Polnische Ungeheuer

germanvictims.com – Polnische Verbrechen gegen die Deutschen Menschen – Polische Ungeheuer – Augen ausstechen, Geschlechtsteile abschneiden, totschlagen, jedes Alter, jeden an den sie herankamen.

 

Befreiung Volksdeutscher in Dirschau, Polen, vom Polnischen Joch

 

Befreier Volksdeutscher in Dirschau vom Polnischen Joch

Unser Kampf mit Polen:

http://www.wintersonnenwende.com/scriptorium/deutsch/archiv/unserkampfinpolen/ukp00.html

Auf den Strassen des Todes: Leidenswege der Volksdeutschen in Polen:

http://www.wintersonnenwende.com/scriptorium/deutsch/archiv/strassendestodes/adsdt00.html

Volksdeutsche Soldaten unter Polens Fahnen:

http://www.wintersonnenwende.com/scriptorium/deutsch/archiv/unterpolensfahnen/vspf00.html

Der Marsch nach Lowitsch:

http://www.wintersonnenwende.com/scriptorium/deutsch/archiv/lowitsch/mnl00.html

Die Toedlichen Quaelereien an den Deutschen in Theresienstadt-lese Buch hier:

http://www.wintersonnenwende.com/scriptorium/deutsch/archiv/weissbuch/dasd31.html

Das Andere Lidice-lese Buch hier:

http://www.wintersonnenwende.com/scriptorium/deutsch/archiv/lidice/dal00.html

Schreie aus der Hoelle-kaufe Buch hier:

http://www.versandbuchhandelscriptorium.com/angebot/1308schr.html

Spuren Hinterm Zaun-kaufe Buch hier:

http://www.versandbuchhandelscriptorium.com/angebot/2602spur.html

Buch zum Kaufen: Die Hölle von Lamsdorf

Dokumentation über ein polnisches Vernichtungslager

http://www.versandbuchhandelscriptorium.com/angebot/0815holl.html

Mehr Polnische Grausamkeiten

Der Tod in Polen

Blutrausch der Partisanen

Kriegserlebnisse Werner Weinlein

Vertreibung*Mord Deutscher

*****Polnische Verbrechen an Deutschen – video: http://vimeo.com/17710715

Deutschtum in Not – Die Schicksale der Deutschen ausserhalb des Reiches

Das Jahrhundertverbrechen

 UNFASSBARE POLNISCHE GREUELTATEN

Schlesien Gestohlen

 POLNISCHE GRAUSAMKEITEN

Verbrechen an der Wehrmacht – post

DIE AUSTREIBUNG DER DEUTSCHEN AUS DEN BOLSCHEWISTISCH UND POLNISCH GEWORDENEN GEBIETEN OSTDEUTSCHLANDS

Franz Scheidl – Auszug aus dem Buch “Das Unrecht an Deutschland” 1968

Die von der Sowjetunion und Polen besetzten Gebiete  Ostdeutschlands zählten 17—20 Millionen deutsche Einwohner.

Die Bolschewiken trieben die  deutsche  Bevölkerung  Ostdeutschlands als Sklaven in die Bergwerke und  Zwangsarbeitslager  nach  Sibirien und in das Innere der Sowjetunion.

Über die Auslieferung der Deutschen an die Bolschewiken als Zwangs- arbeiter schreibt John Flynn in seinem Werk The Roosevelt  Myth (New York 1948):

„In Jalta wurde auf diplomatischem Weg die Gefangennahme  von Menschen  für  Sklavenarbeit  nach  dem  Krieg  bestätigt;  es   wurde   die Basis eines  furchtbaren  Verbrechens  nach  dem  Ende  der  Feindselig- keiten  —  eine  Abmachung,   die   Roosevelt   vor   Byrnes   geheimhielt. Es ist einfach nur die Wahrheit, daß Roosevelt durch Stalin  in  jedem Punkt an die Wand gedrückt  wurde  oder  richtiger:  Roosevelt  drückte sich selbst an die Wand. Stalin  brauchte  nur  fest  zu  bleiben,  brauchte nur  seine  Wünsche  zu  äußern,  und  Roosevelt  legte  sie   ihm   in   den Schoß . . . Roosevelt traf  Vereinbarungen  mit  Stalin  . . .,  die  den  Herren des State Departement bis zu seinem Tod unbekannt blieben; im un- günstigsten Moment wurden sie dann  von  Molotow  unsern  Vertretern ins Gesicht geschleudert.“

Freda  Utley  schreibt  in  ihrem  Werk  The  High  Cost  of  Vengeance

(Der hohe Preis der Rache):

„Es war Roosevelt, der mit Stalin  übereinstimmte,  daß  die  Deutschen von den Bolschewiken als Sklavenarbeiter verwendet werden sollten.“

In den von den Polen besetzten Gebieten Ostdeutschlands erfolgte die Austreibung, Nacktberaubung, Niedermetzelung der Deutschen wenn möglich noch barbarischer als in der CSSR. Durch die Polen wurden die Deutschen noch zahlreicher und grausamer gemordet und hingemetzelt. Schon nach dem  ersten  Weltkrieg verschwanden eineinhalb  Millionen Deutsche spurlos aus den damals den Polen zugesprochenen deutschen Gebieten.

Nach dem zweiten Weltkrieg war der Blutrausch der Polen  noch ärger. Die an Millionen von Deutschen verübten Morde und Grausamkeiten sind so gräßlich, daß die menschliche Phantasie nicht ausreicht, sie sich  vorzustellen.  Was  an  Deutschen  nicht  ermordet  oder an  die  Bolschewiken  als  Sklavenarbeiter  ausgeliefert  wurde,  jagte  und hetzte man durch  das  Land wie vogelfreies Wild vor  sich her  in  die Sowjetzone Deutschlands l. Für jene,  die  völlig  ausgeraubt  und  nur mit gerettetem nacktem Leben die Grenze der deutschen Sowjetzone erreichten — es waren nur Frauen, Greise und Kinder  —,  waren damit die Leiden noch nicht  zu  Ende.  Längs  der  Oder-Neiße-Linie ballten sich  die  Millionen  dieser  Ausgetriebenen  aus  dem  Osten; es gab kein Quartier, keine Lebensmittel.  Millionen  und  Abermillionen lagerten, allen Unbilden der Witterung ausgesetzt, auf  freiem Feld, ohne Kochgeschirr, ohne warme Decken, ja ohne ausreichende Kleidung. Die Amerikaner  verweigerten  ihnen  die  rettende  Einreise in die von ihnen besetzte Zone Deutschlands, also in das eigene Vaterland der Flüchtlinge, und überlieferten sie den Bolschewiken. Ungezählte gingen zugrunde.

Die New York Times schrieben am 23. September 1946:

„Der  Umfang  dieser  Rücksiedlung   und   die   Umstände,   unter   denen sie  stattfindet,  sind  ohne  Beispiel  in   der   Geschichte.   Niemand,   der ihre Grauenhaftigkeit aus der Nähe beobachtet,  kann  daran  zweifeln, daß sie  Verbrechen  gegen  die  Menschlichkeit  sind,  die  von  der  Geschichte in schrecklicher Weise vergolten werden können.“

Aus einem amtlichen Bericht:

„Am 16. Dezember 1946 rollte aus dem Breslauer Hauptbahnhof der Deportiertenzug Nr. 514. Er bestand aus einer  Lokomotive,  einem geheizten   Personenwagen   und   52   ungeheizten   Viehwagen.   Im   geheizten   Personenwagen   fuhren   fünf   Mann   polnisches    Bewachungspersonal,    in    den    ungeheizten    Viehwagen    1542    ausgetriebene    Deutsche.

1 Unglaublich ist angesichts dieser  historischen  Tatsachen,  daß  ein  prominenter  deutscher  Sozialistenführer,  der  erste  Sprecher  der  SPD,   bei einem   parteioffiziellen   Besuch   in   Polen   folgenden   Monolog   deklamiert:

„Ich  komme  mit   gesenktem   Haupte.   Die   Schuld,   die   wir   Deutschen   durch die Ermordung so vieler Polen auf uns geladen  haben,  ist  in  Wahrheit unsühnbar.“ (Carlo Schmidt)

In  diesem  Fall  mangelt  dem  Redner  ebenso  die   Kenntnis   der   geschichtlichen Tatsachen wie der Sinn für die  Würde  Deutschlands  und  des  deutschen  Volkes.  Bei  den  von  den  Deutschen  und   Polen   gegenseitig   verübten  Grausamkeiten  kommt  den  Polen   weitaus   der   Vorrang   zu.   Jedenfalls ist die Zahl  der  Opfer  auf  deutscher  Seite  ein  Vielfaches  der  Opfer, die auf polnischer Seite zu beklagen sind.

Die Polen wurden durch die Deutschen zwar hinsichtlich ihrer staatsbürgerlichen  Rechte  schwer  benachteiligt,  aber  ihr  Leben  war  —  im  allgemeinen — nicht gefährdet. Nach  dem  ersten  Weltkrieg  verschwanden  aus den Gebieten, die den Polen zuerkannt  wurden,  eineinhalb  Millionen  Deutsche. Wir können ihr Schicksal nur schaudernd  ahnen.  Die  Zahl  der  Todesopfer  bei  der  Austreibung   der   Deutschen   nach   dem   zweiten   Weltkrieg aus den von  Polen  und  der  UdSSR  in  Besitz  genommenen  Gebieten  steht als furchtbare Blutschuld der Polen im Buch der Geschichte.

80  Prozent  davon  waren  Frauen  und  Kinder,  50  Prozent  waren Greise  und  Kranke;  50  Prozent  waren  über  60  Jahre  alt.  Der jüngste  Ausgewiesene  war  drei  Monate  alt.   Die   Temperatur   betrug 15° Kälte. Die Menschen erfroren in den Viehwagen. Während des Transportes  gab  es  drei  Entbindungen  und  zwei  Fehlgeburten.   Eine Frau  mit  Fehlgeburt  war  am  Waggonboden  festgefroren.   Sie   mußte von   Dr.   Loeb   mit   Hilfe   eines    Spirituskochers    abgetaut    werden. Dr.  Loeb   selbst   froren   während   des   Transportes   beide   Füße   ab. Trecks,  die  mit  30 000  Menschen  losgezogen  waren,   kamen   mit   ein paar  hundert  Leuten  an.  Was  von  den  Russen  eingeholt  wurde, wurde  der  warmen  Kleider  beraubt  und  notdürftig   bekleidet   zurück nach dem Osten geschleppt.“

Nach der Statistik des Amerikanischen Komitees gegen Massenausweisungen  sind  bei  der  Umsiedlung  aus  Ostdeutschland  und  Polen 4 800 000 Ostflüchtlinge ums Leben  gekommen.  Millionen  wurden als Zwangsarbeiter nach Sibirien verschleppt. Zwei Millionen deutscher Frauen wurden  in  Ostdeutschland  vergewaltigt  und  geschändet! In seinem Buch German Realities gibt der in den USA verstorbene Staatswissenschaftler Dr. Gustav Stolper  sechs  Millionen  Deutsche  an, die seit der Kapitulation spurlos  verschwanden.  In  dieser  Zahl  sind die Gefallenen und nachgewiesenen Gefangenen nicht erhalten.

Der Suchdienst der Anstalt Bethel verfügt über die  Unterlagen  von rund 200 Frauenlagern in der UdSSR,  in  denen  Hunderttausende von zwangsverschleppten deutschen Frauen festgehalten wurden.

Der damalige amerikanische Heeresminister, Kenneth  Royall,  machte am  27.  Dezember  1948  auf  einer  Pressekonferenz  in  Berlin  bekannt:

„In den Zwangsarbeitslagern in der Sowjetunion befinden sich  zwei Millionen  Deutsche,  darunter  Frauen  und  Kinder.  In   dieser   Zahl sind die Kriegsgefangenen nicht eingeschlossen. In Polen  befinden  sich eine Million Deutsche, die nicht mehr rechtzeitig fliehen konnten, in Zwangslagern und verrichten Sklavenarbeit . . . Wir wissen, daß beim Vormarsch  der  Russen,   den   wir   dank   Jalta   nicht   aufhalten   durften, so gut  wie keine  weibliche  Person, von  Greisinnen bis  zu  Kindern, unvergewaltigt blieb.“

Bericht aus der Neuen Zürcher Zeitung vom 17. Jänner 1948:

„Am  12.  Oktober  1947  wurden  wir  auf  dem  Bahnhof  Stalino   verladen. Wir hatten bis dahin in Stalino im Bergwerk gearbeitet.  Am selben    Tage    wurden    unsere    Ersatzleute    auf    einem    Geleise    neben dem unseren ausgeladen. Es waren 1400 geistliche Ordensschwestern, Vinzentinerinnen. Sie machten alle einen elenden Eindruck. Sie waren genauso  herunter  wie  wir.  Die  Hälfte   der   Schwestern   hatte   noch ihre  Schwesterntracht  an,  natürlich  verdreckt  und  zerrissen.  Zur  anderen Hälfte trugen sie Steppanzüge. Mit zwei Schwestern konnte ich sprechen. Sie waren 1946  aus  ihren  Ordenshäusern in  der  deutschen Ostzone  herausgeholt  und  verschleppt   worden   . . .   Bis   jetzt   hatten die Schwestern am Dnjepr  beim  Brückenbau   schwere   Arbeit  geleistet. Die  Schwestern  wußten,  daß  sie  nun  in  ein  Bergwerk  kamen.   Sie waren sehr niedergedrückt.  Ihr  größtes  Leid  war,  daß  sie  unter  der Willkür  der  Bewachungsmannschaft  schwer  zu  leiden   hatten.   Die schlechte Ernährung, die schwere Arbeit, die elenden  Lumpen,  der Schmutz, alles wollten sie   gerne   ertragen,  selbst   Krankheit  und  Tod. Das alles sei nicht so schlimm als das, was sie von der Bewachungsmannschaft zu leiden hätten. Willkürlich würden einzelne  aus  den Baracken  geholt  . . .  Sie  beneideten  ihre  verstorbenen  Schwestern.  Es käme vor, daß sich mitten in der  Nacht  betrunkene  Posten  Schwestern von  den  Pritschen  holten  . . .  Von  den   Schwestern   hörten   wir,   sie seien  von  Dnjepropetrowsk  mit  1500  Schwestern   abgefahren.   Bis   Stalino seien etwa 50 Schwestern tot oder sterbend ausgeladen worden.“

DIE SLAWISCHEN MINDERHEITEN IN OSTDEUTSCHLAND

Schon bei den Friedensverhandlungen nach 1918 tauchten immer wieder Behauptungen auf, wonach in Ostdeutschland starke polnische Minderheiten leben würden, wodurch die Forderung nach Abtretung dieser Gebiete gerechtfertigt sei. Diese den Tatsachen und der Geschichte hohnsprechenden Argumente werden heute von der kommunistischen Presse Polens wie auch den Exilorganisationen mit noch größerer Lautstärke vorgetragen. Da auf diese Weise die große Gefahr besteht, daß die  gewaltsame  Annexion  der  deutschen Ostgebiete nach 1945 in der Weltöffentlichkeit eine nachträgliche Rechtfertigung erfährt, ist es notwendig, immer wieder die historischen Tatsachen ins Gedächtnis zurückzurufen. Das ist um so nötiger, als selbst in der westdeutschen Publizistik — namentlich im Fernsehen und durch Professoren der politischen Wissenschaften — die polnischen Thesen leichtfertig oder böswillig übernommen werden.

Heinz-Dieter Hansen brachte in der DWZ vom 7. August 1964 einen aufschlußreichen Artikel über dieses Thema:

„Daß es auch polnische und andere slawische Minderheiten in den deutschen Ostgebieten innerhalb der Reichsgrenzen nach dem ersten Weltkrieg gegeben hat, ist niemals  ein  Geheimnis  gewesen.  Jedem, der sich auch nur  oberflächlich  mit  Minderheitsfragen  befaßt  hat,  ist das bekannt. Die Reichsregierung hat hierüber umfangreiche  statistische Erhebungen angestellt. Außerdem beteiligten sich diese Minderheiten — Polen, Wenden, Masuren und Litauer —  an  den  Wahlen sogar mit eigenen Listen.

Die Wahlvorschläge der ‚Polnischen Volkspartei‘, der ‚Masurischen Vereinigung‘ und der ‚Wendischen Volkspartei‘ waren zu einem gemeinsamen Reichstagswahlvorschlag unter der Bezeichnung ‚Nationale Minderheiten Deutschlands‘ zusammengefaßt.

Sie erhielten bei den Reichstagswahlen:

20. Juni 1920 84 629 0,3 %
4. Mai 1924 119 736 0,4 %
7. Dez. 1924 92 966 0,3 %
28. Mai 1928 71 108 0,2 %
14. Sept. 1930 75 889 0,2 %
31. Juli 1932 34 947 0,1 %
6. Nov. 1932 34 682 0,1 %

Diese Liste erreichte mit 119 736  oder  0,4  %  der  abgegebenen  gültigen Stimmen im Reichsgebiet bei der Reichstagswahl am 4. Mai 1924 ihre höchste Stimmenzahl. Diese Wahlergebnisse seien deshalb zugrunde gelegt.

In den Wahlkreisen, die heute ganz oder teilweise hinter der sogenannten Oder-Neiße-Linie liegen, ergaben sich folgende Einzelresultate:

Ostpreußen 14 122 (1,38 %)
Frankfurt/Oder
(Ostbrandenburg und Posen-Westpreußen) 8 861 (1,09 %)
Pommern 2 983 (0,36 %)
Breslau (Niederschlesien) 1 417 (0,15 %)
Liegnitz (Niederschlesien) 2 155 (0,16 %)
Oppeln (Oberschlesien) 49 259 (8,67 %)
und als Vergleichszahlen: Westfalen-Nord 6 551 (0,62 %)
Westfalen-Süd 11 421 (0,89 %)

 

1   Bei   der   Reichstagswahl   am   4.   Mai   1924   im   Wahlkreis   Breslau   keine Liste. Das Ergebnis stammt von der Landtagswahl am 7. Dezember 1924.

Die Ergebnisse zeigen, daß die Minderheiten mit Ausnahme Oberschlesiens (8,7 %) und  der  Provinz  Grenzmark-Westpreußen,  eines Teiles des Wahlkreises Frankfurt/Oder (3,8 %), nirgendwo größere Wahlerfolge erzielen konnten.  Die  Zahl  der  für  die  polnische  Liste in Westfalen (Ruhrgebiet)  abgegebenen  Stimmen  (0,9 %)  zum  Beispiel ist bedeutend höher als in Pommern (0,4 %),  ohne  daß  daraus wohl irgendwie Gebietsansprüche erhoben werden können. Über die Wahlergebnisse in einzelnen Kreisen, Städten und  Gemeinden  gibt  es eine sehr ausführliche Veröffentlichung des  Statistischen  Reichsamtes, auf die besonders hingewiesen sei 1.

Die Volkszählungen 1925 und 1923

Nun wird in Wahlergebnissen bekanntlich immer nur ein Teil der Bevölkerung erfaßt. Denn es sind nicht alle wahlberechtigt, und es beteiligten sich auch nicht alle Wahlberechtigten an der Wahl. Ebenso sind gewisse Manipulationen bei der Zulassung von Wahlvorschlägen möglich. Um solche Einwände auszuschalten,  müssen  in  erster  Linie die Ergebnisse der Volkszählungen berücksichtigt werden. Es kommen die Volkszählung  vom  16.  Juni  1925  2  und  vom  16.  Juni  1933   3 in Betracht, da bei diesen auch Erhebungen über die Muttersprache angestellt wurden.

Die Zahlen der Volkszählung von 1933  weichen  teilweise  erheblich von denen von 1925 ab.

Warum das so ist — ob ein  Teil  inzwischen  assimiliert  worden  ist oder ob es vielleicht 1933 nicht opportun war, sich zu einer fremdsprachigen Minderheit zu  bekennen —, mag dahingestellt bleiben. Bei den Wahlergebnissen wurden die Zahlen vom 4. Mai 1924 zugrunde gelegt, weil sie das günstigste Ergebnis erbracht hatten. So sollen auch hier die für die Minderheiten vorteilhafteren  Zahlen  verwendet  werden, zumal beide aus der gleichen Zeit stammen.

1 Die bei  den  Wahlen  zum  Reichstag  am  4.  Mai  1924  und  am  7.  Dezember 1924 für die Kreiswahlvorschläge der „Nationalen Minderheiten Deutschlands“   abgegebenen   Stimmen   (Statistik   des   Deutschen   Reiches, Band 315, Heft 5; Berlin 1925).

2 Die Bevölkerung  des  Deutschen Reiches nach den Ergebnissen der Volkszählung  vom  16.  Juni  1925   (Statistik   des   Deutschen   Reiches,   Band 401; Berlin).

3 Die Bevölkerung einiger Gebiete des Deutschen Reiches nach der Muttersprache  (Statistik  des  Deutschen  Reiches,  Band  451,  Heft  4,   2.   Teil; Berlin 1936).

Muttersprache im deutschen Osten

Von der in den Gebieten jenseits der heutigen Oder-Neiße-Linie wohnenden  Bevölkerung  (Reichsangehörige  und   Ausländer)   gaben bei der Volkszählung 1925 als ihre Muttersprache an:

in Ostpreußen

2 117 157 93,8 % Deutsch
24 812 1,1 % Deutsch und Polnisch
24 531 1,1 % Deutsch und Masurisch
18 627 0,8 % Polnisch
41 735 1,9 % Masurisch
2 379 0,1 % Deutsch und Litauisch
2 368 0,1 % Litauisch

 in Posen-Westpreußen

317 173 95,4 % Deutsch
4 965 1,5 % Deutsch und Polnisch
8 319 2,5 % Polnisch

 in Oberschlesien

810 835 58,8 % Deutsch
384 572 27,9 % Deutsch und Polnisch
151 162 11,0 % Polnisch
6 855 0,5 % Deutsch und Tschechisch
6 163 0,4 % Tschechisch

 

in Niederschlesien

 

3 038 167 97,0 % Deutsch
3 761 0,1 % Deutsch und Wendisch
16 719 0,5 % Wendisch
9 779 0,3 % Deutsch und Polnisch
2 240 0,0 % Polnisch
1 952 0,0 % Deutsch und Tschechisch
2 477 0,0 % Tschechisch

in Ostbrandenburg Reg.-Bez. Frankfurt/Oder

 

1 246 377 96,4 % Deutsch
5 347 0,4 % Deutsch und Wendisch
17 144 1,3 % Wendisch
3 215 0,3 % Deutsch und Polnisch
1 532 0,1 % Polnisch

 

in Pommern

 

1 840 279 98,0 % Deutsch
2 678 0,2 % Deutsch und Polnisch
2 905 0,2 % Polnisch

Keine nennenswerten Minderheiten.

Um  ganz  klar  den  deutschen  Charakter  der  Ostgebiete  herauszustellen, seien die obigen Tabellen noch einmal zusammengefaßt:

Bevölkerung deutscher Muttersprache in

Ostpreußen 94,5 %
Posen-Westpreußen 95,7 %
Oberschlesien 59,6 %
Niederschlesien 98,3 %
Ostbrandenburg 97,1 %
Pommern 98,4 %

Es kann festgestellt werden, daß es, außer in Oberschlesien, keine nennenswerten slawischen Minderheiten gegeben hat. Die Volksabstim- mung auf Grund des Versailler Vertrages und die Ergebnisse der späteren Wahlen haben im übrigen gezeigt, daß der größte Teil der Minderheitenbevölkerung sich zum Deutschen Reich und nicht zu Po- len bekannt hat.

Die Volksabstimmungen

Die Abstimmungen vom 11. Juli 1920 erbrachten  im  Gebiet  Allen- stein (Ostpreußen), dem Siedlungsraum der masurischen  Volksgruppe, eine rein deutsche Mehrheit von 97,5 % und im Abstimmungsgebiet Westpreußen von 92 % für ein Verbleiben bei Deutschland.

Noch deutlicher war das Ergebnis in Oberschlesien, wo nach der Volkszählung von 1910 etwa 65 % der Bevölkerung zur polnischen Bevölkerungsgruppe   gehörten.  In  der  Abstimmung   vom  20.  März 1921 jedoch stimmten 62 % für Deutschland (!) und nur 38 %  für Polen, so daß etwa 42 % der wasserpolnisch-sprechenden  Bevölke- rung für Deutschland gestimmt haben.

Die verlorenen Gebiete von 1919

Durch das  Versailler  Diktat  sind  Gebiete  von  Deutschland  abge- trennt worden, die vergleichsweise wesentlich größere deutsche ‚Min- derheiten‘ beheimateten. So hatten bei der Volkszählung vom 1. De- zember 1910 Deutsch als ihre Muttersprache angegeben:

In den ohne Abstimmung an Polen abgetretenen Gebieten der ehemaligen Provinzen Westpreußen 42,7 %,  Schlesien  35,7 %  und  Po- sen  34,4 %;  im  von  Litauen  annektierten  Memelgebiet   zunächst 50,4 % 1, wobei jedoch  zu bemerken  ist, daß bei den Landtagswahlen im Memelgebiet am 19. Oktober 1925 die Parteien der Deutschen  ‚Einheitsfront‘  91,04 %  der  abgegebenen  Stimmen  und  27  von 29 Mandaten gewinnen konnten.  Auch  in  späteren  Jahren,  als  dieser Anteil durch Zersplitterung und Wahlbehinderung etwas zurückging,  konnten  die  litauischen   Parteien   nie   mehr   als   5   von 29 Mandaten erobern.

Dieser Vergleich zeigt deutlich, welche Bedeutung die slawischen Minderheiten in den Gebieten jenseits  von  Oder  und  Neiße  besaßen. Da sich daraus kein Anspruch nach dem Selbstbestimmungsrecht der Völker ableiten läßt, bleibt nur der Schluß, daß es sich um eine völkerrechtswidrige Annexion gehandelt hat.“

Wir zitieren wörtlich aus einem Artikel aus der DWZ vom 9. Okto- ber 1964:

VERGESSENES ZUR ODER-NEISSE-DISKUSSION

Churchill persönlich als Kronzeuge gegen den Raub deutscher Gebiete

In den Diskussionsbeiträgen zu der Frage  der  Oder-Neiße-Linie  stößt man bedauerlicherweise immer wieder auf Unwissenheit, auf  tendenziöse Desavouierung ausschlaggebender Tatsachen und auf Argumente,

1 Errechnet nach Angaben des  Statistischen  Jahrbuchs  für  den  Freistaat Preußen; Berlin 1921.

Es  ist  hierbei,  genau  wie  bei  den  anderen  Prozent-Angaben,  darauf   verzichtet worden, diejenigen, die Deutsch und eine andere Sprache als Muttersprache angegeben haben, zur Hälfte der deutschen Volksgruppe zuzuzählen, wie es sonst statistischen Gepflogenheiten entspricht.

deren Logik nur Verwunderung auszulösen vermag. Aus der Fülle solcher Stellungnahmen sei als klassisches Beispiel der Leserbrief „Frieden machen mit Polen“ in der FAZ vom 10. Juli 1963  herausgegriffen. Dem Verfasser ist es zu danken, daß er so ziemlich alle Argumente zusammengetragen hat, die einer Widerlegung wert sind.

Zunächst wird behauptet:

„Die  Vertreibung  der  Deutschen  aus  Ostpreußen,  Pommern   und Schlesien war unmittelbare Folge des von Deutschland frevelhaft  begonnenen Krieges.“

Dieser „Kausalität“ haben sich nicht einmal die Repräsentanten der damaligen Feindmächte in Jalta und Potsdam bedient. Im Gegenteil. Churchill schreibt:

„Die baltischen  Länder  Polen,  Rumänien,  Bulgarien  sind  auf  den Status von Satelliten unter einem totalitären kommunistischen Regime herabgesunken.“                                                                                        (S. 848)

„Im  November  1945  standen  wir  vor  einer  neuen  Situation.   Rußlands Grenze war bereits zur Curzon-Linie  vorgeschoben.  Wie  Roosevelt und ich vorausgesehen hatten, mußten  jetzt  die  drei  bis  vier Millionen  Polen,  die  auf  der  russisch  gewordenen  Seite  der  Linie lebten, nach  dem  Westen  umgesiedelt  werden.  Die  sowjethörige  polnische Regierung  hatte  nicht  an  der  östlichen  Neiße  (sog.  Glatzer Neiße) haltgemacht, sondern war bis zur westlichen Neiße  (sog.  Lausitzer  Neiße)  vorgerückt.  Das  Gebiet  zwischen  beiden   Flüssen   hatte eine  fast  ausschließlich  deutsche  Bevölkerung.   Hier   war   ein   Unrecht im Werden, gegen  das  unter  dem  Gesichtspunkt  der  künftigen  Be- freiung  Europas  Elsaß-Lothringen  und  der  polnische   Korridor   nicht viel mehr als Kleinigkeiten waren.“                                                         (S. 856)

„Ich wies darauf  hin,  daß  dem  russischen  Vorgehen  Halt  geboten werden müßte, nicht weniger aber auch den Polen, die, eifrig damit beschäftigt, sich aus Deutschland gewaltige Stücke herauszuschneiden, offensichtlich gehorsame Marionetten Moskaus geworden waren.“ (S. 859)

„Die von den Russen beherrschte polnische Regierung  wurde  aufgemuntert, ungeheuere und unberechtigte  Übergriffe  auf  deutsches  Gebiet zu unternehmen . . .  Eine  Massenaustreibung  fand  statt,  in  schrecklichem, bisher unbekanntem Ausmaß.“                                                    (S. 863)

Stalin sprach — verständlicherweise — nicht von Austreibung. Er erklärte in Potsdam, „auf dem Papier handle es  sich  zwar  um  deutsches Gebiet, aber de facto sei es polnisch geworden, da es dort keine Deutschen mehr gäbe“ (Truman, Memoiren, Bd. 1, S. 366).

Truman fügt dem hinzu:

„Die Russen hatten die Deutschen teils in unsere Zone gejagt, teils umgebracht.“           (S. 366)

Soweit  die  Vertreter  der  früheren  Feindmächte,  deren  Stellungnahme

— für einen Deutschen — unbedingter Ausgangspunkt  zur  Beurteilung der Frage sein müßte, zumal das Verhalten der Sowjets nicht treffender charakterisiert und nicht vernichtender beurteilt  hätte  werden können.

Statt dessen aber wird behauptet, daß „die Vertreibung . . . auf der Konferenz von Potsdam auch von Vertretern Amerikas und Großbritanniens ausdrücklich gebilligt worden“ wäre. Auf den Unterschied zwischen östlicher und westlicher Neiße einzugehen, hält man von vornherein nicht für  nötig, obwohl gerade  dieser von  ausschlaggebender Bedeutung ist, da die  Grenzziehung  an  der  östlichen  Neiße,  die die westlichen Vertreter verlangten, den größten Teil Schlesiens bei Deutschland beließe, während umgekehrt die Grenzziehung an der westlichen Neiße dieses deutsche Gebiet den Polen überantwortete.

Stalin hat die Forderung der westlichen Vertreter  damit  umschrieben, daß dann „die Städte  Stettin  und  Breslau  und  das  Gebiet  westlich von Breslau bei Deutschland verbleiben“ (Truman, S. 372).

Nun aber, seit wann rechtfertigt ein  Unrecht  das  andere?  Verpflich- tete man sich nicht  feierlichst  in  der  Atlantikcharta,  der  Rußland am 1. Jänner 1942 beitrat, „keinerlei Gebiets- und sonstige Vergrößerungen“ zu betreiben?

Aber auch die uns  so  geläufige  Schwarz-Weiß-Zeichnung  bezüglich des „von Deutschland begonnenen frevelhaften Krieges“ hat mittler- weile durch Heranziehung der vorgefundenen Dokumente — selt- samerweise wiederum durch Angehörige ehemaliger Feindstaaten — eine andere Verteilung von Licht und Schatten  erfahren.  Das  sollte man  nicht  einfach  desavouieren  oder  mit  dem  simplen  Schlagwort

„Chauvinismus“ abtun. Man erinnere sich an eine Parallele — die Ursachen des ersten Weltkrieges!

Die Austreibung der Deutschen wurde von  den  Vertretern  Englands und der USA in Jalta und Potsdam verurteilt. Die Konferenz in Potsdam schloß ab mit der  amerikanischen  Erklärung  (Byrnes),  daß die  „endgültige  Grenzziehung  dem  Friedensvertrag   vorbehalten“ bliebe (Truman, S. 413). Stalin erklärte hierzu, „das ganze  Problem müsse erlegt werden“. „Das war das Ende  der  Sache“,  fügt  Churchill hinzu (S. 859).

So also war der Verlauf der Dinge.

Das weitere Verzichtsargument lautet: „18 Jahre polnischer  Verwaltung in den ehemals preußischen Provinzen . . . lassen sich nicht mit den überkommenen Begriffen und Grundsätzen des Völkerrechts verstehen oder gar wegdisputieren. Sie haben eine neue Ordnung geschaffen, die  wir auch  rechtlich nicht ignorieren, der  gegenüber  wir  nicht wohl den Standpunkt vertreten können, ‚de jure‘ sei seit dem 31. Dezember 1937 bisher  nichts Endgültiges geschehen.“  Mit  anderen  Worten: Es wird hier an Stelle überkommender Rechtsgrundsätze das Prinzip der brutalen Gewalt gesetzt und damit das, was Churchill als maßloses Unrecht bezeichnete, als Recht deklariert.

GRAUENVOLLE MASSENMORDE

15. August 2013 von beim Honigmann zu lesen

Vertreibung der Deutschen aus den deutschen Ostgebieten im Juni 1939 erklärte Marschall Rydz-Smigly vor polnischen Offizieren: „Polen will den Krieg mit Deutschland und Deutschland wird ihn nicht verhindern können, selbst wenn er das wollte“.

Millionen Deutsche sind im Westen nie angekommen.  Sie wurden von Polen und Tschechen erschlagen oder auf sonstige Weise getötet.  Dieser Massenmord wird heute als „Befreiung der Deutschen“ gefeiert.

Wußten Sie, …..

… daß am 5 November 1916 Deutschland Geburtshilfe leistete bei der Gründung eines selbständigen Polen (nach 120 Jahre)? Aus „Dankbarkeit“ besetzte Polen schon ab November 1918 die deutsche Provinz Posen und Westpreußen bis hoch zur Ostseehalbinsel Hela.  Es entstand der sog. „Polnische Korridor“

…. daß Polen 1918 die ersten europäischen KZs gründete (Berezy Kartuska bei Brest, sowie Kalisz-Szczypiorno) und daß es ab 1944 für Deutsche im altpolnischen und im Oder-Neiße-Gebiet 1.256 (!!) polnische Konzentrationslager gab?

…. daß Polen seit 1918 alle Hebel in Gang setzte, die zu 97 Prozent von Deutschen bewohnte Stadt Danzig zu annektieren? Und im Sommer 1939 in Danzig zunehmend provozierte, die Wirtschaft strangulierte und die Deutschen terrorisierte?

….. daß Polen mit keinem seiner Nachbarn in Frieden lebte?

… daß die Hansestadt Danzig am 15. November 1920 nach dem Beschluß der Siegermächte ohne Volksabstimmung vom Deutschen Reich getrennt worden ist und daß die Bürger Danzigs dadurch ihre deutsche Staatsbürgerschaft verloren haben?

… daß Polen ab 1920 schwere Menschenrechtsverletzungen an den 11 Millionen Menschen der nicht-polnischen Minderheiten (Deutsche, Juden, Ukrainer, Weißrussen) im Vielvölkerstaat begangen haben?

… daß man in Posen 1921 auf Plakaten und Flugblättern lesen konnte: „Wer noch im Juli 1921 da ist von diesem deutschen Gesindel, wird ohne Ausnahme niedergemacht: „Jetzt kommt ihr alle dran […]Ärzte, Pastoren, Rechtsanwälte, Landpächter, Siedler, Besitzer aller Art, wer Deutscher oder Jude ist.“

… daß am 10. April 1923 der polnische Premier- und Innenminister Sikorski feststellte, daß „die deutsche Gefahr“ nicht eher beseitigt sei, als alles deutsche Land in polnische Hände übernommen sei?

… daß am 9. Oktober 1925 in der GAZETA GDANSKA zu lesen war: „Polen muß darauf bestehen, daß es ohne Königsberg, ohne Ostpreußen nicht existieren kann. Wir müssen jetzt in Lacarno fordern, daß ganz Ostpreußen von uns liquidiert wird“

… daß 1930 die Piłsudski-nahe Zeitschrift MOCARSTWOWIEC schrieb; „Wir sind uns bewußt, daß der Krieg zwischen Polen und Deutschland nicht vermieden werden kann. Wir müssen uns systematisch und energisch auf diesen Krieg vorbereiten. In diesem Krieg werden keine Gefangenen genommen. Es wird auch kein Platz für humanitäre Gefühle sein. Wir werden die ganze Welt mit unserem Krieg gegen Deutschland überraschen.“

… daß am 14. Dezember 1931 der englische MANCHESTER GUARDIAN die polnische Nationalitätenpolitik als eine „Hölle“ beschrieb?

… daß in „Nation“, eine der bedeutendsten Zeitschriften der USA, am 2 April 1938 William Zuckermann (selbst Jude) schrieb: „In den letzten Jahren haben die Juden in Polen beinahe ständige körperliche Angriffe und Pogrome erdulden müssen […] Diese Ausbrüche antisemitischer Bestialität findet nicht seinesgleichen in Europa, nicht einmal in Hitlerdeutschland.“

… daß am 15. Juni 1932 Lord Noel-Boxton berichtet hat: […] „Aus dem Korridor und aus Posen sind bereits knapp 1 Million Deutsche seit der Annexion abgewandert, weil sie die Bedingungen dort unerträglich finden.“

… daß Polen Ausschreitungen gegen Deutschland ab Mai 1939 erneut erzwangen. Auf dem Lande wurden deutsche Bauernhöfe in großer Zahl von Polen angezündet, die Bauern weggetrieben, Menschen in den Städten verprügelt und auch totgeschlagen.

… daß am 13./14. Mai 1939 in Tomaschow (42.000 Einwohner) die Polen alle 3.000 Volksdeutschen aus dem Fabriken, deutschen Geschäften und Handelsbetrieben jagten und ihre Wohnungen demolierten?

… daß die polnische Wochenzeitung BAROD W WALCE (Volk im Krieg) am 20. Juli 1939 forderte: „Danzig muß polnisch bleiben und Deutschland muß gezwungen werden, den ostpreußischen Raum ohne Bevölkerung an Polen abzugeben“

… daß die Deutsche Reichsregierung im Sommer 1939 Auffanglager einrichteten muß, um die Ströme der deutscher Flüchtlinge aus Polen Herr zu werden?

… daß auf die Teilmobilmachung der polnischen Armee im März 1939 genau am 30.8.1939 die Generalmobilmachung erfolgte, was damals einer offiziellen Kriegserklärung gleichkam?

… daß in der heutigen Zeit die Polen bei der Aufrechnung ihrer Opferzahlen die von ihnen um Haus, Hof und Leben gebrachten vertriebenen Ostdeutschen hinzuzählen?

Eine juristische und moralische Aufarbeitung dieser Jahre vor dem Zweiten Weltkrieg hat es bis heute nicht gegeben. Es darf nicht verschwiegen werden, was von 1918 bis 1939 in und durch Polen geschehen ist. Der Wille zur Vertreibung hat in Polen lange vor Hitler begonnen. Nach dem Völkerrecht ist Vertreibung verboten. Dieses Verbrechen wurde von Polen begangen. Sie waren die Täter, da führt kein Weg vorbei.

Im April 1950 stellte Senator William Langer (von Nord Dakota, USA) vor dem US-Senat fest: „Die Massenvertreibung ist eines der größten Verbrechen, an welchem wir einen direkten Anteil haben…[…] In der gesamten Geschichte findet sich nirgends ein so scheußliches Verbrechen, aufgezeichnet wie in einem Bericht über die Begebenheiten in Ost- und Mitteleuropa. Schon 15 bis 20 Millionen wurden von den Stätten ihrer Vorfahren entwurzelt, in die Qual einer lebendigen Hölle geworfen oder wie Vieh über die Verwüstungen Osteuropa getrieben. Vor allem Frauen und Kinder, Alte und Hilfslose, Unschuldige und Schuldige wurden Greueltaten ausgesetzt, die noch von niemanden übertroffen wurden.“

Das organische ostdeutsche Wirtschaftsgebiet vor dem Versailler Diktat.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde das deutsche Sprachgebiet zerrissen: Posen, Westpreußen, Danzig, Elsaß-Lotringen, das Sudetenland und Südtirol ohne Volksabstimmung widerrechtlich annektiert. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Landraub und die Vertreibung der Deutschen fortgesetzt. Die Ostprovinzen (Pommern, Schlesien und Ostpreußen) wurden unter polnische und sowjetische Verwaltung gestellt.

Ubasser

GRAUENVOLLE MASSENMORDE

 

2004 – Rassistisch motivierte polnische Verbrechen an Deutschen von 1681 bis 1939 (31m 17s, 480×360) – video
2004 – Rassistisch motivierte polnische Verbrechen an Deutschen von 1681 bis 1939

POLNISCHE GRAUSAMKEITEN

Voelkermord an Deutschen in Polen – Nexus Forum

Der Bromberger Blutsonntag – Nexus Forum

Marienburg

Die Marienburg6e314ca208

Deutsches Massengrab – Nexus Forum 

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Unfaßbare polnische Greueltaten – Joachim Nolywaika “Die Sieger im Schatten Ihrer Schuld.” 

http://vho.org/D/dsisis/index.html#Inhalt

Mitte August 1939 begannen in Polen die vorbeugenden Verhaftungen deutscher Menschen. Am 24. August wurden acht Volksdeutsche, die verhaftet worden waren, „auf dem Transport erschossen!” (Jong, L. D.: „Die Deutsche 5. Kolonne im 2. Weltkrieg”.) Das deutsche Weißbuch Nummer zwei stellt die polnischen Übergriffe dieser Zeit fest und notiert exakt die Ergebnisse der deutschen Proteste und Gegenmaßnahmen.

Im Dokument Nr. 396 heißt es lapidar: „Immer wieder stellt sich heraus, daß die Behörden selber die Träger der Liquidationsprozesse sind.”

Die blutigen Ausschreitungen der halboffiziellen polnischen Patriotenverbände, denen 5 000 Deutsche zum Opfer fielen, wurden von Warschau aus nicht eingedämmt.

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„Mitte August 1939 waren 75535 Volksdeutsche ins Reich geflohen. Insgesamt hatten die Volksdeutschen kurz vor und nach Kriegsbeginn etwa 20000 Tote zu beklagen, von denen 12500 namentlich identifiziert werden konnten.” (Seraphim, Maurach und Wolfrum: „Ostwärts von Oder und Neiße”.)

Diese Menschen wurden ohne jeden Grund und ohne jedes Gerichtsurteil gefoltert, niedergemetzelt, erschlagen oder erstochen und vorher auch noch bestialisch verstümmelt. Es waren also vorsätzliche Mörder, denen sie zum Opfer fielen.

Die Mehrzahl dieser Morde wurde durch polnische Soldaten, Polizisten und Gendarmen verübt. Aber auch Zivilisten, unter ihnen Gymnasiasten und Lehrlinge haben daran mitgewirkt. (Jahn, H. E.: „Pommersche Passion”.)

Infolge dieser polnischen Übergriffe und des ständig stärker werdenden Terrors verließen über eine Million Deutsche die Provinzen Posen und Westpreußen. Solche Fälle tauchten zu Tausenden vor Gericht oder in den Petitionen auf, die bis zum Jahr 1934 dem Völkerbund zugingen. Dann sagte sich Polen vom Minderheitenschutzabkommen einseitig los und konnte blindlings verbannen, enteignen und vertreiben, ohne sich verantworten zu müssen.

Zu allem Überfluß aber verlangte der polnische Staat diesen Getretenen gegenüber noch „patriotische Haltung und Loyalität”, was natürlich jedem gesunden Menschenverstand widersprach. Durch diese polnischen Handlungen und Forderungen gegenüber deutschen Menschen, die bis zum Versailler Vertrag keiner Minderheit angehörten, sondern erst durch den Gebietsraub zur Minderheit gemacht worden waren, entstand bzw. erweiterte sich der bereits vorhandene Teufelskreis. Schließlich sollte diese einseitige Mißachtung des Minderheitenschutzabkommens des Völkerbundes durch Polen dessen Untergang bedeuten.

Hitler, der gehofft hatte, durch den Abschluß des Nichtangriffspaktes und Freundschaftsvertrages mit Polen den Deutschen im abgetrennten Osten des Vaterlandes einigen Schutz zu verschaffen, sah sich getäuscht.

Mit Kriegsbeginn wurden die Volksdeutschen in Polen zu den ersten Kriegsopfern. Nach den seit Jahren vorbereiteten Listen wurden zwi-

107marienburg1943dr4

sehen 15000 und 20000 Menschen zum Teil durch Staatsorgane ins östliche Polen verschleppt. Man sah in ihnen eine Art „Fünfte Kolonne”, wie dies in polnischen Zeitungen immer wieder vorgebracht wurde. Mehr als 5 000 Volksdeutsche wurden in den ersten Kriegstagen ermordet.

Insbesondere in einer polnischen Stadt spielten sich wahre Schreckensorgien ab: In Bromberg. Der dortige Blutsonntag, gemeint ist der 3. September 1939, sah entsetzliche Massenmordszenen. Doch nicht nur in Bromberg, sondern in vielen anderen Orten der Provinzen Posen, Pommerellen und dort, wo deutsche Minderheiten lebten, geschah das gleiche.

Unmittelbar nach dem Einmarsch deutscher Truppen in Bromberg wurde der ganze Abgrund der Massenmorde bekannt. Diese Kenntnis veranlaßte die soeben ins Leben gerufene Wehrmachtsuntersuchungsstelle zur Entsendung des Generalrichters Dr. Hans Bötticher mit einer Gruppe von Kriegsgerichtsräten nach Polen. Sie hatten Weisungen, die Bluttaten zu untersuchen und zu diesem Zweck Vernehmungen durchzuführen sowie Zeugen zu befragen.

In Bromberg, das schälte sich nach einigen Befragungen bereits heraus, hatten sich grauenhafte Szenen abgespielt. Doch nicht nur dort, sondern in ganz Posen, im Pommerellen und Oberschlesien ebenso. In Bromberg wurden zu den Morden 593 Zeugen vernommen. Ihre Protokolle des Grauens sind im Aktenbestand des Bundesarchivs/Militärarchivs zu Freiburg i. Brg. nachzulesen.

Vielfach wird über die Zahl der ermordeten Volksdeutschen diskutiert. Man darf den Zahlen von A. Schickel Glauben schenken, der rund fünftausend bis sechstausend Tote angibt. Auch der polnische Historiker Janusz Piekalkiewicz („Polenfeldzug”, Seite 94 f.) nennt eine Zahl von fünftausend bis sechstausend ermordeten Volksdeutschen. Deutsche Quellen von 1939 geben für die Zeit vom 31. August bis 17. September eine Zahl von fünftausendvierhundertsiebenunddreißig Toten unter den Volksdeutschen an. (Auswärtiges Amt, „Die polnischen Greueltaten . . .”, Seite 346.)

Polen gab sogar selbst die Täterschaft am „Bromberger Blutsonntag” zu, als am 9. September 1939 der polnische Sender in Wilna die Warschauer Bevölkerung aufforderte, sich ein Beispiel an den Bromberger

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Mördern der Deutschen zu nehmen und im Kampf gegen die Deutschen alle erdenklichen Mittel anzuwenden. Bromberg wurde am 6. September 1939 von der Deutschen Wehrmacht eingenommen, das übrige früher deutsche Gebiet bis zum 12. September 1939. In den Tagen davor geschahen die Massenmorde. (Meldung in „Deutsche Rundschau”, fr. „Bromberger Tageblatt” vom 12. September 1939.) Der amerikanische Völkerrechtler und Historiker Alfred M. de Zayas, New York, hat unter Mitwirkung von Walter Rabus, Amsterdam, aus den Ermittlungen über Völkerrechtsverletzungen unter anderem festgehalten: „Bei den Haussuchungen in Bromberg wurden zunächst von den polnischen Soldaten und dem Mob sämtliches Geld und Wertsachen gestohlen, die deutschen Wohnungen auch sonst geplündert und völlig verwüstet.”

„Die Männer der Familie . . ., vom dreizehnjährigen oder gar zehnjährigen Jungen bis zum siebzig- oder achtzigjährigen Greis, wurden in fast allen Fällen in viehischer Weise umgebracht. . . Zumeist wurden die Ermordeten mit Brechstangen, Seitengewehren, Gewehrkolben, Knüppeln derart zusammengeschlagen, daß ihre Gesichter bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt wurden … In anderen Fällen mußten sie die Ermordung der Angehörigen ansehen, um dann selbst als Opfer erschlagen oder erschossen zu werden.” „Bei Tarlowa, in der Nähe von Kolo, hat das polnische Militär auf eine große Anzahl Volksdeutschen geradezu eine Treibjagd mit Maschinengewehren veranstaltet. Man fand einhundertdreißig Tote, die nach den Zeugenaussagen wie die Hasen bei einer Treibjagd über ein Feld verstreut waren.” (de Zayas, „Die Wehrmacht-Untersuchungsstelle”, unveröffentlichte Akten über alliierte Völkerrechts-Verletzungen im Zweiten Weltkrieg.)

Warum fanden gerade am 3. September so viele Morde statt? Antwort: Es war der Tag der englischen und französischen Kriegserklärung an das Deutsche Reich. Die Polen gerieten in einen Freudentaumel und glaubten im Ernst, daß es England um die Erhaltung des polnischen Staates ginge!

All dieser Haß und die tiefe Feindschaft zu den Deutschen ist nur mit dem polnischen Chauvinismus zu erklären. Kurz nach der Wiedergründung des polnischen Staates begannen die Polen sofort mit

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Kriegs Vorbereitungen! Krieg gegen Rußland (1920/21), drei Aufstände (1919, 1920 und 1921) in Oberschlesien gegen Deutschland, Krieg gegen die Ukraine und gegen Litauen, Unterdrückung der deutschen Minderheit in ihrem Machtbereich.

Ein Beispiel für die übermütig-aggressive Haltung der Polen ist das Telegramm der Vereinigten Deutschen Volksräte der Westkreise Posens vom 12. Februar 1919 an die Deutsche Nationalversammlung in Weimar: „Die Bevölkerung der fast rein deutschen Westkreise der Provinz Posen sieht mit bangen Sorgen polnische Banden bereits innerhalb ihrer Grenzen wüten . . . täglich fließt deutsches Blut unter viehischen Rohheiten der Polen.” Gustav Stresemann hatte schon 1925 vor dem Deutschen Reichstag über die Austreibung von Deutschen aus Polen geklagt und deren Geist des Hasses beklagt. (A. Schickel, „Deutsche und Polen”, Seite 170 und 189.) Neben Bromberg wurden auch in der Gemeinde Schepanowo achtundvierzig Volksdeutsche erschossen. Von Thorn aus wurden einige tausend Deutsche auf dem Internierungsmarsch (sog. „Todesmärsche”) über Alexandrowo und Kutno nach Warschau geschafft, darunter auch ein Kind von vier Jahren. Dieser Marschweg war 350 Kilometer lang. Verpflegung und Wasser gab es nur in Ausnahmefällen. Der Transportführer dieses Trecks verlor unterwegs ungezählte Menschen, die im Straßengraben umkamen oder einfach erschossen wurden. Der Mörder war der berüchtigte polnische Hauptmann Drzewieke, der persönlich liegenbleibende Frauen durch Genickschuß oder Stiefeltritte ins Jenseits schickte. Er wurde dafür vom polnischen Staat hoch dekoriert. 200 Menschen kamen allein auf diesem Marsch ums Leben. Auch sie „auf einer Wanderschaft”? (In seiner Rede vor dem Deutschen Bundestag anläßlich der vierzigsten Wiederkehr des 8. Mai 1945 bezeichnete der Bundespräsident Richard von Weizsäcker die Vertreibung der fünfzehn Millionen Ostdeutschen aus ihren Heimatgebieten als „erzwungene Wanderschaft”.) Sie wurden erstochen und erschlagen, erschossen und auch einfach ohne jeden Skrupel sterbend dort zurückgelassen, wo sie zu Boden fielen.

Polens Massenwahn, man könnte die Vernichtung dieser Menschen dadurch verheimlichen, daß die polnische Armee binnen weniger

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Tage bis nach Berlin marschieren würde, um im „Grunewald” den Sieg über die verhaßten Deutschen zu feiern, erwies sich als – Wahn. In einem Feldzug, der nur achtzehn Tage dauerte, wurden Polens Armeen zerschlagen, der polnische Größenwahn, der nicht starb, mußte bis 1945 warten. Allein der Versuch, die Spuren dieser Verfolgung, Entführung und der Morde zu vertuschen, erwies sich als undurchführbar.

*****

Flucht, Austreibung und Ausmordung der Deutschen

Am 12. Januar 1945 waren die Truppen der Roten Armee in einer gewaltigen Übermacht aus dem Weichselbogen bei Baranow, Magnuszew und Pulawy zu ihrer großen und letzten Offensive angetreten. Ihre Angriffe in Richtung Königsberg, Breslau und das oberschlesische Industriegebiet stießen überall durch, weil die deutschen Abwehrkräfte einfach zu schwach waren, die außer im Osten auch noch die Fronten im Westen und Süden gegen übermächtige Gegner halten sollten. Jetzt rächte es sich auch, daß man wegen der Ardennen-Offensive im Westen starke Panzerverbände von der Ostfront abgezogen hatte. Dies gab der Roten Armee die Chance, mit ihrer Panzerlawine durchzurollen. Bereits am 20. Januar überschritten ihre Truppen östlich von Breslau die alte Reichsgrenze. Bei Brieg und Steinau wurde am 23. und 28. Januar die Oder erreicht. Kurz darauf war Breslau eingeschlossen. Die Stadt hielt sich bis zum 7. Mai 1945. Erst an diesem Tag zog die Rote Armee in die zertrümmerte  Stadt ein, die sie – entgegen ihren Zusicherungen – zur Plünderung und Schändung freigab.

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Da die Greuel und Brutalitäten der Sowjetsoldaten wegen des schnellen Vormarsches relativ spät bekannt wurden und die Aufforderung zur Flucht an die Zivilbevölkerung zu spät erfolgte, wurden viele Flüchtlingskolonnen und Trecks von den Sowjets überrollt, und es spielten sich unbeschreibliche Szenen ab.

Am 30. Januar war Königsberg eingeschlossen, und am 1. März erreichte die Rote Armee bei Köslin das Ufer der Ostsee. Kolberg konnte solange gehalten werden, bis der letzte Flüchtling und die Besatzung der Stadt gerettet waren. Der Fluchtweg über Land war nun allen Flüchtlingen aus Ostpommern und Danzig abgeschnitten. Alle Trecks strömten nun nach Danzig und Gotenhafen zurück, um von dort aus über See den nachdrängenden Sowjets zu entkommen. Am 27. März fielen auch diese beiden Städte.

In Schlesien waren bereits schon Ende Januar alle ostwärts der Oder gelegenen Gebiete in der Hand der Roten Armee, Oppeln war bereits am 26. Januar gefallen. Ende Januar gingen in Oberschlesien Beuthen, Gleiwitz, Kattowitz und Hindenburg verloren. Königsberg, seit Wochen völlig eingeschlossen, mußte am 6. April kapitulieren. Auch diese Stadt wurde entgegen den Zusicherungen der Führung der Belagerungstruppen achtundvierzig Stunden lang zur Plünderung freigegeben.

Auch hier wurde geschlagen, ermordert, verschleppt und geschändet. Dies wird durch Tausende Dokumente bewiesen. Bereits am 16. Oktober stießen starke Verbände der Sowjets aus dem Baltikum kommend nach Ostpreußen vor und erreichten bei Eydtkuhnen deutsches Reichsgebiet. Vierhundert deutsche Dörfer und Städte gingen bei diesem ersten Ansturm verloren, darunter auch Wirballen, Rominten und Goldap. Es waren insgesamt vier Sowjetarmeen, die nach Ostpreußen hineinstürmten.

Am 20. Oktober 1944 trat die 11. Garde-Panzerarmee der Sowjets erneut an und erreichte am Abend des folgenden Tages Nemmersdorf. Als dieser Großverband von der 5. PD und der „PD-Hermann Göring” zurückgeworfen wurde, stießen die deutschen Panzermänner in und bei Nemmersdorf auf Bilder des Grauens. Frauen waren in gekreuzigter Haltung an Scheunenwände genagelt. Kinder lagen mit zerschmetterten Schädeln in Straßengräben und Jauchengruben. Kriegs-

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gerichtsrat Paul Groch und Stabsarzt Dr. Werner Rose trafen als erste am Ort dieses Massakers ein. Ihnen folgte eine Ärztekommission, die diese Verbrechen für alle Zeit festhielt.

Der Augenzeuge Dr. Heinrich Amberger berichtete folgendes: „Am Straßenrand und in den Höfen und Häusern lagen massenhaft Leichen von Zivilisten, die augenscheinlich nicht im Verlauf der Kampfhandlungen durch verirrte Geschosse getötet, sondern planmäßig ermordet worden waren. Unter anderem sah ich zahlreiche Frauen, die man, nach der Lage der verschobenen und zerrissenen Kleidungsstücke zu urteilen, vergewaltigt und danach mit Genickschuß getötet hatte. Zum Teil lagen daneben auch die ebenfalls getöteten Kinder.”

Der Genfer Courier veröffentlichte am 7. November 1944 den Augenzeugenbericht seines Sonderkorrespondenten an der Ostfront. Dieser meldete: „Die Lage wird nicht nur durch die erbitterten Kämpfe der regulären Truppen gekennzeichnet, sondern leider auch durch Verstümmelung und Hinrichtung von Gefangenen und die fast vollständige Ausrottung der deutschen bäuerlichen Bevölkerung.”

Auch in Alt-Wusterwitz südlich Gumbinnen würden ähnliche Verbrechen der Roten Armee gemeldet. Dazu der Zeuge Hans Zirm: „Am 24. Oktober bezog ich mit meinem Zug eine Luftschutzstellung im Raum westlich von Girnen, etwa neun Kilometer südlich Gumbinnen. Auf der Suche nach einer Unterkunft kam ich auch zu dem Vorwerk Alt-Wusterwitz und mußte dort folgende Feststellung machen: Die Russen hatten sämtliche Zivilisten, denen die Flucht nicht mehr gelungen war, auf einem Gutshof auf bestialische Art ums Leben gebracht. Im Stall lagen sechs verbrannte Skelette, daneben ein junges Mädchen, fast nackt, das erst vergewaltigt (die Geschlechtsteile waren blutig) und dann durch zwei Schüsse in Brust und Bauch getötet waren war. Im Schuppen lag ebenfalls ein totes Mädchen, das vorher vergewaltigt worden war.”

Dies alles waren keine Einzelfälle. In unzähligen Dörfern Ostpreußens, Pommerns und Schlesiens zeigten sich diese Grausamkeiten in den letzten Monaten des Krieges. So beispielsweise auch in Metgethen. Hierüber ein Bericht des Kommandanten eines Tigerpanzers, der bei einem Gegenangriff Metgethen erreichte:

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„. . . Ohne Panzerausfälle erreichten wir die Hauptkampflinie des Gegners. Troß und Artillerie waren vor uns auf der Flucht. Als wir Metgethen erreichten, stockte uns das Blut in den Adern. Tief erschüttert sahen wir, was die Russen dort gegen Ende Januar 1945 angerichtet hatten. Auf einem Bahnhof stand ein Flüchtlingszug. Darin waren Frauen und Mädchen vergewaltigt worden, anschließend hatte man sie einfach umgebracht. Im Lauf des 20. Februar wurde auch das Dorf Powayen zurückerobert. Hier ebenso wie in dem Dorf Groß-Medenau, das am 23. Februar in Besitz genommen wurde, das gleiche Bild. Erschlagene und verstümmelte Menschen allen Alters und Geschlechts.

Erschlagene und verstümmelte Zivilisten lagen neben Säuglingen auf den Straßen der Dörfer, in den Häusern und aneinandergereiht in den Gärten.”

Dies hier war keine Goebbels-Propaganda, wie die Feindseite immer tönte. Hier sahen deutsche Soldaten mit eigenen Augen, wie der Zivilbevölkerung in unvorstellbarer Weise mitgespielt wurde. Und es war schlimmer als alles, was sie davon gehört hatten. Auch der Soldat B. H. sagte über Metgethen aus: „Im Verlauf des deutschen Angriffs zur Wiederherstellung der Landverbindung zwischen Königsberg und Pillau vom 19. bis zum 24. Februar 1945 konnten alle Soldaten der Angriffsverbände folgende Verbrechen feststellen:

  1. Im Ort Metgethen, einem westlichen Vorort von Königsberg, fanden wir in vielen Wohnungen Frauen und Kinder im Alter von zehn bis achtzig Jahren geschändet und ermordet vor. Etwa zweihundert Tote dieser Art haben wir mit Truppenfahrzeugen eingesammelt und zur Identifizierung gebracht. Dies allein im Gefechtsstreifen der 1. und 561. Infanteriedivision.
  1. Auf dem Tennisplatz von Metgethen befand sich ein Sprengtrichter von etwa zehn Metern Durchmesser und vier Metern Tiefe. In seinem Innern, auf seinem Rand und in der nächsten Umgebung des Trichters, am und auf dem hohen Drahtzaun des Tennisplatzes und in den Ästen der umstehenden hohen Bäume lagen und hingen erdverschmierte Leichen und Leichenteile von etwa fünfundzwanzig Männern, Frauen und Kindern, drei oder vier Flaksoldaten und einiger Männer in deutscher Polizeiuniform. Rund um den Trichter

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lagen einige Pferdekadaver und Fuhrwerke mit zerfetztem Flüchtlingsgut. Andere Leichen teile z. B. Knie, Arm mit Hand und so weiter, fanden wir bis zu zweihundert Meter in der Umgebung des Tennisplatzes.

 

Die Erklärung zu diesem Massaker: Offenbar wurden Flüchtlinge, gefangene Soldaten und Polizisten in den auf dem Tennisplatz befindlichen Trichter einer Fliegerbombe getrieben, alle Treckwagen darum gestellt und eine Sprengladung auf dem Boden inmitten der Eingepferchten zur Entzündung gebracht.” (Zu allen geschilderten Aussagen siehe: Bundesarchiv Koblenz: Ost-Dokumentationen, 1/31, 2/20, 2/14, 2/9, 2/8 und andere.)

„Ein Feldwebel wies auf ein Mädchen und zwei deutsche Soldaten, die man in der Kirche vorgefunden hatte. Das Mädchen war gekreuzigt und die beiden Soldaten als Pendant links und rechts von ihr aufgehängt worden.

Auf meinem weiteren Weg lagen überall bis an die Straßenkreuzung nach Powayen Leichen von Zivilpersonen. Während die Männer meist mit Genickschuß ermordet waren, waren die Frauen völlig entkleidet, vergewaltigt und dann in viehischer Weise durch Bajonettstiche oder Kolbenhiebe umgebracht worden. Den Kindern war meist mit einem harten Gegenstand der Schädel eingeschlagen oder der kleine Körper von zahllosen Messerstichen durchbohrt.” Von diesen unzähligen Brutalitäten und Unmenschlichkeiten, die sich beim Vormarsch einer Armee von Ungeheuern vom Balkan bis an die Ostsee ereigneten, die Schilderung des Zusammentreffens einer Kolonne von Flüchtlingen mit polnischen Partisanen und einer sowjetischen Panzerspitze:

„Sofie Jesko und ihre Gruppe wurden etwa dreißig Kilometer hinter Posen von ihrem Schicksal ereilt. Sie hatten einen langen und mühseligen Marsch hinter sich, der durch den Straßenzustand und die schneidende Kälte noch erschwert worden war. Einige hatten erschöpft aufgegeben; die anderen waren weitergezogen, nur beherrscht vom Gedanken, so schnell wie möglich ans Ziel zu gelangen. In der Nähe der Stadt Schroda wurden sie plötzlich von einer aus Süden kommenden Kolonne deutscher LKW überholt. Die Lastwagen hielten und die Insassen sprangen hinunter. Zum Schrecken der

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Flüchtlinge waren es polnische Partisanen, die sie mit Waffengewalt von der Straße abdrängten und sofort damit begannen, das Gepäck der Flüchtlinge zu plündern. Die Unglücklichen sahen resigniert und erbittert zu, wie ihnen das Wenige, das sie gerettet und mühselig mitgeschleppt hatten, nun entwendet wurde.

Kurz darauf ließ sie ein dumpfes, rhythmisches Dröhnen aufhorchen; mit Schrecken hörten sie es näher kommen und sahen schließlich sowjetische Panzer, die langsam und bedrohlich auf sie zurollten und anhielten. Am vordersten Panzer ging langsam der Turm auf und ein Offizier erschien, der nach deutschen Soldaten fragte. Da er keine ihn befriedigende Antwort erhielt, befahl er den Panzerschützen, alle Verdächtigen sofort zu liquidieren.

Die Soldaten gehorchten und verschossen Nebelgranaten. In dem künstlichen Nebel sprangen sie aus ihren Panzern und begannen nun auf ein Signal hin das Abschlachten, Plündern, Vergewaltigen. Man hörte Schüsse, die Schreie der Sterbenden, das Kreischen der geschändeten Frauen, die Hilferufe der Kinder und alten Frauen, die vom Gejohle und vom dem unverständlichen Geschrei der Angreifer erwidert wurden.

Wie lange das Inferno dauerte, vermag Sofie Jesko nicht zu sagen; sie berichtet nur, daß sie sich dank ihrer perfekten Kenntnisse der russischen und polnischen Sprache retten konnte, da sie den Sowjets in ihrer Sprache erklärte, sie sei eine verschleppte Ostarbeiterin. Als endlich alles still war und die Lebenden die Toten zählen konnten, die in der Überzahl waren, suchte die Frau nach ihrer Freundin Frau Lange. Sie fand sie unter den Toten mit ihrem Sohn, der neben den Leichen der zusammen mit den Deutschen aus Penczniew geflüchteten Polen lag.

Die Sowjets hatten sich beruhigt und rüsteten mit gleichgültigen Blicken auf das, was sie angerichtet

hatten, zum Aufbruch. Nun jedoch kehrten die Partisanen zurück, und für die Überlebenden kam die nächste, noch schrecklichere Tragödie.

Sofie Jesko sah die alte Frau sofort, die im offenen Pelz mit im Wind flatterndem weißen Haar auf einem der Lkw saß und wie eine Furie aussah. Sofie Jesko wurde von instinktivem Entsetzen gepackt. Die jungen Mütter, die bei dem Massaker verschont geblieben waren,

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wurden mit ihren kleinen Kindern auf dem Arm von den polnischen Burschen zu der weißhaarigen Alten gestoßen und mußten sich in einer Reihe aufstellen. Die Frau riß ihnen die Säuglinge aus dem Arm und schlug deren Köpfe mit aller Kraft auf die Kante des Lastkraftwagens. Die verzweifelt schreienden Mütter brachen zusammen und wurden weggezerrt.

Es nahm erst ein Ende, als sämtliche Säuglinge getötet waren. Dann wurde den Überlebenden unter Androhung von Waffengewalt befohlen, nach Penczniew zurückzukehren. Auf demselben Weg, auf dem sie gekommen waren und der nun von den Leichen der Erschossenen und Erhängten wie von Meilensteinen gesäumt war, zogen sie in ihre schwerbeschädigte Heimatstadt zurück, die nun nicht mehr die ihre war.” (Dokument, d. Vertreibg. d. Deutschen aus Ost-Mitteleuropa, Bundesministerium

f. Vertriebene, 1954, Nr. 92, 271, 47, 49, 102, 106.) Konnten diese Mordtaten, diese unmenschlichen Verbrechen ohne das Wissen der obersten sowjetischen Führung geschehen? Handelte es sich hier um Einzelverbrechen und nicht um Befehle, die dazu ausgegeben wurden? (Über den zu erwartenden Mordterror der Sowjets gegen die deutsche Zivilbevölkerung war bereits im Februar 1944, also lange vor den Ereignissen, sogar das britische Informationsministerium eingeweiht. Siehe Kapitel I, Seite 15- 17, in diesem Buch.) Wer auch nur annähernd die Zigtausende Zeugenvernehmungen der betroffenen Bevölkerung und der Soldaten durchblättert, ist überzeugt davon, daß dies alles auf höchster Ebene so befohlen wurde und daß die entmenschte Soldateska nur zu gern diesen Weisungen folgte, die in Operationsbefehlen und Aufrufen an sie gerichtet wurden. Es darf auch daran erinnert werden, daß die Soldaten der Roten Armee zum größten Teil in asiatischen Ländern der Sowjetunion beheimatet waren und, was Grausamkeit im Kampf anbelangt, diese Menschen mit dem Mitteleuropäer nicht zu vergleichen sind. Der deutsche Landser, der an der Ostfront im Einsatz stand, hat in vier Jahren dieses Verhalten des Gegners bis zum bitteren Ende erdulden müssen. Der Einfall der Roten Armee in Mittel- Osteuropa hat einen Dschingis Khan weit in den Schatten gestellt.

Die politischen Abteilungen der Fronten – wie die russischen Heeresgruppen genannt wurden – hatten den Boden zu diesen Verbrechen sy-

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stematisch bereitet. Armee- und Frontzeitungen, Aufrufe, beispielsweise jener von Ilja Ehrenburg, zu morden und zu schänden, zu brennen und zu erschlagen, taten ein übriges. Die Aufrufe zur Rache ließen keinen Rotarmisten darüber im Zweifel, daß darin aufgefordert wurde, alle diese Schandtaten zu begehen. Dies ging sogar soweit, daß die Truppe ihrer Führung entglitt.

Die großen Pünderungsaktionen wurden von sowjetischen Großverbänden ausgeführt. Alle Wohnungen wurden von ihnen durchkämmt. Sie, die im Rücken der kämpfenden Truppen in die eroberten Dörfer und Städte einzogen, stahlen buchstäblich alles. Und was sie nicht wegschleppen konnten, das wurde zerschlagen oder verbrannt. Jedem Soldaten der Roten Armee war im Monat die Versendung eines Paketes im Gewicht von fünfzehn Kilogramm nach der Sowjetunion gestattet worden. Dies genügte, um aus einer Millionenarmee eine Bande von Plünderern zu machen.

 *****

  1.  1946: Höhepunkt der Vertreibung

Das Jahr der größten Vertreibungsaktionen war 1946, die das gesamte ostdeutsche Gebiet unter polnischer Herrschaft erfaßten. In diesem Jahr wurden in den Grenzen von 1937 zwei Millionen Deutsche von

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Polen im wahrsten Sinn des Wortes über die Oder-Neiße-Linie „getrieben”. An der Brutalität und den die Austreibung begleitenden Verbrechen änderte sich auch 1946 lange Zeit nichts. Zwei vom alliierten Kontrollrat vorgelegten Pläne bezüglich der „Überführung der deutschen Bevölkerung” beinhalteten nochmals die Worte „Human” und „Ordnung”, bewirkten aber absolut keine Änderung am Verhalten der Polen und deren Maßnahmen.

Doch schon in den eigenen Bestimmungen erwiesen sich diese Pläne als hart und verbrecherisch: So wurde den Vertriebenen untersagt, mehr als fünfhundert Reichsmark und mehr Gepäck mitzunehmen, als sie „in den Händen tragen können”. Von „ordentlicher und humaner” Durchführung konnte daher auch in der folgenden Zeit nicht die Rede sein. So gab es nahezu keine Verpflegung und ärztliche Versorgung der Transporte.

An der Brutalität der Miliz und dem Zwang, oft binnen Minuten Haus, Hof oder Wohnung zu verlassen, änderte sich ebenfalls nichts. Immer noch wurden die Vertriebenen in kilometerlangen Märschen in Konzentrationslager gebracht, von denen aus erst nach Wochen die Transporte weitergingen. Festzuhalten ist auch die Tatsache, daß diese Menschen nach der Ankunft in Westdeutschland oder der sowjetischen Besatzungszone in Mitteldeutschland bei der damaligen Situation keinesfalls mit offenen Armen empfangen wurden. Meistens mußten sie monatelang ihr Dasein in einem Lager fristen, bis sie nach und nach in Behelfswohnungen unterkommen konnten. Die Kriegsschäden, vor allem die Luftangriffe auf die deutschen Städte, hatten eine Wohnungsnot von unvorstellbarem Ausmaß verursacht. Ein Hintergedanke von Stalin war ja auch, daß die verordnete Menschenflut aus dem Osten vom Westen nicht verkraftet werden konnte und die erwarteten Unruhen unter der Bevölkerung dem Kommunismus nützen würden. Dabei hatte er sich aber in einem Punkt verrechnet: Trotz des langen und schrecklichen Krieges, oder vielleicht gerade deswegen, hatte die Disziplin der Deutschen nicht gelitten. Natürlich wirkte sich auch die im argen liegende „polnische Organisation” für die Vertreibungsopfer keinesfalls segensreich aus. So wurden beispielsweise Deutsche aus Pommern manchmal erst nach Polen geschafft, von dort aus nach Schlesien, wo sie schließlich ausgewie-

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sen wurden. Bei solchen, nicht enden wollenden Transporten stieg die Zahl der an Kälte, Hunger und den ständigen Mißhandlungen Sterbenden noch weiter. Auch ist zu bedenken, daß die 1946 Vertriebenen durchwegs durch eine halb- bis anderthalbjährige Zeit von Hunger, Zwangsarbeit, Seuchen, Mißhandlungen und Entbehrungen entkräftet waren.

Internationale Hilfsorganisationen, wie Rotes Kreuz oder ähnliches, waren überhaupt nicht zur Stelle, um die Leiden der armen Menschen zu lindern. Wer den Strapazen und Entbehrungen nicht gewachsen war, verendete schlimmer als ein Stück Vieh.

Als 1946 der Winter begann und unter den Vertriebenen große Verluste verursachte, setzte Polen die Ausweisung dennoch unverändert fort. Erst als die britischen Behörden die weitere Übernahme von Ausweisungstransporten verweigerten, ging die Zahl der Ausweisungen zurück. Eine Anzahl von Transporten kehrte sogar zurück, um zu einem späteren Zeitpunkt das gleiche nochmals zu erleben. Ende 1946 war der Hauptteil der Deutschen, die beim Einzug der Roten Armee in ihrer ostdeutschen Heimat geblieben oder nach der Flucht wieder zurückgekehrt waren, zusammen etwa 5,7 Millionen, bereits vertrieben oder nicht mehr am Leben. Einer weiteren umfassenden Etappe der Vertreibung fiel 1947 rund eine halbe Million Deutsche zum Opfer. Orte, an denen die Vertreibung bisher teilweise  oder ganz vorbeigegangen war, wurden nun gewaltsam deutschenfrei gemacht. Damit war die Massenvertreibung der Deutschen wie geplant aus den deutschen Ostgebieten unter polnischer Verwaltung im wesentlichen abgeschlossen, während beispielsweise im nördlichen Ostpreußen unter sowjetischer Verwaltung die Ausweisung gerade begann und im Memelland keine systematische Ausweisung stattfand. In den folgenden Jahren kam es in den polnisch verwalteten Gebieten zwar noch zu einer Anzahl von Einzelausweisungen, vor allem aber versuchten unzählige zurückgehaltene Deutsche auszureisen oder zu flüchten. In der Provinz Oberschlesien hielt sich bis heute vor allem auf dem Lande etwa eine knappe Million deutscher Menschen. Zunächst in Lager gesperrt, überließ man ihnen wieder ihren bescheidenen Besitz und erzwang damit die Option für Polen. Außerdem waren es Katholiken, und Polen setzte alles daran, um diese Menschen zu po-

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Ionisieren, was ihnen auch nach fünfundvierzig Jahren nicht gelungen ist. „Wir haben dem Vaterland die Treue gehalten, aber das Vaterland hat uns verraten”, hört man immer wieder bei Besuchen in Oberschlesien.

 

18 year old fingers chopped off

Haager Landkriegordnung – PDF

Bromberg Massacre – Hitler Reagiert – video

Bromberger Blutsonntag – wie Alles zum 2. Weltkrieg fuehrte

Der Tod Sprach Polnisch – media

Der Tod In Polen – Deutsche Passion – Erich Dwinger – Buch online

Todeslager Lamsdorf – website

Kriegsverbrechen gegen Deutsche – video photos

Polnische Grausamkeiten

Polnische Verbrechen an Deutschen Maedels und Deutschen Soldaten

Tod in Polen

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Unfassbare Polnische Graeueltaten – post

 

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Auszug aus dem Buch

“Verbrechen am Deutschen Volk – eine Dokumentation Alliierter Grausamkeiten”

– Erich Kern, 1964 – Verlag Schuetz, Goettingen –

Buch unten als PDF

 –  Schlagt alle Deutschen tot! -Die Polen begannen mit dem Kriegsverbrechen!

Das alliierte Massenmorden an wehrlosen Deutschen begann in Polen. Von dem Augenblick an, als deutsche Truppen die polnischen Grenzen überschritten, waren die deutsche Minderheit in Polen und die dort lebenden Reichsdeutschen vogelfrei. In allen Städten und Dörfern begann die schaurige Jagd auf die Deutschen; die polnischen Polizei- und Armeebehörden sahen diesem entsetzlichen Treiben untätig zu. In vielen Fällen beteiligten sich die polnischen Uniformträger sogar an den Verbrechen. Vor allem die deutschen Siedlungen des Posener Landes, die deutschen Bauerndörfer der Weichselniederung sowie Bromberg-Stadt und Bromberg- Land mit ihrem starken deutschen Volkstum wurden hart getroffen. Die schweren Deutschenverfolgungen fanden hauptsächlich in der Zeit vom 31. August bis 6. September 1939 statt und erreichten am Blutsonntag, dem 3. September 1939, in Bromberg ihren grauenhaften Gipfelpunkt. Erst um den 17./18. September konnten die letzten Verschleppten durch die deutschen Truppen bei Lobitsch befreit werden.

Die Deutschen wurden einzeln, in Gruppen und in Massen erschlagen und erschossen. Tagelang lagen die Toten noch vor ihren Häusern, in den Höfen und Gärten, meist unbestattet, manchmal mit Zweigen oder Laub bedeckt oder oberflächlich verscharrt. Ihre Leichen wiesen nicht zu schildernde Verstümmelungen auf, die nur in den nachfolgenden Zeugenaussagen veröffentlicht werden können. Meist lagen sie zu zweit oder zu dritt mit Stricken aneinandergefesselt am Straßenrand, auf einem Ackerrain oder am Gestade von Gewässern. Viele der Opfer wurden erst Wochen danach an entlegenen Stellen aufgefunden.

Nach den damaligen amtlichen deutschen Feststellungen wurden bis zum l. Februar 1940 58 000 Tote oder unauffindbar Vermißte registriert. Die Toten waren zum Teil in einem solchen Zustand, daß bis zu diesem Zeitpunkt mit Sicherheit nur 12 857 Ermordete identifiziert werden konnten.

Nachstehende Aussagen wurden von deutschen Feldgerichten und vor Beamten des Reichskriminalpolizeiamtes abgelegt und 1940 im Auftrag des Auswärtigen Amtes publiziert. Sie liefern mehr zur Aufhellung des Kriegsverbrecherproblems, als es die Phantasie und Gestaltungskraft eines Schriftstellers je darstellen könnte.

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»Am Blutsonntag, dem 3. September 1939, um 10.30 Uhr wurde ich mit meinen 13- und 15 jährigen Söhnen aus unserem Luftschutzraum in meiner Fabrik durch vier mit Äxten bewaffnete junge Banditen herausgeschlagen. Wir wurden auf dem Hofe sofort von zwei Soldaten mit Bajonetten in Empfang genommen und mußten mit hocherhobenen Händen zur Hauptwache laufen. Unterwegs johlte das Volk, Frauen und

Mädchen waren Furien gleich. Man bespuckte und schlug uns, die Soldaten verhinderten es nicht. In der Haupt- wache mußten wir eine Gasse von etwa 8 Metern Länge unter Kolbenschlägen passieren. Mit hocherhobenen Händen standen wir etwa eine Stunde an einer Wand, nachdem unsere Taschen durchsucht waren. Nun wurde ein Trupp von etwa 100 Personen, meist bekannte Bürger der Stadt, auf die Straße gestoßen, und unter Bedeckung mußten wir immer mit hocherhobenen Händen durch die Danziger, Elisabethstraße zur Kaserne am Bahnhof gehen. Unterwegs drohten die Bestien mit Säbeln, Dolchen, Äxten, sie spuckten und schlugen — die armen Jungen konnten fast nicht weiter. Es waren noch mehrere darunter. Im Reitstall war ein Podium errichtet. “Kommando herauf” – wir waren die ersten. Es kamen immer mehr — viele Väter mit ihren Söhnen, zuletzt, als es dunkel wurde, waren wir etwa 400. Alle waren gefaßt, still, aber mit Mut in den Augen.

Eine plötzliche Lähmung trat nur ein, als ein etwa 20jähriger intelligenter Mann sich sechs Schritte von uns entfernte. Er wurde mit dem Bajonett zurückgestoßen, rief “Heil Hit.. .”, es knallte, und er lag, in den Leib getroffen, am Boden. Man schnallte seine Beine, die er noch bewegte, fest auf eine Bahre, trug ihn unter wüsten Beschimpfungen heraus. “Melden, wer Militärpapiere bei sich hat”, hieß es plötzlich. Die Papiere wurden abgenommen — ihr könnt sie euch morgen beim Kommissariat abholen. Ein Teil von uns wurde zum Laden von Munition herausgeholt – das waren die wenigen Glücklichen, weil der größte Teil von diesen heute lebt. Wir anderen wurden zusammengestellt und mußten die Kujawierstraße nach Brzoza herausmarschieren. Schon unterwegs wurden die alten Herren, denen die Luft fortblieb, mit Bajonetten gestochen und einige gemordet. Kurz hinter der Stadt wurde “Halt” geboten; wir mußten ein “Hoch” auf Polen ausbringen und sollten nach Hause gehen. Der Trupp kam nur bis zur Kujawierstraße Nr. 40 bis 60, da knallte es von vorn und hinten in uns hinein. Viele wurden nun bestialisch ermordet. Zusammengetrieben waren wir jetzt nur noch etwa 150 und wurden von einer Tramkolonne weitergeschleppt.

Ich deckte meine Jungens und erhielt einen Bajonettstich in den rechten Oberschenkel. Wer nicht laufen konnte und sich hinsetzte, wurde mit dem Kolben niedergeschlagen, denn nach etwa zwei Stunden verbot der Oberleutnant das Niederschießen, weil es knallte. Hinter Kilometerstein 10 mußten wir links 3 Kilometer in den Wald und wurden in einem niedrigen, elenden offenen

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Kuhhocken (Kuhstall) eingepfercht, es war Montag morgens 5 Uhr. Zorn Entsetzen aller waren wir nur noch 44; furchtbarer Durst und Hunger quälte uns alle. Mein Sohn Heinz wurde jede Stunde fünf Schritte vor uns neu verhört, ob ich oder andere auf polnisches Militär geschossen haben. Er verteidigte uns alle unter meiner Anleitung, die ich ihm zeitweise zuflüstern konnte, weil er uns besuchen durfte, in polnischer Sprache sehr geschickt und erreichte es durch seine anziehende Wesensart, daß er zuletzt die brutale Soldateska weich machte. Ein Schrecken nur lahmte alle, als Heinz uns zuflüsterte, sie schicken nach Benzin und wollen uns verbrennen, aber die Kinder dürfen nach Hause. Benzin fanden sie aber nicht. Wir mußten plötzlich heraus und erhielten Kaffee und ein Stückchen Zwieback. Wir bleiben am Leben, so hofften nun alle, nur der Dreher Döring flüsterte mir ins Ohr: “Das ist die Henkersmahlzeit”. Er behielt recht; um 7.30 Uhr kamen Soldaten wild schreiend angelaufen. “Immer drei heraus” hieß es.

Stumm gingen die ersten drei, es knallte, sie waren für unser Vaterland gestorben. Sechsmal dasselbe. Heinz ging mutig an das Loch und bat, mit Bruder Horst geschont zu werden, er erhielt einen Bajonettstich durch die rechte Schulter. “Wieder drei heraus” – ich zählte die Schritte, es waren zehn bis zwölf, dann waren sie gemordet. Jetzt teilte uns Heinz mit, der Korporal sagt, die Kugeln sind zu schade, man soll den Rest erdolchen. “Äääh — mein Gott” war nun nur noch zu hören. Wer dann nicht stumm war, erhielt die dumpfen tödlichen Kolbenschläge. Die Reihe war jetzt an uns dreien; es waren noch fünf hinter uns, die wollten nicht heraus und krallten sich fest. Wir gingen nun, Hand in Hand, heraus, wurden aber links zur Seite gestoßen. Zwei Soldaten, Korporale, packten uns, schoben uns ein paar Schritte fort; es waren die beiden Räuber, denen Heinz am Tage klug erzählt hatte, wir haben große Kostbarkeiten und viel Geld bei uns. Wir gaben nun alles, was wir besaßen, den beiden, und es begann ein Streit zwischen diesen wegen der Teilung. Diesen Augenblick benutzten wir und liefen fort. Die Nacht stets vor polnischen Maschinengewehren, es war kein Schlaf zu finden. Das Umherirren nahm kein Ende, es war Montag nachts. Heinz war mit einem Stück aus meinem Hemd verbunden. Wir waren nur in Oberhemden, und die Halbschuhe waren uns auf dem Lauf in Bromberg heruntergetreten worden. Zu Mittwoch nachts wurde es schlimm – wir sahen neben uns viel Militär, liefen auf zwei Batteriestellungen, wichen immer wieder aus. »Wollen wir lieber sterben”, sagte Horst. Die Zungen waren dick und ganz weiß, die Lippen dick und verkrustet. Eine Rettung kam: starker Tau lag auf den niedrigen Nadelbäumchen, wir haben ihn gierig geleckt und einen Frosch dazu verzehrt. »Köstlicher als Wein«, sagte Heinz, und wir hatten Horst, der mit dem Leben abgeschlossen hatte, wieder auf den Beinen. Die Nacht zum Donnerstag war ganz trocken; nun kam auch noch der Todeshunger. “Ein Stückchen Brot habe ich noch verwahrte sagte plötzlich Heinz, “das essen wir aber erst

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fünf Minuten vor dem Tode – dann leben wir aber noch ein paar Stunden.” Es kam auch so. Donnerstag vormittag stießen wir immer wieder auf Militär. Wir konnten es aus Schwäche nicht erkennen. Um 2 Uhr waren wir sicher, unsere deutschen Soldaten vor uns zu sehen, und liefen einem Hauptmann in die Arme. Kaffee und etwas Kognak belebte uns, und herrliche Erbsensuppe mit Speck gab die alte Lebenskraft wieder. Zwei Stunden später fuhren wir mit dem Stabe mit einem herrlichen Gefühl in das erlöste Bromberg ein und waren bald in den Armen meiner Frau und unserer Mutti, die es immer nicht fassen konnte, daß es solch ein Wunder des Wiedersehens gibt.

Bromberg, den 12. September 1939 gez. Herbert Matthes, Möbelfabrikant«

Unter Eid bekundete die Zeugin Giese aus Bromberg folgendes:

»Ich heiße Johanna Giese, geb. Keusch, bin 51 Jahre alt, evangelisch, Volksdeutsche, wohnhaft in Bromberg, Konopnickiej 9.

Am Sonntag, dem 3. September 1939, zwischen 11 und 12 Uhr befanden wir uns in dem Keller unserer Wohnung. Polnische Soldaten und Zivilpersonen kamen auf unser Grundstück. Sie verlangten, daß wir aus dem Keller hervorkämen. Als wir aus dem Keller herauskamen, behauptete ein Soldat, aus unserem Haus sei geschossen worden. Wir hatten überhaupt keine Waffen im Hause.

Mein Schwiegersohn verließ zuerst den Keller. In diesem Augenblick rief eine Zivilperson: “Die Szwaby müssen alle erschossen werden!” Mein Schwiegersohn bekam von einem Soldaten gleich einen Schuß. Sie durchschossen ihm die Schlagader; außerdem hatte er noch drei andere Schüsse in der Brust und am Hals. Trotzdem war er nicht sofort tot, sondern lebte noch am Sonntagabend, als wir fliehen mußten. Wir konnten ihn nicht mitnehmen und legten ihn in der Wohnung auf eine Chaiselongue.

Als das deutsche Militär am Dienstag in Bromberg einmarschierte, nahm ich mir einen Unteroffizier mit nach meinem Gehöft, weil ich sehen wollte, wie es dort aussah. Es bot sich mir ein fürchterlicher Anblick. Meinen Schwiegersohn hatten sie vom Chaiselongue heruntergenommen. Sie hatten ihn in die Küche geschleppt bis unter den Küchentisch.

… [Die grausigen Verstümmelungen – sind kaum wiederzugeben.]

Mein Sohn Reinhard Giese war ebenfalls mit unten im Keller gewesen. Mein Sohn war 19 Jahre alt. Als er sah, daß mein Schwiegersohn erschossen wurde, wollte er fliehen. Es gelang ihm auch, über den Zaun des Nachbargrundstückes zu entkommen. Sie liefen ihm nach, fingen ihn und erschossen ihn. Ich holte die Leiche meines Sohnes am Abend in die Waschküche. Er hatte einen Brustschuß.

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Ein anderer Sohn von mir, Friedrich Giese, 25 Jahre alt, soll in Hopfengarten erschossen worden sein zusammen mit der ganzen Familie, zu der er sich geflüchtet hatte.«

Unter Eid bekundete der Zeuge Paul Sikorski folgendes:

»Ich heiße Paul Sikorski, bin 35 Jahre alt, katholisch, Kaufmann, ich bezeichne mich als Volksdeutscher, wohnhaft in Bromberg, Mühlenstraße 4.

Am Sonntag, dem 3. September 1939, früh gegen 6 Uhr begab ich mich zur Mühle, um das Licht auszuschalten und die Turbine abzustellen. Auf dem Wege dorthin hörte ich vom Bahndamm plötzlich lautes Schreien. In einer Entfernung von etwa 100 Metern sah ich, wie unterhalb des Bahndammes eine Gruppe von Eisenbahnern und Zivilpersonen und Militär mit Bajonetten, Gewehrkolben, Knüppeln auf sieben Personen im Alter von 20 bis 60 Jahren einschlugen. Sie hatten die Opfer umringt. Ich bin etwas näher hingelaufen und hörte, wie sie auf polnisch riefen: “Totschlagen, die Deutschen” Ich sah schon von weitem, wie das Blut spritzte. Ich drehte dann aber um, als ich sah, daß sich die Horde auch auf mich stürzen wollte. Um 9 Uhr bin ich dann noch einmal hingegangen und sah mir dann die Leichen an. Bei zwei Leichen waren die Augen mit Bajonetten herausgedreht. Die Augenhöhlen waren leer, es war nur noch eine blutige Masse vorhanden. Bei drei waren die Schädel abgedeckt, das Gehirn lag einen Meter von den Leichen entfernt. Die anderen Leichen waren auch total zerschlagen. Bei einer Leiche war der ganze Leib bis oben aufgeschlitzt. Zwei von diesen Ermordeten kannte ich. Es waren die Fleischermeister Leichnitz aus Jägerhof und Herr Schlicht.

Nachmittags um 3 oder 4 Uhr kam eine Gruppe Soldaten mit Eisenbahnern und brachte 18 Deutsche zu meiner Mühle, der Mühle Peterson. Sie wurden je zu zwei zusammengebunden. Ich konnte das vom Garten aus genau beobachten. Sie wurden dann zu zweien alle 18 heruntergeschossen. Dann haben sie noch auf die am Boden Liegenden eingeschlagen. Darunter war ein vierzehnjähriger Junge und eine Frau. Es mußte diesmal offenbar sehr schnell gehen, denn sie verzogen sich alle gleich wieder. Ich habe mir die Leichen nachher genau angesehen, sie lagen noch drei Tage dort.

Am Montagmittag, als es schon hieß, das polnische Militär sei abgerückt, brachten zwei Soldaten einen älteren Mann und eine ältere Frau. Sie stellten sie vor meinen Augen in der Mühle an die Wand. Ich lief noch hin, kniete noch vor den Soldaten nieder und bat sie auf polnisch, sie möchten die beiden Alten doch laufen lassen. Sie waren beide etwa 65 Jahre alt. Ich bekam aber einen Kolbenstoß von dem einen Soldaten. Dabei sagte er zu mir: “Sollen doch die verfluchten Niemcys (Deutschen) krepieren !” Ehe ich mich noch aufrichten konnte, hatten sie die beiden alten Leute schon niedergeschossen, daß sie in den Graben kollerten. Dann rückten die Soldaten im Dauerlauf ab.«

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Unter Eid bekundete die Zeugin Christa Gollnick, Bromberg, Kujawierstraße 101, folgendes:

»Wir hatten ein Kolonialwarengeschäft zugleich für Mehl und Futterwaren. Als die ersten polnischen Truppen abrückten, sah ich, wie unser polnischer Nachbar zu einem polnischen Major heranging, ihm etwas sagte und dabei auf unser Haus zeigte. Darauf stürmten polnische Soldaten in den Laden, nachdem sie die Tür aufgebrochen hatten. Wir glaubten, daß ein Gefecht stattfinde und die Soldaten sich in unserem Haus verschanzen wollten. Wir rannten daraufhin in unseren Unterstand, den wir uns auf Anordnung erbaut hatten. Wir kamen jedoch nicht bis dorthin, denn die polnischen Soldaten schössen auf uns. Mein Mann wurde an der Schulter getroffen und bekam eine Kolbenschlag ins Gesicht. Mein Mann torkelte, wollte aber noch fliehen. Er versuchte über einen Zaun zu klettern, wurde dabei aber von einem  Zivilisten festgehalten. Von einem polnischen Soldaten erhielt er erneut einen Kolbenschlag, so daß er liegenblieb.

Meine Kinder und mich brachte ein polnischer Leutnant zurück ins Haus. Von einer Dachstube aus sah ich, wie mein Mann dalag. Er lebte noch lange Zeit. Ich sah, wie er die Beine an den Körper zog und wieder wegstieß und die Hand ab und zu erhob. Uns war es jedoch nicht möglich, zu ihm hinzugehen, da ringsherum polnische Soldaten und Zivilisten standen. Ein polnischer Polizist stand dauernd an dem Zaun, an dem mein Mann lag. Polnische Frauen schrien: “Das Schwein lebt immer noch!” Gegen Abend bekam mein Mann von polnischen

Soldaten noch drei Schüsse, nachdem ihm zuvor am Nachmittag noch ein Stich mit dem Bajonett in den Leib beigebracht worden war. Ich beobachtete, wie mein Mann mit den Händen immer an diese Stelle faßte und ver- suchte, die Hose zu öffnen. Sie war nachher auf. Meine Nachbarin erzählte mir, daß mein Mann am nächsten Tage noch geröchelt habe. Mein Mann war groß und kräftig und erst 38 Jahre alt, daher wird er so schwer gestorben sein. Er hat ungefähr 18 Stunden gelegen, bevor der Tod ihn erlöste.«

Die 48jährige Witwe Käthe Finger aus Bromberg sagte am 15. September 1939 aus:

»Am Blutsonntag waren mehrere Volksdeutsche und eine Polin, die wir zu unserem Schutz bestellt hatten, in unserer Wohnung. Mein Mann wäre jetzt 62 Jahre alt. Am Vormittag gegen 11 Uhr kam der Pöbel durch unsere Straße. In der Menge waren die Brüder Weyna, die uns gegenüber in dem Raddatzschen Hause wohnten, und der Angeklagte Owczaczak. Von den Brüdern Weyna war einer bewaffnet.

Nach einer Weile hörte ich vom Nebenzimmer aus, wie mein Mann zu unserer Haustochter Goede sagte, Owczaczak zeige auf unsere Wohnung. Unmittelbar darauf kam er zu mir und sagte: “Um Gottes willen, der Mob kommt in unsere Wohnung. Jetzt müssen wir sterben.” Er erklärte mir noch, daß wir zu-

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sammen sterben wollten. Unmittelbar darauf drang der Mob und darunter ein Soldat in unsere Wohnung ein. Der Soldat verlangte, daß mein Mann und ich uns auf den Teppich legten. Wir taten dies. Dann schoß er. Mein Mann war sofort tot. Als nun der zweite Schuß auf mich nicht abgegeben wurde, wie ich erwartete, richtete ich mich etwas auf und merkte, daß meine Hände von dem Blute meines Mannes gerötet waren. Ich wurde nun, als ich “mein Gott” sagte, von dem Soldaten hochgestoßen. Dann wurde ich zur Tür hinausgestoßen und mit den anderen Personen, die in unserer Wohnung Schutz gesucht hatten, abgeführt. Unterwegs wurden wir von der uns begleitenden Volksmenge beschimpft:, geschlagen und mit Füßen getreten. Als wir an den Schleusen vorbeikamen, versuchte mich ein polnischer Zivilist mit den Worten “Psia krew Hitlerowa” zum Kanal zu zerren. Es gelang mir aber, mich loszureißen. Ich wurde dann zur Polizeiwache gebracht, wo ich mit einem derart heftigen Fußtritt empfangen wurde, daß ich gegen einen Holzzaun flog. Wir Festgenommenen wurden dann gezwungen, uns lang auf den Hof der Polizeizeiwache zu legen. Man rief uns zu: “Liegt hier wie das Vieh, ihr deutschen Bluthunde!” Es kamen immer neue Opfer hinzu, die blutig geschlagen waren und vor Schmerzen stöhnten. Bemerken möchte ich, daß mein 12jähriger Junge neben mir lag. Es wurde dauernd von den benachbarten Häusern und aus der Richtung der Schleusen auf den Hof der Polizeiwache geschossen, und es wurden auch Deutsche getroffen. Diese wurden dann fortgeschafft. Ob sie tot waren, weiß ich nicht. Nach etwa

7 Stunden wurde  ich durch  das Eintreten eines  polnischen Polizeibeamten mit meinem 12jährigen Sohn freigelassen.«

So wurden die Familien ausgerottet

Als am Bromberger Blutsonntag in der Nähe des Grundstückes der Gärtnerfamilie Beyer Schüsse fielen, versuchten die Familie Beyer, das Ehepaar und dessen beide 11 und 18 Jahre alten Söhne und der 22 Jahre alte Gärtnereigehilfe Erich Thiede in die In der Nähe liegende Wohnung der 66jährigen Mutter Beyers zu flüchten.

Doch ein Trupp polnischer Eisenbahner stellte sich den Flüchtenden in den Weg und trieb die Familie Beyer einschließlich der alten Frau auf das Gärtnereigrundstück zurück. Die Polen suchten nach »Waffen«, konnten aber keine finden, da keine vorhanden waren. Schließlich trieben sie Vater Beyer und seine beiden Söhne sowie den Gehilfen Thiede weg. Als die Mutter ihren 11 jährigen Sohn Kurt umklammerte, stießen sie die Frau zurück und entrissen ihr das Kind.

Am folgenden Montag gegen 9 Uhr fand der Pole Stefan Sitarek nördlich der Eisenbahn neben- und übereinanderliegend die Leichen Friedrich Beyers,

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dessen Sohnes Heinz sowie des Gehilfen Thiede. Unter ihnen lag das 11 jährige Kind, das offensichtlich schwer verletzt war, und stöhnte. Sitarek bemühte sich um den schwerverletzten Knaben, doch die polnischen Ärzte weigerten sich zu helfen. In den Vormittagsstunden des 4. September erlag dann das Kind ebenfalls seinen Verletzungen.

Der 11 jährige Kurt Beyer, der später untersucht wurde, wies zwei von vorn nach hinten laufende Brustschüsse, eine Zertrümmerung des rechten Unterarmknochens und eine Hiebverletzung über dem linken Auge. auf.

Am 3. September 1939, am frühen Nachmittag, erschienen auf dem Hof des Bauern Artur Radler in Bromberg, Wladysiawa Belzy 55, polnische Soldaten in Uniform, hielten eine »Hausdurchsuchung« ab und nahmen anschließend den 19jährigen Sohn Fritz Radler mit sich. Wenig später wurde Fritz Radler erschossen.

Die überlebende 14 jährige Tochter Dorothea Radler schilderte die Ausrottung ihrer Familie wie folgt:

»Am Sonntag, dem 3. September 1939, kamen gegen 16.30 Uhr etwa sechs polnische Soldaten in unser Haus. Sie nahmen eine Haussuchung vor nach Waffen. Nach der Durchsuchung, die ergebnislos verlief, nahmen sie meinen älteren Bruder Fritz, 18 Jahre alt, mit sich. Sie führten ihn hinter einen Zaun, etwa 200 Meter von unserem Haus entfernt. Ein Nachbar, der auch schon tot ist, sagte meinem Vater, Artur Radler, kurz darauf, daß sie meinen Bruder erschossen hätten. Es waren schon mehr Deutsche erschossen worden. Der Gaskommandant erklärte uns, daß das polnische Militär alle Toten wegschaffen würde. Wir ließen meinen Bruder deshalb bis Montag abend liegen. Dann haben wir ihn begraben müssen auf Verlangen der Soldaten. Mein Vater erzählte uns, daß der Bruder einen Schuß in der Brust gehabt hätte.

Am Montag, dem 4. September, kamen wieder polnische Soldaten aus dem Walde, und zwar diesmal sehr viele, eine ganze Abteilung. Sie wollten zu trinken haben. Mein 16jähriger Bruder war auf dem Hof. Mit den Soldaten waren auch Zivilpersonen gekommen. Sie sagten zu den Soldaten, daß gestern der Bruder erschossen worden sei. Die polnischen Soldaten sagten jetzt zu dem jüngeren Bruder, daß sein älterer Bruder auf sie geschossen hätte. Als mein Bruder erwiderte, daß er nicht geschossen hätte, schlugen sie ihm mit dem Gewehrkolben und mit der Faust auf den Kopf und die Schultern. Vor Angst lief mein Bruder weg und versuchte sich zu verstecken in den Himbeersträuchern. Dort fanden sie ihn und erschossen ihn. Er erhielt zwei Schüsse, einer traf ihn in den Kopf.

Eine Viertelstunde später kam der Vater ins Haus und sagte uns, daß die Soldaten eben eine Granate ins Haus gesetzt hätten. Gleich darauf kamen wieder Soldaten auf den Hof, zu denen mein Vater rausging. Die Soldaten schössen sofort auf meinen Vater. Sie trafen ihn am Hals. Die Kugel trat hinten am

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Schulterblatt wieder raus, und zwar war hinten ein überaus großes Loch. Mein Vater war noch nicht tot, lebte noch 5 Stunden. Sie verboten uns, daß wir ihm zu trinken gaben oder ihm sonst halfen. Mein Vater bettelte die Soldaten um den Gnadenschuß an. Sie lachten ihn aus, sagten: “Du kannst ja krepieren.” Die Menge lachte und johlte dazu. Schließlich erbarmte sich nach fünf Stunden ein Soldat und gab meinem Vater den Gnadenschuß in die Schläfe. Die Kugel war wieder sehr groß; … [Die grausigen Verstümmelungen sind kaum wiederzugeben.] In der Nacht vom Montag zum Dienstag blieben wir noch zu Hause in unserer Wohnung. Am nächsten Tage wurden viele polnische Geschütze in der Nähe unseres Hauses aufgefahren. Aus Furcht, daß uns  etwas passieren könnte, gingen wir zu unseren Nachbarn Johann Held. Dieser Zeuge ist noch am Leben. Wir wollten dort in den Keller. Der polnische Pächter des Zeugen Held, der also in dem Grundstück drin sitzt, erlaubte uns das nicht. Der Pächter heißt Gorski.«

Unter Eid bekundete der Zeuge Friedrich Weiß, Fleischermeister in Wonorze, folgendes:

»Insgesamt sind 25 Männer aus Wonorze erschossen worden. Sie sind von polnischem Militär flüchtig eingescharrt worden, nachdem sie der meisten Kleidungsstücke beraubt worden waren. Ich habe nach acht bis zehn Tagen die Leichen ausgegraben und dabei festgestellt, daß sie alle Schußverletzungen hatten, zum Teil

waren auch die Schädel verletzt, und zwar in der Art, daß der halbe Schädel aufgeklappt war. Ob das auf die Schüsse oder anderweitige Behandlung zurückzuführen war, kann ich nicht sagen.«

Unter Eid bekundete der Zeuge Heinrich Krüger, Bauer in Tannhofen, folgendes:

»Da häufiger nach meinem Sohn gefragt worden war und bereits einzelne Dorfinsassen von dem polnischen Militär erschossen wurden, ist mein Sohn Ernst mit Albert Zittlau und den Brüdern Willi und Heinz Schäfer, die sich zunächst in der Scheune versteckt gehalten hatten, am Dienstag, dem 5. September 1939, geflüchtet. Am 19. September 1939 erfuhr ich durch die Frau Zittlau, daß sie ihren Mann in der Nähe der Domäne Rucewko auf dem Acker dicht an der Chaussee verscharrt aufgefunden habe. Sie erzählte, daß nur der Kopf und der eine Arm aus dem Erdreich herausrage. In der Nähe der Verscharrstelle hatte man außerdem die Mütze des Willi Schäfer gefunden. Da wir alle die Vermutung hatten, daß nun alle vier Geflüchteten eventuell zusammen- lägen, bin ich mit einzelnen Deutschen aus unserem Dorf an die Fundstelle gegangen.

Mit Hilfe anderer herbeigezogener Personen haben wir die Verscharrstelle aufgegraben und meinen Sohn, den Zittlau und die Brüder Schäfer freigelegt. Die Leichen lagen durcheinander. Unter den Leichen war das Erdreich blutig. Ich nehme an, daß man diese vier direkt in dieser Grube umgebracht hat. So wie sie gefallen sind, wird man sie auch eingescharrt haben.

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Bei meinem Sohn -war die Bauchgegend von den Kleidern entblößt, Rock und Weste waren zu beiden Seiten weggeschoben und das Hemd auch. . . . [Die grausigen Verstümmelungen sind kaum wiederzugeben.] Die Stiefel hatte man ihm ausgezogen und fehlten. Ferner hatte man ihm die Brieftasche mit etwa 40 Zloty, Uhr mit Kette und die sonstigen Papiere weggenommen. Bei seinem Weggange aus dem Elternhaus hatte er jedenfalls diese Sachen.

Bei Heinz Schäfer war auch der Bauch aufgeschlitzt, … [die grausigen Verstümmelungen sind kaum wiederzugeben.] Der Anblick des Heinz Schäfer und meines Sohnes waren derselbe, nur fehlten bei Heinz Schäfer die Geschlechtsteile. … [Die grausigen Verstümmelungen sind kaum wiederzugeben.] Dieselbe Fest- stellung hat der zugegen gewesene Bauer Heinrich Wising aus Tannhofen gemacht. Wir haben uns beide noch darüber unterhalten. Bei beiden, und zwar bei meinem Sohn und dem Heinz Schäfer, haben wir nach Schußverletzungen gesucht, aber keine gefunden.

Bei den anderen beiden waren die Kleider in Ordnung. Der Zittlau hatte einen Brustschuß. Bei Willi Schäfer haben wir überhaupt keine Verletzung feststellen können. Ausgezogen haben wir die Leichen nicht. Bei Zittlau haben wir nur vorn die Kleidung geöffnet.«

Unter Eid bekundete der Zeuge Anton Dombek, Garteninspektor in Bromberg, Goethestr. 2 c:

“Am Dienstag, dem 5. September 1939, zog die polnische Bürgerwehr, die mit Soldaten vermischt war, ab. Etwa eine halbe Stunde später zogen die deutschen Truppen in die Stadt ein. Mit der Säuberung des Stadtbildes haben wir am Mittwoch früh begonnen. Der Anblick, der sich uns bot, war schrecklich. Die älteren Leute waren ohne nennenswerte Verstümmelung erschossen. Dagegen fanden wir in einem Massengrab am Bülowplatz 8 bis zur Unkenntlichkeit verstümmelte Leichen. Die Leichen waren mit Stroh bedeckt, darüber war Sand geworfen. Bei den Toten war z. T. der Hinterkopf völlig abgeschlagen, die Augen ausgestochen, die Arme und Beine waren gebrochen, sogar die einzelnen Finger.

Ganze Familien sind hingemordet worden, z. B. Kohn, Vater, Mutter und drei Kinder; Boddin, 3 Personen; Bölitz, Vater, 2 Söhne; Beyer, Vater, und 2 Söhne (18 und 10 Jahre alt), den jüngsten riß man der weinenden Mutter aus der Hand.«

Unter Eid bekundete die Zeugin Else Siebert, geb. Dey, aus Rojewo, Kreis Hohensalza, folgendes:

»Am 7. September 1939 beobachteten wir auf der Chaussee polnisches Militär, das in Richtung Hohensalza marschierte. Von einer Truppe, die auf der Chaussee haltmachte, kamen Soldaten in unser Haus und fragten uns, ob wir etwa auf Hitler warten wollten, und verlangten von uns, daß wir sofort ab-

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fahren sollten. Wir haben in aller Eile die notwendigsten Sachen auf einen Wagen gepackt und haben dann mit der Familie Trittel zusammen einen Wagen benutzt, da wir jeder nur ein Pferd hatten. Mein Schwager, der gleichfalls mit uns fuhr, hatte seinen Wagen mit seinen beiden Pferden bespannt. Wir fuhren über Hohensalza – Rojewo nach einem Gut, das dort in der Nähe liegt. Dort machten wir halt, wurden dann aber von einer Familie Hallas aus Liskowo verraten an die auf dem Gut anwesenden Polen, von denen einige Armbinden trugen. Diese Polen forderten meinen Mann auf, mitzukommen, sie führten ihn an das Ende des Gutes und haben ihn dort erschossen. Ich habe die Erschießung selbst nicht gesehen, habe aber den Schuß gehört und später meinen Mann dort liegen sehen. Kurz danach holten die Armbindenleute meinen Schwager, den sie ebenfalls an das Ende des Gutes brachten und durch zwei Schüsse erschossen. Kurz nachdem mein Mann abgeholt worden war, war ich mit meinen drei Töchtern ebenfalls nach der fraglichen Stelle hingegangen und sah noch, wie mein Mann umfiel. Die Leute mit der Armbinde holten dann den Nachbar Trittel, den sie, trotzdem er immer wieder um Gnade bat, ebenfalls erschossen. Danach wurde die Tochter Tritteis erschossen, ebenfalls von vorn, einige Zeit darauf der Sohn Tritteis, der den Schuß von hinten bekam und auf die Leiche seiner Schwester fiel. Die sämtlichen Erschießungen hat ein und derselbe Mann durchgeführt, und zwar hat er mit einem Karabiner geschossen. Ich nehme an, daß er von dem betreffenden Gute stammt und daß er dort eine gleiche Rolle gespielt hat wie hier auf unseren Gütern die Leute mit den gleichen Armbinden. Nach der Erschießung dieser fünf Personen sollte ich mit meinen drei Töchtern erschossen werden. Wir wurden gezwungen, uns auf die Erde zu legen, und zwar aufs Gesicht, und dann zielte der Mann mit dem Karabiner auf uns. Das letztere habe ich selbst nicht gesehen, das weiß ich von meiner Tochter, die sich wiederholt umgedreht hat. Die Bevölkerung des Gutes stand um uns herum und schrie immerfort, daß wir erschossen werden müßten. Der Mann mit der Armbinde hat uns dann aber doch nicht erschossen, sondern ließ uns, nachdem wir etwa zwei Stunden dort gelegen hatten, in einen Speicher gehen, in den er uns einschloß.

Bemerken möchte ich noch, daß Herr Trittel, als er nicht zu der Stelle hingehen wollte, wo er später erschossen wurde, in der schlimmsten Art und Weise mit Peitschen und Knüppeln von Zivilpersonen geschlagen worden ist.«

Die Massenmorde in Jägerndorf, Eichdorf und Schrimm.

Am 3. September erschienen in Jägerndorf im evangelischen Pfarrhaus wiederholt militärische Suchkommandos unter dem Vorwand, daß der Pfarrer Richard Kutzer Waffen versteckt habe. Natürlich war das nicht der Fall. Trotz-

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dem wurde um 13.30 Uhr der Pfarrer verhaftet und abgeführt. Gegen 15 Uhr erschienen die Polen wieder und führten den 73jährigen Vater des Pfarrers, Otto Kutzer, den 14jährigen Herbert Schollenberg, den 17jährigen Hans Nilbitz und drei weitere im Pfarrhaus anwesende Flüchtlinge ab.

Sie wurden an einen unweit des Kirchengeländes vorüberführenden Bahndamm geführt, wo schon 12 andere Männer und eine Frau, die Ehefrau Köbke, warteten. Was nun geschah, schildert die überlebende Witwe Anna Köbke wie folgt:

»Als wir, d. h. mein Mann, meine Tochter, mein Sohn und ich, am Sonntag, dem 3. September, vormittags hörten, daß alle Deutschen erschlagen werden sollten, begaben wir uns zu unserer Sicherheit in den Keller des mit uns befreundeten Nachbarn Schröder und schlössen uns dort ein. Gegen 12 Uhr kam dann eine große Menschenmenge von Soldaten und Zivilisten und schlugen gegen die Kellertür, warfen auch Handgranaten und schössen in die Kellerfenster. Meine Tochter ist durch einen Schuß an der Hüfte verwundet worden. Ich floh als erste aus dem Keller und lief in unseren Garten. Als ich aus dem Keller kam, habe ich in meiner Angst unter der großen Menschenmenge keinen erkannt. Nur unseren Nachbarn, Maurer Klimczak, erkannte ich, da dieser mich festhalten wollte und ausrief, daß ich eine Deutsche sei und totgeschlagen werden sollte. Es gelang mir, mich den Händen des Klimczak zu entwinden und in meinen Garten zu kommen.

Ich ging nach etwa einer Viertelstunde zu der polnischen Familie Gorny (Schuhmacher), die in unserer Nähe wohnte. Ich hoffte, daß ich dort vielleicht Schutz finden würde. Das Ehepaar Gorny und noch andere dort anwesende mir unbekannte Personen haben mich beschimpft und bespuckt. Dann erschienen Soldaten, die mich abführten und in einen Wald brachten, wo sich bereits etwa 20 Volksdeutsche befanden. Ich wurde dort gefesselt. Dann wurden wir hin und her getrieben, mit Gewehrkolben gestoßen, mit Füßen getreten und sollten in Schleusenau erschossen werden. Auf dem Wege nach Schleusenau verfolgte uns eine große Menschenmenge polnischer Zivilisten, und zwar Frauen, Kinder und Männer, die fortgesetzt auf uns fluchten, unseren Tod forderten und mit Äxten und Knüppeln auf uns einschlugen. Unter dieser Menge befand sich auch der mir bekannte Fleischer Gniewkowski und ein gewisser Paschke aus Schleusenau. Ich habe genau gehört, daß diese beiden wiederholt mit der Menge mitgeschrien haben, daß wir Deutsche erschlagen bzw. erschossen werden sollten. Ob Gniewkowski oder Paschke eine Axt oder einen Knüppel in der Hand trugen, weiß ich nicht. Wir Volksdeutschen – es waren etwa 20 Mann und ich als einzige Frau – wurden dann an einen Bahndamm in Schleusenau gestellt. Sämtliche Volksdeutschen Männer wurden von den Soldaten und Eisenbahnern in Gegen- wart der polnischen Menschenmenge, unter der sich auch noch Gniewkowski und Paschke befanden, erschossen.

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Ich wurde ohnmächtig und fiel zu Boden und wurde dann auf Befehl eines Offiziers freigelassen. Als ich im Begriff war fortzugehen, zwang mich die polnische Menschenmenge zurückzugehen und mir die Leichen anzusehen und “Hochs” auf Polen auszubringen. Unter den etwa 20 erschossenen Personen befanden sich: Artur Gehrke aus Jägerhof, Hans Bolowski aus Jägerhof, Horst Stuwe aus Jägerhof, ein gewisser Goertz aus Jägerhof, ein gewisser Arndt aus Jägerhof, ein gewisser Stöckmann aus Jägerhof, ein gewisser Redel aus Jägerhof, ein Gymnasiast Mielwitz aus Jägerhof, ein Hausbesitzer Trojahn aus Jägerhof. Von den im Keller des Schröder zurückgebliebenen Personen sind – wie ich nachher erfahren habe – folgende Personen bei der Flucht aus dem Keller erschossen worden:

Mein Mann Emil Koebke, Fleischermeister; mein Sohn Arthur Koebke, Fleischergeselle; Gärtnereibesitzer Schröder; dessen Sohn Hans Schröder; Gerhard Vorkert, Gärtnereigehilfe; ein Dienstmädchen des jungen Schröder.

gez. Anna Koebke, geb. Wietychowski«

Unter Eid bekundete die Zeugin Dora Kutzer in Bromberg, Kronerstr. 14, folgendes:

»In unserer evangelischen Gemeinde ist meines Wissens kaum ein Haus, wo nicht ein, zwei oder gar drei Volksdeutsche gemordet worden sind. Auf unserem evangelischen Friedhof liegen bis jetzt 59. Man hat noch längst nicht alle Toten gefunden.«

Unter Eid bekundete die Zeugin Walli Hammermeister, Dienstmädchen bei Erich Jahnke in Langenau bei Bromberg, folgendes:

» … als die Soldaten feststellten, daß Herr Fritz nicht polnisch sprechen konnte, hielt ein Soldat ihm vor, daß er selbst als junger Mensch deutsch und polnisch sprechen könne. Es wäre jetzt 20 Jahre Polen, und er könne noch nicht polnisch sprechen. Herr Fritz erklärte, daß er 75 Jahre alt sei und daß er in diesem Alter nicht mehr polnisch hätte lernen können. Daraufhin sagte ein anderer polnischer Soldat: “Gib ihm eine Kugel in den Kopf!” Der erste Soldat schoß jetzt dem Herrn Fritz eine Kugel rechts in den Kopf. Dies geschah vor meinen Augen. Ich flüchtete in den Strohstall.«

Am 4. September 1939 wurden 39 Deutsche am Jesuiter See, 21 Kilometer südlich von Bromberg, von polnischen Soldaten ermordet. Da Gustav Gruhl aus Bromberg und Leo Reinhard aus Zielonke durch einen glücklichen Zufall dem Tod entrannen, wurde dieses Massenverbrechen bekannt. Die gefangenen Deutschen wurden derart die Chaussee nach Hohensalza entlang getrieben, daß das linke Handgelenk des einen mit dem rechten Handgelenk des anderen zusammengebunden war.

Als die Kolonne den Jesuiter See erreichte, wurden 41 Gefangene wenige Meter vom Seerand mit dem Gesicht zum Wasser in einer Reihe aufgestellt.

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Daraufhin begannen die polnischen Soldaten, die nur wenige Meter von ihren Opfern entfernt standen, wahllos zu schießen. Mitten in das Massaker hinein erschien über dem Seegelände ein deutsches Aufklärungsflugzeug. Die polnischen Mordschützen gingen in Deckung, so daß die noch Überlebenden zu flüchten begannen. Aber nur wenigen gelang es. Die anderen wurden teils tot, teils schwerverletzt über einen 60 Meter in den See gebauten Steg geschleift und von hier aus Ins Wasser geworfen.

39 Leichen konnten später geborgen, bei 28 von ihnen die Identität festgestellt werden. Die meisten der Opfer sahen entsetzlich aus. Einige von ihnen hatten bis zu 15 Einschüsse.

In dem Dorf Eichdorf, das der kleineren Gemeinde Netzheim vorgelagert ist, kam es in der Zeit vom 4. September in den späten Abendstunden bis zum 5. September abends ebenfalls zu einer grauenhaften Deutschenschlächterei. Als in den späten Abendstunden des 4. September polnisches Militär einrückte, begannen die entmenschten polnischen Soldaten völlig grundlos die deutsche Bevölkerung abzuschlachten. Als die Polen schließlich abzogen, blieben 38 Leichen zurück. Es wurden u.a. ermordet: Max Teske, Wilhelm Stolte, der 13jäh-rige Gerhard Pijan, die 12jährige Else, die 15jährige Gertrud und der 18jährige Ernst Janot mit ihrem Vater. Die 80jährige Ottilie Renz, die 4jährige Gisela und der 9jährige Günter Renz wurden mit 15 nichtidentifizierten Deutschen, darunter acht Frauen und zwei drei- und siebenjährigen Kinder, abgeschlachtet.

Später wurden im Walde bei Targowisko, etwa 300 Meter von der Chaussee bei Eichdorf entfernt, die Leichen von 46 Volksdeutschen im Alter von sechs Monaten bis zu 80 Jahren aufgefunden. Nur folgende konnten identifiziert werden: Emma Hanke, 40 Jahre; Walter Busse, 7 Jahre, Erhard Prochnau, 3 Jahre; Johanna Schwarz, 45 Jahre; Max Jeschke, 55 Jahre; Hedwig Jeschke, 47 Jahre; Eise Dahms, 19 Jahre; Kurt Kempf, 22 Jahre; Gustav Schubert, 65 Jahre; Richard Binder, 50 Jahre; Emanuel Hemmerling, 35 Jahre; Erna Hemmerling, 30 Jahre; Frieda Ristau, 31 Jahre; Frau Blum, 28 Jahre; Frau Golz, 50 Jahre.

Unweit davon wurde die Familie Tetzlaff ermordet: Martha Tetzlaff (45), Heidelies Tetzlaff (11), Eise Behnke (35), Gustav Behnke (82).

Unter Eid bekundete der Zeuge Adolf Erti, Kaufmann m Czempin, Kreis Kosten, folgendes:

» … Neun dieser Kameraden sind in Schrimm von der Bevölkerung überfallen und auf offener Straße zu Tode mißhandelt worden. Meinem Kameraden Willi Mantei war der ganze Hinterkopf zermalmt. Herbert Raabe hatte ausgestochene Augen, außerdem hatte man ihm die Finger abgeschnitten. Anderen hatte man ebenfalls Finger abgeschnitten, Beine und Hände waren zum Teil gebrochen und verrenkt. Anderen wieder hatte man das Gesicht durch

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Schläge vollkommen zerstümmelt, die Zungen herausgeschnitten sowie Nasen und Ohren abgeschnitten.«

Unter Eid bekundete der Zeuge Oskar Hartmann, Ziegeleileiter in Schrimm, folgendes:

» … In einem Grabe befand sich eine Person, die nicht hat ermittelt werden können. Außerdem wurden auf dem evangelischen Friedhof in Schrimm noch die Leichen folgender Personen aufgefunden: Conrad Lange, Wilhelm Schulz, Heinrich Häußler, Wilhelm John, Erich Gaumer, Richard Weibt, Wilhelm Jeschke. Sämtliche Leichen waren mehr oder minder verstümmelt. Die Köpfe waren … [die grausigen Verstümmelungen sind kaum wiederzugeben.]«

Unter Eid bekundete die Zeugin Gertrud Lemke aus Hohensalza folgendes:

»Am Mittwoch, dem 6. September 1939, erschienen gegen 11.30 Uhr in unserer Wohnung ein Angehöriger des polnischen Heeres in Uniform mit Karabiner und 8 bis 10 Zivilisten mit Knüppeln. Der Soldat forderte meinen Mann auf, sofort mitzukommen. Da mein Mann seinen Ausweis vergessen hatte, lief ich ihm einige Minuten später nach, doch sah ich ihn nur noch mit meinem Vater zusammen um die nächste Ecke biegen, begleitet von den Soldaten und den Zivilisten.

Am Sonntag, dem 10. September 1939 – so lange hatte ich nichts über den Verbleib meines Vaters, meines Mannes und meines Onkels gehört – kam mein Schwiegervater zu mir und erzählte, daß in der Nähe unserer Abdeckerei. acht Leichen, zum Teil verbrannt, aufgefunden worden seien. Die Leichen hätten auf der Erde gelegen. Ich bat ihn nunmehr dringend, selbst hinzugehen und nachzuforschen, ob unsere Angehörigen dabei seien. Bei dem Abtransport meines Mannes und meines Vaters hatte ich schon die Vorahnung, daß ich beide nicht mehr wiedersehen würde, da bereits eine Zeitlang in Hohensalza eine große Deutschenhetze geherrscht hatte.

Kurze Zeit danach kam mein Schwiegervater zurück und bestätigte meine Vorahnung. Aus unserer Familie lagen zwischen zwei Strohschobern: mein Mann, mein Vater, mein Onkel, drei Männer aus der Familie Fuchs und ein Gehilfe von Herrn Fuchs. Die achte Leiche war unbekannt…«

Unter Eid bekundete die Zeugin Maria Richert, geb. Richert, Landwirtswitwe in Rybno, folgendes:

» … Am Dienstag, dem 12. September 1939, oder Mittwoch, dem 13. September 1939, fanden wir meinen Sohn und die Landwirte Gatzke, Dreger und Tober an einem Wäldchen von Koneck in einem Loche verscharrt vor. Meinem Sohn hatte man ein Auge ausgestochen, der Rücken wies zahlreiche Bajonettstiche auf, und an beiden Unterarmen waren tiefe Schnittwunden, … [die grausigen Verstümmelungen sind kaum wiederzugeben.] Eine Leiche hatte man auf die andere geworfen. Die Brüder Konrad fanden wir in einem Loch auf dem Felde bei Chromowola; Agathe Konrad und Frau Tober wurden in Koneck auf-

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gefunden, beiden fehlte der halbe Kopf. Peter Bitschke lag, wie ich hörte, mit Wilhelm Bölke, dessen Mutter, Frau Konrad und einem anderen Bitschke im Walde Kaminieck. Auf dem Kirchhof von Kaminieck liegen aus unserem Dorfe und der näheren Umgebung insgesamt 27 ermordete Volksdeutsche.«

Unter Eid bekundete die Zeugin Ida Albertim, Ehefrau des Lehrers und Kantors in Kaminieck, folgendes:

» .. .Es sind auf dem hiesigen Kirchhof jetzt 26 Personen beerdigt worden, die hier zusammengetragen worden sind, die zum Teil schon in der Erde gelegen haben. Ich habe die Leichen gesehen und kann darüber folgendes sagen:

Ein Teil der Personen ist bestimmt erschossen worden; bei einem Teil der Leichen unterliegt es aber keinem Zweifel, daß sie erschlagen worden sind, daß sie auch erstochen worden sind. Von den Getöteten waren 3 Frauen und 23 Männer.  Von  den Verletzungen, die  ich gesehen habe, kann ich im einzelnen folgendes aussagen:

Einer Frau fehlte das halbe Gesicht, offenbar infolge eines Säbelhiebes, eine männliche Leiche hatte drei Stiche in der Brust … [die grausigen Verstümmelungen sind kaum wiederzugeben.]

Wer nur erschossen wurde, der hatte eigentlich noch Glück. In der Nähe des Dorfes Feyerland, 13 Kilometer ost-südöstlich von Bromberg, wurde am 14. November 1939 die stark verweste Leiche eines Mannes gefunden, der dann als der Landarbeiter Wilhelm Sieg aus Feyerland, Vater von zwei Kindern, erkannt werden konnte. Dieses beklagenswerte Opfer war auf eine solch raffinierte Art gefesselt, wie sie in der kriminalistischen Praxis kaum wieder zu finden war. Die Fesselung zwang das Opfer, die auf dem Rücken zusammengebundenen Hände in unnatürlicher Weise hochzuhalten, stets in Gefahr, bei jedem Nachlassen der Arme oder Hände sich selbst zu erdrosseln. Vom Genick führte eine Führleine, die der Leiche nicht abgebunden worden war und mit der die Polen Wilhelm Sieg unter unsagbaren Qualen zu Tode geschleift haben.

Ununterbrochen wurden neue Leichen gefunden. Am 24. September 1939 wurden vier männliche Leichen auf dem Posener Matthäi-Friedhof aufgefunden, die später als Gerhard Grieger, Paul John, Max Otto und Erich Mantehe identifiziert wurden. Sie waren ermordet und ihre Leichen auf die Weise zum Friedhof gebracht worden, daß man in sie Spitzhacken eingeschlagen hatte und sie so über die Straße zum Friedhof schleifte.«

Über das Sterben von zwölf Deutschen in Schulitz berichteten die eidlichen eugenaussagen von Kurt Schulz, Klara Kriewald und Ferdinand Reumann:

»Am 4. September waren polnische Soldaten auf dem Gehöft von August Schulz in Schulitz erschienen und gaben vor, nach Waffen zu suchen. Auch bei den anderen deutschen Bauern wurden Waffen gesucht und dabei Frau Klara Kriewald von polnischen Soldaten vergewaltigt.

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Schließlich wurden zwölf der Deutschen festgenommen und in den nahen Wald geführt. Kurt Schulz gelang es, zu fliehen. Als er später in die Nähe der Stelle zurückkam, um nach den Vermißten, die nicht wieder ins Dorf zurückgekehrt waren, zu suchen, fand er die Erde aufgewühlt und mit seinem Vater weitere zehn Schulitzer Bauern nur notdürftig erscharrt; der zwölfte war ein unbekannter Mann.

Allen waren die Augen ausgestochen und die Zähne eingeschlagen. Einigen die Kehlen durchschnitten und der Bauch aufgeschlitzt. Sie waren von den polnischen Soldaten langsam zu Tode gequält worden.«

Der Schneidermeister Erwin Boy aus Ostburg schilderte als Zeuge, wie er mit einer Gruppe Leidensgenossen an der Straßenkreuzung Dabrowa sich mit dem Kopf auf die Straßenböschung und den Füßen ins Feld hinlegen mußte. Nachdem die Deutschen systematisch all ihrer Wertsachen beraubt waren, mußten sie aufstehen und aufs Feld gehen. Jeder wurde sofort erschossen. »Bis ich ‘rankam, waren bereits 16 erschossen«, bezeugte Erwin Boy. Er versuchte zu fliehen, und obwohl er verwundet war, gelang ihm die Flucht. Außer ihm konnten sich noch Eduard Kunitz und Hermann Galster retten. Alle anderen wurden umgebracht.

Samara, am 13. Oktober 1939

Aufgesucht erscheint der Landwirtsohn Oskar Brakop aus Samara und erklärt auf Befragen nach entsprechender Eidesbelehrung:

»Nachdem bei mir von polnischem Militär mehrere Haussuchungen unter Todesdrohungen  stattgefunden hatten, flüchtete ich mit meiner Mutter und zwei Brüdern in das Feld hinein. Nachdem deutsche Truppen unsere Ortschaft besetzt hatten, kehrte ich am Sonntag, dem 10. September 1939, zu meinem Grundstück zurück. Ich fand es völlig ausgeplündert vor. Mit deutschen Soldaten ging ich auf die Suche nach Toten. Auf einem Felde des Gutes Chromowola bei Straczewo fanden wir zehn unbeerdigte Leichen. Von einer Familie Kichert aus Straczewo fand ich dort fünf Familienmitglieder, es waren dies drei Söhne im Alter von 16 bis 19 Jahren, deren Mutter und deren Großmutter. Die Großmutter war im Alter von etwa 60 Jahren. Den Ehemann Richert hatte man offenbar nicht gefunden. Ich hörte, daß er sich in der Scheune versteckt hatte. Mit ihm zusammen hatten seine zwei Töchter und zwei jüngere Söhne Unterschlupf gefunden, ohne von den Polen entdeckt zu werden. Ferner lagen auf dem Felde Jakob Blum und sein 19jähriger Sohn, ebenfalls aus Straczewo. Ferner der Landwirt Johann Feiertag mit seiner Frau, der junge Peplau und Frau Leschner, eine Nichte des Landwirts Blum, die sich gerade bei ihm auf Besuch befand. Frau Richert hatte ausgestochene Augen, auch war ihr die gesamte Schädeldecke eingeschlagen oder abgeschossen; Johann Blum hatte neben einer Schußverletzung noch einen Bajonettstich; dem Otto Richert fehlte

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die rechte Gesichtshälfte. Deutsche Soldaten machten von diesen Leichen fünf photographische Aufnahmen. Welchem Truppenteil diese Soldaten angehörten, weiß ich nicht. Wie ich von dem Ehemann Richert hörte, sollten Täter polnische Soldaten gewesen sein, die den Auftrag hatten, die Dörfer nach Deutschen abzusuchen und diese niederzumetzeln.«

Aufgesucht erscheint die Landwirtstochter Martha Baar aus Wojciechowo und erklärt auf Befragen nach entsprechender Eidesbelehrung:

» … Zunächst kam in unser Haus ein einfacher Soldat herein. Er fragte, ob wir Deutsche seien und viele Söhne hätten. Wir bejahten die Frage, daß wir Deutsche seien, und hinsichtlich der Frage nach den Söhnen erklärte ich, daß nur mein 46jähriger Bruder Karl anwesend sei. Kaum war er wieder ausgegangen, als ein Podporucznik (polnischer Leutnant) hineinkam und sich von  meinem Bruder den Militärpaß  zeigen ließ. Ich stand im Hausflur. Mein Bruder Karl, meine Schwester Lydia, meine Mutter, ein 13jähriger Junge namens Arthur Bieser und ein polnisches Mädchen namens Hedwig (9 Jahre) hielten sich in der Küche auf. Als sich der polnische Leutnant den Militärpaß durchgelesen hatte, sagte er auf polnisch: “Es schadet nichts”, drehte sich um und ging hinaus. Er hatte jedoch kaum den Hof betreten, als er sich wieder umwandte, und aus seinem Karabiner in die Küche hineinschoß. Zuerst erhielt mein Bruder Karl einen Bauchschuß, er sank sofort zu Boden, war jedoch nicht tot. Daraufhin schoß er auf meine Schwester Lydia, die ebenfalls zu Boden stürzte, sich jedoch wieder erheben konnte und in den Garten lief. Dort muß sie sich hingelegt haben, denn wir fanden sie dort nach dem Einrücken der deutschen Truppen vor. Sie hatte jedoch mehrere Verletzungen, muß also im Garten nochmals gestochen worden sein oder weitere Schüsse erhalten haben. Der später, etwa zwei Stunden später eintreffende deutsche Militärarzt verband sie noch, jedoch starb sie nachts an den erlittenen Verletzungen.

Auf meine Mutter gab der polnische Leutnant ebenfalls einen Schuß ab, traf jedoch vorbei. Der 13jährige Schüler Bieser erhielt einen Schulterschuß. Der letzte Schuß galt mir, ich stand immer noch im Hausflur. Auch an mir schoß er vorbei. Nunmehr brachten meine Mutter und ich – der Schüler Bieser und die polnische Schülerin Hedwig waren inzwischen weggelaufen – den noch nicht toten Bruder Karl in den Keller und wollten dort Schutz suchen. Dieser erklärte mehrmals, es hätte doch keinen Zweck, er müsse bald sterben, und ver- schied auch bald darauf. Inzwischen hatten die polnischen Soldaten unsere Scheune angesteckt, und das Feuer trieb durch den Wind auf unser Wohnhaus zu, so daß dieses schließlich ebenfalls Feuer fing. Wir stürzten im letzten Augenblick ins Freie und mußten bereits durch die Flammen hindurchlaufen. Meinen toten Bruder ließen wir im Keller liegen, so daß er mit dem Wohnhaus zusammen verbrannte. Es waren nur noch Knochen übriggeblieben, als wir nach dem Abbrennen des Hauses nach ihm suchten. Als wir ins Freie stürzten, waren

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die polnischen Soldaten bereits vom Hofe weggegangen, standen jedoch an unserem Garten am Wege und feuerten in der Richtung, aus der die deutschen Truppen anrückten. Zwei Stunden später trafen die ersten deutschen Soldaten bei uns ein. In unserem  Dorfe haben die polnischen Truppen drei deutsche Gehöfte abgebrannt  und dabei auch den Landwirt Gatzke erschossen. Gatzke war etwa 32 Jahre alt.«

In einem kaum zu schildernden Blutrausch stürzten sich Polen auf die hilflose deutsche Minderheit. Hier wurden keine »Faschisten und Militaristen« hingeschlachtet – die waren gar nicht vorhanden -, sondern schlechthin die Deutschen, die einfach vogelfrei waren.

Von einer deutschen Mutter geboren! Das allein war das Todesurteil für alle die Zehntausende Opfer polnischer Grausamkeit. Man kannte kein Erbarmen; es fielen wie in einem blutigen Schnitt die Taglöhner und die Rittergutsbesitzer, die Fabrikdirektoren und ihre Arbeiter, die Bauern und die Bürger, die Männer und die Frauen, die Kinder und die Greise. Und auch die deutschen Priester. In jenen Tagen protestantischer Pastor zu sein war lebensgefährlich.

Pfarrer Friedrich Just (55) aus Sienno wurde dort am l. September ermordet, Pfarrer Richard Kutzer (46) am 3. September in Bromberg-Jägerhof, Diakon Willy Lubnau (39) aus Posen am 10. September bei Kutno, mit ihm starb Diakon Gurkasch. Pfarrer Emil Mix (64) aus Streino erlag am 20. September in Lodz den Folgen schwerer Mißhandlungen. Superintendent Georg Relsel (75) aus Neu-Tomischl starb am 22. September in Posen an den Folgen der polnischen Internierung.

Pfarrer Paul Rudolph (43) aus Gräz wurde am 10. September bei Kostsdün ermordet, Pfarrer Johannes Tauber

(47) aus Sontop ebenfalls am 10. September bei Kostschin, Pfarrer Johannes Schwerdtfeger (48) aus Posen am

10. September bei Kutno. Ermordet wurden: Der Pfarrer Oskar Reder (63) aus Mogilno Anfang September bei Chodecz, Pfarrer und Dozent an der Technischen Hochschule in Posen Ernst Kienitz (44) Anfang September bei Turek, Pfarrer Heinrich Werner (34) aus Exin am 4. September bei Hohensalza, Pfarrer Wilhelm Borgmann

(30) aus Neustadt/Pinne am 4. September bei Kostschin, Vikar Max Miecke (25) aus Schmieget am 8. September bei Turek.

Vergeblich suchte nach dem deutschen Einmarsch Generalsuperintendent D. Blau in allen Zeitungen nach Aufklärung des Schicksals vermißter Geistlicher, zum Beispiel des Superintendenten Julius Aßmann aus Bromberg, des Pfarrvikars Ernst Fröhlich, Schönsee. Sie waren mit ihren Pfarrkindern untergegangen, irgendwo verscharrt und wahrscheinlich infolge der Verstümmlungen, die man ihnen zugefügt hatte, nicht mehr zu erkennen gewesen, so wie die über 45 000 Opfer, die nicht wieder ausgeforscht werden konnten.

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Aber nicht nur die Protestanten wurden solchermaßen behandelt, sondern auch die Katholiken. Vor der Untersuchungsstelle für Verletzung des Völkerrechts beim Oberkommando der Wehrmacht gab in Posen am 5. Oktober 1939 der katholische Pater Breitinger zu Protokoll:

»Ich heiße Lorenz Breitinger, Ordensname Pater Hilarius, geboren am 7. Juni in Glattbach bei Aschaffenburg, Seelsorger der deutschen Katholiken in Posen, wohnhaft im Franziskanerkloster in Posen.

Am l. September 1939, gegen 18 Uhr, erschien an der Klosterpforte ein Polizeibeamter und erklärte mich für verhaftet. Auf meine Bitte, etwas Wäsche und Lebensmittel mitnehmen zu dürfen, erwiderte er, daß das nicht notwendig sei, da ich nach einem kurzen Verhör bereits in einer halben Stunde wieder zu Hause sein würde. Vor dem Kloster wartete ein weiterer Polizeibeamter mit aufgepflanzter Seitenwaffe, und beide Polizisten führten mich mit drei anderen Verhafteten wie einen Schwerverbrecher zum Polizeipräsidium. Dort drückte mir der mich verhaftende Polizeibeamte gegen eine Empfangsquittung einen Internierungsschein in die Hand, woraus ich ersah, daß ich regelrecht interniert sei. Auf dem Polizeihof traf ich etwa 20 Bekannte an, und mit ihnen zusammen verbrachte ich die Nacht unter freiem Himmel. In der Nacht trafen weitere Transporte von Leidensgenossen aus anderen Stadtteilen ein …

Am 2. September 1939 mußten wir uns in zwei Gliedern aufstellen. Ein Polizeibeamter in Zivil sprach uns dann im Namen des Wolwoden alle Ehrenrechte ab und bemerkte weiterhin, daß wir jetzt in ein Lager marschieren müßten und daß derjenige, der nicht ordentlich auf der Straße marschiere, sofort erschossen werden würde. Die Polizisten luden sodann ihre Gewehre, pflanzten die Seitenwaffen auf, und nunmehr wurden wir durch die Straßen Posens nach Glowno geführt. Der links und rechts der Straße harrenden Menschenmenge riefen die Polizisten immer wieder zu: ‘Dies sind alles Deutsche’ und die Antwort der Menge war dann regelmäßig ein unglaubliches Schreien und Toben sowie entsetzliches Fluchen. Am alten Markt wurde die Menge bereits handgreiflich, und wir erhielten Stockschläge, Fußtritte und Steinwürfe, so daß wir bereits bei unserer Ankunft in dem Vorort Glowno voller Beulen waren. In einem Gasthaussaal in Glowno schöpfte ich Hoffnung, als ein katholischer Geistlicher, der Vikar von Glowno, den Saal betrat. Insbesondere hoffte ich, bei ihm für uns alle Verständnis und Schutz sowie vor allem Auskunft über unsere Zukunft zu finden. Maßlos erstaunt war ich, als dieser jedoch nach meiner Vorstellung mich zu prüfen begann, ob ich nicht ein verkleideter Spion sei, und mich in grobem Ton fragte, warum ich denn mit der Waffe in der Hand gegen die Polen gekämpft hätte. Völlig sprachlos gab ich nunmehr jeden Versuch einer weiteren Unterhaltung auf.

Am späten Nachmittag wurden wir dann auf eine große Wiese geführt, die von einer großen Menschenmenge umlagert wurde. Es kamen weitere Gruppen

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Internierter dazu, darunter Frauen und Kinder, zwei Krüppel, die kaum laufen konnten, es waren Kriegsinvaliden mit Holzbeinen, und eine große Menge mit verbundenen Köpfen, deren Kleider mit Blut besudelt waren. Auf der Wiese mußten wir uns in Reihen zu vieren aufstellen und wurden abgezählt. Darauf mußten wir auf Geheiß des Anführers unserer Wachmannschaft, die aus einigen Polizisten und verschiedenen Gymnasiasten in der Uniform der militärischen Jugendorganisation bestand, exerzieren und einen Haßgesang auf Deutschland anstimmen. Sodann ließ er mich unter dem Gejohle der Menge in meiner Ordenstracht allein vortreten und exerzierte mit mir allein. Schließlich stellte er mich dann in die erste Reihe, gleichsam als Anführer der Aufständischen, als die wir stets bezeichnet wurden. Daraufhin ging es zu Fuß nach Schwersenz durch ein Spalier verhetzter Menschen, die uns bespuckten, mit Pferdemist bewarfen und mit Stöcken und Fußtritten mißhandelten. Die Begleitmannschaft tat nichts, uns vor diesen Mißhandlungen zu schützen, bzw. war sie, falls ein Schutzwille vorhanden war, völlig machtlos und nicht energisch genug. In Schwersenz schlug vertierter Pöbel auf Krüppel und Kinder, welche auf Wagen saßen, so lange ein, bis diese Stöcke in Trümmer gingen. Am nächsten Tag bemerkte ich, daß fast sämtliche Vorsitzenden aller deutschen Organisationen und die gesamte deutsche Geistlichkeit zusammengetrieben war. Es waren alles Menschen, die überzeugt waren, daß sie dem polnischen Staat gegenüber ihre Staatsbürgerpflicht stets gewissenhaft erfüllt hatten, und es darum auch nicht begreifen konnten, daß man sie jetzt noch schlechter als Schwerverbrecher behandelte.

In Schwersenz baten sowohl ein evangelischer Geistlicher als auch ich, bei den Internierten die Seelsorge ausüben zu dürfen. Ich erhielt jedoch von dem Führer unserer Begleitmannschaft eine grobe verneinende Antwort. Unter Spießrutenlaufen ging es dann weiter durch Kostrzyn nach Wreschen. Hier erhielten wir wieder schwere Stockhiebe und Fußtritte. Hier fuhr mein Kardinal an uns vorbei, der uns als Posener Internierte erkannt haben mußte. Er setzte sich für uns jedoch nicht ein. In Wreschen mußten wir in einem Saale eine Zeitlang wiederum exerzieren, man ließ uns aufstehen, hinsetzen, knien usw. Mich nahm er besonders vor, nannte mich einen Heuchler und Schwindler und erklärte, daß man mir das Kreuz abreißen müßte, da ich es verraten habe. Gegen Mittag ging der Marsch weiter. Die Wachmannschaft fuhr auf den Wagen zusammen mit Kranken, und oftmals mußten wir im Trab hinter den Wagen herlaufen, wenn es den Kutschern gerade paßte, diese Gangart einzuschlagen. In Ortschaften suchte jeder von uns mit Decken und Mänteln seinen Kopf vor gefährlichen Steinwürfen zu schützen. Unverständlich war es für mich, daß sich polnische Soldaten, ja sogar polnische Offiziere in besonderer Weise an diesen Mißhandlungen beteiligten. So kam es zuweilen vor, daß polnische Heeresangehörige, die Ordensauszeichnungen trugen, unsere Reihen entlang gingen und den-

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jenigen, den sie erreichen konnten, mit einem sehr kräftigen Fußtritt bedachten. Von Konin aus konnten wir unseren Marsch nach Kutno nicht mehr fortsetzen und marschierten plötzlich nach Norden. Etwa 7 km hinter Konin verließ uns unsere Begleitmannschaft, und es blieb ein einziger Polizist, der geistig beschränkt war, zurück. Inzwischen wurden wir von polnischen Reservisten mit langen Prügeln und Steinen mißhandelt. Von diesen befreiten uns Feldpolizisten. Auf einem Vorwerk bei Maliniec konnten wir drei Tage liegenbleiben, da unser Polizist erst Weisung holen mußte, was mit uns geschehen sollte.

Hinter Siezen kamen wir durch die ersten polnischen Stellungen und wurden hinter der Stadt auf einem Gutshof untergebracht, der völlig mit polnischem Militär belegt war. Hier war es ein junger polnischer Leutnant, der uns unter unzähligen Verwünschungen den Tod androhte. Am nächsten Morgen wurden wir bereits um 2 Uhr morgens zum ‘Weitermarsch geweckt. Die Wagen mit Krüppeln und Kindern blieben zurück. Später hörte ich, daß man diese erschossen hatte. Es war dies die ganze Familie Schmolke und noch ein Kriegsinvalide mit einem Bein. Bei Kanonendonner ging es nach einem Gewaltmarsch nach Babiak. Am Nachmittag ging es wieder weiter, nachdem wir jetzt in drei Gruppen eingeteilt worden waren und zu unserer Bewachung noch zahlreiche Soldaten hinzukamen. Auf einem Waldweg mußten wir den Soldaten alle Uhren und sonstigen Schmuckgegenstände, Geld und zum Teil sogar Eheringe abliefern. Als wir am Montag morgens wieder weitermarschierten, konnten einige von uns nicht mehr auf den Füßen stehen. Neben fünf Kranken, die unmöglich weitergehen konnten (unter diesen befand sich eine Lehrerin aus Posen) blieben drei Gesunde zu deren Schutz zurück. Später erfuhren wir, daß diese von der Bewachung einfach niedergeschossen und in viehischer Weise mit Steinen zu Tode geschlagen worden waren.

Nach tagelangem Hin- und Hermarschieren, die Front rückte immer näher an uns heran, wurden wir dann am

  1. September 1939 von deutschen Truppen befreit. Ober Breslau wurden wir durch die deutsche Wehrmacht wieder in die Heimat zurückbefördert.

Laut diktiert, genehmigt und unterschrieben gez. Lorenz Breitinger (P. Hilarius)«

Der katholische Pfarrer August Rauhut, geboren am 21. September 1888 in Dambitsch, Kreis Lissa, Seelsorger der deutschen Katholiken zu Gnesen, gab dort am 21. September 1939 über seine Erlebnisse in der polnischen Gefangenschaft über das Schicksal seiner Mitgefangenen zu Protokoll:

»Am Donnerstag, dem 14. September 1939, wurden auf dem Friedhof in Powitz durch Zivilpersonen, die die Stadt Gnesen entsandt hat, die frischen Gräber aufgegraben, und man fand sowohl Herrn Derwanz als auch Wiedemeyer tot auf. Wiedemeyers Leiche war besonders verstümmelt und zeigte ins-

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besondere blutende Wunden am Hals. Beide Herren sind von polnischem Militär umgebracht worden. Außer diesen beiden Herren sind noch sechs weitere Personen aus der Umgebung von Gnesen dicht bei ihren Höfen von bewaffneten Zivilpersonen bestialisch ermordet worden. Darunter befanden sich Kröpf und sein Schwiegersohn Brettschneider. Einem Ermordeten hatten sie… [die grausigen Verstümmlungen sind kaum wiederzugeben.]

Pfarrer Rauhut selbst wurde ständig mit dem Erschießen bedroht.

Der katholische Pater Odilo Gerhard, Seelsorger der Deutschen in Krakau, wurde am l. September von den Polen verhaftet und mit vielen seiner Gemeindemitglieder über Radom-Brestlitowsk bis in das berüchtigte Internierungslager Bereza-Kartuska verschleppt.

In der Zeitschrift der katholischen Mission für das Deutschtum im Ausland »Die Getreuen« schilderte er im Oktoberheft 1939 seine Erlebnisse, die auszugsweise wiedergegeben werden:

»Um 7.30 Uhr abends lief der Zug in Bereza-Kartuska ein, und nach heißem Marsch von 5 Kilometern langten wir gegen 8 Uhr im Internierungslager an. Gleich entfernte man unsere zehn Mann Bedeckung. Dann hieß es Spießrutenlaufen durch eine Gasse von 200 Polizisten, die mit Gummiknüppeln, Gewehrkolben und Holzlatten auf uns einschlugen, wobei sie 70jährige Greise nicht verschonten. Auf dem Übungsplatz wurden wir abgezählt und dann in einen geheizten Raum gebracht, wo jeder mit dem Gesicht nach unten auf dem Zementboden liegen mußte. Ich schickte mich gerade an, mich hinzulegen, da schlägt mich ein Polizist mit dem Gummiknüppel und zerrte mich hinaus zum Kommissar des Lagers. Der fragte mich aus und gab Befehl, mich zu den Ärzten auf die Isolierstelle 2 zu legen und mir eine bessere Behandlung zu geben. Bei den Ärzten fiel ich halbohnmächtig um und bat um Wasser.

Am 8. September sagten meine Leidensgefährten bei der ärztlichen Untersuchung auf dem Übungsplatz: “Man hat dich ja ganz schwarz geschlagen !” Bevor man mich ohne Ordenskleid, nur in Hemd und Hose, auf den Platz führte, verhörten mich fünf Kommandanten. Jeder sagte: “Wenn Sie römischkatholischer Geistlicher sind, sind Sie ein Pole.” Ich erwiderte: “Nein, ich bin ein Deutscher!” “Ja, ein deutscher Spion”, und schon bekam ich auf meine Verneinung einen Schlag mit dem Gummiknüppel. Auf dem Platz mußten wir in glühender Sonnenhitze und unerträglichen Staubwolken bis zum Abend stehen, ohne Essen und Trinken. Dann wurde uns bis auf das Geld und die notwendigste Wäsche alles abverlangt; selbst Rosenkranz, Medaillon, Brevier usw. mußten abgegeben werden, Rauchwaren, Rasierzeug, Nägelreiniger.

Dann begann der Drill. Man ließ uns Freiübungen machen mit Hinlegen, Hinsetzen, wobei ein Kommandant dauernd mit dem Gummiknüppel oder auch mit einem Holzscheit die Leute schlug, welche die Übungen nicht schnell genug ausführten. Um 8 Uhr abends wurden wir auf unseren Saal geführt:

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etwa 17 Meter lang, 7 Meter breit, 4 Meter hoch, mit 16 Pritschen, die übereinanderlegen. Eine Pritsche für neun Mann, wobei nur vier einigermaßen hätten liegen können. Da mit mir drei Männer von über 60 Jahren lagen, dabei ein Italiener, welcher an Lungenentzündung schwer erkrankt war, legte ich mich unter die Pritsche auf den Zementboden. Einen Eimer Wasser gab man für die 140 Personen und das erst am dritten Tag, wie wir Brot auch erst am fünften Tag bekamen. Vielleicht 30 Gramm pro Kopf, und dabei war es matschig, so daß ich nur die Krusten nahm, sie zwei Tage aufbewahrte und dann erst in kleinen Stückchen genoß. Heiße Wassersuppe mit wenigen Graupen gab es verschieden: einmal früh um 8 Uhr und spät um 7 Uhr; dann wieder nur einmal gegen 11 Uhr. Von früh 4 Uhr bis spät 8 Uhr befanden wir uns auf dem Übungsplatz. Die Ärzte rieten jedem, der schlappmachen würde, sich nicht ins Spital zu melden, weil er es kaum lebend verlassen würde, was sich bei vielen auch bewahrheitete.

So gingen die Tage dahin. Am Sonntag, dem 10. September, bat ich den Kommandanten um die Erlaubnis, gemeinsam im Saal ein Gebet sprechen zu dürfen. Die Antwort war eine Flut unflätiger Worte und Schläge mit dem Gummiknüppel. Dasselbe geschah, als ich bat, die Kranken und Sterbenden mit geistlichem Trost zu versehen.

In der Nacht vom Sonntag (17. September) zum Montag um 3 Uhr erfuhren wir, daß die Polizisten geflohen und wir frei seien. Bald standen wir auf dem Übungshof, wo ich viele deutsche Katholiken aus Krakau und der Provinz Posen, die ich seelsorgerisch betreut hatte, wiedersah. Leider fanden wir hinter dem Spital 7 deutsche gefangene Fliegeroffiziere und 16 Internierte, darunter jene, die in Dunkelhaft gesessen hatten, mit zerschmetterten Köpfen tot auf.«

Die Vertreibung begann schon 1939

Mit Ausbruch der deutsch-polnischen Feindseligkeiten trieben die Polen Zehntausende Volksdeutsche und alle Reichsdeutschen, die sich in Polen befanden, gegen Osten. Der Bauer Georg Drescher aus Czempin und der Arbeiter Fritz Kretschmer aus Alt-Boyen schilderten den Marsch, den sie erlebt hatten, folgendermaßen:

»Etwa 400 Mann, als Begleitung Polizei und Hilfspolizei, marschierte unsere Gruppe von Schrimm ab nach Schroda über Neu-Tomischl. In Schroda trafen wir abends ein und wurden für die Nacht in einer Turnhalle untergebracht. Auf dem Hof erhielten wir unsere ersten Schläge von polnischen Soldaten, auch Pastor Kienitz wurde hier zum erstenmal mißhandelt, und zwar von einem

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polnischen Fähnrich. Am nächsten Mittag marschierten wir  nach Peisern,  wo wir  im Laufe  des Abends eintrafen. Dort wurden wir in einer Halle, in welche 50 bis 60 Mann gut hineingegangen wären, untergebracht. Man kann sich vorstellen, wie wir, 3 bis 400 Personen hier herumlagen. Keiner durfte austreten und seine Notdurft verrichten; wir erhielten auch kein Wasser.«

In der Nacht wurden die Deutschen zu je zwei Mann mit Stricken aneinander gebunden, dann ging der Marsch weiter über Konin nach Turek. Auf diesem Marsch hatten die Deutschen die ersten Toten.

Der Arbeiter Kretschmer bezeugte unter Eid:

»Der alte Baron von Gersdorff war zurückgeblieben. Er phantasierte schon vor Erschöpfung. Als Soldaten auf ihn einstachen, um ihn zu schnellerem Gehen zu veranlassen, griff er nach dem Bajonett dieses Soldaten, um den Stich abzuwehren. Er wurde in den Graben gestoßen, und dann fiel ein Schuß. Herr v. Gersdorff sank tot zusammen.«

Drescher berichtete:

»Auf diesem Wege sprang einer meiner Kameraden in ein Wasserloch, um sich das Leben zu nehmen. Die Soldaten feuerten drei Schüsse auf ihn ab, worauf er in dem Loch liegenblieb. Im Walde wurden wir an dem Zaun eines Gehöftes aufgestellt, und ein polnischer Offizier erklärte, daß wir zum Tode verurteilt seien. Darauf lief einer meiner Kameraden fort und wurde mit drei Schüssen niedergestreckt. Es war Fritz Sonnenberg aus Czempin. Nunmehr wurden wir auf die Straße gestellt und sollten in einer Sandgrube erschossen werden. Mit hocherhobenen Händen mußten wir kilometerweit marschieren. Sofern wir in den Händen schwach wurden, erhielten wir Bajonettstiche und Kolbenschläge. Hinter mir hörte ich Schüsse fallen, woraus ich schließen muß- te, insbesondere aus den Schreien der Getroffenen, daß wieder einige Kameraden ihr Leben gelassen haben. Baumeister Bergmann erhielt furchtbare Kolbenstöße, der Gutsbesitzer Hoffmann-Waldau erhielt sieben Seitengewehrstiche. Ich selbst erhielt einen Seitengewehrstich in den rechten Arm. Schließlich wurden wir auf einen Kirchplatz geführt und mußten uns dort auf den Bauch mit vorgestreckten Händen legen. Wir warteten auf unseren Tod. Die Soldaten benutzten jedoch unsere Stellung dazu, uns bis zum letzten auszuplündern. Einige Kameraden mußten sogar die Stiefel ausziehen, so daß sie barfuß laufen mußten. Drauf wurden wir wieder in Marsch gesetzt und sollten auf einem deutschen Friedhof erschossen werden. Der Marsch ging über Ackerland, dabei verlor ein Kamerad die Ruhe und wollte davonlaufen. Einige ihm nachgesandte Schüsse machten seinem Leben ein Ende. … In eine andere Gruppe, die an uns vorbeizog, schössen die polnischen Soldaten mit Gewehren und Maschinengewehren hinein. Dieser Marsch war ein reiner Todesweg. Wahllos wurde von den Soldaten in unsere Reihen geschossen. Bei diesem Marsch blieb dann auch der Gutsbesitzer Hoffmann-Waldau.«

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Unter Eid bekundete der Zeuge Max Hofmann aus Schokken, Kreis Wongrowitz, folgendes:

» … Ich sah z. B. selbst, wie eine Frau aus der Bromberger Gruppe, die nicht mehr weiterkonnte und bereits geistesgestört war, von einem Wachmann mit dem Kolben totgeschlagen wurde. Auch den etwa 70 Jahre alten Kriegsinvaliden Ernst Kiok aus Jaroschau bei Wongrowitz, der bereits seit längerer Zeit nicht mehr laufen konnte und auf einem Wagen lag, zogen die Begleitmannschaften vom Wagen herunter, warfen ihn in einen Straßengraben und schlugen ihn dort mit dem Kolben tot. Auf unserem Wege nach Lowitsch lagen zahlreiche Leichen von internierten Volksdeutschen links und rechts der Straße und auch auf der Straße selbst, so daß wir fast über diese stolperten. Es war ein unglaublicher Leidensweg, der sich in Richtung Lowitsch bewegte. Auch das an unserem Zuge vorbeiziehende Militär beteiligte sich an den Mißhandlungen und dergleichen.«

Geschäftsführer Wilhelm Romann aus Wongrowitz bekundete unter Eid am 22. September 1939 von dem Marsch nach Kutno, wo die Deutschen in Gruppen zu je 1000 Mann eingeteilt wurden:

»Nach eineinhalb Tagen etwa ging es weiter in Richtung Wlociawek. Dort mußten wir den Zug verlassen, und unsere Gruppe von 52 Mann wurde dreimal durch die Stadt geführt, wobei wiederholt auf uns eingeschlagen wurde. Aubert wurde mit einer Luftpumpe das Nasenbein zertrümmert. Dem Pastor Rakette wurde von einem Zivilisten mit einem harten Gegenstand ins Gesicht geschlagen, so daß er blutüberströmt war. Wenn uns polnische Truppen begegneten, schlugen sie auf uns mit Spaten ein, in eine hinter uns gehende Gruppe haben sie mit Maschinengewehren geschossen.«

Tierarzt Dr. Schulz aus Lissa bezeugte:

»Am Nachmittag des l. September wurden die etwa 350 bis 400 festgenommenen Deutschen durch einen Feldwebelleutnant des polnischen  Heeres nach Storchnest gebracht. Unter uns befand sich der 82jährige Professor Bonin in Unterhose und Schlafrock, der 82jährige Schneidermeister Tiller sowie noch andere 70jährige Männer waren im Zuge. Auch Frauen befanden sich unter uns. Man hat sich nicht gescheut, auch kleine Kinder mitzuschleppen.«

Auch während dieses Zuges wurde eine Reihe Deutscher erschossen, unter anderem Gaumer und Weigt, wie weitere Kameraden.

Der Friseur Kurt Seehagel aus Rogasen schilderte, wie er mit zwei Dutzend Einwohnern von Rogasen festgenommen und mit einer Gruppe von etwa 700 Deutschen in Richtung Warschau getrieben wurde. Zwischen Kutno und Lowitsch begann ein polnischer Offizier, der einen Deutschen mit der Pistole niederschoß, mit dem Morden. Seehagel sagte wortwörtlich aus:

»Unterwegs zogen die Begleitmannschaften wahllos Kameraden von mir aus der Kolonne heraus und brachten sie auf die eine oder andere Weise um, ent-

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weder durch Kolbenschläge oder Schüsse. Mich selbst zogen sie zwischen Lowitsch und Warschau, d. h. unsere Begleitmannschaften, auch aus der Gruppe heraus (nachts), blieben mit mir zurück und wollten mich kaltmachen, das waren im ganzen drei Mann der Begleitmannschaften. Einer hielt mich am Arm fest, die beiden anderen schlugen mit Kolben auf mich ein. Es gelang mir, mich loszureißen und zu flüchten. Durch einen hinter mir hergesandten Schuß trug ich einen Schulterdurchschuß davon und stürzte hin. Daraufhin hörte ich noch rufen: Der hat genug. Es gelang mir jedoch, weiterzulaufen und mich so lange zu verstecken, bis ich deutsche Truppen sah. Als ich, mit frischem Hemd von diesen versehen, mich gewaschen hatte, sowie von deutschen Sanitätern verbunden wurde, zog ich mit anderen befreiten Volksdeutschen Kameraden ein Stück die Marschstraße entlang, die unsere Gruppe vorher gegangen war. Dabei konnte ich zahlreiche Leichen von Volksdeutschen Kameraden auf der Straße bemerken. Die meisten waren gräßlich verstümmelt, die Gesichter waren unkenntlich. Meines Erachtens sind sie mit Kolben totgeschlagen worden.«

Der Landwirt Dr. Albrecht Schubert aus Grüne bei Lissa bekundete unter Eid über seinen Marsch nach dem Osten:

»Die Volksdeutschen Zivilgefangenen bestanden aus Personen im Alter von 14 bis 76 Jahren, darunter auch Frauen. Den Anstrengungen des Marsches war kein Gefangener gewachsen, zumal der Marsch ohne jede Verpflegung und im wesentlichen ohne Unterkunft und in völlig unzureichender Bekleidung ausgeführt werden mußte. Die Leute waren meist nur mit Hemd und Hose bekleidet, teils nur in Holzpantoffeln, teils nur mit einem Schuh bekleidet, als sie verhaftet wurden. Man hatte ihnen nicht Zeit gelassen, sich vollständig anzuzie- hen. Im allgemeinen wurden Marschkranke, die nicht mehr weiter konnten, durch Erschlagen oder Erschießen beseitigt.«

Der Zeuge Willi Bombitzki aus Gräz bekundete unter Eid, daß der Deutsche Oskar Rothe aus Konkolewo erschossen wurde, weil er einen reichsdeutschen Paß hatte. Der polnische Oberleutnant erschoß mit eigener Hand Wilhelm Busch aus Neu-Tomischl und weitere Internierte. Auch der Güterdirektor Paul Wiesner aus Wollstein bekundete in Posadowo am 4. Oktober 1939, daß bei einem Transport ein Oberleutnant wahllos persönlich erschoß, unter anderem den Deutschen Pohlmann aus Skalowo. Der Zeuge Gerd v. Delhaes-Günther aus Kreuzfelde, Landwirt, bekundete ebenfalls unter Eid, daß ein polnischer Pionierleutnant in Schrimm 13 Deutsche erschießen ließ, von denen wegen der furchtbaren Verstümmelung nur neun identifiziert werden konnten. Es waren dies Hermann Raabe, Piechanris; Herbert Raabe, Piechanris; Vater Steinke, Peterkowalz; Sohn Steinke, Peterkowalz; Paul Steinke, Peterkowalz; Manthel, Piechanris; Wilhelm Nier, Peterkowalz; Kint, Peterkowalz; Adam, Peterkowalz.

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Der Bäckermeister Otto Kaliske aus Rakwitz bekundete unter Eid am 4. Oktober 1939, daß aus seiner Gruppe in Stenschewo der Deutsche Neumann aus Rakwitz erschlagen wurde und alle 80 Personen des Transportes schwer mißhandelt. In Fabianowo schoß die polnische Feldwache wahllos auf die sechs Wagen, wodurch der Deutsche Druse aus Tarnowo und Otto Werner erschossen wurden. Die meisten wurden verletzt. Wer nicht marschieren konnte, war des Todes. Kaliske berichtet wortwörtlich:

»Als wir von Babiak abmarschierten, konnten zwei Frauen und drei Männer nicht mehr weiter und blieben liegen; darunter befanden sich Herr v. Treskow im Alter von 65 Jahren sowie Fräulein Dr. Bodinik. Außerdem blieben bei diesen fünf zwei junge Männer zu deren Schutz zurück. Als wir ein kurzes Stück Wegs gegangen waren, hörten wir hinter uns Schüsse. Nach unserer Befreiung erhielten wir die Nachricht, daß alle sieben erschossen worden sind. In einem Dorf vor Babiak mußten wir die Familie Schmolke, es waren dies der Invalide ohne Beine, seine 15jährige Tochter und sein 1½jähriges Kind zurücklassen, und einen weiteren Invaliden mit einem Bein mit Namen Jentsch. Von diesen hörten wir ebenfalls, daß sie dort erschossen worden sind.«

Deutsche auf dem Todesmarsch

Pastor Leszczynski aus Kosten, der den Verschlepptenzug bis Turek-Tarnowa mitmachte, schildert den Tod der 100 Deutschen auf den Feldern bei Tarnowa im »Ostdeutschen Beobachter« Nr. 259 vom 9. November 1939. Die dort erschossenen und ausgeraubten Deutschen wurden in zwei Massengräbern von 30 und 70 grauenhaft verstümmelten Leichen am 14. Oktober 1939 aufgefunden:

»Es war der l. September. Wagenkolonnen mit Flüchtlingen durchführen die Stadt Kosten. Sie wurden durch fliehende Post- und Bahnbeamtenfamilien sehr behindert, die mit Akten zum Bahnhof eilten. In den Mittagsstunden drang eine angetrunkene Horde junger Polen in mein Haus und zerrte mich auf die Straße. Unter Gejohle und Geschrei wurde ich nach dem Polizeigefängnis gebracht. In einer Zelle traf ich Tischlermeister Böhm und Sattlermeister Schön. Am Nachmittag wurden die verhafteten Deutschen in das Haus des “Sokol” geführt, wo die Namen festgestellt wurden. Neben den aus Kosten stammenden Schön, Wegener, Buchholz (Vater und Sohn), Böhm und mir waren es hauptsächlich Schmiegeier Einwohner: Mieke, Halliand, Zugehör und Sohn u. a. Am Abend wurden wir in das Gerichtsgefängnis gebracht, wo etwas später neue Inhaftierte eingeliefert wurden, die man unter Kolbenstößen in die Zellen trieb.

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Am 2. September traten wir, etwa 300 Mann, unter Führung der Wachtmeister Wawrzyniak und Schwarz den Weg über Kawczyn nach Czempin an. Dort wurden wir von einer aufgewühlten Menschenmenge mit den übelsten Schimpfworten bedacht. Gleichzeitig setzte die Verfolgung der Czempiner Deutschen ein. Viele von ihnen, darunter auch Pastor Kienitz, wurden in unsere Gruppe eingereiht. Dann ging es weiter nach Schrimm. In Schrimm wurden wir zum erstenmal mißhandelt. Der Marsch durch die Straßen glich einem Spießrutenlaufen. Mit Kolben und Stößen wurde unbarmherzig auf uns eingeschlagen. Ich selbst erhielt mehrere Fußtritte in den Oberschenkel und ins Kreuz. Wir erhielten erst Ruhe, als man uns auf den Klosterhof gesperrt hatte.

Am nächsten Tage ging es weiter nach Schroda, wo wir in den Abendstunden eintrafen. Auch hier wurden wir durch Schläge und Steinwürfe mißhandelt. In einem Fabrikhof mußten wir uns auf den Steinen niederlassen.

Der Führer des Militärkommandos, dem wir jetzt übergeben wurden, vergriff sich in der grausamsten Weise an uns. Besonders mißhandelte er Pastor Kienitz, Mieke und mich.

Wir setzten den Marsch am 3. September fort. Während einer Rast stießen Volksdeutsche aus Schroda zu uns. Darunter Baumeister Gewiese. In Miloslaw wurden wir von der aufgeregten Menge durch Stockschläge und Steinwürfe mißhandelt. Viele von uns bluteten aus zahlreichen Wunden. Gegen Abend erreichten wir Pyzdry, wo wir im Spritzenhaus untergebracht wurden. Schon den dritten Tag erhielten wir nichts zu trinken. In den frühen Morgenstunden des nächsten Tages wurden je zwei der Jüngeren von uns aneinandergebunden, worauf man je sechs solcher Paare zusammenkettete. Der Aufbruch erfolgte gegen 7 Uhr. Erst am Nachmittag erhielten wir etwas Wasser, Während einer Rast fiel ein Schuß, und ich erfuhr, daß Herr v. Gersdorff erschossen worden sei. Über Drosina heraus ging es weiter der polnischen Front entgegen. Im Abenddämmern konnten wir das Mündungsfeuer der Geschütze sehen. Alle Deutschen meiner Gruppe hatten wunde Füße, und nur mühselig schleppten sie sich fort. In Tulischkow stürzten Soldaten aus ihren Quartieren; sie schlugen auf uns ein und gaben auch Schüsse ab. Auf dem Marktplatz, wo wir uns auf dem Pflaster niederhocken mußten, wurden Maschinengewehre aufgestellt. Man bedeutete uns, daß wir erschossen werden würden. Ein Stabsarzt setzte sich für uns ein, der einem Major erklärte, daß eine solche Metzelei eine Kulturschande sei. Die Hinrichtung wurde daraufhin nicht vorgenommen.

In der Nacht ging es weiter. Als wir bei einem Gehöft Wasser tranken, entfernte sich der Haupttrupp von uns. 50 Mann blieben zurück, die es nicht wagten, dem Haupttrupp nachzuziehen. Wir verbrachten die Nacht in einem kleinen Wäldchen. Am Morgen entfernten sich einzelne, darunter auch Dr. Bambauer. Als wir sahen, daß sie am Eingang zu einer Ortschaft von einem Posten festgenommen wurden, flüchteten wir in nahegelegene waldbestandene

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Hügel. Ich konnte mit den anderen nicht Schritt halten und blieb schließlich allein zurück. Von einem Wacholdergebüsch aus, in dem ich mich versteckte, hörte ich eine Reihe von Schüssen. Ohne Zweifel waren eingefangene Volksdeutsche niedergeschossen worden. Der Wald wurde von Militär umstellt. Drei Tage blieb ich ohne Wasser und Nahrungsmittel liegen. Gegen die Kälte der Nacht schützte ich mich, indem ich mit den Händen ein Schlupfloch grub. Nachdem das Militär in der Nacht zum 8. September abgerückt war, wagte ich mich hervor. Ein älterer Bauer nahm sich meiner an und brachte mich nach Tulischkow, wo ich ins Gefängnis gebracht wurde. Bald darauf wurden zehn weitere Volksdeutsche eingeliefert, die zu unserem zurückgebliebenen Trupp von 50 Mann gehörten. Die Behandlung war hier menschlicher. Am 16. September marschierten wir, nachdem sämtliche polnischen Behörden abgezogen waren, nach Konin, wo wir auf deutsches Militär stießen.

Über das Schicksal des Haupttrupps, von dem sich die 50 Mann abgesondert hatten, brachten Nachforschungen folgende Einzelheiten an den Tag. Die Deutschen waren nach Turek weitergetrieben worden. In dem Dorf Tarnowa wurden etwa 150 Mann von der Hauptstraße auf einen Seitenweg geführt, wo man ihnen befahl, geschlossen über das freie Feld die Anhöhe zu erklimmen. Vorher hatten die Polen auf der Anhöhe zwei Maschinengewehre in Stellung gebracht und auf der gegenüberliegenden Seite Soldaten teils im Gelände, teils in einzelnen Gehöften und Gärten postiert. Als die gehetzten Deutschen sich der Spitze der Anhöhe näherten, wurde das Feuer aus den Maschinengewehren auf sie eröffnet. Massenweise stürzten Deutsche tot zu Boden, die übrigen warfen sich hin. Die Maschinengewehre feuerten mehrere Minuten hindurch. Während einer Feuerpause, in der wahrscheinlich neue Patronengurte eingesetzt wurden, sprangen die Überlebenden, und zwar etwa 75 Mann, auf und rannten über die Anhöhe hinweg durch eine Schlucht auf einen etwa 500 Meter entfernt liegenden Wald zu. Gegen Maschinengewehrfeuer waren sie durch die Bodenhöhe geschützt, dagegen traten jetzt die in der linken Flanke aufgestellten Soldaten in Tätigkeit. Ein wahres Kesselschießen setzte auf die um ihr Leben rennenden Deutschen ein. Die meisten von ihnen wurden erschossen, nur wenige erreichten den Wald. Gleich darauf verließ das Soldatengesindel die Verstecke. Die in Gruppen oder einzeln daliegenden toten oder schwerverwundeten Deutschen wurden mit Kolben und Bajonetten bearbeitet. Dann wurden die Leichen ausgeraubt  und  oberflächlich  verscharrt.  Fünf  Tage  später  wurden  die  toten  Deutschen  auf  Geheiß  der polnischen Zivilverwaltung von überlebenden Deutschen aus Tarnowa am Friedhofszaun in Tarnowa in zwei Massengräbern von 30 und 70 Leichen beerdigt. Es handelt sich um Massengräber, über die das Posener Tageblatt am 17. Oktober berichtete.

Die deutschen Frauen in Tarnowa erzählen, daß der größte Teil der deutschen männlichen Bevölkerung von Tarnowa bestialisch zu Tode gemartert

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wurde. Einem Deutschen wurden die Augen ausgestochen. Er wurde dann bis zum nächsten Dorf getrieben, wo er erschlagen wurde.«

So sah es in polnischen KZ aus

Im »Posener Tageblatt« vom 27. Oktober 1939 erschien ein Erlebnisbericht des Direktors des Schicht-Konzerns Kopiera aus Warschau, der die Hölle des polnischen Konzentrationslagers in Bereza-Kartuska erlebt hatte:

»In dem polnischen Internierungslager Bereza-Kartuska waren 5786 Personen, darunter 3500 Deutsche und 1600 Ukrainer, inhaftiert, als sie in der Nacht vom 17. zum 18. September befreit wurden. Die Folterqualen, die die Inhaftierten in der Hölle von Bereza-Kartuska erdulden mußten, sind ein furchtbares Anklagematerial gegen die ehemalige polnische Regierung, nach deren Weisungen die Verschleppung und Mißhandlung der Reichs- und Volksdeutschen erfolgt sind. Über die Leiden der nach Bereza-Kartuska verschleppten Deutschen wird u. a. berichtet:

Die “mildeste Art der Mißhandlungen war das tägliche Spießrutenlaufen unter den Gummiknüppeln der Polizisten. Schauriger waren die täglichen Prügel, die die als “Instruktoren” eingesetzten und lediglich für diesen Zweck freigelassenen polnischen Schwerverbrecher mit Zaunlatten und Keulen gegen die Deutschen austeilten. Auch deutsche und ukrainische Frauen wurden diesen Mißhandlungen unterzogen. Wer die Roheiten nicht mehr ertragen konnte und zusammenbrach, wurde “brach geschlagene d. h. entsetzlich mit Knüppeln über den Nieren traktiert. Was man als “Widerstand” auslegte, war zumeist letzte Abwehrbewegung vor dem körperlichen Zusammenbruch und wurde zum Vorwand für die Erschießung genommen. 158 Deutsche wurden auf diese Weise in Bereza-Kartuska umgelegt! Methodische und unnötige Grausamkeit der Behandlung der inhaftierten Deutschen und Ukrainer waren an der Tagesordnung. Die Deutschen an die Wand zu stellen, Gewehre zu  laden  und  auf  sie  anlegen  zu lassen oder  sie  vor  Maschinengewehre hinzujagen,  einige zu erschießen, die anderen aber in der Vorstellung der Todesqualen martern zu lassen, auf den wehrlosen Opfern dieser sadistischen Rache der Minderwertigen mit Stiefeln herumzutrampeln und die Mißhandlungen von Tag zu Tag zu steigern, bis der Gequälte “reif” zum Abschuß war, diese polnische Roheit wurde im Internie- rungslager Bereza-Kartuska in unvorstellbarer Weise in Anwendung gebracht.«

Kriegsverbrechen an deutschen Soldaten

Aber nicht nur deutsche Zivilisten waren die Opfer dieser polnischen Grausamkeiten, sondern auch deutsche Soldaten, die vorübergehend in polnische Gefangenschaft fielen.

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Der Färbermeister Wilhelm Karl Petrak aus Lodz, der am 3. September zwangsmobilisiert wurde und zum 4. Schweren Artillerie-Regiment der polnischen Armee überstellt worden war, erlebte als Angehöriger der polnischen Armee, wie auf Befehl des polnischen Oberleutnants am 6. September bei Glowno zwei deutsche Lehrer mit Schmiedehämmern totgeschlagen wurden.

W. K. Petrak gab als Zeuge vor der Untersuchungsstelle für Verletzungen des Völkerrechts beim OKW vor dem Kriegsgerichtsrat Zirner unter anderem an:

»Ende September, ich glaube, es war der 23., fanden wir zwischen Chelm und Rejowiec an einem Feldweg die Leichen von sechs deutschen Soldaten. Sie waren grausig zugerichtet. Der Mund war bei jedem einzelnen Soldaten ganz fest mit Tabak ausgestopft, so daß die Zähne ganz weit auseinanderstanden. Der Tabak war anscheinend mit einem Stück Holz hineingestopft worden. Wir haben den Tabak nur mit Mühe herausholen können. In die Nase waren den Soldaten, und zwar in jedes Nasenloch, Gewehrgeschosse mit Hülse hineinge- stopft worden. Die Leichen waren auch vollständig beraubt. Ich habe kein Erkennungsmerkmal gefunden. Wir haben die Leichen dann beerdigt.«

Vor der Untersuchungsstelle für Völkerrechtsverletzungen beim Oberkommando der Wehrmacht erschien am

  1. September 1939 vor Regierungsrat Schölz und Regierungsoberinspektor Franz der Unteroffizier Schloerb und machte folgende Aussage, die er beeidete:

»Ich heiße Helmut Schloerb, bin am 14. Januar 1917 in Berlin-Friedrichsfelde geboren, evgl. Ledig, Unteroffizier beim Musikkorps des Panzer-Regiments 15 Sagan. Ich bin Musiker. Am 16. April 1936 trat ich ins Heer ein. Seit Oktober 1937 gehöre ich dem Panzer-Regiment 15 an.

Am Sonnabend, dem 9. September, wurde unser Musikkorps von der Front, ich glaube von Annahäuser aus, nach Hause geschickt, weil unser Omnibus zu schwerfällig war und die Truppe behinderte. Als wir etwa l/2 Stunde gefahren waren, kamen wir in das Dorf Stopnica. Plötzlich sahen wir Polen. Als wir erkannten, daß es polnische Soldaten waren, waren wir schon dicht dran. Der Fahrer versuchte daher durchzufahren. Dabei fuhr er gegen eine Hauswand. Er fuhr sofort zurück und noch ein kurzes Stück vorwärts, dann blieb der Wagen stehen. Im gleichen Augenblick setzte Gewehr- und Maschinengewehrfeuer ein. In das Hinterteil des Wagens schlug eine Granate ein, die wohl ein Kaliber von 4,7 cm hatte. Wir erwiderten das Feuer mit unseren Pistolen. Ich verschoß ein Magazin. Dann holten uns die Polen aus dem Wagen. Wir wurden in ein Haus geführt, wo man uns sämtliche Gegenstände, die wir bei uns hatten, abnahm. Ich büßte dabei einen Fotoapparat im Wert von 60.- RM, eine Armbanduhr und einen Füllfederhalter ein. Gleich bei dieser Gelegenheit sagte ich einem polnischen Feldwebel, daß ich Hilfskrankenträger sei. Darauf wollte man mich mit dem Gewehrkolben schlagen.

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Anschließend wurden wir zu einem Friedhof geführt. Don wurden wir zu zweien aufgestellt. Dann zählte man 8 Mann ab, die erschossen werden sollten, wie man uns durch Zeichen zu erkennen gab. Ein alter polnischer Soldat sagte uns auch, daß wir erschossen würden. Er fügte hinzu, er selbst wolle es nicht, aber die meisten seiner Kameraden seien von der Grenze und hätten eine große Wut auf die Deutschen. Plötzlich schlug in der Nähe eine Granate ein. Daraufhin wurden wir aus dem Ort getrieben und mußten eine ganze Zelt marschieren. Einen Kameraden, der einen schmerzhaften Beinschuß hatte, mußten wir abwechselnd tragen. Gegen 20 Uhr machten die Polen halt. Sie führten uns rechts durch den Graben und stellten uns auf einer Wiese in 2 Gliedern auf. Die ganze Eskorte in Stärke von 70 bis 80 Mann stand zunächst um uns herum. Dann wurde hinten etwas auf polnisch gerufen, und die polnischen Soldaten gingen einzeln hinter unsere Rücken. Ich hatte sofort das Gefühl, daß wir erschossen werden sollten. Plötzlich setzte das Feuer auch schon ein. Ich warf mich sofort hin. Die Polen schössen etwa 10 Minuten aus Gewehren und Maschinengewehren, Danach hörte ich nur noch einzelne Schüsse. Einige Kameraden schrien: “Laßt uns doch leben !” Da wußte ich, daß die noch Lebenden einen Fangschuß bekamen. Die Polen kamen auf mich zu und stachen mich mit dem Seitengewehr 3mal in den Oberschenkel. Ich habe keinen Laut von mir gegeben, um mich nicht zu verraten.

Darnach war etwa eine Viertelstunde Ruhe. Die Polen besprachen etwas miteinander. Ich richtete mich vorsichtig auf, um zu sehen, wie es um mich herum aussähe. Da sah ich wohl 20 bis 30 Kameraden tot liegen. Ich merkte dann, daß die Toten in eine Scheune geschleppt wurden. Auch ich wurde von 2 Mann hochgehoben und dorthin gebracht. Die Polen legten eine Lage Stroh auf mich und auf das Stroh zwei tote Kameraden. Was dann geschah, weiß ich nicht mehr. Als ich wieder zum Bewußtsein kam, brannte es um mich herum. Die Flammen waren schon in meiner Nähe. Ich zog die Beine an und stieß die beiden Toten ins Freie. Als sie draußen hinfielen, setzte Maschinengewehrfeuer ein. Ich selbst lief durch das Maschinengewehrfeuer durch bis zu einem Kartoffelacker. Dort wälzte ich mich hin und her und erstickte die Flammen, die schon meine ganze Uniform erfaßt hatten.

Ich bin dann etwa 500 m weit teils gekrochen, teils gelaufen, bis ich zu einem Graben kam. In diesem habe ich mich bis gegen 4-V2 5 Uhr morgens aufgehalten. Als ich in der Morgendämmerung niemand sah, bin ich nach Westen gelaufen. Unterwegs traf ich den Gefreiten Gawron, der unverletzt entkommen ist. Mit ihm bin ich weitergewandert. Gegen 9 Uhr stießen wir auf eine deutsche Infanterie-Kolonne, die uns zu einer Sanitätsstaffel mitnahm. Von dort kam ich nach Krakau.«

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Verbrechen am Deutschen Volk – Erich Kern 1964

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Polnische Greueltaten:

By Joachim Nolywaika

1. Unfaßbare polnische Greueltaten

Mitte August 1939 begannen in Polen die vorbeugenden Verhaftungen deutscher Menschen. Am 24. August wurden acht Volksdeutsche, die verhaftet worden waren, „auf dem Transport erschossen!” (Jong, L. D.: „Die Deutsche 5. Kolonne im 2. Weltkrieg”.) Das deutsche Weißbuch Nummer zwei stellt die polnischen Übergriffe dieser Zeit fest und notiert exakt die Ergebnisse der deutschen Proteste und Gegenmaßnahmen.

Im Dokument Nr. 396 heißt es lapidar: „Immer wieder stellt sich heraus, daß die Behörden selber die Träger der Liquidationsprozesse sind.”

Die blutigen Ausschreitungen der halboffiziellen polnischen Patriotenverbände, denen 5 000 Deutsche zum Opfer fielen, wurden von Warschau aus nicht eingedämmt.

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Breslauer Rathaus

„Im Verlauf der allgemeinen Diskussion wurden die geographischen Karten nicht konsultiert, so daß der Unterschied zwischen der westlichen Neiße und der östlichen Neiße nicht so bewußt wurde, wie es nötig gewesen wäre.” Eine vornehme Umschreibung dafür, daß zumindest Churchill und Roosevelt, während sie das Schicksal von Millionen Menschen in ihrer Hand hatten, von dem Objekt ihrer Willkür, Ostdeutschland, keine Ahnung hatten.

Der „Übergang” von deutschen Gebieten an Polen, einer Fläche von einem Staat an den anderen, wäre tatsächlich so unbedeutend, wie heute oft behauptet, wenn damit nicht die Glaubwürdigkeit allen Rechts, das Selbstbestimmungsrecht und das Recht auf Heimat in Frage stünden. Wenn nicht eine viele Jahrhunderte währende Geschichte und Kultur der Vernichtung preisgegeben werden sollte.

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Und wenn vor allem nicht das Schicksal von Hunderten Millionen Menschen, ihr Leben, ihre Heimat, ihre Familie, ihr Besitz betroffen wären, in Ostdeutschland und all den Brennpunkten dieser Erde, wo das Beispiel der Vertreibung der Deutschen Schule machte oder zu machen droht. Treffender könnte die jugoslawische Katastrophe der letzten Jahre nicht begründet werden als mit diesen Worten. Können die Nutznießer, Verzichtspolitiker und Verantwortlichen dieser Geschehnisse überhaupt noch ruhig schlafen? Das Schicksal Ostdeutschlands und seiner Menschen in den Jahren von 1944 bis heute hat dennoch in der Diskussion um die Oder-Neiße-Linie nicht die Beachtung gefunden, die es verdient hätte.

In der Tat übertrifft diese Grenze alle anderen weit an Bedeutung. Es ist in der europäischen Geschichte noch nie eine Gebietsabtretung in Verbindung mit der Austreibung der ansässigen Bevölkerung in den Dimensionen geschehen, wie 1945/48 in bezug auf die deutschen Gebiete. Und es ist noch nie so oft und so intensiv versucht worden, eine Grenze gegen alles Recht zu einer endgültigen Grenze zu machen wie bei der Oder-Neiße-Linie.

Während des Krieges waren die Siegermächte bemüht, ihre Pläne, fast ganz Ostdeutschland zu Polen zu schlagen, Königsberg an die Sowjetunion, vor dem deutschen Volk zu verheimlichen. Sie hatten, wie Churchill am 14. Oktober 1944 zu Mikolaijczyk sagte, Angst davor, daß „die deutsche Wut entfesselt würde”, wenn bekannt würde „was wir den Deutschen im Osten nehmen wollen”. Diese Befürchtungen waren damals bestimmt berechtigt und offenbaren gleichzeitig das schlechte Gewissen, das zumindest Churchill und Roosevelt bei diesem geplanten Verbrechen gegen das deutsche Volk hatten.

Etwa zwei Drittel der ostdeutschen Bevölkerung versuchte sich durch Flucht vor der Roten Armee in Sicherheit zu bringen. Nicht allen gelang es, und viele verloren ihr Leben durch Feindeinwirkung, sie wurden einfach überrollt, durch Hunger und Kälte und die unsäglichen Strapazen. Es waren vor allem Frauen, Kinder und alte Leute, die voller Ängste westwärts strömten. Die Ehemänner und erwachsenen Söhne waren Soldaten und versuchten mit letzter Kraft das Ungeheuerliche abzuwehren. Ihnen gebührt Dank und Anerkennung für die

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letzten Wochen des Widerstandes und der Verteidigung gegen einen brutalen und übermächtigen Feind.

Durch ihren Einsatz verdanken Abertausende von Flüchtlingen ihr Leben und Westdeutschland und das westliche Europa die Überflutung durch den Bolschewismus.

Besonders tragisch war es für die Menschen in Ostpreußen. Nachdem ein Entkommen auf dem Landweg nicht mehr möglich war, versuchten sie es über das zugefrorene Haff, wobei das Eis oft brach und die Unglücklichen in den eisigen Fluten ertranken. Wie groß muß doch die Angst der Menschen vor den Schandtaten der Sowjets gewesen sein, daß sie diesen, für uns heute kaum vorstellbaren, ungeheuer gefährlichen Weg über das Haff wählten, um nicht der Roten Armee in die Hände zu fallen?

Dokumentiert ist auch die Versenkung von Flüchtlingsschiffen durch britische und russische Einheiten, die nach überwiegender Meinung völkerrechtswidrig war. Der Untergang der „Goya” und der Untergang der „Wilhelm Gustloff’ sind bis heute die beiden größten Katastrophen der Schiffahrtsgeschichte geblieben. Von zehn- bis Zwölftausend Flüchtlingen auf beiden Schiffen konnten nur einhundertdreiundachtzig gerettet werden. Zum Vergleich: Beim Untergang der „Titanic” starben eintausendfünfhundertdrei-zehn Menschen.

Daß es zur Rückkehr von nahezu 1,3 Millionen Ostdeutschen nach Abschluß der Kampfhandlungen von westlich der Oder in ihre Heimatorte kam, ist der augenfälligste Ausdruck des Festhaltens der Geflohenen an ihrer Heimat. Denn auch in Mittel- und Westdeutschland war das furchtbare Vorgehen der Sowjettruppen, vor allem aber auch der polnischen Miliz, bekanntgeworden. Die Zahl der Zurückkehrenden wäre weitaus größer gewesen, wenn nicht die Aufteilung Deutschlands in Besatzungszonen und der völlige Zusammenbruch des Verkehrs, den Weg in die Heimat unermeßlich erschwert hätten.

In Ermangelung jeglicher Transportmittel waren die Rückkehrer gezwungen, zu versuchen, ihre Heimatorte in anstrengenden Fußmärschen zu erreichen, die bei vielen über ihre Kräfte gingen. Sie starben namenlos irgendwo am Straßenrand.

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So konnten im wesentlichen nur die Flüchtlinge in den sowjetisch besetzten Gebieten Mitteldeutschlands und Böhmen zurückkehren, bevor ab Ende Mai polnische Verwaltungsbehörden und Militärkommandos die Oder-Neiße-Linie für Rückkehrer sperrten. Die Rückkehr der 1,3 Millionen und der vergebliche Rückkehrversuch weiterer Hunderttausender, deren Strapazen und Gefahren die der vorangegangenen Flucht oft noch weit übertrafen, zeugen vom Mut und zugleich von der Tragik der ostdeutschen Bevölkerung. Die fast 5,7 Millionen Deutschen, die den Einzug der Roten Armee und ihrer polnischen Hilfstruppen östlich der Oder-Neiße erlebten oder nach Abschluß der Kampfhandlungen erfolgreich dorthin zurückkehrten, hatten das bei weitem schwerere Los gezogen. Auch sie verloren schließlich, falls sie mit dem Leben davonkamen, ihre Heimat und Hab und Gut, und mußten sich noch einmal und diesmal endgültig, auf den Weg machen. Doch bevor sie vertrieben wurden, hatten sie monate- und oft auch jahrelang im Zustand völliger verordneter Rechtlosigkeit zu leben und zu leiden. Von Anfang an war in den deutschen Ostgebieten fast überall die polnische Bürgermiliz vertreten. Sie setzte sich aus Polen zusammen, die meist im Gefolge der Roten Armee nach Ostdeutschland gekommen waren oder aber sich bei Kriegsende bereits dort befunden hatten. So wie dem Löwen die Hyänen folgen, so folgte der Roten Armee bald ein zusammengewürfelter Haufen polnischer Partisanen und Plünderer, frischgebackener Miliz und Marodeure.

Die Miliz bestand – milde ausgedrückt – in aller Regel aus fragwürdigen Elementen, herrschte als „Organ der öffentlichen Sicherheit” grausam und willkürlich, plünderte und quälte fast ausnahmslos unschuldige Deutsche, von denen viele an den Folgen starben. Diese polnische Miliz gewann nach und nach gegenüber den Sowjettruppen an Macht und war der Schrecken der sich noch im Land befindlichen deutschen Bevölkerung.

Diese Politik der Polnischen Provisorischen Regierung, der Erlaß polnischer Gesetze und die Einsetzung polnischer Verwaltungsbehörden sowie die Ansiedlung von Polen bereits im Februar, März und April, veranlaßten die amerikanische Regierung zu scharfen Beschwerden am 8. April und am 8. Mai 1945 an die Adresse Moskaus, daß diese

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Verstöße gegen die Beschlüsse von Jalta offenkundig duldete. Ein Erfolg der Proteste blieb aus.

Nach der Übernahme der Verwaltung von deutschen Orten und Gebieten durch die Polen, begann eine erneute Verhaftungswelle, die weit schlimmer war, als die vorhergehende unter sowjetischer Herrschaft. Die geringste Denunziation durch zivile Polen, Angehörige der polnischen Miliz oder des staatlichen Sicherheitsdienstes (ÜB) genügte, um verhaftet, schwer gefoltert und bestraft, ja sogar getötet zu werden.

Die schlimmsten Formen nahmen diese Verhaftungs- und Willkürmaßnahmen in Oberschlesien an. Tausende von Deutschen wurden in den polnischen Teil der Wojewodschaft Kattowitz verschleppt, wo sie in Konzentrationslager gesperrt wurden. Dort war jahrelang härteste Zwangsarbeit, schwere Mißhandlungen, Hunger und Krankheit ihr Los. Oft wurde die gesamte Bevölkerung ganzer Dörfer kollektiv in diese KZs eingeliefert. Zu den bekanntesten polnischen KZs in Oberschlesien gehörten das in Lambsdorf und in Grottkau. Weit über die Hälfte der dort Inhaftierten kam ums Leben. In Lambsdorf waren es sechstausendvierhundertachtundachtzig von achttausendvierundsechzig Gefangenen.

Von vornherein ist das Bestreben erkennbar, in ganz Ostdeutschland möglichst „schnell vollendete Tatsachen” zu schaffen (eine bewährte Methode polnischer Politik). In dieser Absicht hatte die Polnische Provisorische Regierung auch bereits am 2. März 1945 das Dekret „über aufgegebene und verlassene Vermögen” erlassen, in dem sämtliche Vermögen des Deutschen Reiches und deutscher Staatsangehöriger grundsätzlich zu „aufgegebenen Vermögen” erklärt wurden, die an den polnischen Staat übergehen.

Man muß sich einmal vor Augen halten, was diese wenigen Sätze bedeuten: Es war nicht nur das Land von einhundertvierzehntausend Quadratkilometern, ein Viertel von Deutschland, mit seinen blühenden Fluren und Wäldern, seinen beispielhaften Verkehrswegen, Industrien und Bodenschätzen! Es war vor allem die Leistung seiner Bewohner, die in Jahrtausenden durch ihren Fleiß und ihre Tüchtigkeit Städte, Dörfer und eine Kultur geschaffen hatten, die seinesgleichen sucht. Schlesien z. B. bezeichnete man als das „Land der

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Dichter und Denker”, nach Liliencron waren es 666, 20 Prozent der deutschen Nobelpreisträger der Vorkriegszeit kamen aus Schlesien, dem Land, das Friedrich der Große als die „schönste Perle” in seiner Krone bezeichnete.

16,5 Millionen Bewohner der gesamten deutschen Ostgebiete hatten nach der Vertreibung ein Vermögen hinterlassen, das sich der polnische Staat wie im tiefsten Mittelalter, per „Dekret” aneignete. Es war nicht die Leistung von Generationen in einer „über 700jährigen deutschen Geschichte” dieser Gebiete, wie es immer heißt. Nein, diese „deutsche Geschichte” war viel, viel älter, wie wir noch hören werden.

Die erste zentral gelenkte Austreibungswelle erfolgte schon im Juli 1945, kurz nachdem Polen die Oder-Neiße-Linie den Rückkehrern versperrt hatte. Bei dieser Aktion wurden innerhalb von zwei Wochen dreihunderttausend Deutsche rücksichtslos über die Demarkationslinie nach Westen getrieben. Diese Vertriebenen waren fast sämtlich unmittelbar in den westlichen Randgebieten des von Polen begehrten deutschen Territoriums beheimatet, also in Ostpommern, Ostbrandenburg und Niederschlesien. Um die polnische Herrschaft in diesen Gebieten noch vor der Potsdamer Konferenz der drei Hauptsiegermächte zu verfestigen und gerade hier vollendete Tatsachen zu schaffen, mußte dort zuerst gehandelt werden.

Keine der späteren Massenaustreibungen aus Ostdeutschland war so brutal und so unmenschlich wie jene erste im Juli 1945, die sich unter den entehrendsten und demütigendsten Bedingungen vollzog. Völlig unvorbereitet wurde die deutsche Bevölkerung von der Miliz aus ihren Häusern und Wohnungen gejagt, gesammelt und auf das nächste Polizeirevier oder gleich zum Bahnhof gebracht. Im Morgengrauen hatten die Milizeinheiten die Dörfer umstellt, die Menschen binnen fünfzehn Minuten aus den Betten geholt und sie gezwungen, oft nur notdürftig bekleidet, ihre Wohnungen zu verlassen. Nur wenige konnten etwas Handgepäck mitnehmen, das sie vorsorglich bereitgestellt hatten. Doch fast immer wurde es ihnen schon auf dem Weg zum Sammelplatz entrissen oder auf dem Bahntransport von Polen oder sowjetischen Soldaten gestohlen, die unterwegs die Züge stürmten und die Insassen ausplünderten. So hastig sie zusam-

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mengetrieben wurden, so lange mußten sie oft auf die Abreise warten, denn auch sie benötigten einen Ausreiseschein. Um ihn zu erhalten, mußten sie eine Erklärung unterschreiben, die besagte, daß sie ihren Wohnsitz freiwillig verlassen, keinerlei Ansprüche an den polnischen Staat stellen und nie wieder zurückkehren werden. Wie Vieh wurden sie dann in Güterwagen gepfercht und mußten ohne Verpflegung und ohne ärztliche Fürsorge die oft tagelange Fahrt antreten. Hinter ihnen vernichteten die polnischen Behörden die Kirchenbücher und standesamtlichen Urkunden, um den deutschen Charakter dieses Gebiets endgültig auszulöschen. Vor allem alte Leute und kleine Kinder waren oft den Strapazen nicht gewachsen, verstarben auf der Fahrt und wurden bei Haltepausen neben den Bahngleisen bestattet.

 

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Wo die Entfernung zur Oder-Neiße nicht zu weit war oder wo keine Eisenbahnzüge zur Verfügung standen, wurden die Menschen auch in tagelangen Fußmärschen aus ihrer Heimat getrieben, wobei sehr viele ihr Leben verloren.

In der Berliner Erklärung der Siegermächte vom 5. Juni 1945 hatten die jeweiligen Regierungen erklärt, Deutschland wird innerhalb seiner Grenzen, wie sie am 31. Dezember 1937 bestanden, für Besatzungszwecke in vier Zonen aufgeteilt und folgenden Mächten zugeteilt: Eine östliche Zone der UdSSR, eine nordwestliche dem Vereinigten Königreich, eine südwestliche den USA und eine westliche Zone Frankreich. Demzufolge unterschieden sich die Gebiete westlich der Oder-Neiße-Linie und östlich dieser Linie nicht: Es gab kein Gebiet in den Grenzen des Reiches von 1937, das polnischer Herrschaft unterstellt oder Polen übergeben worden wäre. Links wie rechts von Oder und Neiße war die sowjetische Besatzungszone.

Es ist die unbestrittene Leistung der Polnischen Provisorischen Regierung, gegen diese Erklärung mit rücksichtsloser und verbrecherischer Gewalt Tatsachen geschaffen zu haben, an denen zum Zeitpunkt der Potsdamer Konferenz nur noch schwer vorbeigegangen werden konnte, zumal Polen dabei die Unterstützung der Sowjetunion fand. Auf der vom 17. Juli bis 2. August stattfindenden Konferenz der Siegermächte in Potsdam gelang es den Westmächten nicht, Stalin zur Einhaltung der früher getroffenen Vereinbarungen zu bewegen. Man einigte sich schließlich darauf, daß diese Gebiete solange unter polnischer und sowjetischer Verwaltung bleiben sollten, bis auf einer Friedenskonferenz die endgültigen Grenzen Deutschlands, Polens und der Sowjetunion festgelegt würden.

US-Präsident Truman wies auf den deutschen Charakter der zur Debatte stehenden Gebiete und auf ihre neun Millionen (Gebiete unter polnischer und russischer Verwaltung) deutschen Einwohner. Stalin entgegnete mit einer Lüge: Nicht ein einziger Deutscher lebe mehr in dem Territorium, das Polen übergeben worden sei. So wurden also Churchill und Truman vorsätzlich über den Stand der deutschen Bevölkerung in ihren östlichen Heimatgebieten getäuscht, der sich nach Massenflucht und ersten Massenaustreibungen immer noch auf fünf Millionen Menschen belief.

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Und so wurde auf dieser Konferenz dann munter weiter gelogen, um Annektion und Vertreibung begründen zu können:

1. Kompensation der polnischen östlichen Gebietsverluste und Ansiedlung von fünf Millionen Ostpolen (in Wahrheit waren es nur knapp eineinhalb Millionen), die leicht als Umsiedler in den verlassenen Siedlungen in Altpolen hätten untergebracht werden können.

2. Wiedergutmachung beziehungsweise Sühne für den Besatzungsterror der Deutschen in Polen. Hierzu wäre folgendes zu sagen: Bekanntlich führte Polen ein überaus hartes Regiment gegen die deutschen Minderheiten in Polen beginnend 1919 und sich ständig steigernd bis Kriegsausbruch 1939, wobei es bekanntlich in den ersten Kriegstagen zu schweren Ausschreitungen gegen die Volksdeutschen kam und zwischen fünf- und sechstausend umgebracht wurden. Zwischen beiden Kriegen mußten mehr als eine Million Deutsche das Land verlassen und in diesen zwanzig Jahren verloren etwa zwanzigtausend Volksdeutsche ihr Leben. Nach dem Einmarsch der Wehrmacht 1939 und der Besetzung Polens wurden die Schuldigen ausfindig gemacht und bestraft. Und genau wie die Deutschen aus den sechstausend Opfern des „Bromberger Blutsonntags” – acht-undfünfzigtausend Tote und Vermißte – machten, so behaupten die Polen seit Jahren „jeder fünfte Pole starb durch deutsche Hand” und schreiben dem deutschen Schuldkonto sechs Millionen polnische Opfer zu.

Diese polnische Verlustbilanz stammt aus der Feder von zwei polnischen Studenten, die sie 1947 im Auftrag der provisorischen Polnischen Regierung erstellten und die in ihren Erhebungen so großzügig vorgingen, daß darin auch große Teile der deutschen vertriebenen Bevölkerung enthalten sind. Durch diese über alle Maßen erhöhten polnischen Verlustzahlen hat sich die ganze Weltöffentlichkeit bis heute beeindrucken lassen und jeder fühlte sich verpflichtet, jedmögliche Hilfe zu gewähren. Dieses Argument war mit Sicherheit auch der Hauptgrund für den unrechtmäßigen Anspruch Polens auf fast die gesamten deutschen Ostprovinzen.

Inzwischen haben Alfred Bohmann und Alfred Schickel nach jahrelanger Forschung gründliche wissenschaftliche Analysen des Problems erstellt. Sie errechnen unter Berücksichtigung amerikanischer

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Forschungsergebnisse rund fünfhundertsiebzigtausend Menschen polnischer Abstammung, die entweder 1939 im Krieg und später bei Partisanenkämpfen gegen deutsche Truppen gefallen sind oder durch die Nationalsozialisten gerichtet wurden. (Von der Bevölkerung der sowjetischen Besatzungszone Polens starben mindestens siebenhundert-fünfzigtausend Volkspolen, die meisten davon durch Deportationen.) Die Zahlen entstammen „Vertreibungsverbrechen an Deutschen”, von Heinz Nawratil, Seite 176 f.

Eine weitere Angabe über polnische Verluste an Menschen im Zweiten Weltkrieg findet man im Buch von David L. Hoggan „Meine Anmerkungen zu Deutschland”. Er schreibt: „Hinsichtlich der deutschpolnischen Beziehungen unter Hitler sowie der sowjetisch-polnischen unter Stalin verdient ein Buch besondere Erwähnung. Es handelt sich um Clifford Barnetts ,Poland, its People, its Society, its Culture’ (Yale University Press 1958).

Das Buch bringt sehr genaue Angaben zur Bevölkerungszahl. Es zeigt auf, daß die deutschen und russischen Verluste an Männern weitaus höher als die der Polen waren; die polnischen Verluste waren geringer als die der Franzosen im Krieg von 1870/71. Und dies trotz der fünfzehntausend Offiziere, die Stalin umbringen ließ (Katyn) sowie der polnischen Verluste der Anders-Truppen in Italien (Lt. „Deutsches National-Lexikon”, München 1992, Seite 69, betrugen die französischen Verluste im Krieg 1870/71 mit Deutschland einhun-dertvierzigtausend Mann).

Selbst die Engländer, die es fertigbrachten, ihre Verluste an Soldaten geringer als im Ersten Weltkrieg zu halten – sie verloren auch ,nur’ dreißigtausend Menschen in den Bombenangriffen, während die deutschen Verluste bei den Bombardierungen rund neunhundert-neunzigtausend betrugen – hatten höhere Menschenverluste als die Polen.

Beim Bor-Komorowski-Aufstand 1944 in Warschau wurden die Polen von der Wehrmacht ehrenvoll behandelt, obwohl die Deutschen alle Gefangenen nach internationalem Recht als Partisanen hätten erschießen können. Ihre Verluste waren zu dem nicht allzu hoch. Das westliche Polen befand sich fast sechs Jahre lang unter deutscher Herrschaft. In dieser Zeit verübten junge Polen zahlreiche Sabotage-286


akte und Einbrüche. Die Bestrafungen waren meist nicht drastisch, und Hinrichtungen waren selten.

Obwohl die Polen immer wieder für sich in Anspruch genommen hatten, das Opfer Nummer eins schlechthin zu sein – seit jüngstem sprechen sie von etwa sieben Millionen Opfern, um wohl die sechs Millionen Juden zu übertreffen -, tut der fließend polnisch sprechende Barnett, auf Grund seiner in Polen selbst durchgeführten Nachforschungen, diese Angabe als wilde polnische Übertreibungen ab; Übertreibungen, wie sie in der polnischen Geschichte schon häufig waren . . .

Zusammenfassend findet es Barnett irgendwie ironisch, daß Polen bei Kriegsende so reichhaltig entschädigt wurde, obwohl es am wenigsten litt und nur wenig zum Sieg der Alliierten beitrug. Barnett schätzt, daß das von Stalin in Besitz genommene nichtpolnische Gebiet (,Ostpo-len’) nur zehn Prozent von dem Gebiet ausmacht, das sich die Polen von Deutschland aneignen durften. . .

Man ließ es in einem dichtbevölkerten Europa zu, daß das nördliche Ungarn, das Sudetenland, Südostfinnland, ein Großteil der baltischen Staaten, Ost- und Westpreußen, Pommern, Posen-Westpreußen und Schlesien entvölkert wurden, um diese Gebiete dann mit primitiven, faulen und unfähigen Leuten dünn zu besiedeln. Diesen Vorgang kann man nur als Verbrechen bezeichnen.” (David L. Hoggan, Seite 290f.)

Per Saldo bleibt festzuhalten, daß die Propaganda der polnischen Nationalisten nach dem Bromberger Blutsonntag – die durch das Nachbarland erlittenen Verluste ihrer Landsleute mit dem zehnfachen der wirklichen Größenordnung angibt. „Historiker in einem totalitären Staat sind mächtiger als der liebe Gott: sie können sogar die Vergangenheit ändern.” (Salvador de Madariaga)

3. Historische Gründe und Rechtstitel. Nicht unerwähnt darf bleiben, daß bei der fünften Sitzung der Siegermächte in Potsdam am 21. Juli 1945 eine polnische Regierungsdelegation ihre Ansichten und Wünsche zur Grenzregelung vorbringen durfte.

Das Verlangen nach deutschem Land und die „historischen Ansprüche” darauf gehen bei den „slawisch” sprechenden Völkern darauf zurück, daß nach der Zwangschristianisierung der Westgermanen

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die Chronisten um das Jahr 800 und später die ostwärts davon wohnenden arianischen oder heidnischen Ostgermanen lateinisch als „Sclavi” bezeichneten. Es waren hauptsächlich Wandalen-Wenden und Goten. Diese wurden später durch die mazedonischen Brüder Cyrillos und Methodios und deren Nachfolger in der glagolitischen Gottesdienstsprache missioniert.

Durch Überlagerung und Vermischung mit den alten germanischen Dialekten entstanden im Laufe der Jahrhunderte die verschiedenen, erst seit 200 Jahren „slawisch” genannten Sprachen; slawisch als Fälschung durch bewußtes Weglassen des C in „Sclavi”. Es gibt keine Landkarte, die älter als 200 Jahre ist und auf der irgendwo in Europa „Slawen” als Bewohner eingezeichnet sind.

Es gibt also zweifelsfrei eine sich jetzt „slawisch” nennende Sprachenfamilie, aber kein slawisches Volk. Durch den Schwarmgeist und Theologen Gottfried von Herder (1744-1803) und August Ludwig von Schlözer (1735-1809) wurde bei Tschechen und Polen das Selbstbewußtsein geweckt, indem vor allem diese beiden Deutschen ihnen einredeten, daß sie wegen ihrer Sprache eigene, von den Deutschen unterschiedliche Völker seien. Daraus entstand der Panslawis-mus.

Polen und Tschechen forderten darauf alle Gebiete für sich, bei denen nach Gründung des Ersten Deutschen Reiches noch die ostgermanischen Sclavi wohnten, also ganz Mitteldeutschland mit Brandenburg, Mecklenburg, Sachsen, Teilen von Oberfranken und der Oberpfalz, sogar Schleswig-Holstein. Daß die Panslawisten auch Pommern, West- und Ostpreußen und Schlesien für sich beanspruchten, ist jetzt erklärlich, denn auch dort siedelten seit Jahrtausenden die von ihren alten Göttern abhängigen Ostgermanen, die alle als Heiden unter dem Sammelnamen Sclavi von den Mönchen und Chronisten zusammengefaßt wurden.

Die von Polen für sich beanspruchte Dynastie der Piasten, von dem Wikinger Dago (Daglinger) 960 überwiegend auf dem Gebiet der Po-lanen (Inlandbewohner) gegründet, ist eine rein germanische Dynastie. Diese germanischen Herzöge hatten zudem nur deutsche Frauen. So war die Heilige Hedwig schon die zehnte deutsche Prinzessin (An-dechs-Meran), die einen regierenden Piasten heiratete. So war ihr

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Sohn, Heinrich II., der in Wahlstatt bei Liegnitz gegen die Mongolen fiel, blutsmäßig ein deutscher Fürst aus dem Hause der Daglinger. Bei den Autochthonen setzte sich im Westen dieses Gebietes die deutsche Sprache durch, im Osten und auf dem Lande unter dem Einfluß des katholischen Klerus, die durch die glagolitische Kirchensprache entstehenden jetzt slawisch genannten Sprachen. Der polnische und tschechische Chauvinismus liegt völlig daneben, wenn er aus angeblich historischen Gründen deutsche Gebiete für sich beansprucht, nur weil diese vor tausend Jahren auch noch nicht christianisiert waren und die Bewohner dieser Gebiete von den christlichen westgermanischen Chronisten als Sclavi bezeichnet wurden. Dies hat mit den heutigen Slawen überhaupt nichts zu tun.

Wie ein roter Faden zieht sich durch die jüngere Geschichtsschreibung die Zeit von „700/800 Jahren deutscher Geschichte Ostdeutschlands”, hindurch, an der sich die Polen aufhängen und ihren historischen Anspruch auf diese Gebiete ableiten. Selbst wenn es so gewesen wäre, erlaubt die Kultur- und Aufbauleistung deutscher Menschen im Osten keinen fremden Anspruch darauf. – Die deutsche Ostgeschichte aber begann nicht vor 700/800 Jahren, auch nicht vor 2300 Jahren (erste historische Daten), sondern als unser Volk zu entstehen begann, vor wohl dreißigtausend Jahren (berühmte Karte des „Ptolemäus” und sein Hauptwerk „Almagest”, Alexandrien 140 n. Chr.). Deutschland – und damit auch Ostdeutschland – ist nie neu deutsch geworden, sondern deutsch entstanden. Wir haben niemals fremde Länder kolonisiert (außer durch erbetene Auswanderung) und anderen Völkern ihr Land weggenommen. Deutschland und das deutsche Volk, das sind deckungsgleiche Begriffe. Wenn wir Deutschen endlich alle begriffen haben, was das bedeutet, dann erst beginnt neue deutsche Politik. (Johannes P. Ney, „Reizwort Rasse”, Tübingen 1991.)

Ausrottungen oder Vertreibungen fanden in dem erwähnten Raum zu keiner Zeit statt. Vielmehr vollzog sich die jeweilige Assimilation der Autochthonen im Prinzip nicht anders als die Romanisierung der Gallier, die Anglisierung der Schotten oder die Germanisierung der baltischen Preußen (auch Prussen oder Pruzzen) im Ostpreußen des Mittelalters. (Marian Turnier, Seite 34 f.)

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Das Besondere an den polnischen Vorstellungen ist nur, daß es die ersten historisch verbrämten Expansionsbestrebungen sind, die im Millionenmaßstab in der Praxis umgesetzt wurden; einen derart totalen Triumph der „Archäologie” hat es in der Geschichte Europas noch nicht gegeben. – Tragikomisch und zugleich abgründig wirken die historisierenden Argumente, wenn man sich vor Augen hält, daß sie nicht nur Modelle zur Liquidierung der ostdeutschen Volksgruppen, sondern auch zur Vertreibung des polnischen Volkes selbst und vieler anderer Völker liefern.

4. Wirtschaftliche und strategische Erwägungen. Diese beiden Begründungen waren die letzten aber vielleicht ehrlichsten Argumente der polnischen Regierungsdelegation in Potsdam. Die Behandlung der strategischen Begründung kann man sich ersparen. Auch die wirtschaftlichen Gründe wirken irgendwie peinlich wenn man bedenkt, daß zum Beispiel die Volksrepublik Polen 1961 eine Bevölkerungsdichte von siebenundneunzig Einwohnern pro Quadratkilometer hatte, während man in der Bundesrepublik Deutschland zweihundertsieb-zehn Personen pro Quadratkilometer zählte. Auch vor dem Krieg war die Bevölkerungsdichte in Polen wesentlich geringer als in Deutschland.

Die wirtschaftliche Nutzung der hochentwickelten ostdeutschen Agrargebiete durch Polen ist ebenfalls nicht optimal. Während 1980/81 ein Landwirt in der Bundesrepublik Deutschland im Durchschnitt dreiunddreißig Menschen ernähren konnte, versorgte sein Kollege in der Volksrepublik Polen nur sieben Menschen. Nach vorsichtigen Schätzungen der offiziellen polnischen Kontrollkommission lagen im Frühjahr 1982 in Polen zweihundertdreiunddreißigtausend Hektar Anbaufläche brach. Ostdeutschland ist unter polnischer Verwaltung vom klassischen landwirtschaftlichen Überschußgebiet zum Zuschußgebiet geworden.

Als Ergebnis der Potsdamer Konferenz erhielt Polen die deutschen Ostgebiete jenseits von Oder und Neiße, 103.006 Quadratkilometer, ein Viertel von Deutschland in den Grenzen von 1937, die es ohnehin schon an sich gerissen hatte, zur Verwaltung. Sie wurden ihm aber nicht zugesprochen. Die Häupter der drei Regierungen bekräftigten ihre Auffassung, daß die endgültige Festlegung der

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Westgrenze Polens bis zu der Friedenskonferenz zurückgestellt werden soll.

So war dann das Jahr 1945 das „Jahr der Ernte”, die Sternstunde des polnischen Nationalismus. Die Planeten standen so günstig wie seit Jahrhunderten nicht mehr: Die Konjunktion der angloamerikanischen Bestrafungstheologie mit der sowjetischen Hegemonialstrategie am Ende der „unvermeidlichen deutschen Katastrophe” brachte den Spielern den erhofften „höchsten Gewinn”, die größte Expansion des polnischen Siedlungsgebietes in der Geschichte; obendrein konnte sich der historische polnische Chauvinismus im Gewand der Kompensations- und Kollektivschuldtheorie in vornehmen westlichen Gesellschaftskreisen sehen lassen. (Heinz Nawratil: „Vertreibungsverbrechen an Deutschen”, S. 184.)

Ein besonders begehrenswertes Objekt polnischer Gelüste war natürlich das oberschlesische Industrierevier, eines der reichsten Gebiete Europas. Bereits nach dem Ersten Weltkrieg wurde von diesem gewachsenen Industriekörper gegen das Ergebnis einer Volksabstimmung für den Verbleib bei Deutschland, achtzig Prozent auf Beschluß einer Völkerbund-Kommission abgetrennt und Polen zugesprochen. Hervorgegangen waren drei blutige polnische Aufstände, um das Land mit Gewalt an sich zu reißen. Damals entstand für Oberschlesien der Begriff vom „Land unterm Kreuz”. Bis 1939 waren dann die achtzig Prozent Industrie soweit heruntergewirtschaftet, daß die beim Deutschen Reich verbliebenen zwanzig Prozent tatsächlich eine höhere Produktion erreichten.

Heute ist dieses ehemals so reiche Gebiet der Raum mit den „größten Umweltschäden” Europas, und es ist kaum möglich, daß es Polen gelingen kann, die Ursachen dieser Umwelt-Zerstörung mit eigener Kraft zu beseitigen. Auch die einst so blühende Landwirtschaft liegt, wie schon erwähnt, in dem viel zu dünn besiedelten Gebiet danieder, nachdem man die guten Wirte davongejagt hat. Auch was die Ausweisung „deutscher Bevölkerungsteile” anging, wurden in Potsdam Entscheidungen getroffen. Dabei ist aber ausdrücklich nur von der „Ausweisung Deutscher aus Polen, der Tschechoslowakei und Ungarn” die Rede. Da die Sieger in Potsdam vom Begriff des Deutschen Reiches in den Grenzen von 1937 ausgingen,

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1945: Auf der Potsdamer Konferenz der Siegermachte (17. Juli bis 2. August 1945) wurde Deutschland ostlich von Oder und Neiße unter polnische, davon das nördliche Ostpreußen unter sowjetische Verwaltung gestellt. Das 1921 von Polen eroberte russische Gebiet fiel an die Sowjetunion zurück (polnisch-sowjetischer Vertrag vom 16. August 1945), so daß ziemlich genau die „Curzon-Lime”, die Ostgrenze des geschlossenen polnischen Siedlungsgebietes, die heutige polnische Ostgrenze ist.

können die deutschen Ostgebiete wohl schwerlich unter „Polen” fallen. Diese Bestimmung traf eindeutig nur die rund 1,3 Millionen polnischen Staatsbürger, die sich nach dem Bekenntnisstand der Vorkriegszeit der deutschen Nationalität zugerechnet hatten, beziehungsweise die achthunderttausend Deutschen, die sich jetzt noch in Alt-Polen befanden.

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Die Warschauer Regierung jedoch mißachtete die Beschränkung der Ermächtigung zur Ausweisung „deutscher Bevölkerungsteile” auf das polnische Staatsgebiet und bezog diese auch auf das zur Verwaltung unterstellte ostdeutsche Gebiet, wo bei einer rein deutschen Bevölkerung von „Bevölkerungsteilen” nicht die Rede sein kann. „Diese Auslegung wurde, nachdem die polnischen Behörden schon im Juni mit der Austreibung begonnen hatten, vom alliierten Kontrollrat für Deutschland stillschweigend gebilligt, namentlich durch den Entwurf eines Aufnahmeplans für Flüchtlinge am 17./20. November 1945″, schreibt der Historiker Hans Roos in seiner „Die Geschichte der polnischen Nation 1918-1978″.

Doch im Gegensatz zur Jahreswende 1944/45 war die Vertreibung von Millionen Ostdeutschen zum Zeitpunkt der Potsdamer Konferenz nicht mehr der übereinstimmende Wille der Großmächte. So wurden in Potsdam auch für das unter sowjetische Verwaltung gestellte nördliche Ostpreußen keine Ausweisungen vorgesehen. An dieser Stelle wird die ursprüngliche und kausale Verantwortlichkeit Polens für die Vertreibung der Ostdeutschen deutlich. Sie beruht nicht auf dem höheren Willen der Großmächte, sondern im Gegenteil auf einem Willkürakt Polens, dem Bruch der Bestimmungen von Potsdam.

Zusammenfassend läßt sich sagen, daß in der Zeit vom Spätsommer bis zum Spätherbst 1945 entgegen den Bestimmungen des Potsdamer Protokolls vierhunderttausend Deutsche aus den deutschen Ostgebieten von Polen vertrieben wurden.

Anfang 1946 setzt Polen eine Kommission zur Umbenennung der deutschen Orts- und Flurnamen ein. Dreißigtausend Namen werden bis 1950 durch neugeschaffene Bezeichnungen ersetzt. Dabei werden oft die deutschen Namen lediglich ins Polnische übersetzt.

4. 1946: Höhepunkt der Vertreibung

Das Jahr der größten Vertreibungsaktionen war 1946, die das gesamte ostdeutsche Gebiet unter polnischer Herrschaft erfaßten. In diesem Jahr wurden in den Grenzen von 1937 zwei Millionen Deutsche von

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Polen im wahrsten Sinn des Wortes über die Oder-Neiße-Linie „getrieben”. An der Brutalität und den die Austreibung begleitenden Verbrechen änderte sich auch 1946 lange Zeit nichts. Zwei vom alliierten Kontrollrat vorgelegten Pläne bezüglich der „Überführung der deutschen Bevölkerung” beinhalteten nochmals die Worte „Human” und „Ordnung”, bewirkten aber absolut keine Änderung am Verhalten der Polen und deren Maßnahmen.

Doch schon in den eigenen Bestimmungen erwiesen sich diese Pläne als hart und verbrecherisch: So wurde den Vertriebenen untersagt, mehr als fünfhundert Reichsmark und mehr Gepäck mitzunehmen, als sie „in den Händen tragen können”. Von „ordentlicher und humaner” Durchführung konnte daher auch in der folgenden Zeit nicht die Rede sein. So gab es nahezu keine Verpflegung und ärztliche Versorgung der Transporte.

An der Brutalität der Miliz und dem Zwang, oft binnen Minuten Haus, Hof oder Wohnung zu verlassen, änderte sich ebenfalls nichts. Immer noch wurden die Vertriebenen in kilometerlangen Märschen in Konzentrationslager gebracht, von denen aus erst nach Wochen die Transporte weitergingen. Festzuhalten ist auch die Tatsache, daß diese Menschen nach der Ankunft in Westdeutschland oder der sowjetischen Besatzungszone in Mitteldeutschland bei der damaligen Situation keinesfalls mit offenen Armen empfangen wurden. Meistens mußten sie monatelang ihr Dasein in einem Lager fristen, bis sie nach und nach in Behelfswohnungen unterkommen konnten. Die Kriegsschäden, vor allem die Luftangriffe auf die deutschen Städte, hatten eine Wohnungsnot von unvorstellbarem Ausmaß verursacht. Ein Hintergedanke von Stalin war ja auch, daß die verordnete Menschenflut aus dem Osten vom Westen nicht verkraftet werden konnte und die erwarteten Unruhen unter der Bevölkerung dem Kommunismus nützen würden. Dabei hatte er sich aber in einem Punkt verrechnet: Trotz des langen und schrecklichen Krieges, oder vielleicht gerade deswegen, hatte die Disziplin der Deutschen nicht gelitten. Natürlich wirkte sich auch die im argen liegende „polnische Organisation” für die Vertreibungsopfer keinesfalls segensreich aus. So wurden beispielsweise Deutsche aus Pommern manchmal erst nach Polen geschafft, von dort aus nach Schlesien, wo sie schließlich ausgewie-

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sen wurden. Bei solchen, nicht enden wollenden Transporten stieg die Zahl der an Kälte, Hunger und den ständigen Mißhandlungen Sterbenden noch weiter. Auch ist zu bedenken, daß die 1946 Vertriebenen durchwegs durch eine halb- bis anderthalbjährige Zeit von Hunger, Zwangsarbeit, Seuchen, Mißhandlungen und Entbehrungen entkräftet waren.

Internationale Hilfsorganisationen, wie Rotes Kreuz oder ähnliches, waren überhaupt nicht zur Stelle, um die Leiden der armen Menschen zu lindern. Wer den Strapazen und Entbehrungen nicht gewachsen war, verendete schlimmer als ein Stück Vieh.

Als 1946 der Winter begann und unter den Vertriebenen große Verluste verursachte, setzte Polen die Ausweisung dennoch unverändert fort. Erst als die britischen Behörden die weitere Übernahme von Ausweisungstransporten verweigerten, ging die Zahl der Ausweisungen zurück. Eine Anzahl von Transporten kehrte sogar zurück, um zu einem späteren Zeitpunkt das gleiche nochmals zu erleben. Ende 1946 war der Hauptteil der Deutschen, die beim Einzug der Roten Armee in ihrer ostdeutschen Heimat geblieben oder nach der Flucht wieder zurückgekehrt waren, zusammen etwa 5,7 Millionen, bereits vertrieben oder nicht mehr am Leben. Einer weiteren umfassenden Etappe der Vertreibung fiel 1947 rund eine halbe Million Deutsche zum Opfer. Orte, an denen die Vertreibung bisher teilweise oder ganz vorbeigegangen war, wurden nun gewaltsam deutschenfrei gemacht. Damit war die Massenvertreibung der Deutschen wie geplant aus den deutschen Ostgebieten unter polnischer Verwaltung im wesentlichen abgeschlossen, während beispielsweise im nördlichen Ostpreußen unter sowjetischer Verwaltung die Ausweisung gerade begann und im Memelland keine systematische Ausweisung stattfand. In den folgenden Jahren kam es in den polnisch verwalteten Gebieten zwar noch zu einer Anzahl von Einzelausweisungen, vor allem aber versuchten unzählige zurückgehaltene Deutsche auszureisen oder zu flüchten. In der Provinz Oberschlesien hielt sich bis heute vor allem auf dem Lande etwa eine knappe Million deutscher Menschen. Zunächst in Lager gesperrt, überließ man ihnen wieder ihren bescheidenen Besitz und erzwang damit die Option für Polen. Außerdem waren es Katholiken, und Polen setzte alles daran, um diese Menschen zu po-

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Ionisieren, was ihnen auch nach fünfundvierzig Jahren nicht gelungen ist. „Wir haben dem Vaterland die Treue gehalten, aber das Vaterland hat uns verraten”, hört man immer wieder bei Besuchen in Oberschlesien.

Die Vertreibung der Deutschen aus ihren übrigen europäischen Siedlungsgebieten wie dem Sudetenland, Jugoslawien und Ungarn wurde genauso unmenschlich durchgeführt wie jenseits von Oder und Neiße, zum Teil sogar noch grausamer. Mit Sicherheit sind in den KZ-Lagern im tschechischen und jugoslawischen Machtbereich die meisten Todesfälle vorgekommen. Präsident Benesch hatte sich schon vor dem Krieg vorgenommen, die Sudetendeutschen nach dem zu erwartenden Krieg aus ihrer Heimat zu vertreiben. Die Genehmigung hierzu hatte er, wie schon erwähnt, schon während des Krieges in seinem Exil in den USA von den Alliierten erhalten.

Mit zum Teil noch härterer Brutalität als die Polen betrieben die Tschechen, beginnend gleich nach Kriegsende, die Austreibung der Sudetendeutschen. Drei Millionen mußten ihre Heimat verlassen, und fast dreihunderttausend verloren ihr Leben. An Todesarten für Deutsche werden überliefert: Erschlagen, erdrosseln, ertränken, erstechen, entmannen, tottrampeln durch Menschen, tottrampeln durch Pferde, verbrennen bei lebendigem Leib, verstümmeln auf verschiedenste Weise, ferner vollpumpen mit Jauche und zu Tode rollen in Fässern. Einzelheiten wie die Ausschreitungen in Aussig, wo zwischen zweitausend und zweitausendsiebenhundert, auch Frauen und Kinder, von der Elbe-Brücke in den Fluß gestürzt wurden sowie die Ermordung von schwangeren Frauen, sollen hier nicht wiedergegeben werden. (E. J. Reichenberger, a. a. O., Seite 217 – Thorwald, a. a. O., Seite 485 ff.; V. Mastny, Seite 334.)

Besonders tragisch war das Schicksal der deutschen Sprachinseln in Jugoslawien. Im Statistischen Bundesamt (a. a. O. Seite 47) wurde auf Grund eingehender Untersuchungen festgestellt, daß etwa ein Drittel der Jugoslawiendeutschen durch Krieg und Vertreibung umgekommen ist. Bedenkt man, daß nach dem Abzug der deutschen Truppen weit weniger als die Hälfte im Land blieb, so ergibt sich weiter, daß von den Zurückgebliebenen rund zwei Drittel getötet wurden. Größte Grausamkeit kennzeichnete diesen Genozid. (Statistisches Bundesamt, Seite 47.)

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Die jugoslawischen Plagen waren dreifach: 1) Deportation in die Sowjetunion, 2) Verhaftung und Massenerschießung, 3) Konzentrationslager.

Die Besonderheit der Deportation war in Jugoslawien, daß sie zu über achtzig Prozent Frauen betraf, die man obendrein regelmäßig von ihren Kindern trennte; diese wurden dann in jugoslawische Lager verbracht. (Bundesarchiv a. a. O., Seite 68; vergl. W. Ahrens.) Man unterschied offiziell dreierlei Lager: Zentralarbeitslager, Ortslager und Konzentrationslager für Arbeitsunfähige. (Dokumentation der Vertreibung a. a. O., Bd. V, Seite 108 Ef.) Die letzteren wurden inoffiziell auch Endlager oder Vernichtungslager genannt, weil dort die Sterberate ganz besonders hoch war. Dazu vermerkt das Bundesarchiv: (a. a. O., Seite 72) „Das größte Lager dieser Art, Knicanin (Rudolfsgnad), passierten etwa dreiunddreißigtausend Menschen, von denen nach geretteten Aufzeichnungen eines Lagerarztes neuntausendfünfhundertunddrei verstorben sind, davon achttausendzwölf Erwachsene und vierhundert-einundneunzig Kinder unter vierzehn Jahren.

Als weitere Beispiele seien genannt: Gakovo mit achtzehntausend Insassen, davon achttausendachthundert Todesfällen, Backi Jarek mit achtzehntausend Insassen und sechstausendvierhundert Todesfällen, Krusevlje mit zehntausend Insassen, davon rund dreitausend Todesfälle.” Der Suchdienst des Deutschen Roten Kreuzes hat eintausend-fünfhundertzweiundsechzig Lager und Gefängnisse ermittelt, in denen Deutsche festgehalten wurden. (Bundesarchiv a. a. O., Seite 71.)

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Verhalten Deutscher Soldaten

1. Polnische Offiziere als deutsche Kriegsgefangene

Wie mag es wohl den in deutsche Kriegsgefangenschaft geratenen achtzehntausend polnischen Offizieren ergangen sein? Der Historiker Alfred Schickel von der Zeitgeschichtlichen Forschungsstelle Ingolstadt (ZFI) hat weitere aufschlußreiche Dokumente über das Schicksal polnischer Offiziere in deutscher Kriegsgefangenschaft entdeckt. Schickel berichtet:

Zahlreiche der ZFI vorliegenden Zeugnisse und Briefe dokumentieren Leben und weiteres Schicksal der (in deutsche Kriegsgefangenschaft geratenen) polnischen Offiziere. Ihnen ist zu entnehmen, daß die

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kriegsgefangenen polnischen Offiziere korrekt nach den Regeln der Genfer Konventionen behandelt wurden und sogar Gelegenheit geboten bekamen, sich an „Lager-Universitäten” weiterzubilden. So hielt beispielsweise der spätere polnische (kommunistische) Außenminister Adam Rapacki, an der Lager-Universität im Oflag (Offiziers-Lager) Dössei, Vorlesungen über „die künftige sozialistische Gesellschaft in Polen” und unterrichtete der Warschauer Kirchenhistoriker Jelonek seine Offizierskameraden in polnischer Kirchengeschichte. Überlieferte Fotos zeugen auch vom regen religiösen Leben in den verschiedenen „Oflags”. Von diesen über ganz Deutschland verteilten zwölf „Oflags” besaßen alle Büchereien und Bibliotheken, und in den Lagern Arnswalde, Waldenburg, Murnau und dem bereits erwähnten Dössei, man höre und staune, waren sogar Lager-Universitäten eingerichtet. General Wladislaw Anders, der die auf selten der Alliierten nach Polens Niederlage weiterkämpfenden polnischen Truppen kommandierte, habe diese Behandlung der polnischen Kriegsgefangenen durch die Deutsche Wehrmacht den Massakern gegenübergestellt, die die Sowjets an seinen Kameraden bei Katyn angerichtet hatten. Auch aus diesem Grund habe sich Anders entschieden, nach Kriegsende nicht ins kommunistische Polen zu gehen, sondern in England zu bleiben, wo er im „Dreierrat des polnischen Exils” wirkte. Ein vom ZFI im „Roosevelt-Archiv” in Hyde Park (Staat New York) entdeckter Geheimbericht vom 24. Mai 1943 bestätigt die korrekte Behandlung der in deutsche Hände gefallenen polnischen Offiziere nach den Vorschriften der Genfer Konvention. In diesem „Report” an Premierminister Churchill, der ihn streng vertraulich am 13. August 1943 an US-Präsident Roosevelt weiterleitete, hieß es: „Hätten die deutschen Behörden diese zehntausend polnischen Offiziere je in der Hand gehabt, könnten wir sicher sein, daß sie sie alle in die Lager in Deutschland gebracht hätten, die polnischen Gefangenen schon zugeteilt sind.” (Wochenzeitung „Der Schlesier” vom 2. Oktober 1992, Seite 5.) Einer von vielen schweren Vorwürfen gegen Deutschland, der bis heute erhoben wird, ist der, daß Deutschland bestrebt war, nach dem Sieg über Polen, die polnische Intelligenz auszurotten. Allein die Behandlung der kriegsgefangenen polnischen Offiziere beweist, wer bestrebt war, die „polnische Intelligenz auszurotten”. Eine weitere dies-

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bezügliche Entlastung brachte auch der „Manstein Prozeß” im August 1949 für Deutschland. Der Verteidiger von Generalfeldmarschall Manstein, ein sich freiwillig zur Verfügung gestelltes britisches Parlamentsmitglied, Reginald Paget, konnte Unterlagen und sogenannte „Beweise”, von wer weiß wie vielen deutschen Greueltaten in Polen entkräften. Aufgrund sich erweisender Widersprüche und sachlicher Mängel konnte er sie widerlegen und als Vorwürfe nachweisen, die lediglich aus rein politischen Gründen eingebracht worden waren. (Richard Harwood, „Der Nürnberger Prozeß”, Historische Tatsachen Nr. 3, Seite 19 – Vlotho/Weser 1977, Hrsg. Udo Walendy.) Das entscheidende Dokument des Volkskommissariats für innere Angelegenheiten der UdSSR vom 5. März 1940, daß die Vorbereitung des Massenmordes an den polnischen Gefangenen beweist, schlüsselt die Opfer zahlenmäßig genau auf in militärische Dienstgrade und andere Berufe wie Gutsbesitzer, Fabrikanten, Beamte und andere und kommt sogar auf eine Gesamtzahl von fünfundzwanzigtausendsie-benhundert Opfern. Wahrscheinlich sind außer den Kriegsgefangenen noch verhaftete Zivilisten dabei, die bei der Besetzung Ostpolens durch die Sowjets inhaftiert worden waren.

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Auszug aus “Die Geschichte der Verfehmung Deutschlands,” Franz Seidl

http://www.vho.org/D/gdvd_3/I1.html

Die polnischen Konzentrationslager

Eine vatikanamtliche Ausstellung, welche die Verfolgung der Kirche in den Ländern jenseits des Eisernen Vorhanges verdeutlicht, hat in der polnischen Presse wütende Polemiken ausgelöst. Aus einer in der Ausstellung gezeigten Wandkarte geht hervor, daß sich in Polen und in den Oder-Neiße-Gebieten insgesamt 14 Konzentrationslager befinden, deren Insassen besonders auch katholische Geistliche sind. (“DWZ”, vom 9. Dezember 1966.)

Der Generalstabsarzt a. D. Dr. Heinz Essar berichtet über das ehemalige polnische Vernichtungslager Lamsdorf:

“In diesem Lager sind von 8000 zwangsverschleppten Frauen, Männern, Greisen und Kindern etwa 7500 bestialisch erschossen, ermordet oder lebendig in Massengräber geworfen worden. Diese Toten hatten sich niemals politisch betätigt und entstammten kleinen Dörfern, worin sie als Bauern, Kaufleute, Lehrer, Beamte, Priester usw. seit eh und je ihre Pflicht getan hatten. Dieses Verbrechen wurde nach dem Kriege begangen, das heißt nach Verkündung der Atlantikcharta.

Die 8000 Lagerinsassen waren – wie aus dem Bericht hervorgeht – aus 38 Ortschaften des oberschlesischen Kreises Falkenberg zusammengetrieben worden. Wer nicht erschossen oder sonstwie ermordet wurde, mußte verhungern oder an Flecktyphus sterben. Nur 680 überlebten das Todeslager. Dies alles – einschließlich der Namen der Mörder – wurde auch den polnischen Regierungsstellen bekanntgegeben. Es wurde bis heute keine Verfolgung der Täter eingeleitet…”

Die polnischen KZ waren scheußliche Verbrecherzentralen. Wie glücklich wären die Deutschen gewesen, wenn sie in deutschen KZ gewesen wären.

map Teichsgau Wartheland 1943

 

 

WEITERER AUSZUG AUS DEM BUCH BEI ERICH KERN – Verbrechen an Deutschen

 Diese Dokumentation wurde mit Polen begonnen und soll auch mit Polen enden.

In Lamsdorf bei Oppeln mußten 7500 Deutsche unter gräßlichen Qualen sterben. Nur 200 der Lamsdorfer Deutschen überlebten.

Am 23. April 1964 veröffentlichte die mutige Zeitung »Unser Oberschlesien« einen Bericht des Totengräbers von Lamsdorf, den der frühere Lagerarzt Dr. Heinz Esser ergänzte.

Der Totengräber von Lamsdorf berichtet:

»Um in das polnische KZ-Lager Lamsdorf zu kommen, genügte es, wenn man Deutscher war. Bei der Vernehmung wurde so lange geprügelt, mit Bleikabeln, Übungshandgranaten, ledereingefaßten Eisenbahnhalteketten und mit anderem mehr, bis jeder einzelne zugab, einer NS-Organisation angehört zu haben. Im Lager waren ca. 7800 Personen. Die Lagerstärke war im Schnitt 2500 Personen, vom Kind in der Wiege bis zum Greis am Rande des Grabes. Die Lagerinsassen waren nach Geschlechtern getrennt. Die Jungen waren bis 10 Jahren, die Mädchen bis 14 Jahren bei den Müttern In den Baracken. Die Jungen von 10 bis 14 Jahren waren auf einer Stube zusammengefaßt. Ab 14 Jahren

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waren die Jungens auf Männerbaracken verteilt und mußten Männerarbeit verrichten. Die Baracken waren Wehrmachtsbaracken. Während des Krieges war dieser Barackentyp mit 7 Doppelbetten belegt. Im Lager waren diese mit 18 Doppelbetten belegt, teilweise das Bett mit zwei Personen. Eine körperliche Sauberhaltung war unmöglich.

Ich kam am 14. 9. 1945 mit 63 Männern und 15 Frauen in das Lager. Hein Max wurde bei der Aufnahme in das Lager blutig geschlagen, von zwei Posten hinter eine Baracke gestoßen und dort erschossen. Die Posten bekamen dafür eine Rüge, für Nazischweine ist eine Kugel zu schade, sie müßten erschlagen werden wie die Ratten. Langer, Johann, trug einen schwarzen Vollbart. Deswegen wurde er mit dem Bart in den Schraubstock geklemmt und mit Eisenstäben erschlagen. Sie sprangen um ihn herum wie die Wilden mit dem Gebrüll:

“Du Jud! Du Judas!”

Böhm, Willi, trug eine außergewöhnlich starke Brille, und deshalb wurde er zusammengeschlagen und mit dem Seitengewehr mehrmals in die Brust gestochen. Ein Landgendarm aus dem Kreise Falkenberg wurde zusammengeschlagen. Zwei Kameraden mußten ihn an den Beinen packen und ca. 300 Meter im Trab über die Erde schleifen, dann wurden ihm die Kleider in Brand gesteckt. Ich habe bis dahin noch kein Todeslager, weder von Tier noch Mensch, so zerwühlt gesehen, wie von dieser gequälten Kreatur. Solche Beispiele könnte ich noch viele anführen.

Früh um 6 Uhr war Wecken. Unsere Notdurft mußten wir während der Nacht auf dem Eimer machen. Die Stuben waren von außen geschlossen. Nach dem Wecken wurden wir geschlossen stubenweise zur Latrine geführt. Wenn wir zurückkamen, haben wir uns gewaschen, es stand eine Waschschüssel für die ganze Stube zur Verfügung. Die Hände naß machen und einmal durchs Gesicht fahren, das war die ganze Toilette, die wir machen konnten. Zum Rasieren stand für eine Stube ein Rasierapparat, eine verbrauchte Klinge von den Posten in einer Woche zur Verfügung. Von sanitären Einrichtungen war bis zum April 1946 keine Spur im ganzen Lager zu finden. Ungeziefer hatten wir keines, sondern das hatte uns.

Ich habe die Toten beerdigt, bei denen die Läuse die Knochen um die Halskrause, die Fuß- und Handgelenke bloßgelegt hatten. Die Läuse saßen dann fast l cm dick übereinander. Das Blut haben diese Quälgeister restlos ausgesaugt. Wer länger im Krankenrevier ohne Temperatur im Bett lag, ohne etwas gegen das Ungeziefer zu tun, den haben die Läuse, Wanzen und Ratten bei lebendigem Leibe aufgefressen. Um 7 Uhr war Appell. Stubenweise mußten wir in Doppelreihe antreten. Es mußte polnisch abgezählt werden. Wer das nicht konnte, wurde geschlagen und getreten, mit Vorliebe in die Geschlechtsteile. Nach dem Appell wurde Frühsport gemacht, nicht zur Ertüchtigung des Körpers, sondern um zu schikanieren. Man ließ uns robben und Liegestütz ma-

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dien. Wer nicht recht mitkonnte, wurde totgetreten. Während des Appells hatten wir regelmäßig früh und abends mindestens  je vier Tote. Die Feldarbeiten wurden  regelmäßig von  den  Lagerinsassen ausgeführt. Sämtliche Geräte, die zur Feldbestellung gehörten, wurden von Männern und Frauen gezogen, acht Personen gleich ein Pferd. Oftmals ging es im Trab, dazu gab es Schläge. Brach einer infolge Entkräftung zusammen, wurde er erschossen.

Bei der Rückmeldung im Lager hieß es, so und soviel auf der Flucht erschossen. Der Posten wurde dafür gelobt. Am 15. 9.1945 ist ein Kommando von 18 Männern 3 Kilometer weit in einem schweren Wagen gefahren, um einen Transformator zu klauen. Zurückgekommen sind 12 Männer, die vom Tode gezeichnet waren. Ich habe da ca. 400 Tote beerdigt. Die Gesichtszüge der 12 Männer habe ich später nur noch bei Sterbenden gesehen. Es gab da auch ein Krankenrevier, sprich Todeskammer. Die Krankenstube war mit 24 Betten belegt. Dafür stand eine Pflegerin zur Verfügung, die die Stube sauberhalten, Essen und Wasser holen mußte. Das Holz mußte sie selber hacken.

Für die individuelle Betreuung des einzelnen blieb keine Zeit mehr. Wer dort nicht über einen gesunden Organismus verfügte, der ist nicht mehr. Als im Winter 45/46 der Typhus grassierte, waren bei einer Lagerstärke von 2000 Personen 20 Tote am Tage keine Seltenheit. Oft wurde ein Bett am Tage zweimal belegt. Der Strohsack war oft verfault. Dies störte nicht. Im Gegenteil, es förderte ganz erheblich die Sterblichkeit, denn das Lager wurde ja nur zur Vernichtung der Deutschen eingerichtet.

Für den Lagerarzt Herrn Dr. Esser war es ein Martyrium, durch das Krankenrevier zu gehen, er sah die kranken und entkräfteten Menschen liegen und konnte ihnen nicht helfen. Es ist vorgekommen, daß internationale Hilfsorganisationen für das Lager Medikamente spendeten. Diese wurden vor den Augen des Arztes zerstört. Ist ein Mißhandelter zum Arzt zum Verbinden gegangen und sagte er, woher er die Verletzungen hatte, wurde er, vor den Augen des Arztes, von den Posten erschlagen oder erschossen. Die Polen, welche der Arzt behandeln mußte, waren größtenteils geschlechtskrank. Die Verpflegung bestand aus zwei bis drei Kartoffeln und mittags aus Wasser, ohne jegliche Zutaten, abends aus Erikatee, in dem die Ratten ihr Wochenbett gehabt hatten. Im Herbst 45 gab es jeden 2. bis 3. Tag eine Scheibe Brot. Im Winter gab es kein Brot, ab April 46 gab es täglich 250 g Brot. Ich habe vom 14. 9. bis 8. 11.45 nur von der Lagerverpflegung gelebt. Den Angehörigen war es später  gestattet,  Essen  in  das Lager  zu  bringen.  Aber das  reichte  bei  weitem nicht aus.  Es  war  für die Angehörigen immer ein Spiel mit dem Leben. So wurde z. B. Frau Nolte aus Rogau im Winter bis auf die Unterkleidung ausgezogen, geschlagen und vergewaltigt.

Zu den Feiertagen gab es grundsätzlich überhaupt nichts zu essen. Der Tod war unser treuester Begleiter. Trauen konnte man keinem Menschen. Denn

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für ein Stück Brot ist mancher zum Verräter geworden. Wer die Hölle von Lamsdorf lebend überstanden hat, der ist an Leib und Seele gebrochen. Darüber berichten heißt erleben. Die Herren Ärzte und Sozialrichter, die in Versorgungsangelegenheiten der Überlebenden vom Lager Lamsdorf negativ aus Unwissenheit entscheiden, setzen gewissermaßen das begonnene Vernichtungswerk der Polen fort.

gez. Josef Thiel«

Nachsatz:

  1. Thiel hat in schlichter Art nur einen kleinen Teil der wirklichen Vorgänge aus eigenem Erlebnis ohne Aufforderung geschildert.
  2. Die Schilderung entspricht den Tatsachen.
  3. Max Hein wurde vor meinen Augen angeschossen, bis ich mich vor ihn stellte. Nachher wurde er durch Bajonettstiche (7 Stiche in den Brustkorb und in den Unterleib) erstochen.
  4. Langer, Johann, der mit seinem Bart in einen Schraubstock eingeklemmt wurde, habe ich 2 Stunden später hinter einer Baracke aufgefunden. An der Leiche stellte ich zahlreiche schwere Mißhandlungsverletzungen, Verbrennungen des Gesichtes und Schädelbrüche fest.
  5. Beim Appell gab es täglich bis zu zehn Tote. Entweder waren diesen die Halsschlagadern eingeschlagen oder zerrissen oder die Eingeweide eingetreten worden. Oft stellte ich nachher offene Bauchdecken fest, aus denen die Eingeweide herausragten.
  6. Die meisten Todesursachen waren entweder Tod durch Mißhandlungen, infolge Aushungerung, Erstickung der Lebendbegrabenen oder Erschießungen.
  7. Thiel war von den polnischen Partisanen als Totengräber eingesetzt und hat körperlich und seelisch Unvorstellbares erlebt. Er gehört zu denjenigen Überlebenden, deren Mißhandlungs-Erlebnisse und Aushungerungsfolgen von Amtsärzten und Sozialgerichten nicht gewürdigt werden.
  8. Aus dem Lager Lamsdorf sind nur wenige mit dem Leben davongekommen. In diesem Lager fand ein Massenmord statt, der in der Weltgeschichte hinsichtlich seiner Brutalität einzig dasteht und so scheußlich war, daß er in der Phantasie nicht ausgemalt werden kann, weil die Folterungen und Tötungen in ihrer grausigen Wirklichkeit jede menschliche Vorstellungskraft überschreiten.
  9. 19 Jahre danach habe ich pflicht- und verantwortungsbewußt getreu meinem ärztlichen Eide Gutachten über Lebende dieses Lagers ausgefertigt, die sowohl dem Richter als auch dem amtlichen ärztlichen Gutachter ein objektives Bild für die Beurteilung abgeben sollen, welches leider noch vielen unglaublieh vorkommt, da es einmalig ist und sehr oft die Schilderungen deutscher KZ-Lager hinsichtlich sadistischer Grausamkeit übertrifft.

Die Frage an das Weltgewissen lautet immer noch, wann wird die Bundesregierung die dokumentarisch erwiesenen und historisch begutachteten Vorgänge für die Welt veröffentlichen, damit Unrecht gegen Unrecht aufgewogen werden kann?

Dr. med. Esser, Braunschweig ehem. Lagerarzt von Lamsdorf«

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Damit habe ich einem Mann, der die alliierte Rache und ihre ganze Grausamkeit selbst bis zur Neige auskosten mußte, das Schlußwort für die ganze Dokumentation gegeben.

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