) da und erwartete ihn.

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Da England und Polen unter dem Protektorat des US-Präsidenten Roosevelt von Anfang an den Krieg erzwingen wollten, fruchteten die größten Anstrengungen der Deutschen nicht, die alles daransetzten, um einen Krieg zu verhindern.

Hitler war notgedrungen sogar gezwungen, ein Bündnis mit der Sowjetunion einzugehen, um erstens sich den Rücken freizuhalten und zweitens Polen vielleicht doch dadurch abschrecken zu können. An diesem 23. August 1939 tagte auch der unermüdlich für den Frieden tätige Birger Dahlerus zum wiederholten Mal mit Göring. Dieser bewundernswerte Mann, ein schwedischer Geschäftsmann, reiste anschließend nach London, um, wie schon so oft, neue deutsche Vorschläge zu überbringen.

Aber an diesem 25. August hatten Großbritannien und Polen ihren uneingeschränkten gegenseitigen Beistandspakt mit einem geheimen Zusatzprotokoll unterzeichnet. Dieser sah vor, daß nur das Deutsche Reich als Gegner gemeint war. Die Bahn für Polens Krieg war also frei. Außenminister Halifax schrieb dennoch einen Brief an Göring mit dem Hinweis, daß auch die britische Regierung den Wunsch habe, eine friedliche Lösung herbeizuführen.

Dahlerus nahm den Brief zurück mit nach Berlin. Nach Übersetzung des Schreibens legte Göring am Morgen des 27. August den Brief Hitler vor. Aber in London und Warschau war alles entschieden. Dahlerus wartete trotzdem in seinem Hotel auf Hitlers Reaktion. Kurz nach Mitternacht des 28. August wünschte Hitler ihn zu sprechen. Er wurde gebeten, sofort wieder nach London zu fliegen, um dort seinen – Hitlers – Standpunkt vorzutragen. Die drei Hauptpunkte des Hitlerschen Vorschlages waren: „1. Deutschland wünscht ein Abkommen oder Bündnis mit England.

  1. England sollte Deutschland bei der Inbesitznahme von Danzig und des Korridors behilflich sein.
  1. Deutschland gibt die Versicherung ab, daß es Polens Grenze nach der Rückgabe der deutschen Gebiete garantieren werde; Polen solle, damit es einen Zugang zur Ostsee habe, in Danzig einen Freihafen erhalten. Daß es auch einen Korridor nach Gdingen erhalten würde, war bereits zugestanden.” (Saunders, Hrowe H.: „Forum der Rache”.) In den folgenden Tagen kam es noch zu hektischen wechselseitigen Konsultationen. England machte den Vorschlag, sofort mit Polen in

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Verhandlungen zu treten. Hitler nahm den Vorschlag an. Der Krieg schien verhindert, alles konnte anscheinend auf diplomatischem Weg gelöst werden. Auch Oberst Beck versprach, mit Berlin in direkte Verhandlungen zu treten.

Aber am nächsten Tag, dem 29. August, sah alles wieder viel schlimmer aus: Polen verfügte am frühen Nachmittag eine Generalmobilmachung seiner Streitkräfte. Hitler hatte den vorgesehenen Einmarsch nach Polen vom 26. August auf den 1. September 1939 verschoben. Diese Maßnahme wurde dem britischen Botschafter in Berlin, Hen-derson, mitgeteilt.

Die entrüsteten Botschafter Englands und Frankreichs sind entsetzt über die polnische Generalmobilmachung, die einer Kriegserklärung an Deutschland gleichkommt, und protestieren bei Beck. Vergebens.

Am 30. August sind nochmals neue deutsche Vorschläge ausgearbeitet worden, und Hitler verlängert die Frist für die Annahme durch die polnische Regierung auf den 31. August, vierundzwanzig Uhr. Die Vorschläge sind überaus maßvoll. Chefdolmetscher Paul Schmidt hierzu: „Ich glaubte, wieder nach Genf zurückversetzt zu sein – es war ein richtiggehender Völkerbundsvorschlag.” Hitler hat auf die Provinz Posen verzichtet, eine von Göring empfohlene Volksabstimmung im Korridor akzeptiert und an der Rückgabe Danzigs festgehalten. Heute weiß man: Hätten das britische und das französische Volk am 30. August von diesen Vorschlägen Kenntnis gehabt, so hätten Paris und London kaum Deutschland den Krieg erklären können. Auf Wunsch Lord Halifax1, der eine offizielle Bestätigung von Dahlerus Ausführungen will und weitere Angaben braucht, führt der Schwede ab 12.30 Uhr mehrere Telefonate mit Hermann Göring in Berlin. Und jedesmal ist Lord Halifax mit den deutschen Rückäußerungen zufrieden.

Seit Mittag liegen die deutschen Vorschläge bereit. Hitler wird den ganzen Tag vergeblich warten, daß ein polnischer Unterhändler sie zur Kenntnis nimmt. In Warschau ist Oberst Beck überzeugt, daß Hitler bluffte, als er den Einmarsch in Polen für den 1. September ankündigte, genauso wie er es auch für den 26. August tat. Beck ist der Ansicht, daß man sich dem Ziel nähere und nur noch vierundzwanzig

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Stunden durchzuhalten habe: Er wird nicht nach Berlin gehen und auch niemanden dorthin schicken.

Um dreiundzwanzig Uhr rechnet Ribbentrop nicht mehr mit dem Eintreffen eines polnischen Bevollmächtigten. Er bittet Sir Neville Henderson ihn aufzusuchen. Da von polnischer Seite niemand eingetroffen ist, verliest er Henderson die 16-Punkte-Bedingungen, die Deutschland Polen zur Beilegung ihres Streits unterbreitet hatte. Sir Neville Henderson sucht den polnischen Botschafter auf und sagt ihm, daß die deutschen Vorschläge nicht allzu unvernünftig seien, und angesichts der kritischen Lage solle Lipski seiner Regierung eine Zusammenkunft zwischen Göring und Rydz-Smigly anempfehlen. Lipski verspricht, diese nach Warschau weiterzuleiten. Am 31. August um neun Uhr wird Dahlerus, der erst Mitternacht aus London zurückgekehrt ist, vom britischen Botschafter gebeten, die so maßvolle deutsche Note mit dem 16-Punkte-Programm persönlich in die polnische Botschaft zu bringen. „Ich habe kein Interesse”, antwortet ihnen Lipski (Dahlerus war in Begleitung von Sir Ogilvie Forbes), „wenn es zu einem Krieg kommt, wird eine Revolution in Deutschland ausbrechen und die polnischen Truppen werden dann auf Berlin marschieren . . .”

In Warschau suchen um elf Uhr der französische Botschafter Leon Noel und der englische Botschafter Howard Kennard Oberst Beck auf. Nach einer lebhaften Unterredung willigt dieser ein, daß Lipski sich in die Wilhelmstraße begebe. Diese Nachricht wird sofort allen Hauptstädten überbracht. Dazu, daß bis zu der von deutscher Seite gesetzten Frist kein polnischer Unterhändler erschien, mag allerdings maßgeblich die an Außenminister Beck gerichtete Empfehlung des britischen Botschafters in Warschau, Kennard, beigetragen haben, auf das deutsche Verhandlungsangebot nicht einzugehen.

Um vierzehn Uhr sind die Instruktionen von Oberst Beck in den Händen des polnischen Botschafters in Berlin. Um 18.30 Uhr wird er im Auswärtigen Amt von Ribbentrop empfangen. Als dieser Lipski fragte, ob er bevollmächtigt sei, über die deutschen Vorschläge zu verhandeln und Lipski verneinte, brach der deutsche Außenminister die Unterhaltung ab.

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Dazu schreibt der Militärhistoriker Ferdinand O. Miksche: „Der letzte Beweis dafür, daß Polen mit Deutschland nicht verhandeln wollte, war ein geheimes Telegramm des polnischen Außenministers an seinen Botschafter in Berlin, das von der deutschen Abwehr entschlüsselt wurde. Es enthielt die Weisung, der Botschafter möge sich unter keinen Umständen in sachliche Diskussionen einlassen’. Wörtlich heißt es darin: ,Wenn die Reichsregierung mündliche oder schriftliche Vorschläge macht, müssen Sie erklären, daß Sie keinerlei Vollmacht haben, solche Vorschläge entgegenzunehmen oder zu diskutieren.'” Als die Nachricht um 13.30 Uhr bei Hitler eintraf, daß Lipski sich auf die Weisung von Beck in die Wilhelmstraße begeben sollte, schickte sich Hitler gerade an, die Weisung Nr. l für die Kriegführung zu unterzeichnen. Er legte die Feder wieder zurück und beschloß, noch bis zum Tagesende zu warten.

Im Zusammenhang mit Hitlers Angebot an Polen vom 29. August 1939 („16-Punkte”) schrieb der schwedische Forscher Sven Hedin über die beschlagnahmte Abendausgabe des „Daily Telegraph” vom 31. August 1939:

„Die diplomatischen Akten der neueren Geschichte werden ein Schriftstück aufweisen, das diesem Vorschlag an Mäßigung, an Entgegenkommen und Verständnis für die Bedürfnisse eines anderen Landes gleichkommt. Daß Polen ihn trotzdem nicht einmal einer Empfangsbestätigung für wert hielt, kann nur durch die inzwischen  bekanntgewordene Tatsache erklärt werden, daß es sich nicht nur auf seine europäischen Freunde Großbritannien und Frankreich verließ, sondern vor allem auch auf die Unterstützung der Vereinigten Staaten. Roosevelt hatte sie ihm durch seine Botschafter in Warschau und Prag zusagen lassen.” In London ist behauptet worden, daß der deutsche Vorschlag so spät abgesandt wurde, daß die Warschauer Regierung gar nicht darauf antworten konnte. Der deutsche Einmarsch in Polen sei so schnell erfolgt, daß der ganze Vorschlag wahrscheinlich nicht ernst gemeint war. Diese Behauptung ist unwahr. Der Londoner „Daily Telegraph”, eine dem Foreign Office nahestehende Zeitung, hat in der Abendausgabe vom 31. August einen Bericht über Beratungen im englischen Kabinett veröffentlicht. In diesen sei zur Sprache gekommen, daß dem britischen Botschafter in Berlin, Sir Neville Henderson, vom deutschen Außen-

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minister die deutschen Vorschläge über eine friedliche Beilegung des deutsch-polnischen Konflikts übermittelt worden seien. Er habe sie sofort nach London weitergemeldet, da sich die britische Regierung in einer Note vom 28. August gegenüber der deutschen Regierung bereit erklärt hatte, die Vermittlung zu übernehmen. Das Londoner Kabinett habe das deutsche Memorandum nach Warschau weitergeleitet, und die polnische Regierung habe nach seinem Empfang die Generalmobilmachung angeordnet.

In London hat der Bericht des „Daily Telegraph” große Bestürzung hervorgerufen, denn man war dort – mit Roosevelts Zustimmung -entschlossen, die Schuld am Ausbruch des Krieges, nach dem Vorbild von 1914, Deutschland zuzuschieben. Im britischen Blaubuch über den Kriegsausbruch und in den Erinnerungen von Sir Neville Hendersons „The Failure of a Mission” ist dieser Entschluß aufgeführt und damit bestätigt worden.

Die unbeabsichtigte Wahrheitsliebe des „Daily Telegraph” wurde dadurch zu vertuschen versucht, daß die gesamte Abendausgabe beschlagnahmt und die Redaktion veranlaßt wurde, eine zweite Spätausgabe herauszubringen, in deren Bericht über die Kabinettsberatung der für die britische Regierung so peinliche Satz über die polnische Generalmobilmachung nach Erhalt des deutschen Vorschlags entfernt worden war. Das Foreign Office hat aber nicht verhindern können, daß die erste Ausgabe des „Daily Telegraph” mit der Mitteilung bereits in die Hände einiger Menschen gekommen war, die sich für die wahren Umstände interessierten.

Der beispiellos schnelle Ablauf des deutschen Feldzuges gegen Polen ist in aller Erinnerung. Die versprochene Truppen- und Waffenhilfe der Mächte, die Polen durch ihre Garantie zum Widerstand gegen Deutschland ermutigt hatten, ist nie erfolgt. Polen ist von England, Frankreich und dem Amerika Roosevelts verraten worden. Um 21.15 Uhr des 31. August 1939 gibt der Reichsrundfunk den Wortlaut des deutschen Angebots an Polen bekannt und versieht ihn mit folgendem Kommentar:

„Somit haben der Führer und die deutsche Reichsregierung nun zwei Tage vergeblich auf das Eintreffen eines bevollmächtigten polnischen Unterhändlers gewartet. Unter diesen Umständen sieht die deutsche

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Regierung auch diesmal ihre Vorschläge praktisch als abgelehnt an, obwohl sie der Meinung ist, daß diese in der Form, in der sie auch der englischen Regierung bekanntgegeben worden sind, mehr als loyal, fair und erfüllbar gewesen wären.”

Um 21.30 Uhr unterzeichnete Hitler die Weisung Nummer eins für die Kriegführung: Die deutschen Truppen werden Polen am nächsten Morgen, um 4.45 Uhr angreifen.

In seiner „Deutschen Geschichte” schreibt M. Freund: „Frankreich und England glaubten nicht daran, Polen wahrhaft helfen zu können. Den Polen wurde es verschwiegen, weil England 1939 entschlossen war, unter allen Umständen den Krieg gegen Hitler zu führen . . . Polen war die Rolle zugedacht, im Untergang die Kräfte des Feindes abzunutzen. Es war ein Zündholz, das sich verbraucht, indem es die Flamme entfacht.”

  1. Die deutsche Alleinschuld am Kriegsausbruch

„Der Angreifer ist derjenige, der seinen Gegner zwingt, zu den Waffen zu greifen.” Friedrich der Große

Dieser Ausspruch des großen preußischen Königs trifft auf die Geschehnisse der Zeit vor dem l. September 1939 voll und ganz zu. Selbst wenn die Deutsche Wehrmacht damals tatsächlich den ersten Schuß abgegeben hätte, wäre sie noch lange nicht der Angreifer gewesen. In seiner Reichstagsrede am 1. September 1939 konnte Hitler unter anderem mit gutem Grund behaupten: Seit

4.45 Uhr wird nun „zurückgeschossen”. Denn bis zu diesem Zeitpunkt ist von seilen der Polen wahrhaftig genug „geschossen” worden. Kaum ein anderer Staat hätte unter annähernd gleichen Umständen gegenüber Polen diese „unendliche Geduld” aufgebracht, wie es das Deutsche Reich fertigbrachte.

Wie Polen bereits vor Kriegsbeginn Waffen einsetzte, soll kurz aufgeführt werden:

Am 23. und 24. August beschossen polnische Batterien im Raum Danzig über der Ostsee drei deutsche Verkehrsflugzeuge.

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Am 28. August 1939 schoß ein MG-Trupp der deutschen Grenzüberwachung auf polnische Kavallerie, die auf deutschem Gebiet Bauern jagte. Am selben Tag zündeten Polen fünfzehn Kilometer tief auf deutschem Gebiet, im deutschen Haldenburg, Häuser an. Von März bis August 1939 ereigneten sich mehr als 200 polnische militärische Grenzverletzungen mit Brandlegung, Mord und Verschleppung von deutschen Zivilisten. Bis August 1939 flüchteten mehr als siebzigtausend Deutsche vor polnischem Terror ins Reich. In der Nacht vor dem Einmarsch deutscher Truppen in polnisches Gebiet, hatten polnische Granatwerfer die deutsche Großstadt Beuthen (Oberschlesien) beschossen. (Verfasser befand sich zu dem Zeitpunkt in der Stadt.) Einige Stunden zuvor wurde auf den Gleiwitzer Sender ein Überfall verübt, der von polnischer Seite, wenn auch ohne Gegenbeweise, bestritten und als „deutsche Provokation” dargestellt wird.

Am 30. August 1939 um 16.30 Uhr ordnete Polen die Generalmobilmachung an und unterbrach den Zugverkehr von Ostpreußen durch den Korridor. Der polnische General Sosnokowski äußerte am 31. März 1943 in London: „Der Entschluß Polens vom 30. August 1939, der dem Befehl zur allgemeinen Mobilmachung zugrunde lag, kennzeichnet einen Wendepunkt in der Geschichte Europas. Hitler wurde damit vor die Notwendigkeit gestellt, Krieg zu führen zu einem Zeitpunkt, da er weitere unblutige Siege zu erringen hoffte.” „Die Generalmobilmachung Polens am 30. August 1939 bedeutete nach den Grundsätzen der damaligen Zeit soviel wie eine ,Kriegser-klärung’.” (David Hoggan, „Der erzwungene Krieg”, 1961, 14. Auflage, Seite 426.)

In seinen Kriegshetzerreden nannte Oberst Beck Hitler einen „feigen Österreicher”, der es trotz der massiven Herausforderung Polens nicht wage, Polen anzugreifen. („Foreign Relations of USA 1939″, Vol. l, Seite 113-119.) Da es den Polen nicht gelang, Hitler zum Angriff auf Polen zu zwingen, erfolgte der polnische Überfall auf Deutschland am 31. August 1939, dreiundzwanzig Uhr (Auswärtiges Amt 1939 Nummer 2, „Dokumente zur Vorgeschichte des Krieges”, Seite 438, Nummer 340: David Hoggan, a. a. O., Seite 425 f.).

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Noch am 31. August vormittags bat Hitler den Schweden Birger Dahlerus, in London anzurufen und um Verhandlung mit Polen zu bitten. Die kurze Antwort aus London war: „Halts Maul!” Am 31. August 1939 gab der Warschauer Rundfunk um Mitternacht bekannt: „Wir sind auf dem siegreichen Vormarsch und werden gegen Ende der Woche in Berlin sein, die deutschen Truppen gehen an der ganzen Front in Unordnung zurück.”

Erst dann wurde, nachdem vormittags das Deutsche Auswärtige Amt die Nachricht von der Ermordung des deutschen Konsuls in Krakau erhalten hatte – in Übereinstimmung mit dem Völkerrecht -, am 1. September 1939 zurückgeschossen.

Hierzu schreibt Else Löser, Kaiserslautern, früher Lodz: „Nach der Ermordung des deutschen Generalkonsuls Schillinger in Krakau am 30. August 1939 erklärte Polen um Mitternacht des 31. August 1939 Deutschland den Krieg durch den Warschauer Rundfunk mit den Worten: ,Wenn der Hahn dreimal kräht befinden wir uns auf dem siegreichen Vormarsch nach Berlin und werden am Wochenende dort sein. Die Deutschen gehen an der ganzen Front in Unordnung zurück.’ Und im Hintergrund ließen die phantasievollen Polen den Hahn dreimal krähen.” (Heft 9, Seite 19)

Nach der polnischen Rundfunksendung gab Ribbentrop in der Wilhelmstraße bekannt, der regelrechte Krieg zwischen Deutschland und Polen sei nun unvermeidlich und der deutsche Vormarsch werde nicht noch einmal widerrufen.

„Der begrenzte deutsch-polnische Krieg hätte den Frieden Europas nicht länger als wenige Wochen zu stören brauchen. Es wäre für die fremden Mächte weitaus leichter gewesen, wirksam einzugreifen, um das Los der Polen zu bessern, zumindest in den von den Deutschen besetzten Gebieten, wenn der Krieg begrenzt geblieben wäre. Die Wiederherstellung des Friedens wäre Sache eines Augenblicks gewesen, anstatt eine in weiter Ferne liegende Möglichkeit.” (David Hoggan, a.a.O., 14. Auflage, Seite 751.)

Jahrzehntelang war Polen ein kommunistischer Satellit geblieben. Ein fürchterlicheres Ergebnis kann man sich für die Führer Polens, die ihr Land 1939 rücksichtslos in einen hoffnungslosen Krieg mit Deutschland stürzten, überhaupt nicht vorstellen. Ihre grandiosen Hoffnungen

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und Träume von einem neuen Großpolen wurden nicht verwirklicht. Ihr Volk fiel dem denkbar grausamsten Schicksal anheim. Schuld an diesem Schicksal Polens hatte nicht die deutsche Führung. Seit 1934 versuchte Hitler mit dem östlichen Nachbarn ein friedliches Nebeneinander zu erreichen. Die polnische Führung aber war wegen ihrer Träume eines „Großpolens” einer Verständigung mit dem Reich nicht mehr zugänglich.

Dazu kam die Entschlossenheit der deutschfeindlichen Kräfte in London, den Krieg um jeden Preis zu entfesseln. England und Frankreich hätten jedoch Polen nicht zum Kriegsgrund gemacht, wenn sie nicht ständig von Washington dazu angestachelt worden wären. Am 20. August 1939 hatte Marschall Rydz-Smigly ausgerufen: „Mit den Deutschen riskieren wir den Verlust unserer Freiheit, mit den Russen würden wir unsere Seele verlieren!” Die Polen hätten in einem Konflikt mit Deutschland den Verlust ihrer Freiheit weder zu riskieren noch die Seele ihres Landes an Rußland zu verlieren brauchen, wenn man sie nicht zu Opfern der wahnwitzigen Verblendung ihrer Führer gemacht hätte, daß Polen eine Großmacht werden könnte. Halifax hat mit allen Mitteln die verzweifelte Herausforderung Polens an Deutschland gefördert, die dann in der langen Herrschaft der Sowjetunion über Polen endete.

Einen Tag vor Beginn der Kampfhandlungen in Polen lagen dem britischen Premierminister Chamberlain zwei Schriftstücke vor: Eines war das schon erwähnte und berühmte „ 16-Punkte- Angebot” Hitlers, bei dem anderen handelte es sich um Informationen, die der englische Botschafter in Berlin, Sir Nevile Henderson, ihm am Vortage zugesandt hatte und die besagten, im deutschen Generalstab herrsche Unzufriedenheit, Hitler sei völlig verwirrt und die oppositionellen Generale dächten daran, die Lage für einen Staatsstreich auszunutzen. (Jaques Benoist-Mechin, „Wollte Adolf Hitler den Krieg? Generalprobe der Gewalt”, Preußisch Oldendorf, 1971, S. 509.) So trugen die falschen Informationen der deutschen Widerständler ans Ausland wesentlich mit bei zu dem verhängnisvollen Kriegsentschluß der polnischen sowie der britischen und französischen Regierung. Ähnlich unheilvoll war auch das Wirken von kommandierenden Vertrauensleuten des Widerstandes im späteren Rußland-Feldzug, wo

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man den Rückzug von im Einsatz befindlichen Fronteinheiten arrangierte, ohne die Nachbareinheiten zu benachrichtigen, so daß diese plötzlich mit ungeschützten offenen Flanken dastanden, was sich oft genug verheerend auswirkte. (Erklärung von Generalstabchef Oberst Beck, Interview mit W. Venohr in „Junge Freiheit” 22/94 über einen Leserbrief von Prof. Dr. H. Schröcke, Kottgeisering.) Was am 1. September 1939 ausbrach, war ein deutsch-polnischer Krieg. „Europäische Dimensionen” nahm der Konflikt durch die englische und französische Kriegserklärung an Deutschland vom 3. September 1939 an. Die direkte Beteiligung der Sowjetunion und der Vereinigten Staaten von Amerika ab 1941 verwandelte den europäischen Krieg in einen Weltkrieg.

Sofort nach Kriegsbeginn begannen höchste deutsche Stellen bereits mit Friedensangeboten an die britische Regierung, die sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht im Kriegszustand mit Deutschland befand. Außer Bemühungen von Reichsaußenminister von Ribbentrop über seinen Vertrauten in London, Legationsrat an der deutschen Botschaft Dr. Fritz Hesse, machte vor allem auch Mussolini am zweiten Kriegstage vernünftige Vorschläge in London, um den erst eben ausgebrochenen Krieg zu beenden.

Sowohl seine Bemühungen als auch die von Ribbentrop wurden von der britischen Regierung abgelehnt. Reichsaußenminister von Ribbentrop wurde 1946 in Nürnberg von den Siegern wegen „Verbrechen gegen den Frieden” gehenkt.

Auch Hermann Göring versuchte noch einige Stunden vor der englischen Kriegserklärung an Deutschland Verhandlungen mit London aufzunehmen, um den Frieden wieder herzustellen und einen drohenden deutsch-englischen Krieg abzuwenden. Zu diesem Zweck wollte er selbst nach England fliegen. Auch dieser Vorstoß blieb ohne Echo. Göring nahm sich 1946, kurz vor der Vollstreckung des gegen ihn vom alliierten Tribunal verhängten Todesurteil, das Leben. Um den Frieden zu erhalten bzw. wiederzuerringen, bemühten sich außer der Reichsregierung auch europäische Monarchen, kirchliche Stellen und der deutsche Widerstand. Wegen der Wichtigkeit dieser kaum bekannten Bemühungen wird in einem eigenen Kapitel davon berichtet. So reagierte die eine Seite im Angesicht des drohenden

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Ausbruchs eines großen Krieges. Wie aber verhielt sich die andere Seite?

Anfang September 1939 sagte Britanniens Außenminister Lord Halifax: „Jetzt haben wir Hitler zum Krieg gezwungen, so daß er nicht mehr auf friedlichem Wege ein Stück des Versailler Vertrages nach dem anderen aufheben kann.” (DSZ-Archiv)„Halifax schreibt in seinen Memoiren, daß er ,bereits 1936 zu einem neuen Krieg zwischen England und Deutschland in naher Zukunft entschlossen gewesen’ sei. ,Er erwarte, irgendeine Phase der deutschen Vertragsrevision in Mitteleuropa werde den Briten dienen’.” (Brennecke, „Die Nürnberger Geschichtsentstellung”, Seite 123.) Professor Michael Freund gibt folgende Schilderung: „Im britischen Unterhaus herrschte Unruhe. Ein Abgeordneter der Arbeiterpartei begegnete dem britischen Außenminister Lord Halifax am 2. September 1939 in der Wandelhalle des Parlaments. ,Haben Sie noch Hoffnung?’ fragte er. ,Wenn Sie Hoffnung auf Krieg meinen’, antwortete Halifax, ,dann wird Ihre Hoffnung morgen erfüllt sein.’ ,Gott sei Dank’, erwiderte der Vertreter der Arbeiterpartei.” (DSZ- Archiv) Der zweite Weltkrieg war entbrannt. Er sollte über alle Teilnehmerstaaten viel Leid bringen und Deutschland im Osten des Reiches erneut und in untragbarem Maß amputieren. Aus den Dokumenten zur Vorgeschichte des Krieges sei das Dokument Nr. 482 herausgegriffen, in dem der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes, v. Weizsäcker, an alle deutschen Missionen ein Rundtelegramm schickte, das folgenden Wortlaut hatte:

„Berlin, den 3. September 1939 Zur Information und Regelung der Sprache.

Nachdem der Versuch direkter deutsch-polnischer Aussprache durch das Nichterscheinen der polnischen Bevollmächtigten trotz zweitägigen Wartens der deutschen Regierung ergebnislos geblieben war und wir gezwungen waren, polnische militärische Übergriffe mit militärischer Aktion zu erwidern, forderten England und Frankreich von uns am 1. September die Zurückziehung deutscher Truppen von polnischem Gebiet. Kriegsgefahr schien jetzt noch beschworen werden zu können durch Eingreifen Mussolinis, der Waffenstillstand und anschließende Konferenz zur Lösung deutsch-polnischen Konflikts vorschlug.

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Dieser Vorschlag ist von uns und auch von der französischen Regierung positiv beantwortet worden. Die britische Regierung hat hingegen heute mit zweistündiger Befristung die Forderung der Zurückziehung deutscher Truppen wiederholt und sich nach Ablauf dieser Frist als im Krieg mit Deutschland befindlich erklärt. Frankreich ist dann mit der Mitteilung gefolgt, daß es sich gezwungen sehe, Polen beizustehen.

Eine vernünftige deutsch-polnische Regelung wäre ohne Englands Dazwischentreten und seine antideutsche Einkreisungspolitik sicher längst zu erzielen gewesen. Statt aber Polen zum Einlenken zu ermahnen, hat England ihm Generalvollmacht gegen Deutschland erteilt, sich selbst in Abhängigkeit von Polens Entschlüssen gebracht und schließlich im letzten Augenblick auch den Vorschlag Mussolinis zum Scheitern verurteilt.

Damit ist die Saat der Männer aufgegangen, die in England seit Jahren die Vernichtung Deutschlands predigen. Dieser Verlauf der Ereignisse zeigt die klare Verantwortlichkeit Englands für den Kriegsausbruch. Weizsäcker”

Das waren die Zeilen des Vaters des ehemaligen deutschen Bundespräsidenten.

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Unfaßbare polnische GreueltatenMitte August 1939 begannen in Polen die vorbeugenden Verhaftungen deutscher Menschen. Am 24. August wurden acht Volksdeutsche, die verhaftet worden waren, „auf dem Transport erschossen!” (Jong, L. D.: „Die Deutsche 5. Kolonne im 2. Weltkrieg”.) Das deutsche Weißbuch Nummer zwei stellt die polnischen Übergriffe dieser Zeit fest und notiert exakt die Ergebnisse der deutschen Proteste und Gegenmaßnahmen.Im Dokument Nr. 396 heißt es lapidar: „Immer wieder stellt sich heraus, daß die Behörden selber die Träger der Liquidationsprozesse sind.”Die blutigen Ausschreitungen der halboffiziellen polnischen Patriotenverbände, denen 5 000 Deutsche zum Opfer fielen, wurden von Warschau aus nicht eingedämmt.106„Mitte August 1939 waren 75535 Volksdeutsche ins Reich geflohen. Insgesamt hatten die Volksdeutschen kurz vor und nach Kriegsbeginn etwa 20000 Tote zu beklagen, von denen 12500 namentlich identifiziert werden konnten.” (Seraphim, Maurach und Wolfrum: „Ostwärts von Oder und Neiße”.)Diese Menschen wurden ohne jeden Grund und ohne jedes Gerichtsurteil gefoltert, niedergemetzelt, erschlagen oder erstochen und vorher auch noch bestialisch verstümmelt. Es waren also vorsätzliche Mörder, denen sie zum Opfer fielen.Die Mehrzahl dieser Morde wurde durch polnische Soldaten, Polizisten und Gendarmen verübt. Aber auch Zivilisten, unter ihnen Gymnasiasten und Lehrlinge haben daran mitgewirkt. (Jahn, H. E.: „Pommersche Passion”.)Infolge dieser polnischen Übergriffe und des ständig stärker werdenden Terrors verließen über eine Million Deutsche die Provinzen Posen und Westpreußen. Solche Fälle tauchten zu Tausenden vor Gericht oder in den Petitionen auf, die bis zum Jahr 1934 dem Völkerbund zugingen. Dann sagte sich Polen vom Minderheitenschutzabkommen einseitig los und konnte blindlings verbannen, enteignen und vertreiben, ohne sich verantworten zu müssen.Zu allem Überfluß aber verlangte der polnische Staat diesen Getretenen gegenüber noch „patriotische Haltung und Loyalität”, was natürlich jedem gesunden Menschenverstand widersprach. Durch diese polnischen Handlungen und Forderungen gegenüber deutschen Menschen, die bis zum Versailler Vertrag keiner Minderheit angehörten, sondern erst durch den Gebietsraub zur Minderheit gemacht worden waren, entstand bzw. erweiterte sich der bereits vorhandene Teufelskreis. Schließlich sollte diese einseitige Mißachtung des Minderheitenschutzabkommens des Völkerbundes durch Polen dessen Untergang bedeuten.

Hitler, der gehofft hatte, durch den Abschluß des Nichtangriffspaktes und Freundschaftsvertrages mit Polen den Deutschen im abgetrennten Osten des Vaterlandes einigen Schutz zu verschaffen, sah sich getäuscht.

Mit Kriegsbeginn wurden die Volksdeutschen in Polen zu den ersten Kriegsopfern. Nach den seit Jahren vorbereiteten Listen wurden zwi-

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sehen 15000 und 20000 Menschen zum Teil durch Staatsorgane ins östliche Polen verschleppt. Man sah in ihnen eine Art „Fünfte Kolonne”, wie dies in polnischen Zeitungen immer wieder vorgebracht wurde. Mehr als 5 000 Volksdeutsche wurden in den ersten Kriegstagen ermordet.

Insbesondere in einer polnischen Stadt spielten sich wahre Schreckensorgien ab: In Bromberg. Der dortige Blutsonntag, gemeint ist der 3. September 1939, sah entsetzliche Massenmordszenen. Doch nicht nur in Bromberg, sondern in vielen anderen Orten der Provinzen Posen, Pommerellen und dort, wo deutsche Minderheiten lebten, geschah das gleiche.

Unmittelbar nach dem Einmarsch deutscher Truppen in Bromberg wurde der ganze Abgrund der Massenmorde bekannt. Diese Kenntnis veranlaßte die soeben ins Leben gerufene Wehrmachtsuntersuchungsstelle zur Entsendung des Generalrichters Dr. Hans Bötticher mit einer Gruppe von Kriegsgerichtsräten nach Polen. Sie hatten Weisungen, die Bluttaten zu untersuchen und zu diesem Zweck Vernehmungen durchzuführen sowie Zeugen zu befragen.

In Bromberg, das schälte sich nach einigen Befragungen bereits heraus, hatten sich grauenhafte Szenen abgespielt. Doch nicht nur dort, sondern in ganz Posen, im Pommerellen und Oberschlesien ebenso. In Bromberg wurden zu den Morden 593 Zeugen vernommen. Ihre Protokolle des Grauens sind im Aktenbestand des Bundesarchivs/Militärarchivs zu Freiburg i. Brg. nachzulesen.

Vielfach wird über die Zahl der ermordeten Volksdeutschen diskutiert. Man darf den Zahlen von A. Schickel Glauben schenken, der rund fünftausend bis sechstausend Tote angibt. Auch der polnische Historiker Janusz Piekalkiewicz („Polenfeldzug”, Seite 94 f.) nennt eine Zahl von fünftausend bis sechstausend ermordeten Volksdeutschen. Deutsche Quellen von 1939 geben für die Zeit vom 31. August bis 17. September eine Zahl von fünftausendvierhundertsiebenunddreißig Toten unter den Volksdeutschen an. (Auswärtiges Amt, „Die polnischen Greueltaten . . .”, Seite 346.)

Polen gab sogar selbst die Täterschaft am „Bromberger Blutsonntag” zu, als am 9. September 1939 der polnische Sender in Wilna die Warschauer Bevölkerung aufforderte, sich ein Beispiel an den Bromberger

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Mördern der Deutschen zu nehmen und im Kampf gegen die Deutschen alle erdenklichen Mittel anzuwenden. Bromberg wurde am 6. September 1939 von der Deutschen Wehrmacht eingenommen, das übrige früher deutsche Gebiet bis zum 12. September 1939. In den Tagen davor geschahen die Massenmorde. (Meldung in „Deutsche Rundschau”, fr. „Bromberger Tageblatt” vom 12. September 1939.) Der amerikanische Völkerrechtler und Historiker Alfred M. de Zayas, New York, hat unter Mitwirkung von Walter Rabus, Amsterdam, aus den Ermittlungen über Völkerrechtsverletzungen unter anderem festgehalten: „Bei den Haussuchungen in Bromberg wurden zunächst von den polnischen Soldaten und dem Mob sämtliches Geld und Wertsachen gestohlen, die deutschen Wohnungen auch sonst geplündert und völlig verwüstet.”

„Die Männer der Familie . . ., vom dreizehnjährigen oder gar zehnjährigen Jungen bis zum siebzig- oder achtzigjährigen Greis, wurden in fast allen Fällen in viehischer Weise umgebracht. . . Zumeist wurden die Ermordeten mit Brechstangen, Seitengewehren, Gewehrkolben, Knüppeln derart zusammengeschlagen, daß ihre Gesichter bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt wurden … In anderen Fällen mußten sie die Ermordung der Angehörigen ansehen, um dann selbst als Opfer erschlagen oder erschossen zu werden.” „Bei Tarlowa, in der Nähe von Kolo, hat das polnische Militär auf eine große Anzahl Volksdeutschen geradezu eine Treibjagd mit Maschinengewehren veranstaltet. Man fand einhundertdreißig Tote, die nach den Zeugenaussagen wie die Hasen bei einer Treibjagd über ein Feld verstreut waren.” (de Zayas, „Die Wehrmacht-Untersuchungsstelle”, unveröffentlichte Akten über alliierte Völkerrechts-Verletzungen im Zweiten Weltkrieg.)

Warum fanden gerade am 3. September so viele Morde statt? Antwort: Es war der Tag der englischen und französischen Kriegserklärung an das Deutsche Reich. Die Polen gerieten in einen Freudentaumel und glaubten im Ernst, daß es England um die Erhaltung des polnischen Staates ginge!

All dieser Haß und die tiefe Feindschaft zu den Deutschen ist nur mit dem polnischen Chauvinismus zu erklären. Kurz nach der Wiedergründung des polnischen Staates begannen die Polen sofort mit

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Kriegs Vorbereitungen! Krieg gegen Rußland (1920/21), drei Aufstände (1919, 1920 und 1921) in Oberschlesien gegen Deutschland, Krieg gegen die Ukraine und gegen Litauen, Unterdrückung der deutschen Minderheit in ihrem Machtbereich.

Ein Beispiel für die übermütig-aggressive Haltung der Polen ist das Telegramm der Vereinigten Deutschen Volksräte der Westkreise Posens vom 12. Februar 1919 an die Deutsche Nationalversammlung in Weimar: „Die Bevölkerung der fast rein deutschen Westkreise der Provinz Posen sieht mit bangen Sorgen polnische Banden bereits innerhalb ihrer Grenzen wüten . . . täglich fließt deutsches Blut unter viehischen Rohheiten der Polen.” Gustav Stresemann hatte schon 1925 vor dem Deutschen Reichstag über die Austreibung von Deutschen aus Polen geklagt und deren Geist des Hasses beklagt. (A. Schickel, „Deutsche und Polen”, Seite 170 und 189.) Neben Bromberg wurden auch in der Gemeinde Schepanowo achtundvierzig Volksdeutsche erschossen. Von Thorn aus wurden einige tausend Deutsche auf dem Internierungsmarsch (sog. „Todesmärsche”) über Alexandrowo und Kutno nach Warschau geschafft, darunter auch ein Kind von vier Jahren. Dieser Marschweg war 350 Kilometer lang. Verpflegung und Wasser gab es nur in Ausnahmefällen. Der Transportführer dieses Trecks verlor unterwegs ungezählte Menschen, die im Straßengraben umkamen oder einfach erschossen wurden. Der Mörder war der berüchtigte polnische Hauptmann Drzewieke, der persönlich liegenbleibende Frauen durch Genickschuß oder Stiefeltritte ins Jenseits schickte. Er wurde dafür vom polnischen Staat hoch dekoriert. 200 Menschen kamen allein auf diesem Marsch ums Leben. Auch sie „auf einer Wanderschaft”? (In seiner Rede vor dem Deutschen Bundestag anläßlich der vierzigsten Wiederkehr des 8. Mai 1945 bezeichnete der Bundespräsident Richard von Weizsäcker die Vertreibung der fünfzehn Millionen Ostdeutschen aus ihren Heimatgebieten als „erzwungene Wanderschaft”.) Sie wurden erstochen und erschlagen, erschossen und auch einfach ohne jeden Skrupel sterbend dort zurückgelassen, wo sie zu Boden fielen.

Polens Massenwahn, man könnte die Vernichtung dieser Menschen dadurch verheimlichen, daß die polnische Armee binnen weniger

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Tage bis nach Berlin marschieren würde, um im „Grunewald” den Sieg über die verhaßten Deutschen zu feiern, erwies sich als – Wahn. In einem Feldzug, der nur achtzehn Tage dauerte, wurden Polens Armeen zerschlagen, der polnische Größenwahn, der nicht starb, mußte bis 1945 warten. Allein der Versuch, die Spuren dieser Verfolgung, Entführung und der Morde zu vertuschen, erwies sich als undurchführbar.

„Die Zerstörung Polens war nicht Hitlers Plan. Im Gegenteil, er hatte die Frage Danzig so zu lösen gewünscht, daß Deutschland und Polen gute Beziehungen aufrechterhalten konnten.” (Zitat-Ende des Historikers Taylor)

Wem gebührt also die Ehre vor der Geschichte, die „Brandfackel des Krieges” vermeiden zu wollen?

  1. Der Wille zum Krieg der Alliierten

Winston Churchill im November 1939 im britischen Rundfunk: „Dieser Krieg ist ein englischer Krieg und sein Ziel ist die Vernichtung Deutschlands! Mein Hauptbeweggrund, die Bekanntgabe festumrissener Friedensbedingungen immer wieder abzulehnen, obwohl sie oft verlangt wurden, war, daß eine Erläuterung der Bedingungen, auf denen die drei großen Bundesgenossen unter dem Druck der öffentlichen Meinung hätten bestehen müssen, auf jede deutsche Friedensbewegung noch abstoßender gewirkt hätte als die verschwommene Formel »Bedingungslose Kapitulation’. Ich erinnere mich an einige Versuche, Friedensbedingungen zu entwerfen, mit denen man den Rachedurst der Sieger Genugtuung verschaffen wollte. Sie wirkten schwarz auf weiß so fürchterlich und gingen so weit über das hinaus, was später in Wirklichkeit geschah, daß ihre Veröffentlichung den deutschen Kampfwillen nur geschürt hätte.” (W. Churchill, „Der Zweite Weltkrieg”, Band II, Seite 316.)

Der Erste Weltkrieg verschob das Machtgefüge in Europa zugunsten der Versailler Sieger, vornehmlich Frankreichs, Großbritanniens, aber nicht minder der sich vor allem wirtschaftlich vorschiebenden USA. In Form der kommunistischen Macht in Rußland aber brachte der Erste Weltkrieg eine neue politische Komponente ins europäische Kraftfeld, die sich die Revolutionierung, Vernichtung und Eroberung aller europäischen Staaten, ja aller Staaten der Welt und sei es mit Blut und Terror, Enteignung und Freiheitsverlust zum Ziel setzte. Das unter Berufung auf die neuen Völkerrechtsnormen vom „Selbstbestimmungsrecht der Völker” geschaffene „Ordnungssystem von Versailles” schuf zwar neue Grenzen – vornehmlich in Osteuropa -, er-

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zwang die Beseitigung der Monarchie in Deutschland, die Zerschlagung von Österreich-Ungarn -, doch was verwirklicht worden war, entsprach nicht diesen Grundsätzen. Es schuf im Gegenteil Unrecht, Minderheitenprobleme, Volkstumskampf, Enteignung, Vertreibung und das in erster Linie auf Kosten des besiegten Deutschland. J. W. Kneeshaw, Unterhausabgeordneter der Labour-Party, äußerte sich 1920 anläßlich eines Parteitages in Scarborough wie folgt über das Versailler Diktat:

„Wären wir das besiegte Volk und hätten solche Bedingungen auferlegt bekommen, so würden wir, statt uns ruhig auf sie zu verpflichten, in unseren Schulen und Heimen begonnen haben, unsere Kinder auf einen Vergeltungskrieg vorzubereiten, der das unerträgliche Joch der Eroberer abschüttelt. Diese Bedingungen waren nicht nur ein Anschlag auf Deutschland, Österreich und andere besiegte Nationen. Sie waren auch ein Anschlag auf das ganze Gewebe der Zivilisation.” (Jaksch, Wenzel, „Europas Weg nach Potsdam”, 1958, Seite 214.)

Dazu wirkte sich die Entwaffnung, Dauerdiskriminierung dieses Deutschland durch die siegreichen Großmächte Frankreich, Großbritannien und USA sowie die revolutionäre Unterhöhlung der durch die Komintern gesteuerten kommunistischen Partei Deutschlands verhängnisvoll aus. Das sich hieraus naturgemäß entwickelnde Chaos in Deutschland wurde schließlich abgefangen durch eine in der Weimarer Demokratie legal bis zur stärksten Partei angewachsene Kraft, die, gestützt auf das postulierte „Selbstbestimmungsrecht der Völker”, dieses Deutschland – entgegen den Absichten der Versailler Drahtzieher – wieder in den international geachteten Rang eines gleichermaßen souveränen Staates zurückführte.

Aufschlußreich für die Beantwortung der Kriegsschuldfrage ist auch eine Äußerung des damaligen englischen Premierministers Macdonald vor dem Hauptausschuß der Abrüstungskonferenz in Genf am 16. März 1933: „Einer meiner Freunde hat neulich sehr ernste Worte gesprochen: ,Entweder Deutschland erhält Gerechtigkeit und Freiheit, oder aber Europa wird die Gefahr der Vernichtung laufen.'” (Brennecke, Gerhard, „Die Nürnberger Geschichtsentstellung”, 1970, Seite 78.)

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Deutschland wurde auf sämtlichen Abrüstungskonferenzen nach 1919 die Gleichberechtigung verwehrt.

Die internationale Anerkennung dieser neuen Kraft war ihr wiederum nur möglich, weil sie sich allein schon mit ihrer Namensgebung – Nationalsozialistische deutsche Arbeiterpartei – sowohl eine nationale Beschränkung (im Gegensatz zu den Imperialstaaten sowie sonstige Internationalisten) auferlegte, als sich auch den sozialpolitischen Aufgaben verpflichtete.

Der Zeitgeschichtler Professor Edwin Hennig berichtet: „Der amerikanische Korrespondent Knickerbocker hatte schon in den Anfängen der NS-Herrschaft bei allen führenden Männern Europas gründlich Umfrage gehalten und gab als Ergebnis bekannt: ,Von dreißig europäischen führenden Staatsmännern, Königen, Diktatoren, Außenministern und Generalstabschefs .. . versäumte nicht ein einziger zu erklären, daß Hitler aufrichtig sei in seinen Versicherungen, daß er weder jetzt noch in naher Zukunft einen Krieg wünsche.'” Hennig erwähnt einen von Knickerbocker wiedergegebenen

„emphatischen Ausspruch” des französischen Außenministers Barthou: „Wenn es auf der ganzen Welt einen Mann gibt, der heute den Frieden will, dann ist es Hitler.” (Hennig, Edwin, „Zeitgeschichtliche Aufdeckungen”, 1964, Seite 97.) Im Zusammenhang mit der Kriegsschuldfrage besagen die „Genfer Protokolle” zur „friedlichen Beilegung” internationaler Streitigkeiten: „Angreifer ist derjenige, der sich weigert zu verhandeln.” Ohne auf Einzelheiten eingehen zu müssen, ist unzweifelhaft:

1)  Die Machtverschiebung in Deutschland 1933 vollzog sich unblutig, wie es keine Revolution vorher aufzuweisen hatte.

2)  Machtveränderungen innerhalb eines Staatsgefüges bringen notwendigerweise menschliche Härten für jene mit, die jene Machtveränderung bekämpft haben.

3)  Wertmesser zur Beurteilung jener Härten kann nur die Gesamtlage des betreffenden Volkes, nicht die persönliche Stellung einzelner sein.

4)  Zu richten haben hierüber ausländische Staatsmänner ohnehin nicht, schon gar nicht solche, die erst über wer weiß wieviel Millionen Tote zur Macht gelangt waren wie die Bolschewiki.

5)  Kein Staatsmann, keine Partei wird so töricht oder in der Lage sein, binnen sechs Jahren aus einem total wehrlosen, wirtschaftlich am

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Boden liegenden, an seinen Grenzen bedrohten, auf internationaler Ebene diskriminierten Volk, dazu mit sechs Millionen Arbeitslosen und gut organisierten kommunistischen Gegnern, ohne für eine moderne Rüstung wesentliche Rohstoffe -, gegenüber der schon im Ersten Weltkrieg siegreichen Koalition der Welt-Imperialmächte einen Krieg zu planen und vom Zaun zu brechen.

6)  Die Begriffe Kriegsschuld und Aggression sind bis heute nicht verbindlich geklärt. Die Vereinten Nationen haben ihre Versuche zur Klärung dieser Begriffe seit langem eingestellt.

7)  Das Interalliierte Militärtribunal in Nürnberg hat 1946 Deutschland nicht des Angriffskrieges gegen Großbritannien, Frankreich und die USA angeklagt.

8)  Insbesondere die britische Regierung – mit Unterstützung und auf Drängen des US-Präsidenten Roosevelt – hat 1939 eine auf Krieg drängende, ihn schließlich unausweichlich machende Politik mit europäischer, ja mit weltweiter Auswirkung betrieben. Lord Maurice Alers Hankey, während des Ersten wie während des Zweiten Weltkrieges als Minister Mitglied des britischen Kriegskabinetts, urteilte am 5. Mai 1949 im Oberhaus zu London wie folgt über die Nürnberger Sieger-Prozesse: „Es war ein schamloses und abstoßendes Schauspiel gewesen, britische, französische und amerikanische Richter neben Kollegen sitzen zu sehen, die ein Land vertraten, das während und nach dem Prozeß die Hälfte aller möglichen politischen Verbrechen begangen hatte.” (Härtle, Heinrich, „Freispruch für Deutschland”, 1965, Seite 64.)

Bei anderer Gelegenheit äußerte Hankey: „Im Gegensatz zu dem, was man allgemein glaubt, ist die geschichtliche Darstellung der Tatsachen, auf welcher der Urteilsspruch und die Erwägungen des Nürnberger Gerichts beruhen, nicht der Wahrheit entsprechend. Man hat uns alles herausgegeben, was Hitler, Dönitz, Keitel, Jodl, Raeder, Rosenberg usw. belastete, aber es wurde kein Schimmer von dem durchgelassen, was zu derselben Zeit das britische Kriegskabinett, Mr. Churchill und die Admiralität zusammenbrauten.” (Bardeche, Maurice, „Nürnberg oder die Falschmünzer”, Wiesbaden 1957, Seite 40.) In der Zeitschrift „Tribüne” schrieb Hankey: „Ich führe die Nürnberger Prozesse auf das Bestreben zurück, die völkerrechtswidrigen Frie-

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densbrüche der neutralen Roosevelt-Truman-Regierung gegenüber Deutschland nachträglich zu rechtfertigen. Nach dem Gesetz des damals von allen Staaten anerkannten Völkerrechts waren Roosevelt und Konsorten des Friedensbruchs schuldig, und zwar unter Verletzung amerikanischer Gesetze und Verfassungsbestimmungen. Der eigentliche Hintergrund der Nürnberger Verfahren war nichts anderes als die Absicht, diesen Taten nachträglich den Schein der Gesetzlichkeit zu geben, indem man das Völkerrecht umstieß und die deutschen Politiker zu Kriegsverbrechern erklärte.” (Krause, Gerhard, „Die Schuld am deutschen Schicksal”, 1973, Seite 477.) Der Publizist und Spiegel- Autor Dirk Bavendamm, am Ende seiner Recherchen sei er zu der Gewißheit gelangt, daß 1938/39 nicht etwa Hitler das internationale Geschehen beherrschte, sondern „daß Roosevelt ihm das Gesetz des Handelns aufzwang” und daß genau hier der tiefere Grund für den frühzeitigen Kriegsausbruch und schließlich auch die deutsche Niederlage liegt. (Bavendamm, Dirk, „Roosevelts Weg zum Krieg”, 1983, Seite 10 f.)

Am 11. September 1939 kommentierte die irische Zeitung „Leader”: „Als das deutsch-russische Abkommen abgeschlossen wurde, hätten sie immer noch versuchen können, den Frieden zu erhalten, statt dessen aber haben sie die polnische Regierung in ihrer törichten Widerspenstigkeit bestärkt.” (DSZ-Archiv)

Die bruchstückartigen Belege der „Schuldfrage des Zweiten Weltkrieges” in aller Kürze:

a)  Die Vorgeschichte und Motive für die britische Garantie an Polen vom 31. März 1939, wie sie nicht zuletzt durch die Dokumentation aus dem Foreign Office mit den „British Foreign Policy Dokuments 1919-1939″ eindeutig belegt sind, waren nicht auf den Schutz des polnischen Staates, nicht auf die Erhaltung bestimmter Grenzen, nicht auf die Sicherung des Friedens in Europa ausgerichtet, sondern von dem Willen Londons (und im Hintergrund auch Washingtons) getragen gewesen, Polen gegen Deutschland aufzuwiegeln mit dem Ziel einer militärischen Auseinandersetzung dieser beiden Staaten, in die dann später weitere Mächte hineingezogen werden konnten. Man wußte in London, daß sich Polen nicht vor Deutschland, hingegen aber sehr wohl vor der UdSSR gefürchtet hat, was jedoch jene

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Gentlemen der City nicht bewog, die ostpolnischen Grenzen zu garantieren, wohl aber die deutsch- polnische Grenze; gleichzeitig gaben sie der bereits im Frühjahr 1939 „kriegerisch gestimmten” polnischen Regierung (übrigens ein Ausdruck des britischen Botschafters in Warschau vom 25. März 1939), noch zeitig genug vor der von Polen gar nicht erbetenen britischen Garantie eine Blankovollmacht gegenüber Deutschland dahingehend, daß es in ihr (der polnischen Regierung) Belieben gestellt wurde zu entscheiden, wann und aus welchem Grunde ein Krieg mit Deutschland ausbricht.

Winston Churchill, der es schließlich wissen mußte, erklärte zu dieser Polen-Garantie: „Die Geschichte durchsucht man vergeblich nach einer Parallele zu diesem plötzlichen und vollständigen Richtungswechsel einer Politik, die seit fünf oder sechs Jahren bequeme, versöhnliche Befriedung anstrebte und dann fast über Nacht die Bereitschaft entwickelte, einen offensichtlich nahe bevorstehenden Krieg von größtem Ausmaß und unter den allerschlimmsten Umständen auf sich zu nehmen. Die Polen-Garantie war ein Markstein zum Verhängnis . . . Endlich war es zu einer Entscheidung gekommen, im ungünstigsten Augenblick und unter den unbefriedigendsten Verhältnissen, zu einer Entscheidung, die mit Gewißheit zum Niedermetzeln von Millionen Menschen führen mußte . . .” (W. Churchill, „Der Zweite Weltkrieg”, 1. Buch, Band I, Seite 421-423, W. Jedrzejewicz, „Poland in the British Parliament 1939-1945″, Band l, Seite 15 f.) Über die in Polen weithin verbreitete Geistesverfassung unmittelbar vor Ausbruch des Krieges und über die dort kursierenden neuen Landkarten schrieb der flämische Dichter und Schriftsteller Ward Hermanns am

3. August 1939: „Die Polen haben das letzte Gefühl für Maß und Größe verloren. Jeder Ausländer, der in Polen die neuen Landkarten betrachtet, worauf ein großer Teil Deutschlands bis in die Nähe von Berlin, weiter Böhmen, Mähren, die Slowakei und ein riesiger Teil Rußlands in der überaus reichen Phantasie der Polen schon annektiert sind, muß denken, daß Polen eine riesige Irrenanstalt geworden ist. (Richthofen, Bolko Freiherr von, „Polens Marsch zum Meer”, 1984.) Es gab zahlreiche besonnene Kräfte in Polen, die sich aber gegen die von den Mächtigen und großen Teilen der Presse geschürte Haßkampagne nicht durchsetzen konnten.

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1940 ließ Hitler das fast 350000 Mann starke britische Expeditionsheer bei Dünkirchen über den Kanal abziehen, ohne es zu vernichten oder gefangennehmen zu lassen. General Blumentritt berichtet, wie Hitler in jener Zeit sprach: „Dann erstaunte er uns, wie er mit Bewunderung vom britischen Empire sprach, von der Notwendigkeit seiner Existenz und von der Zivilisation, die England der Welt gebracht habe … Er verglich das britische Empire mit der katholischen Kirche – und er sagte, beide wären wesentliche Elemente für die Stabilität der Welt. Er sagte, daß alles, was er von England wolle, die Anerkennung der Stellung Deutschlands auf dem Kontinent sei. Die Rückgabe der deutschen Kolonien sei wünschenswert, aber nicht wesentlich . . . und er würde England sogar anbieten, es mit Truppen zu unterstützen, wenn es irgendwo in Schwierigkeiten gerate … Er schloß damit, daß es sein Ziel sei, Frieden mit England auf einer Grundlage zu schließen, die anzunehmen es als mit seiner Ehre vereinbar betrachte.” (DSZ-Archiv)

Hitler hoffte auf den Abschluß eines für Großbritannien tragbaren Friedens binnen sechs Wochen. Leider blieb auch diese auf den Frieden ausgerichtete überaus großzügige und noble Geste gegenüber den Engländern wirkungslos. Die in höchster Eile und mit französischer Hilfe über den Kanal verschifften „Bundesgenossen” machten dann Rommel in Nordafrika schwer zu schaffen. Auch hierbei wurde der Beweis erbracht, wer diesen Krieg unbedingt am Leben erhalten wollte. Die noble Geste Hitlers erwies sich als ein großer Fehler. Die eingeschlossene britische Expeditionsarmee durfte so nicht entkommen. Eine Gefangennahme der 350000 Briten hätte entweder den sofortigen Sturz Churchills nach sich gezogen oder aber die deutsche Besetzung der Britischen Inseln mit Leichtigkeit ermöglicht. In jedem Fall wäre es zu einem Frieden mit England gekommen, was den späteren Kriegseintritt der USA unmöglich gemacht hätte. In England gab es durchaus eine friedenswillige große Gruppe bis in die höchsten Kreise, die sich in dieser Situation mit Sicherheit durchgesetzt hätte, und der Krieg wäre nicht zu einem Weltkrieg mit diesen katastrophalen Folgen eskaliert.

Der bekannte britische Militärschriftsteller Liddell Hart sagt u. a.: „Für die Zwecke der Nürnberger Prozesse genügte die Unterstellung,

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daß der Krieg mit all seinen Folgen auf Hitlers Aggression zurückzuführen ist. Aber diese Erklärung ist zu simpel. Sie entspricht auch nicht den Tatsachen, denn Hitler wollte alles andere als einen Weltkrieg . . . Nach Kriegsende sind die wesentlichsten Archive in unsere Hände geraten und wir können uns ein präzises Bild von dem außerordentlichen Grad der Kriegsfurcht in den führenden deutschen Kreisen machen … Die plötzliche Kehrtwendung Englands im März 1939 machte den Krieg unvermeidbar.

Sie schuf eine Situation, die mit einem überhitzten Kessel verglichen werden kann, in dem der Druck bis zu dem Gefahrenpunkt gestiegen war und dessen Sicherheitsventil dann plötzlich geschlossen wurde. Die Schuld liegt bei denen, die es gestatteten, den Kessel zu heizen und die auf diese Weise die Explosion herbeiführten . . . Die deutsche Armee war 1939 nicht bereit für den Krieg”, schließt Liddell Hart. Zum gleichen Thema schreibt der Geschichtswissenschaftler Professor Dirk Kunert:

„Um die Jahreswende 1938/39 bereits seien in Warschau die Würfel gefallen. Becks Gespräche mit Hitler und Ribbentrop seien lediglich ,Verschleierungsmanöver’ gewesen, die Auseinandersetzungen mit dem Deutschen Reich auf einen Zeitpunkt hinauszuschieben, der es den Gegenmächten erlaubt hätte, aus der Position relativer Stärke zu handeln. Chamberlains Garantie für Polen war nur ein Echo auf die Stimme Roosevelts, die sich längst in Warschau Gehör verschafft hatte. Die polnische Halsstarrigkeit, die sich von Oktober 1938 bis März 1939 immer mehr verhärtete, ging nicht so sehr auf das Konto des britischen Premierministers, der selbst im Windschatten Roosevelts segelte, als vielmehr auf das des amerikanischen Präsidenten.” Als die dramatisch inszenierte Krieg-in-Sicht- Panikmache im Januar und Februar 1939 die Gemüter in bis dahin nicht gekannten Spannungszustand versetzt hatte, habe Roosevelt das Tempo seiner psychologischen Kriegführung gegen das Deutsche Reich aktiviert. „Die Gerüchte, daß Deutschland umfangreiche Aggressionsabsichten unmittelbar verwirklichen wollte, waren bar jeder Substanz. Aber der durch sie ausgelöste politische Erdrutsch sollte die Rest-Tschechoslowakei im März 1939 in den Abgrund reißen.” Im Januar 1939 sei der Rooseveltsche Schatten immer drohender am europäischen Horizont aufgezogen und habe Silhoutten geworfen,

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„die plötzlich den noch vor kurzer Zeit dunklen Schatten Stalins abdeckten”. Plötzlich sei Stalin für alle zum Angelpunkt geworden. Er, der seit 1937 ins Abseits geraten sei, habe sich plötzlich umworben gesehen. Stalins Spaltungsstrategie habe die Gegensätze im kapitalistischen Lager verschärft. Die britische Garantie Polens sei für ihn der endgültige Beweis gewesen, daß die Auseinandersetzung ihren unvermeidlichen Lauf nehmen würde.

„In der Rolle des lachenden Dritten nahm er schließlich das Angebot Hitlers an, das den ,Zweiten Imperialistischen Krieg’ auslösen sollte, auf den er sich seit Ende der zwanziger Jahre systematisch vorbereitet hatte.” (Kunert, Dirk, „Ein Weltkrieg wird programmiert”, 1984, Seite 291 f.)

b)  Ausweitung der britischen Garantie an Polen Anfang April 1939 mit dem Ziel, daß Polen gegen Deutschland kämpfen solle auch dann, wenn aus irgendeinem beliebigen Grunde ein Krieg zwischen Deutschland und England ausbrechen sollte, wobei auch hier „die Frage des Aggressors” ausgeklammert war.

c)   Der angestrebte Vertrag zwischen Großbritannien, Frankreich und der UdSSR im Juli 1939: Er sah einen Automatismus der Kriegsentwicklung vor, ganz gleich, wie immer sich Hitler verhalten würde; die „interessierten Mächte” in bezug auf die Länder Estland, Lettland, Litauen, Polen und Rumänien „behaupten sollten”, Deutschland habe durch irgendeine Aktion die „Neutralität” eines dieser Länder verletzt, eine „wirtschaftliche Unterwanderung” oder eine „indirekte Aggression” unternommen. Wie gesagt, es genügte, wenn dies eine „interessierte Partei behauptet” und selbst militärisch interveniert.

d)  Die Deckung und Anreizung aller provokativen Maßnahmen gegen Deutschland, Danzig oder die deutsche Minderheit in Polen durch London, die Garantie-Ausweitung bis zu dem Passus, daß „nur ein gemeinsamer Waffenstillstand” in Frage komme (25. August 1939), die bewußte Täuschung der Weltöffentlichkeit durch die angeblichen britischen Verhandlungsbemühungen kurz vor Kriegsbeginn usw. sind durch eindeutige Unterlagen der British Foreign Policy Documents als Kriegsinszenierung entlarvt.

e)   Die Kriegsstimmung in London Ende August/Anfang September 1939 erhellt durch folgende Zitate: Der polnische Botschafter in London, Raczynski, berichtete:

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„Churchill telefonierte täglich, und gleichermaßen tat es Lord Lloyd an diesem Abend (30. August 1939), Mr. Harcourt Lohnstone, der die liberale Partei repräsentierte, kam, um mich zu sehen. Alle Leute drückten ihre Sorge darüber aus, daß die Polen schwach werden und der Gewalt nachgeben könnten.

Neben Dalton und Harcourt Johnstone erhielt ich täglich Telefonanrufe von Churchill, Bracken, Sandys und anderen, in denen die gleichen Befürchtungen wiederkehrten: Würde der Premierminister sein Wort uns gegenüber halten und würden wir unsererseits als der Eckstein der britischen Friedensfront’ auf dem Kontinent festbleiben? Diese Haltung wurde durch teils signierte, teils anonyme Briefe ergänzt, die Tag für Tag hereinströmten. In den früheren Stadien der Krise gaben sie uns den Rat, Danzig flachzubomben oder den Nazi-Parteitag in Tannenberg auszunutzen (der dann nicht stattfand), um Hitler und seine Freunde mit einer wohlgezielten Bombe zu vernichten.” (E. Raczynski, „In Allied London”, Seite 22 ff.) Die Londoner Haltung und Sorge: Hier alles menschenmögliche zu tun, damit der Krieg nicht noch im letzten Moment verhindert wird, während drüben auf der anderen Seite des Kanals Deutschland mit allen Mitteln bestrebt war, den Krieg doch noch zu verhindern. Von England aus wurde zum erstenmal die Vernichtung eines Volkes als Kriegziel verkündet. Weder gab es in Deutschland zu jenem Zeitpunkt ein Programm zur „Endlösung der Judenfrage” noch eines „zur Vernichtung des polnischen Volkes”, noch haben je deutsche Redner oder Staatsmänner die Vernichtung Englands oder anderer Völker als Kriegsziel aufgestellt oder auch nur als Wunsch anklingen lassen. Großbritannien hat für einen Sachverhalt, der nicht die britischen Interessen unmittelbar berührte, Deutschland den Krieg erklärt, seine Vernichtung gefordert und alles für die Ausweitung und Brutalisierung des Krieges getan. Rüssel Grenfell schrieb über die Kriegsziele Churchills und damit Großbritanniens:

„Was also blieb für Churchill als Kriegsziel übrig? Unsere alten Bekannten: die Ausrottung der Nazi- Tyrannei und des preußischen Militarismus . . .

Diese Tyrannei als solche unterdrückte das englische Volk nicht. Was also ging es die Engländer an, ob die Deutschen unter einer tyranni-

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sehen Regierungsform leben sollten oder nicht? Hatte nicht die Atlantik-Charta erklärt, die Engländer .respektieren das Recht der Völker, die Regierungsform, unter der sie leben wollen, selbst zu wählen?’ Wenn sich also die Deutschen nicht selbst dafür entschieden, ihre Nazityrannei abzuschütteln, warum sollen dann viele, viele Engländer sterben, um die Deutschen davon zu befreien? Angenommen aber, daß die zwangsweise Unterdrückung von Tyrannei in fremden Ländern eine Pflicht der Engländer sei, wieso wurde dann eine andere Tyrannei zu einem Partner der Engländer bei diesem Vorhaben gemacht? Die kommunistische Tyrannei in der Sowjetunion war weitaus schlimmer als die Nazityrannei in Deutschland; die allgemeinen Lebensumstände des russischen Volkes lagen weit unter denen der Deutschen. Sklavenarbeit hatte in Rußland, gemessen an Vergleichbarem in Deutschland, einen gigantischen Umfang . . . Und doch begrüßte Churchill Rußland als willkommenen Verbündeten, als es in den Krieg hineingebracht wurde: einen Tyrannen als Helfer, einen anderen zu schlagen. Es ist klar: die Tyrannei an sich zu vernichten, war nicht Mr. Churchills Ziel. Er war nicht einmal sehr daran interessiert, die Nazityrannei selbst zu überwinden, als ihm eine Möglichkeit geboten wurde, dieses Ziel zu erreichen (mit Hilfe des deutschen Widerstandes) . . . Churchills Erklärung, die Nazityrannei ausrotten zu wollen, wirkte durchaus nicht überzeugend auf die Deutschen, daß diese Tyrannei schlecht für sie sei; im Gegenteil, sie mußten sie als so erfolgreich ansehen, daß Deutschlands Feinde entschlossen waren, sie zu zerstören . . .”

Pater E. J. Reichenberger (in „Wider Willkür und Machtrausch”, Seite 425) hat dies treffend so zusammengefaßt: „Es ist heute meine Überzeugung, die sich vor allem in England gefestigt hat, daß der Krieg mit den Nazis gar nichts zu tun hat, überhaupt um kein Ideal geführt wird, sondern nur das Ziel hat, das deutsche Volk zu vernichten und Englands Weltmacht aufrechtzuerhalten zum Vorteil einer kleinen Clique . . . Alles was die dort herrschende Clique den Nazis vorwirft, praktiziert sie selbst skrupellos.”

Die Analyse der britischen oder auch der US-amerikanischen Kriegsziele (von den sowjetischen ganz zu schweigen) macht eine erschreckend grundsatzlose Haltung anderen Menschen, anderen Völ-

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kern gegenüber deutlich, ob sich dies nun auf Deutschland als dem Gegner oder auf die „kleinen Verbündeten” bezieht, die sich nur bedingungslos diesem proklamierten Kriegsgeschrei anzuschließen und sich entsprechend zu schlagen hatten.

Bei einer so bestellten Sachlage kann es an sich auch nicht verwundern, daß diese „kleinen Verbündeten”, vornehmlich jene in Ost-Mittel-Europa bedenkenlos der Machtgier des sowjetischen Bundesgenossen geopfert wurden, – ohne die geringsten moralischen Hemmungen. So ist die Geschichte des Krieges gegen Deutschland gleichzeitig ein furchtbares Lehrbeispiel für den Verrat an ganz Osteuropa. Beides stellt eine Einheit dar. Die Kriegszielbeschlüsse von Teheran (November 1943), Jalta (Februar 1945) und Potsdam (Juli/August 1945) sind nicht nur Beschlüsse gegen Deutschland gewesen, sondern Beschlüsse, die eine moralische Entwurzelung für alle europäischen Völker zum Inhalt hatten. Nur brutale Macht war der Maßstab für jene Entscheidungen, nichts anderes!

Um die Groteske voll zu machen: Jene Völker, die mit den Schlachtrufen: „Vorwärts christliche Soldaten”, „Für die Freiheit der Völker”, „Für die Demokratie”, „Für die Menschenrechte” usw. zur Kriegführung aufgeputscht wurden – natürlich auch mit entsprechender Greuelpropaganda gegen die Feinde -, wurden von drei Männern geführt, von denen kein einziger sich für die entscheidenden Fragen während ihrer gesamten Amtszeit Rat oder gar Billigung ihrer Parlamente oder auch nur Kabinette eingeholt hatte. Alle „Großen Drei” – Churchill, Roosevelt und erst recht Stalin -haben absolut diktatorisch gehandelt und entschieden, den ganzen Krieg über, in bezug auf alle den Krieg und die Richtlinien der Politik betreffenden Fragen und Problembereiche. Keiner von ihnen war „christlich”, keiner „demokratisch”, keiner von Moralgrundsätzen motiviert!

Zur „Kriegsschuld” der Vereinigten Staaten schreibt der amerikanische Geistliche deutscher Abstammung Reverend Ludwig A. Fritsch und wandte sich mit seiner Schrift „The Crime of Our Age” an den US-Präsidenten, alle US-Kongreßabgeordneten und andere Persönlichkeiten in Schlüsselpositionen der USA, um ihnen folgende Fragen zu stellen: „Wußte unser Volk mit seiner ,freien’ Presse etwas davon, 122 daß Roosevelt über sechs Monate lang einen herausfordernden Angriffskrieg ohne Kriegserklärung gegen Deutschland und Italien führte, wobei die Geduld und Ehrauffassung dieser Nationen auf härteste Proben gestellt wurden?

Wußte unser Volk, daß Roosevelt und seine Mitarbeiter bewußt und vorsätzlich die Pearl-Harbor- Katastrophe heraufbeschworen, um sich dann vor die Nation stellen und Rache für den sogenannten, Heimtücke-Angriff’ fordern zu können? War Amerika ausreichend darüber unterrichtet, daß es sich nicht um einen ‚ideologischen’ Krieg handelte, sondern um nackte Selbstsucht, Habgier und Machtpolitik seitens der Roosevelt-Regierung?” (DSZ-Archiv) Für den Deutschenhaß des US-Präsidenten Roosevelt weist der Zeitgeschichtler Heinrich Härtle unter anderem folgenden Beleg mit einem Bericht des US-Publizisten Lochner nach: „Schon im Sommer 1942 hatte meine Annahme Bestätigung gefunden, daß der Präsident Roosevelt entschlossen war, die Schuld des gesamten deutschen Volkes und nicht nur des Naziregimes für den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges festzulegen.” (Härtle, „Amerikas Krieg”, Seite 299.)

Roosevelt selbst habe geäußert: „Wir müssen Deutschland hart behandeln, und ich meine das deutsche Volk, nicht nur die ,Nazis’. Wir müssen das deutsche Volk entweder kastrieren oder so mit den Deutschen verfahren, daß sie künftig keine Menschen zeugen können, die den bisherigen Weg fortsetzen wollen.” Damit habe Roosevelt „zwischen Morgenthau und Theodor N. Kaufmann gestanden.” (Härtle, a. a. O., Seite 310.)

In Lord Halifax, den britischen Außenminister, sah der US-amerikanische Geschichtsprofessor David L. Hoggan, den „zweiten” Hauptverantwortlichen für den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges, dessen Kurs „von den geheimen Segenswünschen Roosevelt und Stalins begleitet” worden sei. Hoggan zeichnet folgendes Bild von der Lage in Europa nach der Münchener Konferenz, September 1938:

„Deutschland blühte auf, und viele Anzeichen deuteten darauf hin, daß Frankreich, Großbritannien und Italien sich von den Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise von 1929 zu erholen begannen … Da es zwischen Frankreich und Deutschland keine territorialen Fragen oder

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Streitigkeiten mehr gab (Hitlers Verzicht auf Elsaß-Lothringen), waren die letzten Hindernisse einer fruchtbaren deutsch-französischen Freundschaft aus dem Weg geräumt.”

Der „Himmel deutsch-italienischer Beziehungen” sei „wolkenlos” gewesen. In den Jahren vor 1938 habe sich das deutsch-polnische Verhältnis verbessert, Hoggan sieht für jene Zeit „vielversprechende Aussichten auf eine gedeihliche künftige Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern . . .”

„Hitlers freundschaftliche Haltung gegenüber dem britischen Empire war eine bekannte Tatsache”, fährt Hoggan fort. „Ganz offensichtlich hegte Deutschland weder in der Flotten- noch in der Kolonialfrage die Absicht, seine frühere Rivalität mit Großbritannien wieder aufleben zu lassen. Mit dem deutschen Wohlstand wuchs der britische Welthandel, und so gab es keinen Anlaß, mit erneuten Spannungen ernsthafter Natur auf dem Gebiet des Handels zwischen den beiden ehemaligen Hauptrivalen auf dem Weltmarkt zu rechnen. Dies alles hätte den Beginn einer neuen Ära friedlicher Entwicklung in Europa bedeuten müssen.”

Woran aber lag es, daß aus der „friedlichen Entwicklung” nichts wurde? Hoggan erklärt dies wie folgt: „Halifax war es in London gelungen, der britischen Regierung eine bewußte Kriegspolitik aufzuzwingen trotz der Tatsache, daß die meisten Deutschlandexperten der britischen Prominenz für eine Politik der deutsch-englischen Freundschaft eintraten. Der polnische Außenminister Beck hatte sich in Warschau, trotz der zahlreichen Warnungen von Polen, die von der Aussicht, ihr Land der Vernichtung anheimfallen sehen zu müssen, entsetzt waren, zur vollen Mitwirkung an den

Kriegsplänen von Halifax bereitgefunden. Deutsche, italienische, französische und andere europäische Führer boten ihr Letztes zur Abwendung der großen Katastrophe auf, doch schlug alles fehl, während Halifax’ Kriegspolitik, begleitet von den geheimen Segenswünschen Franklin Roosevelts und Josef Stalins, den Sieg davontrug. „Die Geschichte habe in der furchtbaren Tragödie eines unnötigen Krieges gegipfelt’.” (David Hoggan, „Der erzwungene Krieg”, Seite 792 f.)

Die tatsächlichen politischen Schritte Englands nach dem 31. März 1939 seien „unerbittlich auf den Krieg gerichtet” gewesen, heißt es

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bei Hoggan ferner. „Anstatt auf ein befriedigendes Übereinkommen mit Deutschland hinzuarbeiten – Hitler war gewillt, bei der Behandlung der polnischen und der tschechischen Frage maßvoll und vernünftig zu sein -, konzentrierte sich Halifax darauf, Italien einzuschüchtern und Frankreich unsicher zu machen, weil beide für den Frieden, statt für den Krieg eintraten.

Der polnischen Regierung riet er, Verhandlungen mit Deutschland abzulehnen, außerdem wurde Warschau beständig versichert, die britische Hilfe werde für jeden Krieg zur Verfügung stehen.” Die zahlreichen Ersuchen der Reichsregierung um Vermittlung zwischen Deutschland und Polen oder um ein direktes deutsch-englisches Abkommen seien „mit Täuschungsmanövern beantwortet oder sonstwie übergangen” worden. „Alle diese britischen Machenschaften hatten ihre Wurzeln in der veralterten traditionellen Politik vom Gleichgewicht der Kräfte.”

Die Aussicht auf uneingeschränkte britische Unterstützung seiner Großmachtträume auf Kosten Deutschlands sei „für den polnischen Chauvinismus eine unwiderstehliche Verlockung” gewesen.

„Polens Führung machte einen deutsch-polnischen Krieg unvermeidbar, indem sie eine permanente Krise herbeiführte und sich dann weigerte, über ihre Beilegung zu verhandeln. Es hätte sich wahrscheinlich eine vollkommen andere Lage ergeben, wäre das Staatsruder in der Hand seines großen Führers Josef Pilsudski gewesen.” (David Hoggan, Seite 796, 797.)

Deutschland hätte sich zu keinem Zeitpunkt vor der britischen Kriegserklärung am 3. September 1939 einer ausgehandelten Regelung mit Polen widersetzt, behauptet Hoggan. Ein Beweis dafür sei die zusagende Antwort Berlins auf den italienischen Konferenzplan vom 2. September 1939 gewesen und seine Bereitwilligkeit zu jenem Zeitpunkt, einem sofortigen Waffenstillstand in Polen zuzustimmen. Diese Politik sei fehlgeschlagen, weil sich das britische Empire entschlossen hätte, „Deutschland herauszufordern”. (Hoggan, Seite 797) Hoggans Analyse der Motive Halifax: „Die Beweggründe Halifax im Jahre 1939 entstammen erkennbar der alten Tradition, den britischen Vorrang über die Nationen West- und Mitteleuropas aufrechtzuerhalten. Die Rolle seines Oheims, Sir Edward Grey, bei der Entfesselung

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des Ersten Weltkrieges hat er niemals angezweifelt. Halifax hatte nicht die Absicht, die Existenz eines Deutschen Reiches von 1939, das wohlhabender und einflußreicher war als das 1918 vernichtete Hohenzollernreich, zu tolerieren.”

Nach Einschätzung Hoggans ist Halifax „ein Haupturheber des Zweiten Weltkrieges”. Das deutsche Volk aber sei „mit einer geradezu widernatürlichen und gänzlich ungerechtfertigten Schuldlast beladen” worden. (Hoggan, Der erzwungene Krieg, Seite 789 f.) Es waren die Engländer und nicht die Deutschen, wie der betrügerisch gehandhabte Rachegerichtshof der Alliierten in Nürnberg vollständig unwahr behauptete, die sowohl den Geist wie auch den Wortlaut des Kellog-Briand-Paktes dadurch verletzten, daß sie absichtlich die Kriegspolitik zum Instrument ihrer nationalen Politik machten. Als Führer im Zweiten Weltkrieg benahm sich Hitler ständig wie ein Ehrenmann. Das böse Triumvirat Churchill, Stalin und Roosevelt benahm sich laufend wie sadistische Verschwörer und trügerische Lügner, die sie in Wirklichkeit auch waren. Bei der amerikanischen Präsidentenwahl im Jahre 1920 prahlte Roosevelt öffentlich, daß er als Wilsons Unterstaatssekretär der Marine im Krieg genug Verbrechen begangen hätte, um für viele Jahre ins Gefängnis zu gehen. Aber erst im Zweiten Weltkrieg konnte er zusammen mit Churchill und Stalin jenes unbegrenzte Böse, dessen er immer fähig war, zur Schau stellen. Alle drei Mitglieder dieses Triumvirats des Bösen übertrafen Nero, und sie haben ihren richtigen Platz als die schlimmsten politischen Führer, die die Menschheit je kennengelernt hat. (Hoggan, David L., „Der unnötige Krieg”, Seite 607.)

Der wohl wichtigste Grund der kapitalistischen Großmächte für einen Krieg gegen Deutschland war das NS-Wirtschaftssystem, welches es ermöglichte, sich vom internationalen Kapitalmarkt unabhängig zu machen. In der New Yorker Wall Street und der Londoner City schrillten die Alarmglocken.

Das sogenannte „Verrechnungssystem auf den Warenwert” erübrigte den Ankauf von Geld oder Gold. Gleichzeitig begann man in Deutschland mit den „Begriffen der Arbeit” zu operieren, entgegen den „Begriffen des Geldes”. 126

Für die fast ausschließlich in jüdischer Hand befindliche internationale Hochfinanz bestand hiermit höchste Gefahr, denn ein 70-Millionen-Einwohner-Staat drohte dem Welt-Kapitalmarkt entzogen zu werden. Diese Entwicklung in Deutschland und auch bereits anderswo, mußte um jeden Preis verhindert werden. Deshalb die fieberhaften Vorbereitungen dieser Länder zu einem Vernichtungskrieg gegen Deutschland bis zur Forderung der bedingungslosen Kapitulation. Der berühmte Premierminister der englischen Koalition im Ersten Weltkrieg, Lloyd George, erklärte nach einem Besuch bei Hitler in Deutschland 1936: „Ich habe niemals ein glücklicheres Volk gesehen als die Deutschen, Hitler ist einer von den größten der großen Männer, denen ich je begegnet bin.” Aus “Die Sieger im Schatten Ihrer Schuld – Joachim Nolywaika.

Hitler – Krieg mit  Polen Rede 1.9.1939 – audio datai

Krieg Mit Polen: Poland Gegenangriff – seine Erklaerungen – schriftliche Reden:

Poland wir schiessen zurueck AH 1 Sept 1939 – PDF – Teutonicaworld

Poland wir Schiessen Zurueck 1 Sept 1939 AH – online – Teutonicaworld

  Brommberger Blutsonntag 

Volksdeutsche Soldaten unter Polens Fahnen:

http://www.wintersonnenwende.com/scriptorium/deutsch/archiv/unterpolensfahnen/vspf00.html

Rueckschlag auf Polen in Danzig Wochenschau 6 September 1939

Urkunden zur letzen Phase des Deutsch Polnischen Krieges:

http://deutschesreichforever.files.wordpress.com/2013/03/u3_2784-auswaertiges_-amt_urkunden_zur_letzten_phase_der_deutsch-polnischen_krise.pdf

 Polnische Ungeheuer

 POLEN

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