Russische Ungeheuer

“Töte den Deutschen [die Deutsche Frau, das Deutsche Kind und den Deutschen Saeugling], wo Du ihn antriffst. Schlag ihn auf der Straße, im Haus, spreng ihn mit der Granate, stich das Bajonett in ihn, die Mistgabel, spalte ihn mit dem Beil, setze ihn auf den Pfahl, zerschneide ihn mit dem Messer, schlag, wie Du kannst, aber töte! Töte ihn, und Du rettest Dein Leben und das Deiner Familie.

stuermer-mord-und-schaendung

 

Töte ihn, und Du rettest Deine Heimat, Dein Volk. Überall mußt Du die Bestie schlagen!Wenn er Haft macht und schläft – zerfleische den Schlafenden. Geht er durch den Wald – wird er dort den Tod finden. Ist er unterwegs – eine Mine soll ihn zerreißen. Fährt er in der Eisenbahn – laß den Zug entgleisen. Zerdrücke, zerspalte, zersteche ihn im Wald, auf dem Feld, auf Straßen, vernichte ihn überall!” Ilja Ehrenburg – Bolshevist Judenfuehrer und Anstifter des Russischen Militaers***…”Allein bis Kriegsausbrauch Juni 1941 hatte das Bolschewistische Gewaltregime Lenins und Stalins ca. 67 Millionen Menschenleben gefordert…” Fritz Becker, Stalins Blutspur durch Europa – Partner des Westens 1933 – 1945, Kiel 1995, Arndt Verlag, S. 6

NEUE INFORMATION UNTEN ZUGEFUEGT

 
Russian Rape

Die Skulptur die einen Sovietischen Soldaten abbildet der eine schwangere Deutsche Frau in Gdansk, Poland, vergewaltigt hatte nur eine sehr kurze Laufbahn – 2 Tage oder so.

Die Polen rissen die Statue sofort weg und der Kuenstler wurde verhaftet und verhoert. Es gibt wohl jetzt einen Prozess gegen ihn?

Schwangere Frauen oder Frauen in Krankenhaeusern gleich nach der Entbindung wurden massenhaft vergewaltigt.

• Statue wurde am 12. Oktober bei dem Kuenstler errichtet und nennt sich “Komm Frau”
• Der Kuenstler ist Jeremy Szumczyk, ein Student auf der Gdansk’s Akademy Feiner Kunst

Polnischer Kuenstler

 • Er wurde dazu bewegt diese Skulptur zu errichten, sagt er, nachdem er ueber die millionenfachen Vergewaltigungen der deutschen Frauen bei der Roten Armee zwischen 1944 and 1945 las. [Diese Brutalitaeten gingen aber noch fuer viele Jahre weiter in vielen Laendern Europas, einschliesslich in Deutschland, und die Verbrechen wurden bei allen Alliierten begangen.] 

[Kommentare by Admin]

Gnadenloser Bolschewistischer Blutrausch*Ein Auge Zugedrueckt-Manon

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Stalins Völkermord in der Ukraine

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Im Gulag der Frauen – link

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Paragraph_58 der UDSSR -media

Politische Haeftlinge im Gulag – jenkner_bibliographie

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Aus dem Tagebuch des Frontarztes Dr. Haape, Gren.Rgt 18, 6. ID, (gekürzt)

… in etwa 300 Meter Entfernung rief jemand um Hilfe, es waren unmenschliche qualvolle Schreie. Wir stapften mit angelegten Maschinenpistolen vorsichtig in Richtung der Rufe. Die Schreie wurden immer lauter und bittender. Am Rande des Waldes sahen wir eine taumelnde Gestalt. Mit ein paar Sprüngen waren wir bei ihm und leuchteten ihn mit der Taschenlampe an. An der Stelle der Augen hatte er zwei dunkle, blutige Löcher. Blut war über das Gesicht geströmt und durch die Kälte hart gefroren. Fleisch und Hautfetzen hingen über seine Backenknochen. Uns schauderte. Mit schußbereiten Waffen führten wir ihn zurück.

Er war einer von vier Kabellegern der Nachrichtentruppe, die nach vorn gegangen waren. Dabei waren sie überfallen worden. Drei Kameraden wurden erschossen, er wurde gepackt und in den Schnee geworfen. Die Russen hielten ihn nieder, und einer kniete sich mit einem Messer auf ihn und stach zweimal zu, genau in die Augen. Dann riß man ihn hoch, und in gebrochenem Deutsch hieß es “Marsch, geh zu Deinen Brüdern, den anderen deutschen Hunden und sage, denen werden wir auch alle die Augen ausstechen und die Eingeweide herausreißen!” …

Auf dem Verbandsplatz verbanden wir ihn sofort, das Augenlicht war nicht mehr zu retten. Der Soldat würde am Leben bleiben, doch den Rest seines Daseins im Dunkel verbringen…

Generalfeldmarschall von Manstein erließ an alle ihm unterstellten Truppen
folgenden Befehl:

Vermeide Überheblichkeit, der Russe ist sehr kritisch.
Sei gerecht. Nichts haßt der Russe mehr als Ungerechtigkeit.
Lobe den Russen, wenn er gut arbeitet. Wird er nicht gelobt, verliert er die Arbeitsfreude.
Der Russe ist sehr ehrliebend. Verprügeln gilt als Unkultiviertheit.
Vermeide es, zum Ausdruck zu bringen, daß der Deutsche etwas Besseres ist.
Achte die russischen Frauen und Mädchen grundsätzlich wie deutsche Frauen und Mädchen.
Unterlasse selbständiges Organisieren und willkürliche Beschlagnahme.
Unterscheide im Gespräch zwischen Russen und Bolschewiken.
Behandle den Russen anständig und ruhig.

Dieser Armeebefehl war keine Ausnahme. Es gab viele solcher Befehle über das Verhalten des deutschen Soldaten zur Zivilbevölkerung und anderer Truppenteile. Und diese Befehle wurden in der Regel auch eingehalten. Genaue Verhaltensweisen wurden dem Soldaten mündlich und schriftlich in der Ausbildung und im Felde erteilt. In jedem Soldbuch war das geforderte Verhalten eindeutig fixiert. Diese Maximen waren für jeden Soldaten gleichermaßen Richtschnur und hatten Weisungscharakter, jeder wußte, daß Überschreitungen durch strenge Wehrmachtsgerichtsbarkeit geahndet wurden.  Stimmen gegen die Psychose nationaler Selbstgeißelung – Heinz Drenger und Hein Mayer

 

Die Spur der Roten Sphinx –

Deutsche Frauen vor sowjetischen Militärtribunalen

Verschwunden, verloren, vom Schweigen verschluckt, so gingen unzählige deutsche Frauen und Mädchen durch die Hölle sowjetischer Folterkeller, die einst auch auf deutschem Boden bestanden – ein kaum bekannter und dennoch untilgbarer Teil der deutschen Nachkriegsgeschichte, der hier zum ersten Male unmittelbar die Farbe durchlittenen Leidens gewinnt. – Von einem Sowjetischen Militär-Tribunal wegen “Spionage” zu 25 Jahren Zwangsarbeit verurteilt, verbrachte sie fast 12 Jahre in Gefangenschaft –

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Verbrechen an Deutschen Maedels und Deutschen Soldaten – media

Auszug aus dem Buch”Verbrechen am Deutschen Volk – eine Dokumentation Alliierter Grausamkeiten” Erich Kern, 1964 – Verlag Schuetz, Goettingen – Buch unten als PDF

Erbarmungsloser Krieg im Osten

500,000 deutsche Soldaten gemeuchelt (ermordet) – Partisanenkampf in der Sowjetunion

…Am  3.  Juli  1941  rief  Josef  Stalin  über  den  Moskauer  Rundfunk  die  Zivilbevölkerung  der  UdSSR  zum Widerstand gegen die Deutsdien auf und führte unter anderem aus: »In vom Feind besetzten Gebieten müssen Partisaneneinheiten zu Fuß und zu Pferd und Ablenkungstrupps gebildet werden, um den Feind zu bekämpfen, überall den Partisanenkrieg zu entfachen. Brücken und Straßen zu sprengen, Telefon- und Telegrafenleitungen zu zerstören und die Wälder, Vorratslager und Eisenbahnzüge in Brand zu stecken. In besetzten Gebieten müssen die Bedingungen für den Feind und seine Helfer unerträglich gemacht werden, sie müssen verfolgt und vernichtet werden, wo immer sie sich aufhalten, und alle ihre Maßnahmen müssen vereitelt werden.« Stalin rief die Zivilbevölkerung zum Kampf auf und begann damit eines der blutigsten und verbrecherischsten Kapitel des Zweiten Weltkrieges.

Der Partisanenkampf wurde nicht aus dem Widerstandswillen der russischen Völkerstämme geboren, sondern anfänglich sehr mühsam durch einen zentralen Partisanenbewegungsstab, der sich sofort nach der Rede Stalins am 3. Juli 1941 in Moskau bildete, organisiert. Marschall Woroschilow übernahm das Oberkommando, Generalleutnant P. K. Ponomarenko leitete die gesamten Operationen als Stabschef. Alle Partisanengruppen standen unter dem Kommando der Kommunistischen Partei, die ihre besten Agitatoren und Organisatoren von Moskau und Leningrad aus über die Frontlinien in das Hinterland sandte. Auch Worosdiilow gehörte dem Polit-Büro der Kommunistischen Partei an, und Ponomarenko war Sekretär des ZK der KP von Weißrußland.

Dem zentralen Partisanenbewegungsstab in Moskau unterstanden:

Der ukrainische Partisanenbewegungsstab unter der Leitung Nikita Chru-sditsdiows, dem als Stabsdief Generalmajor Strokatsdi zur Seite stand. Der weißrussisdie Partisanenbewegungsstab, geführt von Generalleutnant Ponomarenko selbst. Der Kuban-Partisanenbewegungsstab, der von P. K. Ignatow geleitet wurde.

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Alle diese Stäbe säßen aber nicht bei den Partisanen im Operationsgebiet, sondern in Moskau. Die Partisaneneinheiten selbst wurden ausschließlich zentral per Funk geführt. Gleichzeitig mit der Aufstellung und Organisierung der Partisanengruppen wurde eine Untergrundbewegung der Kommunistlschen Partei geschaffen, die engstens mit den Partisanen zusammenarbeitete. Die Mitglieder der kommu-nistischen Untergrundorganisation blieben befehlsgemäß zurück und flüchteten nicht nach dem Osten, sondern ließen sich vom deutschen Vormarsch überrollen. Es bildeten sich gewisse Partisanenzentren, die im Sdmeeballsystem überall Spionage-, Sabotage- und Mordgruppen errichteten.

Im Süden hinter der deut- schen Front entstand im Raum Tschernigow (Ukraine) etwa 110 Kilometer süd-lich Gomel unter der Führung des Sekretärs des Gebietskomitees der KP, Generalleutnant Aleksej Feodorowitsch Fedorow, das erste Partisanenzentrum. Schon am 4. Juli 1941 während des ungestümen deutschen Vormarsches ernannte Chruschtschow Fedorow zum Sekretär der Ukrainischen Untergrundbewegung und gab ihm den ausgebildeten Partisanenspezialisten Burmistrenko zur Unterstützung bei. Nur aktive Parteikommunisten folgten den Befehlen und zogen sich in die Sumpfgebiete und Wälder zurück, wo sie vorsorglich Verpflegungslager angelegt hatten. Im Anfang waren es nur wenige, in Cholm 240, im Bezirk Ostersk 35, in Tschernigow 70, aber trotzdem stieg in der Ukraine die Bewegung bald auf 900 Mann. Ihre Aktionen richteten sich anfänglich ausschließlich gegen antikommunistische Ukrainer, die in der Nacht überfallen und ermordet wurden. Nach sowjetischen Angaben bildeten sich in Leningrad im Juli/August 1941 191 Partisaneneinheiten zu je 30 bis 50 Mann, mit einer Gesamtstärke von etwa 9500 Mann.

Allmählich wagten sich die Partisanen an einzelne deutsche Soldaten heran. Wachtposten, Meldefahrer, Nachschubfahrer, Sanitätsfahrzeuge oder kleinere Einheiten wurden überfallen. Jene unglücklichen deutschen Soldaten, die den Partisanen in die Hände fielen, wurden ausschließlich ermordet. 1945 erschien in London und in New York ein Bericht des Generalleutnants Ponomarenko unter dem Titel »Behind the Front Line«, 1961 in Moskau die offizielle Geschichte des sowjetischen Partisanenkampfes »Sowetskie Partisani«. In beiden Publikationen wird berichtet, daß die sowjetischen Partisanen rund 500 000 deutsche Soldaten und Offiziere, Polizeibeamte sowie russische und ukrainische Antikommunisten vernichtet haben. Diese Hunderttausende wurden in keinem ehrlichen Kampf getötet, sondern in ihrer Masse heimtückisch aus dem Hinterhalt ermordet.

Feldmarschall Küchler erläuterte 1946 vor den amerikanischen Militärrich-tern in dem Prozeß gegen Feldmarschall Leeb und andere die Situation: »Es

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war dies eine außerordentlich einseitige Kampfführung, denn der deutsche Soldat war leicht erkenntlich, nicht aber der Partisan, denn er trug Zivilbekleidung.« Der  sowjetische  Rundfunk  übertrug  täglich  am  Morgen  und  am  Abend  während  des  ganzen  Krieges »Partisanenlehrgänge«, in denen genaue Anweisungen gegeben wurden, wie die Mordüberfälle durchzuführen seien. Brigadier C. Aubrey Dixon und Otto Heilbrunn veröffentlichten in ihrer 1956 erschienenen Studie »Partisanen« eine dieser Rundfunkanweisungen, die von deutschen Abwehrstellen aufgefangen wurde: »Wie beseitigt man einen deutschen Wachtposten? Die Jagd auf einen deutsdien Soldaten geht ähnlich vor sich wie auf ein Rebhuhn. Man schleicht sich an das Rebhuhn heran, wenn es ruft, und man versteckt sich, wenn es seinen Kopf dreht. Die gleiche Methode wendet man auf den Wachtposten an. Mit einem Beil schleicht man sich an ihn in der Dunkelheit heran. Wenn er auf und ab geht, oder Ausschau hält, muß man stillstehen. Falls er in Gedanken vertieft ist, kriecht man langsam an ihn heran. Bist du auf Greifnähe heran, so schlägst du ihn mit voller Kraft mit dem Beil auf den Schädel. Sei schnell, daß er nicht erst aufschreien kann.«

Die Partisanen trugen bei ihrem mörderischen Geschäft weder Uniformen noch sonstige Kennzeichen; im Gegenteil. Oftmals zogen sie den Erschlagenen die Uniformen aus und operierten in deutschen und später in rumänischen, italienischen, ungarischen und slowakischen Uniformen. Damit verletzten sie eindeutig den Artikel l der Haager Landkriegsordnung, der bestimmt, daß auch Freischärler ein bestimmtes aus Gewehrschußweite erkennbares Zeichen tragen, ihre Waffen offen führen und die Gesetze und Gebräuche des Krieges beachten müssen. Sie hatten kein Recht, zu verlangen, als Kriegsgefangene behandelt zu werden. Das erkannte sogar die alliierte Rachegerichtsbarkeit nach 1945 an. Im Verfahren gegen Feldmarschall Erich von Manstein faßte der britische Justice Collingwood diese Tatsache in der Feststellung zusammen: »Wer immer der Franctireurtätigkeit überführt werden konnte, war nicht zur Behandlung als Kriegsgefangener berechtigt.« Das amerikanische Militärgericht führte im Verfahren gegen die deutschen Südost-Generäle aus: »Sie [die Partisanen] hatten keine einheitliche Uniform. Meistens trugen sie Zivil kleidung, aber auch deutsche, italienische und serbische Uniformstücke, falls sie ihrer habhaft werden konnten. Meistens wurde der Sowjetstern als Abzeichen getragen. Aber die Beweisaufnahme hat ergeben, daß er aus der Entfernung nicht wahrgenommen werden konnte. Sie führten auch ihre Waffen nicht offen, außer wenn es zu ihrem Vorteil war. Es ist nicht überzeugend nachgewiesen worden, daß die hier in Frage stehenden Banden die Anforderungen

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(rechtmäßiger Kriegführung] erfüllt haben. Das hat natürlich zur Folge, daß die Mitglieder dieser rechtswidrigen Verbände nicht beanspruchen können, als Kriegsgefangene behandelt zu werden. Die Angeklagten haben sich keines Verbrechens schuldig gemacht, wenn sie derartige Gefangene der Widerstands- bewegung getötet haben, da sie Freischärler gewesen sind.« In eigens errichteten Partisanenschulen in Moskau und Leningrad sowie in anderen Städten wurden die Partisanenführer in allen Raffinessen des Mordes, der Sabotage und Spionage ausgebildet. Daneben unterhielt die sowjetische Geheimpolizei NKWD noch eigene Sabotage-, Spionage- und Agentenfunkschulen. Noch nie wurde ein Unternehmen von Mördern sorgsamer vorbereitet und ausgestattet. Die Partisanen im Gebiete von Leningrad töteten in den ersten acht Monaten des Ostfeldzuges bis zum März 1942 16 000 deutsche Soldaten, 629 Offiziere, darunter 11 Obersten und drei Generäle und erschossen 67 V- Männer und 163 Angehörige der russischen antikommunistischen Sicherungsverbände. Im Abschlußbericht brüsteten sich die Partisanen des Leningrader Gebietes, insgesamt ca. 100 000 deutsche Offiziere und Soldaten umgebracht zu haben. In Pleskau wurden von nur drei Partisanengruppen schon im Winter 1941 mehr als 1000 deutsche Offiziere und Soldaten als liquidiert gemeldet. Im Gebiet Brjansk meldeten die Partisanen bis zum l. Mai 1942 19 845 ermordete deutsche Soldaten, darunter 237 Offiziere, l General und 2090 russische Polizisten, die mit den Deutschen zusammenarbeiteten. Ponomarenko prahlt mit folgenden Spitzenerfolgen: »Unter den zahlreichen Besatzungstruppen, die von ukrainischen Partisanen in Charkow vernichtet wurden, befand sich das Haupt- quartier einer deutschen Infanteriedivision, einschließlich des Generals Braun, Partisanen aus Leningrad zerstörten eine Zahl feindlicher Lastwagen und töteten General R. von Wirtz mit seiner Leibwache. Partisanen aus Weißrußland vernichteten das deutsche Divisionshauptquartier unter General Jakoby in Borowoya… Fabian Akintschitz, ein wichtiger deutscher Verbindungsmann, wurde in seinem Minsker Arbeitszimmer getötet.

Der Kommandant der Stadt Baranowitschi, Friedrich Wentsch, wurde von Partisanen getötet. Immer wieder wurden deutsche Bezirks- und Kreiskommandanten, Beamte der Besatzungsbehörden und die für die Entsendung russischer Bürger zur Skavenarbeit nach Deutschland zuständigen Bevollmächtigten getötet. « Dies ist aber nur ein Bruchteil der blutigen Erfolge dieses verbrecherischen Kampfes aus dem Hinterhalt. Dixon/Heilbrunn schreiben in ihrer Studie »Partisanen«: »Aus deutschen Quellen ist bekannt, daß der Oberstleutnant v. Boddien von Partisanen erschossen wurde, daß der Chef des Stabes der 9. Armee von Partisanen verwundet wurde und daß viele andere höhere Offi-

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ziere niemals an ihrem Bestimmungsort ankamen, weil sie auf dem Weg Partisanen in die Hände gefallen waren.« Ponomarenko behauptet, daß es den sowjetischen Partisanen schon in den ersten beiden Kriegsjahren gelungen wäre, auf diese Art 30 deutsche oder verbündete Generale, 6336 deutsche oder verbündete Offiziere und allein 1520 Flieger aller Dienstgrade zu töten. Erst gegen Ende des Kriegs traten die Partisanen im offenen Gefecht auf. Vorher stellten sie sich nur zum Kampf, wenn sie gestellt bzw. umzingelt wurden. Ansonsten legten sie in den Nächten auf den Straßen Minen aus – ohne Rücksicht darauf, daß dadurch auch ihre Landsleute mit den Panjefahrzeugen in die Luft gingen -, auf die dann Nachschubfahrzeuge und Sankas fuhren. Zehntausende Deutsche, aber auch Ukrainer und Russen gingen durch diese feige Kampfweise zugrunde. Die Partisanen überfielen lautlos kleinere Außenposten, Nachschublager, Verbandsplätze, Lazarette, Feldpoststellen oder Landwirtschaftsführer mit starker Obermacht und meuchelten die Überfallenen. Sie legten sich mit Vorliebe an den Straßen, die durch Wälder führten, in den Hinterhalt, erschossen aus dem Dickicht heraus einzelne Melder oder Fahrer, und wenn sie sich stark genug fühlten, auch kleinere Kolonnen. Sie führten ihren Kampf nicht wie Soldaten, sondern wie Verbrecher. Oftmals bedienten sie sich junger Mädchen, alter Frauen, kleiner Kinder, die Sprengladungen transportierten, Kundschafterdienste leisteten und sogar auch Anschläge durchführten. Die Partisanengruppe Jalta forderte im Februar 1942 die anderen Partisanengruppen zu einem Wettbewerb heraus, dessen Punkt l lautete: »Jeder Partisan muß wenigstens fünf Faschisten (gemeint sind deutsche Landser) oder ähnliche Verräter ausrotten.« Mord als Wettbewerb! Das hatte es bis zu diesem Augenblick in der Geschichte noch nie gegeben. Der Partisanenkampf begann schlagartig mit dem Ausbruch des Krieges. Die kommunistische Partei Rußlands hatte genauso, wie die Rote Armee ausgebildet wurde, sehr sorgsam ihre Partisanenführungskader geschult. In der IC-Abendmeldung der 7. Panzerdivision vom 24. 6. 1941 heißt es: »Am 22. 6. etwa vier Kilometer südlich Kalvaiya, am 23. 6. etwa drei Kilometer westlich Olita, 2,5 Kilometer ostwärts Olita und weiter ostwärts griffen Freischärler (Zivilisten) einzelne deutsche Soldaten an, die Fahrzeuge reparierten oder sich bei der Nacht abgesondert hatten, um zu schlafen. Dabei wurden, soweit bisher bekannt, zwei Angehörige der Division erschossen und mehrere verletzt.« 1941 aber vermochten die Partisanen ihre Gruppen noch nicht so auszubauen und arbeiteten sozusagen mit halber Kraft.

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Feldmarschall Ritter von Leeb sagte in Nürnberg am 20. 4. 1948 unter anderem aus: »Im Juli wurde die Korps-Nachrichtenabteilung des XXVIII. Armeekorps von einer Partisanengruppe überfallen, und als man dann diesen Ort säuberte, fand man 92 zu Tode gemarterte deutsche Soldaten.« Gegen Herbst 1941 verstärkten die Partisanen ihre Überfälle dermaßen, daß das Generalkommando XXX AK Abteilung 1a in seinem Korpsbefehl Nr. 55 für die untergebenen Einheiten festhalten mußte: »Es ist wiederholt vorgekommen, daß Sanitätseinheiten nicht nur auf dem Vormarsch, sondern auch bei Fahrten zum Verwundetenabschub von Feindkräften überfallen wurden. Dabei wurden trotz Gegenwehr bis zum Verschuß der Munition bei einem  Überfall zehn Mann Sanitätspersonal verwundet und 33 Mann Sanitätspersonal getötet. Der größte Teil der Verwundeten wurde durch Handgranatenwurf in die Krankenwagen bzw. nach Herausreißen aus dem Krankenkraftwagen durch Kolbenschläge und Bajonettstiche getötet. Es sind sofort durchgreifende Maßnahmen für einen ausreichenden Schutz der Sanitätseinheiten und aller Verwundetentransporte zu treffen.« Im Prozeß gegen General von Salmuth gab General a. D. Walter Botsch nachstehende eidesstattliche Versicherung ab: »Die Partisanentätigkeit im Jaila-Gebirge (Krim) nahm auch noch nach Erlaß des Befehls des XXX. Armeekorps la/Ic vom 21. 11. 1941 erheblich zu. Es gab bei den deutschen und rumänischen Truppen viele Tote und Verwundete durch feige Überfälle. Ich habe zwei Fälle in Erinnerung: Überfall auf einen Sanitätskraftwagen bei Nacht, wobei Fahrer und vier hilflos Verwundete ermordet wurden. Überfall auf Meldefahrer des Generalkommandos des XXX. Armeekorps am hellen Tag, wobei der Beifahrer getötet  wurde,  dessen  Beisetzung  am  26.  11.41  stattfand.  Bei  diesem  Überfall  gab  es  zehn  Tote  und Verwundete. Es wurden fünf Kraftfahrzeuge zerstört.« Trotzdem richteten sich die damaligen Aktionen der Partisanen hauptsächlich gegen einzelne Deutsche und im wesentlichen gegen jene Ukrainer, Krimtataren und Russen, die antikommunistisch waren und mit den deutschen Truppen zusammenarbeiteten. Sie spürten den Mordkrieg am härtesten. Wie dieser Krieg geführt wurde, beweisen nachstehende Dokumente. Das Generalkommando des XXXIX. A. K. trug am 6. 2. 1942 ins Kriegstagebuch ein: »Feind zieht gefangenen deutschen Soldaten Stiefel, Mäntel, Röcke usw. aus und macht sie dann nieder.« (Aussage eines in Alexandrowka entflohenen Unteroffiziers der 6. A. R. 168, dann auch Auffinden von 40 toten deutschen Soldaten ebendort.)

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Die protokollarischen Aussagen des Gefreiten Großhauser und des Gefreiten Schilling lassen an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Protokoll Standort, den 7. September 1942 Zur Person: Ich heiße Karl Großhauser, bin 30 Jahre alt, Gefreiter, 12./ I.R. -, z. Z. Reserve-Lazarett III… Zur Sache: Am 21. Januar 1942 wurde ich wegen erfrorener Füße auf dem Truppenverbandplatz Molvoditzi bei Star. Russa eingeliefert. Am gleichen Tage wurde ein Krankentransport zusammengestellt, der in einem Omnibus wahrscheinlich nach Demjansk verbracht werden sollte. Ich wurde ebenfalls mit abtransportiert. In dem Omnibus befanden sich rund 40 Schwerverletzte. Der Omnibus selbst war durch Rotekreuzzeichen zu beiden Seiten des Fahrzeuges und durch eine Rotekreuzflagge über dem Kühler deutlich als Sanitätsfahrzeug gekennzeichnet. Außerdem waren auf den beiden Kotflügeln über den Vorderrädern kleine Rotekreuzfahnen angebracht. Unterwegs wurde dieser Omnibus im Waldgelände von russischen Partisanen in Stärke von minde- stens 50 Mann von allen Seiten angegriffen. Da der Überfall vormittags stattfand und klares Wetter herrschte, besteht kein Zweifel daran, daß die russischen Partisanen ohne weiteres erkennen mußten, daß sie ein Sanitätsfahrzeug angriffen. Auf den Angriff hin verließen die noch gehfähigen Verwundeten den Omnibus, darunter auch ich. Wir schlugen uns bis zu unserem Verbandplatz in Molvoditzi durch. Später wurde die Straße durch eine Infanterieeinheit freigekämpft. In der Zwischenzeit wurden durch einen Sanka 7 oder 8 Leichen der Schwerverwundeten zurückgebracht, die von den Russen im wehrlosen Zustand in dem Omnibus ermordet worden sind. Eine dieser Leichen habe ich mir etwas betrachtet, ich stellte fest, daß diesem Kameraden die eine Kopfseite seitlich direkt aufgespalten war. Später fuhren wir an der Stelle des Überfalles wieder vorbei und sahen, daß unser Omnibus in den Straßengraben umgekippt war. Unter der Partisanenbande befanden sich auch einzelne russische Soldaten. Im übrigen hatten diese Leute eine recht zusammengewürfelte Uniform an. v. g. u. gez. Großhauser Der Zeuge wurde beeidigt. gez. Dr. Hofmann gez. Betty Prell

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Protokoll Standort, den 10. September 1942 Zur Person: Ich heiße Kurt Schilling, bin 28 Jahre alt, ledig, Gefreiter S./Infanterie-Regiment… zur Zeit Reservelazarett… Zur Sache: Um den 10. Februar 1942 sollten wir bei Welisch (im Mittelabschnitt) ein russisches Dorf von Partisanen säubern. Beim Vorgehen auf dieses Dorf kamen uns von allen Seiten Soldaten einer bayerischen Einheit entgegen, die uns zu Hilfe riefen und erzählten, daß ein Verwundetentransport mit Verwundeten von ihrer Einheit vor dem Dorf von russischen Partisanen überfallen worden sei. Infolge zu starken Feuers kamen wir nur bis an das Dorf heran und mußten wieder zurückziehen. Wir konnten jedoch noch die Leichen der Ver- wundetenkolonne bergen und mit zurücknehmen. Wie ich gehört habe, haben wir insgesamt zwölf Leichen nach rückwärts gebracht, darunter auch die Leiche des Major B. Ein Teil der Leute, die schwer verwundet waren, ist erst auf unserem Rücktransport gestorben. Ich persönlich habe nur die Leiche eines Kameraden näher betrachtet. Das Gesicht dieses Soldaten war zerschnitten, und am Hinterkopf hatte derselbe eine tiefklaffende Wunde. Ich hatte den Eindruck, daß diese Wunde mit einem Meißel oder einem scharfen Hammer ausgeführt worden ist. Die Verwundeten waren auf russischen Panjeschlitten untergebracht. Da die Verbände weithin zu erkennen waren, mußten die Partisanen ebenfalls bei dem Überfall sehen, daß es sich um einen Verwundetentransport handelte. Am 26. Februar 1942 wurde ich vor Welisch durch ein russisches Explosivgeschoß verwundet. v. g. u. gez. Kurt Schilling Der Zeuge wurde vereidigt. gez. Dr. Hofmann gez. G. Boegler Am 2. September 1942 überfielen Partisanen bei Rschawez eine kleine Gruppe deutscher Soldaten und russischer Selbstschutzleute. Drei Deutsche wurden an Ort und Stelle erschossen, sieben Deutsche und zwei Russen mitgeschleppt. Unter der Führung des Partisanenkommissars Schelisin wurden alle neun Gefangenen gefoltert, ihnen die Augen ausgestochen, Ohren, Nasen und Geschlechtsteile abgeschnitten. Den beiden Russen wurden obendrein die Hände und Füße abgehackt. Generalleutnant d. R. a. D. Friedrich Seizinger sagte in Tübingen am 19. April 1948 im Prozeß gegen General v. Salmuth eidesstattlich unter anderem aus: »Bei einem Partisanenunternehmen zwischen Rylsk und dem Brajanskcr Wald wurden zehn Feldgendarmen durch Partisanen gefangengenommen.

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Nachher fand man sie in einem Dorf vor dem Schulhaus tot liegen, und zwar völlig nackt mit abgeschnittenen Geschlechtsteilen und Ohren und ausgestochenen Augen. Kurz darauf wurde der Führer einer Kompanie dieses Bataillons, der ebenfalls in Gefangenschaft geriet, durch die Partisanen in ähnlicher Weise verstümmelt. Diese unmenschlichen Bilder waren bei den Soldaten dieser Abteilung noch in lebhafter Erinnerung. Überhaupt hat man nie gehört, daß deutsche Soldaten, die in Partisanengefangenschaft gerieten, mit dem Leben davonkamen.« Generalmajor Siegfried Heine gab im Prozeß gegen General v. Salmuth in Neubiberg am 4. 5.1948 eine eidesstattliche Versicherung ab, in der er unter anderem erklärte: »Anfang März 1942 griffen russische Partisanen nordwestlich der Straße Roslaw – Juchnow die Unterkünfte der Trosse der im Kampf stehenden 137. Infanteriedivision im Rücken an und setzten sich in den Dörfern dicht hinter der Front fest. Bei der deutschen Gegenaktion sollte unter anderem das Dorf Tinowka angegriffen und wieder in deutschen Besitz gebracht werden. Dies gelang beim ersten Angriff nicht, aber die Russen räumten das Dorf am nächsten Tag. Wir fanden die im Angriff Gefallenen und Verwundeten: l Offizier und etwa 25 Mann in Tinowka von den Russen völlig entkleidet, die Verwundeten durch Kolbenhiebe und Messerstiche umgebracht, alle verstümmelt, auf. Die Leichen waren beraubt, zum Teil waren die Ringfinger abgeschnitten.« Der Ic des XXXXVIII. Panzerkorps meldete am 11.11. 1943 in seiner Tagesmeldung: »Ein befreiter deutscher Kriegsgefangener des Pz.Gren.Rgts. 146 (25. Pz. Div.), in Gefangenschaft geraten in Gegend Trylissy, gibt an, daß sie nach anfänglich guter Behandlung zur Bewachung Partisanen übergeben wurden und bei einem deutschen Angriff vierzig Mann erschossen wurden. Ihm selbst gelang die Flucht durch Totstellen.« In dem Prozeß gegen Feldmarschall von Küchler erklärte Dr. jur. Freiherr Ernst von Dörnberg eidesstattlich am 9. 3.1948: »Am 13. 11. 1943 fand auf das vollbesetzte Kino in Porchow (an der Bahnstrecke Pleskau – Staraja – Russa) ein Sprengstoffattentat statt. Mein Quartier lag unweit des Kinos. Das Attentat ereignete sich kurz vor 20 Uhr. An Opfern waren 178 deutsche Soldaten tot und 53 schwerverwundet zu beklagen.« Im Prozeß gegen v. Salmuth sagte der Hauptmann d. R. a. D. Otto Hent-zelt am 2. April 1948 in Gütersloh unter anderem eidesstattlich aus: »Im allgemeinen kann ich sagen, daß die Maßnahmen, die bei der Bekämpfung der Partisanen von der 2. Armee getroffen wurden, als sehr milde angesehen werden mußten, besonders wenn man die grausame Führung des Kampfes von selten der Partisanen berücksichtigt. So war z. B. die Abbrennung eines Dorfes, auch wenn die Unterstützung durch die Bewohner nachgewiesen werden konnte, ver-

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boten. Ich weiß, daß dieser Befehl bei einigen Angehörigen meiner Kompanie als unverständlich milde empfunden wurde, da die grausamen Methoden der Partisanen, die an Sadismus grenzten, allgemein bekannt waren. Besonders große Erregung rief nicht nur bei den Soldaten, sondern auch bei der Zivilbevölkerung der Fall mit ca. 10 in die Gefangenschaft geratenen Angehörigen der Feldgendarmerie, Abt. 581 hervor. Die Leichen dieser Soldaten wurden im Dorf auf der Straße mit ausgestochenen Augen und abgeschnittenen Ohren und Geschlechtsteilen gefunden. Ähnliche Grausamkeiten wurden von den Partisanen auch an dem von der Wehrmacht eingesetzten Dorfbürgermeister (Starosten) und anderen Gemeindefunktionären oder deren Frauen ausgeübt.« Je länger der Krieg dauerte, desto mehr wurde der verbrecherische Kampf perfektioniert. Laut Valdis Redelis, einem lettischen genauen Kenner der Sachlage, bestanden Anfang Juli 1941 auf ukrainischem Boden bereits über 33 organisierte Partisanenbanden. Am 4. 7. 1941 erhielten diese Banden von Chruschtschow persönlich den Befehl zur Aufstellung von Kampfeinheiten. Gegen Ende des Jahres 1941 erfaßten die ukrainischen Partisanen mehr als 33 000 Menschen für die kommunistische Untergrund- und Partisanenarbeit. In Moskau erschien 1961 von P. P. Werschigora das Buch »Woennoe Twortschestwo Narodnich Mass«, in dem erklärt wird, daß 1944 in der Ukraine 220 000 Partisanen, in Weißrußland 360 000 Partisanen, um Leningrad 40 000 Partisanen im Einsatz standen und 250 000 Partisanen in Reserve gehalten wurden. Werschigora behauptet, daß hinter der deutschen Front gegen Ende des Krieges rund 700, 000 Partisanen unter der zentralen Führung des Stabschefs P. K. Ponomarenko standen. Nach seinem eigenen Bekenntnis haben diese Partisanen aus dem Hinterhalt rund 500, 000 deutsche Soldaten ermordet. -131- Wenn Sie weiterlesen wollen, hier koennen Sie das Buch herunterladen 

Verbrechen am Deutschen Volk – Erich Kern 1964

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 So führten die Sowjets ihren Kampf gegen deutsche Landser

…..Vom ersten Tag des Rußlandfeldzuges an wurden schwere, nahezu unaussprechliche Kriegsverbrechen begangen. Ausnahmslos von den Rotarmisten der Sowjetarmee an wehrlosen deutschen Gefangenen. Lange, ehe die gräßlichen Aktionen der SD-Einsatzkommandos anliefen, folterten und meuchelten die Sowjets auf ganzer Front die in ihre Hände gefallenen Offiziere und Soldaten. Erst dieses sowjetische Massenmorden bestimmte die erbarmungslose Härte des Kampfes an der Ostfront. Die Rote Armee, in der der Mord an Wehrlosen offiziell befohlen und gehandhabt wurde, mußte von vornherein mit scharfer Reaktion der Kameraden der Ermordeten rechnen. So allein ist vieles Bedauerliche zu erklären und zu verstehen, das auch deutscherseits im Osten geschah. Die Reaktion auf die sowjetischen Kriegsverbrechen immer aufs neue anzuprangern, die entsetzlichen Ursachen dagegen systematisch zu verschweigen, die dann zu harten Vergeltungsmaßnahmen führten, ist nicht nur blanke Heuchelei, sondern auch ein betrügerisches Versuchen, der Nachwelt ein einseitiges, tendenziöses Geschichtsbild zu vermitteln. Die Meldungen, Tatberichte von Einheitsführern, Protokolle von Zeugenaussagen vor Feldgerichten, der Wehrmachts-Untersuchungsstelle für Verletzungen des Völkerrechts beim Oberkommando der Wehrmacht, die Berichte an das Auswärtige Amt sowie Unterlagen in den sogenannten Kriegsverbrecherprozessen gegen deutsche Heerführer in Nürnberg zeigen dokumentarisch, daß die Sowjets vom ersten Tag an gegen die Deutschen an vielen Orten einen Krieg der Mörder und nicht der Soldaten führten. Über den verbrecherischen Kampf der Partisanen, die unter Vermeidung des offenen Kampfes all ihre Operationen im Prinzip nur aus dem Hinterhalt führten, soll vorerst nicht gesprochen werden. In diesem Kapitel handelt es sich ausschließlich um Verbrechen der offiziellen Roten Armee. Die Sowjetunion war weder der Haager Landkriegsordnung von 1899 und 1907 noch dem Genfer Abkommen über die Behandlung von Kriegsgefangenen vom 29. 7. 1929 beigetreten. Sie weigerte sich schon lange vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges, auf diesem Gebiet irgendwelche menschlichen Verpflich-

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tungen einzugehen, um ihren Einheiten im Ernstfall keinerlei Beschränkungen auferlegen zu müssen. Infolge des begrenzten Raumes, der dafür vorhanden ist, kann hier nur ein winziger Auszug aus den Unterlagen, die mir vorgelegen haben, publiziert werden. Aus dem Munde der kleinen Gefreiten, der Unteroffiziere und Feldwebel, der Offiziere, Truppenärzte und Feldpfarrer ersteht vor uns das erschütternde Bild der nackten, brutalen Wahrheit, wie die Rote Armee den Krieg führte. Alle Aussagen sind amtlichen Unterlagen entnommen. Die Sprache, die sie sprechen, ist überdeutlich. Eines weiteren Kommentars bedürfen sie nicht.   Meldung    Ortsunterkunft 26. Juni 1941 Beim Grenzübergang erreichte die 6. Kompanie am 22. Juni 41 um etwa 4.10 Uhr den Punkt 38 und die Gehöfte nördlich davon mit Anschluß an das III. Bataillon. Hier erhielt die anfahrende Kompanie heftiges Feuer von Baumund Heckenschützen, l Unteroffizier und 3 Mann fielen in der Zelt von 4.50 bis 5.00 Uhr. Etwa um 8.00 Uhr beobachteten und stellten der unterzeichnete Kompanie-Chef, Oberleutnant Hundwieser, und Feldwebel Tratzki durch eigene Beobachtung und eigene Überprüfung fest, daß die Hecken- und Baumschützen liegengebliebene Verwundete der 7. und 5. Kompanie des Infanterie Regiments mit Kolbenschlägen Bajonettstichen töteten, und einem die Hosen herunterrissen, in der Absicht, dem Verwundeten die Genitalien abzuschneiden. Nur durch den befohlenen Angriff der 6. Kompanie wurden weitere Verstümmelungen verhindert.  Tatbestand: 2 Verwundete, mit eingeschlagenem Schädel, getötet; 3 der Verwundeten mit Bajonettstichen aufs schwerste verletzt. Alle anderen hatten schwere Kolbenschläge davongetragen. Da die Kompanie den Vormarsch sofort fortsetzen mußte, erhielt Leutnant A. B. der 6. Kompanie den Befehl, mit drei Gruppen den Schutz der Verwundeten zu übernehmen. gesehen gez. Tratzki, Feldwebel     gez. Hundwieser Oberleutnant und Kompanie-Chef Protokoll Berlin, den 5. Februar 1942 Zur Person: Ich heiße Peter Klick, bin 21 Jahre alt, Gefreiter, 3./Pionier-Bataillon … Zur Sache: Am 24. Juni 1941 wurde meine 3. Kompanie einem Infanterie-Regiment im Angriff zugeteilt. Der Angriff erfolgte in der Gegend von Suraz, 70 westlich von Bialystok, hinter dem Narew. Da die Übermacht der Russen zu groß war, mußten wir zurückgehen und ließen dabei zwölf Verwundete zurück. Diese Verwundeten gehörten den anderen Angriffstruppen, nicht aber meiner Pionier-Kompanie an. Als wir am nächsten Tage mit Verstärkungen zum Angriff vorgingen, kamen wir an dieselbe Stelle, wo wir die Verwundeten zurückgelassen hatten. Diese waren von den Russen in der schrecklichsten Weise verstümmelt und ermordet worden. Einer von ihnen war an einem Baum angenagelt worden, und zwar derart, daß man seine Arme nach hinten um den Baum geschlungen und Nägel durchgetrieben hatte. Ihm waren die Augen ausgestochen und die Zunge abgeschnitten worden. Außerdem stak ihm ein deutsches Seitengewehr in der Brust. Den anderen Kameraden waren ebenfalls zum Teil die Augen ausgestochen und die Zunge sowie auch der Geschlechtsteil abgeschnitten worden. Einer hatte auch noch ein Seitengewehr in der Brust stecken. Ein kleiner Teil von ihnen hatte auch einen Halsschuß bekommen.

Der Zeuge leistet den Zeugeneid. v. g. u. gez. Peter Klick gez. Dr. Schöne   gez. Aust Protokoll Standort, den 17. März 1942

Zur Person: Ich heiße Adalbert Podzelny, geboren am 8. Mai 1916 zu Rotthausen bei Gelsenkirchen, ledig, Beruf: Bäcker und Konditor, wohnhaft in Wuppertal-Barmen, Gefreiter bei der 4. Panzer-Abteilung …, zur Zeit im Reservelazarett… Zur Sache: Am Mittwoch, dem 25. Juni, nachmittags, rückte ich mit der 2. Kompanie meines Panzer-Regiments … in Erzwilke ein. Unsere Kompanie erhielt den Auftrag, die Sicherung der Straße von Erzwilke in Richtung Ro-sinny zu übernehmen. Rechts von der Straße Erzwilke-Rosinny befand sich ein Waldgelände. Von diesem Waldgelände aus waren am Nachmittag Pioniere, die zu uns gehörten, überfallen worden. Ein Kradmelder hatte sich aus diesem Pionierzug, von welchem die meisten gefallen waren, zurückgerettet. Er hatte unserem Kommandeur gemeldet, daß der Wald von feindlichen Truppen besetzt sei, welche unsere Truppen auf dem Wege anfielen. Der Kradmelder hatte außerdem gemeldet, daß besonders das Kuschelgelände  abgesucht werden sollte, weil sich dort Tote befänden. Unsere Kompanie erhielt deswegen den Befehl, den Wald soweit zu säubern, wie es bis zum Einbruch der Dunkelheit möglich war. Wir wurden zu die-

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sem Zweck in einzelne Gruppen eingeteilt. Ich kam zu der Gruppe, welche aus dem Kompaniechef, Oberleutnant Zerny, Feldwebel Langheinrich, Unteroffizier TurlaA und Soldat Sommer bestand. Rechts und links waren wir angelehnt an Nachbargruppen unserer Kompanie, die im einzelnen die gleiche Stärke hatten wie wir. Auf dem vor uns liegenden und zu säubernden Gelände stand Hochwald. Links vom Hochwald war das KusAelgelände. Ich ging mit den vorbezeichneten vier Vorgesetzten bzw. Kameraden in dieses Kuschelgelände hinein. In einer Lichtung, die nur Heidekraut aufwies, und deren Größe im Geviert nach meiner Erinnerung höchstens 4 mal 4 Meter betrug, bot sich uns folgendes Bild: Fünfzehn Kameraden lagen vollständig nackt, teils auf dem Boden, teils übereinander. Sie waren sämtlich tot. Der Tod muß etwa 4 bis 5 Stunden vor unserer Ankunft eingetreten sein. Der Arzt hat kurz darauf festgestellt, daß bei einigen von ihnen noch dünnes Blutgerinnsel zu sehen war. Ich weiß dies, da Feldwebel Langheinrich und Unteroffizier Turlach mir dies anschließend erzählt haben. Von den fünfzehn Kameraden hatten zehn Kameraden je ein Bajonett im Halse stecken. Von diesen zehn Kameraden waren sechs Kameraden mit dem Bajonett im Halse, das Gesicht teilweise nach oben, teilweise seitlich in die Erde gespießt. Die übrigen vier Kameraden hatten die Bajonette noch im Halse stecken, waren aber nicht mehr in die Erde gespießt. Ob sich diese vier im Todeskampf von der Erde losgerissen und mit dem Bajonett im Halse noch einmal aufgestanden sind, ist nicht mit Sicherheit zu erkennen gewesen, es ist aber möglich. Bei etwa sechs Kameraden waren die Geschlechtsteile einschließlich der Hoden weggeschnitten … Nach meiner Erinnerung waren bei sämtlichen 15 Kameraden – mindestens jedoch bei fast sämtlichen Kameraden – die Ohren und Zungen herausgeschnitten. … [Die grausigen Verstümmelungen sind kaum wiederzugeben.] Kopfschüsse waren nach meiner Erinnerung etwa bei fünf oder sechs Kameraden vorhanden. Da nicht alle Toten einen Kopfschuß aufwiesen, ist mit Sicherheit anzunehmen, daß bei den nicht mit einem Kopfschuß Getroffenen der Tod auf qualvolle Weise, vermutlich durch die Bajonettstiche in den Hals eingetreten ist. Einige Leichen lagen gestreckt, andere ineinandergekrümmt mit in die Erde eingekrallten Fingernägeln, was auf besonders heftige Todesqualen schließen läßt. Die einzelnen Blätter der Soldbücher lagen im Umkreis von etwa 15 Metern von der Lichtung entfernt zerstreut am Boden. Ebenso einzelne schwarze Röcke und Hosen. Wir haben die Leichen bis auf vielleicht drei Mann wiedererkannt. Wußten auf Grund dieses Wiedererkennens, daß es sich zweifellos um Angehörige unseres Panzer-Regiments… handelte. Wir haben den Befehl erhalten,

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die Leichen liegenzulassen, bis der Arzt eintreffen konnte. Einige Leute wurden als Wache bei den Leichen zurückgelassen. Der Zeuge leistet den Zeugeneid. v. g. u. gez. Podzelny, Gefreiter g. w. u. gez. Möller Feldkriegsgerichtsrat Meldung Divisions-Gefechtsstand, den 11. Juli 1941 Betrifft: Erschießung deutscher Soldaten in russischer Gefangenschaft An das Armeeoberkommando … — Abt. I c Beifolgend wird eine Meldung des Artillerie-Regiments … vom 10. Juli 1941 nebst den Niederschriften über die Vernehmung des Wachtmeisters Röhrig und der Unteroffiziere Johannes Flux und Wilhelm Jany, überreicht. Am 28.6. 1941 gerieten etwa 50 Soldaten der 2. Batterie des… Artillerie-Regiments, nachdem sie sich bis zum Äußersten verteidigt hatten, viele von ihnen auch verwundet waren, bei einem Durchbruch der Russen durch die deutsche Stellung in russische Gefangenschaft. Die russischen Soldaten aller Dienstgrade, einschließlich der Offiziere und politischen Kommissare, machten sich sofort daran, den Gefangenen sämtliche Sachen, insbesondere Ringe (sogar Trau-und Verlobungsringe), Uhren und Geld wegzunehmen. Sie machten auch An- stalten, die Gefangenen sogleich zu erschießen; dies wurde jedoch angeblich durch das Hinzukommen eines russischen Generalmajors (Sutchi?) zunächst verhindert. Als die deutschen Gefangenen zum  Abtransport antreten mußten, schoß einer der sie bewachenden russischen Soldaten einen Unteroffizier der 5. Batterie aus kürzester Entfernung in den Fuß. Die von den Deutschen geäußerte Bitte, die zum Teil schwer verwundeten Kameraden ärztlich zu behandeln und sie auf einen Wagen mitführen zu dürfen, wurde abgelehnt. Im Einverständnis mit den Russen legten die deutschen Gefangenen einen verwundeten Kameraden, nachdem sie ihn mehrere Kilometer getragen hatten, unter einen Baum nieder, nachdem die Russen ihnen versichert hatten, daß dem Verwundeten nichts geschehen würde. Kaum hatten die deutschen Gefangenen ihren Kameraden verlassen, als der Verwundete durch einen russischen politischen Kommissar mit drei Schüssen niedergestreckt wurde. Zu diesem Zeitpunkt befand sich die russische Truppe nicht im Kampfe mit irgendwelchen deutschen Verbänden. -73- Erst später, und zwar im Laufe des Nachmittags, wurden die Russen während eines Halts durch ein deutsches Pak-Geschütz und Maschinengewehr-Feuer beschossen. Die russischen Soldaten flüchteten sofort in den Wald und schössen dabei auf die von ihnen gemachten Gefangenen. Hierdurch wurden sechs deutsche Gefangene getötet. Nachdem das Pak-Geschütz das Feuer eingestellt hatte, auch deutsches Maschinengewehr-Feuer nicht mehr zu hören war, kehrten die Russen zu den von ihnen gemachten deutschen Gefangenen zurück und warfen auf sie mehrere Handgranaten, wodurch wiederum fünf der Kameraden getötet bzw. verwundet wurden. Auch schössen sie jetzt erneut mit Karabinern aus kürzester Entfernung auf die Gefangenen, und zwar auf die unter ihnen befindlichen Dienstgrade. Dabei fielen zwei Unteroffiziere, darunter Unteroffizier D., der auf Befragen zugegeben hatte, der HJ anzugehören und als Deutscher in Spanien gekämpft zu haben. Für das Divisions-Kommando: der l. Generalstabsoffizier a. B, gez. Musmans Oberleutnant Protokoll Standort, den 10. Sept. 1942 Ich heiße Heinz Jurack, bin 32 Jahre alt, evangelischen Glaubens, (Dienstgrad – Beruf) Obergefreiter, Infanterie-Ersatz-Bataillon … (Buchbindermeister. Truppenteil, Wohnort)… verneine die übrigen Glaubwürdigkeitsfragen. Ich erkläre zu dem Gegenstand meiner Vernehmung: 7.ur Sache: Am 28. Juni 1941 war das I. Bataillon/Infanterie-Regiment… (mot) bei Dünaburg eingesetzt. Ich gehörte der 4. Kompanie des I. Bataillons an. Wir hatten bereits die Düna überschritten und standen bei Kockiny (Dorf) in schwerem Gefecht mit den Russen. Die 4. Kompanie war auf die Schützen-Kompanie verteilt worden. Ich war mit meiner Granatwerfergruppe bei der 3. Kompanie eingesetzt. Wir lagen in einer Sandgrube von etwa 20 Meter Durchmesser und verteidigten diese gegen eine Übermacht des Feindes. In dieser Sandgrube lagen etwa 50 Mann in Stellung. Im Laufe des Gefechts wurde der größte Teil davon verwundet. Als der Druck des Feindes gegen Abend so stark wurde, daß wir die Stellung nicht mehr halten konnten, bekamen wir Befehl die Sandgrube zu räumen. Während wir uns zurückzogen, wurde ein weiterer Teil der Bedienungsmannschaften der Maschinengewehre und Granatwerfer verwundet, so daß schließlich auch diese Waffen zurückgelassen werden mußten. Vor allem mußten wir sämtliche Verwundeten in der Sandgrube zurück-

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lassen. Als ich die Sandgrube gegen 20 Uhr mit dem Rest der Unverwundeten Kameraden verließ, lagen dort etwa 30 Verwundete. Diese waren alle noch am Leben. Sie waren alle im wesentlichen nur leicht verwundet, jedenfalls nicht tödlich, aber so, daß sie nicht mehr mit uns zurückgehen konnten. Sie hatten hauptsächlich Beinschüsse und Schüsse in den Körper, wodurch sie an der Bewegung verhindert waren. Die Verwundeten mit Armschüssen nahmen wir mit. Auch die Kameraden, die auf dem Rückmarsch verwundet wurden, mußten wir liegen lassen. Als wir uns etwa 3 km rückwärts wieder sammelten, waren von den Verteidigern der vorerwähnten Sandgrube im ganzen nur etwa 10 bis 15 Mann übriggeblieben. Am selben Abend wurde die geräumte Stellung vom 3. Bataillon mit Unterstützung von Panzern wieder genommen. Am Morgen des nächsten Tages, des 29. Juni 1941, früh gegen 4 Uhr, ging ich mit weiteren 9 Mann unter Führung unseres Kompaniechefs, Oberleutnant P., der inzwischen gefallen ist, in die alte Stellung nach vorn, um die zurückgelassenen schweren Waffen zu holen. Als wir in die Sandgrube kamen, in der wir am Abend vorher die Verwundeten zurückgelassen hatten, stellten wir fest, daß keiner von ihnen mehr am Leben war. Ich habe alle Verwundeten genau angesehen und untersucht und dabei folgendes festgestellt: Sämtliche am Vortage zurückgelassenen Verwundeten war der Schädel eingeschlagen worden. Die Schädel waren bei allen flach geschlagen worden. Der Schlag war immer auf die Stelle des Schädels geführt worden, die nach oben gekehrt war. Die Schläge müssen mit stumpfen Gegenständen, wahrscheinlich mit Gewehrkolben oder Stiefelabsätze geführt worden sein, denn man sah an den Köpfen keine scharfkantigen Wunden. Von diesen mit den eingeschlagenen Köpfen daliegenden Leuten hatten etwa 10 Mann das eigene Seltengewehr im Körper stecken. Sie waren mit dem Seitengewehr auf die Erde festgenagelt worden. Einigen steckte das Seitengewehr mitten in der Brust bis zum Griff, anderen steckte das Seitengewehr ebenfalls bis zum  Griff im  Auge. Auch die Verwundeten, die beim Rückzug aus der Stellung auf dem Wege nach hinten verwundet worden waren und zurückgelassen werden mußten, fanden wir mit eingeschlagenen Schädeln vor. Schon auf dem Vormarsch in die Stellung am 28. Juni 1941 früh, als wir die Sandgrube besetzten, kam ich an einer Gruppe von Verwundeten vorbei, die am Wege und auf dem Felde daneben lagen. Es waren ein Leutnant und elf Mann von dem Kradschützenzug des Regiments… Diesen war ebenfalls ausnahmslos der Schädel eingeschlagen worden. Wir untersuchten sie und stellten fest, daß sie vorher nur angeschossen waren, so daß sie meiner Meinung nach noch gelebt haben müssen. Sie waren nur bewegungsunfähig. Es handelte sich um die Spitzengruppe der Aufklärungsabteilung. Diese waren von den Russen verwundet worden, dann erschlagen worden und blieben liegen, bis wir

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hinterherkamen und die Stellung besetzten, von der ich vorher gesprochen habe. Diese von mir geschilderten Vorfälle habe ich mit eigenen Augen gesehen. Ich habe damals den Vorsatz gefaßt, lebend niemals in nissische Hände zu fallen. Von den Kameraden, mit denen ich damals am 29. Juni früh nach vorn gegangen bin und die ebenfalls Augenzeugen dieser Vorgänge gewesen sind, lebt keiner mehr. Sie sind sämtlich später gefallen. Ich versichere, daß die vorstehenden Angaben der Wahrheit entsprechen, und bin bereit, meine Aussage zu beschwören. Der Zeuge leistete den Zeugeneid.

v. g. u. Heinz Jurack

 Geschlossen gez. Dr. Hertel   gez. Schneider Am 27. Juni 1941 belegte die Werkstattgruppe einer Panzerdivision ein Grundstück im Nordteil der Stadt Luck, etwa 100 Meter von der linken Seite des Marktplatzes entfernt. Morgens um 6 Uhr kam ein Ukrainer und teilte den Kriegsverwaltungsräten Merz und Brügmann mit, daß auf dem Grundstück die NKWD deutsche Kriegsgefangene ermordet habe. Sofortige Nachforschungen ergaben den schaurigen Fund von Leichen von vier deutschen Fliegern – eines Oberleutnants, eines Leutnants und zweier Soldaten. Nur beim Leutnant waren Papiere zu finden, aus denen hervorging, daß das unglückliche Opfer ein Leutnant E. S., geboren 1910 in Passau, war. Offensichtlich handelte es sich um eine abgeschossene Flugzeugbesatzung. Im weiteren Verlaufe des Ostfeldzuges erwies es sich, daß die Sowjets nahezu alle notgelandeten deutschen Flieger ermordeten. In diesem Falle wurde Kriegsverwaltungsrat Brügmann vom Gerichtsoffizier der Division, Leutnant Schönfelder, vernommen. Vernehmung Ortsunterkunft, den 28. Juni 1941 Zur Person: Ich heiße Hans Herbert Brügmann, bin 41 Jahre alt, ev., bin seit dem 3. Januar 1940 wieder bei der Wehrmacht. Zur Sache: Die erste Leiche war ohne Füße. Diese waren meines Erachtens abgehackt. Zu dieser Ansicht kam ich, da die Knochen des Unterschenkels mehrere Zentimeter aus dem Fleisch herausragten. Einen Fuß habe ich noch im Schuh steckend vorgefunden. Der Körper wies Brandwunden, etwa in Größe eines 5-Mark-Stückes auf.

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Bei einer weiteren Leiche zeigte der Oberkörper sowohl an der Brust, als auch an der Rückenseite etwa 4 Zentimeter tiefe keilförmige Einbrände. Ich nahm an, daß sie von einem spitzen Gegenstand herrühren. Ein später aufgefundener Lötkolben läßt die Vermutung aufkommen, daß diese Einbrände mit diesen vorgenommen wurden. Bei einer weiteren Leiche war am linken Fuß oberhalb des Knöchels, um den Unterschenkel herum, ein Brandring etwa 6 bis 7 Zentimeter breit zu sehen. Der Geschlechtsteil war erhalten, der Hoden war vollkommen zerquetscht. Die vierte Leiche war vollkommen unbekleidet und absolut verstümmelt. Es fehlte ein Unterschenkel, der später im Grab gefunden wurde. An der rechten Bauchseite war eine eßtellergroße tiefe Wunde zu sehen. Brandwunden habe ich bei dieser Leiche nicht bemerkt. Sämtliche Leichen wiesen starken Verwesungsgeruch auf. Ich bin nicht in der Lage, Angaben über den Zeitpunkt des Todes zu machen. Die Leichen waren höchstens ein Meter tief eingegraben. Das Erdreich war nur leicht aufgeschüttet worden. gez. Brügmann Protokoll Standort, den 17. Juni 1942 Zur Person: Ich heiße Otto Hufnagel, bin 24 Jahre alt, ledig, Oberleutnant, 3./A.-R…., zur Zeit Reservelazarett… Zur Sache: Ende Juni 1941 war die …Panzer-Division nach der Grenzüberschreitung von Busk auf der Rollbahn (gegen Tarnopol zu) vorgezogen. Auf dem Marsche sah ich neben der Straße von Russen niedergemachte Infanteristen einer deutschen Infanteriekompanie, und zwar etwa 80 Mann, darunter drei Offiziere. Die Leichen waren schwerstens verstümmelt. Einzelnen Soldaten waren die Augen ausgestochen, die Ohren abgeschnitten, anderen die Nase abgerissen oder der Schädel eingeschlagen. Einzelnen Soldaten war auch der Geschlechtsteil abgeschnitten. . . . [Die grausigen Verstümmelungen sind kaum wiederzugeben.] Die Toten gehörten einer Infanterie-Division an. Zu weiteren Feststellungen hatten wir keine Zeit. Anfang Oktober 1941 sah ich bei Rylsk (bei Kursk) zwölf Angehörige einer Schützen-Division, die anscheinend vom Wege  abgekommen und hierbei in die russischen Linien geraten waren, mit schweren Verstümmelungen liegen. Einzelnen Soldaten war der Schädel eingeschlagen oder die Augen ausgestochen. v. g. u. gez. Hufnagel Der Zeuge wurde vereidigt. gez. Dr. Hofmann       gez. D. R. K.-Schwestern-Helferin Else Bohr

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Protokoll Berlin, den 26. Januar 1942 Zur Person: Ich heiße Klaus Henninger, bin 20 Jahre alt, ledig, Panzerjäger, l. Panzer-Jäger-Abteilung…, zur Zeit Reservelazarett, Berlln-Dah-lem. Zur Sache: Zwei oder drei Tage nach dem Fall von Bialystok geriet ein Zug der 3. Kompanie unserer Panzerjäger-Abteilung, der beim Vormarsch die Vorausabteilung bildete, bei Suprasi in einen Hinterhalt der Russen. Der Zug hatte gerade eine Brücke passiert, als er aus dem Wald, der sich nach der Brücke zu beiden Seiten der Straße erstreckt, heftig aus beiden Flanken angegriffen und von dem übrigen Teil unserer Abteilung vorübergehend abgeschnitten wurde. Als -wir später an die Stelle dieses Kampfes kamen, stellten wir fest, daß etwa über zwanzig Mann des Spitzenzuges der dritten Kompanie tot auf dem Kampf feld lagen: Der überwiegende Teil dieser Leute war bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt, so daß es nur Kameraden, die die einzelnen Toten näher kannten, möglich war, diese wiederzuerkennen. Einzelnen Toten waren die Augen ausgestochen, anderen die Geschlechtsteile abgeschnitten. Wieder anderen fehlten Finger. Besonders ist mir noch in Erinnerung, daß die Russen einem meiner Kameraden, den ich gut kannte, ein Seitengewehr durch … [die grausigen Verstümmelungen sind kaum wiederzugeben]. v. g. u. gez. Henninger, Panzerjäger Der Zeuge wurde vereidigt. gez. Dr. Hofmann                                                                      gez. Heinz Apitz, Sanitäts-Uffz.

Protokoll Im Felde, l. Juli 1941 Zur Person: Ich heiße Kurt Schäfer, geb. am 3. Mai 1920 in Dägerschlag. Ich bin erst seit dem 3. Oktober 1940 Soldat. Zur Sache: Beim Zurückgehen von Klewan nach Broniki wurden wir von einer russischen Übermacht, die uns umgangen hatte, gefangengenommen. Wir wurden von allen Selten auf die Straße getrieben. Ich sah, wie meine Kameraden ihr Koppel abnahmen. Ich wollte meines auch abnehmen, es blieb aber am Haken hinten hängen. Darauf kam gleich ein Russe auf mich zu und riß es mir herum. Dann mußten wir den Hock, Hemd, Stiefel und Strümpfe ausziehen. Die Russen befahlen uns dies durch entsprechende Handbewegungen. Deutsch hat von ihnen meines Wissens keines gesprochen. Es waren hauptsächlich junge Leute. Diejenigen, die ihr Hemd nicht sofort auszogen, wurden grob mißhandelt. Ich habe zum Beispiel gesehen, wie einer einen Rippenstoß mit dem Gewehrkolben bekam. Andere wurden gestochen. Ich habe dies zwar selbst nicht

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gesehen, sah aber dann die Wunden, die bluteten. Ich sah, wie ein Russe einen am Boden liegenden Verwundeten mit dem Gewehrkolben auf den Kopf schlug. Man sah immer einen Russen bei einem Verwundeten. Diese schrien. Wir wurden nun auf das Feld getrieben, und dann wurden zwanzig Mann die Hände auf den Rücken gebunden. Warum dies geschah, weiß ich nicht. Dann wurden  sie zusammengeknallt mit Gewehr, Pistole und Maschinenpistolen. Im selben Augenblick begannen andere um uns herumstehende Russen auf uns, die wir getrennt von den 20 Gefesselten standen, zu schießen. Wie die ersten umfielen, sprang ich zwischen zwei Russen durch auf das 3 m entfernte Kornfeld zu und flüchtete durch dieses. Eine Reihe anderer Kameraden sprang auch weg. Hinter  uns wurde nachgeschossen. Unterwegs traf ich keine Russen mehr. Nach 6 km stießen wir auf Leute vom Kradschützenbataillon. v. g. u. gez. Dr. Heinrich        gez. Kurt Schäfer                   gez. Döss…

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Verbrechen am Deutschen Volk – Erich Kern 1964

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Franz W Seidler – Verbrechen an der Wehrmacht (1997)

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Der Russeneinmarsch im deutschen Osten »Befreiung« und Vertreibung durch die Sowjets

Dicht hinter den zurückweichenden deutschen Truppen, welche die sowjetische Übermacht nicht mehr stoppen konnten, drangen die Rotarmisten in Westpreußen, in Ostpreußen, in Schlesien und schließlich auch in Pommern und Brandenburg ein. Das Eigentum der Deutschen, deren rechtzeitige Evakuierung oftmals durch die Dienststellen verantwortungslos verzögert worden war, war verloren. Männer, Frauen und Kinder wurden augenblicklich zu rechtlosen Sklaven und Eigentum der roten Sieger. Durch die Haßgesänge der kommunistischen intellektuellen Propagandisten vom Schlage eines Ilja Ehrenburg aufgehetzt, warfen sie alle Hemmungen und alle Regungen der Menschlichkeit über Bord. In seinem Buch »Woina« faßte Ilja Ehrenburg seine Aufrufe an die Rote Armee zusammen. Die Originaldokumente befinden sich im Bundesarchiv Koblenz. Man muß sie kennen, um zu begreifen, was durch den Einmarsch der Roten Armee an unermeßlichem Leid über deutsche Menschen kam. Hier nur einige Beispiele: »Wir sagen nicht mehr Guten Morgen oder Gute Nacht! Wir sagen morgens: “Töte den Deutschem und abends: “Töte den Deutschen!!« »Es geht jetzt nicht um Bücher, Liebe, Sterne, es geht jetzt nur um den einzigen Gedanken: die Deutschen zu töten. Sie alle zu töten. Sie zu vergraben … Es gibt nichts Schöneres für uns, als deutsche Leichen. Schlag den Deutschen tot! – bittet Dich die alte Mutter. Schlag den Deutschen tot! – so fleht Dich das Kind an.« »Deutsche sind keine Menschen, Deutsche sind zweibeinige Tiere, widerliche Wesen, Bestien.« »Sie haben keine Seele. Sie sind einzellige Lebewesen, seelenlose Mikroben, die mit Maschinen, Waffen und Minenwerfern ausgerüstet sind.« »Wenn Du einen Deutschen erschlagen hast, schlage noch einen anderen tot; es gibt für uns nichts Lustigeres als deutsche Leichen!« Die Wirkung dieser Mordhetze waren Massenmord, Massenvergewaltigung und totale Beraubung. Die rote Führung wußte obendrein längst, daß der deutsche Osten zerrissen und zerstückelt werden sollte und der Raub des gesamten deutschen Besitzes beschlossene Sache war. Schon am 4. Oktober 1942 schlug der Exilpole K. Prus-

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zcynski in der Zeitschrift »Wiadomosci Polskie«, London, vor: »Polen sollte Gebiete im Osten an die Sowjetunion abtreten und dafür aus ostdeutschen Gebieten entschädigt werden.« Am 18. Dezember 1942 forderte Sikorski auf einer Pressekonferenz in Chikago: »Erweiterten Zugang zur Ostsee, deutsche Grenz- gebiete im Westen Polens sowie polnische Besetzung aller deutscher Gebiete östlich der Oder.« Diese polnischen Raubforderungen fanden insbesondere beim amerikanischen Präsidenten F. D. Roosevelt ein williges Ohr. Am 14. März 1943 erörterte Roosevelt in Washington bereits mit dem britischen Außenminister Eden die Überlassung Ostpreußens an Polen und die Ausweisung der Ostpreußen. Lächelnd beobachtete der Kreml die Entwicklung. Am l. Oktober 1943 veröffentlichte der sowjetische Spitzenfunktionär Eugen Varga in Moskau den sowjetischen Plan für die Nachkriegsbehandlung Deutschlands. Er beinhaltete Aufteilung, Zerstückelung, Gebietsabtrennung und Reparationen. Im weiteren Verlauf wurde Vargas Plan zur Grundlage der gesamten alliierten Deutschlandpolitik in der Nachkriegszeit. Vor allem in Amerika wurde der Sowjetplan sehr interessiert studiert und regte Henry Morgenthau jun. seinerseits zu Plänen für die Behandlung des Nachkriegsdeutschlands an. Vier Tage nach der Moskauer Erklärung, am 5. Oktober 1943, bestätigte Roosevelt die Abtrennung Ostpreußens von Deutschland und sprach sich dabei dafür aus, daß alle »gefährlichen Elemente der Bevölkerung« zwangsweise ausgesiedelt werden sollten. Zwanzig Tage danach, am 25. Oktober 1943, stimmten die drei alliierten Außenminister in Moskau überein, daß Ostpreußen von Deutschland abgetreten werden sollte. In Teheran schlug am l. Dezember 1943 Winston Churchill die Oder-Neiße-Linie als polnische Westgrenze und die Abtretung ganz Oberschlesiens an Polen vor. Nach London zurückgekehrt, informierte Churchill den damaligen Exilpräsidenten Mikolajczyk über das Ergebnis von Teheran mit den Worten: »Im Westen werden sieben Millionen Deutsche, die zwischen der deutsch-polnischen Grenze leben, in das eigentliche Deutschland ausgewiesen.« Erst nach einem Monat, am 22. Februar 1944, informierte Churchill das Unterhaus über die Ausweisungs- und Zerreißungspläne und stieß dabei auf mancherlei Bedenken. In Washington versprach Roosevelt am 12. Juni 1944 dem polnischen Exilpräsidenten Mikolajczyk feierlich Schlesien und Ostpreußen. Solchermaßen ermuntert, beschloß die polnische Exilregierung am 30. August 1945 in London die Ausweisung aller Deutsdien nach dem Kriege. Im kanadischen Quebec unterfertigten Roosevelt und Churchill am 11./l 2. September 1944 den Deutschlandplan von Henry Morgenthau jun., der neben der totalen Verelendung und Versklavung Deutschlands unter anderem auch -172- die Abtretung Ostpreußens an die Sowjetunion und Polen sowie Schlesiens bis zur Katzbach an Polen vorsah. Vor dem britischen Unterhaus billigte Churchill am 15. Dezember 1944 ausdrücklich die Austreibung der Deutschen aus den an Polen fallenden Gebieten. In Jalta auf der Krim wurde vom 5. bis 11. Februar 1945 die Oder-Neiße-Grenze mit solcher Gründlichkeit festgelegt, daß sich bei der Debatte über diesen für Deutschland so entscheidenden Punkt im Sitzungssaal der Alliierten nicht einmal eine Landkarte befand. So passierte denn auch die »Verwechslung« zwischen der Görlitzer Neiße und der Glatzer Neiße, wodurch auch noch Gu-ben, Forst, Görlitz, Grünberg, Sagan, Glogau, Liegnitz, Hirschberg, Schweid-nitz und Teile von Breslau, Neiße und Glatz verlorengingen. Als Winston Churchill seine Befürchtung ausdrückte, die Ausweisung von über sechs Millionen Deutschen könnte das britische Volk entsetzen, entgegnete ihm Stalin gelassen: »Wo die Rote Armee hinkommt, sind sowieso keine Deutschen mehr zu finden. Die sind alle längst von selbst davongelaufen.« Churchill erwiderte darauf lakonisch, das vereinfache natürlich das Problem. Leider wollten oder konnten nicht alle Deutschen vor ihren sowjetischen Befreiern davonlaufen. Zu Zehntausenden und Zehntausenden wurden sie in den langsamen Trecks von den Panzerrudeln der Roten Armee überrollt, Millionen fielen in die Hände der gnadenlosen Sieger. Tragischerweise weilten im deutschen Osten zusätzlich noch zahlreiche Luftevakuierte aus West- und Mitteldeutschland. In Ostpreußen 200 000, in Ostpommern 100 000, in Ostbrandenburg 75 000 und in Schlesien sogar 45 000. All diese Massen kamen zur einheimischen Bevölkerung hinzu, die nun zum großen Teil um ihr Leben rannte. Aus Ostpreußen gelang es, mit Trecks oder mit der Eisenbahn 250 000 zu retten, über das Haff im Raum Danzig und Pommern 450 000, von Pillau über die Nehrung, ebenfalls nach Danzig und Pommern wieder 450 000. Von Pillau aus konnten noch 450 000 über See mit Schiffen gerettet werden; in Ostpreußen selbst blieben 500 000 Deutsche zurück. Allein aus der Danziger Bucht fuhr die Kriegsmarine rund 90 000 aus. Obwohl Hela bereits im  Hagel sowjetischer Bomben und Artilleriegeschosse lag, glückte es der Kriegsmarine bis zum 6. Mai, 427 000 Flüchtlinge und Landser zu retten. 60 000, in der Masse Soldaten, mußten zurückbleiben. Aber ein großer Teil der flüchtigen Ostpreußen, rund zwei Millionen, konnte aus Ostpommern, dem Danziger Raum und Westpreußen nicht mehr weggebracht werden. Sie blieben zurück. Allein in Schlesien wurden eineinhalb Millionen von der Roten Armee überrollt. -173- 1,6 Millionen gelang aus Schlesien die Flucht nach dem Westen. Doch eben-soviele flohen zu ihrem Unglücks in das Gebiet der Tscheche!. Alle waren wehrlose Geiseln in den Händen der siegesberauschten, entmenschten sowjetischen Soldateska. Deutsch sein hieß Freiwild sein. Rund drei Millionen deutscher Frauen wurden vergewaltigt – die sich wehrten, wurden erschossen. Erschossen wurde überhaupt ganz nach Belieben. Aus der großen Auswahl erschütternder Erlebnisberichte seien hier nur wenige angeführt, die Kunde darüber geben, wie mit den deutschen Menschen verfahren wurde. Sofje Jesko aus Penczniew, Kreis Turek i. Polen: »Am 18. Januar 1945 erhielten die Bewohner der Umgegend von Turek den Befehl, sofort nach Westen abzurücken. Zurückflutende Wehrmachtsteile, untermischt mit Flüchtlingen aus dem Gouvernement, hatten entsetzliche Greueltaten der Sowjets berichtet und hierdurch die allgemeine Panikstimmung noch erhöht. Deshalb verließen wir ebenfalls fluchtartig unsere Heimat. Auf völlig vereisten, verstopften Straßen war nur noch im Schritt vorwärts zu kommen. Westlich von Schroda wurde unser Treck plötzlich von deutschen Lkws mit vermummten Zivilisten darauf: Männern, Frauen, Kindern überholt und wir zum Verlassen der Straße und Auffahren auf dem seitlich gelegenen Acker aufgefordert. Sehr bald stellte es sich heraus, daß dies alles russisch-polnisch-jüdische Partisanen waren, die unseren unübersehbaren Wagenpark sofort umstellten und zu plündern begannen. Kurz darauf trafen sowjetische Panzer ein. Ein General – ich selber spreche fließend Russisch und Polnisch – fragte nach der Zahl der vorhandenen deutschen Offiziere und gab den Befehl zur sofortigen Liquidierung aller irgendwie Verdächtigen. Durch Abwerfen von Nebelbomben entstand eine entsetzliche Panik. In diesem künstlichen Nebel begann nun ein allgemeines Abschlachten, Plündern, Vergewaltigen. Man hörte die Schreie der Erschlagenen, Schießen, das Kreischen der geschändeten Frauen, die Hilferufe der Kinder und alten Leute. Auf einem Lkw – uns gelang es im Gegensatz zu unseren nächsten Bekannten, einer Frau Natalie Lange mit ihrem Sohn und reichen polnischen Flüchtlingen, die hierbei ebenfalls erschlagen wurden, aus dem allgemeinen Hexenkessel zu entkommen, da wir allen Sowjets usw. erklärten, wir wären verschleppte Ostarbeiter – saß im offnen Pelz mit weißen flatternden Haaren eine alte Furie. Zu ihr stießen rohe Soldaten usw., junge verzweifelte schreiende Frauen mit ihren kleinen Kindern auf dem Arm. Diese alte Furie ergriff die Kinder und schlug sie mit dem Kopf an die Kante des Lkws. “Engelchen!” Die zusammenbrechenden Mütter wurden weggeschleppt. -174- Die Nacht verbrachten wir zitternd in einem abseitsgelegenen Waldwärterhaus. Nachts kam der Sohn, ein Pole, beladen mit Beute und erzählte, wie sie die zusammengeschleppten Leichen der Ermordeten hätten mit Benzin übergießen und anstecken müssen: “Wir nicht so dumm wie Hitler, meinte er grinsend. Wir zogen dann langsam zu Fuß in unsere Heimat zurück. Überall in den Waldstücken stießen wir auf niedergemachte Soldaten und Zivilisten, überall trafen wir Trupps von polnischen Bengeln, die mit deutschen Gewehren bewaffnet Jagd auf Versprengte machten und sich rühmten, wie viele sie schon ermordet hätten und wie sie sie gequält hätten. Zu Hause angekommen, gingen die Verfolgungen der Deutschen, die hier geblieben oder leichtsinnigerweise zurückgekehrt waren, weiter. Die kleinste Kleinigkeit genügte, um erschossen oder nach schweren Mißhandlungen verschleppt zu werden. Das Denunziantentum blühte. Kein Deutscher hatte auch nur das geringste Recht mehr. Nacht für Nacht schleppten polnische Bengel betrunkene Russen in die Häuser, in denen sich deutsche Frauen und Mädchen befanden, oder verrieten diese in ihren noch so geschickt ausgesuchten Ver- stecken.« Frau F. M. aus Gr. Ottenhagen, Kreis Samland (Ostpr.) »Gemeinsam irrten wir am 29. Januar 1945 nun weiter bei tiefem Schnee und großer Kälte und wurden von kleinen Truppen Russen überholt, die immer Uhr und Stiefel verlangten. Dabei ist der 80jährige Herr B. Mahnsmühle beim Austreten im Walde erschossen worden. In Angst und Aufregung ging es weiter bis zu einem größeren Gut, das schon von Russen besetzt war, dort mußten wir unseren Wagen verlassen. Zu Fuß ging es nun weiter, bis wir einen andern Wagen trafen, dem wir uns anschlossen, zusammen waren wir 19 Personen und 4 Kinder. Es kamen immer wieder Russen, die Uhren usw. verlangten. Plötzlich kamen zwei Personenautos mit Russen, die blitzschnell alles nahmen, Handtaschen, Koffer, Gepäckstücke, Pelze, was sie sahen und wertvoll war. Dann – ein schnelles Aufstellen zum Erschießen. Der Überfall kam so schnell, daß niemand wagte, etwas zu sagen. Mein Mann, einer der ersten,  hatte Kopfschuß vor meinen Augen. Da wir gleich am Anfang standen, habe ich nur Schreien und Schießen gehört, der Schmerz hat mir das Bewußtsein genommen, und ich fiel hin. Von 19 Personen war ich allein ohne Verletzung übriggeblieben. Herrn Rehfeld, Deputant Wagner hatten fünf Schuß schwer verletzt, und drei Personen waren leicht verletzt. Sogar die halbgelähmte Frau Rehberg wurde vom Wagen gehoben und auch erschossen. – Mit letzter Kraft hatten wir uns zusammengetan und sind weitergefahren, wurden dann aber von Russen angehalten und ins Lager Schönmohr gebracht, das war ein Sammellager. Ob sich dort jemand um die Verletzten ge- -175-

kümmert hat, kann ich nicht sagen, da ich selbst mit einigen andern Frauen ausrückte aus Angst vor Vergewaltigungen der Russen.
Zu Fuß im tiefsten Schnee kamen wir nach Fuchsberg, dort war es wie überall, vergewaltigt wurden fast alle Frauen, besonders die jungen. Am nächsten Tag wurden wir in langer Kolonne nach Löwenhagen geführt und in Siedlungen untergebracht, auch Polen waren darunter. In aller Frühe ging es am andern Tag weiter über Hohenhagen nach Groß Barthen, dort wurden viele Männer nach dem Pregel transportiert, alle andern gingen weiter über Groß Ottenha-gen ins Lager Seewalde.
In Seewalde wurde eine Leibesvisitation vorgenommen, und was noch übriggeblieben war, wurde nun gefunden, so daß man nur noch die Kleider behielt. Des Nachts kamen dann die Soldaten mit Taschenlampen und suchten sich Frauen aus, wenn sich dieselben sträubten, bekamen sie Schläge, bis sie mitgingen. Ältere beherzte Frauen, die Russisch sprachen, haben dann für das Essen gesorgt, das man dort noch reichlich vorfand. Nach vier Tagen wurden wir, immer in Kolonnen, nach Gr. Lindenau geführt, wo wir in Schweineställen und Holzställen untergebracht wurden, später dann in Häusern. In Gr. Lindenau sind viele Erschießungen

vorgenommen worden, die im Walde ausgeführt wurden. Die Flüchtlinge mußten sich sehr oft versammeln, und dabei wurden von den Russen immer wieder bestimmte Personen gesucht, die dann des Nachts geholt wurden und nicht mehr wiederkamen. Die größeren Jungen wurden den Müttern fortgenommen und sind nicht wiedergekommen. Der Aufenthalt dauerte 14 Tage.
Während dieser Zeit herrschten schon Krankheiten und viele Sterbefälle und große Angst und Aufregung unter den Flüchtlingen. Frauen verschwanden des Nachts und kamen auch nicht wieder. Vergewaltigungen waren an der Tagesordnung, und man hörte in den Häusern oft Schießereien. Um Verpflegung mußte sich jeder selbst kümmern.
Anfang März wurden wir von Gr. Lindenau auf sechs offenen Lastwagen über Insterburg, Budwethen nach Tilsit gefahren, bei 20 Grad Kälte. Es gab viele Erkrankungen und zwei Todesfälle. In Schillen wurden wir in engen Räumen untergebracht, ein Elend war es für jeden, der dabei war. Es waren Menschen in jedem Alter dabei, viele ältere haben die Strapazen nicht ausgehalten und blieben unterwegs am Wege liegen. Gewehrschüsse sagten uns dann, daß die russischen Posten diese armen Menschen erschossen hatten.
In Lengwethen wohnten wir in der Johanna-Ambrosia-Schule ungefähr acht Tage. Wir gingen in Gruppen auf Suche nach Lebensmitteln und fanden tote Mädchen, im Alter zehn bis zwölf Jahre, vergewaltigt in Ställen und Scheunen, auch junge Mädchen waren mit zerrissenen Kleidern verblutet, die Spuren waren deutlich.
Überall, wo wir hinkamen, fanden wir tote Personen. Dann wurden wir
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wieder auf abgelegene Ortschaften verteilt und kamen in die Nähe von Breitenstein, wo eine Kommandantur war. Es sollte immer ärger mit Angst und Aufregungen werden, wir wurden zu allen möglichen Arbeiten geholt (Tote beerdigen usw.). Auch hier war es am besten, wenn man nicht aus dem Hause ging, da immer die Gefahr der Vergewaltigung und Plünderung war. So haben meistens die älteren Männer alles herangeschafft, was nötig war.
Nach einigen Tagen ging es weiter über Breitenstein, Fußmarsch nach Budwethen und weiter nach Schloßberg mit einmal Übernachten. Fast jeder Flüchtling hatte einen kleinen Handwagen, und es war sehr schwer für Frauen mit Kindern, auf eisglatter Straße vorwärtszukommen bei großer Kälte ohne Essen. In Schloßberg wurden wir in einem gebombten, verschmutzten Krankenhaus untergebracht, dann wurden wir registriert und von den Russen Ansprachen an uns gehalten (etwa in dem Sinn, daß die Zeit für uns jetzt vorbei sei, nur immer auf den Klingelknopf zu drücken, jetzt wird gearbeitet, das hatte sich dann auch bewahrheitet).
Wir wurden nach Kussen verteilt, auch Fußmarsch, das für uns die Hölle bedeutet hat. Die Ernährung schlecht, da dort nichts mehr zu finden war, die Russen gaben nur wenig Mehl an Frauen, die arbeiteten. Das Ungeziefer nahm überhand, und viele Personen sind dort verhungert. Trotzdem mußten alle Personen arbeiten, jeden Morgen in aller Frühe antreten, und dann ging es in Gruppen aufs Feld. 18 bis 20 jüngere Frauen wurden an den Pflug gespannt und mußten täglich den Pflug ziehen, und wehe, wenn sie (es) nicht zwangen!
Es war entsetzlich, wenn die Frauen versagten, dann kam es immer zu Prügelstrafen, da die Russen immer dabei waren und drohten. Die älteren Frauen wurden an die Eggen gespannt. Frau Förster May, Löwenhagen, ist oft ohnmächtig geworden. Ich hielt dieses auch nicht aus, und wir durften uns dann im Gemüsegarten beschäftigen.«

G. Fieguth aus Tiegenhof, Kreis Gr. Werder (Westpr.):
»Unsere Trecks wurden Ende Januar auseinandergeschlagen, und alles drängte zur Stadt. Danzig war nun buchstäblich vom Keller bis zum Dach mit Menschen vollgestopft. Von drei Seiten wurde die unglückliche Stadt durch schwere Artillerie beschossen, große Bombengeschwader griffen pausenlos aus der Luft an, und in wenigen Tagen war das Schicksal dieser stolzen, schönen Stadt besiegelt.
Zu der ungeheuren Zahl von Menschen, die unter den Trümmern verschüttet, auf den Straßen zerschmettert wurden, gehörten auch viele Bewohner unseres Kreises. Nie wird man die Zahl feststellen können. Groß war die Zahl derjenigen, die um Danzig und in den Vororten vom Russen überrannt und verschleppt wurden. Leider sind von diesen Unglücklichen bis heute viele nicht zurückgekehrt, und auch ihre Namen sind nie festzustellen. Mit einem Drama
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von ungeheurem Ausmaß fand hier in diesen letzten Tagen des März unser Treck ein schreckliches Ende. Doch das Drama des Einzelschicksals ging weiter. Auch von denen, die mit dem Schiff zu entrinnen suchten, fanden viele, oft ganze Familien, den Tod in den Wellen.
Groß war leider auch die Zahl der Männer unseres Kreises, die zur Waffe, zum Gift griffen und für ihre Familien und für sich den Freitod suchten. Bei Beginn der Flucht konnte oder wollte wohl manche Familie ihren Hof, ihre alte Heimat nicht verlassen. Auf der Flucht verloren Familien die Nerven, und wie groß die Zahl der Familien ist, die bei der Besetzung und Verschleppung durch die Russen dem Drama ein Ende machten, wird nie festgestellt werden.
Ich will nur einige Familien erwähnen. Der Ortsbauernführer W. B., Groß Montau, brachte den Treck seines Dorfes sowie seines Hofes in tadelloser Ordnung auf den Weg, dann erschoß er seine Frau, seine Tochter, sein Enkelkind und sich. Der Bauer J. W., Schönsee, fuhr mit den Wagen seines Hofes die kurze Strecke bis zur Weichsel, dort drehte er den alten Landauer, in dem er selber, auf dem Kutschbock sitzend, seine Familie fuhr, herum, fuhr auf seinen Hof zurück, erschoß dort seine Frau, seine drei Töchter im Alter von 17 bis 21 Jahren und sich. Der Bauer M. P., Fürstenau, fuhr bis auf das westliche Ufer der Weichsel, dort am Straßenrand, im Schneesturm der Nacht, erschoß er seine Frau und sich. Der Bezirksbauernführer v. R., Rosenort, brachte seine Trecks in bester Ordnung bis zur Danziger Niederung, doch weiter wollte er seine Heimat nicht verlassen und wählte mit seiner Frau den Freitod durch Gift.«

Frau Frida Volckmann aus Dambitzen, Kreis Elbing
»Im dritten Dorf wurde Ende Januar mein Mann gefangengenommen und abgeführt. Mein Mann konnte mir noch zurufen: “Geht nach Occalitz zurück!”
Wir sind dann mit dem Bauern aus Pr. Holland weitergefahren. Auf dem Wagen lag die Tochter des Bauern, die die Russen während der Fahrt und beim Halten in den Dörfern mehrfach vergewaltigt hatten, und ihr, als sie sich wehren wollte, in den Rücken geschossen hatten. Der Mutter der Schwerverwundeten, die ihrer Tochter zu Hilfe kommen wollte, wurde durch die Hand geschossen. Meine Schwiegertochter und die Frau eines Danziger Kaufmanns, die sich uns angeschlossen hatten, wurden während der Fahrt von aufspringenden, jungen, russischen Soldaten mehrfach vergewaltigt, und das in Gegenwart der sterbenden jungen Frau, der erwachsenen Tochter der älteren Danziger Dame und der anderen Personen. –
In Occalitz konnten wir nicht auf den Gutshof, da dort die Russen hausten. Wir fuhren deshalb nach der ca. l km entfernten Revierförsterei, wo wir den alten Revierförster Täger mit Frau und zwei verheirateten Töchtern und deren Kinder sowie eine Menge Flüchtlinge und Frauen und Mädchen aus dem Dorf antrafen. Die Russen erschienen jeden Abend, holten sich mehrfach eine
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Anzahl Frauen und Mädchen bis zu den jüngsten herunter, die mehrfach täglich geschändet wurden. Am vierten Tage erschienen plötzlich vier deutsche versprengte Soldaten, die sich Lebensmittel holen und sich verbergen wollten. Unglücklicherweise kam zur gleichen Zeit eine russische Patrouille, die einen der Deutschen sofort erschoß und die andern gefangennahm. Nun wurden die Russen noch rabiater, und die zahlreichen Frauen und Mädchen waren vor Angst vor den Gewalttaten der Russen halb irrsinnig. Ein Teil der jüngeren Frauen und Mädchen beging bereits Selbstmord.
Dem Revierförster wurde, da er sich nach Ansicht der Russen stark spionageverdächtig gezeigt habe, mit Räumung des Hauses und Schlimmerem gedroht, so daß er alle Anwesenden aufforderte, die Försterei zu verlassen, zumal er und seine Familie beschlossen hätten, in den Tod zu gehen. Die eine Tochter, eine Ärztin, habe sich bereits mit ihren beiden Kindern vergiftet. Wer sich erschießen lassen wolle, für den sei eine Kugel auch da. Andernfalls müsse das Haus sofort geräumt werden. Es sind in der Försterei allein 62 Menschen von dem Gut und Dorf Occalitz daraufhin durch Ertränken in dem See, durch Erschießen durch den Revierförster Täger, durch Gift und durch Erhängen in den Tod gegangen.«

Frau Klara Seidler aus Danzig:

»In Gruppen von fünf bis sechs Russen kamen Ende Januar die Soldaten und nahmen uns unser bißchen Essen und was ihnen sonst noch gefiel, und dann hieß es wieder: “Frau komm!” Wer nicht gleich mitging, wurde grausam geschlagen und letzten Endes doch gezwungen mitzugehen, meistens im Treppenflur oder auf der Treppe oder auch in den oberen zerstörten Stockwerken wurden die Frauen mißbraucht, tierisch die Brüste zerbissen und furchtbar gequält, gleich immer von vielen hintereinander. Besonders unsere Frau Mietke, eine 67jährige, wurde immer wieder geholt. Sie hatte ein Capottmützchen auf und große Brille und hat immer so kläglich gebeten, nichts half.
Frau Brückmann wollte ihre Tochter von 12 Jahren nicht vor ihren Augen schänden lassen. Sie hielt ihre Inge, ein hübsches Mädel mit langem Kraushaar, im Arm. Der enttäuschte Russe knallte beide runter.
Frau Paaps Tochter, Frau Lemke, wurde von einem Russen überwältigt, ein alter Offizier wartete als nächster darauf. Als sie sich sträubte und ihre Mutter anflehte, erschoß sie der Russe, die Mutter kam mit einem Rückenschuß davon.
Auf dem Trinitatsfriedhof war die Leichenhalle mit Menschen bewohnt. Zwischen den Gräbern wurden die Frauen vorgenommen, ins Gärtnerhaus hineingeschossen, dadurch die Leute, die sich verkrochen hatten, getötet.
Dies alles spielte sich vor unseren Augen ab.«
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Frau Johanna Mrowka aus Ebenrode (Ostpr.)
»Einige Frauen, mein Sohn und ich machten uns Ende Januar auf den Weg (zurück) nach Stallupönen. Fast jeden Tag legten wir 20 Kilometer zurück.
Zur Nacht suchten wir uns dann eine Unterkunft. Überall auf den Straßen trieben sich noch Russen herum, diese paßten auf, wo die Deutschen hingingen. In der Nacht drangen sie dann in unsere Unterkunft und haben uns alle vergewaltigt. Ich wurde auf dem Fußmarsch nach Stallupönen oft von den Russen vergewaltigt. In einer Nacht holten mich die Russen fünfmal. Viele Frauen wurden bis zu 15 Mal von den Russen geholt. Es sind sehr viele kurz darauf verstorben.
Unterwegs sahen wir an den Straßen junge und alte Frauen liegen, die einfach zu Tode gequält waren. Diesen Frauen hatten die Russen dann die Röcke über den Kopf geschlagen. Wir konnten dann sehen, daß Unterwäsche und Unterleib vollkommen blutig waren. In einem Bunker fanden wir ein junges Mädchen mit ihrem alten Vater, die beide von den Russen ermordet waren. Dem Mädchen waren ebenfalls die Röcke hochgeschlagen, und wir konnten sehen, daß auch ihre Unterwäsche blutig war. Auf dem Marsch nach Stallupönen haben wir während der ganzen Zeit jede Nacht solche Schreckensbilder gesehen oder sogar selbst erlebt. Wir sind dann schon gar nicht mehr in die Häuser gegangen, sondern hielten uns während der Nacht im Freien auf.«

Frau Editha Müller aus Drossen, Kreis Westernberg (Brandenbg.):
»Der Flüchtlingszug, der uns am l. Februar 1945 um 12 Uhr fortbringen sollte und in dem sich der größte Teil der Drossener Einwohner befand, wurde ungefähr nach 300 m am Zeuschtsee von russischen Panzern beschossen. Es gab über 200 Tote. Alles drängte ins Freie. Meine 14jährige Tochter sprang zum Abteilfenster hinaus und lief in den nahen Wald, wo wir sie erst nach vielem Rufen und Suchen später wiederfanden. Meine 74jährige Mutter, mein 12jäh-riger Sohn, meine 5jährige Tochter und ich strebten im Zug dem Ausgang zu. Wir mußten durch Blutlachen und an blutbespritzten Kinderwagen vorbei. Aus dem Fenster eines Abteils hing ein Soldat, dem von einem Geschoß der Kopf abgerissen war. Im Walde suchten Eltern ihre Kinder, und Kinder schrien nach der Mutter. Eine Frau lief mit einem Kopfschuß irr umher, und einer jungen Frau waren sämtliche Finger zerschossen. In aller Augen Grauen und Entsetzen.
Den ganzen Nachmittag lagen wir im Schneematsch im Walde, der dauernd beschossen wurde. Wir sahen, wie der alte Herr Birkholz aus Drossen, Breite Straße, zusammenbrach und starb. Gegen Abend gingen wir, denn der Zug lag zerschossen auf der Strecke, in unser Haus am Röthsee zurück und verbrachten des Beschusses wegen die Nacht im Keller. Am nächsten Morgen gingen wir mit Nachbarn in ein abgelegenes Bauerngehöft, da unsere Stadt noch unter Beschuß
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lag. In unser Haus, Drossen, Weinbergsweg 9, kamen wir nicht mehr zurück. Die Polen plünderten es und steckten das Nachbargrundstück an, dieses brannte vollständig nieder. Frau Dr. Walther erzählte mir selbst, daß sie beim Einmarsch der Russen in Gegenwart ihres Mannes sechsmal hintereinander von Russen vergewaltigt worden sei und daß sie Gift nehmen würde, was sie auch später getan hat. Hundert Einwohner etwa nahmen sich im Gaswerk das Leben, viele andere durch Erschießen und Gift.«

Frau Marie Buchholz aus Alt-Felicjanow, Kreis Tomaszow (Polen):
»Am 3. Februar 1945 aber wurde mein Mann in unserer Wohnung von polnischer Polizei und russischen Soldaten verhaftet und in Koluszki in Gewahrsam genommen. Mein Ehemann verließ die Wohnung allein mit der Polizei und den russischen Soldaten. Wie ich am anderen Tage feststellte, wurde mein Ehemann von der polnischen Polizei zu Arbeiten verwendet. Seitdem habe ich von meinem Ehemann nichts mehr gehört, bis mir am 6. Februar 1945 von polnischen Zivilisten berichtet wurde, daß mein Ehemann vier Kilometer westlich von Felicjanow tot aufgefunden worden sei. Ich begab mich daraufhin an den bezeichneten Ort im Walde und fand meinen Mann erschossen, neben zwei anderen bis zur Unkenntlichkeit zugerichteten Deutschen, liegen. Es waren dies der Stellvertreter meines Mannes Fr. Tierling, und der Bierverleger Edmund Baum. Ein paar Schritte von ihnen entfernt lagen die Leichen von neun ermordeten deutschen Soldaten. Am gleichen Tage, nachdem ich beim polnischen Kommandanten die Genehmigung erhalten hatte, begaben sich mein Schwager und mein jüngster Sohn mit einem Handwagen an den Ort des Grauens und holten den Leichnam meines Ehemannes ab. Wir wollten ihn nach Hause bringen und schnell noch einen Sarg zusammenzimmern, aber da kam die polnische Miliz dazwischen und erlaubte es nicht. So begruben wir den Leichnam so auf unserem Friedhof. Das war am 8. Februar 1945.
Im allgemeinen war es bei uns so, daß die polnische Intelligenz sich nicht recht traute, der Pöbel aber wütete und mordete. Ob schuldig oder nicht, danach fragte man nicht. Die vermögenden Deutschen oder diejenigen unter uns, die bei einer deutschen Dienststelle beschäftigt waren, wurden erschossen oder langsam zu Tode gequält. Aber auch die anderen Volksgenossen blieben nicht verschont.«

Karl Tiffert aus Lassen, Kreis Brieg (Niederschlesien):
»Am 4. Februar 1945, Sonntag, nachdem die Russen über die Oder gesetzt waren, kam es in und um Lossen zu Gefechten, welche sich in der Richtung Grottkau weiter entwickelten; hinter Grottkau stand die deutsche Front. Als die ersten russischen Panzer mit Infanterie ankamen, waren wir sofort Uhren, Ringe und andere Sachen los. Kurz darauf kam Infanterie an, und da war der
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Teufel los. Sofort wurden die ersten Frauen vergewaltigt, von Kindern von 12 Jahren bis zur Greisin über 80 Jahre, was ich selbst aus nächster Nähe gesehen habe. Mein zweites Dienstmädchen, Helene T., wurde von den Russen dreizehnmal hintereinander gebraucht. Es verging kein Tag, wo es ruhig war. Die jungen Mädchen und Frauen lagen meistens die Nächte im Garten unter den Sträuchern. Setzte sich ein Mann für sie ein, wurde er erschossen oder erschlagen, wie Bauer Hermann Wende erschossen mit Frau und Tochter, Kaufmann Theodor Ruscher und Max Leesch, Max Peisker erschossen. Rentner Scholz mit Frau mit dem Spaten erschlagen. Ein 12 Jahre altes Mädchen wurde von der Mutter geschützt, Mutter erschossen, Mädchen gebraucht. Es gab fast keine Frau, die nicht geschändet wurde. Eine Greisin, Frau Rahn, viermal gebraucht. Frau Schneidermeister Pfeifer aus Jeschen erhängte aus Verzweiflung ihre drei Kinder im Alter von acht bis dreizehn Jahren und sich dann selbst.
Aus dem Dorf Jeschen wurden fast restlos alle männlichen Personen verschleppt und sind verschollen, ebenso aus Lossen, die da waren. Die meisten sind verschollen. Ob Partei oder nicht. In der Villa Buchs war GPU, wo ich selbst vernommen wurde, von 30 Mann sind wir nur 4 Mann, ich auf meine russische Sprache, freigekommen, die andern verschleppt, nichts mehr von ihnen gehört. Das Vieh war im ganzen in einigen Stunden alles raus, so daß alle Wirtschaften bis auf einige Katzen leerstanden. Sämtliches Inventar wurde demoliert. Die evangelische Kirche war total ausgeräumt, in der katholischen Tabernakel erbrochen, und sämtliche kirchlichen Sachen lagen verstreut im Park und Dorf im Dreck. Viele Gebäude angezündet.

Die toten Deutschen lagen, ebenso Vieh, bis zur Ernte rum. Es konnte sich ja niemand auf die Straße wagen, wollte er nicht verschleppt werden.«

Frau Dora Mietzko aus Elbing (Westpr.):
»Am 9. Februar 1945 erreichten die Russen unseren Stadtteil, Königsstraße/ Hochstraße, in meiner Heimatstadt Elbing. Nachdem die furchtbaren Kämpfe vorüber waren (es ist bekannt, daß Elbing zu den meistzerstörten Städten im Osten zählt), glaubten wir aufatmen zu können und ahnten noch nicht, daß erst jetzt die viel größeren Schrecken über uns kommen würden.
Kaum hatten uns die ersten Russen in unserem kleinen, selbstgebauten Bunker unseres Gartens (Hochstraße 5) entdeckt, begannen sie, uns auszuplündern. Uhren, Schmuck, alle Wertgegenstände wurden uns genommen. Das alles berührte uns aber wenig, denn wir alle (wir waren etwa 18 Menschen, Miteinwohner) waren nach dem tagelangen Beschuß unseres Stadtteiles total erschöpft und ausgehungert, da wir den Bunker während dieser Zeit nicht verlassen konnten. Unser Wohnhaus war längst abgebrannt.
Da kam ein betrunkener Russe hinzu und verlangte “Schnaps” von uns, den wir natürlich nicht hatten. Voller Wut darüber nahm er eine Handgranate und
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warf sie in den Bunker, der unweigerlich in die Luft gegangen wäre und uns alle begraben hätte, wenn nicht — sei es Fügung — gerade am Bunkereingang ein Wassereimer gestanden hätte. In diesen Wassereimer fiel die Granate. Es zischte, der Bunker war voller Rauch, und so wurden nur die, die dem Bunkereingang am nächsten saßen, verletzt, zwei von ihnen schwer, sie wurden von den Russen erschossen, darunter mein Onkel, Bernhard Harwardt, 56 Jahre alt. Sie wurden einfach erschossen, well sie nicht mehr die Kraft besaßen, weiter zu gehen, als wir anschließend herausgetrieben wurden, schlimmer wie Vieh. So begann der Leidensweg für viele, viele Tausende von Menschen, alt und jung.
Von allen Straßen, aus allen Häusern wurden die Menschen zusammengetrieben und eingesperrt, sei es im Gefängnis oder in anderen öffentlichen Gebäuden. Wir z. B. wurden in die Bergschule getrieben und mußten dort die Nacht verbringen. Es war grauenvoll. Zusammengepfercht lag alles neben- und aufeinander, alles erschöpfte, ausgehungerte Menschen. Einige aßen noch etwas, die meisten hatten aber nichts, denn man hatte ja keine Gelegenheit gehabt, sich noch etwas zu beschaffen.
Noch glaubten wir, vielmehr hofften wir, daß das bald vorüber sein und wir wieder in die Häuser zurückgeschickt würden. Man hatte uns schon “warmes Essen” versprochen! Welch ein Hohn, wie lange sollten die meisten von uns das nicht mehr sehen, viele gar nicht mehr. Das Gejammere der Kleinen und Großen, die Hunger und Durst hatten, und der eigene Hunger war schon unerträglich. Wenn ich an die vielen weinenden Kinder denke, meine eigenen zwei-und dreijährig (es gibt wohl nichts Herzzerreißenderes, als die Kinder vor Hunger weinen zu sehen), an eine Gebärende (ohne irgendwelche Hilfsmittel), dann packt mich heute noch das Grauen.
Und dann begann wohl das Schlimmste, was uns Frauen zustoßen konnte. Es war entsetzlich, als wir das Unfaßbare erkannten. Die Bestien kamen ohne Unterbrechung, leuchteten mit ihren Laternen in dem Raum umher und nahmen sich eine nach der andern. Es gab keine Hilfe. Und es gab wohl kaum eine Frau, der dieses Schicksal der rohen Vergewaltigung erspart geblieben ist, auch ich bin ihm nicht entgangen. Meine armen Schwestern, jung und unerfahren, und die vielen, vielen Frauen und Mädchen, die sich fügen mußten, wenn sie nicht erschossen werden wollten. Sofern sich jemand weigerte mitzugehen, wurde die Pistole gezeigt. So verlief die erste Nacht der “Befrelung” durch die Russen.
Am frühen Morgen wurde die ganze Menschenmasse zur Stadt hinausgetrieben. Frauen und Kinder in großen Trupps, ebenso Männer gesondert. Das war der Morgen des 10. Februar 1945, der für alle Zeiten in mein Gedächtnis eingegraben ist. Ich sehe alles vor mir, heute wie damals. Die herzzerreißenden Szenen, die sich da abspielten, kann man nicht wiedergeben. Meine beiden Schwestern im Alter von 16 und 26 Jahren, die meine damals schwerkranke
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Mutter geführt hatten, wurden von ihrer Seite gerissen. Wie konnten wir nur ahnen, daß wir sie niemals wiedersehen würden, ebenso meinen Vater, der weiter hinten in der Reihe der zusammengetriebenen Männer stand.
Erst viel später, als wir Elbing verlassen hatten, haben wir durch zurückgekehrte Freunde und Bekannte von dem Leidensweg unserer armen Toten erfahren. Einige von ihnen, die mit ihnen in Sibirien waren, konnten uns nur noch mitteilen, daß sie alle starben, besser gesagt verendeten. Die zu Skeletten abgemagerten Toten wurden laut Bericht nackt in Massengräbern verscharrt. Was diese Armen erleiden mußten, kann wohl keiner ermessen. Ich selbst entging der Verschleppung, weil ich meine beiden Kinder fest umklammert hielt, als die Russen an mir zerrten. Es war ein Glückszufall; denn auch das war kein Hinderungsgrund. Wie viele Mütter wurden von der Seite ihrer Kinder gerissen! Eine junge Mutter, die mir ihren Kinderwagen überließ, nachdem sie ihren verhungerten Säugling im Kissen an den Straßenrand gelegt hatte, damit ich mein schwerkrankes, halbverhungertes eineinhalbjähriges Mädchen hineinlegen konnte (es starb ein Jahr später an Hungerskorbut), wurde in demselben Augenblick von den Russen mitgezerrt. Sie rief wie alle noch nach ihrer Mutter, die ihr zu Hilfe eilen wollte, aber mit Kolbenstößen wurde auch sie weggetrieben. Alle diese jungen, blühenden Menschen, die da weinend und klagend standen, andere auch vollkommen apathisch, sich kaum noch aufrecht haltend, werde ich mein Lebtag nicht vergessen können.
Nachdem von unserem Trupp alle jungen Mädchen und Frauen herausgerissen waren, wurden wir, ein kleiner Rest, in die brennende Stadt zurückgetrieben. Es gelang uns, bis in die Stadtmitte zu kommen, wo ich bei meiner Freundin, Frau Edith Kämmer, in deren Wohnhaus, Traubenstraße 18, Unterkunft fand. Die dauernden Belästigungen, Vergewaltigungen, will ich nur nebenbei erwähnen. Das sollte auch vorläufig kein Ende finden. Wir waren nun eine Menge Leute in diesem Haus und lebten die nächsten Wochen zunächst in den Kellern unter den denkbar primitivsten Verhältnissen, schutzlos, rechtlos, der Brutalität und Willkür der Russen Tag und Nacht ausgesetzt. Die andauernden Plünderungen berührten uns gar nicht mehr, aber die anhaltende Angst vor immer neuen Vergewaltigungen lähmte uns vollkommen.
Die Verschleppungen hielten an, täglich hörte man die Hilfeschreie der Frauen, die von überall weggeholt wurden, aus den Häusern, auf der Suche nach Nahrungsmitteln (man war doch darauf angewiesen, sich etwas Eßbares aus den leerstehenden Kellern und Wohnungen zu suchen), beim Wasserholen am Brunnen (Licht- und Wasserleitungen waren doch völlig zerstört). Ich selbst lebte immer in Todesangst, denn der Gedanke, von den Kindern weggerissen zu werden, war wohl das Schlimmste, was einem zustoßen konnte. Und der Gefahr, verschleppt zu werden, war man immer und überall ausgesetzt.
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Ich will nachstehend berichten, wie die Russen diese Verschleppungsaktion vornahmen: Es war am Karfreitag – sie hatten eine besondere Vorliebe, solche und ähnliche Feiertage oder Sonntage auszuwählen —, als unsere Straße plötzlich abgeriegelt wurde. Es pfiff und schrie von allen Seiten, und innerhalb weniger Minuten waren alle Häuser sowie Gärten umstellt. An ein Entkommen war also nicht zu denken. Alle Häuser wurden vom Boden bis zum Keller durchsucht. Es gelang mir, mich in letzter Minute in einem – schon für diesen Zweck hergerichteten – Versteck zu verkriechen (denn es war nicht das erste Mal). Dort wartete ich zitternd und halb von Sinnen, ob es mich diesmal ereilen würde, aber es ging auch diesmal an mir vorüber. Aus unserem Haus allein wurden damals vier Frauen (darunter auch eine Mutter von kleinen Kindern) mitgenommen. (Zwei davon kamen später wegen Alter und Krankheit zurück). Ich sah nur kurz – als die Russen das Haus so schnell verlassen hatten, wie sie vorher gekommen waren, denn eine Straße reihte sich an die andere und wurde anschließend abgeriegelt — einen langen Zug von Frauen und Mädchen mitten auf der Straße, weinend und klagend, einige mit Bündeln bepackt, andere mit Decken und wieder andere nicht einmal mit Mänteln bekleidet. Und es war kalt. Diesen traurigen Zug werde ich auch nicht vergessen. Mit den Gewehrkolben der rohen Kerle wurden sie vorangetrieben.
Dann kam der 20. April, auch solch ein Schreckenstag. Schon vorher erreichten uns alle möglichen Gerüchte. Aber der Tag verlief ruhig, und wir waren zuversichtlich und legten uns schlafen. Allerdings in Kleidern, denn anders kannten wir keine Ruhe mehr. Im Ernstfall mußte man wenigstens angekleidet sein. Und dann wurde es doch eine schlimme Nacht. Sieben groß angelegte Brände habe ich in dieser Nacht allein gesehen. Wieder war das Haus plötzlich voller Russen. Trotzdem wir Haustüren mit Brettern vernagelt und auf jede nur mögliche

Weise verrammelt hatten, waren sie plötzlich da, und diesmal gelang es auch mir nicht, mich zu verstecken. Todmüde und ausgehungert, wie man schon war, fehlte es an Kräften, sich auch noch zu wehren und aufzulehnen. Es regnete in Strömen, als wir Frauen alle – die Kinder zurücklassend – herausgetrieben wurden, bis auf einige alte Leute, darunter auch meine Mutter. So blieb mir dieser eine Trost, daß meine beiden kleinen Kinder wenigstens in der Obhut meiner Mutter zurückblieben. Sie waren durch den Lärm wach geworden und schrien fürchterlich und riefen nach mir, während die Russen schon an mir zerrten. Damals glaubte ich nicht, daß ich noch einmal zurückkommen würde.
Es war furchtbar und läßt sich in Worten nicht wiedergeben. Aber es war bezeichnend für die Russen, wie sie uns in dieser Nacht quälten, nur aus bloßer und wilder Freude. Sie trieben uns an mehreren Brandstellen vorüber, an jeder Brandstelle einen Trupp zurücklassend. Wir waren ein langer Zug, aus einem ganzen Stadtteil zusammengeholt. Und man wunderte sich, daß überhaupt immer noch so viele da waren.
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Ich selbst befand mich unter einem Trupp, der in der Petristraße zurückbleiben mußte. Es brannte dort ein großes Haus, und wir mußten uns dicht davor aufstellen. Einmal der strömende Regen, zum andern die hohen Flammen, das Knistern, die unerträgliche Hitze, die Todesangst, daß das Haus über uns zusammenstürzen könnte. Und plötzlich schrien die Russen, wir würden abgezählt, jeder zehnte sollte vortreten, die sollten erschossen werden, weil die Deutschen diese Brände alle angelegt hätten! Welch ein Wahnsinn, als ob auch nur ein Deutscher es gewagt hätte, nachts die Straße zu betreten, er wäre sofort unweigerlich erschossen worden von den Streifen.
Während diese Bestien zählten, schossen andere über unsere Köpfe hinweg, es pfiff und knallte überall, und es entstand ein wirres Durcheinander. Wir versuchten wegzulaufen, aber das war natürlich aussichtslos, denn die Russen hatten uns sofort umzingelt. Dieses Grinsen von ihnen, diese teuflischen Fratzen, sehe ich heute noch vor mir. So weideten sie sich an unserer Todesangst, wußten sie doch, daß wir hilflos waren.
Dann stießen sie uns plötzlich mit ihren Gewehrkolben und riefen, wir sollten alle laufen, sonst würden wir noch alle erschossen. Wir sind dann – so schwach wir waren – doch um unser Leben gelaufen, bis wir in der Dunkelheit uns etwas sicherer fühlten. Das war um 3.00 Uhr morgens, um 12.00 Uhr hatten sie uns herausgeholt. Einige wenige von ihnen brachten uns dann zurück in unsere Straße und taten uns nichts mehr. Jedesmal nach solch einem oder ähnlichem Erlebnis brach man erschöpft zusammen.
Von diesen und ähnlichen Erlebnissen war man im Laufe der Monate vollkommen zermürbt und abgestumpft. Dann kam etwas anderes, was uns von neuem so erschüttern sollte. Wenigstens erging es mir so. Unter der “Führung” einer deutschen Kommunistin und deren Mann, die sich mit mehreren Russen wohl angefreundet haben mußten, wurden wir gezwungen, die vielen toten, noch in allen Straßen, Häusern und Kellern herumliegenden deutschen Soldaten zu beerdigen, d. h. zu verscharren. Ich wäre heute noch in der Lage, überall dort hinzugehen, wo wir sie hingelegt haben. Es war uns streng verboten, irgendwelche Papiere an uns zu nehmen. Nicht einmal diesen letzten Dienst durften wir diesen Armen erweisen. Wie vielen heute noch Wartenden hätte man Nachricht geben können! Ich besitze heute noch ein kleines Soldatenbuch – leider ohne Namen -, das ich an mich nahm, als wir dabei waren, wieder einige Soldaten so menschenunwürdig zu begraben. Man befahl uns, den Pferdekadaver mit ihnen zu verscharren. Man war manchmal halb ohnmächtig vor Mitleid mit diesen Toten und deren Angehörigen, die man nicht einmal kannte.
Eines sei besonders erwähnt: In dem Hof der Pestalozzischule (Logenstraße) haben wir etwa 25 Soldaten zur Ruhe gebettet. Diese armen Soldaten waren alle schwer verwundet gewesen und lagen im Keller der Schule, die als Hilfslazarett eingerichtet gewesen sein muß, wie im Todeskampf teils umklammert,
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teils über- und nebeneinander. Es war entsetzlich anzusehen. Manche trugen untrügliche Zeichen von Verstümmelung und Erschießung. Es packt mich heute noch das Grauen, wenn ich das Bild vor mir sehe, diese Blutlachen und Klumpen. Sie alle waren von den Russen bestialisch ermordet worden.
Bei zwei Frauen, die wir einmal beerdigten, war klar erkenntlich, daß sie erst vergewaltigt und dann erschossen worden waren. Sie lagen halb entkleidet da, ein Bild des Jammers. Sie mögen sich auch gewehrt haben und dabei erschossen worden sein.«

Paul Thiel aus Freystadt (Niederschlesien):
»Zunächst erschien am 10. Februar 1945 nun ein anständig aussehender Sowjet an der Kellertür – wir waren in den Kellern der Villa Schröter, da diese mehrere Ausgänge hatten – und fragte sehr höflich auf deutsch, ob sich noch deutsche Soldaten im Keller befänden, ob wir noch Waffen hätten, was wir ehrlichst verneinen konnten. Dann riet er uns dringendst an, alle noch jüngeren Frauen und Mädchen von jetzt versteckt zu halten, da diese auf Befehl von Stalin den sowjetischen Soldaten zur Verfügung zu stehen hätten …
Nun folgten pausenlos durchziehende, singende, johlende Truppen, total betrunken, die Folge der leider nicht rechtzeitig vernichteten ungeheuren Vorräte an Spiritus aus den umliegenden großen Dominialbrennereien. Die Sowjets drangen in die Häuser ein, verlangten Uhren und Ringe, plünderten im Vorbeiziehen, zerstörten und warfen schon das meiste an der nächsten Straßenecke wieder fort, da sie ja im Kampfeinsatz doch nichts davon gebrauchen konnten.
Unser netter Sowjet versprach, sich alle paar Stunden um uns kümmern zu wollen, was er auch gehalten hat. Aber er war ja machtlos diesem Treiben, diesen Mengen gegenüber.
Anfangs glaubten wir in unserem Optimismus noch, daß das Gros der Russen vielleicht ähnlich sein würde. Wir nahmen an, daß unser Hierbleiben im Gegensatz zu der Flucht der meisten unserer Mitbürger doch das Richtigere gewesen sei, aber die bittre Erkenntnis, daß dies alles nur blanker Selbstmord war, sollte nur allzu bald in uns aufgehen.
Rudel von Verbrechern, sowjetischer Nachschub, Deserteure, Polen usw. folgten der Kampftruppe, ergossen sich in die Häuser, kehrten das Unterste zuoberst. Die unglücklichen Deutschen wurden in rohester Weise von ihrem Eigentum weggerissen, mißhandelt, verschleppt, Frauen aus jedem noch so gut getarnten Versteck gezerrt und von der 12jährigen bis zur 80jährigen unbekümmert um Zuschauer in rohester Form vergewaltigt.
Es war daher kein Wunder, wenn zur Hilfe eilende Ehemänner, Väter, Frauen, Kinder einfach über den Haufen geschossen wurden, wenn weitere aus Verzweiflung, Schande ihrem Dasein ein Ende machten.
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Etwa 130 Personen: Männer, Frauen, Kinder und einige ‘Wehrmachtsangehörige wurden in den ersten Tagen beerdigt…
Die, wie überall, der Truppe auf dem Fuß folgende NKWD richtete ihre Vernehmungskeller ein, und im Hause des Herrn Hein erpreßte man in nächtlichen mittelalterlichen Vernehmungen jedes gewünschte Geständnis.
Die Gerechtigkeit erfordert aber, an dieser Stelle zu bemerken, daß trotz all dem das Verhalten der Sowjets nicht diesen Grad barbarischen Sadismus annahm wie später bei den Polen, die ihren GPU-Keller im Gebäude der Kreisbank eingerichtet hatten. Was hier geschehen ist, ist einfach nicht mit Worten wiederzugeben!
Trotzdem darf aber nicht der nochmalige Hinweis auf die schändliche Anordnung oberster sowjetischer Stellen unterlassen werden, nach der jedes weibliche Wesen dem brutalen Sieger zur Verfügung zu stehen hatte!
Etwa 300 Frauen und Mädchen wurden unter der fadenscheinigen Tarnung eines Arbeitseinsatzes aus Stadt und Land zusammengetrieben und unter unmöglichen Bedingungen im Hause des Kaufmanns Matzke geschlossen festgehalten, um Nacht für Nacht durch Wochen hindurch der sowjetischen Truppe zur Verfügung zu stehen. Hier spielte Alter, Schwangerschaft, Krankheit nicht den geringsten Hinderungsgrund!
So wurde ferner im katholischen Krankenhaus der Zaun geschlossen und die unglücklichen Nonnen demselben Schicksal unterworfen, bis ich sie später woanders sicherer unterbringen konnte.«

Frau Selma Deckwart aus Possen, Kreis Bunzlau (Niederschlesien):
»Am 13. Februar 1945 morgens gegen 8.00 Uhr rückten die russischen Kampftruppen in unseren Heimatort Possen ein. Gemeinsam mit den russischen Landarbeiterinnen, die damals im Dorf zur Landarbeit eingesetzt waren, plünderten die Kampftruppen die einzelnen Häuser durch und nahmen alles an wertvollen Bekleidungs- und Wertgegenständen mit. Durch die herrschenden Kampftätigkeiten waren wir gezwungen, mit mehreren Dorfbewohnern den Keller aufzusuchen.
Am Abend bezogen die russischen Soldaten Quartier im Dorf. In unser Haus rückten ca. 30 Mann ein. Inzwischen mußten wir den russischen Soldaten Dienste leisten und wurden während dieser Zeit laufend verhört. Zur gleichen Zelt mußte ich einige Male Vergewaltigungen über mich ergehen lassen. In den späten

Abendstunden, etwa gegen 21.00 Uhr, mußte ich mit meinem Mann und der jungen Frau Embschen (21 Jahre) einer Anzahl russischer Soldaten auf die Straße folgen, und sie trieben uns etwa 100 Meter die Dorfstraße entlang. Alsdann mußten wir mit ihnen wieder umkehren, und vor dem meinem Gehöft gegenüberliegenden Häuschen der Frau Borrmann mußten wir drei uns aufstellen, und die zum Teil stark angetrunkenen Russen vollführten ein Freudenge-
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heul, wobei sie laufend mit Erschießen drohten, jedoch aber in die Luft schossen. Kurze Zeit darauf zerrten sie Frau Embscher in den Stall.
Unter den Anrufen “dawei” trieb man mich jetzt in ein Zimmer des ersten Stockwerkes. Sechs Russen fielen jetzt wie Bestien nacheinander über mich her, nachdem sie mir vorher die Kleider vom Leibe gerissen hatten. Es würde zu weit führen, wenn ich auf Einzelheiten dieser bestialischen Behandlung eingehen wollte, jedenfalls mußte ich in dieser Nacht etwa 25 dieser Vergewaltigungen über mich ergehen lassen, unbeschreiblich war mein Zustand. In der gleichen Nacht brachte mich anschließend ein Russe in mein Haus zurück. Meinen Mann fand ich nicht vor daheim. In banger Sorge, daß sie meinen Mann erschossen haben (denn ich hatte einen nahen Schuß fallen hören, während sie mich vergewaltigten), konnte ich keinen Schlaf finden; sobald es grau wurde, suchte ich meinen Mann und fand ihn auch an der Stelle, wo ich ihn verlassen mußte, mit tödlichem Kopfschuß. Am 18. Februar 1945 habe ich dann meinen Mann mit Hilfe eines Nachbarn auf unserem Grundstück begraben. In der folgenden Zeit darauf mußte ich fast täglich sieben bis acht Vergewaltigungen über mich ergehen lassen. Unvergeßlich werden mir diese häßlichen mongolischen Gesichter bleiben. All dies ist nicht spurlos an mir vor- übergegangen; ich bin heute seelisch krank, auch körperlich. Jedesmal beim Wechsel der Truppen steckten die Abrückenden einige Häuser in Brand.«

Kurt Lachmann aus Possen, Kreis Bunzlau (Niederschlesien):
»Wir hielten uns am 13. Februar 1945 im Keller auf (viele Frauen und junge Mädchen, die ebenfalls bei uns im Keller Schutz suchten, waren zugegen), als gegen Mittag erstmalig die Russen unser Haus durchplünderten und dabei alles, was für sie gerade brauchbar erschien, insbesondere Uhren, Schmuck und Trauringe, entrissen. Am Abend stürmten, wie eine Horde, russische Soldaten in unseren Keller und holten alle Frauen und Mädchen in die Wohnung hinauf. Vom Keller aus konnte man dann das Aufschreien von den Frauen und Mädchen hören. Erst gegen Morgen kamen sie, teilweise blutend, zurück. Dieser Zustand dauerte etwa zwei Wochen an, und täglich wiederholten sich die gleichen Szenen.
Während dieser Zeit waren auch mein Onkel und meine Tante Berta Kremse aus Bunzlau dabei. Eines Tages war ich mit Onkel und meiner Tante auf dem Wege zum Nachbarhaus, als ein Russe uns entgegenkam und meine Tante mitschleifen wollte. Sie setzte sich zur Wehr, worauf der Russe sie mit der Maschinenpistole in den Leib schoß. Mein Onkel holte einen Handwagen herbei und fuhr die Schwerverletzte zum Nachbarhaus. Der russische Soldat folgte uns und schoß meine Tante nochmals in den Leib. Als sie daraufhin noch lebte, schlug der Russe mit der MP. auf den Kopf. Im Gehöft des Bauern Gustav Otte angekommen, trug mein Onkel unter Stöhnen und Aufschreien die Schwer-
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verletzte in den Hausflur. Wiederum hatte uns dieser Russe bis hierhin verfolgt und gab jetzt nochmals vier Schuß auf sie ab. Als meine Tante immer noch schrie, schlug er sie nochmals mit der MP. auf den Kopf. Ihr Gesicht war sowie ihr Kopf vollkommen entstellt. Sie war damals 50 Jahre alt. Durch Androhung der Russen, daß mein Onkel am nächsten Tag weggeholt werden sollte, begingen mein Onkel, meine Mutter und jüngerer Bruder Selbstmord durch vorzeitiges Schließen des mit Kohle geheizten Ofens. Auch ich sollte mein Leben mit lassen, bin jedoch, als es mir unerträglich wurde, davongelaufen.
Mein Onkel August Lachmann (33 Jahre), schwer beinverletzt durch Unfall, wurde am ersten Tage vor Einmarsch der Russen von der Nachbarin Selma Engmann gebeten, zu ihr zu kommen, da sie mit ihrer Tochter allein im Hause war. Mein Onkel kehrte von da nicht mehr zurück. Erst zehn Wochen später fand man ihn etwa einen Kilometer von zu Haus entfernt ohne Bekleidung mit Stichwunden in der Brust liegend auf.

Die bereits angeführten Massenvergewaltigungen erfolgten sehr oft im Beisem von Kindern aller Jahrgänge. Ich selbst, damals 13 Jahre, mußte in zahlreichen Fällen ebenfalls zusehen.«

Frau G. B. aus Birstonischken, Kreis Pogegen (Memelland):
»Am Vormittag des 17. Februar 1945 waren dann die Russen da. Was nun innerhalb einer Stunde geschah, kam mir erst_ später zum Bewußtsein. Unsere letzte Habe, die auf einen Leiterwagen geladen war, wurde restlos auf Lastwagen verladen; nur was wir anhatten, durften wir behalten. Wurden wie das Vieh In die Scheune getrieben, später dann in das nächste Gehöft gebracht. Nun wurden alle Personen einzeln vernommen. Es waren Russen, Zivilgefangene, Polen, Franzosen und Deutsche. Dem Weißrussen, der bei uns viereinhalb Jahre gearbeitet hatte, wurde auch die Uhr genommen. Man wollte ihm auch die Stiefel und die Lederjacke ausziehen; er ließ es sich aber nicht gefallen. Dann hat man ihn gefragt: “Hast du für die Deutschen gearbeitet?” Als er diese Frage mit “Ja” beantwortete, schlug man ihn in das Gesicht. Dem treuen Menschen standen ob dieser Schmach, von seinen eigenen Landsleuten geschlagen zu werden, die Tränen in den Augen.
Nun wurden sämtliche Frauen mit Kindern und Leute über 60 Jahre entlassen und Richtung Landsberg geschickt. Die Männer, darunter auch mein Mann, der 1940 eine schwere Lungenoperation durchgemacht hatte (Vollplastik), wurden alle dabehalten und sollen später nach dem Ural verschleppt worden sein. Die erste Nacht in Landsberg werde ich nie vergessen. Begannen doch hier die ersten Vergewaltigungen. Fest hielt ich die Kinder an mich gepreßt, in der Hoffnung, so der Drangsal zu entgehen. Ich ließ es darauf ankommen und sagte zu dem Posten, der die Maschinenpistole auf uns gerichtet hielt: “So
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schieße doch!” Er tat es aber nicht, sondern sagte auf gut deutsch: “Du bist ja bekloppt !”
Am anderen Morgen ging es dann in Richtung Korschen weiter. In Eichhorn machten wir halt, denn alle hatten Hunger und froren. Wir suchten ein leeres Haus, um etwas zu kochen. Überall zerstörter Hausrat und dergleichen. Die Höfe und Wege standen voll verlassener Flüchtlingswagen. Überall lagen Betten, Wäsche und Lebensmittel umher, die bei der Witterung bald verdarben. Und doch haben die Menschen von diesen Lebensmitteln, die neben toten Menschen und Vieh lagerten, essen müssen, um ihr Leben zu fristen.
Acht Tage lang hielten wir uns in Eichhorn auf (ca. 16 Personen). Eines Morgens holte uns ein russischer Posten nach Dirsen zur Arbeit. Hier war einiges Vieh, das wir betreuen mußten. Hier wurden wir regelmäßig verpflegt. Anfang März 1945 wurden vier Frauen, darunter auch ich, nach Eichhorn geholt. Hier sollten wir die Wohnungen säubern. Diese Arbeit hatten wir bis zum Spätnachmittag getan. Nun brachte uns ein Posten in einen Keller, in dem ca. 14 Leichen lagen. Als Anfang Februar 1945 die Front näherkam, hatten sich diese Menschen in den Keller geflüchtet. Sie alle waren durch Maschinenpistolen getötet worden. Nun sollten wir diese Toten, die unter Gerumpel schon vier Wochen lagen, aus dem Keller hochschaffen und hinter der Scheune in eine nur einen halben Meter tiefe Kalkgrube bringen. Eine Tragbahre gab man uns. Mit umwickelten Händen faßten wir die Toten an, es war ein furchterregender Anblick, und ich konnte ihn lange nicht vergessen. Später gewöhnte man sich auch daran.«

Frau Hedwig Rosemann, aus Breslau:
»Frau Josef gebar am 18. Februar einen Sohn im Keller. Da die Hebamme nur einige Häuser entfernt wohnte, war sie gleich zur Stelle. Es war furchtbar in dem nassen Keller. Das Kind schrie fortwährend. Die Mutter mußte mit ihren zwei Kindern nach zwei Tagen ans Tageslicht, und sie kam mit ihrer Mutter in den zweiten Stock. Aber auch sie blieb nicht verschont vor den Vergewaltigungen, trotzdem doch jeder das kleine Würmchen neben der jungen Mutter sah.
Nach zehn Tagen mußten wir die Altstadt räumen, und wir wurden von den Russen in die Villenstadt in zwei Straßen, Kaiser-Friedrich-Straße und Bis-marckstraße, angewiesen. Wir wohnten in der Bismarckstraße 9 in der Lehrerwohnung von Herrn Spangenberg im ersten Stock. Im zweiten Stock lag ein Kunstmalerehepaar mit seiner Tochter erschossen in den Betten. Die Gesichter waren schon schwarz. Mein Mann mußte sie mit Herrn Flicker runtertragen, eingewickelt in die Bettlaken, wo sie auf einem Rasenplatz dann noch einige Tage lagen, ehe sie beerdigt wurden.

Die Bewohner der beiden Straßen aus der Altstadt mußten sich das Wasser zum Kochen aus einer kleinen Pumpe auf der Kaiser-Friedrich-Straße holen.
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Dort standen wir stundenlang Schlange an, denn das Wasser war oft sehr schnell alle. Die elektrischen Anlagen waren zerstört.
Eine 45jährige Lehrerin erzählte mir, daß sie die dauernden Vergewaltigungen der Russen – täglich 20- bis 30 mal – nicht mehr aushalten könne. Die Russen vergewaltigten sie, unbekümmert darum, daß sie mit ihrer 81 jährigen Mutter in einem Bett schlief! Es war eben furchtbar, keine Frau blieb verschont!«

Frau E. S. aus Rössel (Ostpreußen):
»Etwa am 20. Februar 1945 kamen feste Verbände nach Rössel. Damit wurden wir Garnisonstadt. Tag und Nacht wurde geplündert. Die Vergewaltigungen nahmen kein Ende. Viele Frauen, z. B. Frau B., baten Dr. N. vom Krankenhaus um Gift. Er gab es nicht. Unter den von wüsten Männern viehisch Mißhandelten befanden sich Kinder von 13 bis 14 Jahren, so die 14jäh-rige Tochter von W. F. und die 13 jährige Tochter von Kaufmann V. M. Meine Freundin E. W. wurde von russischen Soldaten zu ihrer Mutter gebracht, sie konnte vor Schwäche nicht mehr gehen und war lange krank. Ein Mädel aus der Siedlung konnte die Vergewaltigungen nicht mehr ertragen, nahm Essigessenz und starb unter furchtbaren Schmerzen. Ein anderes Mädel hängte sich aus demselben Grunde auf, eine Flüchtlingsfrau ebenfalls. Wenn ein Russe an der Tür erschien, flohen Frauen und Mädchen durch die Fenster. Dann umstellten die Russen die Häuser und holten sich ihre Beute.
Gleich in den ersten Tagen mußten sich die Männer bis zu 50 Jahren melden. Sie wurden verschleppt. Darunter war auch Peter Bock. Er ist inzwischen verstorben. Später nahm man auch die älteren Männer. Einige Namen: Mein Vater (60 Jahre), Kaufmann Kellmann, Fleischermeister Jekosch, Fleischermeister Nieswandt, Kaufmann Klimmeck, Stadtbaumeister Krekel, Kaufmann Hoepfner, Postassistent Zimmermann, Schlachthofaufseher Naujoks, Tischler Hermann Orlowski, die Fleischer Luhmann und Bagahn, Polzien (von der Ermländischen Genossenschaft), Bäckermeister Prill und seine Frau, Stadthaupt-kassenrendant Wolff, Kaufmann Hünemohr (im Lager Archangelsk verstorben), Rechtsanwalt Dorsch (70 Jahre, im Lazarett Archangelsk l. April 45, acht Tage nach Einlieferung, laut Nachricht von Pfarrer Lic. Braun [jetzt englische Zone], verstorben), Apotheker Pessara (kam zurück, starb auf der Flucht in Deutschland), Installateur Radtke (kam zurück), Postobersekretär Lingnau mit drei Töchtern, Polizeiwachtmeister Kroll mit zwei Töchtern, Tischlermeister Schmidt und Tochter, Lehrer Buchholz mit zwei Töchtern, Frau Masuhr (Frau des Bürgermeisters — hatte falschen Paß), Frau F. (Kind oben erwähnt ~ Vater W. F.), Lilly Peto, Gertrud Käse, Frau Sistermanns (kam zurück), Fräulein Maria Wirdel (kam zurück, wohnt mit ihrer Mutter in Westfalen), Fräulein Gitta Harwardt (kam zurück, wohnt in Westfalen), Frau Lowitsch, Frau Schwark, Tischlermeister Dedner und zwei Töchter.«
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Frau I. K. aus Eichfier, Kreis Deutsch Krone (Pommern):
»Am 28. Februar 1945 nach ungefähr einer Stunde kam unser Mädchen Anna Zutauska, eine Ukrainerin, zu mir in den Keller und sagte: “Frau K., kommen Sie, Sie brauchen keine Angst zu haben, die Russen tun Ihnen nichts.” Ich zitterte am ganzen Körper, sie nahm meinen Arm, wir gingen auf die Straße. Es kam ein Panzer, ich sah zum ersten Mal Russen. Anna Z. winkte, der Panzer hielt, sie begrüßten sich händeschüttelnd. Anna Z. meinte zu mir: “Nun ist alles, alles vorbei, nun ist alles gut.”
Ich war etwas ruhiger geworden und dachte an mein Kind, das bei meinen Eltern war, die 3 km vom Dorf entfernt wohnten. Anna Z. war bereit, nach einer kurzen Unterredung mit einem russischen Vorgesetzten, der die Erlaubnis gab, auf meinen Wunsch zu meinen Eltern zu fahren, um zu sehen, ob sie wohl alles gut überstanden hatten. Anna Z. fuhr mit Pferd und Schlitten dem Dorfende zu. Bald darauf brachte ein Dorfbewohner mir unser Pferd und Schlitten zurück. Unser Mädchen Anna Z. aber war von Russen erschossen worden.
Mehrmals am Tage visitierten uns Russen und ließen Uhren und Ringe und dergleichen Schmucksachen mitgehen. Ich hatte nur noch meine Handtasche mit Geld und Wertpapieren. Die Russen musterten uns genau, und schon am Abend kamen einige zu uns ins Zimmer, •visitierten aufs neue und schoben (uns) einzeln, ob

Mann oder Frau, zur Tür hinaus. Hinter mir wurde die Tür zugeknallt. Zwei junge Mädchen und eine junge Frau, hochschwanger, Flüchtlinge aus dem Wartheland, mußten zurückbleiben. Ein Schuß fiel im Zimmer, ein Mädchen schrie auf. Wir andern, wohl so 15 Personen, wurden durch ein dunkles Zimmer bis auf die Straße gedrängt, wo ein russischer Posten mit gehobener Maschinenpistole vor uns Wache hielt. Wir alle glaubten, daß jetzt wohl unser Ende gekommen sei. Aber nach ungefähr 30 Minuten durften wir wieder in das Zimmer zurück. Ich staunte sehr, als ich außer den Russen auch die zwei jungen Mädchen und die junge Frau sitzen sah. Eines der Mädchen kam zu mir und sagte: “Wir haben für euch gelitten. Ich hatte in dieser Zelt drei Russen.” Ich konnte zuerst nicht recht verstehen. Aber als ich nach geraumer Zeit bemerkte, wie ein Russe eines der Mädchen aufforderte “Komm mit” und mit ihr in der Nebenkammer verschwand, wußte ich, was los war.
So ging es denn die ganze Nacht. Die beiden jungen Mädchen und die junge Frau hatten besonders unter den Vergewaltigungen der Russen zu leiden. Die junge, schwangere Frau stand schon keuchend auf einen Sessel gestützt, eine Haarsträhne hing ihr ins Gesicht. Wer sollte sie schützen, ein jeder fürchtete dann die Brutalität der Russen. Folgte man nicht ihrer Aufforderung, zögerten diese auch nicht, das Gewehr auf einen zu richten.
Des Morgens zog dann dieser Trupp Russen ab. Da nun etwas Ruhe auf den Straßen war, benutzten wir schnell die Gelegenheit, um zu sehen, wie es wohl den anderen ergangen war. Bei meiner Schwägerin Erna Redemann hatte
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ein Russe ein Mädchen, das aus dem Warthegau zu ihr geflüchtet war, erschossen, da es nicht der Aufforderung des Russen gefolgt war. Meine Freundin Margarete Redemann, die Tochter des erschossenen Gustav Redemann, hatte sich vergiftet. Man hatte die Leiche in Tücher gewickelt auf die Scheunentenne gelegt. Die Mutter aber und die beiden Schwestern, Liselotte 20 Jahre alt und Ruth 17 Jahre alt, sowie die Tante Ottilie Redemann, Frau Neugebauer mit drei kleinen Kindern, Frau Patoneck mit Schwiegertochter und Enkel und an- dere, insgesamt 17 Personen, verbrannten mit dem Haus. Die Ursache und der Vorgang dieses Schicksals ist uns allen noch heute unbekannt. Auch den etwas schwachsinnigen Arbeiter des Bauern G. Redemann, Paul Krause, fand man im Kuhstall unter der Kuhkrippe tot mit aufgeschnittenem Bauch.
Viele Bewohner verließen das Dorf, und so flüchteten auch meine Schwägerin und ich zu meinen Eltern, die 3 km vom Dorf eine Landwirtschaft besaßen. Wir fanden alles gesund vor. Die Russen waren auch bei ihnen gewesen, hatten unter Mitnahme von Schmucksachen und einigen Kleidungsstücken nichts angerichtet. In der Nachbarschaft waren sieben Mann erschossen worden. Da lag hinter dem Stall der Bauer Paul Reetz und Sohn Leo sowie der Bauer Walter Manthei und Degner. In seinem Garten lag der Bauer Georg Nowack mit abgesägtem Kopf. Zu der Familie Seck kamen angeblich des Abends Russen und der bei dem Nachbarn arbeitende Pole ins Zimmer, erschossen die Frau und nahmen Herrn Seck bis zum Dorf mit und erschossen ihn. Auch der Bürgermeister Willi Tarn aus Eichner lag dort tot.«
K. W. aus Tempelburg, Kreis Neustettin (Pommern):
»Am folgenden Morgen, am 5. März 1945, wurde vom Hauswirt um 8 Uhr Haus und Torweg geöffnet, 5 Minuten darauf hatten die Russen schon mein Pferd abgeführt. Andere hockten auf dem Wagen, um zu plündern. Alle 10 Minuten öffnete sich die Stubentüre. Es erschienen Russen, einzeln und in kleineren Trupps, die MPs immer auf unsere Brust gerichtet, um uns immer wieder erneut von oben bis unten abzutasten nach Uhren, Messern und sonstigen Wertgegenständen. Die letzten mitgenommenen Sachen wurden vom Wagen geraubt. Bald erfuhr man auch Einzelheiten aus der Stadt. Im Laufe des Vormittags kam der Hauswirt aus seinem Garten zurück ins Zimmer und erzählte, daß im Garten unter einem Baume vier Leichen (Männer und Frauen) lägen, während drei Leichen im Baum hingen. In dieser Nacht hat es in Polzin zwischen 200 bis 300 Leichen gegeben. Genaues war nicht zu erfahren.
Erschießungen fanden während der ersten Zeit alltäglich statt. Eine ganze Arztfamilie wurde erschossen, weil der Arzt bei der Behandlung der Kranken die Deutschen bevorzugt behandelt haben soll. Der Vater einer Hauseinwohnerin bei uns wurde erschossen, weil er nachts heimlicherweise im Keller den Rundfunk gehört haben soll.«
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Herr G. ]. aus Rackow, Kreis Neustettin (Pommern) »Im Laufe des Vormittags des 4. März 1945 kam russischer Befehl: Trecks zurück. Von meinem Treck waren nur noch zwei Wagen beisammen. Die übrigen waren zerstreut und vernichtet. Auf dem Rückweg mußten wir über Schi-velbein. Im Ort brannte es noch, und dadurch waren die Straßen gesperrt. So machten wir vor Schivelbein auf einem kleinen Gut (Neu-Schivelbein) halt. Hier lagen wir bis zum 6. März 1945. Dann erfolgte auch hier ein kurzer Beschuß. Nach diesem kamen russische Soldaten auf den Hof, und alle Deutschen mußten den Hof räumen. Es lagen dort noch mehrere Familien. Nun ging es nach Schivelbein. Hier mußten alle Fuhrwerke auf einem Schulhof haltmachen. Vor der Schule mußten sämtliche Flüchtlinge antreten, und auf Befehl ging alles in die Schule. Am Eingang kam neuer Befehl: Männer nach oben in ein Zimmer, Frauen mit Kindern unten in einen Raum und junge Mädchen in einen Nebenraum.
Jetzt folgte eine Schreckensnacht! Die Klassenräume waren ursprünglich als Lazarett eingerichtet, nun aber ohne Beleuchtung. Ein Zivilpole, am Arm mit einer rotweißen Binde, kam öfter mit einer brennenden Kerze oder Taschenlampe in den Raum der Frauen und Mädchen, suchte einige junge Frauen und Mädchen aus und forderte sie auf, mitzukommen. Wenn sie sich weigerten, wurden sie energischer aufgefordert und mit der Pistole bedroht. Darauf hörte man aus einem anderen Raum Geschrei. Nach Aussagen Zurückgekehrter mußten die Frauen und Mädchen in einen Kellerraum gehen und wurden von feindlichen Soldaten vergewaltigt, öfter kam der Pole auch mit zwei oder drei russischen Soldaten, hatten Alkohol bei sich, tranken und sangen und nahmen dann auch einige Frauen und Mädchen mit. Zu diesen Unglücklichen zählten auch zwei bekannte Frauen aus Tempelburg. Eine hatte nach ihrer Aussage am vergangenen Tage ihren 12jährigen Sohn beim Beschuß auf Schivelbein verloren und stand mit ihrem kleinen Töchterchen allein ihrem Schicksal überlassen. Sie zitterte vor Hunger und Kälte, bat meine Frau um ein Paar Handschuhe, die diese ihr glücklicherweise noch geben konnte und ebenfalls etwas Brot. Diese arme Frau in ihrem Elend und Schmerz um das verlorene Kind wurde mit ihrer Freundin in der Nacht oft fortgeholt. Bei einer Rückkehr rief die Freundin händeringend aus: “Eine Bombe könnte mich nur noch erlösen.” So ging es nun die ganze Nacht. Augenzeugen hiervon waren meine Frau, meine Schwiegermutter sowie meine Schwägerin und verschiedene andere Frauen aus unserem Dorf. Die übrigen Frauen waren unbekannt.
Auch wir Männer hatten keine Ruhe. Die ganze Nacht wurden wir nach Uhren und Wertsachen durchsucht. Unter uns befand sich auch der Rittergutsbesitzer von Kölpin. Dieser war wohl über 70 Jahre alt. Er wurde von russischen Soldaten aus unserem Zimmer geholt. Nach kurzer Pause fiel ein Schuß. Nach Aussagen meiner Frau lag am nächsten Morgen ein alter Mann mit wel-
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ßem Bart und langen Stiefeln sowie einer Joppe bekleidet tot auf dem Korridor. Nach dieser Beschreibung kann man annehmen, daß es wohl der alte Herr war. Als wir Männer von oben geholt wurden, war die Leiche mit einer Zeltbahn bedeckt.«

Pfarrer Barckow aus Lauenburg (Pommern):
»In Rudeln standen sie vor jedem Haus, bis zu 45 vergewaltigten sie eine deutsche Frau, ohne Rücksicht, ob sie schließlich im Sterben lag. 78jährige Frauen, 9jährige Kinder fielen ihnen zum Opfer — es ist zu verstehen, wenn in jener schrecklichen Nacht etwa 600 Einwohner freiwillig in den Tod gingen.
Am Sonntagmorgen Fortsetzung von Plünderung und Vergewaltigung. »Frau, komm!” – wer nicht Folge leistete, wurde erschossen.«

Frau E. H. aus Luggewiese, Kreis Lauenburg (Pommern):
»Plötzlich am 10. 3. 1945 kam eine Nachbarin schreiend angelaufen, die Russen wollten sie mitnehmen. Da kamen auch schon zwei Russen bei uns rein und sagten: “Frau, komm!”, und griffen zwei Frauen bei den Händen. Diese schrien und baten soviel, so daß die Russen sie losließen und weitergingen.
Gleich darauf kam ein großer Russe rein. Er sagte kein Wort, guckte sich im Zimmer um und ging bis nach hinten durch, wo alle jungen Mädchen und Frauen saßen. Er winkte nur einmal mit dem Finger nach meiner Schwester. Als diese nicht gleich aufstand, trat er dicht vor sie hin und hielt seine Maschinenpistole gegen ihr Kinn. Alle schrien laut auf, nur meine Schwester saß stumm da und vermochte sich nicht zu rühren. Da krachte

auch schon der Schuß. Ihr Kopf fiel auf die Seite, und das Blut rann in Strömen. Sie war sofort tot, ohne nur einen Laut von sich zu geben. Der Schuß war vom Kinn aus bis zum Gehirn gegangen, die Schädeldecke war völlig zertrümmert.
Der Russe guckte uns alle an und verließ, ohne ein Wort zu sagen, das Zimmer. Auf dem Friedhof in Gr. Damerkow haben wir meine Schwester zur letzten Ruhe gebettet.«

Hauptlehrer i. R. Waldemar Birkhoven aus Eichhagen, Kreis Cosel (Oberschi.):
»Der Russe stieß am 15. 3. 45 bis in den Kreis Neustadt O/S durch. In Eichhagen erschossen sie eine Frau, die Wasser holte. Der Landwirt Ferdinand Garbas hatte sich im Keller versteckt und wurde in bestialischer Weise ermordet. Der Landwirt Johann K. wurde aus dem Hause geführt, mußte sich in einen Straßengraben legen und bekam einen Genickschuß. Seine 69 Jahre alte Mutter, die im Keller war, wurde vergewaltigt. Frau Anna Maicher, 66 Jahre alt, wurde mit dem Gewehrkolben bearbeitet. Verschiedene Frauen und Mädchen wurden vergewaltigt. In Medmitz ging es ähnlich zu.
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Die Bauern Pollak und Kioltyka mit Sohn wurden im Luftschutzkeller erschossen aufgefunden. August Thomas, Valentin Miotzek lagen am Weg erschossen. Agnes Grzezista lag im Straßengraben erschossen. Im Schwesternhelm lag die Oberin im Bett tot in ihrem Blute. Auch zwei alte Herren aus Berlin, die hier Schutz gesucht hatten, lagen tot in ihren Betten. In Mechnitz sind über 30 Personen umgebracht worden.
Bei dem Dorf Deutsch Rasselwitz im Kreise Neustadt O/S schloß der Russe den Ring …
Die Trecks im Kessel schickte der Russe nach Haus. Die guten Pferde nahm er weg und gab schlechte dafür. Manche Leute fingen frei herumlaufende Pferde ein und konnten damit zurückfahren.
Von den nach Eichhagen zurückgekehrten Männern wurden am 7. April 1945 20 Mann nach Rußland verschleppt, von denen einer zurückkam … «

Frau Charlotte Hederich aus Rospitz, Kreis Marienwerder (Westpreußen):
»Mitte März mußten wir schwer arbeiten, Russenwäsche waschen und erhielten dafür die Speisereste der Russen. Drei Wochen furchtbaren Erlebens brachten wir dort zu, von Ungeziefer gepeinigt, ohne Trinkwasser und nachts ohne Schlaf. Türen und Fenster wurden eingeschlagen, und wir waren rettungslos diesen Bestien ausgeliefert. Nie werde ich das Wehgeschrei einer jungen Lehrersfrau vergessen, die unterwegs ihr erstes Kind geboren und an der Brust operiert war. Immer wieder rissen die Russen ihr den Verband ab, da sie Tarnung vermuteten, trotzdem die Schwiegermutter kniefällig um Gnade bat. Ein Bauer aus Ostpreußen, dessen Frau unterwegs verstorben war, hatte drei Töchter. Die jüngste Tochter war 13 Jahre alt. Er warf sich immer wieder den Russen entgegen, um seine Kinder zu schützen. Da beseitigten ihn diese Unmenschen, wir sahen ihn nie wieder. Die Frauen wurden besinnungslos geschlagen, um sie gefügig zu machen, sogar alte Frauen über 80 Jahre waren dabei. Eines Nachts kamen 30 Mongolen, total betrunken – es ist nicht wiederzugeben, was sich da abspielte.«

Frau Brigitte Pajain aus Danzig – Langfuhr
»Gegen 5 Uhr früh am 27. 3. 45 wurde es endlich ruhiger. Die Russen waren schlafen gegangen, und ich wagte mich aus meinem Versteck. Die stickige Kellerluft trieb uns ins Freie. Ein unvergeßliches Bild bot sich uns: Unser Haus war ein Feuermeer! Ergriffen, verstört, ja verständnislos sahen wir in die Glut. Nur Augenblicke, dann begannen wir vor Kälte zu zittern trotz der ungeheuren Hitze, die uns entgegenstrahlte. Wir gingen zurück in den Keller.
Später begann auch das Schwesternhaus zu brennen, die Russen vertrieben uns aus der kleinen Kapelle, in der wir auf unser Ende warten wollten. Im Nu waren wir ein endloser Menschenzug, der sich vorwärtswälzte, begleitet von
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Russen, die mit Schießen und Brüllen zur Eile antrieben. Alle Männer wurden aus dem Zug herausgesucht, sie wurden gesammelt und später in Lager gebracht. So waren wir nur noch Frauen, Kinder und Greise. Ich hatte

weder einen Rucksack noch eine Tasche oder irgendwelches Gepäck, so wie ich aus unserer Wohnung davongeeilt war, über dem Kleid eine Schürze und dann den alten langen Mantel, den mir die Schwester gegeben hatte, so zog ich mit meiner Mutter in diesem Elendszug mit. Viele der Flüchtenden schleppten noch einige Habseligkeiten mit, welche sie aber von Zeit zu Zeit fortwarfen, weil sie zu schwer wurden. Je länger wir gingen, desto mehr schrien die Kinder und blieben Greise liegen, von den Russen getreten und geschlagen. Wir zogen oft nur durch brennende Straßen, es sah so aus, als ob manche Straßenzüge gewaltsam angesteckt worden waren, denn die Häuser brannten gleichmäßig und zur gleichen Zeit. Ich sah auch Kabelschnüre, die von Haus zu Haus gezogen waren.
Wir kamen bis Oliva, dann ging’s nicht weiter, und es hieß: Zurück. Es kamen immer mehr Menschen hinzu, Tausende waren wir. Bis zur Dunkelheit wanderten wir auf unbekannten Pfaden, durch Wälder. An uns vorbei rollten Geschütze, Panzer. Es fing an zu regnen, vielleicht war es 23 Uhr, keiner von uns hatte ja eine Uhr. Wir mußten uns auf der Stelle niederlegen. Der Waldboden war naß und kalt, jedoch keiner widersetzte sich. Dann kamen unzählige Russen, unsere Begleitposten. Sie traten über unsere Körper und suchten sich mit Lampen ihre Opfer aus. Schreie gellten durch die Nacht, wenn die Frauen zum Lagerfeuer gezerrt wurden. Zwischendurch schossen die Russen durch die Luft, wenn sie sich wehrten. Ich wurde wie durch ein Wunder wieder nicht ent- deckt, obgleich die Stiefel der Russen auf Kopf und Arme drückten.
Ich weiß nicht, wie viele Tage dieser Marsch gedauert hat, uns schien er eine Ewigkeit. Immer mehr Frauen, Kinder und Alte blieben liegen, immer wieder kamen Lastautos, in welche junge Mädchen hineingestoßen wurden, um sie für Sibirien zu sammeln. Grausam die hilflosen Schreie dieser Mädchen.«

Das war Königsberg
Beim Einmarsch der Roten Armee lebten in Königsberg über 80 000 Zivilisten, vorwiegend alte Männer, Frauen und Kinder. Im Juni 1947 waren nur noch 15 000 Königsberger in der Stadt. Kaum an die 1000 hatten sich durch Flucht über die grüne Grenze retten können. Nach offiziellen Schätzungen der sowjetischen Verwaltung wurden an die 5000 erschossen. Ein Teil, der auch für die sowjetischen Behörden nicht mehr erfaßbar war, wurde 1945/46 zur Zwangsarbeit nach dem Osten verschleppt. Es dürfte sich um ca. 10 000 gehandelt haben. Die anderen Königsberger sind verhungert.
Die Sowjets, die vom Osten her gegen Königsberg vorstießen, umgingen die Stadt im Norden und riegelten im Westen am Frischen Haff ab. Als er-
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ster Teil Königsbergs geriet der Vorort Metgethen in ihre Hand. Die ganze Zeit hindurch lag schwerstes Artillerie-, Werfer- und Stalinorgelfeuer auf der Stadt, die noch zusätzlich mit Bomben aller Kaliber belegt wurde. Am Sonntag, dem 8. April, gelang es den Sowjets, mit starken, überlegenen Kräften die HKL an mehreren Stellen zu durchbrechen. Das Schicksal von Königsberg war besiegelt. Am 9, April übergab General Lasch, um weiteres Blutvergießen zu vermeiden, die wehrlose, zertrümmerte Hauptstadt Ostpreußens.
Der nachstehende Erlebnisbericht von Frau Elisabeth F. ist wie kaum ein anderer dazu angetan, das Schicksal der Deutschen im Osten zu schildern. Ihr Name und ihre Adresse sind dem Autor bekannt.
»Schon Ende Januar war der Kessel von Königsberg geschlossen. Auch ich hatte gleich vielen anderen trotz der großsprecherischen Plakate des Gauleiters Erich Koch “Ostpreußen kann nicht geräumt werden !” vor, nach Westen zu flüchten. Jedoch wollte mein Vater seinen kleinen Betrieb nicht aufgeben, meine alte Mutter wieder den Vater nicht allein zurücklassen, Vater, der immer gut zu mir gewesen war, sagte, als ich mich verabschieden wollte: “Wollt Ihr uns alle allein lassen? So schlimm wird es schon nicht werdend Nun brachte ich es einfach nicht fertig, die alten Leute im Stich zu lassen. So blieb ich mit meinem 12jährigen Sohn Klaus in Königsberg. Erst später erfuhr ich, daß auch von meinen beiden Schwestern eine geblieben war.
Tag und Nacht hagelten die Bomben, und bald krachten die Einschläge der Artillerie und der Werfer in allen Straßen. Man wußte nie beim Einholen, ob man überhaupt noch einmal nach Hause kam. Ich wohnte im großen Wohnblock Alter Graben 37/38. Schließlich fürchtete ich mich so sehr, daß wir, mein Sohn und ich, in den Bunker Unterhabersberg flüchteten. Dieser Bunker galt als besonders verläßlich, da in der Nähe die schwere Flak am Horst-Wessel-Platz stand, die von den russischen Fliegern anscheinend sehr gefürchtet war. Der Weg dorthin war erschütternd. Wir liefen, nachdem wir uns mit nassen Tüchern die Gesichter umwickelt hatten,

durch die Straßen. Die Häuser standen in Flammen. In der Cranzer Allee brannten die Kasernen lichterloh, ebenso wie die in Ponarth.
Jede Verbindung mit meinen Eltern und meiner Schwester war schlagartig abgerissen. In den Bunkern entwickelte sich bald ein eigenes Leben. Dicht an-einandergedrängt mit dem Wenigsten der Habe, lebten Hunderte und Tausende Frauen mit ihren Kindern, auf engstem Raum zusammengepfercht. Die Luft war kaum erträglich. Eine schwangere Frau gebar in der Menge, ohne ärztliche Hilfe, ein Kind, andere bekamen Schreikrämpfe, und ein alter Mann starb an Herzschlag. Draußen aber dröhnte die Erde unter den Einschlägen der schweren sowjetischen Waffen.
Heute vermag ich es nicht zu verstehen: Wir alle hofften noch immer auf Rettung. Wenn einer gewagt hätte zu erklären, daß Königsberg auf keinen Ent-
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satz hoffen könne, ich fürchte, wir hätten ihn totgeschlagen. Ein Gerücht jagte das andere. Und wie klammerten wir uns an jedes Gerücht! Nur mühsam konnten wir die oft gestörten Rundfunknachrichten abhören. Sie wurden-von uns immer nur optimistisch ausgelegt. Und die Wahrheit hat uns doch keiner gesagt.
Im Februar erhielt die Flak am Horst-Wessel-Platz eine Reihe sowjetischer Bombenvolltreffer und fiel aus. Die meisten liefen nun aus dem Bunker, auf den sich die sowjetischen Bomber mit aller Kraft konzentrierten. Auch ich rannte mit Klaus in einer kurzen Pause zwischen zwei Angriffswellen ins Freie, und wir suchten über die oft noch glühenden Trümmer, durch die brennenden Straßen unseren Weg. Meine Wohnung war zwar ohne Fensterscheiben und schwer beschädigt, aber erstaunlicherweise stand der Wohnblock noch. Nach einer Nacht erkannte ich, daß trotzdem hier kein Bleiben war, und flüchtete nun mit dem Kind in den Bunker von “Beton- und Monierbau” am Alten Graben. Wieder hausten wir Tag für Tag, Nacht für Nacht, eng aneinandergedrängt, aber wir fühlten uns einigermaßen in Sicherheit. Es war ein entsetzlicher Irrtum. Am 7. April war Klaus trotz meines Verbotes und meiner Bitten, wie Kinder schon einmal sind, mit anderen Buben losgelaufen.
Wir litten alle schon schweren Hunger, und in unserem Bunker hatten lediglich noch französische Gefangene, die als Arbeiter eingesetzt waren, einigermaßen zu essen. Sie teilten aber, was sie hatten, mit uns und benahmen sich recht anständig. Plötzlich wurde ich von einer unsichtbaren Macht hochgehoben und an die Wand geschleudert. Einen Moment lang war es totenstill. Eine Wolke von Staub, Rauch und Gestank erfüllte den Bunker. Er hatte einen Volltreffer erhalten. Der eine Teil war vollkommen zertrümmert. Die Wirkung zu be- schreiben geht über mein Vermögen. Hunderte von Menschen waren buchstäblich zermalmt und zerrissen worden. Plötzlich schreien wir alle wie die Irrsinnigen. Ich dachte, nun müßten wir alle sterben. Dazu war das Wasserrohr geplatzt, und das Wasser stieg von Minute zu Minute erschreckend. Von dem Einschlag bis zu dem Augenblick, wo ich überhaupt begriff, was geschehen war, waren einige Minuten vergangen, trotzdem erreichte das Wasser schon meine Waden. Es gab noch einen einzigen Ausgang. Zu diesem drängten sich nun all die Hunderte Überlebenden, halb irrsinnig vor Angst und Entsetzen. Wer stolperte und stürzte, blieb liegen. Über ihn hinweg quoll die Menschentraube.
Da ertönte vom Eingang her der erste Verzweiflungsschrei. Polnische Arbeiter, die den Einschlag beobachtet hatten, waren herangerannt und hatten Fahrzeuge und alles mögliche vor den Ausgang geschoben und so unseren Rettungsweg verbarrikadiert. Sie wollten uns wie die Ratten absaufen lassen.
Aber die Kinder, die zu unserem großen Glück draußen waren, darunter mein Klaus, hatten diesen Schurkenstreich gesehen und waren zu einer deutschen Pioniergruppe gelaufen, die sich mühte, eine Rollbahn für die Fahrzeuge
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in einer Straße in der Nähe freizuarbeiten. Diese stürmten nun unter dem Kommando eines Feldwebels wutentbrannt herbei, und wer von den Polen nicht schnell genug weg war, wurde an Ort und Stelle erschossen. Obwohl die Sowjetflieger zu neuen Angriffen ansetzten, ließen die Pioniere nicht locker und räumten den Eingang frei. Mehr tot als lebendig taumelten wir ins Freie. Ich weiß nicht, wie viele zurückgeblieben sind. Mehr als die Hälfte bestimmt. Die Frauen flüchteten nun durch die brennenden Straßen. Ich lief mit einer größeren Gruppe zum Bunker der Spulenfabrik Rathshof. Hier erlebten wir erstmalig, was Not und

Verzweiflung aus Menschen machen können. Da der Bunker schon überfüllt war, wollte man uns den Einlaß verwehren. So mußten wir ihn, im wahren Sinne des Wortes, erstürmen.

Die Russen sind da!
Zu Tausenden standen wir nun, wie die Heringe aneinandergepreßt, im Bunker. Ununterbrochen brüllten die Detonationen. Wenn man sich bis zum Bunkereingang durchkämpfte, konnte man schon deutlich das Gewehr- und Maschinengewehrfeuer hören. Manche hofften auch jetzt noch, daß Entsatztruppen sich herankämpfen würden. In Wirklichkeit waren die Bolschewiken schon innerhalb der Stadt. Wieder verging eine Nacht und ein Tag. Gegen Mittag des 9. April drangen polnische Zivilarbeiter ein und schrien: “Die Russen sind da. Gepäck drinnen lassen, alle heraus !”
Wir blickten einander an. Alles, was der Rundfunk und die Zeltungen geschrieben hatten, fiel uns mit einem Schlag ein. Es sollte allerdings durch die Wirklichkeit weit übertroffen werden.
Vom Eingang peitschten Schüsse. Die Russen, die sich nicht in den Bunker hereinwagten, schossen einfach herein. Die Frauen weinten und schrien und begannen, wie Marionetten die Bunkertreppen aufwärts zu drängen. Mitten unter ihnen schritt auch ich, meinen Sohn krampfhaft an mich gepreßt, nach oben. Meine Knie zitterten. Ehe ich mich an das helle Tageslicht gewöhnen konnte, riß mir ein Russe meine Armbanduhr herab. Die Sowjets drängten sich rechts und links wie zum Spalier, durch das wir gehen mußten. Immer wieder klangen die Fragen auf: “Ur jest?” Wer sich wehrte bei der Abnahme von Uhren, Ringen und sonstigen kleinen Schmuckgegenständen, verlor augenblicklich sein Leben.
Es begannen nun in aller Öffentlichkeit die Szenen, die ich nicht vergessen kann, und wenn ich hundert Jahre alt würde. Ich weiß, es gilt nicht als fein, darüber zu reden. Desto feiner die Damen und Herren im Westen sind, desto weniger wollen sie davon hören. Jede der Frauen, und wir waren allein an dieser Stelle ungefähr 3000, die nur halbwegs nach etwas aussahen, wurde ver-
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gewaltigt. In aller Öffentlichkeit und bei hellem Tageslicht. Die Kinder weinten und schrien. Wer von den Frauen sich wehrte, wurde einfach erschossen. Auch ich habe mich nicht gewehrt.
Als es aber kein Ende nahm und immer neue russische Haufen herbeiströmten, versuchten viele zu flüchten, denn in der Nähe stand eine Menge Gebüsche. Doch erst jetzt merkten wir, daß sowjetische Flieger ständig über dem Gebiet kreisten. Als ich mich mit einigen Frauen in einer Gebüschgruppe verstecken wollte, feuerten sie sofort mir Bordkanonen und belegten die Flüchtenden mit kleinen Bomben. Viele brachen blutüberströmt zusammen. Die anderen aber liefen wieder zum Haufen zurück. Unter denen war auch ich mit meinem Kind.
Nun wurden wir zu einer Kolonne zusammengetrieben und mußten einen Fußmarsch antreten. Wir dachten nicht mehr und nicht weniger, als daß wir nun nach Sibirien transportiert werden sollten. Das war aber nicht so. Wir befanden uns nur auf einem der berüchtigten Propagandamärsche, den nicht nur die restlichen Bewohner Königsbergs mitmachen mußten, sondern zu dem auch unsere Landsleute aus der Provinz zusammengetrieben wurden. Wer noch irgend etwas von Wert hatte, wurde dessen beraubt. Die Reihen wurden systematisch “gefilzt”. Später stand in russischen Zeitungen, Stalin habe darüber in Moskau folgendermaßen berichtet: “Die dankbare Bevölkerung beschenkte ihre Befreier mit Ringen, Uhren und Schmuckstücken. ” Man trieb uns über den Bahnhof Holländer Baum zur Eisenbahnbrücke. Dort lag eine große Menge Frauen in wirren Haufen, es waren Tausende, genau vermag es kein Mensch zu sagen. Sie waren tot. Ob sie erschossen worden waren oder durch Bombenvolltreffer getötet, weiß ich nicht. Wir nahmen an, daß sie hier zusammengetragen worden waren.
Der ganze Pregel schwamm voller toter Frauen. In dem Wasser bildeten die Kleider und die gelben, roten und blauen Schlüpfer ein grausiges Bild. Wie diese vielen Leichen in den Pregel kamen, kann ich nicht sagen und mir auch nicht erklären.
Die neue Eisenbahnbrücke war gesprengt. Daneben war eine Pionierbrücke erbaut, und über diese schwankenden Balken wurden wir getrieben. Wer von uns noch irgendwie einen Wertgegenstand trotz allem hatte retten können, warf die Sachen nun in den Pregel. Viele Frauen trennten sich mit erstarrten Gesichtern von ihren Eheringen. Im Hafenbecken 3 wurden wir in ein dunkles Haus getrieben, das früher offenbar dem Hafenbetrieb gedient hatte. Es war vollkommen dunkel. Wir sahen einander nicht, trotzdem wir dicht gedrängt

standen, und glaubten, die Russen würden das Haus in die Luft sprengen. Aber Schritt für Schritt ging es vorwärts, und da erkannten wir, daß wir durch einen langen Korridor gedrängt wurden. Ich weiß nicht, wie lange ich mich dort befunden habe. Es war uns allen auch völlig gleichgültig. Ich weiß
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nur, daß ich auf einmal vor einem schmalen Korridorfenster stand, das durch Hindenburglichter erleuchtet war.

Lieben Sie Hitler?
Hinter dem Fenster saßen eine Frau und ein Mann, aber in Zivil. Offensichtlich waren es Polen oder Ostarbeiter, aber sie sprachen fließend Deutsch. Vielleicht waren es auch deutsche Kommunisten. Sie fragten jeden und jede von uns, ob wir Hitler lieben würden.
Wir schüttelten wortlos die Köpfe. Ich glaube nicht, daß eine der Frauen anders gehandelt hat. Schließlich wurden wir aufgefordert, Gold, Geld oder Ringe herzugeben, aber die beiden haben kaum mehr etwas erhalten. Dann wurden wir weitergetrieben. Wir kamen wieder ins Freie und wurden über den Nassen Garten, an der Kraftfahrkaserne vorübergeführt. Ober der Straße lagen Bäume, die offenbar deutsche Pioniere als Panzersperren umgesprengt hatten. Einige der Frauen rissen sich nun los, turnten auf den Stämmen umher, ritten auf ihnen und lachten, schrien und weinten. Sie waren irrsinnig geworden. Rechts von der Kraftfahrkaserne waren die ganzen Wiesen unter Wasser gesetzt worden, und während im Pregel hauptsächlich Frauen getrieben hatten, schwammen hier Hunderte und aber Hunderte tote deutsche Soldaten, aber auch Zivi- listen und sogar Kinder im Wasser.
Russische Offiziere mit breiten Achselstücken durchstreiften die Uferränder des Überschwemmungsgebietes. Sie hatten Stangen und dicke Knüppel in der Hand, zogen die Toten an das Ufer, drehten sie um und durchsuchten sie nach Uhren oder Ringen. Wir aber zogen weiter. Manche der Frauen wollten austreten. Aber unser Zug zog wie hypnotisiert immer größere Russenkolonnen an, und jede Frau, die austrat, wurde vergewaltigt. Im Zug selbst war man noch einigermaßen sicher. So kam es, daß die Frauen nicht mehr auszutreten wagten, und bald stank unser Zug fürchterlich.
Irgendwie wurde es Nacht. Wir waren über Ponarth-Schönbusch gekommen. Die Gruppe, in der ich mich befand, wurde in ein riesiges Glashaus einer dortigen Gärtnerei gedrängt, sitzen konnte kein Mensch, dazu hatte man viel zu viel hineingepreßt. Das Glashaus selbst wurde die ganze Nacht von russischen Soldaten belagert, und jede der Frauen wollte mit aller Gewalt zur Mitte, denn dort hatte sie noch am ehesten Ruhe. Die Bilder dieser Nacht sind nicht wiederzugeben.
Am nächsten Morgen ging es über Godrienen nach Löwenhagen. Soviel ich weiß, waren wir nun an die 35 Kilometer gezogen. Selbstverständlich hatte uns niemand etwas zu essen gegeben. Immer wieder versuchten wir, aus den nahen Mieten Wruken, Futterrüben und Kartoffeln zu ergattern, die wir in rohem Zustand verschlangen. Die Folge war wenige Stunden später eine ent-
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setzliche Dysentherie. Nun rissen uns die immer wieder ankommenden neuen Sowjetkolonnen, da wir keinen Schmuck mehr hatten, Kleider und Mäntel herunter. Wer das Unglück hatte, besseres Schuhwerk zu tragen, dem wurde es ausgezogen. Viele von uns marschierten barfuß. Einige waren splitternackt, nur notdürftig mit Decken, in die man Löcher geschnitten hatte, umhüllt.
Es begannen die ersten Selbstmorde. Zu Dutzenden ertränkten sich dann die Frauen in den Wasserleichen der Schönfließer Allee. In einem Wald bei Löwenhagen durften wir endlich ausruhen. Mein 12jähriger Junge, der das alles gleich den anderen Kindern mitangesehen hatte, blickte mich mit Augen an, die keinem Kinde angehörten. Das erste, was er sagte, war eine Bitte: “Mutti, erschieß mich!” Weinend versuchte ich dem Jungen klarzumachen, daß ich doch keine Pistole hatte. Dann ging es wieder weiter. Unser Elendszug passierte Steinbeck, den Flugplatz Gutenfeld, Krausenhof, Jerusalem, bis zur Schönfließer Allee. Links der Jerusalemer Straße wurde haltgemacht. Wir wurden einzeln in einem Schrebergartenhäuschen von Offizieren, wahrscheinlich NKWD, vernommen. Klaus und alle Kinder wurden von uns getrennt.
Ich hatte mein Spiegelbild im Wasser der Teiche der Schönfließer Allee gesehen und mich beinahe nicht mehr erkannt. War ich das noch? Waren wirklich kaum 48 Stunden vergangen, seitdem das Inferno über uns

hereingebrochen war? Eine alte Frau sagte neben mir: “Du mußt dein Gesicht mit Dreck verschmieren. ” Ich tat es. Der Offizier, der mich vernahm, war erstaunlich gut angezogen und roch auf Meter nach Kölnisch Wasser. Er fuhr mich an: “Wie alt?” Da erkannte ich, daß wir aussortiert werden sollten. Ich blickte ihm mit dem Mut der Verzweiflung ins Gesicht und log: “75 Jahre.” Er ließ mich links heraustreten. Die Jüngeren, das heißt, die ihr Alter richtig angaben, wurden nun zu irgendeiner Zwangsarbeit eingeteilt. Ich kam zu einer Gruppe von 28 Frauen, denen ein Raum in der Autowerkstatt Büssing, Ecke Schönfließer Allee, Pr.-Eylauer-Straße, zugeteilt wurde. Der Raum war so klein, daß jeder Mutter mit ihren Kindern nur ein Platz von zweieinhalb qm zur Verfügung stand. Wir versuchten nun, uns, so gut es nur ging, einzurichten.
Aber unser Elend riß nicht ab. Schon in der Nacht schlugen die Russen die Türfüllungen ein, und als wir uns gegen die Tür warfen, schossen sie, daß wir es sein ließen. Die 14 jährige Anni, deren Eltern in der Käferstraße eine Bäckerei gehabt hatten, wurde in der ersten Nacht 48mal vergewaltigt, so daß sie sich wochenlang nicht mehr setzen konnte. Ihr Vater war als Kapitalist sofort erschossen worden, ihre Mutter ist später verhungert. Wir versuchten uns zu helfen, indem wir die ganz alten Mütter in Sesseln vor die Tür setzten, die den Russen den Eintritt zu verwehren trachteten. Aber auch das half wenig.
Niemand gab uns etwas zu essen. Die paar alten Frauen gingen weg, um etwas zu organisieren. Ein paar alte Kohlstrünke oder irgendwelche Futterrüben brachten sie immer wieder, die wir zu einer Suppe kochten. Mehl und Fett
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hatten wir nicht. Die ersten von uns verhungerten. Es ging alles sehr schnell. Die Ältesten, die Kranken und die Schwächsten nahm ein gütiger Tod. Meist schliefen sie still und wortlos ein. Wir begruben sie neben dem Haus. So wie uns ging es wohl der erdrückenden Mehrheit der Königsberger. Vielleicht hatte der oder jener in kluger Vorsicht etwas vergraben oder in den Ruinen versteckt. Wer aber etwas hatte, barg es wie einen kostbaren Schatz. Fast einen Monat verbrachte ich in dieser Elendsgemeinschaft. Wir alle hatten Läuse, und bald gesellte sich ein neuer Gast zu uns: die Krätze.

Auf der Straße niedergeschossen
In diesen Tagen begegnete ich dem ersten Russen, der ein Mensch war. Eines Tages stand er im Raum und blickte uns schweigend an. Wir dachten an das Übliche und starrten ihm wortlos entgegen. Er aber griff in seine Aktentasche und gab uns zwei Brote. Die Kinder begannen zu zittern, und zum ersten Mal weinten wir nicht aus Verzweiflung. Es war der russische Arzt, Oberleutnant Nikolas Boris. Er kam immer wieder, aber ganz unregelmäßig. Wenn er nicht gewesen wäre, wären wir vielleicht alle dort verhungert. Denn nirgendwo gab es Lebensmittel. Jede Versorgung der Stadt hatte aufgehört.
Die Russen hatten vor dem Einmarsch behauptet, daß sie alle Menschen versorgen würden. Aber das war ein Schwindel. Es gab auch keine ärztliche Betreuung. Am 11. April, als die Kampfhandlungen längst vorbei waren, hatten die Russen das große Krankenhaus der Barmherzigkeit, das dem Königsberger Diakonissenmutterhaus gehörte, niedergebrannt. Man konnte auch nicht in der Stadt herumgehen, wie man wollte. Immer wieder wurden Menschen völlig grundlos erschossen. Ich wußte nichts von meinen Eltern und nichts von meiner Schwester. Zu dieser Zeit war mein alter Vater schon als “Kapitalist” erschossen worden.
Im August erzählte mir ein älterer Russe, der uns nichts tat, von einer Atombombe in Japan. Trotz unseres furchtbaren Elends waren wir sehr aufgeregt, und ich lief über die Straße zu Frau Margarethe Pilger, mit der ich bekannt war, um ihr das zu erzählen. Kaum aber war ich bei ihr, kam eines ihrer Kinder und erzählte, auf der Straße stehe die GPU und treibe die Frauen zusammen. Es war streng verboten, sich in einem anderen Quartier aufzuhalten als in dem, das einem zugewiesen worden war. Frau Pilger geriet in furchtbare Aufregung und bat mich zu gehen, damit wir nicht bestraft würden.
Ich verließ sofort den Raum und lief über die Straße, es waren ja höchstens 40 bis 50 Meter von meinem Quartler. Ein NKWD-Soldat schrie: “Stoj!” Ich dachte mir, ich würde es schaffen, denn ich war ja unmittelbar vor dem Eingang unseres Quartiers. Da sprang er auf mich zu und stach mich mit seinem Bajonett in den Rücken. Ich wußte nicht, was ich tun sollte, blieb stehen, der NKWD-
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Mann riß michherum und rannte mir das Bajonett, das er in der Hand hatte, von oben in die rechte Brust. Ich stürzte zusammen und blieb mitten auf der Straße liegen. Die Wunden schmerzten mich, und ich fühlte, wie überall das Blut an mir herunterrann. Es kamen noch zwei oder drei NKWD-Männer hergelaufen, die mich nun mit ihren Stiefeln in die Seite, Nase und ins linke Auge trafen. Ich erlitt neuerlich schwere Verletzungen und verlor fast das Bewußtsein. Dabei spuckten sie mich ununterbrochen an.
Frauen meines Quartiers sahen die Szene vom Fenster, und eine lief in den Hof, wo sich mein Junge aufhielt. Sie schrie ihm zu: “Deine Mutter verblutet auf der Straße !”
Klaus rannte zu einem russischen Marineoffizier, für den er gelegentlich kleinere Arbeiten wie Schuheputzen und ähnliches verrichtete und von dem er, well er meinen Jungen leiden mochte, gelegentlich etwas zu essen bekam. Er ging darum auch mit Klaus mit und wollte begütigend auf die NKWD-Männer einreden. Aber sie verjagten ihn. Ich war inzwischen bewußtlos geworden. Als sie genug Frauen gesammelt hatten, prügelten sie mich wieder wach, rissen mich hoch. Sie luden mir eine Kiste mit Nägeln auf, die wohl 20 Pfund schwer war, und zwangen mich, die Kiste zu schleppen. Ich konnte es nicht und brach zusammen. Als ich aber immer wieder aufs neue geschlagen wurde, schaffte ich es doch. Wie, weiß ich nicht. Schließlich warfen sie mich in einen zum Brechen überfüllten großen Keller im Stadtgarten Schönmeß.
In dem Raum befanden sich lauter Frauen. Ich war am Ende. Trotzdem war kein Platz, daß ich mich hinlegen konnte. Ich mußte in der dichtgedrängten Menge stehen. Endlich erbarmte sich das Schicksal meiner, ich sackte zusammen und verlor das Bewußtsein. Zwei Tage und zwei Nächte wußte ich nichts von mir. Als ich wieder zu mir kam, verfluchte ich den Herrgott, an den ich von Kindheit an mit solcher Inbrunst glaubte. Niemand konnte in dem Raum austreten. Es war zum irrsinnig werden. Am Eingang war in der Türfüllung ein Loch. Dort stand ein Posten mit der angeschlagenen Maschinenpistole, und niemand durfte ein Wort sprechen. Ich erfuhr, daß in einem Nebenraum Eisenbahner, Postler und Soldaten eingesperrt waren.
Schließlich erreichten die Frauen doch, daß etwas wegen mir unternommen wurde, denn alle fürchteten, daß ich unter ihnen sterben würde. Mitten in der Nacht wurde ich herausgeschafft und von vier Russen, die ihre Bajonette aufgepflanzt hatten, und einem polnischen Dolmetscher abgeführt. Ich war nur halb bei Besinnung. Ich weiß nur, daß wir fast eine halbe Stunde dahinzogen, aber wohin, weiß ich heute noch nicht.

Die Sowjetoffiziere begannen zu lachen
Am Ende standen wir in einer ehemaligen Leichenhalle. Über die Totenbahren waren Bretter genagelt. Sie dienten offensichtlich als Schreibtische. Ein
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Sowjetoberst schrie mich an, ich hätte Widerstand gegen die Sowjetmacht geleistet. Ich zeigte schweigend meine Wunden. Die Sowjetoffiziere fingen alle laut zu lachen an, als hätte ich einen guten Scherz gemacht. Schließlich sagte der Oberst, “Was treiben Sie sich auf der Straße herum, wenn sie keinen ,Pravka’ haben.” Das ist ein Schein, der zum Betreten der Straße berechtigt. Ich wußte nichts zu antworten.
Schließlich mußte ich wieder den ganzen Weg mit den fünf Männern zurückgehen und taumelte mehr tot als lebendig in den Keller hinunter. Ich kam aber nicht in den alten Raum zurück, sondern zu den Eisenbahnern und Soldaten. Die hatten in ihrem Raum ein grünes Schlafsofa, betteten mich darauf, und da ich bereits stark fieberte, gossen sie auf meine schon vereiterten Wunden kaltes Wasser. Sie haben es sicher gut gemeint, aber mir mehr geschadet als genützt. Trotzdem konnte ich endlich liegen. Nach einem Tag wurde ich in ein Wachzimmer geführt, erhielt dort mein Pravka, einen gelben Zettel, auf dem mit Kopierstift in cyrillischer Schrift etwas stand, was ich nicht lesen konnte. Da ich vor Fieber und Schwäche nicht gehen konnte, entließen die Russen kurzerhand zwei der festgehaltenen Frauen, die mich nun in mein Quartier schleppten. Als mich dort die Frauen und Kinder sahen, fingen sie an zu weinen. Der Vorfall hatte sich herumgesprochen, und so hatten sich meine Mutter und Klaus wiedergefunden. Meine Mutter hatte inzwischen ihr Quartier in Mühlenhof l’Estocq-Straße 12 erhalten, und mein Sohn war bei ihr.
Ich lag nun hilflos in meinem Quartier, aber die Frauen waren rührend um mich besorgt und halfen mir in wunderbarer Kameradschaft. Auch der russische Arzt hatte erfahren, daß ich zurückgekehrt war, und nun brachte er Brot und, was für mich viel wichtiger war, versorgte mich zum ersten Mal ärztlich. Ich muß ehrlich sagen, daß ich ohne diesen Russen verreckt wäre wie ein Tier. Er brachte Verbandszeug und Jod, und meine

robuste Natur half mir, so daß meine Wunden allmählich hellten. Die Narben allerdings werde ich mein Leben lang behalten. Ich konnte nun in dem Quartier nicht mehr bleiben. Die Krätze hatte von allen Besitz ergriffen, und ich fürchtete, auch von ihr befallen zu werden. So holten mich meine Mutter und Klaus zu sich, aber das ganze Haus war so überbelegt, daß ich nur auf dem offenen Boden, wie wir Ostpreußen sagen, unter den “Ukeln”, unter Heu und Strohsäcken liegen konnte. Unterdessen aber war es Dezember geworden, und auf dem Boden herrschte eine furchtbare Kälte. Meine Schwester hatte meine Mutter in ihre Wohnung nach Speichersdorf, Sodenerweg 14, eingeladen. Klaus aber blieb bei mir. Sooft er konnte, brachte er mir etwas zu essen, allzuviel war es nicht, und manchmal gaben mir auch die Frauen etwas von ihrem Kümmerlichen ab.
Der Hunger wurde immer entsetzlicher. Alles was gewesen war, wurde durch den Hunger in den Schatten gestellt. Das Gräßlichste war, daß nun diesem Hunger audi die Kameradschaft und die Solidarität der Frauen zum Opfer fie-
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len. Bisher hatten eigentlich die Frauen in meiner Umgebung, auch in den schrecklichsten Stunden, zusammengehalten wie Pech und Schwefel, einander so gut es ging geholfen und gestützt. Nun aber zerfiel auch das Letzte, an das wir uns noch halten konnten. Um einen Teller Suppe, um eine Scheibe Brot denunzierte eine Frau die andere. Waren es auch nicht alle, so waren es dennoch mehr als genug, deren Seele durch den Hunger zerstört wurde.
Auch mich denunzierte eine Frau an einen Russen, später, als auch diese Frau verhungerte, hat sie mich mit Tränen um Vergebung gebeten und starb unter qualvollen Gewissensbissen.
Am 9. November, ich weiß genau, es war ein Sonntag, konnte ich die Kälte auf dem Boden nicht mehr ertragen. So beschloß ich, nach unten in die Wohnung zu ziehen, da meine Mutter nicht mehr hier war, ohne Rücksicht, was wieder mit mir geschehen würde. Ich war zum Skelett abgemagert. Ich konnte mich nur auf zwei Krücken, die mir ein mitleidiger alter Mann angefertigt hatte, mühselig fortbewegen.
Aber ich wollte nicht sterben. Ich hatte all das überlebt. Ich hatte mein Kind bei mir. Ich wußte nichts von meinem Mann, der als Flieger bei der Luftwaffe war. Ich grübelte verzweifelt nach, was ich nun beginnen konnte. Da erzählte mir eine Frau Meson, daß in den Forts bei Godrienen und bei Ponarth Vorratslager der ehemaligen deutschen Wehrmacht waren, in denen sich in Kisten und Tonnen Tubenvaseline befände. Es waren die Gefriersalben, die für die deutschen Soldaten als Schutz bei Erfrierungen bestimmt gewesen waren. Um diese Vaseline kreisten nun unser beider Gedanken. Die Russenweiber, die sehr schnell ihren Männern gefolgt waren, verkauften auf dem Schwarzen Markt Kartoffelschalen und ähnliche Abfälle, zehn Rubel die Waschschüssel. Wir konnten diese Kartoffelschalen oder Salatblätter und Kohlstrünke nur kochen. Die Vaseline aber war Fett. Mit dem Fett könnten wir die Suppe verbessern, und die Kartoffelschalen sogar braten. Tag und Nacht dachten wir nur an die Tubenvaseline. Die Vorratslager waren aber von den Russen streng bewacht, und niemand kam auf normale Weise hinein!

Die letzte Rettung: Irrsinn
Nach langem Überlegen kam mir eine Idee. Ich mußte an jene Frauen denken, auf unserem Elendsmarsch am 9. April bei Nasser Garten. Da sie irrsinnig geworden waren, ließen die Russen sie in Ruhe. Im Gegenteil. Sie drückten sich sogar scheu an ihnen vorbei. Bei allen primitiven Völkern werden die Irrsinnigen irgendwie verehrt. In alter Zelt glaubten die russischen Muschiks, daß aus den Irren die Dämonen sprächen. So beschloß ich, irrsinnig zu werden. Nur wenige Frauen, vor allem meine 72jährige Mutter und Frau Meson, weihte ich ein.
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Zwei Mädchen, die in der Werksküche des Sägewerks Richard Anders in Mühlenhof arbeiteten, beschafften eine Waschwanne. Deshalb waren sie mit von der Partie. Zu fünft zogen wir los. Auf einem Handwagen lag die Waschwanne, und in der Waschwanne saß ich. Wir fuhren nach Rosenau und über Ponarth nach Godrien. Jedesmal, wenn die russischen Patrouillen kamen oder auch einzelne Russen und uns anhielten, fuhr ich kreischend aus der Wanne hoch, zeigte auf das nächste kaputte Haus, es war ja sowieso alles kaputt, und schrie wie am Spieß. Die Russen erschraken heftig und zogen sich fluchend zurück. Bei allem Elend vermochten sich die vier Frauen das Lachen kaum zu verbeißen. So kamen wir bis an das halbzerstörte Fort heran.

Ich kroch durch das Loch eines schweren Artillerietreffers, und dann blieb mir das Herz stehen. Zu Tausenden lagen die Tuben mit Vaseline offensichtlich von den Russen auf große Haufen zusammengeworfen. Ich warf durch das Loch hinaus, was ich nur schaffen konnte. Als wir die Wanne halb voll hatten, schrie uns ein Posten, der daherschlenderte, an und verscheuchte uns. Gottlob kam er nicht so nahe heran, um zu sehen, was wir in der Wanne hatten. Wir fuhren zurück. Ich saß auf der Vaseline und verdeckte sie so gut es ging mit meinem Rock. In der Speichersdorfer Straße ging plötzlich eine der hölzernen Straßensperren, die die Russen überall errichtet hatten, dicht vor uns herunter. Die Frauen begannen mutlos zu weinen. Scheinbar war alles verloren. Nur meine alte Mutter verlor den Kopf nicht. “Jetzt Kind”, flüsterte sie mir zu, “jetzt spiel die Verrückte wie noch nie.”
Die Russen kamen mit bösen Gesichtern und vorgehaltenen Maschinenpistolen auf uns zu. Wir waren direkt in eine ihrer berüchtigten Straßenfallen hineingerannt. Ich verdrehte die Augen, raufte mir die Haare und schrie und tobte dazu im schrillsten Diskant. Der russische Offizier und seine Männer prallten zurück. Sie riefen: “Mnoge messerschla!”, das soviel heißt wie: eine große Verrückte! Sie blieben in achtunggebietender Entfernung von uns stehen. Und dann geschah das große Wunder. Russinnen liefen aus dem nahen Hause und brachten uns in Kochgeschirren ihre berühmte Kohlsuppe, die aber sehr fett und mit Fleisch zubereitet war.
Meine Fahrerinnen begannen sofort hastig das Essen hinunterzuschlucken, und da ich nie gehört hatte, daß Verrückte nichts essen, verdrückte ich auch ein Kochgeschirr voll, aber nicht, ohne immer wieder schrill aufzuschreien oder blöde vor mich hinzukichern. Die Russen und ihre Frauen starrten uns schweigend an und ließen uns ziehen, ohne uns zu belästigen.
Dies war um so bedeutsamer, als die russischen Frauen uns nach Möglichkeit ansonsten noch mehr drangsalierten als die Männer. Nie zuvor hatte ich gesehen, daß eine russische Frau einer deutschen Frau auch nur eine Krume Brot schenkte. Auf den Schutthalden suchten wir die von den Russen weggeworfe-
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nen Kartoffelschalen, Kohl- und Kohlstrünke und anderen Abfall. Wir waren reich. Wir hatten Hunderte Stück von deutscher Frostsalbe. Und die Frostsalbe war für uns Fett, und Fett war Leben. Wir wiederholten dieses Theater wohl ein dutzendmal. Und immer gelang es. Unsere kleine Eßgemeinschaft war selig. Ich aber begann mit Erschrecken zu merken, daß ich diese Rolle der Wahnsinnigen schon fast zu gut beherrschte. Ich ertappte mich wiederholt, auch wenn ich allein war, dabei, daß ich blöde vor mich hinkicherte oder die Augen verdrehte, und bald erkannte ich, daß ich ein Spiel trieb, das nahe an die Grenzen führte, die den Normalen vom Irren trennen.

Es war nicht möglich, alle zu begraben
Natürlich waren diese Kartoffelschalen und der ganze Abfall keine wirkliche Nahrung. Darum verhungerte meine Mutter trotz all der Mühe. Sie starb am 28. November 1945. Ich stand neben dem Grab auf dem Luther- Friedhof in Schönfließ und hörte nicht, was der Pastor Ernst Müller von Ponarth sprach. Ich hatte meinen Eltern nicht helfen können, weder dem Vater noch der Mutter. Trotzdem glaube ich, daß ich recht getan hatte zu bleiben. Wenn die alten Leute allein geblieben wären, und ich wäre irgendwo in Sicherheit, im Westen gewe- sen, ich hätte es nicht ertragen. Ich hatte meiner Mutter Wochen vor ihrem Tod den Hunger stillen können. Nun, da sie tot war, wußte ich, daß mir eine große Gnade vom Schicksal geworden war.
Der Totengräber war der Zahnarzt Dr. Baumann aus der Vorstadt, der Friedhofsinspektor, der ihm half, dessen Name mir entfallen ist, war ein Professor unserer berühmten Albertina. Mir schien dies wie ein Zeichen der Zelt.
Obgleich ich gedacht hatte, daß es nichts mehr geben könnte, was mich zu erschüttern vermochte, hatte mich doch der Tod meiner Mutter förmlich aus der Bahn geworfen. Trotzdem nahm ich den Kampf um das bißchen Leben erneut auf. Ich zog mir einen weißen Frisierkittel an und versuchte nun mein Glück als private Krankenschwester. Da aber alle Medikamente in den Apotheken und Drogerien von den Russen geplündert worden waren und ich mir keine Heilmittel verschaffen konnte, mußte ich diesen Versuch bald wieder aufgeben. Um diese Zeit hatte das Sterben in Königsberg das bisher größte Ausmaß erreicht. Es war bald nicht mehr möglich, die Toten in Friedhöfen zu begraben, sondern man verscharrte sie einfach in den Schrebergärten und Wiesen. Unser Pfarrer Müller stand der Totenlawine hilflos gegenüber, obgleich er in aufopfernder Weise, man kann schon sagen Tag und Nacht, oft bis zum Zusammenbrechen arbeitete. Von den in Königsberg

verbliebenen evangelischen Pfarrern war eine Reihe gestorben: Dr. Lubowski, Weihrauch, Flach, Leidreiter, Schröter, Dr. Reiß, Knapp und viele andere. Trotzdem die Überlebenden in vorbildlicher
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Weise ihre seelsorgerische Tätigkeit versahen, mußten viele Hunderte, wenn nicht Tausende, ohne geistlichen Zuspruch begraben werden. Da ich mich immer wieder mühte, trotz meines eigenen Elends, den Verzweifelten Mut zuzusprechen, traten einige Frauen, als nahe Anverwandte von ihnen starben, an mich heran und baten mich, bei den Begräbnissen zu reden. So ging ich nun von einem Grab zum anderen, betete vor und versuchte so gut ich es vermochte, Worte der Tröstung zu finden. Wir hatten keine Särge und nicht einmal mehr Säcke. Die ersten, die nahezu serienweise starben, waren die alten Frauen. Aber bald waren es die Frauen, so von 20 bis 40 Jahren, die das Leben einfach nicht mehr haushielten. Und die Kleinkinder. Die, die noch nicht in der Lage waren, auf eigene Faust, meist in streunenden Rudeln zusammengeschlossen, ein paar Bissen zu verdienen, zu stehlen oder zu rauben.
Unter einer Ruine hatte ich zufällig ein vollkommen zerschlissenes Gebetbuch gefunden, von dem nur noch die Blätter von Seite 34 bis 78 zu lesen waren. Diese Blätter begleiteten mich durch die ganzen Jahre. Manchmal bekam ich dafür etwas zu essen. Oft aber mußte ich an ein Sterbebett die letzte Scheibe Brot mitbringen. Ich lebte nicht mehr bewußt, sondern in einem förmlichen Hindämmern, und wenn ich heute an die Zeit zurückdenke, ist es mir oft, als hätte ich alles nur geträumt.
Eines Tages, ich war gerade von einem Sammelbegräbnis von sieben Frauen und Kindern aus den Schrebergärten von Rosenau zurückgekommen, da erwarteten mich meine Schwester Anna mit einer Russin. Es war die Frau des Arztes Pracharin. “Du warst doch unsere beste Tänzerin in der Tanzschule? ” sagte meine Schwester, “und Frau Pracharin, die mit ihrem Mann bei mir wohnt, erzählte mir, daß sie für das russische Offizierskasino eine Tanzlehrerin suchen.” Ich wußte nicht, was ich sagen sollte. Die Russin erzählte mir, daß es sich keinesfalls um eine schlechte Sache handeln würde. Ich würde als “Artistin” angeschaut werden und als solche unter dem Schutz des sowjetischen Oberkommandos stehen. Nach längerem Zögern beschloß ich, mir die Sache anzusehen.
Ich mußte nach der ehemaligen Immelmannkaserne, Jerusalem, wo mir ein Dolmetscher mitteilte, daß ich die große Produktenkarte und 300 Rubel im Tag bekäme. Auf meine Frage, was denn meine Aufgabe sei, sagte er lächelnd:
“Tanzen.” Ich sollte die russischen Offiziere europäische Tänze lehren. Als ich noch immer zögerte, erklärte mir der Dolmetscher, daß ich einen vom russischen General unterschriebenen Pravka bekäme, der mich vor jeder Belästigung in Zukunft beschützen würde. Schweren Herzens sagte ich zu. Meine Arbeitsaufgabe war tatsächlich Tanzlehrerin. Meine Arbeitszeit täglich von 14 bis 18 Uhr. Ich erhielt eine Bestätigung, auf der mit Unterschrift des Divisionsgenerals und Stampiglie bestätigt wurde, daß die Besitzerin des Pravka nicht vergewaltigt werden durfte. Ich glaube, ich war die erste Frau in Königsberg, der solches bestätigt wurde!
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Täglich um 14 Uhr holte mich nun ein deutscher Beute-Pkw ab, und der tatarische Fahrer Massar brachte mich ins Offizierskasino in der Immelmannkaserne. Dort wurde ich erstaunlich behandelt und als “Artistin” genauso angesprochen wie auch die russischen Frauen.
Viel war der Verdienst ja nicht, denn damals kostete ein Brot, das mangels Fett mit Petroleum gebacken wurde, 150 Rubel. Aber was war das für ein Reichtum: Brot!
Frieda Schöning aus der “Arbeiterallee” wurde nun bei mir Kochfrau, so daß wir allmählich in einen nahezu unvorstellbaren Reichtum gerieten. Jedesmal, wenn ich um 18 Uhr nach Hause kam, warteten Tag für Tag oft bis zu drei Dutzend hungrige Frauen, und ich vermochte ihnen fast immer aus der Immelmannkaserne etwas mitzubringen. Was für die Russen Abfall war, bedeutete für uns größte Glückseligkeit und oftmals das nackte Leben. In Königsberg begann um diese Zeit die erste wenn auch schüchterne Räumungsarbeit. Der Steindamm wurde von Kolonnen deutscher Frauen aufgeräumt, die Trümmer einfach in die Ruinen geworfen.
Auf sowjetischen Befehl waren in allen Friedhöfen deutsche Kriegsgefangene dabei, die Grabsteine abzubrechen. Aus ihnen wurde mitten in Königsberg das Lenin-Stalin-Denkmal errichtet. Aber die Lebensverhältnisse für die große Masse hatten sich nicht geändert. Im Gegenteil, wenn eine Steigerung möglich

war, erfolgte sie. Der Bürgermeister unseres Bezirkes, den die Kommunisten und Sowjets aufgestellt, ein Beinamputierter des ersten Weltkrieges, namens Behrend, der in einem Schrebergartenhäuschen in Mühlenhof lebte, versuchte vergebens etwas zu erreichen.
Mir persönlich ging es nach den damaligen Verhältnissen erträglich. Ein großer Kummer war es für mich, daß mein Sohn Klaus, der nun 13 Jahre alt geworden war, durch Vermittlung des Oberst Pracharin Dolmetscher in der Immelmannkaserne geworden war. Der Junge war sehr fix und konnte sich bald mit den Russen sprachlich sehr gut verständigen. Während ich auf der einen Seite selig war, daß er nun einigermaßen verpflegt wurde, konnte ich auf der anderen Seite wieder kaum schlafen, weil ich wußte, daß der gute Oberst Pracharin den Knaben in der Hauptsache nicht als Dolmetscher benutzte, sondern auch zum Schmierestehen. Der sowjetische Oberst brach nämlich, sooft er konnte, des Nachts in das Vorratslager seines eigenen Regimentes ein, um dort hauptsächlich Leder und Käse zu stehlen oder sonstige Waren, die auf dem schwarzen Markt verschoben wurden. Mein kleiner Junge schleppte dann die gestohlenen Sachen in die Wohnung des Oberst, der in der Nähe mit dem Auto herfuhr. Er mußte für das bißchen Essen buchstäblich Kopf und Kragen riskieren, denn die russische Militärpolizei machte nicht viel Federlesens.
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Es fing wieder von vorne an
Im August 1946 war alles aus. Eines Tages wurde mir der Vergewakigungspravka mit der Generalsunterschrift abgenommen und mir vom Dolmetscher mitgeteilt, daß es den sowjetischen Truppen streng verboten worden wäre, deutsche Hiwis zu haben. Selbstverständlich flog auch Klaus aus dem Dolmetscherposten. Nun fing das Hungern wieder an. Ich hatte das, was ich über hatte, jenen geschenkt, die es dringend brauchten. Dadurch hatte ich von einem Tag auf den anderen keine Reserven und war wieder genauso dran, wie zuvor. Ich verschmierte mir das Gesicht und durchstöberte, als alte Frau getarnt, die Schutthalden nach Kartoffelschalen und Kohlblättern, die die russischen Küchen wegwarfen. Ich war wieder Freiwild.
Als ich am 27. Januar 1947 von der Arbeitsuche nach Hause kam, erwartete mich eine furchtbare Überraschung; während ich weg war, hatten deutsche Kommunisten meinen Wohnraum völlig ausgeplündert. Ich besaß nichts mehr als das, was Ich auf dem Leibe hatte. Vollkommen niedergeschlagen und verzweifelt legte ich mich auf den blanken Boden nieder, um zu schlafen. Ich wußte, mir konnte keiner helfen. Auch die nicht, denen ich geholfen hatte. Denn in ihnen war jeder Wille zum Leben gestorben und kein Funken Mut mehr vorhanden. Ich machte mir keine Illusionen mehr. Und es ist keine Phrase, wenn ich sage, ich war zum Sterben bereit. Denn auch mein Kind konnte mir nicht mehr helfen, so wenig, wie ich ihm helfen konnte. Für ihn als Jungen war es doch noch leichter, irgend etwas aufzutreiben. Ich war auch zu müde, um noch irgendeinen Entschluß zu fassen.
Am nächsten Morgen ging ich noch einmal, wie von einem seltsamen Drängen getrieben, auf den Boden, auf dem ich vor über einem Jahr, als meine Mutter noch gelebt hatte, in der Kälte mich verborgen hatte. Ich weiß nicht, wollte ich mich dort erhängen oder Abschied nehmen. Auf einmal fiel mein Blick auf eine Truhe, die an den Schornstein gelehnt stand. Ich machte sie gedankenlos auf. Zu meinem Erstaunen waren drinnen eine Smokingweste und ein Damenhut aus Stroh. Sofort faßte ich den Entschluß, diesen Hut zu verscheuern. Ich trug ihn auf den schwarzen Markt in Schönfließ, gegenüber der Jerusalemer Straße. Tatsächlich sprach mich bald darauf eine russische blonde Kapitänsfrau, eine sogenannte Spekulantin, an.
Ich verlangte 30 Rubel. Sie erhob ein Geschrei, wie unverschämt die Deutschen die Russen ausbeuten wollten, und als sie mir 15 Rubel gab, ließ ich ihn ihr. Für diese 15 Rubel erstand ich eineinhalb Scheiben Brot. Die halbe Scheibe aß ich, hungrig wie ich war, sofort auf, die ganze brachte ich für meinen Sohn nach Hause. Gerade als ich mich umdrehte, rief die Russin mir nach: “Frau, kannst Wäsche waschen?” Ich ging sofort mit ihr in ihr Quartier, wo ich ein paar Löffel Kascha bekam, und nachdem sich die Russin von meinem Pravka, den
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ich ihr zeigen mußte, Name und Adresse aufgeschrieben hatte, gab sie mir zwei Kissenbezüge vollgestopft mit schmutziger Wäsche.
Mit dem Aufgebot aller Kräfte schleppte ich mich mit der Wäsche wieder nach Hause, wo mich mein Sohn niedergeschlagen und hungrig erwartete. Es war ihm nicht gelungen, etwas Eßbares aufzutreiben. Ich gab ihm

das Brot und machte mich sofort dran, die Wäsche zu waschen. Aber ich war durch dieses erneute Hungern wieder so schwach, daß mir schon nach ein paar Minuten schwarz vor den Augen wurde. So sandte ich Klaus zur Kapitänsfrau und bat sie, etwas Geld oder Produkte vorauszuzahlen, damit ich die Wäsche sauber waschen könnte.
Kurze Zeit danach kam mein Sohn wieder und brachte ein kleines aufgebrochenes Glas mit eingelegtem Sauerkraut, das bereits in Gärung war. Er sagte zu mir: “Mutti, von der kriegst du nichts.” Wir blickten uns schweigend an. Dann fuhr er fort: “Winde die Wäsche aus.”
Ich wußte genau, was er wollte. Trotz allem, was das Schicksal uns zum Tragen aufbürdete, hatte ich niemandem etwas weggenommen. Jetzt stand mein hungerndes Kind als Versucher vor mir. Automatisch ging ich zum Waschzuber und wand ohne nachzuschauen ein paar Stücke der eingeweichten Wäsche heraus. “Hab dich nicht so!” sagte der Knabe. »Schau doch das an, das ist ohnedies deutsche Wäsche.” Ich gab ihm keine Antwort, und er zog mit den paar Wäschestücken ab und brachte in kurzer Zelt dafür drei Wassergläser Mehl, aus dem wir eine Mehlsuppe kochten. Wir hatten dabei Glück, es war wirklich Mehl, denn oft verkauften die Russenweiber Schlämmkreide statt Mehl und betrogen uns auch noch in unserer Tiefe.
So war der Anfang gemacht. Für ein paar Mehlgläser hatte ich mein Schicksal verspielt. Ich war zur Diebin an den Räubern geworden. Kurze Zeit danach besuchte mich Frau W., die vormals Kochfrau auf dem Rosenauer Schlachthof gewesen war. Die riet mir, sofort meinen Pravka zu vernichten und unter einem anderen Namen zu leben. Sie erbot sich auch, mir beim weiteren Verkauf der Wäsche behilflich zu sein. Wir nahmen einen Teil der nassen Wäsche und trugen sie auf den Luisenmarkt. Ich bekam dafür an die 1000 Rubel. Dafür kaufte ich Brot. Eines aßen wir auf der Stelle auf, das andere brachte ich meinem Kind. Es war uns klar, daß wir nun das Quartier verlassen mußten. Ich zog mir alles an, was ich noch hatte, und wir gingen zu dritt auf den schwarzen Markt, in die Wachtelgasse, und legten unsere “Ware” aus.
Wie ich dort stehe, legte sich plötzlich eine Hand auf meine Schulter, und als ich herumfuhr, sah ich entsetzt einen Russen mit aufgepflanztem Bajonett. Ich dachte sofort, daß mein Diebstahl aufgeflogen sei. Aber der Russe kümmerte sich nicht um die Wäsche, bei der Frau W. und Klaus zurückblieben. Er zerrte mich in einen Hausflur und sperrte mich dort ein. Meine erste Sorge waren die restlichen Rubel, die ich bei mir hatte und die ich in Ermangelung anderer Mög-
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lichkeiten in die Schuhe steckte. Immer mehr Frauen wurden herangeschleppt. Dann stellten die Russen uns zu einer Kolonne zusammen und führten uns nach Ponarth-Barbarastraße. Dort wurden wir einer deutschen Vorarbeiterin, einer Kommunistin, die Maria hieß, aber sich Maruschka nannte, zugeteilt. Wir mußten die Zimmer aufwischen und Fenster putzen, sowie die völlig verdreckten Keller säubern. Als es Abend war, waren wir fertig, und zu unserem Erstaunen konnten wir wieder gehen. Eine Bezahlung oder gar zu essen bekamen wir natürlich nicht.

Das Schicksal nahm seinen Lauf
Auf der Straße wußte ich nicht, was ich anfangen sollte, aber meine beiden Mitverschworenen warteten auf mich bei der Brauerei Schönbusch. Klaus hatte schon erfahren, daß die ganze Sache ungefährlich war. Die beiden hatten alles verkauft und dafür Kartoffeln eingehandelt. Wir gingen nun, da es in der Dunkelheit sehr gefährlich war, sich auf der Straße zu befinden, zum Verschiebebahnhof Ponarth, weil man dort am besten Brot erwerben konnte. In der Nähe des Bahnhofes überfiel ein jugendlicher russischer Bandit, die in ganzen Rudeln der Roten Armee nachgezogen waren, meinen Sohn und wollte ihm den Rucksack wegreißen. Klaus wehrte sich aber tüchtig. Ehe wir heran waren, hatte der jugendliche Gauner Klaus mit einem Messer in den Kopf gestochen. Die Wunde blutete zwar sehr, aber war gottlob nicht lebensgefährlich. Wir vertrieben den Räuber mit Steinwürfen, verloren darüber aber sehr viel Zeit.
Es war tiefe Nacht geworden. Jeden Augenblick konnte uns eine Patrouille aufgreifen. Unsere Furcht war grenzenlos. Wir versuchten, in der Barbarastraße in die wenigen erhaltenen Häuser zu gelangen, aber niemand nahm uns auf. Jeder fürchtete sich, fremde Menschen aufzunehmen, denn es war nicht nur von den Russen streng verboten. Allmählich hatten sich ganze Räuber- und Mörderbanden gebildet, die vor allem auf dem Lande, aber auch in Königsberg mit der Bitte um Quartier sich einschlichen, um am Schluß ihre Quartiergeber

zu berauben und mitunter gar zu ermorden. Endlich, als wir schon ganz verzweifelt waren, nahm uns eine Frau auf, da wir ihr unsere Lebensmittel zeigten. Ihr Kind hatte einen riesigen Wasserkopf und war schon halb verhungert. Der Mann der Frau war in Rußland als Obergefreiter gefallen. Wir kochten eine Mehlsuppe, die wir zu fünft aßen, und durften dafür die Nacht über in der Küche sitzen. Die Frau hatte selbst nur eine schmale Liegestatt, auf der sie mit dem Kinde schlief.
Am Morgen gingen wir wieder nach dem alten Verschiebebahnhof Ponarth. Erstens wollten wir das letzte Geld in Brot anlegen und zweitens prüfen, ob es uns nicht gelingen konnte, mit einem der ausfahrenden Frachtzüge die Stadt zu verlassen. Diesen Tag habe ich mir gemerkt. Es war der 18. April 1947. In gro-
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ßen Massen belagerten Frauen und Kinder den ganzen Bahnhof. Sie alle versuchten, auf den Puffern und auf den Dächern der ausfahrenden russischen Militärzüge der Königsberger Hölle zu entrinnen. Die russische Militärpolizei schlug die Frauen und Kinder mit Gewehrkolben von den Dächern und stieß mit Bajonetten nach denen, die sich auf den Puffern und Trittbrettern anklammerten. Viele stürzten unter die Räder und schrien fürchterlich. Manche waren gleich still. Wir legten unser ganzes Geld in Brot an, und das war unser größtes Glück im Unglück.
Plötzlich fuhren überfallartig von allen Seiten russische Lkw heran. Sowjetsoldaten sprangen ab und machten ihre Gewehre und Maschinenpistolen schußbereit. Ich erkannte, daß wir unglücklicherweise mitten in eine Razzia hineingeraten waren. Vergeblich versuchten wir auszubrechen und so unserem Schicksal zu entgehen. Die Russen hatten uns umzingelt. Die ganze Menschenmasse – viele Hunderte – wurde nun in schon bereitgestellte Waggons gezwungen, die fest verschlossen wurden. Es war ein ganz langer Zug, in den wir kamen. Angerührt hatte uns niemand. Zu wehren wagte sich ja sowieso keiner. Nach einer Weile setzte sich der Zug in Bewegung.
Es sollte viele viele Jahre dauern, bis ich die Heimat wiedersah und unter deutschen Menschen in Freiheit leben konnte.«
Ein Dokument seltener Eindringlichkeit: Die Landkarte des Todes aus Jugoslawien. Allein hier wurden 80 000 deutsche Kriegsgefangene unter kaum zu schildernden Umständen vom Leben zum Tode gebracht.
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Deutsches Massensterben in Jugoslawien Eine Volksgruppe wurde fast ausgerottet
Noch grausamer und sadistischer gingen die Titopartisanen gegen alle Deutschen vor, die in Jugoslawien in ihre Hände fielen. Fast ist man außerstande, diese blutige Wahrheit wiederzugeben.
Dr. Wilhelm Neuner, vormals Oberlandesgerichtspräsident in Betschkerek und Abgeordneter im Belgrader Parlament, der das erschütternde Schicksal seiner Landsleute mit erleiden mußte, berichtete:
»Die Volksdeutschen, die bis gegen Kriegsende in Jugoslawien lebten, waren beim Rückzug der deutschen Truppen in ihrer Mehrheit der Meinung, daß kein Grund zum Verlassen der Heimat bestehe. Daher sind auch, als die Sowjettruppen in das Land einrückten, gegen 300 000 deutsche Zivilpersonen in Jugoslawien geblieben. Auch ich gehörte zu diesen.
Zunächst schien es, als hätten wir richtig gehandelt. Die ersten Sowjettruppen, die ins Banat und am 2. Oktober 1944 in dessen Hauptstadt Groß-betschkerek einmarschiert sind, haben die deutsche Zivilbevölkerung anfangs im allgemeinen nicht schlechter behandelt als die übrigen Nationalitäten. Am gleichen Tag bildete sich unter der Bezeichnung “Volksbefreiungsausschuß” in der genannten Stadt auch schon eine jugoslawische Behörde, welche, da Belgrad und der größte Teil des übrigen Jugoslawien noch von den deutschen Truppen besetzt war, die lokalen Regierungsgeschäfte in die Hand nahm, mit den Russen zu verhandeln begann und von diesen anerkannt wurde. Dieser Behörde gehörten auch angesehene serbische Bürger an, von welchen wir wußten, daß sie keine Kommunisten, sondern Anhänger des Königs seien. In diesem Ausschuß befanden sich auch Vertreter der ungarischen, rumänischen und slowakischen Minderheit. Als deutscher Vertreter wurde der einstige

Obmann des “Schwäbisch-deutschen Kulturbundes” Johann Keks, dessen demokratische Gesinnung noch aus der Vorkriegszeit allgemein bekannt war, in den Ausschuß berufen.
Leider dauerte die friedliche Zusammenarbeit nicht lange. Am 10. Oktober 1944, nach dem Abzug und weiteren Vormarsch der russischen Kampftruppen, schickten die obersten kommunistischen Machthaber Verbände kommunistischer Partisanen ins Land. Mit dem Erscheinen dieser rissen die Kommunisten überall die ganze Macht an sich. Die nationalen Jugoslawen, die Anhänger des Königs Peter, wurden ausgeschaltet und zum Teil auch eingesperrt. Es wurde eine kommunistische Diktatur eingeführt, womit auch das bisherige erträg- liche Verhalten der Serben uns Deutschen gegenüber sein Ende fand.
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Diese kommunistischen Partisanen haben schon gleich am ersten Tag ihrer Militärdiktatur im ganzen Land Massenerschießungen von Deutschen durchgeführt. In der Hauptstadt Großbetschkerek, wo gegen 12 000 Deutsche lebten, ging dies so vor sich, daß sie zuerst den westlichen Stadtteil, wo hauptsächlich die deutschen Bauern wohnten, umstellten. Sie drangen in jedes Haus ein und legitimierten alle Männer.
Wo sie hierbei einen deutschen Mann antrafen, wurde er sofort in den serbischen Stadtteil getrieben, worauf alle zusammen – ohne Verfahren und grundlos – noch am selben Tag erschossen worden sind.
Nur verhältnismäßig wenige deutsche Männer blieben damals verschont. Auch ich war mit einem 84jährigen Nachbarn zur Liquidierung abgeführt worden. Nur durch einen glücklichen Zufall kam ich dabei mit dem Leben davon. Jedoch mein Schwiegervater und fünf weitere Verwandte, alles Landwirte, welche in meiner Nachbarschaft wohnten und gerade mit der Einbringung der Ernte beschäftigt waren oder in ihren Wirtschaften arbeiteten, wurden ahnungslos von der Arbeit weggetrieben und mit allen übrigen erschossen. Die damals am Leben gebliebenen Deutschen wurden einige Zeit danach, der eine früher, der andere später, geholt und ins KZ gebracht. Ins Großbetschkereker Lager brachte man auch täglich Leute aus den umliegenden deutschen Ortschaften. Fast täglich fanden dann Erschießungen von Gruppen deutscher Menschen statt. Im ganzen Banat betrug die Zahl der deutschen Zivilpersonen, die in jenen ersten Tagen der kommunistischen Diktatur erschossen wurden, gegen 10 000.
So hat das neue jugoslawische Regime seine Herrschaft begonnen. Erst am 21. November 1944 trat dann in Belgrad der “Antifaschistische Rat der nationalen Befreiung” (Avnoj) als die oberste Regierungsbehörde des neuen Jugoslawien zusammen. Bei dieser Gelegenheit wurde der Beschluß erbracht, daß allen Personen deutscher Volkszugehörigkeit die Bürgerrechte und das gesamte Vermögen entzogen werden. Dies geschah ohne Rücksicht darauf, ob diese Deutschen in Gebieten lebten, welche während des Krieges unter ungarischer, kroatischer, italienischer, bulgarischer oder deutscher Verwaltung standen.
Die Behandlung der Deutschen wurde in einer Verfügung zusammengefaßt, die von dem politischen Kommissar Titos, Moscha Pijade, in Jajce veröffentlicht wurde und seither die »Verfügung von Jajce” heißt.
Die drei Punkte der Verfügung lauteten:
1. Alle in Jugoslawien lebenden Personen deutscher Abstammung verlieren automatisch die jugoslawische Staatsbürgerschaft und alle bürgerlichen und staatsbürgerlichen Rechte.
2. Der gesamte bewegliche wie unbewegliche Besitz aller Personen deutscher Abstammung gilt als vom Staat beschlagnahmt und geht automatisch in dessen Eigentum über.
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Verbrechen am Deutschen Volk – Erich Kern 1964

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Joachim Nolywaika:

2. Weitere Massenmorde im Osten Siebenundvierzig lange Jahre mußten vergehen, bis sich die Sowjetunion endlich bequemte, ihre Schuld am Mord von Katyn und anderen Orten an den kriegsgefangenen polnischen Offizieren zuzugeben. In dieser langen Zeit lastete der Schuld-Vorwurf schwer auf Deutschland, da ja die westlichen Alliierten, die die wahren Täter kannten, weiterhin ebenfalls schwiegen. In dem Zusammenhang sei die Frage erlaubt: Wieviel Katyns gibt es noch im Osten und auch anderswo, für die Deutschland wider besseren Wissens von den Siegern zum Schuldigen gestempelt wird? Als das größte Verbrechen aller Zeiten wird der von den Deutschen begangene Holocaust an den Juden dargestellt. Auch hier dauerte es Siebenundvierzig Jahre, bis man feststellte, daß die Verlustzahlen der Opfer von Auschwitz mit vier Millionen weit mehr als das Doppelte 253


zu hoch angesetzt waren. Nach Rückgabe der von den Sowjets 1945 erbeuteten Sterbebücher von Auschwitz an den Direktor des polnischen Auschwitzmuseums Franciszek Piper, einigte sich der internationale Rat des Museums auf die Zahl von anderthalb Millionen Menschen, die in Auschwitz ihr Leben verloren. Dabei steht der Anteil der Juden gar nicht fest. Die Deutschland zur Last gelegten sechs Millionen Opfer sind dann „nur noch” dreieinhalb Millionen Opfer. Damit steht aber Deutschland, was den Holocaust angeht, auch wenn sich die Zahl der Opfer nicht verringert hätte, keineswegs an der Spitze der Täter. Der mit weitem Abstand größte Völkermord geschah in den Jahren der bolschewistischen Herrschaft in der ehemaligen UdSSR. Hierzu schreibt Solschenizyn (dem man wohl Glauben schenken kann) 1973 in seinem „Offenen Brief an die sowjetische Führung” folgendes: „Außer in zwei Weltkriegen haben wir allein durch die Bürgerwirren und -auseinandersetzungen, allein durch die ,klassen’-bedingte politische und wirtschaftliche innere Vernichtung Sechsundsechzig Millionen Menschen verloren!!! Diese Berechnung stammt von dem ehemaligen Leningrader Professor für Statistik I. A. Kurganow, Sie können sie sich jederzeit vorlegen lassen.” (Martin Jenke, „Anzeiger der Notverwaltung des Deutschen Ostens”, Nr. 6/92, Seite 5.) Wie schon früher berichtet, betrug die Zahl der in Gefängnissen und Straflagern inhaftierten Sowjetbürger sechzehn Millionen, also zehn Prozent der Gesamtbevölkerung der UdSSR. Nach dem Einmarsch der Deutschen Wehrmacht und ihrem schnellen Vormarsch bereitete der Rücktransport der Häftlinge zusätzliche Schwierigkeiten, und eine große Anzahl der Bedauernswerten wurden einfach an Ort und Stelle liquidiert und in Massengräbern verscharrt. Im Beseitigen von großen Menschenmassen waren ja genügend Erfahrungen vorhanden. (Beispiel Katyn und andere Hinrichtungsstätten.) Bei Entdeckung dieser Massengräber bot es sich direkt an, ebenfalls nach Katyner Muster, diese entsetzlichen Schandtaten den deutschen Behörden oder der Deutschen Wehrmacht nach deren Rückzug in die Schuhe zu schieben. Bis zum Zusammenbruch des Sowjetbolschewismus berichteten die Medien ausschließlich, und zum Teil auch noch heute, von den „deut- 254


sehen” Greueltaten und dem Wüten der Wehrmacht und der sogenannten Einsatzgruppen im Osten. Auch beweiskräftige Untersuchungen wie in Katyn brachten die beschämenden Selbstanklagen gegen die Deutschen, erhoben auch von deutschen Medien und Politikern, nicht zum Verstummen. Durch die Extrem-Umerziehung haben zahllose Lügen Eingang in deutsche Lehrpläne gefunden, sie werden in Massenmedien pausenlos wiederholt. Frei nach dem Motto des einflußreichen US-Publizisten Walter Lippmann: „Erst wenn die Kriegspropaganda der Sieger Eingang in die Geschichtsbücher der Besiegten gefunden hat und von nachfolgenden Generationen geglaubt wird, kann die Umerziehung wirklich als gelungen angesehen werden.” Einige dieser grausigen Entdeckungen in den Weiten Rußlands sollen hier noch kurz geschildert werden, die der amerikanische Historiker Alfred M. de Zayas in seinem Buch „Die Wehrmacht-Untersuchungsstelle” nach gründlichen Recherchen festgehalten hat und hier gekürzt beschrieben werden. Am 30. Juni 1941 wurde die polnisch-ukrainische Stadt Lemberg von deutschen Truppen besetzt. Die Abteilung Ic des XXXXIX. Armeekorps stellte in der Tagesmeldung vom 30. Juni 1941 fest: „Nach Schilderung des Majors Heinz, Kommandeur eines Bataillons des Regiments 800, sollen sich Tausende von viehisch Ermordeten in drei Gefängnissen in Lemberg befinden, l. und 4. Gebirgsdivision sind angewiesen, ihre Wort- und Bildberichter auf diese Greueltat anzusetzen. Der Oberkriegsgerichtsrat des Korps sowie der hier eingetroffene Verbindungsoffizier des Auswärtigen Amtes zum Armeeoberkommando 17 sind zu näheren Feststellungen nach Lemberg entsandt worden.” Die Untersuchung ergab, daß die Ermordeten, Greise und ältere Frauen, jüngere Frauen und Knaben im Alter von etwa zehn, zwölf und vierzehn Jahren, vor dem Tod schwerste Folterungen und Marterungen erdulden haben müssen. Auch deutsche Soldaten, furchtbar entstellt, wurden unter den Leichen gefunden. Nach vorsichtigen Schätzungen betrug die Zahl der Lemberger Opfer dreitausend bis viertausend Ukrainer. Wegen fortgeschrittener Verwesung wurden die zu Haufen in den Gefängniskellern liegenden Leichen nicht geborgen, sondern mit Chlorkalk übergössen und zugemauert. 255


Da sich angeblich Juden an der Exekution der Gefangenen beteiligt haben sollen, kam es zu einem Pogrom der Bevölkerung gegen diese, wogegen die deutsche Besatzung einschritt. Im Nürnberger Prozeß wurde der tausendfache Mord von Lemberg, genauso wie Katyn, ebenfalls den Deutschen zur Last gelegt. Im Jahre 1954 fand eine weitere Untersuchung des Falles Lemberg durch eine achtzehnköpfige amerikanische Kongreßkommission statt. In dem zusammenfassenden Bericht heißt es: „In den ersten Kriegstagen erschoß der NKWD in jeder Stadt in der westlichen Ukraine alle politischen Gefangenen mit Ausnahme von einigen wenigen, die wie durch ein Wunder überlebten.” Die sowjetische Presse machte im Herbst 1959 den Vertriebenenminister Oberländer der Bundesrepublik Deutschland für die Mordaktionen in Lemberg im Jahre 1941 persönlich verantwortlich, der deswegen zurücktreten mußte. Daraufhin bildete sich eine internationale Untersuchungskommission, die nach viermonatiger Arbeit am 19. März 1960 in Hamburg zusammenfassend bekanntgab: „Nach rund viermonatiger Untersuchung und der Überprüfung von zweihundertzweiunddreißig Zeugenaussagen aus allen beteiligten Kreisen ergibt sich die Feststellung, daß die (Anschuldigungen), die gegen die Einheit ,Nachtigall’ und den damaligen Oberleutnant und heutigen Bundesminister Oberländer erhoben worden sind, jeder Grundlage entbehren.” (de Zaya, Seite 349.) In dem Buch „Russischer Kolonialismus in der Ukraine” wird ein ganzes Kapitel des Berichtes den Tötungen der politischen Gefangenen durch die NKWD in Lemberg, Winniza, Solotschiw, Stanysla-wiw, Peremyschlany, Stryi, Tschortkiw, Lozk, Uman, Nadwirna, Lo-patyn, Bibrka, Berdydschiw, Schowkwa, Bereschany und Droho-bytsch gewidmet. Ausführliche Berichte ukrainischer Zeugen werden abgedruckt, von denen einige heute in den USA und Kanada, andere in der Bundesrepublik leben. (Ukrainischer Verlag in München, 1962, Seite 129 ff.) Der Schriftsteller Boris Lewytskyi stellt in der in Paris erscheinenden exil-polnischen Zeitschrift „Kultura” fest: „Die Verantwortung der sowjetischen Dienststellen für die Morde in den Lemberger Gefängnissen, wie auch für die Morde in anderen Gefängnissen Galiziens und 256


der Ukraine, sind so eindeutig, daß der Verdacht naheliegt, daß sich in den Sowjetreihen Provokateure befunden haben, die diese Greueltaten auf das Konto der deutschen Besatzungsarmee beziehungsweise der Gestapo abschieben wollten. Es ist bekannt, daß die Erschießungen der Gefängnishäftlinge sogar in Kiew stattgefunden haben. Der polnischen Botschaft in Moskau wurden später etliche konkrete Fälle gemeldet, aus welchen hervorging, daß viele ehemalige höhere polnische Staatsbeamte in Kiewer Gefängnissen umkamen. Was die Erschießungen in den Lemberger Haftanstalten anbelangt, so waren sie in diesen tragischen Junitagen bei der gesamten Bevölkerung der Stadt und in der Umgebung weit bekannt.” (Lewytskyi, „Kultura”, Band I, Paris 1960, Seite 174, de Zayas, Seite 350 f.) Zu Anfang des Rußlandkrieges wurde im Gefängnishof des Zivilgefängnisses von Winniza bei Lemberg ein Massengrab entdeckt, in dem sechsundneunzig teilweise bereits verweste Leichen lagen. Es handelte sich überwiegend um Ukrainer, die von Russen vor Ankunft der deutschen Truppen ermordet worden waren … In einem anderen Hof dieses Gefängnisses wurde nachträglich noch ein zweites Massengrab entdeckt, das jedoch nicht mehr geöffnet wurde. Knapp zwei Jahre später, am 25. Mai 1943, wurden durch Einheimische erheblich größere Leichenfunde gemacht. Bis zum Eintreten der Schlechtwetterperiode im Herbst 1943 konnten insgesamt neuntau -sendvierhundertzweiunddreißig Leichen geborgen werden. (Amtliches Material zum Massenmord von Winniza, Berlin, 1944.) Die juristischen Ermittlungen an Ort und Stelle wurden nicht durch einen Heeresrichter geführt, sondern durch den auf Veranlassung des Reichsministers für die besetzten Ostgebiete vom Reichsjustizministerium nach Winniza entsandten juristischen Sachverständigen, Senatspräsidenten Ziegler. Über fünfzig Zeugen wurden teils in Winniza selbst, teils in den umliegenden Dörfern vernommen. Wie zuvor in Katyn wurde auch in diesem Fall durch die Reichsregierung eine internationale Kommission, bestehend aus elf ausländischen Gerichtsmedizinern, nach Winniza eingeladen. Sie stellten fest, daß die Leichen ausnahmslos Genickschüsse aufwiesen, und daß die Tötungen etwa 1938 ausgeführt worden sind. (Amtliches Material zum Massenmord von Winniza, Berlin 1944, Seite 107.) 257


Auch hier wurden die bestialischen Massenmorde den Deutschen in die Schuhe geschoben. Diese Behauptung fand unter anderem Eingang in den sowjetisch-amerikanischen Fernsehmehrteiler „Der unvergessene Krieg”, der in den 80er Jahren über Bundesdeutschlands Bildschirme lief. Trotzdem in den 50er Jahren auch ein Untersuchungsausschuß des amerikanischen Senats die Ergebnisse der deutschen sowie internationalen Kommissionen bestätigt hat. Im März 1989 meldete die Deutsche Presse Agentur: „In Kuropaty ließ Stalin Hunderttausende erschießen. Ihre Gräber wurden schlampig vertuscht . . . Kuropaty ist in Weißrußland heute das Symbol für die Schrecken der Stalin-Zeit.” Als der vierundvierzigjährige Archäologe Senon Posnjak, Mitglied der Akademie der Wissenschaften, im Sommer vorigen Jahres in einer weißrussischen Literaturzeitung zum erstenmal über die schrecklichen Tatsachen schrieb, die jeder kannte, über die aber niemand sprach, löste das einen Schock aus. Jetzt berichten auch Moskauer Zeitungen darüber, was sich in Kuropaty und an vielen anderen Erschießungsstätten in Weißrußland abgespielt hatte. Allein in Kuropaty, so hieß es, seien mehr als hunderttausend Menschen erschossen worden. Heute schätzt Posnjak ihre Zahl auf zweihundertfünfzigtausend. Und er fügt hinzu: „Es gibt viele Kuropatys.” Vor allem die Minsker Republikführung tut sich schwer im Umgang mit diesem Kapitel der Vergangenheit. Sie setzte eine Kommission ein, die überprüfen sollte, was Posnjak dargelegt hatte. Es wurden einige Gräber geöffnet. Das Ergebnis anhand der Funde: Zum ersten Mal kann niemand mehr behaupten, daß die Deutschen die Täter waren. (Frey, „Vorsicht Fälschung”, Seite 139.) Nicht dem Vergessen anheim fallen dürfen auch die furchtbaren Massenmorde nach Kriegsende an fast vierhunderttausend ehemaligen Soldaten und Zivilisten im damaligen Jugoslawien. Ebenso auch die eine Million deutscher Kriegsgefangener in Gewahrsam der Amerikaner, die man auf Befehl Eisenhowers, jeder Witterung ausgesetzt, verhungern ließ. (Bacque, „Der geplante Tod”.)

Joachim Nolywaika: 5. Blutrausch der Partisanen Eine Augenzeugin berichtet aus dem Lager Kikinda: „Am 3. November 1944 war ich Augenzeuge der ersten Abschlachtung einer größeren Gruppe (Deutscher) . . . Zunächst wurden die Männer nackt ausgezogen, mußten sich hinlegen und es wurden ihnen die Hände auf den Rücken gebunden. Dann wurden alle mit Ochsenriemen entsetzlich geprügelt und man schnitt ihnen nach dieser Tortur bei lebendigem Leibe Streifen Fleisch aus dem Rücken, anderen wurden die Nasen, Zungen, Ohren oder Geschlechtsteile abgeschnit- 297


ten. . . . Die Gefangenen schrien und wanden sich in Krämpfen. Dies dauerte etwa eine Stunde, dann wurde das Schreien leiser, bis es verstummte. Noch am nächsten Tag, wenn wir über den Hof gingen, lagen überall Zungen, Augen, Ohren und dergleichen menschliche Körperteile herum, außerdem war der ganze Hof mit gestocktem Blut bedeckt. . . . Freitag, Samstag und Sonntag wurden immer eine Menge Leute abgeschlachtet. . . . Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag wurden dazu benutzt, um das Lager wieder neu aufzufüllen, Leute aus der Umgebung wurden hereingetrieben. Am Freitag ging dann die Schlächterei von neuem los. Später konnte ich nicht mehr zusehen, aber wir hörten alles. Die Opfer, wie sie schrien, und die Partisanen, wie sie sich lustig machten.” (Zitat aus dem Dokumentarwerk von Wilfried Ahrens: „Verbrechen an Deutschen, Dokumente der Vertreibung”, Arget 1983, Seite 304 ff., Dok. 15a.) Von etwa einer knappen halben Million Jugoslawien-Deutschen verloren etwa durch die schon genannten Gründe einhundertfünfund-dreißigtausend, zum größten Teil auf unmenschliche Weise, ihr Leben. Die im jugoslawischen Split erscheinende Wochenzeitung „Nedjejna Dalmacija” brachte am 6. Mai 1990 einen ganzseitigen Artikel über „Das Schicksal der Volksdeutschen und die Kriegsentschädigung”, wobei das damalige Vermögen der vertriebenen oder ermordeten Volksdeutschen auf mehr als hundert Milliarden Mark geschätzt wurde. Es seien siebenundneunzigtausend deutsche Grundbesitze mit sechshundertachtunddreißigtausend Hektar Land den Deutschen geraubt worden. Das Blatt wirft der übrigen jugoslawischen Presse vor, „unsere Volksdeutschen” ganz zu verschweigen, die „arbeitsame und fleißige Leute, ein Vorbild der Vorkriegslandwirtschaft der Vojvodina” gewesen seien. – Anfang Juli wies die in Agram erscheinende katholische Zeitung „Glas Konzila” (FAZ 9. Juli 1990) darauf hin, daß in der Höhle von Jazovka mindestens tausend Kubikmeter menschlicher Knochen lägen. Dort seien nach Kriegsende von den siegreichen Partisanen und Kommunisten einen Monat lang systematisch Verletzte, Kriegsgefangene, auch Zivilisten – die meisten wohl Deutsche und mit ihnen sym- 298


pathisierende Kroaten – hineingeworfen worden. Die Welt müsse nun die ganze Wahrheit erfahren.

Wenn Sie weiterlesen wollen, hier ist das Buch

Die Sieger Im Schatten Ihrer Schuld-1994-Nolywaika

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Auszug aus “Geschichte der Verfehmung Deutschlands,” Franz Seidl http://www.vho.org/D/gdvd_3/I1.html

Die russischen KZ Die Sklaven- und Arbeitslager der Russen sind heute bereits weltbekannt. Eine große Zahl von Berichten liegt über sie vor. Im Jahre 1921 wurde schon das Lager Holmagor bei Archangelsk in Betrieb genommen, das man in Wahrheit als Todeslager bezeichnen kann. In den Jahren 1920/21 wurden allein auf der Krim 120.000 Häftlinge ohne jedes Urteil umgebracht. Die kleinen Völker der Grenzregionen wurden aus den Gebieten in der Nähe der Türkei und Persiens ins nördliche Sibirien verschleppt, wo sie, der Kälte ungewohnt, wie die Fliegen dahinstarben. Rußland ist reich an Wunden und Tränen.

(Göttinger Archiv, Nr. 7/1965.)

1945 sperrten die Russen in ihrer Besatzungszone Hunderttausende deutscher ziviler Bürger, Männer und Frauen, in die ehemals deutschen KZ. Es blieben nicht nur alle alten deutschen KZ bestehen; es wurden sogar noch neue Lager zusätzlich errichtet, um die über 250.000 deutschen Häftlinge unterzubringen. Dazu kamen die ununterbrochen andauernden Deportationen von Deutschen jeden Alters und jeden Geschlechtes in die Arbeitslager nach Rußland, in die Eiswüsten Sibiriens und in die sibirischen Bergwerke. Die Internationale Kommission zur Untersuchung der russischen KZ errechnete die Zahl der Insassen in den russischen KZ im Jahre 1954 mit 20,500.000, wozu in den folgenden Jahren weitere 10,000.000 kamen. Die Sterblichkeit in den russischen KZ wird mit 50 Prozent angegeben. (Vgl. dazu: Grete Buber-Neumann, Als Gefangene bei Stalin und Hitler – Artikel des italienischen Kommunisten Navarrono Scariolo, der 1925 nach Moskau floh und 1937 bis 1954 die russischen KZ kennenlernte. In der römischen Zeitschrift “VITA” vom 23. November 1960.) In der polnischen Exilzeitschrift “Na Antenie” haben polnische Experten Einzelheiten über die zur Zeit in der Sowjetunion bestehenden Zwangsarbeitslager veröffentlicht. Die “Neue Zürcher Zeitung” (Nr. 117/1965) hat diese Veröffentlichung der exilpolnischen Zeitschrift auszugsweise wiedergegeben und kommentiert. Wir entnehmen daraus: “Festgestellt wurden 56 Zwangsarbeitslager; der Schwerpunkt dieses Lagersystems liegt im Norden Rußlands bei Archangelsk. Das Stammlager ist Lumbowka. In diesem Komplex arbeiten etwa 8000 Häftlinge: Russen, Polen, Tschechen, Ungarn und Deutsche; auch Frauen und Kinder. Die Häftlinge sind hauptsächlich in Bergwerken oder beim Bau von Flugplätzen und Straßen beschäftigt. Ein weiterer Komplex wurde auf der Insel Novuja Semlja, ebenfalls im Hohen Norden, festgestellt. Es sind die Zwangsarbeitslager Noska, Saborowo und Wychodnoi; hauptsächlich sind dort Polen, Letten und Russen inhaftiert. Baborowo mit ungefähr 5000, Wychodnoj mit rund 3000 Gefangenen. Südlich von Nowaja Semlia sind die KZ um Workuta gruppiert. Auch dort soll ein neuer Komplex entstanden sein mit den Schwerpunkten um Workuta, Wiermiensk, Isma, Uchta und Schtschugor, mit etwa 6000 Gefangenen, die hauptsächlich beim Bau einer neuen Eisenbahnlinie und bei der Erdölsuche beschäftigt sind. Die Lebensverhältnisse sollen katastrophal, die Sterblichkeit ungewöhnlich hoch sein. Eine weitere Zone von Lagern wurde zwischen dem Ural und dem Kaspisee eruiert, nördlich von Swerdlowsk über Ufa bis in die kirgisischen Steppen; Insassen sind hauptsächlich Polen, Ukrainer, Ungarn, Russen, Letten, Esten, Litauer und Kalmücken. Insgesamt etwa 10.000 Menschen. Auch im Kaukasus soll es mehrere Lager geben, mit angeblich über 11.000 Insassen, die in Steinbrüchen, beim Straßenbau und beim Bau von Bewässerungsanlagen beschäftigt sind; auch sollen Frauen festgehalten werden. In der Ukraine und im eigentlichen Rußland verzeichnet der Bericht acht Arbeitslager, u. a. bei Perwomajsk, Kaluga, Jaroslaw und bei Woronesch; Insassen sind Polen, Deutsche, Ungarn, Balten, Ukrainer, Turkmenen, Tschechen und Rumänen. Auf der Halbinsel Kamtschatka wurden aus einem ganzen Netz von Lagern sechs ermittelt; die Zahl der Zwangsarbeiter in dieser Gegend wird mit mehr als 20.000 angegeben. Sie bauen unterirdische Militäranlagen, Tunnels und Straßen. Weitere Einrichtungen dieser Art, die von Exilpolen festgestellt wurden, liegen nördlich von Wladiwostok und im Knie des Amur. Insgesamt sieben Lager mit Ukrainern, Polen, Deutschen und Russen, etwa 42.000 HäftIinge. Einige Lager sollen auch um den Baikalsee und in Mittelasien, mit dem Schwerpunkt in der Wüste von Karakum, errichtet worden sein

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Flucht, Austreibung und Ausmordung der Deutschen By Joachim Nolywaika –

Die Sieger im Schatten ihrer Schuld

Die Sieger im Schatten ihrer Schuld Am 12. Januar 1945 waren die Truppen der Roten Armee in einer gewaltigen Übermacht aus dem Weichselbogen bei Baranow, Magnuszew und Pulawy zu ihrer großen und letzten Offensive angetreten. Ihre Angriffe in Richtung Königsberg, Breslau und das oberschlesische Industriegebiet stießen überall durch, weil die deutschen Abwehrkräfte einfach zu schwach waren, die außer im Osten auch noch die Fronten im Westen und Süden gegen übermächtige Gegner halten sollten. Jetzt rächte es sich auch, daß man wegen der Ardennen-Offensive im Westen starke Panzerverbände von der Ostfront abgezogen hatte. Dies gab der Roten Armee die Chance, mit ihrer Panzerlawine durchzurollen. Bereits am 20. Januar überschritten ihre Truppen östlich von Breslau die alte Reichsgrenze. Bei Brieg und Steinau wurde am 23. und 28. Januar die Oder erreicht. Kurz darauf war Breslau eingeschlossen. Die Stadt hielt sich bis zum 7. Mai 1945. Erst an diesem Tag zog die Rote Armee in die zertrümmerte Stadt ein, die sie – entgegen ihren Zusicherungen – zur Plünderung und Schändung freigab. 269 Da die Greuel und Brutalitäten der Sowjetsoldaten wegen des schnellen Vormarsches relativ spät bekannt wurden und die Aufforderung zur Flucht an die Zivilbevölkerung zu spät erfolgte, wurden viele Flüchtlingskolonnen und Trecks von den Sowjets überrollt, und es spielten sich unbeschreibliche Szenen ab. Am 30. Januar war Königsberg eingeschlossen, und am 1. März erreichte die Rote Armee bei Köslin das Ufer der Ostsee. Kolberg konnte solange gehalten werden, bis der letzte Flüchtling und die Besatzung der Stadt gerettet waren. Der Fluchtweg über Land war nun allen Flüchtlingen aus Ostpommern und Danzig abgeschnitten. Alle Trecks strömten nun nach Danzig und Gotenhafen zurück, um von dort aus über See den nachdrängenden Sowjets zu entkommen. Am 27. März fielen auch diese beiden Städte. In Schlesien waren bereits schon Ende Januar alle ostwärts der Oder gelegenen Gebiete in der Hand der Roten Armee, Oppeln war bereits am 26. Januar gefallen. Ende Januar gingen in Oberschlesien Beuthen, Gleiwitz, Kattowitz und Hindenburg verloren. Königsberg, seit Wochen völlig eingeschlossen, mußte am 6. April kapitulieren. Auch diese Stadt wurde entgegen den Zusicherungen der Führung der Belagerungstruppen achtundvierzig Stunden lang zur Plünderung freigegeben. Auch hier wurde geschlagen, ermordert, verschleppt und geschändet. Dies wird durch Tausende Dokumente bewiesen. Bereits am 16. Oktober stießen starke Verbände der Sowjets aus dem Baltikum kommend nach Ostpreußen vor und erreichten bei Eydtkuhnen deutsches Reichsgebiet. Vierhundert deutsche Dörfer und Städte gingen bei diesem ersten Ansturm verloren, darunter auch Wirballen, Rominten und Goldap. Es waren insgesamt vier Sowjetarmeen, die nach Ostpreußen hineinstürmten. Am 20. Oktober 1944 trat die 11. Garde-Panzerarmee der Sowjets erneut an und erreichte am Abend des folgenden Tages Nemmersdorf. Als dieser Großverband von der 5. PD und der „PD-Hermann Göring” zurückgeworfen wurde, stießen die deutschen Panzermänner in und bei Nemmersdorf auf Bilder des Grauens. Frauen waren in gekreuzigter Haltung an Scheunenwände genagelt. Kinder lagen mit zerschmetterten Schädeln in Straßengräben und Jauchengruben. Kriegs- 270 gerichtsrat Paul Groch und Stabsarzt Dr. Werner Rose trafen als erste am Ort dieses Massakers ein. Ihnen folgte eine Ärztekommission, die diese Verbrechen für alle Zeit festhielt. Der Augenzeuge Dr. Heinrich Amberger berichtete folgendes: „Am Straßenrand und in den Höfen und Häusern lagen massenhaft Leichen von Zivilisten, die augenscheinlich nicht im Verlauf der Kampfhandlungen durch verirrte Geschosse getötet, sondern planmäßig ermordet worden waren. Unter anderem sah ich zahlreiche Frauen, die man, nach der Lage der verschobenen und zerrissenen Kleidungsstücke zu urteilen, vergewaltigt und danach mit Genickschuß getötet hatte. Zum Teil lagen daneben auch die ebenfalls getöteten Kinder.” Der Genfer Courier veröffentlichte am 7. November 1944 den Augenzeugenbericht seines Sonderkorrespondenten an der Ostfront. Dieser meldete: „Die Lage wird nicht nur durch die erbitterten Kämpfe der regulären Truppen gekennzeichnet, sondern leider auch durch Verstümmelung und Hinrichtung von Gefangenen und die fast vollständige Ausrottung der deutschen bäuerlichen Bevölkerung.” Auch in Alt-Wusterwitz südlich Gumbinnen würden ähnliche Verbrechen der Roten Armee gemeldet. Dazu der Zeuge Hans Zirm: „Am 24. Oktober bezog ich mit meinem Zug eine Luftschutzstellung im Raum westlich von Girnen, etwa neun Kilometer südlich Gumbinnen. Auf der Suche nach einer Unterkunft kam ich auch zu dem Vorwerk Alt-Wusterwitz und mußte dort folgende Feststellung machen: Die Russen hatten sämtliche Zivilisten, denen die Flucht nicht mehr gelungen war, auf einem Gutshof auf bestialische Art ums Leben gebracht. Im Stall lagen sechs verbrannte Skelette, daneben ein junges Mädchen, fast nackt, das erst vergewaltigt (die Geschlechtsteile waren blutig) und dann durch zwei Schüsse in Brust und Bauch getötet waren war. Im Schuppen lag ebenfalls ein totes Mädchen, das vorher vergewaltigt worden war.” Dies alles waren keine Einzelfälle. In unzähligen Dörfern Ostpreußens, Pommerns und Schlesiens zeigten sich diese Grausamkeiten in den letzten Monaten des Krieges. So beispielsweise auch in Metgethen. Hierüber ein Bericht des Kommandanten eines Tigerpanzers, der bei einem Gegenangriff Metgethen erreichte: 271 „. . . Ohne Panzerausfälle erreichten wir die Hauptkampflinie des Gegners. Troß und Artillerie waren vor uns auf der Flucht. Als wir Metgethen erreichten, stockte uns das Blut in den Adern. Tief erschüttert sahen wir, was die Russen dort gegen Ende Januar 1945 angerichtet hatten. Auf einem Bahnhof stand ein Flüchtlingszug. Darin waren Frauen und Mädchen vergewaltigt worden, anschließend hatte man sie einfach umgebracht. Im Lauf des 20. Februar wurde auch das Dorf Powayen zurückerobert. Hier ebenso wie in dem Dorf Groß-Medenau, das am 23. Februar in Besitz genommen wurde, das gleiche Bild. Erschlagene und verstümmelte Menschen allen Alters und Geschlechts. Erschlagene und verstümmelte Zivilisten lagen neben Säuglingen auf den Straßen der Dörfer, in den Häusern und aneinandergereiht in den Gärten.” Dies hier war keine Goebbels-Propaganda, wie die Feindseite immer tönte. Hier sahen deutsche Soldaten mit eigenen Augen, wie der Zivilbevölkerung in unvorstellbarer Weise mitgespielt wurde. Und es war schlimmer als alles, was sie davon gehört hatten. Auch der Soldat B. H. sagte über Metgethen aus: „Im Verlauf des deutschen Angriffs zur Wiederherstellung der Landverbindung zwischen Königsberg und Pillau vom 19. bis zum 24. Februar 1945 konnten alle Soldaten der Angriffsverbände folgende Verbrechen feststellen: 1. Im Ort Metgethen, einem westlichen Vorort von Königsberg, fanden wir in vielen Wohnungen Frauen und Kinder im Alter von zehn bis achtzig Jahren geschändet und ermordet vor. Etwa zweihundert Tote dieser Art haben wir mit Truppenfahrzeugen eingesammelt und zur Identifizierung gebracht. Dies allein im Gefechtsstreifen der 1. und 561. Infanteriedivision. 2. Auf dem Tennisplatz von Metgethen befand sich ein Sprengtrichter von etwa zehn Metern Durchmesser und vier Metern Tiefe. In seinem Innern, auf seinem Rand und in der nächsten Umgebung des Trichters, am und auf dem hohen Drahtzaun des Tennisplatzes und in den Ästen der umstehenden hohen Bäume lagen und hingen erdverschmierte Leichen und Leichenteile von etwa fünfundzwanzig Männern, Frauen und Kindern, drei oder vier Flaksoldaten und einiger Männer in deutscher Polizeiuniform. Rund um den Trichter 272 lagen einige Pferdekadaver und Fuhrwerke mit zerfetztem Flüchtlingsgut. Andere Leichen teile z. B. Knie, Arm mit Hand und so weiter, fanden wir bis zu zweihundert Meter in der Umgebung des Tennisplatzes. Die Erklärung zu diesem Massaker: Offenbar wurden Flüchtlinge, gefangene Soldaten und Polizisten in den auf dem Tennisplatz befindlichen Trichter einer Fliegerbombe getrieben, alle Treckwagen darum gestellt und eine Sprengladung auf dem Boden inmitten der Eingepferchten zur Entzündung gebracht.” (Zu allen geschilderten Aussagen siehe: Bundesarchiv Koblenz: Ost-Dokumentationen, 1/31, 2/20, 2/14, 2/9, 2/8 und andere.) „Ein Feldwebel wies auf ein Mädchen und zwei deutsche Soldaten, die man in der Kirche vorgefunden hatte. Das Mädchen war gekreuzigt und die beiden Soldaten als Pendant links und rechts von ihr aufgehängt worden. Auf meinem weiteren Weg lagen überall bis an die Straßenkreuzung nach Powayen Leichen von Zivilpersonen. Während die Männer meist mit Genickschuß ermordet waren, waren die Frauen völlig entkleidet, vergewaltigt und dann in viehischer Weise durch Bajonettstiche oder Kolbenhiebe umgebracht worden. Den Kindern war meist mit einem harten Gegenstand der Schädel eingeschlagen oder der kleine Körper von zahllosen Messerstichen durchbohrt.” Von diesen unzähligen Brutalitäten und Unmenschlichkeiten, die sich beim Vormarsch einer Armee von Ungeheuern vom Balkan bis an die Ostsee ereigneten, die Schilderung des Zusammentreffens einer Kolonne von Flüchtlingen mit polnischen Partisanen und einer sowjetischen Panzerspitze: „Sofie Jesko und ihre Gruppe wurden etwa dreißig Kilometer hinter Posen von ihrem Schicksal ereilt. Sie hatten einen langen und mühseligen Marsch hinter sich, der durch den Straßenzustand und die schneidende Kälte noch erschwert worden war. Einige hatten erschöpft aufgegeben; die anderen waren weitergezogen, nur beherrscht vom Gedanken, so schnell wie möglich ans Ziel zu gelangen. In der Nähe der Stadt Schroda wurden sie plötzlich von einer aus Süd…

Erich Kern – Verbrechen am Deutschen Volk

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